Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
Posts mit dem Label Herrschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Herrschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 18. März 2020

Gesammelte unsortierte Gedanken zur Corona-Krise

16.3.2020:

Schon bevor ich las, was der Lungenarzt Wolfgang Wodarg zur Corona-Hysterie bzw. -panik schrieb (https://multipolar-magazin.de/artikel/coronavirus-panikmacher-isolieren), habe ich mich gefragt, wie denn die Todesursachen in Deutschland quantitativ vorher verteilt waren, welche Rolle Lungenkrankheiten dabei spielen. Ich hab nun endlich nachgeschaut und fand die Zahl von 68.400 Erkrankungen des Atmungssystems als Todesursache 2017. An Pneumonie, einer Lungentzündung, (ohne Angaben des Erregers) starben danach rund rund 19.100 Menschen der insgesamt über 930.000 Gestorbenen. (Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Todesursachen/_inhalt.html) Hier gibt es noch weitere Zahlen: https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?sequenz=tabelleErgebnis&selectionname=23211-0002

Mich beschäftigt in dem Zusammenhang die ganze Zeit die Frage der Verhältnismäßigkeit dessen, was inzwischen zur nationalen Krise hochstilisiert wird. Wenn ich mir die Zahlen anschaue, werden meine Fragezeichen nicht kleiner und die Aussagen von Wodarg verständlicher. Aus meiner Sicht jedenfalls. Ich frage mich, was hier läuft.

Eine Antwort dazu aus dem Freundeskreis:
Interessant. Ich habe allerdings gelesen, dass die Todesursache bei Corona ein Organversagen ist, keine Pneumonie. Eine tödliche Überreaktion des Immunsystems. Falls meine Information stimmt, vergleichst Du Äpfel mit Birnen.
Der nachfolgende Beitrag ist eindrücklich, weil ein Arzt nüchtern rechnet:
https://www.medi-sphere.be/fr/debats/coronavirus-armageddon-ou-foutaise.html


Meine Antwort:
Ja, es bleibt die Frage, was die Todesursache ist. Zumindest bleibt da die Zahl von insgesamt 68.400 Erkrankungen des Atmungssystems als Todesursache, also der verschiedenen Arten. Und als Vergleichszahl bleibt die Pneumonie-Sterbezahl interessant. Die lag in Deutschland für 2017 bei 50 Menschen pro Tag!
Vorhin habe ich Dir auch noch einen Link aus der FAZ dazu geschickt. Und der Lungenarzt Wolfgang Wodarg, auf den ich heute schon hinwies, sagt auch Interessantes. Interesant finde ich seine Aussagen, weil er in Medizin und Politik und Epidemiologie gearbeitet hat.
siehe: https://hallolindenlimmer.de/debatte-corona-kontrovers-dr-wodarg-videos/

Und dazu das hier: "Die außergewöhnlich starke Grippewelle 2017/18 hat nach Schätzungen rund 25.100 Menschen in Deutschland das Leben gekostet." https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106375/Grippewelle-war-toedlichste-in-30-Jahren
Da gab es keinen nationalen Notstand …

Noch eine Anmerkung zu Deinen interessanten Gedanken: Ist ein Organversagen nicht immer am Ende eine Ursache, auch bei einer Lunge nach einer Lungenentzündung, oder nach einem Blutgerinnsel oder was auch immer? Das Organversagen steht immer am Ende und erfolgt nicht sofort nach Virusbefall. Ich lese gerade das Buch "Hot Zone", da wird beschrieben, wie das Ebola-Virua zu Organversagen führt. Aber am Ende will ich gar nicht Lungenentzündung direkt mit der Erkrankung durch den neuen Corona-Virus vergleichen. Ich bin ja auch kein Arzt. Was mich dabei beschäftigt, bei diesen Zahlen, sind die Dimensionen, die Größenordnungen im Vergleich, die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen bei vergleichbaren Krankheiten, ohne diese Krankheiten gleichzusetzen. Und die Zahlen der Grippetoten 2017/18 in D halte ich schon für ebenso bemerkenswert. Da ist der genaue Erreger noch gar nicht benannt.
Und ich weiß nicht, ob nicht jemand, der eine "normale" Grippe, die auch durch einen Corona-Virus ausgelöst werden kann, eben nicht auch eine Erkrankung, grippeähnlich, durch den neuen Corona-Virus überstehen kann. Und wenn eine "normale" Grippe harmloser sein sollte, wäre die Frage, warum sterben daran jährlich so viele. Das ist ja gerade das, was die Experten sagen, dass nicht jeder, der infiziert wird, daran zu Grunde geht. Und das Virus hat bestimmt keinen Rezeptor für das Alter der Betroffenen ... Entscheidend ist wahrscheinlich mit und ausschlaggebend, wie stark das jeweilige Immunsystem der Betroffenen ist. Da sind chronisch Kranke und Ältere sicher gefährdeter. Zu denen ich mit meinem hohen Blutdruck und meinem Heuschnupfen auch zähle, weshalb mich meine Hausärztin im vergangenen Herbst übrigens gegen Lungenentzündung impfte. Diesen Grund hat sie mir heute erklärt, weil ich das schon damals merkwürdig fand.
Die Übertragungsrate wird vom Chef-Virologen der Charité, Christian Drosten, mit 1:3 angegeben. Bei Masern liegt sie nach seinen Angaben bei 1:18.
Aber das sind alles nur Gedanken und ich weiß es auch nicht und bin kein Mediziner. Mir kommen die Verhältnisse der ganzen Geschichte komisch vor. Und warum sollte ich den Politikern und ihren Knechten jetzt glauben und vertrauen, wenn sie mich ganz offensichtlich vorher und nachher anlügen?

Neue Antwort:
Hier nochmals: Corona ist weniger lethal als SARS und MERS, bereitet sich aber viel schneller aus. Die exponentielle Verbreitung ist der springende Punkt. Beachte die Zeitspanne im Text, Corona mit rund 2 Monaten verglichen mit rund 8 Monaten bei den 2 anderen:
https://www.deutschesgesundheitsportal.de/2020/03/13/ausbreitung-betroffene-todesfaelle-coronaviren-im-vergleich/?indication=covid-19&utm_source=DGP_Fachletter_Presse&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=DGP_Fachletter_Presse_D


:::::::::

Da sagt ein Virologe: Der Virus ist relativ ungefährlich und er wird nicht zu mehr Toten führen als es jährlich gibt. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/virologe-hendrik-streeck-ueber-corona-neue-symptome-entdeckt-16681450.html
Das hat Drosten auch schon gesagt.
Da frage ich mich, was die ganze Hysterie soll? Oder verstehe ich da was falsch? Läuft hier ‘ne Großübung für was ganz Anderes?

::::::::::::

Mich beschäftigt weiter die Frage, warum wegen eines laut Virologen nur wenig gefährlicher Virus ein Politiker wie der Ministerpräsident vom Saarland sagt, wir wären alle in großer Gefahr, weshalb der Staat zu Maßnahmen greifen müsse wie nach dem letzten Krieg nicht mehr. So weit ich es überblicke, stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht. Mich beschäftigt die Frage, ob da genutzt wird, was Theo Waigel 1996 sinngemäß so schrieb, dass sich in Krisenzeiten am besten Reformen durchsetzen lassen. Also da warnen seit langem verschiedene Finanz- und Wirtschaftsexperten vor der nächsten Wirtschafts- und Finanzkrise, schlimmer als 2008. Das Buch von Dirk Müller „Machtbeben – Die Welt vor der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten“ (als Taschenbuch 2020) ist nur eines dazu. Da tauchte bei mir die Frage auf, ob der gewissermaßen geplante Shutdown der Wirtschaft wegen der verkündeten Corona-Gefahr nicht der Versuch sein könnte, die drohende Krise quasi gesteuert vorweg zu nehmen, um die Folgen zu vermeiden und das System gesteuert neu zu justieren, bevor es zum nächsten nicht kontrollierbaren Crash kommt. Die Kosten des Shutdown dürften geringer als die eines neuen Crashs sein, die Großen werden wieder gerettet und die Kleinen interessieren sowieso nicht. Und die Bevölkerung schluckt es besser, da sie ja vor einem gefährlichen Virus gerettet wird. Dafür bringt sie ja gern Opfer. Gab es deshalb im Oktober 2019 das passende Pandemieplanspiel von The Johns Hopkins Center for Health Security, World Economic Forum (WEF) und der Bill & Melinda Gates Foundation? Hieß "Event 201" und hat immer noch eine eigene Website: http://www.centerforhealthsecurity.org/event201/
Rettet sich hier grade der Kapitalismus mit Hilfe eines Virus?
Ich weiß es nicht. Ich frage mich nur und suche die Antwort.

:::::::

17.3.2020:

Das finde ich nicht minder bemerkenswert: https://www.helmholtz-hzi.de/de/wissen/themen/keime-und-krankheiten/coronaviren/
Da steht nochmal, was ich schon las und hörte, dass Corona-Viren nicht erst seit SARS oder MERS unter den Menschen sind und unter anderem für Erkältungskrankheiten sorgen. Ich habe den Eindruck, dass zu oft auf die Extremfälle geguckt wird. Und die Grippetotenzahlen in D von 2017/18 wurden damals schon kaum groß bemerkt oder beschrieben.
Und es bleibt für mich weiter die Frage nach der Verhältnismäßigkeit im Vergleich zu allen Erkrankungen ähnlicher Art und deren Folgen einschließlich der Todesfälle.
Ich weiß wie gesagt fast nichts und versuche nur zu verstehen.

::::::::::::

Mich erstaunt auch, dass die politische Elite plötzlich mit Maßnahmen tief in die Gesellschaft eingreift und das mit dem Schutz der Schwachen und Schwächsten begründet, also genau der Gruppe, die genau diese Politiker und die tatsächlich Mächtigen seit ich weiß nicht wann nur wenig bis gar nicht interessiert, die also nachgewiesenermaßen eine Politik gegen diese Schwachen machen. Da stehen Politiker wie gestern der Ministerpräsident vom Saarland im TV und erklärt, dass eine große Gefahr drohe und alle geschützt werden müsse. Da krieg ich doch meine Zweifel ...
Ich weiß immer noch nicht, warum ich jetzt Politikern glauben sollen, die uns sonst nach Strich und Faden belügen, mit allen Tricks von Massenpsychologie und Propaganda, die ja PR heißt...

:::::::::::::::::

Das passt zu meinen Fragen, wessen Interessen die regierende Politik auch diesmal vertritt:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=59355

::::::::::::::::::

Ist das https://app.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-wie-eine-corona-oekonomie-aussehen-muss/25642468.html
die Bestätigung für das, was ich als vorbeugenden Shutdown durch die Corona-Krise vermute?

:::::::::::::::::::::

18.3.2020:

Aus den Nachrichten: Covid-19 - Weltärztebund gegen Ausgangssperren
Der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hält Ausgangssperren zur Eindämmung der Corona-Pandemie für falsch. Der deutsche Radiologe verwies gegenüber der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf auf das Beispiel Italien. Dort habe sich die Ausbreitung des Corona-Virus innerhalb des Ausgehverbots überhaupt nicht verlangsamt.
http://www.deutschlandfunk.de/covid-19-weltaerztebund-gegen-ausgangssperren.1939.de.html?drn:news_id=1111665
Eine der wenigen Stimmen der Vernunft gegen den politischen Aktionismus

:::::::::

Vielleicht gehen meine Vermutungen über die politökonomischen Interessen an der Corona-Krise von zu viel Rationalität im Denken der Handelnden aus.
:::::::::

Zweifel und Fragen an dem politischen Panik-Aktionismus werden in solchem Zeiten ganz schnell in eine schlechte Ecke abgedrängt, schon bevor die Antworten kommen. Das ist eines der Mittel der Kriegspropaganda, Zweifel als Verrat zu diffamieren. Ein Freund, der aus den USA stammt, meint, da läuft ein Krieg, gegen China. Diesmal werde nicht mit Cyberwarfare gegen den Feind vorgegangen, sondern mit Biowarfare, also mit analogen statt digitalen Viren, wobei das Ziel das gleiche ist : Die Wirtschaft des Feindes.
Ich weiß nicht, ob er Recht hat.

:::::::::::::::::

Der Physiker Alexander Unzicker meint, der Chef-Virologe der Berliner Charité solle endlich schweigen, weil er angeblich falsche Ratschläge gebe:
https://www.heise.de/tp/features/Coronavirus-Warum-Herr-Drosten-jetzt-endlich-schweigen-sollte-4684176.html
Ich meine dazu:
Was Unzicker schreibt ist interessant. Aber auch er macht einen Fehler, indem er immer wieder zitiert, was einzelne Ärzte ihm erzählt haben, vor allem in Italien. Mich hat am Freitag eine HNO-Ärztin angemeckert, weil ich sie ausversehen kurz angepustet habe, Corona-symptomfrei wie ich bin. Ich war wegen was anderem bei ihr. Meine Hausärztin, die mich im September (sic!) gegen Lungenentzündung impfte, weil sie Impffan ist, wie sie mir dazu erklärt hat, sagte mir am Montag, sie würde sich am liebsten als Erste gegen Covid-19 impfen lassen, sobald der Impfstoff da ist. Der Hausarzt meiner Eltern, beide um die 80 und damit potentiell gefährdet, dagegen ist laut meiner Mutter ganz entspannt und eher skeptisch gegenüber der Hysterie.
Wem glaube ich nun? Unzicker ist sicher ein kluger Kopf, aber warum meint er, als Physiker und Jurist weiß er es besser als ein Virologe und ein Lungenarzt? Sicher können sich auch Drosten und Wodarg irren, aber auch der Drosten-Nachfolger in Bonn hat kürzlich in der FAZ ähnlich wie sein Vorgänger geäußert.
Am schlimmsten finde ich, dass die Hysterie sich noch schneller als das Virus verbreitet. Da fällt mir noch ein, weil Unzicker die chinesischen Massnahmen so gut findet, dass ich las, dass sehr viele Menschen Wuhan bereits verlassen hatten, ehe das Gebiet abgeriegelt wurde, und sich im Land verteilten, eben weil die chinesischen Behörden die Maßnahmen so spät ergriffen. Heute hörte ich im Deutschlandfunk, dass der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, die Ausgangssperren als nicht sinnvoll und nicht zielführend eingeschätzt hat, was sich in Italien gezeigt habe. Wird Unzicker nun auch Montgomery für unwissend erklären, weil der Radiologe ist?
Ich frage mich immer noch, was hier läuft.

An allem ist zu zweifeln, soll Karl Marx mal festgestellt haben.

Freitag, 19. Februar 2016

Ein Frage und keine Antwort

Kann eine Gesellschaft, die zunehmend als desintegriert gilt, andere Menschen, die zu ihr kommen, integrieren?

Ein Freund berichtete mir heute davon, dass er jemand aus dem Bereich der sozialen Arbeit davon reden hörte, dass es nach der ganzen Debatte um die Ankunft der Flüchtlinge hierzulande nun um deren Integration gehe. Damit würden sich in Zukunft all jene beschäftigen müssen, die den Flüchtlingen bisher ermöglichten, hier anzukommen.

Als ich das hörte, wurde ich wieder an etwas erinnert, was mir bei der ganzen Debatte und der gleichzeitigen Fremdenfeindlichkeit, für die Ereignisse wie der Angriff auf einen Bus mit Flüchtlingen in Sachsen stehen, unlängst wieder einfiel: Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat nicht nur mit seinem Buch "Was treibt die Gesellschaft auseinander?" bereits 1997 u.a. festgestellt und gewarnt, "daß Desintegration zu einem Schlüsselbegriff gesellschaftlicher Entwicklungen avancieren wird". Zusammen mit anderen Wissenschaftlern hat er in der Folge die Langzeitstudie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit durchgeführt, die in zehn Büchern unter dem Titel  "Deutsche Zustände" nachlesbar ist. Auf der Rückseite von Band 9 aus dem Jahr 2010 ist zu lesen: "Wie können nur hoffen, daß sich die Verunsicherung der Menschen angesichts der Krise sowie die damit verbundene Abwertung und Diskriminierung schwacher Gruppen nicht weiter zuspritzt. In jedem Fall stehen hier die Eliten in der Verantwortung – Eliten, von denen freilich niemand so recht weiß, ob sie nicht längst selbst zu einem Teil des Problems geworden sind."

2011 zog Heitmeyer am Ende der Langzeitstudie in Band 10 u.a. folgendes vorläufiges Fazit der Untersuchungen und Beobachtungen:
"• In der religiösen Sphäre ist das friedliche und vom Ideal der Gleichwertigkeit geprägte Zusammenleben der Menschen unterschiedlichen Glaubens immer noch latent gefährdet. Immer weniger Menschen wollen in Gebieten mit vielen Moslems leben. ...
• In der sozialen Sphäre haben die Ökonomisierung des Sozialen und die Staatsunsicherheit mit den verschiedenen Desintegrationsängsten und -erfahrungen eine Kernrelevanz für die steigenden Abwertungen der als 'Nutzlose' und 'Ineffiziente' deklarierten Gruppen, also von Hartz-IV-Empfängern und Langzeitarbeitslosen. ...
• In der politischen Sphäre gibt es mit der Wahrnehmung einer Demokratieentleerung, also von Vertrauensverlusten und einem Gefühl der Machtlosigkeit, ernste Warnsignale, da die Anfälligkeit für rechtspopulistische Mobilisierung auffällig ist.
• In der ökonomischen Sphäre scheint weiterhin eine Mentalität vorzuherrschen, die von der grundgesetzlichen Maxime, laut der Eigentum verpflichtet (etwa zur Verhinderung sozialer Desintegration), wenig wissen will. So diagnostiziert Rainer Geißler (2010, 11) eine sozialstrukturelle 'Polarisierung zwischen Armen und Reichen bei schrumpfender Mitte' und eine höhere Anzahl von Abstiegen unter Angehörigen der sogenannten 'Mittelschicht'. ... gleichzeitig setzt das Öffnen der Schere ... offensichtlich auch polarisierende Einstellungen frei. So glauben 2011 im Vergleich zu 2006 signifikant mehr Befragte mit höherem Einkommen, denen, die an ihrer Not eine Mitschuld tragen, solle nicht geholfen werden. ..."

Der Soziologe schrieb vor fünf Jahren von der "geballten Wucht, mit der die Eliten einen rabiaten Klassenkampf von oben inszenieren" und von der zeitgleichen "Transmission der sozialen Kälte durch eine rohe Bürgerlichkeit, die sich selbst in der Opferrolle wähnt und deshalb schwache Gruppen ostentativ abwertet". Das zeige, "daß eine gewaltförmige Desintegration auch in dieser Gesellschaft nicht unwahrscheinlich ist". Das wurde wie gesagt vor fünf Jahren geschrieben. Die regierende und etablierte Politik hat bis heute nicht darauf reagiert. Auch die Medien – ich habe die letzte Pressekonferenz zu der Langzeitstudie miterlebt – schauten nur kurz auf und machten dann wie gehabt und die Probleme ignorierend weiter.

Mich beschäftigt seitdem die Frage, wie eine Gesellschaft, die so gekennzeichnet ist, es leisten und schaffen kann, eine Vielzahl von Menschen, die vor allem aus existenziellen Nöten ins Land kommen, zu integrieren. Eine Antwort habe ich nicht, nur Befürchtungen ...

PS: Am 22. Februar spricht der britische Journalist Antony Loewenstein, Autor des Guardian und Verfasser des Buches "Disaster Capitalism", im Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) darüber, wie die Regierungen in der EU, samt der deutschen, das Problem des Zustroms der Flüchtlinge bewältigen wollen, indem sie versuchen, diese fernzuhalten. Dabei sei die EU unfähig und unwillens zu einer vernünftigen Alternative und würde nur der Linie der USA, Großbritanniens und Australiens folgen, die führend seien bei der Privatiserung der Flüchtlingskrise, in dem sie alles von der Versorgung bis zur Überwachung an private Unternehmen übergeben. Das sei gefährlich für die Demokratie, meint Loewenstein und will in Berlin alternative Lösungen anbieten.

Sonntag, 31. Januar 2016

Ist der Westen pervers?

Menschen zu Flüchtenden machen, sie locken und dann die Grenzen dicht machen. Und die eigenen betrogenen Bürger zu Handlangern machen. Wenn das nicht pervers ist ... Eine Polemik

Erst zerstört er direkt und indirekt durch offene und verdeckte Kriege funktionierende Staaten und Gemeinwesen, wie zum Beispiel Irak, Libyen und Syrien, zuvor in Jugoslawien. Das geschieht auch mit nichtmilitärischen Mitteln. So beispielsweise in Somalia, wo erst die Lebensgrundlage der Fischer zerstört wird und sie dann als Piraten bekämpft werden. Die genannten Länder sind nur einige Beispiele für eine größere Zahl. Die zerstörten Staaten werden dann von uns fälschlicherweise „zerfallende Staaten“ genannt. Wenn dann sich deren Bewohner zu uns auf den Weg machen, dann schließt der Westen seine Grenzen. Kurzzeitig werden sie auch mal zur Flucht aufgerufen und in den Westen eingeladen. Aber das ist nur eine politisch bedingte Ausnahme und Teil der bewussten Zerstörung von Staaten. Das geschieht auch, weil es in der Geschichte schon mehrmals erfolgreich funktionierte.

Doch irgendwann behaupten die selben westlichen Politikdarsteller, die Menschen auf Boote locken, dass nun aber das eigene Boot voll sei. Die Leistungsfähigkeit des Westens komme an ihre Grenzen, weshalb die wieder geschlossen werden müssten. Die westlichen Staaten wollen angeblich zu allen freundlich sein, aber das können sie ja nicht, heißt es. Flugs werden nicht mehr jede und jeder reingelassen und zurückgeschickt, wer das Pech hatte, zu lange mit der Flucht zu warten. Und wer es geschafft hat, dem wird der Aufenthalt so schwer und schlecht wie möglich gemacht.

Und zahlreiche Menschen, die von ihnen regiert werden, folgen ihnen, Das tun sie selbst wenn sie fordern, dass die Kanzlerin zurücktritt. Sie erledigen das dreckige Geschäft der für die Lage Verantwortlichen. Selbst wenn sie auf die Regierenden schimpfen und bei rechten und rechtsextremen Rattenfängern ihr Heil suchen. Sie merken nicht, wie sie missbraucht und manipuliert werden. Es zumindest verständlich oder besser gesagt verstehbar, dass es schwer verständlich ist: Erst wird ihnen über Jahre politisch erklärt wird, dass gespart und verzichtet werden müsse. Als Ziel wird ausgegeben, dass nur so es Deutschland wieder besser gehen könne. Und wir alle sollen ja Deutschland sein. Der Sparkurs war immer begleitet von einem „neuen Nationalgefühl“ und Patriotismus. Während deutsche Fußballer bejubelt wurden, wurde gleichzeitig gespart, damit es Deutschland besser gehen soll. Dann erleben sie nach und während der Sparpropaganda, dass nun anscheinend für andere, für Fremde, Geld da sein soll.

Die aktuelle Debatte gegen Flüchtlinge ist voll Wut und Hass und Dummheit. Sie beruht auf tatsächlichem Sozialneid, der zwar verstehbar, aber deshalb nicht richtig oder berechtigt ist. Zugleich lenkt diese Debatte voller Fremdenhass ab. Davon, dass all das viele Geld, das bei den Bürgern gespart wurde und wird, gar nicht bei den Flüchtlingen landete und landet. Das ist längst u.a. bei den Banken, die in Folge der Finanzkrise 2008 „gerettet“ wurden und werden. Dabei handelt es sich zum Teil auch um weit mehr, als im Sozialbereich bisher gespart wurde. Zugleich kommen jährlich die Berichte, dass die Reichen auch hierzulande immer reicher werden.

Doch fragt noch einer danach? Die herrschende Politik und ihre Darsteller werden es natürlich tunlichst unterlassen. Sie werden ihre medialen Lakaien nicht dazu anstiften, ausführlich dazu zu recherchieren. Die vermeintlich „besorgten Bürger“, die rechten und rechtsextremen Demagogen und Brandstiftern hinterher laufen, fragen auch nicht danach. Statt von der politisch gewollten und verursachten Finanzkrise reden alle nur noch von der „Flüchtlingskrise“. Sie fragen auch nicht, wem die rechten und rechtsextremen Parolen denn eigentlich nutzen? Auch nicht danach, wie jene im Hintergrund von AfD, NPD und anderen rechtsextremen Gruppierungen zu ihren Geldern gekommen sind? Nein, der dumpfe Sozialneid der von den Politikdarstellern hierzulande und anderswo Betrogenen richtet sich gegen jene, die um ihre Heimat, ihren Wohlstand und ihre Zukunft betrogen wurden. Die nun zu uns kommen, dahin, wo ihr Unglück begann, in der irrigen Hoffnung, hier neues Glück zu finden. Und das soll auch so bleiben, denn Wut und Hass auf alle Fremden und Flüchtenden, die ihnen angeblich was wegnehmen, der macht blind.

Die offenen und versteckten Kriege und der ökonomische Raubbau für unseren Wohlstand auf Kosten anderer – das geschieht im Namen der vermeintlich hehren westlichen Werte Freiheit, Demokratie, Wohlstand und Rechtsstaat. Wobei diese gewissermaßen nur die Tarnkleidung für die simplen ökonomischen Interessen des Nordens abgeben. Das macht das alles auch pervers. Diese Werte, samt der angeblichen „Zivilisation“, die gelten dann aber natürlich nicht für jene, die mit ihrem Leben direkt und indirekt bezahlen. Die sich dann auf dem Weg in den Westen machen, in der irrigen Hoffnung, dort sei noch etwas übrig für sie. Das ist alles nichts Neues seit den Hochzeiten des Kolonialismus. Und doch ist es erschreckend, dass es immer noch so ist und funktioniert. Und es war und es bleibt pervers und ist durch nichts schön zu reden.

Erschreckend finde ich auch, wie jene, die als Bürger dieses Landes erleben, dass auch für sie selbst diese gepriesenen westlichen Werte samt der im Grundgesetz als „unantastbar“ behaupteten Menschenwürde nicht mehr gelten, darauf reagieren. Indem sie auf die eine oder andere Weise kundtun: Dann soll Recht auf Menschenwürde auch für andere, ob Flüchtling oder überhaupt Fremder, auch nicht gelten! Das lässt sich alles erklären und verstehen, was es aber leider nicht besser macht. Können sich die Mächtigen und die für sie Herrschenden immer noch so auf die Dummheit ebenso wie auf die Unwissenheit der von ihnen Beherrschten verlassen? Auch diese Frage gilt nicht nur hierzulande.

Dass das immer noch so ist wie vor 100 Jahren und früher – das gehört zu den Erfolgen der Herrschenden und der in ihrem Auftrag Regierenden. Anderswo zerstören sie ganze Staaten samt der dazu gehörigen Gesellschaften. Hierzulande zerstören sie seit Beginn der 1990er Jahre den historisch erstrittenen Sozialstaat und damit die eigene Gesellschaft. Für den Fall, dass die eigenen Betrogenen doch zu den Palästen und Anwesen der Herrschenden marschieren, wird schon geübt. Darauf werden sie vorbereitet sein. Das Schicksal der Flüchtenden hat sie nicht interessiert, als sie deren Heimat zerstören ließen, und interessiert sie auch heute nicht weiter. Notfalls lassen sie die AfD mitregieren, wenn es darum geht, die Grenzen tatsächlich wieder zu schließen. In dem Fall wird auf „Volkes Wille“ gehört. Das war schon einmal so und diente auch nur zur Absicherung der eigenen Herrschaft und Interessen.

Und wie hierzulande so anderswo im Westen, in den Ländern, die dazu gezählt werden. Und die Kriege, die anderen angeblich Freiheit, Demokratie, Wohlstand und vor allem die Zivilisation des Westens bringen sollen, die gehen weiter. Die Menschen, deren Lebensgrundlagen dadurch zerstört werden, wenn sie denn überleben, werden sich weiter auf den Weg machen, wenn sie können. Sie werden weiter versuchen, sich ihren Anteil an dem Wohlstand zu holen, den wir auf ihre Kosten erreicht haben und sichern, in dem sie zu uns kommen. Es fehlen auf beiden Seiten die Kräfte, die diesen Prozess stoppen, die einen Stock in dieses Rad der Geschichte werfen, damit es sich nicht weiterdrehen kann.

Ach ja: Natürlich ist nicht einfach der „perverse Westen“ und dessen Tun. Es ist das Handeln der Herrschenden und der regierenden Politikdarsteller der führenden westlichen Staaten. Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als um Kapitalismus in seinen Formen und Erscheinungen, modernisiert und doch noch genauso brutal und menschenfeindlich wie in seiner gesamten Geschichte. Wer über ihn nicht reden will, der sollte auch über Flüchtlinge schweigen und ihnen höchstens helfen. Der sollte aber auch über AfD und Pegida nicht weiter lamentieren.

aktualisiert: 1.2.16, 3:09 Uhr

Samstag, 15. August 2015

"Die USA sind ein Polizeistaat"

Fundstück 35: Der Historiker Fritz Stern hat in einem Interview vor der politischen Entwicklung in den USA hin zu einer "plutokratischen Oligarchie" gewarnt.

Der Historiker Fritz Stern, der 1938 vor dem deutschen Faschismus in die USA emigrierte, hat in einem Interview für das Schweizer Magazin NZZ Geschichte, veröffentlicht in Nr. 2/Juli 2015, u.a. vor der politischen Entwicklung in den USA gewarnt.

Auf die Frage von Magazin-Redakteur Peer Teuwsen "Würden Sie sagen, wir lebten heute in der westlichen Welt in Demokratien, wie Sie sie sich vorgestellen?" antwortete der 89jährige Stern: "Da berühren Sie ein ganz heikles Thema. Inwiefern sind die USA heute noch ein demokratisches Land? Allein die Frage ist schon beklemmend. Leider muss ich sagen: Die USA werden immer mehr zu einer plutokratischen Oligarchie. Der Staat vollbringt hier zwar immer noch so ungeheure wie wichtige Sozialleistungen, aber auf der anderen Seite überwacht er seine Bürger in einem unerträglichen Ausmass. Wir leben in einem Polizeistaat ohne Polizei, habe ich vor ein paar Jahren gesagt. Das war falsch. Die USA sind ein Polizeistaat. Wenn es nicht so unwichtig wäre, was ich sage, würde auch ich abgehört. werden. Dieser ungeheure Drang nach Überwachung, nach Sicherheit höhlt die Demokratie aus. Und kann sich ein Land noch Demokratie nennen, wenn nur noch diejenigen entscheiden, die Geld haben? Der Staat ist nicht mehr unter Kontrolle der Parlamente, sondern unter Kontrolle des Geldes – und der Korruption."

Auf die Nachfrage des Redakteurs "Wie konnte es eigentlich passieren, dass derjenige, der viel hat, mehr zählt als derjenige, der viel weiss?", antwortete der Historiker: "War das nicht schon immer so? Schon im 19. Jahrhundert haben die Dichter und Denker vor dem Geldadel gewarnt. Auch Tocqueville hat das sofort erkannt. Aber in den USA haben sich die Dimensionen heute ins Groteske verschoben ..."

Im Verlaufe des Interviews wurde Stern auch gefragt, was für ihn "böse" ist: "Die Zerstörung von Menschen und Institutionen. Und die physische und psychische Demütigung eines Mitmenschen. Das Grundgesetz der Bundesrepublik formuliert hier erstklassig: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar.' Die Vereinigten Staaten von Amerika haben in den letzten Jahren diese Würde wissend angetastet, und das ist ein Element des Bösen."

Montag, 8. April 2013

Die Elite blickt auf die Demokratie herab

Gesellschaft: Seit langem wird in politischen und philosophischen Kreisen diskutiert, ob "weniger Demokratie wagen" vielleicht besser wäre. Diese Debatte hält an.

"Ich glaube nicht länger daran, dass Demokratie in der Form 'Eine Person - eine Stimme' der beste Weg ist, um ein politisches System zu organisieren." So wird der Philosoph Daniel A. Bell von Spiegel online am heutigen 8. April 2013 zitiert. Er ist Kanadier und lehrt an einer chinesischen Eliteuniversität. Als "confucian philosopher and scholar" beschreibt er sich selbst auf seiner Homepage.

Ich halte das für bedenkenswert, da es nicht die Meinung eines von asiatischer Philosophie faszinierten Einzelnen ist. Bei Spiegel online ist dazu zu erfahren: "Seine Rolle als bekennender Anti-Demokrat würde Bell in Deutschland vermutlich eine Passage im Jahresbericht des Verfassungsschutzes bescheren. Im Rest der Welt hat ihn sein Standpunkt zum intellektuellen Popstar gemacht, mit Kolumnen in der 'Financial Times', im 'Guardian', der 'Huffington Post'. Auch an diesem Freitagnachmittag darf Bell seine Thesen vor einem illustren Publikum ausbreiten: Bei der Jahrestagung des Instituts für Neues Ökonomisches Denken, eines illustren Think-Tanks, finanziert von der Hedgefonds-Legende George Soros. An der Konferenz nehmen zahlreiche Wirtschafts-Nobelpreisträger teil, dazu Historiker, Soziologen und Politikwissenschaftler aus Oxford, Princeton, Berkeley. Die Elite der westlichen Welt in Sachen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften." Auf seiner Homepage verweist Bell darauf, das er auch beim World Economic Forum in Davos schon dabei war. Er ist also gefragt und die Eliten oder jene, die dazu gezählt werden, hören ihm zu. Und das dürften sie gern tun, sagt Bell doch laut Spiegel online etwas, was sie gern hören: "'Denkbar wären mehr Stimmen für Menschen mit besserer Erziehung.' Die Begriffe Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit erwähnt Bell kein einziges Mal."

Das erinnert mich an einen anderen "Vordenker": Fareed Zakaria schlug vor zehn Jahren schon vor, weniger Demokratie zu wagen. "Liberalisierung, so Zakarias These, geht vor Demokratisierung", war dazu in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. "Im Namen der langfristig zu verwirklichenden «Ordnung der Freiheit» scheint er zumindest einigen Diktatoren eine Art Freibrief auszustellen. Besonders Lee Kwan Yew, der frühere Premierminister von Singapur, hat es ihm angetan - und sogar für Augusto Pinochet findet Zakaria ein gutes Wort." Zakaria habe ebenfalls an China und dessen Machtsystem Gefallen gefunden, heißt es. "Und er bedauert den Verlust einer politischen Kultur, in der die Eliten der amerikanischen Ostküste hinter verschlossenen Türen weitsichtig die Geschicke des Landes oder gar der Welt lenkten." Das wird mit einer der Gründe gewesen sein, warum Zakarias Thesen zwar oft kritisiert wurden, ihm aber die Vertreter der Eliten gern zuhörten.

Mögen die Vertreter solcher "Weniger Demokratie wagen"-Thesen wechseln, die These bleibt und findet anscheinend gerade angesichts der derzeitigen Krise weiter Zuspruch. Das Handeln der Regierenden und Herrschenden der führenden westlichen Staaten, die Zakaria und Bell und anderen ihresgleichen gern zuhören und zustimmen, hat längst herzlich bzw. bedauerlich wenig mit Demokratie zu tun, worauf u.a. Colin Crouch mit seiner These von der Postdemokratie aufmerksam gemacht hat.

Dass die Herrschenden sich mit Auswegen aus der von ihren politischen und medialen Lakaien propagierten Demokratie beschäftigen, um ihre Herrschaft weiter zu sichern, ist an sich, ganz nüchtern betrachtet verständlich. Gehört doch zu den Folgen der von ihnen verursachten Krise die wachsende Empörung der Beherrschten: "Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat die Wirtschafts- und Währungskrise die Gefahr für soziale Unruhen in den Mittelmeerstaaten Zypern, Griechenland, Spanien und Italien erhöht." Das wird am heutigen 8. April 2013 gemeldet. Die UN-Organisation ILO "fordert ein Umsteuern hin zu einer beschäftigungsorientierten Politik in der EU, um die dramatische Beschäftigungskrise mit mehr als 26 Millionen Arbeitslosen in der Region zu bekämpfen." Inzwischen gebe es in der EU zehn Millionen mehr Arbeitslose als vor Ausbruch der Krise. "Besonders stark betroffen sind junge und gering qualifizierte Arbeitnehmer", stellt die Organisation fest. "Zudem wird Langzeitarbeitslosigkeit in weiten Teilen der Region zu einem strukturellen Problem. In 19 EU-Staaten sind mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen schon seit mehr als einem Jahr ohne Job." Eine Folge der Verschlechterung der arbeitsmarktpolitischen Lage sei, "dass das Risiko sozialer Unruhen nun zwölf Prozentpunkte höher ist als vor Ausbruch der Krise". Zur Erinnerung: Hohe Jugendarbeitslosigkeit und andere soziale probleme gehörten zu den Ursachen für die Unruhen in Nordafrika und Arabien. Nur in der Bundesrepublik, Belgien und Finnland hahat laut ILO das Potenzial für Unruhen abgenommen.

Die herrschenden Eliten auch in Europa haben also so manchen Grund, darüber nachzudenken, wie sie auch ohne Demokratie ihre Herrschaft sichern können. Aber uns geht das ja nichts an, die zuerst betroffenen Länder sind ja weit weg und die Bundesrepublik profitiert immer noch davon, dass die anderen ärmer werden.