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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
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Montag, 7. März 2016

Was Frauen und Männer unterschiedet

Fundstück(e) 39: Zwei interessante Fakten zu den Unterschieden zwischen Frauen und Männern in dieser Gesellschaft. Über die Gründe dafür wäre trefflich zu streiten

Unterschied 1: "... Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Deutschland so groß wie in kaum einem anderen Land Europas.
Nach Daten des Bundesarbeitsministeriums liegt der Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttoverdiensten von Männern und Frauen in Deutschland bei 21,6 Prozent, nur in Estland (28,3 Prozent) und Österreich (22,9 Prozent) ist der Verdienstabstand demnach größer. ...
Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. ...
Zieht man bei der Lohnlücke Faktoren wie Branche, Hierarchie oder Teilzeitbeschäftigung ab, die Einfluss auf die Lohnhöhe haben, bleibt bei vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Berufserfahrungen ein Unterschied bei den Bruttoverdiensten in Deutschland von durchschnittlich sieben Prozent. Die Regierung beklagt, es gebe eine „zumeist mittelbare Benachteiligung“ bei den Einkommen von Frauen: Sie hätten weniger berufliche Chancen, Einkommensperspektiven sowie Förder- und Aufstiegsmöglichkeiten. Verantwortlich für die Lohnlücke seien auch Verhaltensmuster bei Beschäftigten und Arbeitgebern, die von gesellschaftlichen Rollenbildern geprägt seien. ...
" (WAZ, 2.3.16)

Unterschied 2: "Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter an: Sie beträgt nach der auf die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse bezogenen Periodensterbetafel 2012/2014 für neugeborene Jungen 78 Jahre und 2 Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und 1 Monat. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat sich die Lebenserwartung Neugeborener in den letzten zehn Jahren damit bei den Jungen um 2 Jahre und 3 Monate, bei den Mädchen um 1 Jahr und 6 Monate im Vergleich zur Sterbetafel 2002/2004 erhöht.
Auch für ältere Menschen hat die Lebenserwartung weiter zugenommen. Nach der Sterbetafel 2012/2014 beläuft sich zum Beispiel die noch verbleibende Lebenserwartung – die sogenannte fernere Lebenserwartung – von 65-jährigen Männern mittlerweile auf 17 Jahre und 8 Monate. Für 65-jährige Frauen ergeben sich statistisch gesehen fast 21 weitere Lebensjahre. Das entspricht einem Anstieg um 1 Jahr und 5 Monate bei den Männern beziehungsweise 1 Jahr und 2 Monate bei den Frauen innerhalb von zehn Jahren. ..." (Statistisches Bundesamt, 4.3.16)

Dienstag, 1. März 2016

Fachkräftemangel ist hausgemacht

Fundstück 37: Was es mit dem viel beschworenen "Fachkräftemangel" auf sich hat, den nun auch die Migranten beheben helfen sollen

Von rechts wie links, aus Politik und Wirtschaft und selbst aus dem sozialen Bereich wird immer wieder der "Fachkräftemangel" beklagt, der die deutsche Wirtschaft, aber ebenso Bereiche wie das Gesundheitswesen und die Pflege bedrohe. Nun sollen auch die Migranten noch helfen, ihn zu bewältigen, sagt zumindest die Wirtschaft, nicht minder die Politik.

Dieser Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften dürfte teilweise, also was bestimmte Branchen im Sozialen ebenso wie Regionen wie Ostdeutschland betrifft, nicht in Frage stehen. Wobei aber zu fragen ist, warum es dann so viele Arbeitslose und "Aufstocker" gibt, die für ihre Arbeit schlecht bezahlt werden. Wohl aber wird gern über dessen Ursachen hinweggesehen bzw. diese übersehen. Doch er ist hausgemacht, wie eine Meldung der OECD vom 1. Juni 2015 zum Thema zeigt:
"Deutschland ist nicht nur das zweitgrößte Einwanderungsland innerhalb der OECD, es ist auch eines der Hauptherkunftsländer für Auswanderer. Wie aus der OECD-Publikation “Talente im Ausland: Ein Bericht über deutsche Auswanderer” hervorgeht, lebten 2011 etwa 3,4 Millionen in Deutschland geborene Menschen in einem anderen OECD-Land – diese Zahl entspricht der Größe Berlins. Damit stellt Deutschland die fünftgrößte Auswanderergruppe in der OECD nach Mexiko, Großbritannien und nur kurz hinter China und Indien. Die meisten deutschen Auswanderer leben in den USA (1,1 Millionen), in Großbritannien und in der Schweiz (jeweils 270.000). Auch Frankreich, Italien und Spanien sind beliebte Auswandererdestinationen.
Mit 140.000 Emigranten ist die jährliche Auswanderung aus Deutschland in jüngster Zeit auf hohem Niveau stabil. Die Schweiz, Österreich, Großbritannien, Spanien und die Niederlande waren in den vergangenen Jahren die Hauptzielorte deutscher Auswanderer. Zwischen 2001 und 2013 gingen dreimal so viele Deutsche in europäische wie in nicht-europäische OECD-Länder.
Das Bildungsniveau der Auswanderer ist hoch und steigt in der Tendenz sogar noch an. 1,4 Millionen von ihnen haben Abitur und/oder Berufsausbildung, weitere 1,2 Millionen verfügen über ein abgeschlossenes Studium. Vor allem durch den hohen Anteil an gut gebildeten Frauen stieg die Zahl der hochqualifizierten Emigranten im vergangenen Jahrzehnt um 40 Prozent. Allein in der Schweiz hat sich die Anzahl der hochqualifizierten Deutschen von 2001 bis 2011 auf 150.000 verdoppelt. Insgesamt haben 46.000 deutsche Auswanderer sogar einen Doktortitel – auch diese Zahl wächst in vielen europäischen Zielländern.
Betrachtet man das überdurchschnittliche Bildungsniveau vieler Auswanderer, so verwundert es nicht, dass Karriereerwägungen den Hauptgrund für den Wegzug aus Deutschland bilden. Laut Umfragen tragen sich 15 Prozent der Deutschen mit dem Gedanken, auszuwandern; unter den Arbeitslosen ist es sogar ein Drittel. Nur ein kleiner Teil von ihnen setzt diese Absicht aber schließlich in die Tat um. Generell sind Deutsche, die auswandern wollen, mit ihrem Leben weniger zufrieden als ihre Landsleute ohne Auswanderungsabsicht. ..."

Ich finde das bemerkens- und beachtenswert, wenn über das Thema "Fachkräftemangel" geredet und diskutiert wird. Deshalb erinnere ich daran. Auch zum Thema Migration dürfte es ein wichtiger Beitrag sein. Und: Wer solche Auswanderung verursacht und zulässt, auch weil ihm die einheimischen gut- und hochqualifizierten Fachkräfte zu teuer sind, der ruft nach anderen nur, weil er billigere Arbeitskräfte wünscht. Die holt er sich dann aus Gebieten, in denen die eigenen Politikdarsteller durch ihre direkte und indirekte Kriegsbeteiligung, aber auch durch ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik mit dafür sorgten, dass Menschen zu Hause keine Perspektive mehr haben und sehen ...

aktualisiert: 16:35 Uhr

Mittwoch, 29. April 2015

Schöne neue Arbeitswelt – und wo bleiben wir?

„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ - so das Motto des DGB zum 1. Mai. Mitglieder eines Sozialverbandes haben ihre eigenen Gedanken dazu

Wie schon im letzten Jahr hat sich die kleine westdeutsche Gruppe in Ratingen des großen ostdeutschen Sozialverbandes Volkssolidarität Gedanken zum 1. Mai und zum Motto des DGB dazu gemacht und einen eigenen Aufruf verfasst. Weil ich den Text auch dieses Mal gut und bedenkenswert finde, gebe ich ihn hier mit Einverständnis der Autorin wieder:

Schöne neue Arbeitswelt – und wo bleiben wir?
„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ Dieses Motto unterstützen wir natürlich. Arbeit muss menschlich sein. Der Mensch ist auch hier das Maß. Das gilt für die Arbeitsbedingungen. Es gilt für die Frage, wofür wir arbeiten. Und dazu gehört auch, dass Arbeit sich lohnen muss. Es geht nicht um Arbeit um jeden Preis, egal wie niedrig dieser ist. Das sind keine Geschenke, um die wir bitten. Das sind berechtigte Ansprüche, die uns zustehen. Denn auch Arbeit fällt unter den Geltungsbereich des Grundgesetzes. In dessen Artikel 1 steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir arbeiten, um zu leben – in Würde und selbstbestimmt.
Die Wirklichkeit sieht meist anders aus. Die Gegenwart der Arbeit heißt mehr Ausbeutung. Der Druck auf jene, die noch Arbeit haben, wächst. Die immer noch hohe Arbeitslosenzahl wird gezielt als Drohung eingesetzt. Lohn- und Gehaltszuwächse entsprechen meist nicht den gestiegenen Anforderungen. Aber mehr Stress und schlechtere Arbeitsbedingungen lassen sich nicht mit mehr Geld aufwiegen. Zu viele arbeiten in mehr als einem Job. Nicht weil sie nichts Besseres mit ihrer Lebenszeit anzufangen wissen. Sie verdienen mit einem Job zu wenig, um ihre und die Existenz ihrer Familie abzusichern. Und zu viele bekommen keine Chance, mit Arbeit ihr Leben zu sichern. Nicht vergessen werden darf: Der Lohn der Arbeit soll auch einen würdevollen und selbstbestimmten Lebensabend sichern helfen.
Derzeit wird von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft viel über „Arbeit 4.0“ geredet. Nein, es geht nicht um menschlichere Arbeit. Sie soll effizienter, intelligenter und flexibler werden – für mehr Profit. Die Unternehmen versprechen sich so bessere Chancen in der globalen Konkurrenz. Der Mensch soll sich dabei noch besser noch ausgefeilteren Technologien anpassen. Gleichzeitig wird erwartet, dass er immer wieder neu lernt. Hohe Flexibilität, Motivation, Fortbildung und mehr Eigenverantwortung werden von jenen erwartet, die arbeiten dürfen. Damit wird wachsende Selbstausbeutung schöngeredet. Doch wie sieht es mit dem Lohn für immer mehr Arbeit mit Hilfe der Technologie aus? Diese Antwort bleiben die Propagandisten von „Arbeit 4.0“ schuldig. Es geht ja auch um mehr Profit, nicht um mehr Lohn.
Wie können wir die Arbeit der Zukunft mindestens mitgestalten? Vergessen wir nicht: Hohe Arbeitslosenzahlen sind ein Mittel der Erpressung. Das gilt auch für jede Technologie, die den Menschen ersetzt. Sie werden gegen alle eingesetzt, die nur ihre Arbeitskraft einsetzen können. Die sich gegen unmenschliche Arbeit wehren, indem sie sich dieser verweigern. Das macht es schwierig.
Einen Vorschlag hätten wir schon: Mehr und mehr Lebensbereiche dem Markt- und Profitmechanismus zu entziehen. Da könnte auch die Technologie helfen: In dem sie den Menschen von Arbeit befreit, die ihn selbst zur Maschine werden lässt. Die technische Entwicklung kann helfen, den Menschen von notwendiger Arbeit zu entlasten, ohne das weniger produziert wird. So kann die Arbeit der Zukunft menschlicher werden – von uns mitgestaltet. Vergessen wir aber am 1. Mai nicht: Das wird uns nicht geschenkt, das müssen wir erstreiten und erkämpfen!

Gabi Evers

Mittwoch, 30. April 2014

Sozial is' Muss!

Noch immer ist der 1. Mai ein Feiertag. An das Kämpfen für soziale Rechte denken dabei anscheinend nur noch wenige. Doch es gibt sie noch, diese Wenigen.
 
Was ich als Kind in der DDR als "Internationalen Kampf- und Feiertag der Werktätigen" kennenlernte und erlebte, war damals mehr ein Pflichtdemonstrations- und Feiertag. In der vergrößerten Bundesrepublik ist er immer noch als "Tag der Arbeit" ein Feiertag. Das nutzen viele zum Feiern, manche zum Demonstrieren und andere auch zum Randalieren, die nächsten rufen gar jedes Jahr an diesem Datum die "Revolution" aus.

Der Kampf für die sozialen Rechte der Menschen spielt anscheinend die geringste Rolle, wie selbst der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigt. Ihm geht es in seinem Aufruf zum 1. Mai gar nur um "die Würde und Rechte der arbeitenden Menschen". Wer nicht arbeitet, für den interessiert sich der DGB nicht? Das wäre nur mit Blick auf die Geschichte dieses Tages erklärbar: Im Jahr 1886 streikten in Chicago Arbeiter. Sie forderten, dass der Acht-Stunden-Tag eingeführt wird. Eine gewalttätige Polizeiaktion beendete den Streik. 17 Menschen getötet und über 100 verletzt. Die vermeintlichen Rädelsführer wurden vor Gericht gestellt. Vier von ihnen wurden hingerichtet.

Aber die Geschichte ist bekanntermaßen weitergegangen und immer noch ist Arbeit ein bestimmender Teil des Lebens, das aber für immer weniger Menschen. Kämpferisch klingt der DGB-Aufruf "Gute Arbeit. Soziales Europa." kaum. Da haben sich angeblich "Politik und Gesellschaft endlich auf den Weg zu einer Neuen Ordnung der Arbeit" gemacht. Da wird an die Betriebsrats- und die Europawahlen erinnert und eine Investitionsoffensive für Europa gefordert. Die soll dann neue Arbeitsplätze bringen. Das kling alles ziemlich weichgespült und angepasst.

Es geht auch klarer und deutlicher, ohne gleich zur "Revolution" aufzurufen. Das zeigt ein Aufruf zum 1. Mai, auf den mich ein Freund aufmerksam gemacht hat. Der Aufruf stammt von einer kleinen Gruppe des Sozialverbandes Volkssolidarität in Ratingen (Nordrhein-Westfalen). Diese, Teil eines vorrangig ostdeutschen Verbandes, haben ihr Statement auf der Verbandshomepage veröffentlicht. In dem Aufruf erinnern sie daran, dass die sozialen Rechte kein gnädiges "Geschenk" der Herschenden sind, sondern "erstritten, erkämpft und verteidigt" wurden und werden müssen. Weil ich ihn so klar und deutlich finde, auch im Vergleich zum DGB-Aufruf, zitier ich ihn hier vollständig und schließe mich ihm einfach mal an:

Ein soziales Europa für alle - mit guten Löhnen für gute Arbeit

"Gute Arbeit. Soziales Europa" - so lautet das diesjährige Motto des DGB zum 1. Mai. Dem kann nur zugestimmt werden. Allerdings fehlt etwas: Gute Löhne. Nur mit diesen kann von "guter Arbeit" gesprochen werden. Das kann es nur zusammen geben. Nicht nur, weil von Arbeit allein niemand satt wird. Gute Arbeit sorgt für gute Ergebnisse. Das bedeutet für die Unternehmen gute Gewinne. Davon müssen ebenso jene etwas haben, die diese erwirtschaften.
Deshalb unterstützt die Volkssolidarität den Mindestlohn. Der muss ohne Ausnahmen gelten. Davon dürfen Langzeitarbeitslose nicht ausgeschlossen werden. Solche Ausnahmen nehmen nur Rücksicht auf die Unternehmen. Diese Gerechtigkeitslücke muss geschlossen werden. Das gilt auch für bestehende Unterschiede beim Mindestlohn in Ost und West. Er reicht aber nicht aus, um Altersarmut zu vermeiden. Mit 8,50 Euro bekommt niemand eine Rente, die vor Armut schützt. Auch deshalb muss gute Arbeit gut entlohnt werden. 
Zu guter Arbeit gehören gute Arbeitsbedingungen. Daran darf nicht gespart werden. Sonst wird Arbeit schnell belastend. Zu viele Menschen müssen aus gesundheitlichen Gründen aufhören zu arbeiten. Wichtigster Grund dafür sind die Arbeitsbedingungen. Das gilt für verschiedene Berufsgruppen. Es trifft nicht nur die, die schwer körperlich arbeiten.
Gute Arbeit und gute Löhne dürfen nicht auf die Bundesrepublik beschränkt bleiben. Sie muss es überall in Europa geben. Nur so wird Europa auch sozial. Nur dann haben Menschen etwas davon, egal wo sie leben. Es kann nicht sein, dass gute Arbeit und gute Löhne so ungleich verteilt sind. Diese gehören zu einem lebenswerten Dasein, egal an welchem Ort innerhalb der EU. Menschen müssen Perspektiven haben, da wo sie leben. 
Europa muss mehr sein als ein Europa, das der Wirtschaft dient. Es muss an den sozialen Interessen seiner Bürger ausgerichtet sein. Nur dann werden sie es akzeptieren. So wird auch jenen rechten Rattenfängern der Boden entzogen, die mit der Angst vor Europa auf Stimmenfang gehen. Ein soziales Europa heißt aber ebenso, offen zu bleiben für andere. Jenen, die vor Armut, Krieg und Terror fliehen, dürfen die Tore nicht verschlossen bleiben. Will Europa sozial sein, muss es Solidarität leben. Es muss dafür auch andere Länder unterstützen, statt sie auszunutzen.
Gute Arbeit, gute Löhne und ein soziales Europa wird es nicht als Geschenk geben. Sie müssen erstritten, erkämpft und verteidigt werden. Daran muss immer wieder am 1. Mai erinnert werden.

Gabi Evers

Mittwoch, 15. Mai 2013

Vom Nutzen der Krise in Europa

Erst sorgen wir für ihre Armut, dann locken wir sie zum arbeiten zu uns – ein mögliches Fazit angesichts der Krisen-Politik der Bundesregierung in der EU.

"Merkel wirbt um Arbeitskräfte aus Euro-Krisenländern", meldet die FAZ, online am 14. Mai 2013, gedruckt am heutigen 15. Mai. Die sind in Folge der Krise auch deutlich billiger geworden als deutsche Arbeitskräfte. Deutschland biete gute Bedingungen für Zuwanderer, habe aber einen schlechten Ruf, beklagte Merkel dem Bericht zufolge auf dem "Demographiegipfel" am 14. Mai 2013.

"Sollte das Euro-Abenteuer am Ende gut ausgehen, dann gäbe es einen eindeutigen Gewinner: den deutschen Staat." Das stellte die WirtschaftsWoche vorsichtig am 9. Oktober 2012 fest. Griechenland, Spanien, Portugal und den anderen von der Krise am meisten betroffenen Ländern hat das "Abenteuer" wachsende soziale Probleme gebracht. Dazu trägt die angebliche Anti-Krisen-Politik der "Troika" und der Bundesregierung bei, die den schwachen Ländern Sparprogramme verordnet, die sie noch mehr schwächen. "Deutschland saniert sich auf Kosten seiner Nachbarn", titelte Cicero am 21. Januar 2013 und stellte fest: "Finanziell, wirtschaftlich und sogar demographisch profitierte Deutschland von der schwersten Krise seit Gründung der Währungsunion."

Zu den Folgen gehört u.a., was die Süddeutsche Zeitung am 27. Juli 2012 meldete: "Mehr als 5,7 Millionen Menschen sind in Spanien ohne Job. Von den Jugendlichen unter 25 Jahre haben deutlich mehr als die Hälfte keine Arbeit, bezogen auf den gesamten Arbeitsmarkt sind es fast 25 Prozent." "Die fortschreitende Arbeitslosigkeit, die Verarmung und die gesellschaftliche Ausgrenzung nehmen ein erschreckendes Ausmaß an", berichtete Ignacio Sánchez-Cuenca in einem von presseurop.de übersetzten Text vom 6. Mai 2013. "Es gibt bereits Kinder, die unter Fehlernährung leiden. Tausende von Familien wurden aus ihren Wohnungen vertrieben. Die Löhne und Gehälter sinken, während die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen." Der Autor meint: "Es mag brutal klingen, aber die Europäische Union und die spanische Regierung scheinen die Ansicht zu vertreten, dass die Krise nur gelöst werden kann, wenn die meisten Spanier in Armut versinken."

Zwar wurde am 8. April 2013 gewarnt: "Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat die Wirtschafts- und Währungskrise die Gefahr für soziale Unruhen in den Mittelmeerstaaten Zypern, Griechenland, Spanien und Italien erhöht." Inzwischen gebe es in der EU zehn Millionen mehr Arbeitslose als vor Ausbruch der Krise. "Besonders stark betroffen sind junge und gering qualifizierte Arbeitnehmer", stellt die Organisation fest. Hinzu kam eine andere Studie, der zu Folge die Eurokrise auch Todesopfer fordert, über die die Medien am 27. März 2013 berichteten: "Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen; Kranke, die sich die Spitalskosten nicht mehr leisten können und ihr Leben riskieren müssen".

"Und dennoch steigen die Spanier nicht auf die Barrikaden", stellt zum Beispiel Sánchez-Cuenca fest. Ein Bericht der Deutschen Welle vom 30. November 2012 zeigt die tatsächlichen Reaktionen: "Viele junge Spanier kehren dem Land nun den Rücken. Vor allem bei ambitionierten Ingenieuren gilt Deutschland als El Dorado." Der Mangel an Perspektiven vertreibe viele Spanier aus ihrem Land, so die Süddeutsche online am 20. April 2012. "Immer mehr landen in Deutschland, wie Mariola und Jordi", wird über zwei konkrete Beispiele berichtet. "In den vergangenen Jahrzehnten investierte Portugal massiv in Hochschulen und Erziehung", hieß es in einem Bericht von Euronews vom 8. Dezember 2011 aus dem Nachbarland Spaniens. "Doch aufgrund der Krise kann das Land die begabten Nachwuchskräfte nicht mehr halten." "Portugal lässt seine Zukunft ziehen", fasst der Titel des Berichts zusammen. Wissenschaftler würden vor den Folgen warnen: Portugal sei auf dem Weg ins wirtschaftliche Abseits.

"Deutlich feststellbar ist jedenfalls, dass in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer aus Spanien, Griechenland, Portugal oder der Slowakei ankommen: aus jenen EU-Ländern, die von Krise und Arbeitslosigkeit besonders schwer betroffen sind.", stellte die Deutsche Welle fest. Die bundesdeutsche Wirtschaft freut sich, klagt sie doch über "Fachkräftemangel". Da kommen die jungen, gut ausgebildeten Fachkräfte aus den Krisenländern anscheinend gerade richtig. Dabei ist der angebliche Mangel ist eine "Fata Morgana", worauf unter anderem Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin schon mehrfach hinwies, so 2010, erneut 2011, ebenso 2012. Für ein generell knappes Arbeitskräfteangebot ließen sich "keine Belege finden", erklärte Benke 2010. Und benannte eines der tatsächlichen Probleme: Die Löhne für Fachkräfte seien kaum gestiegen, zudem sei die Zahl der Arbeitslosen mit Qualifizierung größer als die Zahl der offenen Stellen. Statistiker Gerd Bosbach erklärte im Report-Beitrag "Die Legende vom heiß begehrten Ingenieur" vom 10. Juli 2012: Hätten die deutschen Unternehmen "tatsächlich Ingenieurmangel, dann würden die sich ganz anders um Bewerber kümmern. Sie würden ihnen Dauerstellen anbieten. Sie würden ihnen gute Löhne anbieten. Und alle diese Faktoren kann ich leider nicht beobachten." In einer Studie des Sachverständigenrats für Integration und Migration wurde dagegen 2009 schon festgestellt, dass seit 2003 rund 180.000 Fachkräfte Deutschland verlassen haben, berichtete u.a. Spiegel online am 26. Mai 2009. Ein Jahr später wurde das gleiche Ergebnis verkündet. Zu den Hauptmotiven der auswandernden Fachkräfte gehöre u.a. der Wunsch nach höheren Einkommen, so die Süddeutsche online am 17. Mai 2010.

Aber auch zu hohe Steuern und zuviel Bürokratie beklagen danach gerade jene mit hohen Abschlüssen, wie Ärzte und Ingenieure. Das gilt vielleicht für beruflich etablierte Fachkräfte. Im erwähnten Report-Bericht stellt Hermann Biehler vom IMU-Institut München fest: „Ich sehe die Entwicklung dahingehend, dass junge Ingenieure zwischen schlechter Beschäftigung und zwischen Arbeitslosigkeit erstmal wählen müssen.“ Bei den angeblich so gefragten Nachwuchskräften würden befristete Verträge und Zeitarbeit boomen. "Die erfahrene Ingenieurin Tanja Mett-Bialas würde sich schon über einen Job bei einem Dienstleister freuen – und auch Helmut Rasch wäre lieber Zeitarbeiter als Hartz IV-Empfänger." Ein weiteres Motiv für einen Wegzug könne aber auch die mangelnde Anerkennung und zu hohe Belastung sein, zitierte der Tagesspiegel am 4. August 2010 Eberhard Jüttner, den damaligen Vorsitzenden des Paritätischen Gesamtverbands. Jüttner verwies auf die Situation des Pflege-Personals: "Jedes Jahr verlassen zig ausgebildete Pflegekräfte Deutschland, um in Skandinavien, Österreich oder der Schweiz zu arbeiten, was den Pflegenotstand in Deutschland verschärft. ... Die Leute gehen, weil die Akzeptanz für ihre Beschäftigung in diesen Ländern schlicht viel höher und die Belastung wegen größerer Personalschlüssel nicht so gewaltig ist."

Den vielfach beklagten Fachkräftemangel hält DIW-Forscher Brenke eher für einen Mangel an billigen und hochflexiblen Fachkräften, die jederzeit austauschbar sind, erklärte er 2012 in einem Interview. Da sind die gut ausgebildetenen jungen Fachkräfte aus den Krisenländern hochwillkommen, sind sie doch verständlicherweise bereit für eine Perspektive im Vergleich zu deutschen Fachkräften weniger Lohn und schlechte Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen. So müssen dann die deutschen Unternehmen auch solche Forderungen wie nach einem gesetzlichen Mindestlohn in der Bundesrepublik für alle Branchen und in gleicher Höhe für Ost und West nicht so ernst nehmen. Die Bundesregierung kann Kritik wie die von der ILO, die Eurostaaten hätten zu großen Wert auf die Sanierung ihrer Budgets gelegt und dabei die soziale Komponente vernachlässigt, ignorieren, eben so die Forderung der UNO-Organisation nach einer Beschäftigungsgarantie für junge Menschen. Sie kann stattdessen gönnerhaft zeigen, was sie für diejenigen tut, die unter der von ihr in der EU durchgesetzten Sparpolitik leiden, wie sie ihnen eine Perspektive in der Bundesrepublik bietet – wenn sie jung, gut ausgebildet, flexibel und (selbst)ausbeutungswillig sind.

Welche "guten Bedingungen", von denen Merkel sprach, zum Beispiel spanische Fachkräfte vorfinden, beschrieb eine Reportage von Johannes Kulms auf DeutschlandRadio Kultur am 11. April 2013. Sebastian Gonzales wurde vorgestellt, einer von 14 spanischen Fachkräften, die seit Februar in Südthüringen leben und für sechs Monate auf Probe in Industriefirmen und der Gastronomie arbeiten. Das sogenannte Spanien-Projekt habe die Industrie- und Handelskammer von Suhl ins Leben gerufen. "1000 Euro brutto schreibt das IHK-Projekt als Mindestbezahlung vor." Gonzales habe in Spanien als Einrichter vor der Krise monatlich rund 4.000 Euro verdient, in Thüringen bekomme er etwa 1.400 Euro brutto monatlich. Seine neue Thüringer Firmenchefin gibt sich in der Reportage großzügig: "Wir haben ihn jetzt so eingestellt, wie wir jeden anfänglichen Einrichter einstellen würden. Also, mit einem Grundlohn von 8,50. Und ich denke schon, dass wenn er sich gut macht, nach oben wachsen kann. Aber in den ersten sechs Monaten mit Sicherheit nicht." Der Spanier ist froh: "In Spanien ist es jetzt schon etwas besonderes, überhaupt Arbeit zu haben. Wie viel man da verdient, ist gar nicht der Rede wert. Meinen früheren Kollegen aus Barcelona wurden die Löhne binnen mehrerer Jahre um 25 Prozent gesenkt."

Nereida Ruiz, die der Reportage nach wie Gonzalez nach Thüringen kam, arbeite im Servicebereich eines Hotels in der Nähe von Suhl. Sie sagt: "Ich bin ja nicht die einzige Spanierin, die nach Deutschland geht. Ich finde es selbstverständlich, dass in einer europäischen Union das eine stärkere Land dem schwächeren hilft. Wer sagt denn, dass es morgen nicht genau umgekehrt sein könnte?" Und so sieht es aus, als habe doch noch jeder etwas von der Krise ...

Nachtrag vom 1.6.13: "... Ich sage nicht, dass Deutschland nicht profitiert hat. Allerdings ging das Wachstum auf Kosten der anderen europäischen Länder. Deutschland hat die anderen an die Wand gedrückt.
Deutschland soll also schuld sein an der Euro-Krise. Ist das nicht etwas verkürzt?
Nicht allein, aber zu einem erheblichen Teil. Deutschland hat ein völlig absurdes Wirtschaftsmodell. Die Haushalte sparen, der Staat spart, die Unternehmen sparen - alle sparen. Nur: Wenn auf der einen Seite gespart wird, muss sich jemand auf der anderen Seite verschulden. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die anderen europäischen Länder bei uns verschuldet. Doch dieses Modell ist jetzt gescheitert. ..."
Heiner Flassbeck im Interview mit dem Handelsblatt am 29.5.13

Nachtrag vom 5.6.13: "Ausländische Berufseinsteiger verdienen nur knapp zwei Drittel des Durchschnittslohnes der deutschen Arbeitnehmer, sagte ein Sprecher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) an der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Nach acht Jahren hätten die ausländischen Arbeitnehmer dann knapp drei Viertel des 'deutschen' Durchschnittslohnes erreicht, so das Ergebnis einer Studie des IAB." (Bayrischer Rundfunk - Regionalnachrichten Franken, 9.1.2013)

Dienstag, 11. September 2012

Immer mehr arbeiten für immer weniger

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil derjenigen, die für wenig Geld arbeiten müssen, gestiegen. Das ist ein Beleg für das, was läuft: Klassenkampf.
Aus der nüchternen Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 10. September 2012: "Im Jahr 2010 arbeiteten 20,6 % aller Beschäftigten in Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten für einen Niedriglohn. Im Jahr 2006 lag der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch bei 18,7 %. „Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, heute anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin, auf der er Ergebnisse der Erhebung der Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorstellte. ...
Die meisten Beschäftigten, die 2010 einen Niedriglohn erhielten, waren atypisch beschäftigt. Zur atypischen Beschäftigung, teilweise auch als flexible Beschäftigungsformen bezeichnet, werden vier Erwerbsformen gezählt: Teilzeitbeschäftigung mit bis zu 20 Wochenarbeitsstunden, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit und Mini-Jobs. Fast jeder zweite (49,8 %) atypisch Beschäftigte erhielt 2010 einen Verdienst unter der Niedriglohngrenze. Einen besonders hohen Niedriglohnanteil wiesen die geringfügig Beschäftigten mit 84,3 % auf. Bei Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen lag der Anteil hingegen bei 10,8 %. Als Normalarbeitsverhältnis gilt eine unbefristete Beschäftigung mit über 20 Wochenarbeitsstunden, die nicht als geringfügige Beschäftigung und nicht als Zeitarbeit ausgeübt wird. ..."
Mehr zum Nachlesen gibt es hier. Zuvor hatte schon der DGB auf die Situation aufmerksam gemacht und laut Berliner Zeitung festgestellt: "Zwei von fünf der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Vollzeitjob verdienten heute weniger als 2500 Euro brutto im Monat ... Den höchsten Anteil an schlecht bezahlten Vollzeitjobs haben dem DGB zufolge die ostdeutschen Länder. An der Spitze liegt hier Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Sachsen und Thüringen und Sachsen-Anhalt. ..."
Es sind weitere Belege für den Umbau der bundesdeutschen Gesellschaft, der seit 1989 läuft, für die fortgesetzte Umverteilung von unten nach oben. Demnächst wird das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung das mit dem neuen Verteilungsbericht bestätigen. In der Ausgabe von 2011 hieß es: "Der Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkommen am Volkseinkommen ist im ersten Halbjahr 2011 wieder deutlich gestiegen, die Lohnquote ging zurück. Damit setzt sich die langjährige einseitige Verteilungsentwicklung in Deutschland fort ..." Der langfristige Trend bleibe ungebrochen, betonte WSI-Chef Claus Schäfer. "'Die Lohneinkommen verlieren an Gewicht gegenüber den Gewinn- und Kapitaleinkommen, die überwiegend einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe zufließen.' Die Nettogewinnquote stieg im ersten Halbjahr 2011 auf 33 Prozent und ist damit fast wieder auf dem historischen Höchststand von 33,6 Prozent vor der Finanzkrise 2008."
Der Umbau der Gesellschaft und der Abbau des Sozialstaates wurde aber nicht erst 1989 mit dem Mauerfall begonnen, sondern schon vorher in Angriff genommen. Darauf haben die NachDenkSeiten (NDS) am 10. September 2012 hingewisen, indem sie an das "Lambsdorff-Papier" vom 9. September 1982 erinnerten. Die darin beschriebene Linie wird seitdem fortgesetzt und auch fortgeschrieben. Der Mauerfall 1989 wirkte und wirkt nur wie ein Katalysator. Er hat der Abrißbrigade neuen Auftrieb gegeben und die Gegenkräfte geschwächt. Das Letzteres gezielt und schon vor 1989 geschehen ist, darauf haben auch die NDS hingewisen, mit einem Beitrag vom 3. Mai 2011. Darin wird der ehemalige britische Notenbanker Sir Alan Budd mit seinen Erinnerungen an die Regierungszeit von Margaret Thatcher zitiert: "... die Erhöhung der Arbeitslosigkeit war mehr als wünschenswert, um die Arbeiterklasse insgesamt zu schwächen. […] Hier wurde – in marxistischer Terminologie ausgedrückt – eine Krise des Kapitalismus herbeigeführt, die die industrielle Reservearmee wiederherstellte, und die es den Kapitalisten fortan erlaubte, hohe Profite zu realisieren.“
Es sind nüchterne Fakten, die das belegen, was einer der bekannten reichsten Menschen ganz offen zugibt: "Actually, there’s been class warfare going on for the last 20 years, and my class has won." Warren Buffett hat das vor knapp einem Jahr gegenüber CNN gesagt (siehe auch hier). Und das war nicht das erste Mal, dass er vom Klassenkampf sprach, was sich nicht mal Linkspartei-Vertreter so offen trauen: "It's class warfare, my class is winning, but they shouldn't be." (CNN, 19. Juni 2005) Damals sagte Buffett noch, seine Klasse sollte nicht gewinnen. Sechs Jahre später stellte er nur noch fest, dass sie gewonnen hat.
Gibt es wirklich keine Alternativen mehr?

aktualisiert: 17.21 Uhr

Mittwoch, 4. Januar 2012

Fundstück 2 zur Wirtschaftskrise

„Der Wachstumsbeitrag … des privaten Verbrauchs lag zwischen 1996 und 2001 in den USA bei 2,9, in Großbritannien bei 2,6 und in Frankreich noch bei 1,1 Prozent. In Deutschland betrug er nur 0,9 Prozent, was nur noch von Japan mit 0,5 unterboten wurde.
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte stieg zwischen 1996 und 2000 in den USA jährlich um 3,4 Prozent, in Großbritannien um 2,8 Prozent, in Frankreich um 2,1 Prozent und in Deutschland um 1,3 Prozent. Auch hier war nur Japan schlechter mit 0,7 Prozent. …
Gerade in dem betrachteten Zeitraum, …, sind in Deutschland und Japan die Löhne pro Kopf langsamer gestiegen als in den anderen Ländern, gleichzeitig hat aber auch die Beschäftigung weniger zugenommen. ...
In den 60er Jahren durften die Löhne hierzulande noch mit 8 bis 10 Prozent jährlich steigen, ohne dass die Welt unterging. In den 80er Jahren waren es immerhin noch gut 4 bis 5 Prozent, und das galt genau bis 1996 auch weiter für Westdeutschland. Ab dann einigte man sich im Bündnis für Arbeit darauf, den Gürtel gründlich enger zu schnallen, und halbierte die nominalen Lohnzuwächse. Die Folge war, dass an zusätzlicher Kaufkraft praktisch nichts mehr übrig blieb. Bei stagnierenden Reallöhnen stagnierte aber auch der inländische Absatz der Unternehmen, die daraufhin auch keine Leute einstellten.“
Heiner Flassbeck, Heiner: „50 einfache Dinge, die Sie über unsere Wirtschaft wissen sollten“, München, 2008, S. 20f.