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Samstag, 23. Februar 2019

Die Rote Armee und ihre „vergessenen Kriege“: Zwischen Triumph und Tragödie – Gastbeitrag

Von Tilo Gräser

Die 1918 gegründete „Rote Armee der Arbeiter und Bauern“ hat das junge Sowjetrussland im Bürgerkrieg und gegen ausländische Interventionen vor dem Untergang bewahrt. Mit hohem Blutzoll hat sie später den deutschen Faschismus besiegt. Ein Buch berichtet nun über ihre „vergessenen Kriege“ in der Zwischenzeit wie über die Folgen von Stalins Terror.
1979 begann die sowjetische Militäroperation in Afghanistan, die sich zum Krieg ausweitete. Was mit dem ruhmlosen Abzug der Sowjetarmee 1989 endete ist weitgehend bekannt, auch wenn über Einzelheiten weiter debattiert wird. Unbekannt ist, dass die Rote Armee bereits 50 Jahre zuvor in Afghanistan Krieg führte. Am 15. April 1929 bombardierten sowjetische Kampfflugzeuge den afghanischen Grenzposten Patta-Gissar. Zur gleichen Zeit drang eine Einheit der Roten Armee, als Afghanen getarnt, über den Grenzfluß Amu-Darja in das Land ein.

Dieser Militäreinsatz gehört zu den „Vergessenen Kriegen der Roten Armee“, an die ein neues Buch erinnert. Die Autoren Ralf Rudolph und Uwe Markus beschreiben darin Kriege und verdeckte Militäroperationen der 1918 gegründeten Roten Armee, die zwischen den beiden Weltkriegen geführt wurden. Sie haben bereits mehrere Bücher veröffentlicht, so über Syrien, die Krim und das Baltikum als „Aufmarschgebiet“ der Nato.

Erfahrene Offiziere als angebliche Verschwörer


Sie sparen in ihrem neuesten nicht die Folgen der Stalinschen Terrorwelle aus, die ab 1937 gegen das sowjetische Offizierskorps rollte. Zu den Opfern der „Enthauptung der Roten Armee“ 1937/38, von der Historiker sprechen, gehörte Witali M. Primakow. Er war Revolutionär der ersten Stunde, sowjetischer Militärattaché in Afghanistan und Kommandeur der 1929 in dem Land eingesetzten Einheit. Später wurde er sogar Mitglied des Kriegsrates beim Volkskommissar für Verteidigung der UdSSR.

Doch im April 1937 wurde Primakow wie andere wegen einer angeblichen „trotzkistischen Verschwörung“ verhaftet, gefoltert und wie Marschall Michail N. Tuchatschewski nebst anderen Militärs in einem fingierten Prozess verurteilt. Am 12. Juni 1937 wurde der hochrangige Offizier erschossen. Sein Schicksal gehört neben dem von Tuchatschewski zu den Beispielen im Buch. Die Autoren zeigen, wen das Stalinsche Misstrauen und der darauf aufbauende politische blutige Terror traf sowie welche Folgen das für das sowjetische Militär hatte.

In Afghanistan hatte Primakow 1929 die Einheit der Roten Armee befehligt, die auf Bitte des damaligen Königs Amanullah Khan im April des Jahres ins Land kam. Sie sollte der Regierung des Landes zu Hilfe kommen, die bereits seit Jahren von Mudschaheddin bedrängt wurden. Bereits 1924 hatte die sowjetische Luftwaffe nach einer islamistischen Revolte in Nordafghanistan Einsätze auf Seiten der Regierungsstruppen geflogen.

Bereits vor 90 Jahren: Gefahr durch Mudschaheddin


Anlass für die Unruhen war der Widerstand religiöser Gruppen gegen die reformorientierte, liberale Politik von Amanullah Khan. Dieser hatte den Autoren zufolge Kontakt zu Sowjetrussland gesucht und unter anderem das an Afghanistan interessierte Großbritannien ausgebootet. Die von Rudolph und Markus beschriebenen Motive auf sowjetischer Seite klingen wie jene in der Situation 50 Jahre später:

„Moskau hatte ein vitales Interesse daran, dass in der von ethnischen Konflikten geprägten Region Stabilität herrscht und dass diese Konflikte nicht auf sowjetisches Territorium übergreifen. Diese Gefahr war real, denn im Norden Afghanistans hatten sich viele konservativ-religiöse Emigranten aus den mittelasiatischen Sowjetrepubliken niedergelassen, die ein militärisches Bedrohungspotential darstellten. Und bereits damals wurde der schwelende Konflikt von außen befeuert.“

Laut den Angaben haben besonders die Briten die damaligen islamistischen Rebellen unterstützt, die 1928 einen Aufstand begannen. Zuerst sei es bei der Bitte um militärische Unterstützung seitens des Königs um eine in der Sowjetunion aufgestellte Truppe aus Exilafghanen gegangen. Doch als sich nicht genügend Kämpfer gefunden hätten, seien sowjetische Soldaten in die Einheit aufgenommen worden – offiziell einem afghanischen General unterstellt, aber real vom Bürgerkriegsheld und Korpskommandeur Primakow geführt.

Geschichte wiederholt sich manchmal


Rudolph und Markus schildern den Kampfweg der als Afghanen verkleideten Rotarmisten, die eigentlich kein Russisch sprechen sollten, damit sie nicht auffliegen. Aber am 22. April 1929 stürmten sie laut den Autoren Masar-e-Sharif – mit den typisch russischen Ruf „Hurraaaaa“. Der Einsatz sowjetischer Truppen sei ab diesem Zeitpunkt international nicht mehr zu verheimlichen gewesen, heißt es im Buch.

Doch am Ende wurden die afghanischen Regierungstruppen samt der sowjetischen Soldaten – im Mai war eine weitere Einheit hinzugekommen – besiegt. Amanullah Khan floh endgültig außer Landes und die durch Verluste dezimierten Rotarmisten wurden in die Heimat zurückbefohlen. Das Ziel war nicht erreicht worden, stellen die Autoren fest – wie 50 Jahre später.

1930 seien sowjetische Truppen ein weiteres Mal in Afghanistan einmarschiert, auch weil Mudschaheddin verstärkt in die Turkmenische Sowjetrepublik eindrangen. Auch dieses Mal gab es laut dem Buch eine entsprechende Bitte der Regierung in Kabul. Dieser Einsatz ist den Angaben nach erfolgreicher gewesen. die Mudschaheddin konnten geschlagen werden und ihr Anführer wurde erschossen.

Sowjetisch-britischer Einmarsch in den Iran


Der verdeckte Militäreinsatz am Hindukusch war nicht der einzige damals in der Region. Die Autoren berichteten am Dienstag in Berlin, als sie ihr Buch vorstellten, vom gemeinsamen sowjetisch-britischen Einmarsch in den Iran. Der erfolgte im August 1941 und ist ebenso weitgehend unbekannt.

Die Initiative dazu ging dem Buch zufolge von Stalin aus, der befürchtet habe, dass sich der Teheran an das faschistische Deutschland annähert. Wäre das geschehen, hätte die deutsche Rüstungswirtschaft den notwendigen Zugriff auf das iranische Öl bekommen. Das sollte die Invasion der neuen Alliierten Sowjetunion und Großbritannien verhindern.

Zuvor sei bereits eine sowjetische Geheimoperation vorbereitet worden, die die iranische Provinz Aserbaidschan abspalten und das nordiranische Öl für die Sowjetunion sichern sollte. Die Briten befürchteten den Angaben nach nicht unberechtigt, dass die Deutschen die Raffinerien der Anglo-Iranian Oil Company in Abadan in die Hände bekommen.

Folgen bis in die Gegenwart


Der Einmarsch in den Iran durch sowjetische und britische Truppen sei am 25. August 1941 begonnen worden, für die iranische Seite unerwartet. Die Rote Armee setzte laut Rudolph und Markus immerhin 1.000 Panzer und etwa 120.000 Soldaten ein. Beide Länder setzten ebenso ihre Marine und die Luftwaffe ein. Am 30. August gab sich der Iran geschlagen, heißt es im Buch, unterzeichnete mit Moskau und London Friedensverträge, stimmte den Besatzungszonen zu und erklärte Deutschland den Krieg.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verzögerte die Sowjetunion den vereinbarten Abzug der Roten Armee aus dem Iran. Sie hoffte wohl, Teile des Landes in ihre Einflußsphäre übernehmen zu können. Doch die folgende Krise im Verhältnis zu den USA und Großbritannien zwang den Autoren zufolge Stalin, nachzugeben und die sowjetischen Soldaten 1946 abzuziehen.

Die beiden Autoren schreiben in ihrem Buch nicht nur über die Kriege und Einsätze der Roten Armee sowie das Schicksal der jeweils führenden Offiziere. Sie machen zugleich auf die Folgen bis in die Gegenwart aufmerksam. Das geschieht bei dem polnisch-sowjetischen Krieg 1920 ebenso wie bei der Revanche 1939 nach dem Geheimabkommen in Folge des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages. Die Sowjetunion marschierte in Ostpolen ein und holte sich jene Gebiete zurück, die Polen 19 Jahre zuvor annektiert hatte.

Erfolgloser Angriff auf Finnland


Auch die langfristigen Folgen des sowjetischen Angriffs auf Finnland 1939 werden im Buch dargestellt, neben dem Geschehen des „Winterkrieges“. In diesem habe sich die Sowjetunion nicht nur ob ihrer militärischen Möglichkeiten selbst überschätzt. Die katastrophalen Folgen im Offizierskorps der Roten Armee, nach dem ab 1937 etwa die Hälfte seines Bestandes verhaftet oder ermordet worden war, hätten zur sowjetischen Niederlage beigetragen.

Die Autoren gehen außerdem auf die Zusammenarbeit zwischen Roter Armee und Reichswehr von 1920 bis 1933 ein. Sie schildern den Einsatz sowjetischer Soldaten und Offiziere auf Seiten der spanischen Republik 1936 bis 1939. Ebenso werden die militärischen Auseinandersetzungen mit Japan in Asien 1938/39 dargestellt, so die Kämpfe am Chassansee und die Schlacht am Galchin Gol.

Rudolph und Markus widersprechen russischen Historikern und Publizisten, die meinen, die katastrophalen Niederlagen der Roten Armee in den ersten Wochen nach dem faschistischen deutschen Überfall hätten nichts mit dem Kahlschlag ab 1937 zu tun. Dabei werde immer nur quantitativ argumentiert und übersehen, dass gerade die meisten der Offiziere mit Auslands- und Kampferfahrungen Opfer des Stalinschen Terrors wurden. Diese hätten dann gefehlt, als die faschistische Wehrmacht in das Land einfiel.

Stalin verantwortlich für Scheitern vor Warschau


Das Schicksal hochrangiger und erfahrener Militärs der Roten Armee durch den Stalinschen Terror trug dazu bei, dass es für ihn ein emotionales Buch sei, sagte Ko-Autor Markus. Selbst noch nach dem 22. Juni 1941 seien hochrangige sowjetische Offiziere auf Befehl von NKWD-Chef Lawrentij Berija erschossen worden, ist im Buch zu lesen. Die Autoren nennen die Namen der Opfer, darunter Generaloberst Grigori M. Schtern, Chef der sowjetischen Luftverteidigung.

Angesichts dessen gab es Unverständnis und Kopfschütteln im Publikum, als die beiden Autoren ihr neues Buch in der Ladengalerie der Tageszeitung „junge Welt“ vorstellten. Eine geschichtliche Episode führte zu Diskussionen. Sie erinnern im Buch daran, dass Stalin mitverantwortlich dafür ist, dass die sowjetische Armee im August 1920 vor Warschau scheiterte. Bis dahin war sie vorgerückt, nachdem Polen Sowjetrussland angegriffen hatte.

Stalin war der Südwestfront unter Befehl von Alexander Jegorow als Politkommissar zugeteilt worden. Er habe den Front-Befehlshaber überredet, nicht wie von Moskau befohlen, vom Süden her auf Warschau zu marschieren. Dort kämpfte bereits die Westfront unter dem Kommando von Tuchatschewski. Jegorow und Stalin entscheiden sich stattdessen für den Versuch, das damals polnische Lemberg (Lwow) einzunehmen. Doch sie scheiterten – ebenso wie der alleingelassene Tuchatschweski vor Warschau.

Behelfsverweigerung überlebt und Kontrahenten ermordet

„Das Debakel der sowjetischen Truppen in Polen hatte letztlich das für die Südwestfront zuständige Mitglied des Revolutionären Kriegsrates, Josef Stalin, zu verantworten“, schreiben Rudolph und Markus. Als ihnen bei der Buchvorstellung dazu widersprochen wurde, verwiesen sie auf sowjetische Dokumente, die bestätigen, was sie schreiben.

Der Militärhistoriker Werner Röhr machte in der Diskussion darauf aufmerksam, dass in Kriegszeiten derjenige, der einen Befehl verweigert, erschossen wird. Aber: „Lenin hat Stalin in Schutz genommen“, so Röhr. Der Befehlsverweigerer wurde nur von seinem Posten entbunden und bekam nie wieder ein militärisches Amt – um sich dann im Zweiten Weltkrieg „Generalissimus“ nennen zu lassen.

Diese Episode im Jahr 1920 hatte nicht nur Folgen in der damaligen konkreten Situation, sondern auch für den weiteren Gang der Geschichte. Markus und Rudolph verwiesen ebenso wie der Militärhistoriker Röhr in der Diskussion darauf, dass das einer der Gründe gewesen sein wird, warum Marschall Tuchatschewski 1937 erschossen wurde.

Umfangreiche Quellenbasis und Hintergrundinformationen


Das Buch über die „vergessen Kriege der Roten Armee“ hat seinen Titel vor allem wegen des Publikums im Westen bekommen, erklärte Ko-Autor Markus. Nach seinen Worten soll es kein wissenschaftliches Werk sein, weshalb es auch kein umfangreiches Quellenverzeichnis hat, wie es in Büchern von Historikern üblich ist. Beide Autoren stützen sich aber auf umfangreiche sowjetische bzw. russische Dokumente und Quellen ebenso wie auf Fachliteratur, die im Anhang angegeben sind.

Ihr Buch gibt einen guten Ein- und Überblick über die ersten Jahrzehnte der Roten Armee, die in Folge des Krieges gegen das revolutionäre Russland entstand, den seine inneren und äußeren Gegner begannen. Das Buch erscheint offiziell am Samstag. Der 23. Februar galt in der Sowjetunion als Tag der Gründung der Roten Armee. Noch heute wird er in Russland als „Tag des Verteidigers des Vaterlandes“ begangen. Eigentlich wurde das Dekret über die Bildung einer Roten Armee der Arbeiter und Bauern vom Rat der Volkskommissare bereits am 15. Januar 1918 erlassen, erinnern Rudolph und Markus.

Deutsche Truppen vor Petrograd gestoppt

Bei ihnen ist nachzulesen, wie es zum 23. Februar als offiziellem Gründungsdatum und Feiertag kam. Den Anlass gaben die deutschen Truppen, die 1918 nach den ersten gescheiterten Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk Sowjetrussland angegriffen hatten.

„Rote Matrosen der Baltischen Flotte und Soldatentrupps, die sich an der Revolution in Petrograd beteiligt hatten, stellten sich den deutschen Truppen bei Pskow und Narwa entgegen und brachten sie am 23. Februar 1918 etwa 100 Kilometer vor Petrograd zum Stehen. Dieser Tag des Sieges über die deutschen Interventionstruppen wird seither als Gründungsdatum der Roten Armee angesehen.“

Dieser Tag sollte auch im deutschen Gedächtnis vermerkt werden. Gerade in einer Zeit, in der deutsche Soldaten und Waffen wieder an der russischen Grenze, etwa 150 Kilometer vom einstigen Petrograd, dem heutigen Sankt Petersburg, stehen, könnte er hierzulande zum Nachdenken anregen.

Ralf Rudolph/Uwe Markus: „Vergessene Kriege der Roten Armee“
Phalanx Verlag 2019. 319 Seiten. 123 Fotos und Karten. ISBN: 978-3-00-061802-4. 21,40 Euro

zuerst bei Sputniknews erschienen

Freitag, 8. Mai 2015

8. Mai 1945: Befreit von der Teilnahme an einem Verbrechen

Die Sicht eines ostdeutschen marxistischen Historikers auf den Tag der Befreiung und den Umgang damit

Von was wurden die Deutschen am 8. Mai 1945 befreit? Diese Frage stellte der renommierte ostdeutsche marxistische Historiker Kurt Pätzold am 7. Mai 2015, dem Vorabend des 70. Jahrestages des Tages der Befreiung, in Berlin. Seine Antwort: „Sie wurden befreit von der weiteren Teilnahme an einem Verbrechen.“ Den Deutschen seien im Mai 1945 die Waffen aus der Hand geschlagen worden, mit denen sie Europa wie nie zuvor zugerichtet hatten. Sie seien aus ihrer bis dahin „schlechtesten Rolle in der Geschichte“ befreit worden, freigesetzt für eine neue, noch offene. „Darüber muss man reden, wenn über den Tag der Befreiung gesprochen wird“, sagte der Historiker in der Berliner „Ladengalerie“ der Tageszeitung junge Welt im Gespräch mit Chefredakteur Arnold Schölzel. Anlass war das neueste Buch von Kurt Pätzold, der kürzlich 85 Jahre wurde: „Kein Platz an der Sonne: Hundert Jahre danach und wenig gelernt“ (Verlag Am Park).

Fotos: verlag am park/F. Schumann
Obwohl der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker 1985 in seiner Rede zum 8. Mai als erster bundesdeutscher Politiker vom „Tag der Befreiung“ sprach, sei dieser Begriff heute beispielsweise nur in einem Schulbuch der Bundesrepublik zu finden, berichtete Pätzold. Er machte auch darauf aufmerksam, dass hierzulande in der gegenwärtigen Debatte um das Ereignis und seine Vorgeschichte die entscheidende Frage nicht gestellt werde: Die Rolle des deutschen Imperialismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Der 2. Weltkrieg war die Fortsetzung des 1. Weltkrieges. Das eine hängt mit dem anderen zusammen.“ Die Behauptung von Historikern wie Heinrich August Winkler, dem Festredner im Bundestag zum 8. Mai 2015, dass Hitler ein „Sonderfall“ der deutschen Geschichte sei, bezeichnete Pätzold als „Ausflucht“. „Das Deutsche Reich wollte schon 1914 nicht nur Großmacht, sondern Weltmacht sein und nahm 1939 den zweiten Anlauf dazu.“ Das gehöre zu einer ernsthaften historischen Analyse, sagte der ostdeutsche Historiker zu den Kontinuitäten der deutschen Geschichte, ohne die es den 8. Mai 1945 nicht gegeben hätte.

Der Begriff der „Befreiung“ werde oft mit dem Argument attackiert, was den mit den Gefangenen, den vergewaltigten Frauen und den Vertriebenen sei, von was diese befreit worden seien. Auf diese Weise werde die individuelle Erfahrung der Einzelnen dem geschichtlichen Ereignis und seinen Zusammenhängen entgegengestellt, sagte Pätzold dazu. Doch die massenhaften individuellen Erfahrungen seien nie deckungsgleich mit der geschichtlichen Einordnung von Ereignissen. Dahinter stecke aber Absicht, wenn Einzelschicksale den grundlegenden geschichtlichen Tatsachen entgegengesetzt werden. Übrig bleibe so, dass nur die Opfer des Faschismus befreit worden seien und alle Übrigen, zumindest in Ostdeutschland und Osteuropa, nur der Weg von der faschistischen in die kommunistische Diktatur geblieben sei. Das sei die Grundlage für die Rede von der halben Befreiung 1945 und der „tatsächlichen Befreiung“ erst 1990.

Schweigen über die eigene Rolle


So komme es auch dazu, dass Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zwar in Wolgograd die sowjetischen Soldaten ehrte, die aber vermeintlich für eine schlechte Sache gestorben seien.  Dazu gehöre, dass Bundespräsident Joachim Gauck im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 2. Mai 2015 von der „ambivalenten Erinnerung an die Sowjetarmee“ sprach: „Die Soldaten der Diktatur waren bis 1945 Befreier, so wie sie nach 1945 Garanten der Diktatur waren. Wir können und müssen Letzteres höchst kritisch betrachten, zugleich aber für die Rolle dieser Soldaten bei der Befreiung genau so deutlich Respekt, ja Dank bezeugen.“ Das sei noch die geschickte Variante „auf leisen Sohlen“ der Geschichtsverdrehung. Pätzold verwies auf Beispiele für diese Sicht auch unter Linken, die meinen, dass wir heute in der besten aller denkbaren Gesellschaftsordnungen leben, und wer das in Frage stelle, nur die Wahl zwischen Kommunismus und Faschismus habe. „Sie werden dressiert zu Reparaturschlossern der kapitalistischen Gesellschaft. Das dürfen sie sein, aber bitte nicht an den Grundfesten rütteln.“ Pätzolds Antwort darauf: „Wenn der Gedanke an eine andere Gesellschaft aufrechterhalten werden soll, muss die Geschichte von der Nichtbefreiung der Ostdeutschen vom Tisch!“ Er sehe die Geschichte des 20. Jahrhunderts als die eines gescheiterten Versuches, aus der kapitalistischen Gesellschaft und ihrer Logik auszubrechen. „Daran waren Millionen beteiligt.“ Es dürfe nicht gelingen, das vergessen zu machen.

Doch gegenwärtig ist eher zu beobachten, dass sich das fortsetzt, was junge Welt-Chefredakteur Arnold Schölzel als „tiefe Spaltung im Alltagsbewusstsein“ hierzulande bezeichnete. Das sei auch eine Folge der Tatsache, dass es im Mai 1945 zur Befreiung von außen und nicht zu einer Selbstbefreiung vom Faschismus von innen kam. Im Laufe des Abends sprach der Historiker Pätzold auch über die Frage: „Was ist da am 8. Mai 1945 zu Ende gegangen?“ Vor allem im Westen werde dabei von „Hitlers Krieg“, „Hitlerdeutschland“ oder leicht verschämt von der „NS-Diktatur“ gesprochen. „Besonders schön“ sei die Antwort des Nachrichtenmagazins Der Spiegel in der Ausgabe vom 25. April 2015: „Das Reich des Bösen“. „Jede gesellschaftswissenschaftliche Kennzeichnung von Staat und Gesellschaft wird vermieden“, stellte der Historiker mit Blick auf die öffentliche Debatte und Darstellung zum Thema klar. Korrekt wäre es, von der „bürgerlichen Gesellschaft faschistischer Ausprägung“ zu sprechen, die am 8. Mai 1945 ein Ende fand. Aber im Bezug auf den Faschismus werde auch jeder Hinweis auf die bürgerliche Gesellschaft vermieden. Das habe die Geschichtsschreibung in der Bundesrepublik seit ihrer Gründung und schon davor geprägt. „Tiefer reichende Erklärungen werden nicht geboten. Es werden Erscheinungen der Geschichte beschrieben, aber nicht in die Tiefe gegangen.

Auf die Frage von Schölzel, warum das trotz der z.B. aus der DDR vorhandenen umfangreichen historischen Literatur zum Thema heute weiter so sei, ob das alles vergessen sei, sagte Pätzold, das habe grundlegend damit zu tun, dass keiner in Deutschland, Ost wie West, etwas mit dem Krieg und Faschismus zu tun gehabt haben wollte und wolle: „Keiner ist es gewesen.“ In Westdeutschland sei das auf die Rolle als "Betrogene und Opfer" reduziert worden. Dieses Selbstbild habe vor der Frage nach der eigenen Verantwortung für das Geschehene bewahrt. Pätzold äußerte Verständnis für das individuelle Schweigen über die eigene Rolle und stellte fest: „Das hat sich in verschiedener Weise erhalten.“ Die andere offizielle Haltung in der DDR – während Konrad Adenauer schon 1949 aufforderte, damit aufzuhören, von Verbrechern zu reden – sei auch durch den Zwang über die Dinge zu reden in Folge der Reparationen zustande gekommen. Die an die Macht gekommenen Antifaschisten in der sowjetischen Besatzungszone und später der DDR hätten mit einer „zweischneidigen Politik“ zum einen die Menschen gewinnen wollten und zum anderen für diese unangenehmen Wahrheiten aussprechen müssen: „Sie mussten den Menschen erklären, warum das geschieht.“ Das sei im Westen nicht der Fall gewesen.

Der Unterschied der Deutschen als Opfer zu den anderen sei aber, dass sie vorher „in der Masse Instrumente“ gewesen seien, „ob freiwillig oder aus Zwang“. „Sie waren mit daran beteiligt, dass es bis Mai 1945 gedauert hat.“ Was deutsche Zivilisten gegen Ende des Krieges erleben und auch erleiden mussten, in West wie Ost, sei Folge des „Wahnsinns des Verteidigens bis zur letzten Stunde, bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone“ gewesen und gehe auf das Konto der faschistischen Wehrmacht und ihrer Führung. Die gegenwärtig weit verbreiteten Erzählungen von Einzelschicksalen führten in den meisten Fällen sofort zu den Folgen für die Deutschen nach 1945, zur Darstellung als Opfer. Doch das reiche nicht, um Geschichte einordnen und verstehen zu können, um sie zu begreifen, so der Historiker.

Kurt Pätzold: Kein Platz an der Sonne – Hundert Jahre danach und wenig gelernt
verlag am park, 2015
235 Seiten; brosch.
ISBN 978-3-945187-28-9
14,99 €

Donnerstag, 12. Juni 2014

(Nichts) Neues vom US-Imperialismus - Teil 2

Fortsetzung des Beitrages vom 11. Juni 2014 über Neues und Altes zum US-Imperialismus aus Anlass zweier Reden von Barack Obama (Hier geht's zu Teil 1 des Beitrages)

Was US-Präsident Barack Obama in West Point und Warschau sagte und was von Beobachtern als Grundsatzreden gewertet wurde, ist nichts Neues. Das zeigt u.a. ein Blick in die Geschichte. Der derzeitige US-Präsident hat nur bestätigt, was Dieter Senghaas in seinem Vorwort zu Daniel Ellsbergs 1973 auch auf deutsch veröffentlichtem Buch "Papers on the war" von 1972 ("Ich erkläre den Krieg") klar stellte: "Von Anfang an war die langfristige Perspektive für die US-Außenpolitik, die gleichzeitig immer auch als Außenwirtschaftspolitik zu begreifen ist, klar, wie schwierig ihre Konkretisierung in der Tagespolitik sich auch darstellte: Die Vereinigten Staaten von Amerika hatten als einzige aus dem Zweiten Weltkrieg intakt hervorgegangene kapitalistische Großmacht in Wahrnehmung gesamtkapitalistischer Interessen der drohenden Ausweitung der seit 1917 und 1949 der internationalen Bourgeoisie laufend zugefügten Verluste an politischem Terrain ein für alle Mal Einhalt zu gebieten. Ihre in jeder Hinsicht ernstgemeinte konter-revolutionäre Politik rund um den Erdball, einschließlich ihrer Politik der Beförderung gesellschaftspolitischer Restauration in West- und Südeuropa nach 1945, war auf diese strategische Stoßrichtung inhaltlich eingeschworen: auf die Konsolidierung des internationalen gesellschaftspolitischen Status quo."

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der kommunistischen Bewegung ab Ende der 1980er Jahre habe sich gezeigt, „dass es nicht darum gegangen war, den Kommunismus im Zaum zu halten". Das stellte John Perkins 2004 in seinem Buch „Bekenntnisse eines Economic Hit Man“ (auf deutsch 2005 erschienen) fest. Dagegen seien damals „die Kräfte des globalen Imperiums, das im Kapitalismus wurzelte, entfesselt“ worden. Perkins verwies auf Jim Garrison, der in seinem Buch „American Empire: Global Leader or Rogue State?“ aus dem Jahr 2004 schrieb: „Im Zusammenhang betrachtet verkörpert die fortschreitende Integration der Welt, insbesondere die ökonomische Globalisierung und die Durchsetzung der ‚freien Marktwirtschaft‘, der nahezu mythische Eigenschaften zugeschrieben werden, gewissermaßen ein eigenständiges ‚Imperium‘ … Kein Land der Erde konnte sich dem Sog der Globalisierung widersetzen. Nur wenige Staaten konnten sich den ‚strukturellen Anpassungen‘ und ‚Auflagen‘ der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds sowie den Schiedssprüchen der Welthandelsorganisation entziehen, jener internationalen Finanzinstitutionen, die, wie unzureichend sie auch sein mögen, nach wie vor bestimmen, was unter Globalisierung zu verstehen ist, welche Regeln für sie gelten und wer für Wohlverhalten belohnt oder für Verstöße bestraft wird. Die Globalisierung entfaltet eine solche Dynamik, dass wir noch zu unseren Lebzeiten Zeugen sein werden, wie sich alle nationalen Volkswirtschaften der Welt in ein einziges, globales System des freien Marktes integrieren.“

Die US-Präsidenten wie Barack Obama und seine Vorgänger und Nachfolger sind gewissermaßen die Hohepriester dieser Globalisierung. Das begann nicht erst 1989 oder wie manche glauben, 1945 nach dem von den USA miterkämpften Sieg über den deutschen Faschismus. Das zeigt ein interessante Analyse des Historikers Christian Hacke in der Zeitschrift Politische Studien der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, Heft 454 (März/April 2014). Er bestätigt damit auch die beiden oben zitierten Aussagen von Senghaas und Garrison. Ohne es selbst so zu benennen zeigt der Historiker in seinem Text "Der erste Weltkrieg und Amerikas Aufstieg zur Weltmacht" ganz klar, dass der Imperialismus im Kapitalismus wurzelt. Er belegt, dass die verkündeten moralischen Ansprüche nur die wirtschaftlichen Interessen tarnen sollen. Grundlage für den US-Imperialismus sei die wirtschaftliche Entwicklung nach dem US-amerikanischen Bürgerkrieg von 1861-1866 gewesen. Der diesem folgende „Aufstieg  der USA zur führenden Wirtschaftsmacht“ sei anfangs durch die kontinentalen Grenzen und dem „außenpolitischen Desinteresse“ gebremst worden. „Die darauf einsetzende Wirtschaftskrise, begründet in Überproduktion und fehlenden Märkten konnte nur durch neue Märkte in Übersee gebannt werden.“ Zunehmend habe die USA „ein imperialistischer Zeitgeist“ erfasst: Mit dem „wunderbar kleinen Krieg“ gegen Spanien 1898 und der Eroberung Kubas, der Philippinen, Puerto Ricos, Hawaiis und anderer Inseln sei ein „informelles Imperium“ geschaffen worden, so Hacke. Zwar hätten sich Imperialisten und Antiimperialisten gestritten, was zur „Open-Door-Politik“ geführt habe: „Aber beide Lager begrüßten neue überseeische Märkte zur Sicherung der wirtschaftlichen Prosperität Amerikas.“

Der Historiker zitiert den US-Außenminister John W. Foster aus dem Jahr 1900: „…alle Amerikaner stimmen darin überein, dass eine kommerzielle Expansion wünschenswert ist. Sie ist notwendig, um neue und größere Märkte für unsere Produkte zu finden. Ohne sie können wir nicht unsere industrielle Prosperität aufrechterhalten.“ Bis zum 1. Weltkrieg habe es keine bedeutenden bilateralen Beziehungen zwischen den USA und den damaligen europäischen Großmächten gegeben, aber verstärkte imperialistische Rivalitäten. „Der neue Aufsteiger auf der internationalen Bühne forderte die etablierten Kolonialmächte heraus“, stellt Hacke fest. Die US-Außenpolitik habe gleichzeitig missionarische Züge entwickelt: „Amerika sei von Gott auserwählt, die Welt zu verändern“. Hacke beschreibt das so: „Eine bislang unbekannte Konvergenz von wirtschaftlich, politisch und religiös begründeter Machtausdehnung intensivierte Washingtons Forderung nach gleichberechtigtem Zugang zu den Märkten.“ Diese Strategie habe bis in die Zeit des Kalten Krieges gegolten, „was heute weithin vergessen ist“. Dazu habe der Marshall-Plan als Teil der Truman-Doktrin von 1947 gehört, mit dem auch der wirtschaftliche Einfluss der USA auf Mittel- und Osteuropa ausgedehnt werden sollte. Die USA seien von 1899 bis 1914 „aus wachsendem Eigeninteresse, das gern in altruistischer Rhetorik verschleiert wurde“, expandiert. Woodrow Wilson, der 1913 Präsident wurde, formulierte das sechs Jahre zuvor laut Hacke so: „Da der Handel sich über nationale Grenzen hinwegsetzt und der Unternehmer die Welt als seinen Markt beansprucht, muss die Flagge seiner Nation ihm folgen, und die verschlossenen Tore der Nationen müssen aufgesprengt werden.“ Wilsons „ausgeprägter Antikolonialismus“ habe ihn als Präsident aber nicht von „entschlossenem außenpolitischen Interventionismus“ besonders in Mittelamerika und Asien abgehalten. Aber mit Europa habe er wie andere US-Präsidenten nur wenig zu tun haben wollen, so dass er lange versuchte, die USA aus dem 1. Weltkrieg herauszuhalten.

Idealismus als Legitimationsressource


Erst der deutsche U-Boot-Krieg und die sogenannte Zimmermann-Depesche mit dem deutschen Angebot an Mexico, die Rückeroberung von Texas, Neu-Mexiko und Arizona zu unterstützen, führten 1917 zum Kriegseintritt der USA. So sorgte der Einsatz von rund 1,3 Millionen US-Soldaten 1918 für den Sieg der Alliierten auf den europäischen Schlachtfeldern. Hacke verweist auf die „widersprüchliche Wirkung“ des Krieges: „Wirtschaftlich hatte er das Land gestärkt, die USA wurden vom Hauptschuldner zum Hauptgläubiger der Weltwirtschaft. Andererseits hatte er das alte isolationistische Selbstverständnis wieder belebt.“ Wilson habe einen „Frieden ohne Sieg“ angestrebt, um „die Welt für den Frieden zu sichern“. Dazu sollte der Völkerbund „mit Hilfe amerikanischer Macht für eine Weltordnung sorgen, in der freiheitlicher Wettbewerb unter friedlichen Bedingungen garantiert werden“. Doch „Wilsons Kreuzzug für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit“ sei in Versailles am aggressiven Realismus der europäischen Siegermächte gescheitert. Daraufhin hätten sich die „skeptischen Realisten“ in den USA durchgesetzt. Die neue Weltwirtschaftsmacht habe zwar den „deutschen Griff nach Weltmacht und Hegemonie in Europa“ verhindert. Aber die USA seien nach dem 1. Weltkrieg  „noch nicht reif für die Rolle als Weltordnungsmacht“ gewesen, bedauert Historiker Hacke. Erst nach 1945 hätten sie „ihre Europapolitik mit der notwendigen Dosis von machtpolitischem Realismus“ unterfüttert.

Hacke schreibt, dass „Woodrow Wilsons Konzept einer liberalen Weltordnung, in der die USA die führende Rolle einnehmen, bis heute von zentraler Bedeutung geblieben“ sei. Er habe als erster US-Präsident „Amerikas Macht in den Dienst eines liberalen Weltfriedens gestellt“. „Seitdem unterlässt es keiner seiner Nachfolger, Wilsons Idealismus weiterhin als Legitimationsressource zu beschwören.“ Hacke schaut nicht mehr auf die ökomischen Interessen, als er meint, „Wilsons Überzeugung, dass ein Krieg nur dann legitim sei, wenn man ihn als Kreuzzug für Menschenrechte und freiheitliche Werte führt, hat die Außenpolitik der USA im 20. Jahrhundert dauerhaft revolutioniert.“ Eine solche Kriegsbegründung, die ökonomische Interessen verdecken hilft, wurde zum Ende des 1. Weltkrieges auch in Deutschland als nützlich erkannt. Im März 1918 hatte der deutsche Prinz Max von Baden in seiner "Denkschrift über den ethischen Imperialismus" gefordert: "Eine so ungeheure Kraft, wie wir sie in diesem Kriege entfaltet haben, muss sich vor der Welt ethisch begründen, will sie ertragen werden. Darum müssen wir allgemeine Menschheitsziele in unseren nationalen Willen aufnehmen." (zitiert nach "Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945", herausgegeben von Reinhard Opitz, S. 433).

Historiker Hacke sieht Wilsons Idee einer liberalen Weltordnung nicht nur als „erfolgreiche ideelle Mobilisierung“ als „Gegenentwurf zur kommunistischen Weltrevolution“. „Man kann deshalb den Ursprung des Kalten Krieges auf 1917 datieren.“ Und Wilson habe „den Grundstein für Amerikas zukünftige Rolle als Weltordnungsmacht in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ gelegt. Hacke schreibt, dass sich die USA nach dem 1. Weltkrieg militärisch und politisch aus Europa wieder zurückzogen. Aber ökonomisch und diplomatisch hätten sie dort weiter eine Rolle gespielt. Sie hatten sich in Europa festgesetzt. Damals begann auch das „Hineinwirken Amerikas nach Deutschland“, wie es der Historiker Volker Berghahn in seinem Buch „Umbau im Wiederaufbau - Amerika und die deutsche Industrie im 20. Jahrhundert“ (2013) bezeichnete. Was nach dem 1. Weltkrieg laut Berghahn „nur zögerlich“ begann, geschah nach 1945 umso gründlicher. Allerdings gelang es bereits 1923 den US-Finanzkreisen, u.a. dem mächtigen Banker John P. Morgan, mit Hjalmar Schacht einen ihrer engsten Vertrauten als Präsidenten der deutschen Reichsbank zu etablieren. Damit war bereits damals „ein wichtiger Helfershelfer des USA-Finanzkapitals an einen entscheidenden Schalthebel gelangt“, wie der Historiker Kurt Gossweiler 1971 feststellte. Aber das ist schon ein anderes Thema. Mein Fazit: Der derzeitige US-Präsident Barack Obama folgt einer langen Tradition des US-Imperialismus, was an sich nicht verwunderlich ist. Auch bei ihm gilt, dass all die Reden von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten nur überdecken und davon ablenken, dass es um nicht mehr und nicht weniger sowie nichts anderes als die Interessen der US-Wirtschaft geht. Das gelingt aber immer noch zu oft erfolgreich.

Donnerstag, 20. März 2014

Die Lügen über den Staatsstreich entlarven

Der US-Friedensrat (US Peace Council) ruft die Friedensbewegung dazu auf, die Lügen über den von der US-Regierung angestifteten Staatsstreich in der Ukraine zu entlarven

Hier ist der Originaltext zu finden

Hier von mir übersetzte Auszüge:
"Der demokratisch gewählte Präsident der Ukraine wurde mit Gewalt sowie mit  finanzieller und politischer Unterstützung der USA und der Europäischen Union gestürzt. Das State Department (US-Außenministerium) hat nicht nur Kekse an ein paar Demonstranten verteilt. Es hat nicht nur die Ersatz-Regierung ausgewählt. Die USA haben fünf Milliarden Dollar ausgegeben, um eine Gebrüder Koch-Demokratie in der Ukraine zu installieren. Das Weiße Haus hat zusätzlich eine Milliarde Dollar genehmigt. Was sonst? Es gibt nun zwei Regierungen in der Ukraine und die US/EU-unterstützte ist eine mit Neo-Nazis gefüllte.

Wir dürfen nicht vergessen, wie Anti-Regierungs-Proteste in anderen Ländern in der Vergangenheit angeregt worden und/oder genutzt wurden von der CIA für schändliche Ziele. Das CIA-Drehbuch wurde so viele Mal wiederholt – vom Iran im Jahr 1953 über Chile im Jahr 1973 bis Haiti 1991 und 2004, Jugoslawien in den 1990er Jahren, Honduras im Jahr 2009, Libyen, Ägypten und Syrien, Venezuela, neben vielen anderen.  Das Ergebnis war der Sturz der Regierung. Wie können wir die verheerenden Folgen diese Coups vergessen? Manchmal ist die abgesetzte Regierung demokratisch gewählt, manchmal nicht, aber in jedem Fall war eine Regierung das Ziel, die Unabhängigkeit von den Forderungen der US-Außenpolitik zeigte.

Die CIA stiftet „demokratische“ Aufstände an, bezahlt gewalttätige Schläger. Das State Department, unterstützt von den Medienkonzernen, dämonisiert eine Regierung, ihre Führer und jeden, der sie unterstützt. US-kontrollierte Finanzinstitutionen schädigen die Wirtschaft des Landes und fördern so noch mehr Zerstörung und Gewalt. Dann greifen Schläger Regierungseinrichtungen und Privateigentum an und bedrohen, schüchtern ein und greifen an wie sie wollen. "False flag"-Scharfschützen und Verzerrungen durch Videos und Nachrichten schwächen jeden Sinn für Ehrlichkeit. Sechs Konzerne besitzen 90 Prozent der US-Medien. Sie überschwemmen die Nachrichten-Kommunikation hier und auswärts mit Propaganda, dass die "demokratische" Opposition nur die korrupte Regierung loswerden, Demokratie installieren und die Wirtschaft schützen will. Sie behaupten, es gehe um die Souveränität des Landes, dass es das Recht des Volkes dieses Landes sei, sein eigenes Schicksal zu bestimmen, ohne imperialistische Intervention. Sie geben vor, sich nicht für irgendeine Regierung einzusetzen. Wie können wir solche Lügen akzeptieren?
Was die USA und Europa in der Ukraine tun wird nur sehr langsam öffentlich bekannt. Die Friedensbewegung darf nicht schweigen!

Wir wissen, dass die neokonservative Staatssekretärin für europäische Angelegenheiten, Victoria Nuland, und der US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, erwischt wurden, wie sie bei einem Telefongespräch den  Staatsstreich besprachen. …

Eine gespaltene Ukraine ist anfälliger für Ausbeutung durch Konzerne, Sparmaßnahmen und Verarmung der Bevölkerung, die von außen aufgezwungen wurden. Die NATO bewegt sich weiter nach Osten, umgibt Russland rasch mit Basen und "Anti-Raketen"-Batterien, ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Konfrontation mit Russland. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski forderte, Russland aufzuteilen, jetzt wird die Ukraine geteilt.

Hauptexportgut des kapitalistischen Russlands ist Erdgas. Halliburton bemüht sich an führender Stelle, in der Ukraine Erdgas mit der Fracking-Methode gewinnen zu können. Dazu gehört, dass die USA größter Erdgasproduzent ist und das US-Außenministerium den Export unterstützt. Wenn die US-Regierung eine genehme Regierung in der Ukraine installiert, wird die US-Ölindustrie dabei unterstützt, den russischen Exportmarkt zu untergraben. …

Wir sollten jetzt das Ziel der Konzernmonopole erkennen. Zuerst stehlen sie die Souveränität der Ukraine, dann ihre Industrie und Ressourcen, dann folgen die Privatisierung und die Zerstörung der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft. Dann geht es weiter zu Russlands enormen Ressourcen. Teile und herrsche. Eine langfristige Politik der USA, Großbritannien und der anderen imperialistischen Staaten.

Diese Ereignisse verstärken die Gefahr einer explosiven Krieges, eines Flächenbrandes, der den Planeten einschließen konnte. Die Friedensbewegung gedenkt der Tragödie des Ersten Weltkriegs. Die heutigen Ereignisse erinnern an die kapitalistischen und imperialistischen Wettbewerbe, die zu ihr geführt haben. ..."

Kennt jemand einen ähnlichen Aufruf der Friedensbewegung hierzulande?
Nachtrag: Mindestens einen gibt es: Die "Friedenskoordination Berlin" hat einen Aufruf zu einer Protestkundgebung am 24. März 2014 veröffentlicht

Zum Thema siehe auch meinen Text "Wieviel kostet ein Staatsstreich und wer bezahlt die Folgen?

Mehr Informationen zu den erwähnten Gebrüdern Koch:
Der Freitag vom 28.10.10
Der Freitag vom 4.8.11
FAZ vom 29.7.12
taz vom 18.5.13
Die Zeit vom 25.6.12
Süddeutsche Zeitung vom 25.9.10
Politik & Kommunikation Heft 8/2011
zu den US-Gewerkschaften und den Brüdern

aktualisiert: 13:43 Uhr

Samstag, 15. März 2014

Bemerkungen zu den Ereignissen in der Ukraine – Folge 6

Fünfte Fortsetzung der Reihe ausgewählter Kommentare von mir zu den Ereignissen und Vorgängen in der Ukraine, samt Links zu interessanten Beiträgen, die ich seit Januar zu eigenen und anderen Beiträgen auf freitag.de gepostet habe, in chronologischer Reihenfolge. Die Reihe wird fortlaufend aktualisiert. (Hier geht es zu Folge 1, hier zu Folge 2, hier zu Folge 3, hier zu Folge 4, hier zu Folge 5)

Einen interessanten Überblick über die Ereignisse und die Mediendarstellung derselben bietet die Reihe "Machtergreifung" des Bloggers "MopperKopp" auf freitag.de samt der jeweiligen Kommentare in "Live-Ticker"-Art dazu (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)

9. März 2014
"Der Deutsche bildet sich ein, die Wahrheit zu kennen."
Das passt zu meinen Morgengedanken von heute, dass es für uns von so ganz außen sowieso schwierig ist, gewissermaßen unmöglich, die Wahrheit über das Geschehen herauszufinden. Das Einzige, was wir in dem Zusammehang tun können, ist auf die Interessen in dem Zusammenhang hinzuweisen, darauf, wem ein solches Ereignis nutzt. Dieses Ereignis erinnert mich übrigens an Geschehnisse in Syrien, wo es immer, wenn verhandelt wurde, ein Ansatz für Frieden gesucht wurde, und Syrien in der UNO besprochen wurde, es zu einem tatsächlichen oder mußmaßlichen Massaker kam, ein solches gemeldet wurde und prompt alle auf den bösen Bashar al-Assad schauten ... Und die Massaker u.ä. wie der Giftgaseinsatz am 21.8.13 in Damaskus passierten in/bei Anwesenheit internationaler Beobachter. In Kiew waren gerade die Außenminister von EU-Staaten anwesend ...

Interessanterweise hatte ja auch Spiegel online von den Dokumenten berichtet, am 26.2.14, und immerhin das so formuliert: "Offenbar plante er zum Schluss, die regierungskritischen Proteste auf dem Maidan in Kiew durch den Großeinsatz Tausender Sicherheitskräfte niederzuschlagen." Was da beschrieben wurde: "Den Dokumenten zufolge sollte der Unabhängigkeitsplatz in Kiew umstellt werden, Scharfschützen hätten das Feuer auf die Demonstranten eröffnen sollen. 22.000 Polizisten, darunter 2000 Spezialkräfte, sollten an der Aktion beteiligt werden." ist in der Form, in der Dimension aber nicht passiert, wenn ich mich recht erinnere und es überblicke. Es gab diesen Befehl nicht, bzw. er erfolgte so nicht. Das ist Fakt.

Hier nochmal der Hinweis auf einen interessanten Beitrag zum Thema, schon vom 20. Februar: Operation Winterzauber

... Aber die Medien sind nicht nur Opfer solchen undemokratischen Verhaltens , für die andere Länder gern zu "Diktaturen" erklärt werden. Nein, stattdessen sind vermeintliche Spitzenjournalisten und Sender- und Verlagsfunktionäre "ganz auf Linie mit den Eliten". Sie widerlegen damit die Legende von den Medien als "vierter Gewalt" und deren Kontrollfunktion in einer demokratischen Gesellschaft. Telepolis berichtete am 11. Februar 2013 über eine entsprechende Studie des Medienwissenschaftler Uwe Krüger. Die Daten seiner Analyse von Netzwerken "deuten darauf hin, dass sich Journalisten vielerorts in vertraulichen Runden mit den Mächtigen treffen". Krüger sieht das zu Recht "in einem klaren Gegensatz zu der demokratietheoretisch begründeten Erwartung, Journalisten sollten Distanz zu den Mächtigen halten, um sie kritisieren und kontrollieren zu können". Am auffälligsten sei der Befund, "dass vier leitende Journalisten der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt und der Zeit stark in US- und Nato-affinen Strukturen eingebunden waren."

... Beim Bayrischen Rundfunk kann ein bisschen was zu "Propaganda und journalitischer Ethik" nachgelesen und gelernt werden: "Journalismus heißt zunächst einmal: etwas öffentlich machen, etwas mittels Bild, Schrift, Wort und Ton vielen anderen zeigen, andere mit etwas bekannt machen. Darin liegen sowohl die Chancen als auch die ruinösen Abwege des journalistischen Berufs: Man kann etwas einseitig zeigen, oder etwas so erscheinen lassen, wie es in Wahrheit nicht ist, also lügen. Man kann etwas einseitig preisen und zur Schau stellen, also für etwas werben, sei es für ein Unternehmen oder eine Regierung, im Dienste einer demokratischen Partei oder auch eines Gewaltsystems."

Chodorkowski war auch schon da, und deutsche Journalisten sind ganz stolz darauf, ihn in Kiew getroffen zu haben

Ja, Wekwerth hat eben Recht: "Die Kosten des Psychologisierens sind gering, die Wirkung enorm." Und leider funktioniert es immer wieder bei zu vielen ... Zu wenige nehmen die Stimmen der Vernunft von Albrecht Müller, Reinhard Mutz und wie sie alle heißen, wahr. Selbst Gerhard Schröder hat anscheinend einen hellen Moment: "Ukraine-Konflikt: Schröder macht EU für Krim-Krise mitverantwortlich", meldet (ausgerechnet) Spiegel online.

Noch einige genauere Bemerkungen zum Inhalt Ihres Textes:
von verschiedenen Seiten auf die Demonstranten geschossen - Was ist mit den Polizisten, auf die erwiesenermaßen ebenso geschossen und von denen eine ganze Reihe ebenfalls erschossen wurde? Warum werden nur die Demonstranten erwähnt? Das passiert an mehreren Stellen.
Die Scharfschützen schienen dabei jeweils abzuwarten, bis wieder eine Gruppe von Demonstranten ins Schussfeld kamen, die die Verwundeten in Sicherheit bringen wollten. Dann wurden auch diese Helfer erschossen. - Diese Methode wird als "double tap" bezeichnet, die von den USA bzw. der CIA selbst bei Drohnenangriffen wie in Pakistan eingesetzt wurde. Das britische Bureau of Investigative Journalism (TBIJ) hat 2012 beschrieben, dass die CIA mit Drohnen ganz bewusst Personen ins Visier nahm, die beiDrohnenangriffen zu helfen versucht hatten: "CIA tactics in Pakistan include targeting rescuers and funerals". Das wurde russischen Truppen noch nicht vorgeworfen, so weit mir bekannt.
Warum werden nur die Aufnahmen des ukrainischen TV als aufklärend genommen, die von russischen Sendern als Propaganda abgetan? Dazu passend ein Beitrag von Russia Today, in dem ein Reporter des Senders beschreibt, was er in Kiew live erlebte und sah.
Trittbrettfahrer, der von der Aktion wusste, vom Hotel Ukraine geschossen hat - Spekulation, die voraussetzt, das jemand in das Hotel kam, mit Snipergewehr, während das Hotel beschossen wurde. Allerdings gibt es eben die ZDF-Aufnahmen von bewaffneten "Demonstranten" im Hotel.
Die Pläne für eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste, die sehr detailliert ausgearbeitet waren - Da ist die Frage, warum die Polizisten zum Teil aber so erstaunt waren, dass sie beschossen wurden, weil sie sich als gute Ziele anboten. Auch hierzulande würden Polizeikräfte nicht lange zuschauen, wenn sie beschossen werden. Es ist natürlich im Nachhinein einfach "Einsatzpläne" zu "entdecken", die in deutlichem Widerspruch stehen zu dem, was in der Realität abgelaufen ist. Es ließe sich auch fragen, auf welcher Seite das Innenministerium in Kiew gestanden hat.
Es bleiben Zweifel, auch an der von Ihnen als möglich dargestellten Variante.

Ich vergaß eben noch den Hinweis auf einen Beitrag bei globalresearch.ca, der einen historischen Überblick über das Auftauchen von "unbekannten Scharfschützen" bei westlichen Regimechange-Versuchen gibt.

10. März 2014
Ein Nachtrag zum Inhalt noch, den ich für wichtig halte: ... Britta Hilpert im ZDF-Spezial 19.20 Uhr: Wer den ersten Schuß abfeuerte, könne niemand mehr sagen, aber es sei klar, dass das nur die Regierungskräfte gewesen sein könnten, damit die EU-Außenminister, die zur selben Zeit in Kiew waren, denken, dass es die genau die "Demonstranten" waren, die mit ihren Gewehren nur zurückschossen, aber nun als die Ersten präsentiert werden konnten ...
Interessante Logik. Interessant auch, dass die Uniformierten sich ungestört filmen ließen, siehe hier. Einige dieser Aufnahmen zeigte auch Hilpert.
Letzteres finde ich bemerkenswert, wo es doch geheime Pläne von geheim Kräften gewesen sein sollen/könnten. Oder sollten die gesehen werden? Ich kenne die Antwort natürlich auch nicht.

Und ich freue mich über jedes Gegenbeispiel, Belege dafür, dass es auch anders geht als so, wie ich es kritisiere, wie z.B. den Beitrag von Gabriele Krone-Schmalz, frühere ARD-Korrespondentin in Moskau, in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Cicero: Es ist mal wieder soweit. Die Russen sind schuld. Wenn ein Dritter Weltkrieg droht, dann nur, weil die Russen, allen voran Putin, ihre imperialen Machtgelüste nicht in den Griff kriegen und ihre Einflusssphäre weiter nach Westen ausdehnen wollen. Von „Putins Psychokrieg“ ist in einschlägigen Sondersendungen die Rede und davon, dass der Kreml versucht, einseitig Grenzen zu verschieben. „Putin rudert zurück“, heißt es, weil Moskau jetzt Gesprächen zustimmt. Die Frage ist nur, wer denn da wirklich zurückrudert? Russland hat schon vor Monaten Gespräche zwischen Brüssel, Kiew und Moskau angeboten, die damals von EU-Seite schroff als völlig absurd zurückgewiesen wurden. Nach dem Motto: was hat Moskau damit zu tun, wenn die EU mit der Ukraine ein Assoziierungsabkommen unterzeichnet. – Eben doch eine ganze Menge. ..."
Das müssen Sie lesen!

... Ein Blick auf die freie Medienlandschaft hierzulande und ihre Vielfalt und ihre Freiheit: "Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Frei ist, wer reich ist. Das Verhängnis besteht darin, daß die Besitzer der Zeitungen den Redakteuren immer weniger Freiheit lassen, daß sie ihnen immer mehr ihren Willen aufzwingen." (Der Hamburger Publizist Paul Sethe in einem Leserbrief an den Spiegel vom 5. März 1965 - Quelle)

"Stephen Cohen hatte in der US-Zeitschrift The Nation am 11. Februar darauf hingewiesen, dass die mediale Aufregung um Nulands EU-Beleidigung nur ablenkte. Wichtiger sei gewesen, dass die US-Diplomaten planten, eine neue anti-russische Regierung in der Ukraine zu installieren und den gewählten Präsidenten „zu verdrängen oder zu neutralisieren“. Das bedeute einen Staatsstreich, machte Cohen aufmerksam."

• ... was bei Telepolis am 6.2.13 berichtet wurde: "EU plant Propaganda-Patrouille"
Da hieß es u.a.: "Dem Daily Telegraph gelang es, an "Politische Richtlinien für eine institutionelle Informations- und Kommunikationskampagne" der EU zu gelangen. In diesem als vertraulich gekennzeichneten internen Papier (zu dem man im EU-Parlament bislang keine Stellungnahmen abgeben möchte) wird beschrieben, wie "institutionelle Kommunikatoren" die öffentliche Meinung im Internet mit Hilfe von "Werkzeugen" beobachten und beeinflussen könnten. Sie sollen bereits "in einem frühen Stadium" herausfinden, ob "Debatten politischer Natur" auf Twitter, in Facebook, in Foren und in Blogs ein "Potenzial haben, Interesse von Medien und Bürgern auf sich zu ziehen".
Ein besonderes Augenmerk legt man dabei auf "Euroskeptizismus": Denn trotz der – so das Dokument wörtlich – "unbestreitbaren Erfolgsgeschichte" habe man feststellen müssen, dass aufgrund der "gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Krise" und hoher Arbeitslosigkeit das Vertrauen in die Brüsseler Institutionen schwinde. Man müsse deshalb, die Wahrnehmung, dass die EU eine Ursache dieser Probleme ist, "umdrehen" und die Parole kommunizieren, "mehr Europa und nicht weniger" sei die Lösung. ..."
Die Methoden klingen ähnlich bzw. gleich.

Die Briten bzw. ihre herrschenden Kreise hatten schon vorher Angst vor Russland, als dort noch der Zar regierte. Das schrieb unlängst Annika Mombauer in einem kleinen Buch zur "Juli-Krise 1914:
• „Andererseits stellte Russland, für den Fall, dass Frankreich und Russland aus einem Krieg gegen Deutschland siegreich hervorgehen würden, eine Bedrohung für das britische Empire dar, denn ein siegreiches Russland würde sich zweifellos als Nächstes gegen Indien richten. ‚Russland wäre in der Lage, in Regionen, in denen wir leider sehr schwach sind, für uns extrem unangenehm zu werden‘, sorgte sich Nicholson im Mai 1914. Solche Überlegungen spielten im britischen Foreign Office auch im Juli eine Rolle. Noch waren zwar Österreich-Ungarn und Deutschland die potentiellen Feinde, aber langfristig wurde die deutsche Furcht vor einem übermächtigen Russland sogar in London geteilt. Selbst in Paris war man davon überzeugt, dass die Russen in Zukunft unbesiegbar werden würden.“ (S. 84)
• „… Belgiens Schicksal würde die Briten nicht kaltlassen und konnte der Bevölkerung gegenüber als Erklärung dienen, warum man sich in diesen Krieg auf dem Kontinent einmischen musste, auch wenn für das Kabinett der ausschlaggebende Grund nicht Belgiens Schicksal, sondern Russlands zukünftige militärische Macht gewesen war. …
Die Entscheidung für eine Unterstützung der Entente-Länder, die dann am Nachmittag [des 2. August 1914 – HS] in einer zweiten Sitzung fiel, beruhte vor allem auf der Tatsache, dass man letztendlich in Whitehall ein feindliches Deutschland weniger fürchtete als ein feindliches Russland, …“ (S. 111ff.)
Als Deutschland dann 1917 half, Lenin nach Russland zu bringen, damit der den Kriegsgegner, das zaristische Russland schwächt, stürzten sich dann Briten, Deutsche, Franzosen, Japaner, Amerikaner usw. auf das durch Krieg und Revolution geschwächte und kriegsmüde Russland (Lenins 1. Dekret "An alle! An alle! An alle!" forderte Frieden). Woran sie damals aber scheiterten, das holen sie seit 1991 Stück für Stück nach. Und ukrainische "Nationalisten" rächten sich unlängst in Kiew an Lenin ... Darauf mussten sie lange warten.

Da muss ich nochwas aus dem Mombauer-Buch nachschieben: „Nach langen Debatten konnte man sich in Berlin dann endgültig darauf einigen, dass die Mobilmachung am 31. Juli um 12 Uhr erklärt werden und am nächsten Tag in Kraft treten sollte. Nun hoffte man inständig, Russland möge seine Mobilmachung zuvor bekannt geben, um den gewünschten Anschein zu erwecken, die deutsche Mobilmachung sei die Antwort auf die russische Generalmobilmachung, denn man wollte Petersburg ja die Verantwortung für die Eskalation der Situation zuschieben. …
Die Gesamtmobilmachung in Russland am 31. Juli machte zwar einen Krieg wahrscheinlicher, aber sie war nicht der Grund für den Ausbruch des Krieges.“ (S. 102f.)
So alt, so aktuell, bloß der Krieg bleibt in diesem Fall hoffentlich allen erspart, dieser eine. Es gibt immer noch genug bzw. zu viele Kriege auf dieser Welt. Schon jeder einzelne davon ist einer zu viel.

... Der Westen führte auch einen Untergrundkrieg gegen die UdSSR nach 1945, auch auf dem Boden der Ukrainischen Sowjetrepublik: "Bandera, dessen Milizen im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Massaker begingen, darunter Massaker an Juden, erhielt nach Kriegsende Zuflucht in der Bundesrepublik - wie zahlreiche andere ukrainische NS-Kollaborateure auch. Andere wurden von der CIA in die Vereinigten Staaten verbracht, um dort für die Unterstützung verdeckter Operationen auf sowjetischem Territorium zur Verfügung zu stehen. Gemeinsames Ziel der Bundesrepublik und der USA war es, durch Unterstützung der ukrainischen Nationalisten die Sowjetunion zu schwächen und einen Sieg im Systemkampf herbeizuführen." (Quelle) In der TV-Doku "Hinter den feindlichen Linien - Geheimoperationen im Kalten Krieg" gibt es ebenfalls Infos dazu, u.a. hier nachschaubar

RIA Novosti, 8.3.14: In der krisengebeutelten Ukraine sind womöglich Dutzende tragbare Flugabwehr-Raketensysteme vom Typ Igla aus Waffenlagern im Westen des Landes gestohlen worden. Dies teilte ein ranghoher ukrainischer Offizier RIA Novosti mit.
Das Verschwinden der Fla-Raketen sei unter anderem aus dem 80. Luftlanderegiment und der 27. mobilen Brigade gemeldet worden, hieß es. Die beiden Einheiten sind im Raum Lwow (Lemberg) stationiert. Der Quelle zufolge versucht die neue Leitung des Verteidigungsministeriums, den Vorfall zu verschleiern, indem sie die betroffenen Munitionslager mit veralteten Waffen auffülle.
Die Boden-Luft-Lenkwaffe Igla (Nato-Code SA-18 Grouse) dient zur Bekämpfung von tieffliegenden Luftzielen. Die Weitergabe dieser Waffe ist durch internationale Verträge eingeschränkt, um ein Gelangen in die Hände der Terroristen zu verhindern.
RIA Novosti, 10.3.14: Militante Nationalisten aus dem Westen der Ex-Sowjetrepublik, angeführt vom sogenannten Rechten Sektor, trieben im Osten der Ex-Sowjetrepublik mit Duldung der neuen Behörden in Kiew ihr Unwesen, hieß es in einer am Montag in Moskau veröffentlichten Mitteilung des russischen Außenamtes. „In Charkow hatten gut ausgerüstete maskierte Menschen das Feuer auf friedliche Demonstranten eröffnet. Es gab Verletzte.“
Als anderes Beispiel führte das Außenministerium die Festnahme von sieben russischen Journalisten in der Stadt Dnepropetrowsk an. Das sei die „Pressefreiheit“ auf ukrainisch, hieß es. Zudem lasse der ukrainische Grenzschutz russische Bürger nicht in die Ukraine einreisen und gefährde somit die Grenzzusammenarbeit zwischen beiden Ländern. „Erstaunlich ist das beschämende Schweigen unserer westlichen Partner… Wo bleiben denn ihre sattsam bekannte Objektivität und die Treue zur Demokratie?“, fragte das russische Außenministerium.
RIA Novosti, 10.3.14: Ukrainische Radikale bereiten am Tag des Krim-Referendums Provokationen an der administrativen Grenze zur Schwarzmeer-Halbinsel vor. Das erfuhr die Nachrichtenagentur RIA Novosti am Montag aus Quellen in den ukrainischen Geheimdiensten.
Details lagen zunächst nicht vor. Das Referendum über den Beitritt der Krim zum Staatsverband Russlands ist zum 16. März angesetzt.
RIA Novosti, 10.3.14: Fünf Tage vor dem Referendum auf der Krim über den Beitritt der Halbinsel zu Russland hat das Verteidigungsministerium in Kiew eine großangelegte Überprüfung der „Kampfbereitschaft“ der Truppen befohlen.
Am Montag seien alle Armeeverbände in erhöhte Bereitschaft versetzt worden. Laut Plan sei die Armee landesweit zu Übungen ausgerückt, wie der kommissarische Verteidigungsminister Igor Tenjuch am Montag im ukrainischen Fernsehen mitteilte. Zugleich sagte er, die Staatsführung wolle die Krise in der Ukraine „ausschließlich mit friedlichen diplomatischen Mitteln“ beilegen.
Zuvor war mitgeteilt worden, dass ukrainische Armeeangehörige seit über einem Monat keinen Sold bekommen. Es gebe Probleme mit Lebensmittelversorgung der Armee. „Bislang bleibt unklar, welche Budgetpositionen gekürzt werden sollen, um Geld für die Militärs zu finden“, sagte ein Kabinettsmitglied in einem RIA-Novosti-Gespräch in Kiew. Nach Regierungsangaben laufen Soldaten der ukrainischen Streitkräfte, die ihren Dienst auf der Krim ableisten, massenweise auf die Seite der Krim-Behörden über.
RIA Novosti, 10.3.14: Die jüngste Entwicklung in der Ukraine kann nach Worten von Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski eine weitreichende Umgestaltung der gesamten europäischen Politik zur Folge haben.
„Das, was sich jetzt in der Ukraine tut, ist ein Ereignis von Weltmaßstab, dessen Bedeutung weit über die Grenzen der Ukraine hinausgeht. Das kann die gesamte europäische Politik krass ändern, worüber sich noch nicht alle klar geworden sind“, sagte der einstige Ölmilliardär am Montag an der Kiewer Polytechnischen Hochschule. „Zum ersten Mal nach der Jalta-Konferenz (der Alliierten/Februar 1945 – Anm. der Redaktion) wird die gesamte europäische Struktur neu gestaltet.“
Wie schrieb Schachspieler Zbigniew Brzezinski in seinem Buch über "Die einzige Weltmacht" USA auf S. 129: "Nachdem das Europa von Jalta der Vergangenheit angehört, geht es darum, zu einem Versailler Europa zu kommen. Das Ende der europäischen Teilung sollte ... der Ausgangspunkt für die Gestaltung eines größeren und zunehmend integrierten Europas sein, das, gestützt auf eine erweiterte NATO und durch eine konstruktive Sicherheitspartnerschaft mit Rußland, sicherer als bisher sein wird. Amerikas zentrales geostrategisches Ziel in Europa läßt sich also ganz einfach zusammenfassen: durch eine glaubwürdigere transatlantische Partnerschaft muß der Brückenkopf der USA auf dem eurasischen Kontinent so gefestigt werden, daß ein wachsendes Europa ein brauchbares Sprungbrett werden kann, von dem aus sich eine internationale Ordnung der Demokratie und Zusammenarbeit nach Eurasien hinein ausbreiten läßt."
RIA Novosti, 25.6.12: Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich entschieden gegen eine Revision der Geschichte des Zweiten Weltkrieges gewendet.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow am 15.1.10: "In den letzten Jahren haben sich verschiedenartige politische Kräfte aktiviert, die mittels eines wählerischen oder einfach schwindlerischen Ansatzes zu den Ereignissen dieser Periode die Geschichte zugunsten der politischen Konjunktur falsifizieren und die Ergebnisse des Zweiten Weltkrieges, die in der UN-Charta und in anderen internationalrechtlichen Dokumenten verankert sind, einer Revision unterziehen. ...
Die Falsifikatoren der Geschichte vergessen, was sie infolge des Befreiungsmarsches der Roten Armee errungen haben, unter anderem auch in territorialer Hinsicht. Der Sieg über den Faschismus und die dem Krieg vorausgehenden Ereignisse – egal wie man zu ihnen steht – bestimmten die modernen Grenzen der Staaten von Mittel-, Ost- und Südosteuropa, sowie im Raum der ehemaligen Sowjetunion, mit denen der größte Teil der Mitglieder der euro-atlantischen Familie einverstanden ist. Möchten wir in die Vergangenheit – in ein Europa, das durch territoriale Fragen belastet ist – zurückkehren? ...
Letztendlich hat Russland im Zweiten Weltkrieg wieder einmal seine historische Mission der Rettung Europas vor der gewaltsamen Vereinigung und seinem eigenen Wahnsinn erfüllt. Es genügt sich an August 1914 zu erinnern, wo durch die Selbstaufopferung der russischen Truppen in Ostpreußen das Ende des Ersten Weltkrieges vorbestimmt wurde. Es ist zynisch und frevelhaft, die Ereignisse der Nachkriegszeit in Mittel- und Osteuropa mit der nazistischen Invasion zu vergleichen, obwohl sie auch mit Tragödien verbunden waren. ...
Der Fall der Berliner Mauer verzeichnete das Ende des „Kalten Krieges“. Damals gab es eine Möglichkeit, entschlossene Schritte zur Überwindung der ideologischen, militärisch-politischen und andersartigen Spaltung des europäischen Kontinents zu unternehmen. ... Leider schlugen unsere Partner einen anderen Weg ein: die Erweiterung der NATO, was, nach Worten von George Kennan, zum „größten Fehler des Westens in den letzten 50 Jahren wurde“. Der Austritt aus dem „Kalten Krieg“ wurde nicht internationalrechtlich verankert, es gelang nicht, die Block-Ansätze zur Gewährleistung der Sicherheit, die im Grunde genommen zu Konfrontationen führen, hinter sich zu bringen. Es ist zu hoffen, dass der „Korfu-Prozess“, wenn man ihn ordentlich angeht, es im gewissen Maße ermöglicht, die Erwartungen zu verwirklichen, die man mit der OSZE auf der Anfangsetappe des Austritts aus dem „Kalten Krieg“ verbunden hatte. ..."

Ich befürchte, die derzeit herrschenden Kräfte in der EU haben kein Interesse an Kooperation. Und ich befürchte, sie sind in ihrem Hunger danach, Russland zu demütigen noch nicht satt. Hinzu kommt, was Brzezinskis schon mehrfach zitiertes Buch andeutet: Die EU wird darin zumindest als Mittel gesehen, um US-Interessen durchzusetzen. Die "Kalten Krieger" sitzen in den USA, in den herrschenden Kreisen mit all ihren Zirkeln, in Ämtern, in Uniform usw. Sie waren nie weg, sie mussten nie ihren Platz räumen nach 1989/90, anders als ihre Gegenspieler im Osten, im einstigen "sozialistischen Lager", wo nur eine Chance bekam, wer die Seiten wechselte.
Der Reihe nach: Zahlreiche Kommentatoren haben darauf hingweisen, dass die EU mit ihrer Haltung gegenüber der Ukraine bezüglich des Assoziierungsabkommen den Konflikt mindestens mit verursacht durch die Entweder-Oder-Haltung, entweder EU oder Russland, siehe die Äußerungen von Gerhard Schröder, von Gabriele Krone-Schmalz usw. Janukowitsch hatte nicht vollständig Nein gesagt, sondern Bedingungen für das ukrainische Ja gestellt, im Dezember signalisierte die ukrainische Regierung Bereitschaft, worauf die EU zwei Tage später dann nicht mehr wollte, siehe unter anderem den Nachtrag zu meinem Text vom 26.2.14 (am Ende). Soweit in aller Kürze zur Rolle der EU als Anheizer des Konfliktes, ja als Brandstifter, mit allen Politikerauftritten in Kiew usw.
...
Damit komme ich zu dem, was ich heute fand und mich im ersten Moment verblüffte, aber mir folgerichtig erscheint, also den nächsten Zug des Westens gegen Russland auf dem geopolitischen Schachbrett andeutet: Im aktuellen Heft des Magazins Zenith (März/April 2014) schreibt der Orientwissenschaftler Prof. Udo Steinbach auf S. 50, die EU sei zu "einem Faktor im Kräftespiel im südlichen Kaukasus geworden". Die Region sei für die EU "um so essentieller, je mehr sein Interesse an den Öl- und Gasreserven Aserbaidschans und des kaspischen Raums wuchs." Und weiter: "Georgien entwickelt sich mit Nachdruck auf Europa hin. ... Das autokratisch regierte Aserbaidshan sucht über sein energiepolitisches Gewicht eine strategische Beziehung mit der EU einzugehen. Russland ist bemüht, diesen Prozess der Abkoppelung der ehemaligen Teile seines Imperiums zu blockieren. ...
Armenien aber ist der Punkt, an dem Moskau besodners nachhaltig angesetzt hat, das Abdriften der kaukasusrepubliken aus seinem orbit zu verhindern. Wie die Ukraine hätte Armenien Ende November 2013 auf dem Gipfeltreffen in Vilnius der 'Östlichen Partnerschaft' mit der EU beitreten sollen. Mit der gleichen politische und wirtschaftlichen Brachialgewalt wie im Falle Kiews [EU-Botschafter Jan Tombinski: "Die Kredite der EU und des Internationalen Währungsfonds waren gebunden an Reformen. Das ist die Hilfszahlung Russlands nicht." Epoch Times, 21.12.13] wurde Yerevan daran gehindert, diesen Schritt zu tun. Die von Moskau verordnete alternative Marschrichtung heißt Eurasische Zollunion.Das aber ist nicht das letzte Wort. Die EU ist attraktiv im südlichen Kaukasus. Nach den Spielen von Sotschi sie Sorge tragen, dass sich die russische Führung auch den Anliegen der Völker des nördlichen Kaukasus öffnet. Die Anerkennung ihrer Identität im Licht der Geschichte steht hoch auf deren Agenda."
So schreiben und denken (intellektuelle) Kalte Krieger, die mit Moskau noch lange nicht fertig sind ...

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