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Donnerstag, 25. Dezember 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 108

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar

• Schwere Kampftechnik soll abgezogen werden
"Der Abzug schwerer Technik von der Entflechtungslinie in der Ostukraine beginnt an diesem Wochenende. Das Ziel sei, eine 30 Kilometer breite Sicherheitszone zu schaffen, teilte Generalmajor Alexander Rosmasnin vom ukrainischen Generalstab am Donnerstag in Kiew mit.
„Wir arbeiten an der bedingungslosen Umsetzung des Minsker Memorandums. Die erste Etappe ist die Einhaltung der Waffenruhe. Nach dem 26. Dezember gehen wir zu einer anderen Etappe über – Abzug von Artilleriesystemen mit einem Kaliber von über 100 Millimetern um 15 Kilometer auf jeder Seite“, wurde der General vom Pressezentrum des Verteidigungsministeriums in Kiew zitiert. ..." (Sputnik News, 25.12.14) 

• OSZE: Kohle aus Donbass nach Russland transportiert
"Aus der Region Luhansk wird Kohle nach Russland weiter geschmuggelt. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa beobachtet viele Kipper mit Kohle an den russischen Grenzübergängen „Gukowo“ und „Donezk“, heißt es im Wochenbericht der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine." (Ukrinform, 25.12.14)

• Gefangenenaustausch vereinbart
"Die Kontaktgruppe zum Ukraine-Konflikt hat bei ihrem Treffen in Minsk Austausch aller Gefangenen vereinbart. Laut dem Separatistenführer Alexander Sachartschenko werden 150 ukrainische Sicherheitskräfte gegen 225 Separatisten ausgetauscht, „alle gegen alle“, teilte die russische Agentur TASS mit.  Ihm zufolge laufen die Verhandlungen weiter.
Die Gespräche der Kontaktgruppe am Mittwoch dauerten mehr als fünf Stunden. Über weitere Ergebnisse wurde nicht mitgeteilt." (Ukrinform, 25.12.14)

• Minsker Gespräche angeblich ergebnislos
"Das erste Treffen der wiederaufgenommenen Friedensverhandlungen zwischen der ukrainische Regierung und den prorussischen Separatisten in Minsk ist am Mittwoch nach Angaben der Rebellen ohne Ergebnisse beendet worden. Das erklärte der Rebellenführer Denis Puschilin nach den über fünfstündigen Gesprächen. Auch stellte Puschilin das für Freitag geplante Treffen infrage.
"Wir hatten ein schwieriges Vortreffen. Das Datum des nächsten Treffens wurde noch nicht festgelegt", erklärte Puschilin, der die international nicht anerkannte "Volksrepublik" Donezk vertrat, auf einer Website der Separatisten. Auch der Vertreter der selbsternannten "Volksrepublik Lugansk (Luhansk)", Wladislaw Deinego, erklärte laut seiner Pressestelle, es stehe noch nicht fest, wann das nächste Treffen stattfinde. Ursprünglich war Freitag für weitere Gespräche der Ukraine-Kontaktgruppe geplant.
Zu Beginn der Gespräche am Mittwoch hatte bereits Valeri Tschali, ein Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, vor allzu großen Erwartungen gewarnt. "Heute sollte man keine Ergebnisse erwarten", sagte er. ..." (Die Presse online, 25.12.14)

• Ministerpräsident der "Volkssrepublik Donezk" will Kampfjet bei MH17 selbst gesehen haben
"Mehr als fünf Monate nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine gibt der Chef der von Kiew abtrünnigen „Donezker Volksrepublik“, Alexander Sachartschenko, der ukrainischen Luftwaffe die Schuld. Er habe es mit eigenen Augen gesehen, wie ukrainische Kampfjets den Flug MH17 vom Himmel holten.
Es seien ukrainische Kampfjets gewesen, die die Boeing abgeschossen haben, sagte Sachartschenko am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Donezk. Dutzende Zeugen hätten das beobachtet, darunter auch er selbst. „Ich habe gesehen, wie das war. Es waren zwei Flugzeuge und die Boeing. Dann waren die beiden Flugzeuge weg und die Boeing stürzte ab“, sagte Sachartschenko. Er sei zu dem Zeitpunkt der Katastrophe im Raum Schachtersk unterwegs gewesen. Dutzende weitere Menschen haben dasselbe beobachtet. „Ich habe sofort verstanden, dass ukrainische Flugzeuge die Maschine abgeschossen haben. Wir haben nämlich keine Luftwaffe“.
Den Vorwurf der ukrainischen Politiker, hinter dem Abschuss stünden die Donezker Milizen, wies Sachartschenko kategorisch zurück. „Erstens sind wir keine wilden Tiere, sondern Menschen. Zweitens haben wir keine technischen Möglichkeiten dazu.“ ...
Vier Tage nach dem Absturz veröffentlichte der russische Generalstab seine Radardaten. Demnach wurde ein ukrainischer Kampfjet kurz vor der Katastrophe unweit von der malaysischen Verkehrsmaschine geortet. Auch Augenzeugen wollten einen Kampfjet unweit der Boeing gesehen haben. In dieser Woche teilte ein ukrainischer Soldat, der am Tag der Katastrophe auf einem ukrainischen Luftwaffenstützpunkt diente, den russischen Ermittlungsbehörden mit, dass vermutlich ein ukrainisches Erdkampfflugzeug des Typs Su-25 im Spiel gewesen sei. ..." (Sputnik News, 25.12.14)
Ein ukrainischer Kampfjet Su-25 soll am Tag des Absturzes der malaysischen MH17-Passagiermaschine im Gebiet Donezk mit Luft-Luft-Raketen an Bord gestartet, jedoch ohne sie zurückgekehrt sein, berichtete die russische Zeitung „Komsomoljskaja Prawda“ am 22.12.14. Siehe auch die RIA Novosti-Meldung vom 23.12.14 dazu.
U.a. hatte auch die BBC am 25.7.14 in ihrem russischen Dienst einen Beitrag veröffentlicht, in dem Anwohner der Absturzstelle berichten, dass sie zwei Kampfflugzeuge bei der malaysischen Boeing gesehen haben.

• Kiewer Sicherheitsrat mit neuen Befugnissen
"Das Parlament hat am Donnerstag das umstrittene Gesetz „Über Änderungen im Gesetz über den Rat für Nationale Sicherheit und Verteidigung der Ukraine“ verabschiedet. Für das Gesetz stimmten 253 Abgeordneten.
Gemäß dem Gesetz bekommt der Sicherheitsrat neue weitreichende Befugnisse. Der Rat kann „unverzügliche Maßnahmen zur Lösung der Krisensituationen, die die nationale Sicherheit gefährden“ treffen. Er hat das Recht, die Exekutivorgane des Staates im Bereich der nationalen Sicherheit und Verteidigung koordinieren und kontrollieren. Der Rat ist auch für die Koordination und Kontrolle der Exekutivorgane im Bereich Korruptionsbekämpfung zuständig.
Wenn der Staatspräsident, der der Sicherheitsrat leitet, aus dem Amt vorläufig ausscheidet, übernimmt der Parlamentschef seine Pflichten (früher war das der Regierungschef – Anm. der Red.) Die Beschlüsse des Rates, die per Erlass des Staatschefs in Kraft gesetzt werden, sind für alle Exekutivorgane verbindlich. ..." (Ukrinform, 25.12.14)

• Anschlag in Kiew auf Parubij
"Gestern Abend, um 23:20 habe ein Unbekannter in der Nähe des Hotels „Kiew“ unter die Füße einer Gruppe von Abgeordneten, unter denen sich auch der erste Vize-Sprecher des Parlaments Andrij Parubiy befand, eine Granate geworfen.
Die unbekannte Person näherte sich ihnen auf den Abstand von 30 Metern und warf eine Granate in ihre Richtung, aber daneben. Die Granate fiel zwischen die Autos und die Bordüre. Der Unbekannte wurde von den Milizionären verfolgt, die in der Nähe des Hotels waren. Während der Verfolgung warf der Angreifer noch eine Granate. Ein Milizionär wurde dabei am Bein verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Parubij und andere Deputierte wurden nicht verletzt." (Ukrinform, 25.12.14)
Zur Erinnerung: Der "Rebell" Parubij, wie ihn die Süddeutsche Zeitung online am 24.2.14 nannte, war Gründer der neonazistischen National-Sozialen Partei der Ukraine, forderte einen reinrassigen Staat und ein Migrationsverbot, war später Mitglied der "Swoboda" und von Julia Timoschenkos "Vaterlandspartei", sowie selbsternannter "Kommandant des Maidan" und Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine nach dem von ihm mitgeführten Februar-Putsch.

• Mehrheit der Ukrainer angeblich für NATO-Beitritt
"Wenn jetzt der Nato-Beitritt die Frage einer Volksabstimmung wäre, würde die Mehrheit der Ukrainer einen solchen Vorschlag unterstützen, erklärte der ukrainische Historiker und Politologe Oleksandr Palij unter Berufung auf die soziologische Studie.
„Das ist wichtig, und es ist ein Symbol dafür, dass die Ukraine aufhört, post-sowjetisch zu sein, und beginnt, ein osteuropäischer Staat zu werden, unter den Ländern, die ein bestimmtes Niveau erreicht haben. Und wir sehen heute, dass kein Land in Osteuropa vorhat, aus der Nato auszutreten. Das heißt, dass sie mit allem zufrieden sind und für sie das ziemlich ernste Garantie für ihre Sicherheit ist. So wird es einen schnellen Beitritt zur Nato, aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht geben, aber das ist ein Signal, das, sowohl die ukrainische Gesellschaft, die heute mit überwiegender Mehrheit die Nato-Mitgliedschaft unterstützt, als auch die Außenwelt und auch der Westen, hören sollten“, sagte Palij.
Der Experte meint, dass die Ukraine heute für den Beitritt zur Nato einen sehr hohen Preis zahlt, aber die Notwendigkeit der Nato-Mitgliedschaft die Gesellschaft insbesondere im Zusammenhang mit der russischen Aggression begreift. Er erinnerte daran, dass das Niveau der Unterstützung für den Beitritt zum Bündnis viele Jahre lang auf der Ebene über 20 Prozent blieb.
„Heute haben sich die meisten Ukrainer entschieden und nun liegt ihre Unterstützung bei etwa 60 Prozent. Jetzt stoßen die Aggression und die außenpolitische Hochstapelei Russlands die Ukraine absolut sicher in die Nato“, sagte er." (Ukrinform, 25.12.14)

• Moskau kritisiert MH17-Ermittlungen als "einseitig" 
"Fünf Monate nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine MH17 im Konfliktgebiet Ostukraine hat Russland die Ermittlungen zu der Tragödie als einseitig kritisiert. "Es werden alle Normen der ICAO (Internationale Zivile Luftfahrtorganisation) verletzt", sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow der Zeitung "Kommersant".
So seien etwa die ukrainischen Sicherheitsdienste überall beteiligt. "Ein Land, auf dessen Gebiet sich eine Katastrophe ereignet hat, kann teilnehmen, aber nicht die "Musik bestellen" - wie es jetzt geschieht", kritisierte Lawrow.
Russland will erreichen, dass auch eine mögliche Täterschaft der ukrainischen Streitkräfte untersucht wird. Die Ukraine wirft den prorussischen Separatisten vor, die Boeing-777 mit einer Boden-Luft-Rakete von dem Luftabwehrsystem "Buk" abgeschossen zu haben. Alle 298 Menschen an Bord starben am 17. Juli beim Absturz von MH17 in dem von Separatisten kontrollierten Gebiet. ..." (Wiener Zeitung online, 25.12.14)

• Kiewer Hilfskonvois  für Ostukraine
"Drei LKWs-Kolonnen sollen heute 326 Tonnen Hilfsgüter in die besetzten Gebiete bringen. Die Güter sind in erster Linie für Senioren- und Kinderheime bestimmt, teilten Vizeregierungschef Gennadi Subko und die Beauftragte des Präsidenten für die Lösung des Konflikts in der Ostukraine Iryna Herascgtschenko mit. Die Kolonnen werden in Charkiw in Richtung Pawlograg, Kramatorsjk und Sewerodonezk starten, erzählte Subko.
Der Vizepremier stellte nach dem Winterbeginn eine Verschlechterung der humanitären Lage in den von den Terroristen kontrollierten Regionen fest. Es gebe derzeit aber keine Vereinbarungen über die Hilfelieferungen für diese Gebiete." (Ukrinform, 25.12.14)

• Kiew ohne Interesse an Deeskalation
"Die Rada entscheidet sich für die Beendigung des Status als blockfreier Staat, um den Beitritt zur Nato zu beschleunigen
Schon George W. Bush drängte darauf, Georgien und die Ukraine in die Nato aufzunehmen. 2008 lehnten dies vor allem Deutschland und Frankreich noch ab, weil damit ein Konflikt mit Russland ansteht. Sehen ließ sich diese berechtigte Sorge bereits am Georgienkrieg. Man müsste sich nur einmal vorstellen, wie die USA reagieren würden, wenn ein russisches oder chinesisches Raketenabwehrsystem etwa in Mexiko stationiert würde und/oder Mexiko oder Kanada Mitglied eines von Russland oder China dominierten Militärpakts wären. Die USA drängen auch jetzt, unterstützt durch Staaten wie Polen oder die baltischen Länder, darauf, das westliche Einflussgebiet und die Nato weiter an Russland heranzuschieben, das derzeit versucht, ökonomisch mit der Eurasischen Wirtschaftsunion ein Gegengewicht aufzubauen.
Der gestürzte ukrainische Präsident Janukowitsch hatte, um den erwartbaren Konflikt zwischen Russland und dem Westen zu vermeiden, 2010 die Ukraine zu einem blockfreien Staat erklärt. ...
Wenn man eine Strategie der Deeskalation in Kiew und im Westen verfolgen würde, hätte man jetzt auf die symbolische Provokation verzichten können, den Status als blockfreien Staat zu beenden, oder dazu geraten. Aber Deeskalation scheint nicht wirklich zu interessieren, obgleich Verhandlungen über eine Lösung des primär innerukrainischen Konflikts nach dem Minsker Abkommen auch auf einer Verständigung zwischen der Ukraine und Russland angewiesen sind. Der Ukraine und auch der US-Regierung dürfte ebenso wie Polen und den baltischen Staaten klar sein, dass die Ukraine nicht schnell in die Nato aufgenommen wird. Eine solche Entscheidung müsste einstimmig fallen, kaum vorstellbar, dass Einstimmigkeit derzeit herstellbar wäre. ..." (Telepolis, 24.12.14)

• Minsker Verhandlungen als Chance für Frieden in Ostukraine
"Verhandlungen im Rahmen der Kontaktgruppe für die Ukraine, die jetzt in der weißrussischen Hauptstadt Minsk laufen, bieten eine reale Chance für die Erlangung eines Dauerfriedens im Südosten der Ukraine. Das erklärte ein russischer Menschenrechtexperte am Mittwoch in einem Interview für den TV-Sender Rossija 24.
„Nach allen ernsthaften Bemühungen, den Krieg zu stoppen, würden die Gespräche eine reale Chance bieten, eine dauerhafte Waffenpause gemäß den Minsker Vereinbarungen auszuhandeln“, sagte Konstantin Dolgow, Menschenrechtseauftragter des russischen Außenministeriums. ..." (Sputnik News, 24.12.14)

• Aufständische werfen Kiewer Truppen Bruch der Waffenruhe vor
"Die Volksmilizen von Donezk werfen der ukrainischen Armee einen wiederholten Bruch der Waffenruhe vor. Seit Dienstagabend soll das Militär 18 Mal das Feuer eröffnet haben, darunter auch aus schweren Geschützen.
„Trotz des angekündigten Abzugs der schweren Waffen von den Grenzen von Noworossija (Neurussland) schießt das ukrainische Militär aus Panzerkanonen, Mörsern und Artillerie“, teilte der Stab der von Kiew abtrünnigen Donezker Volksrepublik mit. Nach den Angaben standen nordwestliche Viertel von Donezk, aber auch die Ortschaften Gorlowka, Obosnoje, Teplogosk, Donezki, Smeloje und andere unter Beschuss. Die Volkswehr habe das Feuer des Militärs nicht erwidert und selber keine Verluste zu beklagen. ..." (Sputnik News, 24.12.14)
"Die selbsterklärte „Volksrepublik Donezk“ (DVR) erwartet von der nächsten Runde der Minsker Verhandlungen nichts außer dem Austausch von Gefangenen, wie Republikchef Alexander Sachartschenko am Mittwoch in Donezk sagte.
„Wir hoffen, ‚alle gegen alle‘ austauschen zu können, im Übrigen erwarten wir nichts mehr“, so Sachartschenko. Der Republikchef äußerte sich skeptisch zu der Erfüllung der früher getroffenen Vereinbarungen über den Truppenabzug durch die Ukraine. „Sie wissen wohl, dass die Ukraine keine Truppen abgezogen hat. Dies bedeutet nur, dass das Land schwach ist“, ergänzte der Chef der DVR. ..." (Sputnik News, 24.12.14)

• Kiew beschuldigt Aufständische der Provokation
"Die Terroristen hören mit den bewaffneten Provokationen nicht auf. In den letzten vierundzwanzig Stunden haben die Kämpfer eine Blockstelle der Nationalgarde beschossen, teilte auf dem Briefing im ukrainischen Krisenmedienzentrum der offizielle Vertreter von der ATO Andrij Lysenko mit.
„Die Kämpfer haben die Blockstelle der Nationalgarde aus dem Mehrfachraketenwerfersystem BM-21 „Grad“ an der Straßenkreuzung in der Lugansker Region beschossen“, sagte er. Außerdem bleibe laut Lysenko angespannt die Lage am Donezker Flughafen, in den Dörfern Peski, Debalzewo und Stanyza Luganska." (Ukrinform, 24.12.14)

• Moskau warnt NATO vor Beitritt der Ukraine
"Das Ende der ukrainischen Blockfreiheit gefährdet nach Ansicht des russischen Vizeaußenministers Anatoli Antonow die Sicherheit Russlands nicht. Doch ein Beitritt der Ukraine zur Nato würde zu einem vollen Bruch zwischen Russland und dem Nordatlantikpakt führen.
„Die Entscheidung des ukrainischen Parlaments gefährdet die Sicherheit Russlands vorerst nicht, denn sie ist politisch“, sagte Antonow am Mittwoch in Moskau. Wenn diese Entscheidung zukünftig eine militärische Bedeutung gewinnen und die Ukraine der Nato beitreten  würde, „würden wir adäquat reagieren“. „Dann würde es einen vollen Bruch zwischen uns und der Nato geben, der kaum wieder gut zu machen wäre.“ ..." (Sputnik News, 24.12.14)
"Trotz der Aufgabe des blockfreien Status hat die Ukraine nach der Einschätzung des russischen Nato-Botschafters Alexander Gruschko kaum Chancen, dem Nordatlantikpakt beizutreten. Das Konfliktpotenzial der Ukraine widerspricht laut Gruschko den Sicherheitsinteressen der Nato.
"Der Wunsch der Ukraine, der Allianz beizutreten, hat mit den Interessen der gesamteuropäischen Sicherheit nur wenig zu tun“, sagte Gruschko dem russischen Radiosender RSN. Insbesondere die Entscheidung der Obersten Rada (Parlament), den blockfreien Status zu kippen, verstärke das Konfliktpotential in der Ukraine. Dem russischen Diplomaten zufolge nimmt die Nato nur jene Länder auf, „die tatsächlich zur Sicherheit beitragen können“. Die Ukraine könnte hingegen die Sicherheitssituation nur verschlechtern.
„Ich glaube nicht, dass diese Entscheidung der Rada zu bedeutenden Wandlungen führen wird. Im Westen gibt es recht viel vernünftige Menschen, die verstehen, dass dieser Schritt die Situation in der Ukraine verschlechtern wird und nicht den Interessen der gesamteuropäischen Sicherheit entspricht“, sagte Gruschko." (Sputnik News, 24.12.14)
"Die Ukraine wird laut dem Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg einen Beitritt zur Allianz beantragen können, erst nachdem sie die dafür notwendigen Reformen abgeschlossen hat. Anschließend würden die Allianzmitglieder ihrerseits diesen Antrag prüfen müssen, hieß es. ..." (Sputnik News, 24.12.14)

• Moskau besorgt über NATO-Aktivitäten an russischer Grenze
"Das Verteidigungsministerium in Moskau zeigt sich beunruhigt über die verstärkten Aktivitäten der Nato an den russischen Grenzen.
„Unter dem Vorwand einer russischen Bedrohung stockt die Nato das militärische Potential im Baltikum, in Polen, Bulgarien und Rumänien auf“, sagte der russische Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow am Mittwoch im Pressezentrum der Medienholding Rossiya Segodnya. Das Panzeraufgebot der Nato wachse, die Aktivitäten der Fliegerkräfte des Bündnisses, die jetzt auch in Estland stationiert sind, seien drastisch gestiegen.
Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise haben die taktischen Nato-Flugzeuge die Häufigkeit ihrer Flüge an den Grenzen Russlands und Weißrusslands 2014 nach russischen Angaben auf mehr als 3000 verdoppelt. Auch Spionageflugzeuge der USA und anderer Nato-Staaten kreuzen deutlich häufiger im Baltikum sowie über der Ostsee und der Barentssee auf. Zuvor hatte sich auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg besorgt über Flüge der russischen Luftwaffe besorgt geäußert. Nach seiner Einschätzung gefährden russische Militärflugzeuge die Zivilluftfahrt in Europa. Russland wies den Vorwurf als haltlos zurück." (Sputnik News, 24.12.14)

• Kiew schaltet der Krim zeitweise den Strom ab
"Am Mittwochvormittag ist die Krim total ohne Strom geblieben: Kiew hat die Stromversorgung der Halbinsel blockiert. Als Grund gab Kiew an, die Krim habe die Limits für den Stromverbrauch überschritten.
In der Krim-Hauptstadt Simferopol sowie in anderen Städten der Schwarzmeer-Halbinsel blieben die Wohn- und Amtsgebäude ohne Licht. Die Ampeln sowie die Straßenbahnen und O-Busse fielen aus. Mobiltelefone funktionierten mit Störungen.
Wie der Brennstoff- und Energieminister der Krim, Sergej Jegorow, mitteilte, sollen nun Gaskraftwerke und Dieselgeneratoren ans Netz geschlossen werden. 
„Um 11:10 Uhr Ortszeit hat die Ukraine einseitig und ohne Vorwarnung die Stromlieferungen für die Krim eingestellt“, so der Minister. Es sei geplant, mobile Gaskraftwerke sowie Dieselgeneratoren ans Netz zu schließen.
Zuvor hatte Krim-Regierungschef Sergej Aksjonow mitgeteilt, dass Moskau und Kiew ein Abkommen über Stromlieferungen aus Russland auf die Krim über die Ukraine unterzeichnet haben, um eine reibungslose Stromversorgung zu sichern.  
Seit Ende November nimmt die Ukraine wegen Pannen am ukrainischen AKW, Kohlemangel sowie Reparaturen in mehreren Energieeinrichtungen Abschaltungen von Energieverbrauchern vor. Der ukrainische Premier Jazenjuk ordnete Abschaltungen in der ganzen Ukraine, einschließlich der von Kiew nicht kontrollierten Gebiete, an. ..." (Sputnik News, 24.12.14)

• Janukowitsch bestreitet Finanzierung von Milizen
"Der ukrainische Ex-Präsident Viktor Janukowitsch, der im Februar von der Opposition entmachtet worden ist, weist den Vorwurf zurück, die Aufständischen in der Ost-Ukraine zu finanzieren.
Der ukrainische Geheimdienstchef Valentin Naliwajtschenko hatte behauptet, dass Janukowitsch und dessen Umgebung Waffenkäufe für die Milizen der abtrünnigen Volksrepubliken Donezk und Lugansk bezahlen würden.
„Das ist eine zynische Lüge“, kommentierte Janukowitsch, der nach dem Februar-Umsturz in Kiew nach Russland geflüchtet war, die Anschuldigung. „Weder Naliwajtschenko noch seine Kollegen haben einen einzigen Beweis für diese Anschuldigungen vorgelegt.“ Naliwajtschenko sei selber „bis zu den Ellbogen mit Blut befleckt“ und sollte an die Konsequenzen seiner Handlungen denken, äußerte Janukowitsch in einem Interview für die russische Zeitung „Argumenty i fakty“. ..." (Sputnik News, 24.12.14)
"Der frühere ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch weist die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen zurück, in korrupte Machenschaften verwickelt zu sein. „Weder ich noch meine Söhne wurden in korrupte Handlungen verwickelt“, so Janukowitsch in einem Gespräch mit der Moskauer Wochenzeitung „Argumenty i Fakty“.
Ihm zufolge ist es „nicht zufällig“, dass sich das nicht nachweisen lässt. „Denn solche Fakten gibt es nicht.“
„Ich hatte und habe keine Auslandskonten“, betonte er. Seine Anwälte hätten Finanzbehörden in 40 Ländern ersucht, eine Bestätigung für Aktiva Janukowitschs vorzulegen. „Monate sind vergangen, kein einziges Land hat bestätigt, dass ich solche Konten habe.“ ..." (Sputnik News, 24.12.14)

• Kiew verschweigt angeblich reale Opferzahlen der eigenen Truppen
"Die ukrainischen Behörden informieren ihre Mitbürger kaum über die echten Verluste während der „Anti-Terror-Operation" im Osten des Landes - „um die Verwandten der Todesopfer nicht zu beunruhigen".
Und auch um ihren Familien die versprochene Entschädigung von jeweils mehr als 30 000 Euro nicht zu zahlen. Die menschlichen Verluste sind aber viel größer als offiziell mitgeteilt wird, stellt der weißrussische Politologe Nikolai Malischewski aus dem Zentrum für internationale Journalistik und Ermittlungen fest.
Im Dezember hat der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko eingeräumt, dass während der „Anti-Terror-Operation" in der Donbass-Region 1252 Soldaten ums Leben gekommen seien. Dabei hatte Kiew noch im November abermals zu verstehen gegeben, dass die Verluste im Osten des Landes im Grunde keine Rolle spielen würden, so Milaschewski in der russischen Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta". Die Verwandten der im Donezbecken vermissten Soldaten wurden aufgerufen, darüber selbst mitzuteilen: Zu diesem Zweck wurde beim Präsidialamt ein Callcenter eingerichtet, wo Volontäre arbeiten. „Das ist das erste Callcenter, seitdem es das Präsidialamt gibt", sagte die Präsidentenberaterin Olga Bogomolez stolz.
Die Behörden haben seit dem Beginn des Militäreinsatzes in der Donbass-Region die Verluste der ukrainischen Armee ständig verheimlicht und unterbewertet sowie die Informationen über die Todesursachen gefälscht. So wurden von Anfang an die Verluste unter den Kämpfern der so genannten „Maidan-Hundertschaften" nicht genannt, die laut dem Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat „auf den schwierigsten Frontabschnitten sterben". Deswegen denken manche ukrainische Experten und Nationalisten, dass Kiew besonders aktive „Revolutionäre" im Osten des Landes sterben lassen will, die in die Ungunst der an die Macht gekommenen Oligarchen wie Poroschenko und Igor Kolomoiski geraten sind. ..." (Sputnik News, 24.12.14)

• Orban: USA nutzen Ukraine-Konflikt, um Einfluss in Europa auszubauen
"Die USA nutzen laut dem ungarischen Premierminister Viktor Orban den Ukraine-Konflikt für eine Verstärkung ihres Einflusses in Europa, meldet Reuters.
In einem ungarischen TV-Sender sagte Orban, dass  „eine neue Ära begann, als die USA damit begonnen haben, sich nicht nur einzumischen, sondern sich auch aktiv an der Innenpolitik der Länder Mitteleuropas zu beteiligen“. Nach Meinung des ungarischen Premiers erfolge das wegen des Ukraine-Konflikts sowie wegen Verhandlungen zwischen den USA und der EU über den freien Handel.
„Sie (die USA) wollen uns in einen Konflikt einbeziehen, der sich für uns als schlecht erweisen wird. Zwischen den USA und Russland entstehen Stimmungen des Kalten Krieges, wir (Ungarn) wollen aber nicht daran teilnehmen“, betonte Orban." (Sputnik News, 24.12.14)

• Kiewer Krieg in der Ostukraine ohne Sieger
"... In Odessa veranstalteten aus Lwiw und Charkiw angereiste Neofaschisten am 2. Mai ein blutiges Pogrom im Gewerkschaftshaus, bei dem mindestens 48 Anti-Maidan-Demonstranten lebendig verbrannt oder verletzt zu Tode geprügelt wurden. Das Verbrechen von Odessa kann aber nicht den Blick darauf verstellen, dass die »prorussischen« Demonstrationen in der Ost- und Südukraine außerhalb der Krim weit weniger Massenanhang fanden als dort.
Das gilt unter dem Strich auch für die Bezirke Donezk und Lugansk, wo die Demonstrationen im April und Mai in einen Aufstand gegen Kiew übergingen. Anders war dagegen im Donbass, dass sich bewaffnete Volksmilizen bildeten, die den Organen der Kiewer Staatsmacht Widerstand entgegenbrachten. Sie setzten sich in der ersten Phase bis zum Sommer mehrheitlich aus örtlichen Aktivisten prorussischer und panslawischer Organisationen, aber auch aus Bergarbeitern zusammen. Doch die Massenmobilmachung der Donbass-Bevölkerung blieb aus. ... In die Lücke, die die lokalen »Aufstandsverweigerer« offenließen, traten teilweise Freiwillige aus Russland. Leute mit Militärerfahrung gibt es dort genug, der Kampf gegen die in Kiew an die Macht gelangten Neofaschisten war das ideologische Motiv, die Organisation der Reise in den Donbass übernahmen offenbar in vielen Fällen die russischen Wehrersatzämter. Ein russischer Sozialwissenschaftler und Blogger, der im Sommer an der Seite der Volksmiliz bei Lugansk kämpfte, notierte, dass die örtlichen Kämpfer fast alle über 40, also noch in der Sowjetunion politisch sozialisiert seien. Angehörige der in der unabhängigen Ukraine aufgewachsenen Generation fehlten dagegen fast vollständig. Die Beobachtung dürfte von zentraler Bedeutung für das Verständnis sein, warum der Aufstand gegen die Kiewer Machthaber nur von begrenzter Durchschlagskraft war: Der Anschluss des Donbass an Russland war in Umfragen stets nur das Ziel von maximal 30 Prozent der Befragten, auch wenn etwa 70 Prozent mehr Unabhängigkeit von Kiew wünschten.
Der ukrainische Gegenstoß, um die Kontrolle über den Osten des Landes zurückzugewinnen, begann im Mai. Anfangs war er wenig erfolgreich. Ukrainische Soldaten ließen sich durch Menschenketten aufhalten, gaben teilweise sogar ihre Panzer an die Volksmilizen ab. Das änderte sich erst, als im Maidan-Sinne politisierte Kämpfer der Nationalgarde und Angehörige rasch aufgestellter Freiwilligenbataillone an die Front kamen. Mit mehrfacher materieller und personeller Übermacht ausgestattet, standen sie im Sommer kurz davor, die Volksrepubliken zu besiegen. Doch im August wendete sich das Blatt. Ob es, wie Kiew behauptet, das direkte Eingreifen russischer Truppen war, oder Unvorsichtigkeit des ukrainischen Kommandos – jedenfalls wurde der Teil der ukrainischen Truppen, der im Süden entlang der russischen Grenze nach Osten vorstieß, abgeschnitten und in mehreren Kesselschlachten aufgerieben. Die ukrainische Armee verlor etwa drei Viertel ihres schweren Geräts und Tausende Soldaten. Ende August erschien ein Zusammenbruch der ukrainischen Front möglich. Dass am 5. September in Minsk ein Waffenstillstand vereinbart wurde, hat der Kiewer Maidan-Regierung objektiv das Überleben gesichert, weil das Momentum des Angriffs der Aufständischen gebrochen wurde. Oder anders gesagt: Moskau wollte offenbar keine Fortsetzung der Offensive.
Seitdem ist der Konflikt faktisch eingefroren. Keine der beiden Seiten kann sich als Sieger fühlen. ..." (junge Welt, 24.12.14)

• Ukraine hat Schulden für russisches Gas bezahlt
"Die Ukraine hat nach eigenen Angaben ihre Altschulden für russische Gaslieferungen beglichen. Der staatliche Energiekonzern Naftogaz erklärte am Dienstag, er habe wie vereinbart die zweite und damit letzte Tranche in Höhe von 1,65 Milliarden Dollar an den russischen Versorger Gazprom überwiesen. Russland und die Ukraine hatten im November ihren monatelangen Gasstreit beigelegt.
Teil der Einigung ist die Zahlung offener Rechnungen in Höhe von insgesamt 3,1 Milliarden Dollar bis Jahresende. Anfang Dezember hatte Russland nach einer sechsmonatigen Pause wieder damit begonnen, Gas an die Ukraine zu liefern." (Wiener Zeitung online, 24.12.14)

• Zustimmung zu NATO-Mitgliedschaft wächst in der Ukraine
"Umfragen zur NATO-Mitgliedschaft in der Ukraine zeigen, wie sich die Stimmung im Land Stück für Stück geändert hat. Bis 2013 war nur eine Minderheit der Ukrainer für einen möglichen Beitritt zum Bündnis. Bei einer Umfrage im März 2013 zum Beispiel waren es 40 Prozent. Das änderte sich deutlich im Frühjahr dieses Jahres mit den Ereignissen auf der Halbinsel Krim. Danach stieg die Zustimmung zu einem möglichen Beitritt auf 54 Prozent. Nein zur NATO sagten noch 43 Prozent.
“Die ukrainisch-russischen Beziehungen wurden zunehmend kompliziert”, sagt Valeriy Khmelko, Soziologe an der Universität Kiew. “Mehr und mehr Menschen in der Ukraine waren nicht mehr der Meinung, dass Russland wirklich ein befreundetes Land ist, das an guten Beziehungen zu uns interessiert ist. An dieser Stelle hat sich das Meinungsbild in der Ukraine ganz eindeutig geändert.“
Die NATO und die Ukraine nahmen 1991 offiziell Beziehungen miteinander auf. Die Ukraine wurde in den NATO-Kooperationsrat aufgenommen. Präsident Wiktor Juschtschenko wurde mehrmals auf Gipfeltreffen des Bündnisses eingeladen. 2008 versuchte die ukrainische Regierung mit ihrer Ministerpräsidentin Julia Timoschenko an der Spitze, dem Aktionsplan zur NATO-Mitgliedschaft beizutreten – und scheiterte.
„Die offizielle Begründung der Länder, die im entscheidenden Moment gegen uns gestimmt hatten, war: Die Zustimmung der Bürger in der Ukraine ist nicht groß genug. Und das war sicherlich keine falsche Einschätzung damals. Zu dieser Zeit waren nur maximal 20 Prozent der Ukrainer für einen NATO-Beitritt“, sagt Timoschenko rückblickend.
Zwei Jahre später kam Wiktor Janukowytsch ín Kiew an die Macht. Die Politik der Ukraine gegenüber der NATO änderte sich spürbar. Per Gesetz wurde das Land als militärisch neutral und blockfrei erklärt. Das Gesetz sorgte dafür, dass die Ukraine ab sofort keine Mitgliedschaft in Militärbündnissen mehr anstrebte.
Oleksandr Sushko, Analyst am Institut für euro-atlantische Zusammenarbeit an der Universität Kiew, sagt, die Entscheidung sei mit klarem Blick Richtung Russland getroffen worden. „Die Hoffnung war, das diese Entscheidung genügte, damit Moskau die Ukraine, mehr als zuvor, als eigenständiges Land mit eigener territorialer Integrität betrachten würde. Wie wir jetzt gesehen haben, war diese Hoffnung trügerisch und naiv.“ ..." (Euronews, 23.12.14)

• Handel zwischen Russland und USA wächst trotz Sanktionen, während EU verliert 
"Den offiziellen russischen Angaben zufolge ist der Handel zwischen Russland und den USA trotz der in diesem Jahr verhängten Sanktionen um sieben Prozent gewachsen. Eine Erklärung für die Entwicklung, von der der russische Staatspräsident Wladimir Putin angeblich "überrascht" ist, wird bislang nicht geliefert und dürfte teilweise im Werteverfall des Rubel gegenüber dem Dollar liegen. Die Zahlen des United States Census Bureau bestätigen aber ein Exportwachstum bis mindestens Ende September.
Mit der EU, die wegen der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation ebenfalls Sanktionen gegen Russland verhängte, ging der Warenumsatz im gleichen Zeitraum um 4,3 Prozent zurück. In osteuropäischen EU-Staaten lag der Rückgang sogar bei bis zu zehn Prozent.
Obwohl Deutschland mit einem Minus in Höhe von 3,9 Prozent nur unterdurchschnittlich betroffen war, klagen Verbände über teilweise erhebliche Einbußen. Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und des Verbandes der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie sprach heute Morgen im Bayerischen Rundfunk von Einbußen um bis zu einem Viertel. Betroffen sind neben dem Maschinenbau und der Automobilindustrie auch Unternehmen wie Adidas und der Traktorenhersteller Fendt, der 570 Stellen streichen muss. ..." (Telepolis, 23.12.14)

• Aufbau eines neuen Staates im Donbass
Die österreichische Zeitung Die Presse veröffentlichte am 22.12.14 in ihrer Online-Ausgabe eine Reportage aus der "Volksrepublik Donezk" (DNR):
"... Die DNR umfasst einen Teil des ukrainischen Verwaltungsgebietes Donezk, knapp zwei Millionen sollen hier leben. Der Quasi-Staat wurde von prorussischen Aktivisten am 7. April als Gegenreaktion auf die neue prowestliche Regierung in Kiew ausgerufen. Die Polizisten im Untersuchungsgefängnis tragen auf ihren Uniformen die Abzeichen der Republik. Wann haben sie die Seiten gewechselt? Sie können sich nicht mehr erinnern, sagen sie. „Mit unserer Seele waren wir sofort aufseiten der DNR“, antwortet schließlich einer.
Während Kiew die russophilen neuen Herren des Donbass als Terroristen bezeichnet, entsteht hier ein neues Gemeinwesen. Jede Geburt, jede Taufe schafft Fakten. Jeder Tag, der im Schwebezustand zwischen Krieg und Frieden verstreicht, ist ein Tag für die Abspalter. „Wir verteidigen den Donbass“, steht auf den Propagandaplakaten. Konnte man in den Tagen des „Unabhängigkeitsreferendums“ im Mai noch häufig die Meinung hören, die Ukraine habe einen „Denkzettel“ nötig, hat sich die Stimmung mit der Dauer des Konflikts radikalisiert. Die Entfremdung zu Kiew hat zugenommen. Viele Bürger sagen: „Wir gehen sicher nicht mehr in die Ukraine zurück.“ Und: „Wir leben bereits in einem eigenen Staat.“
Andere separatistische Gebiete wie Abchasien, Südossetien und Transnistrien bieten der Donezker Führung Orientierung. Ja, die Verfassung ist noch nicht angenommen, es gibt kein Bankensystem, keine eigene Währung, weder Post noch Pässe. Doch seit Ende Oktober gilt in Donezk die Moskauer Zeit. Auf Luxuskarossen mehren sich DNR-Nummernschilder, es gibt eine Flagge, eine Hymne. Das anfängliche Chaos ist der Ordnung gewichen: In der früheren Gebietsverwaltung wird nicht mehr demonstriert, Mitarbeiter mit Akten huschen durch die Flure. Ministerien wurden gegründet, die Minister haben sich Pressesprecher zugelegt. Auch die Grenzen der DNR, wiewohl nicht endgültig festgelegt, sind gesichert durch Schützengräben, Straßensperren und Artillerie. Es ist eine eigene Realität, die hier in einem Teil des Donbass entsteht, während ein paar Kilometer weiter ukrainische Soldaten eine vermeintlich „einige Ukraine“ verteidigen. Doch die, die auf der anderen Seite der Front geblieben sind, haben sich von dieser Idee verabschiedet. ...
"

• Moskau hat Kommission für Ostukraine gebildet
"Die russische Regierung hat ihre umstrittene Unterstützung für die von der Ukraine abtrünnigen Gebiete Donezk und Luhansk erstmals auf eine offizielle Ebene gehoben: Angesichts der sich verschlechternden humanitären Lage im Konfliktgebiet Ostukraine hat Russland eine Regierungskommission für die Unterstützung der Regionen Donezk und Luhansk gegründet. Das ging aus einer am Sonntag in Moskau veröffentlichten Anordnung von Regierungschef Dmitrij Medwedjew hervor. Dieser zufolge werden aus 15 russischen Ministerien jeweils stellvertretende Minister mit der Arbeit in der Kommission betraut. ..." (Die Presse online, 21.12.14)

• Washington dementiert Waffenlieferungen über Drittländer
"Das US-Außenministerium bestätigt Informationen über Lieferungen von tödlichen Waffen an die Ukraine über Drittländer nicht, wie Außenamtssprecherin Jen Psaki sagte.
„Sie sind über die Hilfe informiert, die wir der Ukraine leisten. Das sind keine tödlichen Waffen. Wir stellten der Ukraine mehr als 118 Millionen Dollar für die Gewährleistung der Sicherheit bereit. Ich verstehe nicht ganz, worauf diese Meldungen (über die Lieferungen von tödlichen Waffen über Drittländer) beruhen“, so Psaki." (Sputnik News, 18.12.14)

• Kiew setzt Hunger als Kriegswaffe ein
"Petro Poroschenko hat de facto die Rebellengebiete im Osten der Ukraine aufgegeben. Am 15. November 2014 unterzeichnete der ukrainische Präsident den Erlass Nr. 875, dem zufolge diese Gegend wirtschaftlich blockiert wird. Alle Institutionen des ukrainischen Staates stellen dort ihre Tätigkeit ein und werden abgezogen – alle Staatsunternehmen, allein 252 Energiebetriebe, Verwaltungsapparat, Rentenfonds, Beamte, Lehrer, Ärzte, Richter, Universitäten und Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten und Gefängnisse, Häftlinge, soziale Einrichtungen. Die ukrainische Bahn hat bereits die Verbindung in diese Gebiete eingestellt. Es wird in der Ukraine auch einen neuen Staatshaushalt geben, ohne Steuereinnahmen aus Donezk und Lugansk, aber auch ohne Ausgaben – für Staatsstrukturen, für Renten und Sozialleistungen.
Ein logischer, ein konsequenter Erlass, meinen viele in der Ukraine: Wenn sich diese Provinzen abspalten möchten, dann, bitte schön, sollen sie sich auch selbst versorgen. Warum soll der ukrainische Staat die mit Geld beschenken, die erbittert gegen ihn kämpfen? Alle, die sich der Kiewer Regierung gegenüber loyal verhalten, sollen sich doch einen anderen Wohnort in der Ukraine suchen.
So macht man das, wenn man diese Gebiete als verloren ansieht – vom Kind bis zum Greis, alle sind Feinde, und keiner schert sich darum, ob sie überleben oder verrecken. Also, ein fast in allen Belangen „vernünftiger“ Erlass, aber eben nur „fast“. In dem besagten Landstrich leben nicht nur „prorussische Separatisten“, sondern auch „proukranische Ukrainer“. Als die Frontlinie die Ukraine entzweite, konnten nicht alle, die sich als Ukrainer fühlen, ihre Städte und Dörfer verlassen, um in die Ungewissheit zu ziehen. Es blieben dort Menschen – Ukrainer, Russen, Griechen, Juden…, vor allem alte, die es für richtig halten, dort zu sterben, wo sie ihr ganzes Leben verbracht haben. ...
Russland kann man lieben oder verdammen, aber die Russen kamen während des nicht minder blutigen Konfliktes in Tschetschenien ständig ihren Verpflichtungen nach, haben immer Geld für Krankenhäuser, Schulen und Rentner, auch in die von Separatisten besetzten Gebiete, überwiesen. Das taten sie, um deutlich zu zeigen: Das sind unsere Gebiete, das sind unsere Menschen, wir tragen Verantwortung für sie. Wenn sie das damals nicht getan hätten, wäre es zu einer humanitären Katastrophe gekommen.
Ist das heute die Absicht der ukrainischen Machthaber? Will ein nach Europa strebender Präsident Menschen einfach aushungern lassen? Einmal sagte er in Odessa etwas Gewichtiges zum Thema: „Wir werden Arbeit haben, sie haben aber keine. Wir werden Renten haben, sie haben keine. Bei uns wird es die Unterstützung der Menschen – Kinder und Rentner – geben, sie haben sie nicht. Bei uns werden Kinder in die Schulen und in die Kindergärten gehen, und bei ihnen werden sie in den Kellern ausharren… So, genau so, werden wir diesen Krieg gewinnen.“Nach so einem Sieg wird das nur ein Territorium sein. Ohne Menschen. Wie nach dem Einschlag einer Neutronenbombe. ..." (Serhhij Kowtun auf hintergrund.de, 16.12.14)

• Wird Kiew für Militäreinsatz gegen die Krim aufgerüstet?
"Russland und der Westen werfen sich gegenseitig ein aggressives Verhalten in den russisch-ukrainischen Grenzgebieten vor, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.
US-Vizeaußenministerin Rose Gottemoeller beschuldigte gestern  Moskau, die Halbinsel Krim aufzurüsten. Der Sprecher des Nato-Militärausschusschefs, Dan Termansen, sprach von „Intransparenz der militärischen Handlungen“ Russlands.
Am Vortag hatte der russische Generalstabschef Valeri Gerassimow seine Besorgnis über die Aktivitäten der Allianz an den russischen Grenzen zum Ausdruck gebracht. Damit ist eine Situation entstanden, in der ein direkter Militärkonflikt auf der Halbinsel entstehen könnte, die sich vor einem halben Jahr Russland angeschlossen hat.
Den Anlass für eine solche Schlussfolgerung geben die ukrainischen Behörden: Vor wenigen Tagen haben die russischen auf der Krim stationierten Luftabwehrkräfte mehrere Drohnen abgeschossen, die den russischen Luftraum in der Nähe des ukrainischen Gebietes Cherson verletzt hatten. Es hat sich definitiv um ausländische Drohnen gehandelt, weil die Ukraine keine eigenen Flugapparate dieser Art hat. Bereits im Frühjahr hatten laut Quellen Drohnen der 66. US-Aufklärungsbrigade das Territorium der Krim beobachtet.
In den an die Krim grenzenden ukrainischen Gebieten werden laut Medienberichten wieder Reservisten zum Wehrdienst einberufen. Das hatte in der vorigen Woche auch Verteidigungsminister Stepan Poltorak gesagt.
Davon, dass Militäraktionen auf der Krim nicht auszuschließen sind, zeugt auch das jüngste Treffen des Parlamentsvorsitzenden der Krim-Tataren, Refat Tschubarow, mit dem ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko. (Seit der Wiedervereinigung der Krim mit Russland hat das Parlament der Krim-Tataren seinen Sitz im Gebiet Cherson.) Tschubarow zufolge könnten die Krim-Tataren und die Ukrainer „die Krim befreien, falls sie zusammenhalten“. Zugleich führte er an, dass ungefähr 450 Krim-Tataren an der ukrainischen „Anti-Terror-Operation“ in der Donbass-Region teilnähmen." (RIA Novosti, 12.12.14)

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine 

Samstag, 16. August 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 59

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 17.8.14; 00:10 Uhr)

• Donezk weiter unter Artilleriebeschuss
Für die österreichische Zeitung Die Presse berichtet Jutta Sommerbauer am 16.8.14 aus Donezk:
"Am Eingang des Kulturpalastes im Donezker Bezirk Petrowskij erinnern Aushänge an frühere Tage. Fotos zeigen Kinder beim Karatetraining. Werbung für Englischkurse. Probezeiten der Kindertanzgruppe. Doch die drei Stockwerke des wuchtigen klassizistischen Gebäudes sind verwaist, das Schloss des großen Saals ist versperrt. Im Bezirk Petrowskij, auf den jeden Tag Raketen und Granaten niederprasseln, ist es zu gefährlich geworden für Freizeitgestaltung.
Nur den Keller des Kulturpalastes erfüllt Leben. „Unseren Bienenstock“ nennt ihn Tatjana Wladimirowna, und wenn man mit der 36-Jährigen die Betonstufen in das Dunkel hinabsteigt, dann weiß man, wie treffend dieser Ausdruck ist: Das Untergeschoß ist verzweigt wie ein Labyrinth. Von einem langen Gang führen links und rechts kleine Kojen weg. In ihrem Inneren harren Menschen aus. Nackte Wände, Leitungsgewirr, Kerzenschein. Manche sitzen hier seit Tagen, andere seit Wochen. „Ich bin seit 8. Juli hier“, sagt eine Frau, deren Gesicht unsichtbar bleibt. Eine andere sagt, sie sei am 2. August eingezogen. Sie sind gekommen, weil es ihnen über der Erde zu unsicher geworden. Alte Menschen, Frauen, 40 Kinder. Sie haben Stühle aneinander geschoben und alte Türen darüber gelegt. Darauf liegen Matratzen. Auf diesen behelfsmäßigen Betten schlafen sie. Unter dem Nachtlager liegen Kleidung, Wasserflaschen, Spielzeug. ...
Tagsüber, wenn es eher ruhig ist, halten sich etwa 100 Menschen hier auf, sagt Swetlana Iwanowna. Iwanowna, eine füllige Frau mit sorgenvollem Blick, hat bisher am Eingang des Kulturhauses Wache geschoben. Seit die Kampfhandlungen Donezk erreicht haben, betreut sie gemeinsam mit anderen Freiwilligen die Zivilisten. Am Morgen schlüpft sie hinaus, um Gebrechliche in ihren Quartieren mit Essen zu versorgen, in den leer stehenden Wohnungen nach dem Rechten zu sehen und im Supermarkt ein paar Lebensmittel zu erstehen. Gegen Abend, wenn sich der Artilleriebeschuss über dem Viertel verstärkt, füllt sich der Keller. Eilig laufen die Menschen herbei, an der linken Seite des Stalinbaus entlang, wo in großen roten Buchstaben steht: „ubeschischte“, Luftschutzbunker. Dann sitzen hier 400. ...
„Wer hätte gedacht, dass ich mal so leben werde?“, fragt die Kindergärtnerin. Sie stammt aus einer Bergarbeiterfamilie, fühlt sich als Angehörige der Arbeiterklasse. Sie ist russischsprachig, in Kiew war sie noch nie, ihre Heimat war die Sowjetunion und ist heute der Donbass. Der Aufstand gegen Ex-Präsident Viktor Janukowitsch ist ihr so fremd wie der Westen. Übrig bleibt das Gefühl, dass die Belagerten für die Taten der anderen bezahlen müssen. „Kiew hat uns doch längst vergessen, nur der Donbass sorgt für uns.“ Der Donbass, oder vielmehr dessen neue Herren.
Aus Kiew erwartet sich die Schicksalsgemeinschaft keine Hilfe. Auch vom Roten Kreuz oder anderen Hilfsorganisationen haben die Menschen noch nie Güter erhalten. Nur die Denerowzi, die Donezker Separatisten, bringen Nahrung und Medikamente vorbei. Schon wieder sind fast alle Windeln aufgebraucht. Wasserflaschen stehen in einer Ecke. Mit der kostbaren Flüssigkeit bereiten die Mütter Babybrei zu. „Die Denerowzi helfen uns, wo sie können“, sagen sie. Die Menschen in Petrowskij sind ihnen dankbar. Eine andere Wahl haben sie nicht.

• Unterstützung aus Russland Wunschdenken der Aufständischen?
"Separatistenführer Sachartschenko gab an, dass Moskau rund 1200 geschulte Soldaten sowie Kriegsmaterial schicken werde. Kiew hingegen spricht von einer Panik unter den Separatisten.
Angesichts des Vorrückens der ukrainischen Armee auf Donezk steigt offenbar die Nervosität in der separatistischen Führung. Bei einer Sitzung vor Kampfgenossen sprach der selbst ernannte Premier Alexander Sachartschenko von einem Korridor, über den aus Russland Militärtechnik und Kämpfer eintreffen sollten.
„Es bewegen sich 150 Einheiten an militärischem Gerät, darunter 30 Panzer und 120 gepanzerte Mannschaftstransporter, sowie 1200 Soldaten, die vier Monate lang auf dem Gebiet der Russischen Föderation geschult wurden“, kündigte er an. Sie würden sich in einem entscheidenden Moment am Kampf beteiligen. Die Russische Föderation hat stets abgestritten, die Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen. Sachartschenkos Mitteilung, die auf dem TV-Kanal „Noworossija“ ausgestrahlt wurde, könnte ein Durchhaltesignal an die eigenen Kämpfer sein. Denkbar wäre auch, dass die Donezker Separatisten angesichts ihrer misslichen Lage Russland verstärkt zum Handeln aufrufen wollen.
Der Sprecher von Kiews „Antiterroroperation“, Andrij Lysenko, berichtete dagegen von Panik unter den Separatisten. Söldner seien auf der Flucht aus Donezk und Horliwka, teils mit falschen ukrainischen Pässen. Die Separatisten äußerten sich dagegen kaum zur militärischen Lage. Sachartschenko erklärte in Donezk, Soldaten der ukrainischen Armee desertieren in Scharen und würden in die Reihen seiner Kämpfer übertreten.
Für die Verteilung von Hilfsgütern in der Ostukraine hat Russland eine Waffenruhe im Krisengebiet gefordert. Die Sicherheit der Mission des Roten Kreuzes müsse unverzüglich gewährleistet werden, teilte das Außenministerium in Moskau am Samstag mit. ..." (Die Presse online, 16.8.14)

• Lugansk seit 14 Tagen ohne Strom und Wasser
Die von den Kiewer Truppen belagerte und beschossene ostukrainische Stadt Lugansk ist schon seit 14 Tagen ohne Strom und Wasser und ohne Telefonverbindung. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 16.8.14, die sich dabei auf die Stadtverwaltung von Lugansk beruft. Die Stadt sei über Nacht wieder heftig beschossen worden. Es mangele auch an Medikamenten und Benzin.

• Russischer Hilfskonvoi muss weiter stehen bleiben
"Der russische Hilfskonvoi aus 280 Lastwagen an der russisch-ukrainischen Grenze bewegt sich nicht – mehrere Dutzend ukrainische Grenzschützer und Zollbeamte überprüfen die LKWs laut Medienberichten seit Freitag vormittag auf russischem Gebiet. Danach solle die Fracht in die von prorussischen Separatisten kontrollierte Stadt Lugansk gebracht werden. Nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen ist Russland bereit, alle notwendigen Unterlagen zu zeigen und die Fracht dem Roten Kreuz auszuhändigen.
Hat ein russischer Militärkonvoi die Grenze vor wenigen Tagen durch ein Schlupfloch überquert, wie britische Reporter (“The Guardian” und “The Telegraph”) bezeugten? Russland dementiert – das sei eine Grenzkontrolle gewesen. Die ukrainische Armee will den Konvoi größtenteils zerstört haben – auf ihrer Seite. Die rund 250 Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Krisengebiet haben sich noch nicht geäußert.
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf, dem Strom von Rüstungsgütern, Militärberatern und bewaffnetem Personal über die ukrainische Grenze ein Ende zu setzen. Auch die Regierung in Kiew und die Nato hatten Russland vorgeworfen, heimlich mit einem Militärkonvoi in das Kampfgebiet im Osten der Ukraine vorgedrungen zu sein. ..." (Euronews, 16.8.14)

• Aufständische melden Gebietsgewinn
"Im Kampf mit dem ukrainischen Militär haben prorussische Separatisten nach eigenen Angaben eine Versorgungslinie zwischen den belagerten Gebieten Donezk und Lugansk unter ihre Kontrolle gebracht. Als nächstes solle die Armee-Blockade der Grossstadt Lugansk durchbrochen werden, sagte ein Separatistenführer laut der Agentur Interfax.
Bewohner der Stadt Donezk berichteten am Samstag von heftigem Beschuss mehrerer Viertel. Der Sicherheitsrat in Kiew teilte mit, die «Anti-Terror-Operation» in der Ostukraine werde noch einige Zeit dauern. Die Einnahme der von Aufständischen gehaltenen Orte sei nicht in zwei Tagen zu machen.
Die Regierungstruppen zogen derweil ihren Belagerungsring um die Stadt Gorlowka nordöstlich von Donezk immer enger, wie ein Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums sagte.
Die Situation der Menschen in Donezk und Lugansk wurde nach Angaben der örtlichen Behörden immer dramatischer. Die mehr als 200'000 Einwohner von Lugansk sind seit zwei Wochen ohne Strom und Wasser. In Donezk seien mehr als 40'000 Einwohner ohne Strom, teilte der Stadtrat mit. ..." (20 Minuten, 16.8.14)

• Slowakei startet Testlieferungen von russischem Erdgas an Ukraine
"Die Slowakei hat am Samstag mit Testlieferungen des Erdgases aus Europa an die Ukraine über die Pipeline Uschgorod-Vojany begonnen. Der slowakische Gaspipelinebetreiber Eustream startete die Gaslieferungen am Samstag um 10.00 Uhr, berichtet die Agentur RIA-Novosti.
Nach Angaben von Eustream sollen die kommerziellen Lieferungen am 2. September beginnen. Die Ukraine kann über die Slowakei jährlich 10 Milliarden Kubikmeter Gas aus Europa beziehen." (Ukrinform, 16.8.14)

• Erneut ukrainische Militärs angeblich nach Russland geflohen
"17 ukrainische Militärs haben am Samstag die Grenze zu Russland überschritten, um sich vor den Kämpfen in der Ostukraine zu retten, wie der Pressesprecher des Grenzdienstes des Gebietes Rostow, Nikolai Sinizyn, RIA Novosti sagte.
Der „Premier“ der selbsternannten Volksrepublik Donezk (VRD), Alexander Sachartschenko, sagte zuvor  bei einem kurzen Pressegespräch in Donezk, dass ukrainische Militärs massenhaft die Seite wechseln. Einer der Kommandeure der 25. Luftsturmbrigade sei mit Schützenpanzer zur Volkswehr übergelaufen und habe den Befehl über eine Kompanie übernommen, so Sachartschenko.
Er rechnet damit, dass sich die ukrainischen Militärs, die bei den Dörfern Dmitrowka und Koschewnja an der Grenze zu Russland von den Volksmilizen eingeschlossen sind, bald ergeben werden. ..." (RIA Novosti, 16.8.14)

• Kiew glaubt an Flucht der Aufständischen aus Donezk
"Die meisten Terroristen werden versuchen, die Region Donezk bis 18. August zu verlassen. Dies erklärte der Sprecher des Rates für Nationale Sicherheit und Verteidigung Andrij Lysenko am Samstag vor der Presse in Kiew.
Die Terroristen aus der „Volksrepublik Donezk“ fälschen Papiere, um das Gebiet der Antikere-Organisation als Flüchtlinge zu verlassen. Nach operativen Angaben wollen die meisten die Region bis 18. August verlassen, sagte Lysenko. Lysenko sagte weiter, die Terroristen wollten sich in Zivilkleidung unter die friedlichen Menschen mischen und die Kontrollposten der Armee passieren.
Ihm zufolge würden nahe Debalzewo im Gebiet Donezk in den letzten drei Tagen 13 Menschen im Alter von 20 bis 45 Jahren wegen Terrorismusverdachts festgenommen. Unter ihnen sei auch ein Feldkommandeur aus Luhansk gewesen. Lysenko fügte hinzu, die Ortsbewohner zeigen die Terroristen an." (Ukrinform, 16.8.14)

• USA können ukrainische Meldungen über russischen Militärkonvoi nicht bestätigen
Auch wenn die US-Regierung die ukrainischen Berichte über einen angeblich zerstörten russischen Militärkonvoi auf ukrainischem Gebiet nicht bestätigen kann, warnte sie Russland vor jeder Form des Eindringens in die Ukraine. Das berichtet die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 16.8.14. Sie beruft sich auf die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates beim US-Präsidenten, Caitlin Hayden. Die sagte danach, dass die US-Regierung noch daran arbeite, mehr Informationen zu erhalten, aber warnte Russland, ohne Zustimmung aus Kiew irgendetwas oder irgendjemand in die Ukraine zu schicken . Hayden warf Russland vor, die Au8fständischen u.a. mit Panzern, Artillerie und Raketenwerfern zu beliefern und ukrainisches Territorium zu beschiessen.

• Kiew: Hilfskonvoi ist russisches Ablenkungsmanöver
"Berater des Innenministers der Ukraine Anton Geraschtschenko ist der Meinung, dass der russische Hilfskonvoi ein gut durchdachtes Manöver, um die Aufmerksamkeit von den Lieferungen der russischen Militärtechnik in die Ukraine abzulenken.
„Während wir unsere Zeit für die Diskussionen über diesen Konvoi vergeuden, überqueren Dutzende Panzerfahrzeuge und LKWs mit den Kämpfern jede Nacht unbemerkt die Grenze und häufen sich im Raum Snischne- Torez und Luhansk an“, schrieb Geraschtschenko auf Facebook.
Ziel der Terroristen sei ein Gegenangriff im Raum Debalzewo-Enakiewo, um wieder die Autostraße zwischen Donezk und Luhansk unter ihre Kontrolle zu bringen." (Ukrinform, 16.8.14)

• Oligarch Achmetow im Visier des Geheimdienstes
"Der Geheimdienst der Ukraine SBU überprüft derzeit, ob Fraktionsvorsitzende der Partei der Regionen im ukrainischen Parlament Olexandr Efremow und der reichste Mann der Ukraine Rinat Achmetow die Terroristen in der Ostukraine finanzieren. Dies gab Vize-Chef des Geheimdienstes der Ukraine SBU Wiktor Jagun im Fernsehender „Fünfter Kanal“ bekannt.
Als Vorwand für die Überprüfung nannte Jagun die Tatsachen, dass die Werke in der Ostukraine, deren Eigner Efremow und Achmetow sind, würden von den Terroristen, im Gegensatz zu den nachbarlichen Gebäuden, nicht beschossen. Laut Jagun gebe es immer Fragen, warum einige Werke und Häuser angegriffen werden, und die anderen nicht. Das sei ein Kriegsgeschäft. Der SBU überprüfe im Rahmen der Ermittlungen zur Finanzierung des Terrorismus diese Fälle." (Ukrinform, 16.8.14)

• Aufständische melden Unterstützung aus Russland
"Die Terroristen der „Volksrepublik Donezk“ haben erklärt, dass sie eine „ernsthafte“ Verstärkung aus Russland, insgesamt 150 Militärfahrzeuge, 30 Kampfpanzer und 120 Panzerfahrzeuge, und 1200 in Russland ausgebildete Soldaten, bekamen. Dies gab der neugewählte Leiter der „Volksrepublik Donezk“ Olexandr Sachartschenko bekannt, berichtet Radio „Echo Moskwy“.
Nach Angaben von Sachartschenko wurden 1200 Kämpfer 4 Monate in Russland ausgebildet." (Ukrinform, 16.8.14)

• Vorläufiger Bericht zu MH 17 Anfang September
Laut eines Berichtes der Online-Ausgabe der malaysischen Zeitung New Straits Times vom 16.8.14 wird der vorläufige Untersuchungsbericht zur MH17-Katastrophe Anfang September veröffentlicht. Der Zeitung zufolge sagte der malaysische Verkehrsminister Datuk Seri Liow Tiong Lai, dass die internationale Untersuchungskommission die Black Box-Daten des abgestürzten Flugzeuges ausgewertet habe. "Die Daten sind vollständig, nicht zerstört oder beschädigt, und deutlich zu lesen. Es zeigte sich, dass das Flugzeug in gutem Zustand war." Er könne den Inhalt nicht verraten, so der Verkehrsminister. Das bleibe der niederländisch geführten internationalen Ermittlergruppe vorbehalten.
In einem weiteren Beitrag der malaysischen Zeitung wird die
"schändliche Vernachlässigung der Beweise" kritisiert. Obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind, hätten vor allem westliche Medien voreilig Russland schuldig für die Katastrophe erklärt. Journalistische und analytische Spekulationen seien in solch einer Situation mit der geopolitischen Dimension verständlich, so Autor Nile Bowie, aber der "Mangel an Balance ist atemberaubend". Jene, die schon Stunden nach der Katstsrophe uneingeschränkt auf Moskau zeigten, hätten noch keine gerichtsfesten Beweise vorgelegt, dass Russland die Aufständischen in der Ostukraine für solch einen Abschuss ausgerüstet oder ausgebildet habe. Dagegen habe Moskau miltiärische Satellitenbilder und Daten zur Verfügung gestellt, die die Kiewer Version in Frage stellten. Es gebe einen "klaren Widerspruch" zwischen bekanntgewordenen US-Geheimdienstangaben und den Behauptungen aus dem Weißen Haus, erinnert Bowie. Westliche Medien seien vor allem den letzteren gefolgt. "Es ist eine Farce, dass das Land, das bekannt ist für die weltweit raffinierteste Überwachung und die weitreichendensten Überwachungsmöglichkeiten, so gesunken ist und sich auf körnige YouTube-Videos beruft, um seine politischen Entscheidungen zu rechtfertigen."
Die dem Publikum der westlichen Medien präsentierte Berichterstattung habe sich "im Gleichschritt" mit den offiziellen Positionen der westlichen Regierungen befunden. Bowie, der an die den offiziellen Aussagen widersprechenden Beiträge erinnert, verwies auf den "auffälligen und unverkennbaren Aufwand durch diese Medienkonzerne, 'unerwünschte' Fakten und Zeugenaussagen aus der Diskussion raus zu halten". Der Autor forderte erneut, dass Kiew militärische Radardaten und Angaben zu den Raketenbatterien in der Ostukraine freigeben müsse, ebenso wie die Aufzeichnungen des Funkverkehrs zwischen der Flugkontrolle und dem malaysischen Flugzeug. Die um Unparteilichkeit bemühte internationale Untersuchungskommission müsse die Beweise der Regierungen und ihrer Geheimdienste objektiv überprüfen, die diese vorlegen müssten, um ihre Anschuldigungen zu belegen.

• Kiew spielt mit Westeuropas Gasversorgung
"Am Donnerstag hat das ukrainische Parlament ein interessantes Gesetz verabschiedet. Es sieht Sanktionen gegen 65 russische Unternehmen und 172 Einzelpersonen vor, die sich des »Finanzterrorismus« schuldig gemacht haben. Betroffen ist auch Gasprom (engl. Gazprom). Der Riesenkonzern darf als einziges Unternehmen russisches Gas exportieren. Bisher hatten die USA und die von den Lieferungen abhängige EU es sorgsam vermieden, Sanktionen gegen das halbstaatliche Unternehmen zu verhängen. Die Ukraine ist da forscher: Weil der Pleitestaat wegen ausstehender Zahlungen kein Gas mehr geliefert bekommt, will die Rada den russischen Konzern bestrafen und die Zufuhr nach Westeuropa drosseln. Und in Kiew ist man stolz auf diesen selbstmörderischen Mut. Ministerpräsident (von US-Gnaden) Arseni Jazenjuk dankte dem Parlament ausdrücklich. Die Abgeordneten hätten gezeigt, daß die Ukraine in der Lage sei, »sich selbst zu schützen«.
Mit dem Beschuß wird laut dem Bericht einer britischen Nachrichtenagentur verlangt, daß Energieunternehmen aus der EU, wenn sie weiterhin Gas aus Rußland beziehen wollen, zuerst bedeutende Vertragsänderungen mit der Ukraine aushandeln müssen. Nun bekommt man es auch in der EU mit der Angst zu tun. Der Winter naht, Kiew fummelt erneut am Gashahn, und Lieferengpässe sind damit programmiert. Die Regierungen in Berlin, Paris oder Warschau zum Beispiel scheinen nicht glücklich mit den »Selbstschutzmaßnahmen« ihres Mündels. Als erster hat sich der slowakische Ministerpräsident Robert Fico öffentlich geäußert. »Ist es nicht seltsam, daß ein Land, das ein Assoziierungsabkommen mit der EU unterzeichnet hat, ein Land, dem wir alle versuchen zu helfen, Schritte unternimmt, die die Interessen der einzelnen EU-Mitglieder gefährden?« fragte er. Und fügte hinzu: »Wir wollen nicht zur Geisel des ukrainisch-russischen Konflikts werden, wir können unsere Interessen nicht für ein Duell opfern.« ..." (junge Welt, 16.8.14)

• Verwirrspiele um Konvois
"Der russische Hilfskonvoi mit 2000 Tonnen humanitärer Güter für die Menschen im ostukrainischen Kriegsgebiet tauchte am Freitag am Grenzübergang Donezk wieder auf. »Unsere Vertreter haben vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz keine Frachtpapiere erhalten. Sobald die Papiere vorliegen, werden die Grenz- und Zollbeamten mit der Erledigung der Formalitäten beginnen«, teilte laut Ria/Nowosti der Sprecher des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Andrej Lyssenko, mit.
Zuvor hatte es geheißen, rund 60 Vertreter des ukrainischen Zolls und Grenzschützer würden die Ladung auf russischem Gebiet überprüfen. Am Vorabend hatte der Kiewer Sicherheitsrat nach eigenem Bekunden auf Nachfragen noch nicht einmal gewusst, wo die 280 schweren Lastkraftwagen überhaupt abgeblieben sein könnten. Sie waren offenbar im Kiewer Verwirrspiel um Routen und Regeln für die ungewollte Lieferung abhanden gekommen. Ein Sprecher der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) informierte am Nachmittag, noch sei kein Lkw unmittelbar an der Grenze eingetroffen.
Alle Ampeln auf Grün schaltete die ukrainische Regierung hingegen für ihre eigenen Konvois mit rund 800 Tonnen Hilfsgütern. Mehr als 20 Lastwagen aus Charkow seien am Sammelpunkt Starobelsk nördlich des umkämpften Gebiets unter Aufsicht des Roten Kreuzes entladen worden, teilte Irina Geraschtschenko von der Präsidialverwaltung zufrieden mit. In Donezk und an anderen umkämpften Orten des Donbass verteilten laut örtlichen Medien auch Kämpfer der »Volksrepublik« Brot an die Bevölkerung. Erwartet wurden Transporte aus Dnjepropetrowsk und Kiew.
International großes Aufsehen erregten aber ganz andere Fahrzeuge. So soll eine russische Militärkolonne von Journalisten beim Eindringen auf ukrainisches Territorium beobachtet worden sein. Wie die britischen Zeitungen »The Guardian« und »The Telegraph« berichteten, habe ein Konvoi aus 23 gepanzerten Mannschaftstransportwagen gemeinsam mit Tanklastwagen und anderen Versorgungsfahrzeugen am späten Donnerstagabend in der Ostukraine die Grenze zum Nachbarland passiert. An allen Fahrzeugen seien russische Militärkennzeichen angebracht gewesen.
Ein ukrainischer Militärsprecher schränkte gegenüber der Agentur AFP ein, es gebe noch keine bestätigten Informationen über die Zahl der Fahrzeuge, die tatsächlich in die von Separatisten kontrollierte Region eingedrungen seien. Außenminister Pawlo Klimkin kündigte an, die Regierung wolle das untersuchen.
Die russische Grenzschutzverwaltung für das Gebiet Rostow dementierte prompt und konterte. Sie selbst ergreife angesichts des regelmäßigem Beschusses des russischen Territoriums und dem häufiger gewordenen massenhaften Grenzübergang durch ukrainische Militärs alle Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Einwohner der grenznahen Ortschaften. ..." (Neues Deutschland, 16.8.14, S. 5)

• USA werfen Russland Militärintervention vor
"Die USA werfen Russland eine «anhaltende Militärintervention» in der Ukraine vor. Dies stehe in völligem Gegensatz zu humanitären Hilfen und einer friedlichen Konfliktlösung, teilte Caitlin Hayden, Sprecherin des nationalen Sicherheitsrats, am Freitag mit.
Moskau müsse seine «extrem gefährlichen und provokativen» Versuche zur Destabilisierung der Ukraine unterlassen, hiess es weiter in der schriftlichen Erklärung. Jedes russische Vordringen auf ukrainisches Gebiet ohne Erlaubnis der Regierung in Kiew sei inakzeptabel.
Russland müsse zudem den Beschuss der Ukraine von russischem Gebiet aus sowie den Strom an Waffen, Geld und anderer Form an Hilfe für die Separatisten in der Ost-Ukraine stoppen.
Zu Berichten aus der Ukraine, wonach ukrainische Militärs russische Armeefahrzeuge zerstört hätten, nachdem diese in die Ukraine eingedrungen seien, äusserte sie sich nicht. Dazu habe man nicht genügend Informationen, meinte Hayden. Russland bestreitet, dass sein Militär die Grenze überquert hat. ...
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel forderte in einem Telefonat am Freitagabend den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, zur Deeskalation in der Ostukraine beizutragen. Vor allem dem Strom von Rüstungsgütern, Militärberatern und bewaffnetem Personal über die Grenze in das Nachbarland müsse ein Ende gesetzt werden, mahnte Merkel nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert. ..." (Tages-Anzeiger online, 16.8.14)

• Ukrainischer Hilfskonvoi in Region Lugansk angekommen
"Ein ukrainischer Hilfskonvoi hat am Freitag Wasser und Lebensmittel in die umkämpfte ostukrainische Region Luhansk gebracht. In Lyssytschansk, einer etwa 10 Kilometer von Luhansk entfernten und von der ukrainischen Armee kontrollierten Stadt, wurden die Güter entladen. Von dort aus soll das Rote Kreuz sie in den kommenden Tagen in Luhansk verteilen.
“Wir sind das Rote Kreuz, Ich glaube nicht, dass irgendjemand versuchen wird zu verhindern, dass die Güter hineintransportiert werden”, so Ljudmila Scherbak, Chefin der Gesellschaft des Roten Kreuzes in Severodonetsk. “Das geht, und wir werden zuerst denen helfen, die es wirklich nötig haben.”
Unterdessen wartet der russische Konvoi nahe der ukrainischen Grenze auf eine Inspektion. Ein Kontingent ukrainischer Grenzbeamter soll die Hilfsgüter in Augenschein nehmen, zusammen mit dem Roten Kreuz, das aber offenbar immer noch auf eine Frachtaufstellung wartet. Mehrere internationale Journalisten, die selbst einen Blick hineinwerfen durften, fanden keine bedenklichen Güter, stießen aber auf einige fast leere LKW. ..." (Euronews, 16.8.14)

• Ungarn liefert angeblich Panzer an die Ukraine
"Mit Waffenlieferungen an die Ukraine verstößt die Europäische Union gegen den Internationalen Waffenhandelsvertrag (ATT), erklärte das russische Außenministerium am Freitag. Damit kommentierte die Behörde den Bericht der ungarischen Onlinezeitung Hidfo.Net, dass das ungarische Verteidigungsministerium Panzer vom Typ Т-72 an die Ukraine liefere.
Nach Angaben der Zeitung erfolgen die Lieferungen über eine „bevollmächtigte Agentur“.
„Mit Waffenlieferungen an die Ukraine verletzen EU-Mitgliedsstaaten (…) den rechtsverbindlichen Internationalen Waffenhandelsvertrag“, so das Moskauer Außenamt. Die Behörde warf der Regierung in Budapest vor, gegen ihre „Verpflichtungen im Bereich des Exports konventioneller Rüstungen“ zu verstoßen." (RIA Novosti, 15.8.14)

• US-Kavallerie nach Polen
600 US-Soldaten der 1. Brigade "Iron Horse" der 1. Kavallerie-Division aus dem texanischen Fort Hood sind auf dem Weg nach Polen. Laut einer Mitteilung des US-Kriegsministeriums Pentagon vom 13.8.14  soll die gepanzerte Kavallerie im Rahmen der Operation "Atlantic Resolve" ("Atlantische Entschlossenheit") die 173. Fallschirmjägerbrigade der US-Armee in Europa ersetzen. Die Fallschirmjäger waren seit April in Polen und haben mit Einheiten aus Polen, Estland, Lettland und Litauen trainiert. Die 1. Kavallerie-Division mit Kriegserfahrung u.a. in Korea, Vietnam und Irak soll mit ihren Panzern nicht nur mit den osteuropäischen Soldaten üben, sondern auch "Amerikas Engagement für dauerhaften Frieden und Stabilität in der Region" beweisen und die osteuroäischen NATO-Verbündeten angesichts der "russischen Intervention in der Ukraine" beruhigen.
Rainer Rupp merkte dazu in der Tageszeitung junge Welt vom 16.8.14 Folgendes an: "... Glaubt Washington wirklich, folgenlos militärische Verstärkung an die Westgrenze Rußlands schicken zu können – zu einem Zeitpunkt, da jede Truppenbewegung rund um den Globus mißtrauisch unter die Lupe genommen wird? Die extrem provokative, militärische Expansion der US/NATO-Mächte kann nur zu weiteren russischen Reaktionen auf diese »defensive« Eskalation des Westens führen. Der stellvertretende russische Ministerpräsident und frühere Botschafter bei der NATO, Dmitri Rogosin, erklärte bereits am 11. Dezember 2013, also bevor der Stellvertreterkrieg in der Ukraine absehbar war: »Nur für den Fall, daß nicht ganz klar ist – wenn es zu einem Angriff gegen uns kommt, werden wir in bestimmten Situationen zur Verteidigung unseres Territoriums und der Interessen des Staates mit Sicherheit auf den Einsatz von Atomwaffen zurückgreifen.« Und weiter: »Dieses Prinzip ist fest in der russischen Militärdoktrin festgeschrieben. Jeder Angreifer oder eine Gruppe von Aggressoren sollte sich dessen bewußt sein. Für uns haben Kernwaffen nichts von ihrer Bedeutung als Waffe der Vergeltung und als großer Gleichmacher verloren.« Das hat in Westeuropa offensichtlich niemand gehört. ..."

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


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