Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der
Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf
Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (
aktualisiert: 18:16 Uhr – wird im Rahmen der Möglichkeiten laufend aktualisiert; die
Aktualisierungen werden chronolgisch nach dem Erscheinungsdatum
eingeordnet)
• Russland schickt zusammen mit dem IKRK humanitären Konvoi in die Ostukraine
Russland
werde in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz (IKRK)
einen humanitären Konvoi in die Ostukraine schicken. Das erklärte laut
einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur
ITAR-TASS vom 11.8.14 der russische Präsident Wladimir Putin. Er habe das dem EU-Kommissionspräsidenten
Jose Manuel Barroso in einem Telefonat mitgeteilt. Putin habe auf die
"die katastrophalen Folgen der militärischen Operation der Kiewer Behörden in südöstlichen Regionen und auf die Notwendigkeit für dringende humanitäre Hilfe für die Region" hingewiesen.
Das Internationale Kommitee des Roten Kreuzes (IKRK) hatte
in einem Bericht am 8.8.14 auf die sich zuspitzende humanitäre Notlage in der Ostukraine hingewiesen und das russische Hilfsangebot begrüßt.
• Kiew: Einwohner von Donezk und Lugansk sollen Städte verlassen
Der als "
Anti-Terror-Operation" bezeichnete Krieg in der Ostukraine werde fortgesetzt, wie laut eines Berichtes der
Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine vom 11.8.14
der Sprecher des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates,
Andrej Lyssenko, erklärte. Die Bewohner von Donezk und Lugansk sollten
ihre Städte verlassen, bevor diese "
befreit" werden. Es gebe Fluchtkorridore. Die ukrainische Armee müsse weiter vorrücken, so Lyssenko.
• Ukrainischer Gasnetzbetreiber widerspricht Jazenjuk: Weiter russisches Gas nach Westeuropa
"
Der
ukrainische Netzbetreiber Naftogaz will ungeachtet möglicher Sanktionen
seiner Regierung gegen Russland weiter Gas nach Europa durchleiten.
"Naftogaz bekräftigt seine Bereitschaft, den reibungslosen Transport von
Erdgas zu den europäischen Verbrauchern fortzuführen", sagte Firmenchef
Andrej Kobolew am Montag.
Einziges Unternehmen, das
russisches Gas durch die Ukraine nach Europa liefert, ist Gazprom, das
etwa 30 Prozent des dortigen Bedarfs deckt.
Der ukrainische
Ministerpräsident Arseni Jazenjuk hatte vergangene Woche angekündigt,
dass das Parlament über Sanktionen gegen Russland beraten werde. Auch
gegen 65 russische Firmen könnten Maßnahmen ergriffen werden. Dazu
könnte ein teilweises oder vollständiges Transitverbot für Güter aus
Russland gehören. Auf die Frage, ob das auch die Durchleitung von
russischem Erdgas betreffe, hatte der Ministerpräsident gesagt, das gelte für alle Transitgüter. ..." (
Der Standard online, 11.8.14)
• Russland, Ukraine und Internationales Rotes Kreuz einig über Hilfslieferungen für Ostukraine
"
Russland
hat sich mit der Regierung in Kiew und dem Internationalen Komitee vom
Roten Kreuz (IKRK) auf die Entsendung von Hilfsgütern in südöstliche
Regionen der Ukraine geeinigt. Dies teilte der russische Außenminister
Sergej Lawrow am Montag mit. Er warnte westliche Staaten davor, die
humanitäre Aktion zu behindern.
„Ich kann jetzt mit
vorsichtigem Optimismus sagen, dass alle Einwände heute ausgeräumt sind.
Ich hoffe, dass die humanitäre Aktion demnächst unter der Ägide des
Internationalen Komitees vom Roten Kreuz zustande kommt“, sagte Lawrow
am Montag in Sotschi. „Wir haben mit der Führung der Ukraine alle
Details vereinbart. Ich hoffe, dass die westlichen Partner keine Steine
in den Weg legen.“ ..." (
RIA Novosti, 11.8.14)
• Kanada hat Ausrüstung für Kiewer Truppen geliefert
"
Der
ukrainische Grenzschutz hat von der Regierung Kanadas 32 Tonnen
militärische Ausrüstung bekommen. Ein Flugzeug der kanadischen Luftwaffe
hat am vergangenen Freitag die fünf Millionen US-Dollar teure Fracht
nach Kiew gebracht, wie der ukrainische Grenzschutz mitteilte.
Das
kanadische Flugzeug sei auf dem Flughafen Kiew Borispol gelandet, hieß
es. Die Lieferung beinhalte Panzerwesten, Schutzhelme, Medikamente,
Zelte, Schlafsäcke und ballistische Brillen und sei für die
Grenzsoldaten bestimmt, die an den Sonderoperation im Osten des Landes
teilnehmen. ..." (
RIA Novosti, 11.8.14)
• Erster Bericht zu MH17 erst in ein paar Wochen
Die malaysische Zeitung
New Straits Times gibt in ihrer Online-Ausgabe am 11.8.14 eine AFP-Meldung
wieder, nach der holländische Erittler erklärt haben, dass ein erster
Bericht zur MH17-Katastrophe "in ein paar Wochen" vorgelegt werde.
"Wir haben genügend Informationen, um einen vorläufigen Bericht zu erstellen", wird Wim van der Weegen, Sprecher der niederländischen Sicherheitsbehörde (OVV), zitiert.
Ukrainische Experten, die an den internationalen UNtersuchungen
beteiligt seien, seien kurz nach dem Absturz von MH17 vor Ort gewesen.
Der OVV-Sprecher erklärte, dass nur untersucht werde, was das
Verkehrsflugzeug mit 298 Menschen an Bord abstürzen ließ, nicht, wer
dafür verantwortlich ist.
Es hätten genügend Quellen zur Verfügung gestanden, einschließlich Cockpit-Voice-Recorder, Flugdatenschreiber (Black Box), Radardaten und Informationen von Fluglotsen. Die Ermittler wollten noch einmal zur Absturzstelle, "um einige unserer Erkenntnisse zu überprüfen und zusätzliche Informationen zu bekommen".
• Angeblich ukrainisches Dorf durch Beschuss aus Russland zerstört
Die ukrainische Nachrichtenagentur
Ukrinform berichtet am 11.8.14, verbunden mit einer Fotogalerie: "
Das ukrainische Dorf Stepaniwka nach dem Beschuss von Grad“-Raketenwerfern aus russischem Gebiet.
„Das war eine blühende Siedlung mit fast 1000 Einwohnern. Das Dorf wurde völlig von Raketenwerfern BM-21 „Grad“ vernichtet. Die russischen Raketen schlugen in die friedlichen Häuser der Ukrainer
ein und zerstörten nicht nur die Häuser sondern auch die menschlichen
Träume und Schicksale“, meldet die Pressestelle der
Antiterror-Operation." Allerdings sind gleich auf dem zweiten Bild
neben einer Bushaltestelle in dem Ort eine ganze Reihe Munitionskisten
und Geschosshülsen zu sehen, die eindeutig nicht von dem gemeldeten
Beschuss stammen.
• Lugansk seit acht Tagen ohne Strom und Wasser
"
Die
ostukrainische Stadt Lugansk lebt seit acht Tagen in völliger Isolation
und ohne Strom, Wasser und Telefonverbindung, teilt die Ortsbehörde auf
ihrer Webseite mit. „Lieferungen von Lebensmitteln, Medikamenten und
Treibstoff wurden eingestellt“, heißt es in der Mitteilung. Die
Einwohner, die in der Stadt geblieben sind, bekommen keine Renten, Löhne
und sozialen Beihilfen. Die Eisenbahnverbindung mit Lugansk ist
abgebrochen, es ist nahezu unmöglich, die Stadt zu verlassen. Momentan
befinden sich rund 250 000 Einwohner – etwa die Hälfte der
ursprünglichen Einwohnerzahl – in Lugansk. Gleichzeitig steht die Stadt
unter ständigem Beschuss." (
RIA Novosti, 11.8.14)
• Aufständische haben Grenzkontrollpunkt erobert
"
Volkswehr-Milizen
der selbsterklärten Volksrepublik Lugansk hat am Freitag einen
Grenzübergang nach Russland unter ihre Kontrolle genommen." Es handelt sich danach um den Kontrollpunkt Dolschanski. (
RIA Novosti, 11.8.14)
• Kiewer Truppen beklagen 568 Tote
"
Die
ukrainische Armee und die Sicherheitskräfte haben seit Beginn ihrer
Offensive gegen bewaffnete Regierungsgegner im Osten des Landes nach
eigenen Angaben 568 Soldaten an Toten verloren. Weitere 2120
Armeeangehörige haben Verletzungen erlitten, wie der Sprecher des Kiewer
Sicherheitsrats, Andrej Lyssenko, am Montag mitteilte.
Allein
in den vergangenen 24 Stunden seien sechs Soldaten bei der
„Anti-Operation“ getötet und 24 weitere verletzt worden, so der
Sprecher. ..." (
RIA Novosti, 11.8.14)
• Nationalgarde will Drohnen einsetzen
Die Nationalgarde baue eine Einheit für den Einsatz von Drohnen auf. Das berichtet die
Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 11.8.14, die sich auf den ukrainischen Innenminister Arsen Awakow beruft. Die Einheit werde ab dem 11.8.14 aufgebaut.
• Kiew: Waffenruhe nur, wenn Aufständische Waffen abgeben
"
Die
Ukraine lehnt die von den Separatisten angebotene Waffenruhe ab. Für
eine Feuerpause müssten die Rebellen zuerst die Waffen niederlegen,
sagte ein Armeesprecher. Inzwischen zog die ukrainische Armee ihren
Belagerungsring um Donezk erneut enger. Nach eigenen Angaben steht das
ukrainische Militär kurz vor der Einnahme der Rebellenhochburg. Die
Truppen hätten beträchtlich an Boden gewonnen und einen Keil zwischen
die pro-russischen, separatistischen Kämpfer getrieben, so der
Armeesprecher weiter. Mit massivem Artilleriefeuer versuchte das
Militär, eine strategisch wichtige Versorgungsroute der Aufständischen
zum russischen Grenzgebiet zu kappen. ...
Bei neuen
Gefechten starben mindestens 28 Regierungssoldaten. Granatsplitter
töteten in Lugansk ein sechsjähriges Mädchen, wie die Behörden
mitteilten. Sechs weitere Zivilisten wurden verletzt. In Donezk starben
drei Männer, die zwischen die Fronten geraten waren. Beim Beschuss eines
Krankenhauses wurde eine Frau verletzt.
"Die
Anti-Terror-Operation verläuft erfolgreich, der Ring um Donezk wird
immer enger gezogen", sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat in Kiew.
Die Aufständischen hätten schwere Verluste erlitten. "Unter den
Terroristen macht sich Panik breit. Wir hören von massiver Fahnenflucht -
sie werfen die Waffen weg und wollen ihr nacktes Leben retten",
behauptete er. ..." (
Der Standard online, 11.8.14)
• Donezk angeblich hermetisch abgeriegelt
"
Die
ukrainische Armee steht nach eigenen Angaben kurz vor der Einnahme der
Rebellenhochburg Donezk im Osten des Landes. Die Truppen hätten
beträchtlich an Boden gewonnen und einen Keil zwischen die
separatistischen Kämpfer getrieben, sagte Militärsprecher Andrii Lysenko
heute in Kiew.
Die Regierungstruppen hätten nun Donezk von
der anderen Rebellenhochburg Lugansk an der Grenze zu Russland
abgeschnitten. «Die Truppen des Anti-Terror-Einsatzes bereiten sich auf
den letzten Schritt zur Befreiung von Donezk vor», sagte Lysenko der
Nachrichtenagentur Reuters.
«Unsere Soldaten haben Donezk
komplett von Lugansk abgeriegelt», sagte er. «Wir arbeiten daran, beide
Städte zu befreien, aber es ist besser, zuerst Donezk zu befreien - es
ist wichtiger.» ..." (
Tages-Anzeiger online, 11.8.14)
• NATO: Russische Intervention "hoch wahrscheinlich"
Laut eines Berichtes der
Nachrichtenagentur Reuters vom 11.8.14 hat die NATO erneut von einer "
hohen Wahrscheinlichkeit"
gesprochen, dass Russland in der Ukraine interveniere. Dabei wird der
Zusammenhang zu den Ereignissen um Donezk, dass von Kiewer Truppen
eingekesselt wurde, hergestellt. Diese würden unbeeindruckt von den
angeblich drohenden russischen Truppen an der Grenze aber ihre Offensive
fortsetzen.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte
gegenüber Reuters, Russland habe seine Truppen an der Grenze zur Ukraine
noch nicht zurückgezogen, weshalb er eine Intervention für "
hoch wahrscheinlich" halte. Diese wolle Russland unter dem "
Deckmantel einer humanitären Aktion" durchführen, behauptete Rasmussen erneut.
• Drohende Ökokatastrophe durch Beschuss von Gorlowka
"
Eine
Fortsetzung des Beschusses der Stadt Gorlowka und des Werkes Stirol,
einer der größten Chemiebetriebe in der Ukraine, kann laut seinem
Sprecher Pawel Brykow eine ökologische Katastrophe heraufbeschwören.
Seinen
Worten nach werden Einwohner der Ukraine, Russlands und Weißrusslands
durch das verantwortungslose Handeln der ukrainischen Armee täglich dem
tödlichen Risiko einer Umweltkatastrophe ausgesetzt, deren Folgen sich
nicht voraussagen lassen.
„Eine Havarie in Stirol würde
einen Austritt von Mononitrochlorbenzol (‚Blutgift‘) im Chemiebetrieb in
Gorlowka herbeiführen, wo es bis jetzt gelagert wird. Der minimale
Wirkungsradius würde dabei mindestens 300 Kilometer betragen“, hieß es
weiter.
„In den letzten drei Wochen werden Gorlowka und
insbesondere das Gelände des Werkes Stirol bombardiert und beschossen.
Die ukrainische Armee setzt Mehrfachraketenwerfer Grad und Uragan ein“,
so Brykow. ..." (
RIA Novosti, 11.8.14)
• Aufständische fliehen angeblich vor Kiewer Truppen
"
Die
Terroristen fliehen massenhaft vor Angriffen der ukrainischen Armee.
Dies berichtet die Pressestelle der Antiterror-Operation auf Facebook.
„Die
Aufklärung meldet die Fahnenflucht von mehreren Terroristengruppen, die
versuchen, vor Angriffen der ukrainischen Armee zu fliehen und damit
ihr Leben zu retten“, heißt es in der Meldung." (
Ukrinform, 11.8.14)
• Kerry lobt Poroschenko für Verzicht auf russische Hilfe
"
US-Außenminister
John Kerry hat bei einem Telefongespräch Schritte des ukrainischen
Präsidenten Pjotr Poroschenko in Bezug auf den Transport von Hilfsgütern
in die Ost-Ukraine begrüßt, wie der Pressedienst des ukrainischen
Staatschefs mitteilt.
Russland hatte am vorigen Dienstag im
UN-Sicherheitsrat vorgeschlagen, eine internationale Mission mit
russischen Hilfsgütern unter der Schirmherrschaft und in Begleitung von
Vertretern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in die
Ost-Ukraine zu schicken.
Gleich danach erklärte Kiew, es
werde damit selbst fertig, und in der Ukraine gebe es keine humanitäre
Krise. Am Freitagabend begrüßte das IKRK den Vorschlag Moskaus,
Hilfsgüter in die Ost-Ukraine zu bringen.
„US-Außenminister
würdigte die Schritte des Präsidenten Poroschenko am letzten Freitag,
den 8. August, dank denen die Ukraine die Einhaltung des Völkerrechts
und der legitimen Verfahren in Bezug auf den Transport von Hilfsgütern
erwirkt hat“, heißt es in der Mitteilung.
Der ukrainische
Präsident berichtete Kerry über die Initiative, eine internationale
humanitäre Mission für die Einwohner von Lugansk zu organisieren.
US-Außenminister begrüßte diese Initiative, so der Pressedienst des
ukrainischen Präsidenten. ..." (
RIA Novosti, 11.8.14)
• EU bildet Kiewer Truppen für Aufstandsbekämpfung aus
"
Die
Europäische Union schickt sich an, auch personell in den Bürgerkrieg in
der Ukraine einzugreifen. Wie die Bundesregierung in einer Antwort auf
eine kleine Anfrage der Linksfraktion bestätigt, hat die geplante
Polizeimission der EU auch einen militärisch relevanten Charakter.
Ungeachtet ihrer Selbstbezeichnung als »Beratende Mission für eine
Reform des zivilen Sicherheitssektors« richte sich die Tätigkeit der
EU-Experten »an die Sicherheitsbehörden in der Ukraine in ihrer
Gesamtheit«, so die Bundesregierung. Darin sind Armee und Nationalgarde
eingeschlossen. Das Kabinett werde in Kürze darüber entscheiden, ob auch
deutsche Polizisten entsandt werden sollen. Der Start der Mission hängt
im Moment noch davon ab, wann die ukrainische Regierung ein Abkommen
zur Rechtsstellung der EU-Polizisten unterzeichnet. In internen
EU-Dokumenten wird derzeit von einem Personalumfang von zunächst 80 Mann
ausgegangen, davon 57 internationale Mitarbeiter und 23 Ortskräfte.
Geschätzte Kosten bis Ende November: 2,7 Millionen Euro.
Ziel der EU-Mission sei es, die ukrainische Regierung in die Lage zu
versetzen, die volle Kontrolle über alle Landesteile zurückzuerlangen.
Dazu sollen sämtliche – polizeilichen wie militärischen –
Sicherheitskräfte von den EU-Beratern inspiziert, beraten und auch
angewiesen werden. ..." (
junge Welt, 11.8.14)
siehe auch den Beitrag von Jürgen Wagner "
„Ernüchterung, Protest und
soziale Unruhen“ – EU-Polizeimission in die Ukraine beschlossen" in der
August-Ausgabe der Zeitschrift Ausdruck der Informationsstelle Militraisierung (IMI) in Tübingen
Ulla Jelpke von der Linksfraktion im Bundestag
erklärte dazu am 9.8.14: "
...
Die Bundesregierung will nicht einmal ausschließen, dass die EU-Mission
die offiziellen Streitkräfte sowie die Nationalgarde bei ihren
Einsätzen gegen die Rebellen im Osten des Landes begleitet und anweist.
In Kürze soll über die Entsendung deutscher Polizisten entschieden
werden. Der Missionsbeginn hängt noch von einem endgültigen Abkommen mit
der ukrainischen Regierung ab.
Während selbst in dem
Grundsatzbeschluss des EU-Rates die ukrainische Nationalgarde als
Sammelbecken gewalttätiger Marodeure beschrieben wird, tut die
Bundesregierung so, als sei diese Truppe eine ganz normale
Sicherheitseinrichtung, und verweist darauf, dass ihre Freiwilligen vom
Nationalen Rat für Sicherheit und Verteidigung der Ukraine ‚gründlich
überprüft‘ worden seien – ohne zu erwähnen, dass dieser Rat bis vor
wenigen Tagen vom Gründungsmitglied der rechtsextremen Swoboda-Partei,
Andrij Parubij, geleitet wurde.
Und während selbst die EU
das Risiko sozialer Unruhen in der ukrainischen Bevölkerung erkennt,
weist die Bundesregierung dies als ‚Spekulation‘ zurück. ..."
• Schwere Kämpfe in der Ostukraine – Immer mehr Flüchtlinge
"
Ukrainischen
Truppen ist es am Samstag gelungen, in die südöstlich von Donezk
gelegene Ortschaft Krasnij Lutsch vorzudringen. Die Stadt ist von
strategischer Bedeutung, weil in der Nähe die letzte Straße von Donezk
nach Südosten verläuft. Sollte sich die ukrainische Kontrolle über den
Ort stabilisieren, wäre der Westteil des Aufstandsgebiets mit den
Hochburgen Donezk und Gorlowka eingekesselt. Bis zum Sonntag mittag
gelang es den Aufständischen nach eigenen Angaben zwar, die ukrainischen
Truppen zurückzudrängen. Aber auch die ukrainische Seite meldete, die
Regierungstruppen seien »bemüht«, den Ort zu »befreien«.
Der
Verteidigungsminister der »Volksrepublik Donezk«, Igor Strelkow, räumte
den Verlust von Krasnij Lutsch am Samstag mittag in einer Mitteilung
ein. Er beschuldigte eine der benachbarten »Volksrepublik Lugansk«
unterstehende Kosakeneinheit, die Stadt kampflos aufgegeben zu haben. In
Strelkows Erklärung wird diesen Kosaken auch der Verlust weiterer
Städte im Donbass in den letzten Wochen zur Last gelegt. Seitdem hat
sich Strelkow nicht mehr zu Wort gemeldet; seine Erklärung muß als
Zeichen schwerwiegender politischer Konflikte in der Führung der
Aufständischen gewertet werden. ...
Unterdessen gehen die
Zerstörungen in den Städten des Donbass weiter. Donezk, Lugansk und
andere Orte wurden von der ukrainischen Armee mit Artillerie beschossen.
Die ukrainische Seite beschuldigte die Aufständischen, ihr eigenes
Hinterland zu zerstören. Die Zahl der Flüchtlinge nimmt weiter zu; aus
Lugansk flohen im Laufe der letzten Woche weitere 4000 Bewohner allein
in die ukrainisch kontrollierten Gebiete; weitere 10000 Donbass-Bewohner
wurden im westlich anschließenden ukrainischen Gebiet Saporischschja
registriert, wo es Schwierigkeiten damit gibt, alle unterzubringen.
Trotz der Not beharrt die ukrainische Seite darauf, alle humanitäre
Hilfe für das Kampfgebiet müsse ausschließlich über von ihrer Armee
kontrollierte Routen geliefert werden. In einem Gespräch mit Präsident
Petro Poroschenko unterstützte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel diesen
Standpunkt. ..." (
junge Welt, 11.8.14)
• Rüstungskooperation Russland-Ukraine am Ende
"
Es
wird viel geredet über den westlichen Lieferstopp für Rüstungsgüter.
Viel stärker trifft Russland das Ende der umfangreichen Kooperation mit
der einst befreundeten Ukraine.
... Bereits Mitte April
schrieb die Belegschaft des staatlichen Flugzeugherstellers »Antonow«
einen Brief an die Regierung in Kiew. Man forderte, den Rausschmiss des
Direktors Dmitri Kiwa aufzuheben. Der war den neuen Machthabern zu
russlandfreundlich.
Das kann nicht verwundern, denn
»Antonow« kooperierte sehr eng mit russischen Firmen, der russischen
Armee und verschiedensten Airlines. Maschinen wie die An 148, An 70 und
die Modernisierung der An 124, mit der unter anderem NATO und EU
schweres Gerät fliegen lassen, sind ohne die Zusammenarbeit nicht zu
realisieren. Die Produktionsrechte für die An 140 hatte sich Russland
noch rechtzeitig gesichert, die Maschinen werden jetzt in Samara gebaut.
Russland
ist auch auf die Lieferung zahlreicher Triebwerkstypen angewiesen. Sie
wurden bislang im Motor-Sitsch-Werk in Saporischja hergestellt. Das
einstige sowjetische High-Tech-Zentrum liegt rund 70 Kilometer von
Dnjepropetrowsk und 230 Kilometer von Donezk entfernt. Die Kalamität mit
den Triebwerken macht mit Sicherheit russischen Hubschrauberherstellern
zu schaffen. In diesem Jahr sollte Motor-Sitsch rund 400 Triebwerke
liefern, damit Russland seine eigenen sowie die zu exportierenden
Transporthubschrauber Mi 17 bestücken kann. Zwar beteuert Moskau, man
habe unter anderem durch die Erweiterung der Triebwerksproduktion bei
St. Petersburg Abhilfe geschaffen, doch der Ausstoß der dortigen
Klimow-Fabrik ist noch bescheiden.
Auch die russischen
Raketentruppen müssen sich möglicherweise auf Engpässe einstellen. Bis
zuletzt war das ukrainische Konstruktionsbüro Juschnoje - Standort
Dnepropetrowsk - an der Produktion der Interkontinentalraketen »Topol-M«
und der U-Boot-Rakete »Bulawa« beteiligt. Das Kooperationsende bedeutet
für die Ukraine einen Verlust von rund 1000 qualifizierten
Arbeitsplätzen und zwei Milliarden Dollar jährlich. Auch die auf
Eisenbahnplattformen verladene Interkontinentalrakete »Skalpel« (SS-24)
kam ursprünglich aus ukrainischen Betrieben. Auch wer in Russland nun
die Luft-Luft-Raketen R-77 herstellt, ist nicht bekannt.
Dnepropetrowsker Betriebe waren an der Produktion der Fla-Raketensysteme
vom Typ S-300 beteiligt. ..." (
Neues Deutschland, 11.8.14)
• NATO hält der Ukraine die Tür auf
"
Während
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sich am Donnerstag mit einem
devoten Bückling beim ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko für die
hohe Auszeichnung mit dem »Freiheitsorden« bedankte, starben in
Gorlowka, Gebiet Donezk, mindestens fünf Zivilisten durch
Artilleriebeschuss. Zehn wurden verletzt.
Was beide
Ereignisse miteinander zu tun haben, erschließt sich, wenn man
Rasmussens Erklärung vor der Presse in Kiew folgt. Mit keinem Wort hat
der NATO-Generalsekretär für eine Waffenruhe zwischen den ukrainischen
Streitkräften und den sogenannten russischen Separatisten geworben. Im
Gegenteil. Nicht einmal, dass Kiew sogar das beiderseits verabredete
Stillhalten am Absturzort von Flug MH17 aufkündigte, animierte den Gast
zu Kritik.
Rasmussen droht Moskau und lockt Kiew.
Grundsätzlich halte die NATO die Tür für die Ukraine weiter offen. Man
stehe zur entsprechenden Zusage beim 2008er Bündnisgipfel. Doch noch sei
die Ukraine ob ihrer Verfassung der Blockfreiheit verpflichtet. Falls
man in Kiew »dieses Gesetz revidiert, werden wir das auch respektieren«,
ließ der NATO-Generalsekretär protokollieren. Gesprächspartner
Poroschenko versicherte, immer mehr Ukrainer unterstützten einen
»euroatlantischen Kurs«.
Beide wissen, dass die Ukraine -
selbst wenn sie jetzt den Antrag auf NATO-Mitgliedschaft stellen könnte -
nicht ins Bündnis aufgenommen werden dürfte. So lange ein Land mit
einem Nachbarn Grenzstreitigkeiten hat, sind NATO-Erweiterern die Hände
gebunden. Allzu schnell wäre das Bündnis sonst durch seine
Beistandspflicht hineingezogen in unkalkulierbare Konflikte. ..." (
Neues Deutschland, 11.8.14)
• "Neonazis für den Häuserkampf"
In einer
Reportage für die Berliner Zeitung und die Frankfurter Rundschau, online erschienen am 10.8.14, beschreibt Christian Esch, wen die Kiewer Machthaber in und um Donezk kämpfen lassen:
"
Am
Rand der Industriestadt Donezk, an einem heißen Augustabend, haben sich
plötzlich die Tore Walhallas geöffnet. Jetzt sitzt an Odins Tafel der
junge Sergej Grek, Spitzname Balagan („Schabernack“). Balagan ahnte
nicht, dass er im Vorort Marjinka in einen Hinterhalt geraten würde.
Zusammen mit seinen Kameraden vom Bataillon „Asow“ ging er hinter einem
Panzer der ukrainischen Armee her, als eine Sprengladung ferngezündet
wurde. Die Explosion riss ihm ein Bein ab.
Nun liegt der
tote Balagan im offenen Sarg, aufgebahrt in der Mittagshitze in Ursuf,
dem Stützpunkt seines Bataillons. Am Kopfende weht die Fahne mit der
Wolfsangel-Rune. Bataillonskommandeur Andrej Belezki hält vor
dreihundert Kämpfern eine kurze Ansprache: Balagan hat gelebt wie ein
Mann und ist gestorben wie ein Mann, sagt er, Balagan bereut nichts!
„Versprechen können wir ihm nur eins“, sagt Belezki und schaut auf den
Sarg – „dass wir ihn rächen bis zum letzten Mann! Und nach Möglichkeit
keinen seiner Gegner gefangen nehmen.“ Dann wird in die Luft geschossen,
und in langer Reihe nehmen sie Abschied. Die Männer heben den rechten
Arm eckig vor die Brust, fast keiner bekreuzigt sich. Sie haben es hier
nicht so mit dem Christentum. Sie haben andere Götter.
Mit
Beginn dieses Monats ist der Krieg in der Ostukraine in eine neue Phase
eingetreten. Die Kämpfe haben die Millionenstadt Donezk erreicht, den
Hauptsitz der Rebellen. Das Gefecht im Vorort Marjinka am 4. August hat
es gezeigt. Es hat zugleich aber auch etwas anderes gezeigt: Die Rolle
jener Freiwillligeneinheiten, die die reguläre Armee stützen. Je mehr
sich der Kampf in die Städte verlagert, desto wichtiger werden sie. Das
Bataillon Asow ist eine dieser Einheiten, und es ist die auffälligste.
Offiziell ist es eine Sondereinheit der Polizei, faktisch geben hier
Neonazis und Neuheiden den Ton an. Asow wirkt wie ausgedacht von der
Propaganda des Kreml, aber es ist echt. ..."
• Zivilisten harren in Donezk aus
Wie Zivilisten
in der eingekesselten ostukrainischen Stadt Donezk unter dem anhaltenden
Beschuss leben, berichtet Jutta Sommerbauer in einer
Reportage für die österreichische Zeitung Die Presse, online veröffentlicht am 10.8.14:
"
„Seit
dem Angriff habe ich zu rauchen begonnen“, sagt Olja Stepanowna und
zieht an ihrer dünnen Zigarette. „Meine Nerven.“ Stepanowna steht im
türkisfarbenen Schwesterngewand mit einer Kollegin vor der Tür des
Wischnjowski-Krankenhauses. Der Zweckbau liegt in einem ruhigen
Wohngebiet in Donezk, mehrstöckige sozialistische Gebäude gesäumt von
Bäumen, zwei Kilometer vom Zentrum entfernt. Vor drei Tagen schlugen
hier Granaten in den zweiten Stock ein. Eine Übungspraxis für angehende
Zahnärzte wurde komplett verwüstet, auch die Kinderabteilung getroffen,
ein Mensch getötet.
Vor dem Gebäude liegen Glasscherben, an
einigen Stellen in der Fassade klaffen Löcher, vor dem Eingang haben
sich Granatsplitter in den Asphalt gebrannt. Die Patienten flüchteten
sich in Panik in den Keller. Wenn Stepanowna an diese Minuten denkt,
bekommt sie noch immer eine Gänsehaut. „Warum bombardieren sie uns?
Wollen sie die Nation auslöschen?“, fragt sie mit erregter Stimme.
Sie
– das sind für Stepanowna die Einsatzkräfte der ukrainischen Armee.
Vieles spricht dafür, dass es tatsächlich die Armee war, die das Spital
bombardiert hat. Das Militär hat seine Stellungen am Flughafen, im
Norden der eine Million Einwohner zählenden Stadt. Die Einschüsse kamen
aus dieser Richtung. Ein paar hundert Meter Luftlinie vom Krankenhaus
entfernt steht das eigentliche Ziel der Angriffe: das Gebäude des
ukrainischen Geheimdienstes SBU, das von den prorussischen Kräften
besetzt ist.
Es ist die Kommandozentrale des selbst
ernannten Verteidigungsministers der „Donezker Volksrepublik“, Igor
Strelkow. Das Militär hat bei seinem Beschuss von Donezk in den
vergangenen Tagen einige Ziele verfehlt, zum Leid der Zivilbevölkerung.
„Wir warten schon auf den nächsten Treffer“, sagt Stepanowna. ..."
• Lawrow: Ostukraine braucht humanitäre Hilfe - Feuerpause notwendig
"
Das
Problem einer humanitären Hilfe für den Osten der Ukraine ist
unaufschiebbar, so der russische Außenminister Sergej Lawrow. Wie er am
Sonntag vor Journalisten erklärte, ist ein Waffenstillstand in dieser
Region „nicht nur möglich, sondern auch dringend notwendig.“
„Die
ukrainischen Behörden hatten bereits im April, als die Erklärung in
Genf angenommen wurde, dem zugestimmt, dass ein unverzüglicher
Feuerstopp notwendig ist“, betonte er. „Wir sind der Ansicht, dass diese
Frage dringend und unaufschiebbar ist. Ich bin sicher, dass wir eine
möglichst baldige Lieferung dieser Hilfe vereinbaren können.“
Wie
er weiter ausführte, hatte er dieses Thema mit seinem ukrainischen
Amtskollegen sowie mit dem Außenminister Großbritanniens, mit dem
US-Außenamtschef und der Leitung des Internationalen Komitees vom Roten
Kreuz diskutiert. „Momentan streben wir als erstrangige Aufgabe
Vereinbarungen mit der ukrainischen Seite und dem Internationalen Roten
Kreuz sowie mit internationalen Uno-Hilfsorganisationen über die
Entsendung der humanitären Hilfe in die Gebiete Lugansk und Donezk an.“
..." (
RIA Novosti, 10.8.14)
• Steinmeier: Russische Hilfe, nur wenn Kiew zustimmt
"
Russische
Hilfsgüter dürfen laut Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier „nur
mit ausdrücklicher Zustimmung der ukrainischen Regierung geliefert
werden“. „Erst gestern habe ich mich mit einer Reihe unserer
europäischen Partner darüber ausgetauscht, welche weitere konkrete
Hilfestellung wir anbieten können“, heißt es in einer Erklärung des
Ministers, die an RIA Novosti übermittelt wurde.
„Die
Versorgung der Bevölkerung sollte zudem unter der Ägide internationaler
Organisationen wie dem Internationalen Roten Kreuz als unabhängigen und
erfahrenen Akteur vollzogen werden“, wird im Dokument betont. „Es ist
gut, dass es zwischen der Ukraine und Russland eine Grundsatzeinigung
über die Lieferung humanitärer Güter zu geben scheint, und dass die
Kontaktgruppe die Modalitäten dazu abstimmen soll.“
Russland
hatte am Dienstag im Uno-Sicherheitsrat vorgeschlagen, eine
internationale Mission mit russischen Hilfsgütern unter der Ägide und in
Begleitung des Internationalen Roten Kreuzes in die Ostukraine zu
entsenden. Kiew erklärte darauf, dass es selbst damit fertig wird und
dass es keine humanitäre Krise in der Ukraine gibt.
..." (
RIA Novosti, 10.8.14)
• Donezk wird weiter beschossen
"
Die
ostukrainische Großstadt Donezk, die momentan von der Volkswehr
kontrolliert wird, steht im Sonntag unter Beschuss der ukrainischen
Armee. Nach Angaben der Stadtbehörden wurden dabei unter anderem einige
dutzend Umspannwerke getroffen. Außerdem fingen ein Geschäft und das
Gebäude einer Telekom-Firma Feuer. Patienten eines zum Teil zerstörten
Krankenhauses mussten in einen Schutzraum verlegt werden. Zugleich
arbeitet der Bahnhof der Stadt momentan nahezu störungsfrei.
Laut
den Stadtbehörden von Donezk kommen täglich bis zu sechs Einwohnern der
Stadt als Folge des Artilleriebeschusses ums Leben. Die Zahl der
Verletzten sei wesentlich höher." (
RIA Novosti, 10.8.14)
"
Diskussionen
über einen Waffenstillstand sind gegenstandslos, weil die ukrainischen
Behörden „absolut nicht vereinbarungsfähig sind“, heißt es in einer am
Sonntag veröffentlichten Erklärung des Pressedienstes des Ministeriums
für Informationspolitik der selbsterklärten Volksrepublik Donezk.
Obgleich
die unter OSZE-Vermittlung geführten Konsultationen über die Waffenruhe
nichts gebracht haben, ist die Führung der Volksrepublik Donezk bereit,
diese fortzusetzen, wird im Dokument betont.
Am Vortag
hatte der Premier der Donezker Volksrepublik, Alexander Sachartschenko,
erklärt, dass die Volkswehr zum Waffenstillstand bereit ist, um eine
Ausweitung der humanitären Katastrophe in der ostukrainischen Region
Donbass zu verhindern. Dabei betont Donezk, dass der Waffenstillstand
gegenseitig sein muss. Indessen setzt Kiew die Kampfhandlungen fort. ..." (
RIA Novosti, 10.8.14)
• Kiew wettet darauf, dass Moskau nicht interveniert
Das schreibt Andrew W. Kramer
in der New York Times, online veröffentlicht am 9.9.14. Und er fügt hinzu, dass sich Kiew aufgrund der westlichen Hilfe durch Sanktionen sicher fühlt.
Als
im Frühling ein russisches Eingreifen gedroht habe, habe die Kiewer
Führung ihren Krieg gestoppt und versehen mit einem "Friedensplan" eine
einseitige Waffenruhe ausgerufen. Das sei jetzt nicht der Fall, obwohl
schärfer als zuvor von der NATO und westlichen Politikern Russland vor
einem Eingreifen in der Ukraine gewarnt werde. Stattdessen setzten die
Kiewer Truppen ungehindert ihre Offensive auf die Gebiete, die von
Aufständischen gehalten werden, fort. Mit Artilleriebeschuss und
paramilitärischen Gruppen würden abgelegne Dörfer überfallen, obwohl
Russlands Präsident Wladimir Putin gedroht habe, jederzeit einzugreifen,
um Ostukrainer zu schützen. Und die Kiewer Truppen würden ihre Siege
demponatrsativ zur Schau stellen. Ihre militärischen Führer würden
darauf wetten, dass Putuin nicht den Befehl zum Eingreifen gebe, denn er
hätte zu viel zu verlieren, wenn er es täte, auch durch lähmende
internationale Sanktionen. Die ukrainische Führung sehe die russischen
truppen, wegen denen der Westen Russland warnt, nur als Bluff von Putin.
• Umfrage zeigt, dass antirussische Meinungsmache wirkt
"
Nach
dem DeutschlandTrend sieht eine überwältigende Mehrheit Russland als
hauptverantwortlich für die Eskalation im Ukraine-Konflikt, aus dem
Nahost-Konflikt würde sich eine Mehrheit eher heraushalten ...
Nach dem aktuellen DeutschlandTrend sind die Deutschen jedenfalls mit ihrer Regierung so zufrieden wie noch nie, seit diese Frage gestellt wurde. ...
74
Prozent sind mit Merkel und Steinmeier zufrieden. Letzterer hat zur
Bundeskanzlerin aufgeholt, was sicher mit seiner Rolle im
Ukraine-Konflikt zu tun hat. Steinmeier hat eng mit seinem französischen
Kollegen zusammengearbeitet und versucht, auf Kiew und Russland
einzuwirken, um den Konflikt politisch zu lösen. Damit sind sie mehrmals
baden gegangen. ...
Die USA halten nur 35 Prozent für
vertrauenswürdig, das weist auf einen zunehmenden transatlantischen Riss
hin, allerdings trauen Russland mit 15 Prozent noch weniger über den
Weg. Interessant wäre gewesen, wie die Deutschen die Regierung in der
Ukraine beurteilen, aber das wurde leider nicht gefragt.
Viele
"Putin"- oder "Russland"-Versteher scheint es nicht zu geben. 80
Prozent sagen eher, dass Russland einen großen Teil der Verantwortung
für die Eskalation trägt, während 70 Prozent die Reaktion der EU, also
wohl auch die Sanktionen, für richtig halten. 62 Prozent meinen, man
müsse Russland entschiedener entgegentreten, wobei auch hier interessant
gewesen wäre, was damit gemeint ist. 59 Prozent finden, dass
Deutschland eine führende Vermittlerrolle einnehmen soll. ..." (
Telepolis, 8.8.14)
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