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Montag, 7. Juli 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 25

24. Fortsetzung der gesammelten Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 20:54 Uhr)

• "Showdown in der Ostukraine
"Die "Rückeroberung der Separatistenhochburg Slowjansk" sei der ukrainischen Armee gelungen, meint der Schweizer Tages-Anzeiger am 7.7.14, "weil sie das Kämpfen gelernt haben soll." Der Erfolg habe aber nur symbolischen Wert, entscheidender sei der Kampf um Donezk.
"... Die Erfolge der ukrainischen Armee, die zu Beginn des prorussischen Aufstands im Frühling noch völlig überfordert war, sind nach Ansichten von Experten kein Zufall.
Das ukrainische Militär habe in den letzten Wochen zu kämpfen gelernt, meint Mikola Sungurowski, Militärexperte am politikwissenschaftlichen Institut Razumkov Centre in Kiew. Grosse Teile der Armee seien zwar weiterhin in einem erbärmlichen Zustand, sie habe aber Tausende motivierte Freiwillige rekrutiert und dank finanzieller Zuwendungen aus dem In- und Ausland ihre Kampfgeräte modernisiert. Laut Sungurowski haben die Soldaten inzwischen die psychologische Barriere überwunden, auf eigene Landsleute zu schiessen. Entscheidend seien auch Änderungen in der Führungs- und Kommandostruktur der Armee gewesen. «Nachdem klar geworden ist, wer unsere Leute sind und wer unsere Feinde, sind die militärischen Operationen effizienter geworden», fasst Sungurowski zusammen....
Die Rückeroberung von Slowjansk und anderen Städten in der Ostukraine ist für Kiew ein wichtiger militärischer Erfolg mit hohem Symbolwert – mehr aber nicht. ...
Im Moment erscheint eine Waffenruhe sehr unwahrscheinlich. Mit der Belagerung von Donezk und Luhansk will nun die Regierung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko den Widerstand der Separatisten im Osten des Landes brechen. Die «Umzingelung der Terroristen» müsse noch verstärkt werden, um die Regionen Donezk und Luhansk zu «befreien», sagte Poroschenko. Er schwörte die Armee und die Bevölkerung auf einen harten Kampf ein. Dabei werden sich die Rebellen unter die Zivilbevölkerung mischen, um ein Eingreifen der Armee zu erschweren. In Donezk und Luhansk befürchten die Menschen blutige Häuserkämpfe mit vielen zivilen Opfern. ..."

• Lawrow: Forderung nach Kapitulation behindert Gespräche für friedliche Lösung
"Ein Junktim zwischen der Waffenruhe im Osten der Ukraine und einer Kapitulation der Volkswehr schafft nach Ansicht von Russlands Außenminister Sergej Lawrow Probleme bei den Verhandlungen.
„Die ukrainische Staatsführung erklärt, dass eine zweiseitige Waffenruhe nur bei einer umfassenden Erfüllung des Plans von Poroschenko möglich ist“, sagte Lawrow am Montag nach seinen Verhandlungen mit dem bulgarischen Amtskollegen Kristian Wigenin. In seinem Friedensplan hat der Präsident der Ukraine erklärt, dass die Waffenruhe mit der Waffenniederlegung durch die Volkswehr, faktisch mit deren Kapitulation einhergehen soll. Erst dann würden die Kiewer Behörden überlegen, ob jemand von ihnen amnestiert werden kann oder nicht.“
„Dies schafft überaus ernsthafte Probleme für den Prozess, den wir zu unterstützen versuchen“, fügte Lawrow hinzu." (RIA Novosti, 7.7.14)

• Immer mehr Asylsuchende aus der Ukraine in die EU
"Die Zahl der Ukrainer, die Asyl in den EU-Ländern sowie in Norwegen und der Schweiz beantragt haben, ist im Zeitraum von März bis Mai dieses Jahres beträchtlich gewachsen. Laut einer Pressemitteilung von European Asylum Support Office (EASO) waren es insgesamt mehr als 2000.
„Lag die Zahl der Antragsteller in den letzten 20 Jahren im Durchschnitt bei 100 im Monat, so wurden im Zeitraum zwischen März und Mai mehr als 2000 Anträge gestellt“, hieß es. In 95 Prozent der Fälle handelt es sich um Erstanträge.
Wie EASO-Chef Robert Wisser am Montag in einer Pressekonferenz feststellte, „sind das keine großen Zahlen, aber ein wichtiges Indiz“. ..." (RIA Novosti, 7.7.14)

• Kein Ort für Gespräche für friedliche Lösung gefunden
"Die Vereinbarung von Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine über die Einberufung einer Ukraine-Kontaktgruppe ist nicht erfüllt worden, wie der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Sofia in einer Pressekonferenz sagte.
„Die Vereinbarung über die baldigste Einberufung einer vollformatigen Kontaktgruppe, die die Staatschefs von Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine am 30. Juni in einem Telefongespräch getroffen hatten und die im Auftrag der Staatschefs der vier Länder am 2. Juli in Berlin verbrieft wurde, wo die Außenminister von Russland, Deutschland, Frankreich und der Ukraine zusammenkamen, ist nicht erfüllt worden, weil keine Einigung über den Ort des  Treffens erzielt werden konnte. Die Kontaktgruppe sollte unter Teilnahme von Volkswehr-Vertretern tagen, um die Parameter eines gegenseitigen Waffenstillstandes abzustimmen“, so Lawrow.
„Führende Vertreter der Volkswehr konnten aus erklärlichen Gründen den Südosten nicht verlassen“, sagte der Minister. Ihm zufolge hatte die Volkswehrführung Donezk als Sitzungsort für die Kontaktgruppe vorgeschlagen. ..." (RIA Novosti, 7.7.14)
Am 6.7.14 hatte RIA Novosti noch berichtet: "Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat in einem Telefongespräch mit den Außenministern Deutschlands und Frankreichs auf die Notwendigkeit verwiesen, die Durchkreuzung der Vereinbarungen über die schnellstmögliche Einberufung der Kontaktgruppe zur Ukraine nicht zuzulassen, wird auf der Facebook-Webseite des russischen Außenministeriums mitgeteilt. Die Telefongespräche Lawrows mit Frank-Walter Steinmeier und Laurent Fabius fanden am 5. Juli statt. ...
„Steinmeier und Fabius stimmten zu, dass die Kontaktgruppe dringend ihre Arbeit wiederaufnehmen muss, und erklärten sich bereit, ihre Möglichkeiten für den Beitrag zur Bestimmung eines allgemein annehmbaren Treffpunktes von Vertretern der ukrainischen Behörden und von Spitzenvertretern der Volkswehr unter Vermittlung Russlands und der OSZE zu nutzen“, heißt es in der Mitteilung."

• Alle Einwohner in Region Donezk werden auf "Terrorunterstützung" überprüft
Das ukrainische Innenministerium will alle Einwohner der Region Donezk auf mögliche Unterstützung für die als "Terroristen" bezeichneten Aufständischen überprüfen. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 7.7.14. Derzeit geschehe das bei den Bewohnern dern "befreiten" Städte. Sie würden auch daraufhin überprüft, ob sie an "Terroranschlägen" beteiligt gewesen seien. Das Ministerium hat zugleich öffentlich um entsprechende Informationen aus der Bevölkerung gebeten.

• Angriffe auf Lugansk ausgeweitet
"Am Sonntag spitzte sich die Situation in Lugansk zu. In der Stadt waren Explosionen und Schüsse zu hören. Ein Vorort von Lugansk wurde aus der Luft angegriffen. In der Umgebung der Ortschaft Metallist kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Aufständischen und ukrainischen Einheiten. Die ukrainischen Regierungstruppen besetzten einige Ortschaften im Norden der Region und versuchten, die Offensive in Richtung Süden fortzusetzen." (RIA Novosti, 7.7.14 - mit Fotogalerie)

• Aufständische beschiessen angeblich Lugansk
"Die Terroristen beschießen wieder aus den Raketenwerfern „Grad“ die Stadt Luhansk. Wie die Nachrichtenagentur „Nachrichten von Donbass“ (Nowosti Donbassa) meldet, hat man mehrere mächtige Schüsse gegen 13:30 in allen vier Stadtbezirken gehört. Dann fielen nach einer kurzen Pause einzelne Schüsse und Explosionen.
Die Augenzeugen meinen, dass die Terroristen auf den Busbahnhof und den Flughafen geschossen haben. Die Straßen der Stadt sind fast leer. Gestern haben die Terroristen aktiv aus den Artilleriesystemen auf Wohngebiete in der Nähe vom Bahnhof und Busbahnhof geschossen." (Ukrinform, 7.7.14)

• Milizen angeblich noch nicht am Ende
"Die Tatsache, dass die ukrainische Armee in den letzten Tagen mehrere Städte im Osten des Landes eingenommen hat, bedeutet noch lange keinen Sieg der Armee, meinen Experten, die von RIA Novosti zu diesem Thema befragt wurden.
Die Hauptkräfte der Volkswehr hatten am vergangenen Wochenende Slawjansk, Kramatorsk, Artjomowsk und Druschkowka  verlassen. Sie wurden hauptsächlich in die Städte Donezk, Gorlowka und Sneschnoje verlegt. In Slawjansk und Kramatorsk haben die Milizen nach eigenen Angaben kleinere Garnisonen und Diversionsgruppen zurückgelassen.
„Wenn man den Berichten der Volkswehr glaubt, haben sie ihre Kräfte beibehalten können“, so Rostislaw Ischtschenko, Präsident des Zentrums für Systemanalysen und Prognosen in Kiew. „Wenn dem so ist, so bedeutet dieser Rückzug in strategischer Hinsicht und auch vom geopolitischen Standpunkt gesehen gar nichts. Dies ist eher eine kleine taktische Offensive der Kiewer Truppen.“
Diese Meinung teilt der Moskauer Experte Alexej Arbatow. „Dies ist noch kein Ende, sondern eine Umgruppierung und eine neue Situation. Die Volkswehr hat die kleinen Städte verlassen, die sie drei Monate lang verteidigt hatte. Dies ist kein großer Sieg der ukrainischen Armee: Immerhin konnte sie drei Monate lang mit diesen winzigen Städtchen nicht fertigwerden.“ ..." (RIA Novosti, 7.7.14)

• Umfrage: Zwei Drittel in Russland gegen Einmarsch in Ukraine
"Zwei Drittel der Russen (66 Prozent) sind gegen einen Einmarsch russischer Truppen in den Südosten der Ukraine im Interesse der Beendigung des ukrainischen Sondereinsatzes in dieser Region, ergab eine Umfrage des Moskauer Meinungsforschungsinstituts WZIOM.
Dieser Standpunkt wird bei älteren Menschen (71 Prozent unter den Befragten über 60 Jahre) und Einwohnern von großen und mittelgroßen Städten (bis 75 Prozent) am stärksten vertreten.
Nach Ansicht von 30 Prozent der Befragten ist ein bewaffneter Konflikt zwischen der Ukraine und Russland möglich. Dies ist nahezu doppelt so viel wie bei einer ähnlichen Umfrage Ende März. ..." (RIA Novosti, 7.7.14)

• Kiewer Truppen wollen Donezk und Lugansk belagern
"Bei ihrer "Anti-Terror-Operation" gegen prorussische Aufständische haben ukrainische Regierungskräfte jetzt auch die Großstädte Donezk und Luhansk ins Visier genommen. Die Führung in Kiew hatte bekanntgegeben, mit der Belagerung der beiden Städte den Widerstand der Separatisten brechen zu wollen. Der Luhansker Bürgermeister Sergej Krawtschenko sprach bereits am Sonntagabend von heftigen Gefechten. Bei einem Granatwerferbeschuss seien mindestens ein Kämpfer getötet und vier weitere verletzt worden.
Die Separatisten gaben am Montag bekannt, dass sie bei einer Belagerung der Großstädte Donezk und Luhansk durch die Armee keine Gespräche zur Beilegung der Krise mehr führen würden. "Eine Blockade würde die Friedensbemühungen begraben", sagte der Separatistenführer Andrej Purgin am Montag in Donezk.
Noch seien die militanten Gruppen zu einem Treffen unter der Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) bereit. Die Zeit für Verhandlungen etwa über eine Waffenruhe laufe aber ab, sagte Purgin. ..." (Der Standard, 7.7.14)

• Oligarch Achmetow gegen Luftangriffe auf Donezk
Rinat Achmetow, reichster Oligarch der Ukraine, hat sich gegen Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen in der Donbass-Region ausgesprochen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 7.7.14. Weder die Stadt Donzek, nocht die Siedlungen und die industrielle Infrastruktur dürften zerstört werden. "Und, ganz wichtig, die Menschen dürfen nicht sterben, oder leiden." Die Gespräche für einen Waffenstillstand und eine friedliche Lösung müssten wieder aufgenommen werden, fordert Achmetow. "Es gibt keinen anderen Weg."

• Poroschenkos Vermittler: "Frieden in der Ukraine ist das Wichtigste"
"Nestor Schufritsch, mehrfacher ukrainischer Ex-Minister [von der Partei der Regionen], soll im Auftrag von Präsident Poroschenko Friedensgespräche organisieren und die Chancen einer friedlichen Lösung ausloten. ...
STANDARD: Vor allem die Teilnahme von Persönlichkeiten wie dem prorussischen Politiker und Oligarchen Wiktor Medwedtschuk stößt in der Ukraine auf große Kritik. Was ist Medwedtschuks Rolle?
Schufritsch: Die allgemeine Hysterie um die Person Medwedtschuks ist nicht hinnehmbar. Er und ich sind eher Vermittler. Wir führen Gespräche sowohl mit den Vertretern aus dem Donbas als auch mit denen des Präsidenten. Medwedtschuk tut alles, damit die Gespräche stattfinden und wir konstruktiv zusammenarbeiten. Die Leitung des Dialogs hat Ex-Präsident Leonid Kutschma. Die Kritik an Medwedtschuk kommt vor allem von der Seite, die die Verhandlungen scheitern sehen will. Ich kenne die Namen, werde sie aber nicht öffentlich nennen. ...
Frieden in der Ukraine ist das Wichtigste, das wir brauchen. Wenn wir nicht bereit zum Dialog sind, brauchen wir keine weiteren Gespräche zu führen. Ich kenne die Position Borodais. Ein Kompromiss ist möglich. Allerdings ist die Eigenständigkeit der Ukraine nicht verhandelbar, und es darf auch keine weiteren Verluste an Territorium geben.
STANDARD: Wie wahrscheinlich ist eine friedliche Lösung?
Schufritsch: Für uns kam die Entscheidung, die Anti-Terror-Aktion wiederaufzunehmen, völlig unerwartet. Doch das ist Poroschenkos Entscheidung, er ist dafür verantwortlich. Fakt ist allerdings auch, dass selbst nach Angaben des ukrainischen Sicherheitsrates zwischen 20.000 bis 25.000 Männer im Donbas unter Waffen stehen. Etwa 2,5 Millionen Menschen im Donbas haben beim sogenannten Referendum für die Abspaltung gestimmt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung will nicht mehr Teil der Ukraine sein. Damit müssen wir uns alle auseinandersetzen, auch wenn das in Kiew nicht jedem schmeckt. ..." (Der Standard, 7.7.14)

• Kontaktgruppe fordert Sofortmaßnahmen für friedliche Lösung
"Die dreiseitige Kontaktgruppe von ranghohen Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE hat die Notwendigkeit betont, konkrete Maßnahmen zu einer friedlichen Regelung der innerukrainischen Krise zu ergreifen sowie möglichst schnell die nächste Konsultationsrunde durchzuführen.
„Die dreiseitige Kontaktgruppe von ranghohen Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE… hat hervorgehoben, dass es notwendig ist, konkrete Maßnahmen zur friedlichen Lösung der Krise dringend zu ergreifen“, wird in einer Erklärung auf der OSZE-Webseite betont.
„Die Kontaktgruppe meint, dass die nächste Konsultationsrunde unaufschiebbar stattfinden muss. Sie hat alle interessierten Seiten aufgerufen, den Vorschlag der Kontaktgruppe zu unterstützen, die nächste Sitzung möglichst schnell abzuhalten“, hieß es weiter." (RIA Novosti, 7.7.14)

• Sympathie für Aufständische wird bestraft
"Ukrainische Abgeordnete können ihre Mandate einbüßen und für Sympathien mit der Volkswehr festgenommen werden, sagte der Vorsitzende der Obersten Rada (Parlament), Alexander Turtschinow, laut der Zeitung „Ukrainskaja Prawda“.
„Die Oberste Rada wird diesen Prozess nicht hemmen und es den Ermittlungsbehörden nach der Prüfung der Frage erlauben, Abgeordnete zu verhaften, die gegen das eigene Land arbeiten“, so Turtschinow.
Früher hatte die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine drei Strafverfahren gegen den Abgeordneten Oleg Zarjow im Zusammenhang mit seinen öffentlichen Aufrufen in Kundgebungen in Donezk zu einer Föderalisierung des Landes eingeleitet. Ihm wurden Separatismus und Aufrufe zu einer gewaltsamen Änderung der Verfassungsordnung zur Last gelegt. Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine entzog die Oberste Rada ihm die parlamentarische Immunität und willigte in seine Verhaftung ein." (RIA Novosti, 7.7.14)

• Was Walesa glaubt
"Russischer Präsident Wladimir Putin habe „keine Chancen die Krim zu halten, er wird sie schneller zurückgeben, wie noch etwas passieren würde“. Das hat polnischer Ex-Präsident und Ex-Anführer der Solidarnosz-Gewerkschaft, Lech Walesa, in seinem Interview dem tschechischen öffentlichen Sender CT24 erklärt, berichtet Radio Liberty.
Putin könne auch weiter nach eigenen Vorstellungen handeln – Grenzen einzurichten und Panzer zu schicken, die Welt sei aber heute anders, glaubt Walesa. Seiner Meinung nach „leben wir in der Welt der Vernunft und der Verhandlungen, nicht aber der Panzer“.
„Wir sind zum Frieden, zum Kompromiss und zur Entwicklung verurteilt. Und die, die Panzer schicken, die zu solchen Methoden greifen, sollen verlieren“, - fügte Walesa hinzu. ..." (Ukrinform, 7.7.14)

• Zwei weitere Orte "befreit"
"Das ukrainische Militär befreite von Terroristen zwei weitere Siedlungen Artemiwsk und Druzhkiwka. Das meldet das Pressezentrum von der ATO (Antiterroroperation). In der Nacht wurden die ATO-Positionen beschossen. Ingenieure der Streitkräfte der Ukraine entminen die Objekte (Straßen, Brücken, Gebäude)." (Ukrinform, 7.7.14)

• USA machen weiter Druck auf Russland
"Washington ist besorgt über die Verweigerung der Separatisten in der Ostukraine, das Feuer zu beenden, und verspricht, Druck auf Russland auszuüben, um die Kanäle für die Unterstützung der Terroristen seitens Russlands abzuschneiden. Dies entnimmt man der Erklärung der Pressesprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, die von der US-Botschaft in der Ukraine zitiert wird, berichtet Ukrinform.
„Die Sekretärin von Kerry brachte tiefe Besorgnis im Zusammenhang mit der Verweigerung der Separatisten, die durch Russland unterstützt werden, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen und die Garantien zu gewähren, die die Waffenstillstandsvereinbarung verlängern würden. Er betonte die Bedeutung der Ergreifung von Maßnahmen zur Deeskalation“, erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums.
Kerry bekräftigte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für ukrainisches Volk und sein Recht auf die Selbstverteidigung, und verzeichnete auch die Bemühungen der ukrainischen Regierung, zu versuchen, einen Dialog mit den pro-russischen Separatisten herzustellen, sagte Psaki." (Ukrinform, 7.7.14)

• Jagd auf Kommunisten in der Ukraine
Olga Lewtschenko, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine (KPU) und Abgeordnete der Obersten Rada, im INterview mit der jungen Welt, veröffentlicht am 7.7.14, S.8:
"Es werden gegenwärtig mitten im Parlament Überfälle auf Abgeordnete der Kommunistischen Partei verübt. Parlamentspräsident Turtschinow hat offen dazu aufgerufen, die KPU-Fraktion auseinanderzujagen. In seiner Zeit als »Übergangspräsident« der Ukraine hat er die Staatssicherheit, die Staatsanwaltschaft und das Justizministerium angewiesen, Beweismaterial für ein Verbot der Kommunistischen Partei zu sammeln. In einem offiziellen Brief, der auf der Internetseite des Präsidenten zu lesen war, erhob er Vorwürfe gegen die KPU. Als unsere Abgeordneten ihn nach Beweisen gefragt haben, stellte sich heraus, daß er keine vorlegen konnte. Als der Vorsitzende der KPU, Simonenko, ans Rednerpult trat, um die Wahrheit über die Ereignisse im Osten unseres Landes zu berichten, wurde ihm das Mikrofon abgeschaltet, und die radikalen Abgeordneten der Swoboda-Partei begannen eine Schlägerei. So etwas spielt sich derzeit in diesem Parlament ab. ...
Es gibt keinen einzigen Beleg dafür, daß die Kommunistische Partei Separatismus betreiben würde. In unserem Programm steht schon lange, daß wir für eine einheitliche Ukraine sind. Wir treten nicht für eine Abtrennung der Gebiete im Osten ein, sondern für die Interessen der Menschen dort und dafür, daß ihre Probleme beachtet werden. ...
Die Ausrufung der Volksrepubliken durch diese Menschen war ein Aufschrei ihrer Seelen. Wir treten daher für Gespräche zwischen den neuen Machthabern in Kiew und den Führungspersönlichkeiten dieser Bewegung im Osten ein. Wir sind generell gegen den Einsatz von Waffen, denn darunter leiden immer in erster Linie die einfachen Menschen. ...
Unsere Position dazu ist, daß die Probleme der Ukrainer nur durch die Ukrainer selbst gelöst werden können – ohne die NATO und ohne Rußland. Die Ereignisse auf dem Maidan waren ursprünglich Ausdruck der Unzufriedenheit der Menschen mit der damaligen Regierung. Dann gingen die Proteste jedoch zur Besetzung und Zerstörung von Gebäuden über – und schließlich zur Bildung militanter Organisationen wie dem Rechten Sektor. Der Osten der Ukraine ist das genaue Gegenstück zu den Ereignissen in Kiew. Im Osten sagten die Menschen: ›wir wollen hier keine solchen faschistischen Gruppen. Laßt uns leben, wie wir wollen, mit unserer Tradition und unserer Sprache.‹ Das reichte aus, um sie als Separatisten zu bezeichnen. Die Leute auf dem Maidan gelten dagegen als »friedliche Demonstranten«, obwohl unter ihnen auch viele Touristen aus dem Westen waren. Inzwischen ist bewiesen, daß die Bewegung auf dem Maidan von Westeuropa und den USA finanziert worden ist. ..."

• Ukraine im wirtschaftlichen Niedergang
Frank Schumann schreibt in der jungen Welt vom 7.7.14 über die Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs für die Menschen in der Ukraine. Er berichtet auch über Gespräche mit einem ukrainischen Freund:
"Jüngst artikulierte er sein Unverständnis darüber, daß inzwischen die meisten seiner Landsleute der offiziellen Lesart Kiews anhängen: Putin ist an allem Schuld!
Kein Gedanke daran, daß die wirtschaftlichen – und damit die politischen – Probleme, die die Mehrheit der 45 Millionen Ukrainer bedrücken, größtenteils hausgemacht sind. Die Talfahrt währte bereits Jahrzehnte, beschleunigte sich unter Janukowitsch, doch seit dem Putsch ist es eine Schußfahrt. Ein korruptes Regime ist dem nächsten gefolgt, die »Familie«, der Klüngel aus Oligarchen und korrupten Politikern, hat ein paar Nasen ausgetauscht und bedient sich unverändert wie in einem Supermarkt.
Die Devisenreserven der Ukraine halbierten sich von Januar 2013 bis Mai 2014 und sind inzwischen auf dem niedrigsten Niveau seit 2005, während die Auslandsschulden bei vermutlich 142,5 Milliarden Dollar liegen. Das Zehnfache etwa dessen, was die Nationalbank als Devisenreserve ausweist. 23 Milliarden Dollar sind noch in diesem Jahr an Verbindlichkeiten und Zinsen zu tilgen. Aber womit? ...
Das Land ist nahe dem Bankrott. Bekam man in den Wechselstuben im Vorjahr für etwa acht Griwna einen Dollar, muß man inzwischen zwölf hinlegen, der Kurs des Euro steht bei eins zu 16.
Die Preise im Laden stiegen entsprechend. Zahlte der Kiewer im Vorjahr für ein Stück Butter elf bis zwölf Griwna, sind es inzwischen 16 bis 17. Das ist die einheimische, die meist mit Palmöl gestreckt ist. Die »gute Butter« heißt »Kremlewskoje« und ist erheblich teurer. Das Kilo Schweinefleisch kostet aktuell 50 Griwna gegenüber 35 im Vorjahr, der Liter Milch acht, früher fünf Griwna. Die Apothekenpreise haben sich verdoppelt, die Benzinpreise haben dies auch bald geschafft. Und der Preis für die importierte Flasche Paulaner stieg von 16 auf 23 Griwna. Doch wer trinkt schon bayerisches Hefeweizen in der Ukraine? Das ist auch keine Frage des Geschmacks. Die Durchschnittsrente bewegt sich zwischen 1200 und 1500 Griwna, das normale Monatsgehalt liegt bei 4000 bis 5000 Griwna. Bei dem aktuellen Kurs also liegen die Durchschnittseinkommen zwischen 250 und 310 Euro. Beim Essen und Trinken kann man vielleicht sparen, nicht aber beim öffentlichen Nahverkehr, auf den man nicht nur in der Metropole Kiew angewiesen ist. Die Fahrpreise stiegen bislang um 70 Prozent. Auch das eine Forderung des IWF, die er an seine Kredite knüpfte. ...
Die Ausplünderung des ukrainischen Volkes geht weiter, und die, die dagegen sind und sich Gehör verschaffen wollen, werden ausgeschaltet und niederkartätscht. Unverändert werden in Kiew Posten ver- und gekauft. Es heißt, daß beispielsweise der Pharmaproduzent Pasetschik (»Falbi«) zwölf Millionen Dollar an Jazenjuk gegeben haben soll, damit dieser ihn zum Chef des staatlichen Amtes für Arzneimittel ernannte, was er 2000 schon einmal war. Die Verbindlichkeiten seines insolvent gegangenen Unternehmens »Falbi« übernahm die staatliche Ukrexim-Bank, die meisten Zulieferer schauten trotzdem in die Röhre. ...
»Katastrophe« sagt Alexander K. und hat Recht. So gesehen ist der Bürgerkrieg im Osten und Südosten des Landes tragisch, aber letztlich ein Nebenkriegsschauplatz. Das Land blutet aus anderen Gründen aus."

• Poroschenko: Nur ein vollständiger Sieg ist ein guter Sieg
"Nach der Eroberung der Stadt Slowjansk am Samstag führt die ukrainische Armee ihren Feldzug gegen die »Volksrepubliken« im Osten des Landes mit unverminderter Härte fort. »Dies ist noch kein vollständiger Sieg«, erklärte Präsident Petro Poroschenko am Samstag. Eine Waffenruhe rückt in weite Ferne.
»Die Zeit für ein Feuerwerk ist noch nicht gekommen«, sagte Poroschenko. Für ihn ist der Abzug der Aufständischen aus Slowjansk ein erster großer militärischer Erfolg. Nun müsse die »Umzingelung der Terroristen« noch verstärkt werden, um die Regionen Donezk und Lugansk zu »befreien«, forderte er. Wie diese »Befreiung« vonstatten geht, berichtete am Sonntag die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass mit Verweis auf Aufständischen-Milizen: Die Truppen Kiews hätten erneut Wohnviertel mit Artillerie beschossen, mehrere Häuser stünden in Brand, auf den Straßen seien Verletzte und viele Krankenwagen zu sehen.
Die Aufständischen haben sich derweil hauptsächlich nach Donezk knapp hundert Kilometer südlich von Slowjansk zurückgezogen. 150 verletzte Rebellen würden in den Krankenhäusern der Stadt behandelt, sagte der Vizeministerpräsident der »Volksrepublik Donezk«, Andrej Purgin, laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine. Rebellenkommandeur Igor Strelkow warf Rußlands Präsident Wladimir Putin Wortbruch vor. Dessen Zusage, er werde »alle verfügbaren Mittel« zum Schutz seiner Landsleute in der Ukraine einsetzen, entpuppten sich als leere Versprechen, twitterte er am Samstag. Am Vortag des Abzugs hatte Strelkow Moskau um Truppen gebeten, da seinen Einheiten ansonsten »die Zerstörung« drohe. ..." (junge Welt, 7.7.14)

• Kein Jubel im "befreiten" Slawjansk
"Jubel über die Eroberung der ostukrainischen Stadt Slawjansk sowie weiterer Ortschaften am Wochenende kam aus der Hauptstadt Kiew. Hier gab es Orden für jene, die sich »besonders hervorgetan« hatten. Die 79. und die 95. Luftlandebrigade zum Beispiel, Spezialeinheiten, diese Majore und jener Soldat. Präsident Petro Poroschenko sagte, das Land solle die »Gesichter der Helden kennen«.
Das Land weiß besser um die Gesichter des Leids, um die Toten, Verletzten und Geflohenen. Da gehörte das unmenschliche Wort vom »Kollateralschaden« hin. Vor solchen »Begleitschäden« seien Zivilbevölkerung, Zivilpersonen und zivile Objekte zu schützen, fordert das humanitäre Völkerrecht. Der mörderische und zerstörerische Einsatz von Bomben, Panzern, Raketenwerfern auch in Wohnvierteln blieb aber unerwähnt. Nun wurde die Wiederherstellung der lebensnotwendigen Infrastruktur angewiesen, die Versorgung mit Wasser, Brot und anderen Grundnahrungsmitteln, humanitäre Hilfe.
Doch der Jubel der Befreiten blieb aus. Nicht einmal regierungstreue Medien spürten ihn auf. Einige Realisten in der Hauptstadt kamen schon darauf, dass die prorussischen Kämpfer im Donbass weit besser gelitten seien als die proeuropäischen. Die einen gelten eben als »naschi«, also unsere, die anderen sind als »Faschisty« und »Banderowzy« verhasst und gefürchtet. Die angekündigte »Befreiung« von Donezk und Lugansk wird noch schwieriger und blutiger als die von Slawjansk. ..." (Neues Deutschland, 7.7.14)

• Poroschenko: Slawjansk von Unmenschen gesäubert
"... Die ukrainische Armee hatte am Sonnabend die lange hart umkämpfte Stadt Slawjansk erobert und die aufgegebene Ortschaft Kramatorsk besetzt. Die Führung in Kiew nannte die Rückeroberung der beiden Städte »einen der größten Siege« seit Beginn der »Anti-Terror-Operation« Mitte April. »Die Säuberung Slawjansks von den Unmenschen hat überragende symbolische Bedeutung«, zitierte dpa den triumphierenden Präsidenten Petro Poroschenko. Der Kampf gegen die »Terroristen« gehe weiter.
...
Die Separatisten rückten laut Agenturberichten in Richtung Donezk ab, um die dortigen Stellungen zu verstärken. Sie sollen allerdings Kräfte in den geräumten Städten zurückgelassen haben. Am Sonntag wurde dort wieder von bewaffneten Auseinandersetzungen berichtet. In einigen Stadtbezirken sei geschossen worden, die Artillerie hätte einige Schläge geführt, berichtete RIA/Novosti unter Berufung auf Einwohner. Die Lugansker »Volkswehr« meldete auf ihrer »Regierungs-Webseite«, sie habe bei Gefechten in Vororten und im Umfeld des Flughafens 130 ukrainische Soldaten getötet sowie ein Il-76-Flugzeug und sieben Schützenpanzerwagen der ukrainischen Armee vernichtet.
In den eroberten Gebieten begann die Armee mit Überprüfungen der Bürger auf eine Zusammenarbeit mit den Rebellen. Es wurden »zahlreiche Festnahmen« gemeldet. In Kiew sprach sich Geheimdienstchef Valentin Naliwajtschenko aber für eine Amnestie in den zurückeroberten Städten aus: »Viele normale Bürger dort erlagen der Propaganda der Separatisten. Sie sollten eine zweite Chance erhalten.« ..." (Neues Deutschland, 7.7.14, S. 2)

• Kiewer Truppen in der Ostukraine auf dem Vormarsch
"Geschützfeuer und Rauch am Rand von Luhansk: Die Stadt im ukrainischen Osten selbst werde aber nicht angegriffen, versichert die ukrainische Regierung, ebenso wenig die Millionenstadt Donezk. Beide Städte sollen nun jedoch belagert werden, um die dort verschanzten Aufständischen zu besiegen.
Mehrere Städte hat die Armee ihnen gerade abgenommen; in den dicht besiedelten Metropolen sind Kämpfe und Artilleriebeschuss aber undenkbar.Verloren haben die Aufständischen jetzt vor allem die Stadt Slowjansk, lange eine Hochburg der Separatisten, die die Gebiete im Osten von der Ukraine loslösen möchten.
Dort überzeugt sich nun der Verteidigungsminister von der Lage. Ob man mit ihm Ukrainisch reden solle, fragt jemand. Wie Sie wollen, sagt der Minister: Seine Frau und seine Kinder würden Russisch sprechen, auf Arbeit spreche er Ukrainisch. Nirgendwo gebe es ein Problem mit den Sprachen. Man könne auch nach Lwow gehen, ganz in den Westen, und dort Russisch sprechen.
Wer konnte, war aus Slowjansk geflohen. Wer blieb, dem fehlte es zuletzt an allem, ob Strom, Wasser oder essen. Die Regierung lässt nun zuerst einmal Lebensmittel verteilen; in zwei Tagen soll wieder Strom fließen." (Euronews, 6.7.14)

• Slawjansk und Kramatorsk in der Hand Kiews
"Nach der Eroberung von Slowjansk und Kramatorsk durch die ukrainischen Streitkräfte haben in den beiden Städten die Aufräumarbeiten begonnen. Soldaten schafften Waffen aus ehemals besetzten Gebäuden. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko betonte, die Einnahme der beiden Städte habe eine hohe Symbolkraft.
“Ich habe dem Präsidenten Bericht erstattet, und er hat drei Transportmaschinen mit Nahrungsmitteln, Wasser und anderen Bedarfsgütern nach Slowjansk geschickt”, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Valeri Heletey. “Wir arbeiten mit dem Katastrophenschutzministerium zusammen und kümmern uns jetzt um die friedlichen Bewohner von Slowjansk.”
Seit April befand sich die Stadt in der Hand der Rebellen, die nach eigenen Angaben neue Stellungen in der Millionenstadt Donezk bezogen haben. ..." (Euronews, 6.7.14)

• Die FAZ berichtet aus dem "befreiten" Slawjansk
"Über dem Rathaus von Slawjansk weht wieder die ukrainische Flagge. Auch in die Stadt Kramatorsk rückt die Armee am Abend vor. Vier Monate Albtraum sind vorbei. Flüchtlinge und traumatisierte Bürger berichten von Plünderungen und Hinrichtungen durch die Aufständischen. ...
Für die Bevölkerung waren die letzten Tage kaum noch erträglich gewesen, seit Wochen hatte die Armee Slawjansk umzingelt, seit Wochen sind Strom, Wasser und Gas ausgefallen, Lebensmittel wurden knapp. Das Schlimmste aber war zuletzt der ständige Krieg. Die Aufständischen verschanzten sich nach Darstellung der Flüchtlinge in den Wohnvierteln der Stadt und beschossen von dort aus die Stellungen der Streitkräfte auf den Höhenzügen der Umgebung.
Bei solchen Gelegenheiten kam es offenbar immer wieder vor, dass die Armee zurückschoss und dabei mehr als nur einmal Wohnblöcke, Märkte und private Häuser traf. Zeugen wie der Pfarrer Dudnik haben das gesehen. Wer bei solchen Schusswechseln verletzt wurde, hatte zuletzt offenbar kaum mehr Chancen auf adäquate ärztliche Versorgung. Ein Arzt im Slawjansker Lenin-Krankenhaus sagte der F.A.S. jedenfalls am Telefon, die Generatoren, die sein Haus mit Strom versorgen, hätten nur noch wenige Liter Treibstoff übrig. Die Blutreserven des Krankenhauses drohten zu verderben.
Aber möglicherweise sind die Granatengeschosse der Regierung nicht die einzigen, die in den vergangenen Wochen die Stadt getroffen haben. Sprecher der Streitkräfte jedenfalls behaupten, dass die Rebellen dabei beobachtet worden seien, wie sie sich an Armeestellungen in der Umgebung herangeschlichen hätten, um von dort aus ihre eigene Stadt zu beschießen und damit die Streitkräfte als rücksichtslose Schlächter der Bevölkerung darzustellen.
Einer der Flüchtlinge, mit denen die F.A.S. sprach, hat diese Variante bestätigt. Er habe beobachten können, wie Aufständische aus einem Granatwerfer Richtung Zentrum geschossen hätten. Der Mann, der traumatisiert wirkte, wollte seinen Namen nicht nennen. Als er sprach, war die Flucht der Rebellen noch nicht bekannt. ..." (FAZ, 5.7.14)

• Einnahme von Slawjansk als "Wendepunkt"
"Der Vorsitzende der Werchowna Rada der Ukraine, Oleksandr Turtschynow, nannte den heutigen Einsatz der ATO-Kräfte zur Wiederaufnahme der Kontrolle über die Stadt Slawjansk ein Wendepunkt. Das meldet sein Pressedienst.
„Heute ist ein Wendepunkt im Kampf gegen den Terrorismus im Osten unseres Landes. Die Separatisten versuchten, Slawjansk in Symbol des Kampfes gegen unser Vaterland zu verwandeln, aber gerade diese Stadt wird ein Symbol des Sieges der einheitlichen und unabhängigen Ukraine über russische Söldner und Terroristen sein“, sagte er.
Wie Ukrinform berichtete, haben am 5. Juli die ATO-Kräfte die Terroristen aus Slawjansk vertrieben." (Ukrinform, 5.7.14)

• Rasmussen: NATO wollte nie auf die Krim - Moskau destabilisiert Ostukraine
"euronews: Präsident Putin sagte, dass er kein Recht habe, NATO-Truppen auf die Halbinsel Krim zu lassen, deshalb sei sie annektiert worden. Haben Sie solche russischen Sicherheitsbedenken in Betracht gezogen?
Anders Fogh Rasmussen: Ja, aber wir hatten nie die Absicht, NATO-Truppen auf der Krim einzusetzen. Das ist also eine sehr schlechte Ausrede für die illegale und unzulässige Annektierung der Krim. Es gibt dafür keine Entschuldigung. Russland hat all seine internationalen Vereinbarungen in eklatanter Weise gebrochen und ebenso die grundlegenden Prinzipien der Zusammenarbeit zwischen NATO und Russland.
euronews: Sehen Sie nach wie vor eine Einmischung Russlands im Osten der Ukraine? Und wie ist es mit dem dortigen bewaffneten Konflikt?
Anders Fogh Rasmussen: Es gibt keinen Zweifel, dass Russland maßgeblich daran beteiligt ist, den östlichen Teil der Ukraine zu destabilisieren. Die Russen lassen den Transfer von Waffen, militärischem Gerät und Kämpfern über die Grenze in die Ukraine zu. Wir rufen Russland auf, die Unterstützung der seperatistischen Gruppen einzustellen. Und wir rufen Russland dazu auf, Truppen von der russisch-ukrainischen Grenze abzuziehen. Kürzlich haben wir einen neuerlichen Zusammenzug russischer Truppen in der Grenzregion festgestellt.
euronews: Verstärkt die NATO ihre Präsenz in der Nähe Russlands?
Anders Fogh Rasmussen: Wir haben die Luftraumüberwachung über den drei baltischen Staaten verstärkt, wir haben Kriegsschiffe in die baltische See und das schwarze Meer entsandt, wir haben zusätzliche Manöver in Polen und den baltischen Staaten durchgeführt. Auf See, in der Luft und auf dem Land werden Sie also eine stärkere NATO-Präsenz erkennen. Die Ausrichtung ist nicht offensiv, sondern rein defensiv, mit dem Ziel, unsere Verbündeten wirkungsvoll zu schützen.
euronews:
Wie beschreiben Sie Russland, als Partner oder inzwischen eher als Gegenspieler?
Anders Fogh Rasmussen: Mehr als 20 Jahre lang haben wir eine konstruktive Beziehung zu Russland aufgebaut. Aber ich muss sagen, dass sich Russland nicht wie ein Partner verhält. Und wir sehen in russischen Militärdokumenten, dass sie die NATO als einen Widersacher betrachten. Natürlich müssen wir uns darauf einstellen. ..." (Euronews, 5.7.14)

Hat Rasmussen wieder geraucht?

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen

siehe auch: "Das Morden geht weiter, Europa schaut verschämt weg"

Freitag, 20. Juni 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 11

10. Fortsetzung der gesammelten Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 23:14 Uhr)

• Poroschenko: Waffenruhe für eine Woche"Die Militär- und Sicherheitskräfte der Ukraine stellen die Kampfhandlungen im Südosten des Landes bis zum 27. Juni ein. Das erklärte Präsident Pjotr Poroschenko am Freitag bei einem Treffen mit Bewohnern der Stadt Swjatogorsk im Gebiet Donezk.
„Die Kräfte, die an der Anti-Terror-Operation teilnehmen, stellen das Feuer ab sofort für eine Woche, bis zum 27. Juni ein“, wurde Poroschenko auf der Internetseite des Kiewer Innenministeriums zitiert. Laut Pressedienst des Präsidenten hatte Poroschenko bereits einen entsprechenden Befehl erteilt. ...
„Die ukrainische Armee stellt das Feuer ein. Aber das bedeutet ganz und gar nicht, dass wir im Fall einer Aggression gegen unsere Militärs keine Abfuhr erteilen werden. Wir werden alles für den Schutz unseres Territoriums tun“, versicherte Poroschenko.
Die Waffenruhe solle den Weg für seinen Friedensplan freimachen. Dem Kiewer Innenministerium zufolge sollen die „Terroristen“ ihre Waffen während der Waffenpause niederlegen. „Diejenigen, die das nicht tun, werden vernichtet“, hieß es in Kiew.
Die Volkswehr der selbsternannten Republiken Lugansk und Donezk im Osten der Ukraine teilte mit, dass sie den Ankündigungen Poroschenkos nicht glaubt. „Wir haben schon hundertmal von einer Waffenruhe seitens der Nationalgarde und der ukrainischen Armee gehört. Aber die Militäroperationen hören keine Minute auf“, sagte der Donezker „Republikchef“ Andrej Purgin. ..." (RIA Novosti, 20.6.14)

• Gehrcke: "Poroschenko-Friedensplan verdient den Namen nicht"
"Der sogenannte Friedensplan von Petro Poroschenko verdient diesen Namen nicht. Er wäre nur dann glaubwürdig, wenn sofort alle Aktionen der ukrainischen Armee eingestellt, die Soldaten in die Kasernen zurückbeordert und die Nationalgarde sowie andere Milizen aufgelöst werden würden. Die 14 Punkte sind außerdem völlig unzureichend, um zu einem tatsächlichen Frieden in der Ukraine zu kommen. ...
Ein Waffenstillstand hat dann eine Chance, wenn die größte Macht, und das ist immer noch die Armee, nicht weiter gegen das eigene Volk eingesetzt wird. Nach wie vor ist nicht widerlegt, dass die ukrainische Armee und die Nationalgarde in weiten Bereichen unter dem Kommando von Offizieren stehen, die mit dem Rechten Sektor verbunden sind. Die Entwaffnung paramilitärischer Verbände darf nicht nur im Osten vor sich gehen, sondern muss in der gesamten Ukraine vollzogen werden. Die OSZE wäre geeignet, nicht nur die Entwaffnung zu beobachten, sondern selbst Waffen einzuziehen. ..." (Pressemitteilung MdB Wolfgang Gehrcke, 20.6.14) 

• Steinmeier: Aufständische schuld an Eskalation
Außenminister Frank-Michael Steinmeier ist derzeit zu Besuch in Österreich. Die Zeitung Der Standard gibt seine Äußerungen am 20.6.14  in Wien zur Situation in der Ukraine so wieder: "... Pessimistisch gab sich der deutsche Chefdiplomat mit Blick auf die Ukraine-Krise. Noch letzte Woche sei man der Meinung gewesen, "auf einem guten Weg zu sein". Doch der Abschuss der ukrainischen Militärmaschine über dem ostukrainischen Lugansk sei "ohne Zweifel ein Rückschlag gewesen". In der Folge müsse sich die internationale Gemeinschaft bemühen, "die Bedingungen wieder herzustellen, um den Friedensplan wahr zu machen" und in die Realität umzusetzen. ..."

• Aufständische fühlen sich von Putin verraten
"Die Führung der Donezker Volkswehr fühlt sich vom russischen Präsidenten Wladimir Putin verraten, schreibt die "Nesawissimaja Gaseta" in ihrer Freitagsausgabe.
Der Befehlshaber der Volkswehr der so genannten „Donezker Volksrepublik“, Igor Strelkow, hat im Internet eine Erklärung abgegeben, in der er warnt, dass die Situation seiner Mitstreiter ohne eine „reelle, umfassende und unverzügliche“ Militärhilfe seitens Russlands hoffnungslos sei. Die Volkswehr verliere den Kampf gegen die ukrainische Armee, weil sich Russland nach den Unabhängigkeitsreferenden in den Gebieten Donezk und Lugansk geweigert habe, seine Friedenstruppen zu schicken.
De facto hat Strelkow den Kreml der Sabotage und sogar des Verrats beschuldigt. Im Grunde versucht er damit, Putin persönlich und die russischen Entscheidungsträger unter Druck zu setzen. Nicht auszuschließen ist übrigens, dass auch ein Teil des Umfeldes Putins ihn dazu drängt, die beiden „Volksrepubliken“ zu unterstützen. ..." (RIA Novosti, 20.6.14)

• Zivilisten durch Beschuss von Slawjansk getötet
"Vier zivile Einwohner sind am Donnerstag beim Beschuss der Stadt Slawjansk im ostukrainischen Gebiet Donezk getötet und sechs weitere, darunter ein fünfjähriger Junge, verletzt worden, erfuhr RIA Novosti von einem Sprecher des Volkswehr-Stabs der Stadt.
Der Beschuss hat den ganzen Donnerstag gedauert. Ein Geschoss traf den Hof eines Privathauses. Eine 30-jährige Frau kam dabei ums Leben, ihr fünfjähriger Sohn wurde mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht.
Nach Angaben der Volkswehr erlagen zwei Zivilsten im Krankenhaus ihren Verletzungen. ..." (RIA Novosti, 20.6.14)

• Kriegsgebiet Lugansk und Bergarbeiter gegen die NATO
"... Aus dem ostukrainischen Lugansk fliehen die Familien des SOS-Kinderdorfs, informierte ein Sprecher der Organisation. »Die Region nahe der Innenstadt und die Vorstädte sind inzwischen Kriegsgebiet«, teilte Louay Yassin mit. Laut SOS-Mitarbeitern haben sich die Kämpfe zwischen separatistischen Milizen und ukrainischen Truppen immer stärker in die Innenstadt verlagert. »Angst und Panik greifen um sich, erzählen uns unsere Kollegen«, sagte Yassin. Nur wenige Menschen trauten sich wegen der Kämpfe aus dem Haus. Viele Kinder gingen wegen der Gefahr auch nicht mehr zur Schule.
Am Vortag waren in Donezk rund 3000 Bergleute und Anhänger einer von Kiew unabhängigen Region zum Protest gegen die »Anti-Terror-Operation« der Übergangsregierung und für Frieden auf die Straße gegangen. Auf Plakaten hieß es »Wir sind gegen Faschismus« oder »NATO - Nein!«. ..." (Neues Deutschland, 20.6.14)

• Drei Ex-Präsidenten unterstützen Poroschenko
"Die drei ehemaligen Präsidenten der Ukraine Leonid Krawtschuk, Leonid Kutschma und Viktor Juschtschenko haben den Friedensplan des neuen ukrainischen Staatschefs Pjotr Poroschenko unterstützt und ihn ersucht, korrupte Amtsträger zu entlassen und die  aggressive Außenpolitik Russlands zu unterbinden, meldet die Agentur UNN unter Hinweis auf eine gemeinsame Erklärung der Ex-Präsidenten. ..." (RIA Novosti, 20.6.14)

• Grenze zu Russland angeblich wieder unter Kontrolle
"Die Ukraine hat die Kontrolle über ihre Grenze zu Russland wiedergewonnen. „Die Armee hat die Problemregion umzingelt und die Staatsgrenze, gemeinsam mit dem Grenzschutzdienst unter Kontrolle gebracht“, teilte Verteidigungsminister der Ukraine Mychailo Kowal am Freitag im Parlament mit." (Ukrinform, 20.6.14)

• Poroschenko stellte "Friedensplan" vor
"Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat wie angekündigt am Freitag einen 14 Punkte umfassenden Friedensplan für den Osten des Landes vorgelegt. Dies berichtete der private Fernsehsender Inter TV auf seiner Interntseite. Der Plan sehe unter anderem die „Entwaffnung“ von Milizen sowie eine „Dezentralisierung der Macht“ im Land vor. Prorussische Separatisten, die keine „schweren Verbrechen“ begangen haben, sollen straffrei ausgehen. Auch werde in dem Plan ein „Korridor für russische und ukrainische Söldner“ zum Verlassen der Krisenregion angekündigt. ..." (Die Presse, 20.6.14)

• Geheimdienstchef will Kommunisten und Kommunismus verbieten lassenDer ukrainische Geheimdienst SBU habe dem Justizministerium in Kiew Akten zu seinen Nachforschungen über die Kommunistische Partei der Ukraine (KPU) übergeben, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 20.6.14. Es habe sich um eine "beweiskräftige, rechtmäßige und unzweifelhafte Untersuchung" gehandelt, wird der SBU-Chef Valentin Nalyvaychenko zitiert. Er forderte nicht nur die KPU, sodnern auch die kommunistische Ideologie zu verbieten, weil die Kommunisten die Aufständischen in der Ostukraine rekrutierten, ihnen Waffen besorgten und die territoriale Integrität der Ukraine angriffen.

• Fahndung nach Richter, der Julija Timoschenko verurteilte
"Die Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine übergab ans Oberste Gericht die Unterlagen bezüglich der Festnahme und Verhaftung von Richter Rodion Kireew, nach dessen Entscheidung Julia Timoschenko ins Gefängnis geriet. Das teilte der Vorsitzende des Obersten Gerichts Jaroslaw Romanjuk mit, schreibt die Zeitung „Heute“.
Laut der Behörde „habe der Richter bewusst ungerechte Entscheidung in Bezug auf Angeklagte Timoschenko mit Gewahrsam getroffen“. Er habe „absichtlich, systematisch und grob das durch die ukrainische Gesetzgebung der Ukraine vorgesehene Recht der Angeklagten Timoschenko auf Verteidigung verletzt“ und in ihrem Fall das ungerechte Urteil gefällt, informierte der „5-Kanal“. ..." (Ukrinform, 20.6.14)

• Neues Telefonat von Putin und Poroschenko
"Der russische Präsident Wladimir Putin  hat in einem Telefongespräch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Pjotr Poroschenko die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass bei der Umsetzung eines Friedensplans das Hauptaugenmerk der Lösung von Problemen gelten wird, die Proteste im Osten der Ukraine ausgelöst hatten, wie der Kreml-Pressedienst am Freitag mitteilte.
Am Donnerstagabend informierte Poroschenko den russischen Staatschef über die Schlüsselpunkte seines Plans zu einer friedlichen Regelung im Osten der Ukraine. Das Telefongespräch fand auf Initiative der ukrainischen Seite statt. ..." (RIA Novosti, 20.6.14)

• Aufständische wollen eigenen Staat "Noworossija"
Ulrich Heyden berichtet in der aktuellen Freitag-Ausgabe vom 19.6.14 über die Ereignisse in der Ostukraine und die Ziele der Aufständischen:
"Für die Aufständischen im Osten und Süden sind Verhandlungen mit der Regierung bestenfalls ein Übergangsstadium – zum Staat Noworossija
Slowjansk und Kramatorsk liegen seit Tagen unter Dauerbeschuss der ukrainischen Artillerie. Russische Fernsehkanäle berichten ausführlich aus den beiden Städten, mit Liveschaltungen und Videosequenzen, über zerstörte Straßenzüge, Wohn- und Krankenhäuser, tote Zivilisten und Mütter mit Kindern, die in Städte wie Rostow und Woronesch jenseits der Grenze fliehen. Vorerst ist ihre Sicherheitsschleuse kein „humanitärer Korridor“, wie Präsident Petro Poroschenko versprochen hat. Dass man darüber in Deutschland nicht berichtet, hat sicher etwas damit zu tun, dass kaum noch Korrespondenten im Donezbecken ausharren. Natürlich könnte man vom Bildmaterial her auf russische Medien zurückgreifen, doch gelten die als nicht vertrauenswürdige Quelle. Bei deutschen Abnehmern wohlgelitten sind dagegen ukrainische Journalisten, unter anderem die „Kämpfer gegen Kriegslügen“ mit ihren Texten auf der Webseite StopFake.org. Allerdings sezieren sie nicht die Propaganda beider Seiten, sondern sind auf russische Fakes spezialisiert. Auch wird von keinem ukrainischen Fernsehsender über Proteste von Müttern in Kiew oder anderswo berichtet, die nicht wollen, dass ihre Söhne in einen unmoralischen Krieg geschickt werden. Bei StopFake.org findet man dazu ebenfalls keine Zeile, kein Video. ..."

• EU "tief besorgt" über Gewalt in der Ostukraine
"Die Europäische Union ist tief besorgt über die anhaltende Gewalt im Osten der Ukraine als Ergebnis der Aktivitäten der illegalen bewaffneten Gruppen, und die Auswirkungen der Gewalt auf die Redefreiheit." Das sagte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am 19.6.14. Die Todesfälle der beiden russischen Journalisten seien ein Beispiel, dass sich die Lage verschlechtere. Das gelte auch für den Tod des "EuroMaidan"-Aktivisten Oleksandr Reshetniak, der am 15. Juni trotz medizinischer Behandlung an seinen Schuss-Verletzungen starb, nachdem bewaffnete Aufständische in Lugansk auf ihn schossen und gefangennahmen. Diese Fälle müssten von den Behörden untersucht werden, so der Ashton-Sprecher.

• Wem das Ende des Rüstungskooperation schadet
"Die Ukraine verzichtet auf die militärtechnische Kooperation mit Russland, schadet dadurch aber vor allem sich selbst, schreibt die Zeitung "Komsomolskaja Prawda" in ihrer Donnerstagsausgabe.
Die russischen Rüstungsschmieden werden auch ohne die ukrainischen Zulieferteile zurechtkommen. Der Ukraine entgehen dadurch jedoch große Bestellungen aus Russland und Einnahmen. Welche Konsequenzen zu erwarten sind, zeigen einige konkrete Einzelfälle. ..." (RIA Novosti, 19.6.14)
Die ukrainische Firma Yuzhnoye in Dnjepropetrowsk werde vorerst weiter wie bisher die russischen strategischen Interkontinentalrakten "RS-20 Satan" warten, berichtete die Nachrichtenagentur ITAR-TASS am 19.6.14. Die Firma sei noch nicht offiziell von der Entscheidung von Poroschenko, die Rüstungskooperation einzustellen, informiert worden. Experten zufolge könnten russische Fachleute die Wartungsarbeiten übernehmen.

• Nationalgarde stellt neues Bataillon für Krieg auf
"Die ukrainische Nationalgarde hat mit der Bildung eines vierten Bataillons für den Einsatz gegen die Volksmilizen im Osten der Ukraine begonnen. Die Entscheidung wurde vom Befehlshaber der Nationalgarde, Generalleutnant Stepan Poltorak, getroffen, hieß es am Donnerstag in Kiew.
Das zweite Bataillon nimmt derzeit an der sogenannten Anti-Terror-Operation Kiews in den östlichen Gebieten Donezk und Lugansk teil. Die Bildung des dritten Bataillons steht in einem Lehrzentrum der Nationalgarde kurz vor dem Abschluss. Dieses Bataillon entstand auf der Basis des von der radikalen Bewegung Rechter Sektor mit Anführer Dmitri Jarosch an der Spitze aufgestellten Bataillons „Donbass“. ..." (RIA Novosti, 19.6.14)

• Geliefert wird erst nach Bezahlung
"Die Haltung Russlands zum Gasstreit mit der Ukraine hat sich laut Energieminister Alexander Nowak nicht verändert: Die russische Seite ist zu weiteren Verhandlungen erst nach der Begleichung der Gasschulden durch Kiew bereit.
„Wir warten auf die Bezahlung der russischen Gaslieferungen“, sagte Nowak am Donnerstag. Anschließend wäre Russland zu einer Fortsetzung der Verhandlungen bereit. ..." (RIA Novosti, 19.6.14)

• Aufständische übergaben Leichen der bei Flugzeugabschuss Getöteten
"Es ist nur eine kurze Waffenruhe zwischen Separatisten und Regierungskräften in der Nähe der ostukrainischen Stadt Donezk gewesen: Die Aufständischen haben am Mittwoch die Leichen der am Samstag bei einem Flugzeugabschuss getöteten Soldaten übergeben. Es war der schwerste Angriff der Separatisten bei den seit Wochen andauernden Kämpfen. Ein Anzeichen für eine Annäherung ist die Übergabe offensichtlich nicht: “In dem Container auf dem LKW befinden sich 49 Körper von ukrainischen Fallschirmjägern, die in der Nähe des Flughafens von Luhansk starben. Wir bekommen dafür keine Gegenleistung. Sobald wir die Leichen übergeben haben, geht der Krieg weiter, bis wir gewinnen.” ..." (Euronews, 19.6.14)
In einem russischsprachigen Blog wurden die Namen der Opfer veröffentlicht.

Die Welt ist weiter unfriedlicher geworden
Die Welt ist seit 2008 weniger friedlich geworden, stellt der neue "Global Peace Index 2014" des internationalen Institute for Economics and Peace (IEP) fest. Die Fortsetzung des Konflikts in Syrien, die sich verschlechternde Situation in der Ukraine und der Bürgerkrieg im Südsudan haben zu dem Trend beigetragen.

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wird im Rahmen der Möglichkeiten laufend aktualisiert

Sonntag, 26. August 2012

Blick nach Afghanistan

Alle guten Dinge sind drei! Deshalb folgt hier ein weiterer Hinweis auf einen interessanten Text zu einem interessanten Thema.
Die aktuelle Ausgabe 08/2012 der Monatszeitung Le Monde diplomatique bringt einen Text über Afghanistan und erinnert an Mohammed Nadschibullah, den letzten kommunistischen Präsidenten des Landes.
"Nicht selten sieht man in einem Teehaus oder einem kleinen Laden von Kabul ein Bild an der Wand, das einen ernst blickenden Mann mit rundem Gesicht, dunklem Haar und Schnurrbart zeigt. Es ist das Porträt von Mohammed Nadschibullah, dem letzten kommunistischen Präsidenten Afghanistans. Nadschibullah war erst 1986 ins Amt gekommen, davor hatte er jahrelang die straff durchorganisierte Geheimpolizei KHAD geleitet. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen konnte er sich noch drei Jahre an der Macht halten, bis er 1996 von Talibankämpfern auf grauenhafte Weise umgebracht wurde.
Wenn man Afghanen auf die Nadschibullah-Poster anspricht, hört man Sätze wie: "Er war ein starker Präsident, und wir hatten damals eine starke Armee." Oder: "Kabul war sauber, und alles war in Ordnung." Ein Teehausbetreiber meinte nur: "Nadschib hat gegen Pakistan gekämpft." In der Erinnerung erscheint Nadschibullah also weniger als Sozialist - für viele Afghanen ohnehin ein nebelhafter Begriff -, sondern als Patriot und Modernisierer. ..."
Autor Christian Parenti wertet zwei englische Bücher aus, die sich u.a. mit der sowjetischen Besatzung des Landes am Hindukusch von 1979 bis 1989 beschäftigen. Das eine, "Afgantsy", hat Rodric Braithwaite geschrieben. Er ist ein Veteran der Diplomatie des Kalten Krieges, der als britischer Botschafter in Moskau den Zerfall der Sowjetunion beobachtet hat. In seinem Buch schildert er laut Parenti detailliert und mit viel Gespür die russische Invasion und Besatzungszeit in Afghanistan. "Braithwaites nüchterne und ausgewogene Darstellung kontert zugleich die propagandistisch verzerrten und falschen Informationen, die er selbst als britischer Diplomat in Moskau verbreiten half." Für seine Forschungen habe er Zugang zu Archiven der russischen Regierung, mit Zeitzeugen gesprochen, die im sowjetisch-afghanischen Krieg eine Schlüsselrolle gespielt haben, und sei nach Kabul gereist, um seine Kenntnisse vor Ort zu vertiefen.
Das andere Buch, "Ghosts of Afghanistan", stammt von Jonathan Steele. "Als langjähriger Auslandskorrespondent des Guardian hat er dreißig Jahre lang über Afghanistan berichtet: über die sowjetische Intervention, die Nadschibullah-Ära, die Schreckenszeit unter den Mudschaheddin, den Bürgerkrieg, den Aufstieg der Taliban und die US-amerikanische Besatzung. Steele zeichnet ein umfassendes und nuanciertes Bild von Afghanistan, wobei sein journalistischer Blick für aktuelle Details und Zusammenhänge durch eine langfristige historische Betrachtungsweise ergänzt wird."
Parenti schreibt, dass die sowjetische Führung zwar die Kommunisten in Afghanistan unterstützte. Aber was in dem Land Ende der 70er Jahre passierte, habe Moskau laut Braithwaite gar nicht gefallen. Afghanistan galt weder als reif für den Sozialismus, noch die kommunistische DVPA reif für die Führung des Landes. "Im Laufe des Krisenjahrs 1979 hat die kommunistische Regierung Afghanistans die Sowjetunion ganze dreizehnmal dazu aufgefordert, militärisch einzugreifen. Doch Moskau verweigerte sich mit Verweis auf alle möglichen plausiblen Gründe: 'Wir haben alle Aspekte dieses Vorgehens geprüft', erklärte ein sowjetischer Regierungsvertreter, 'und sind zu dem Schluss gekommen, dass sich durch das Eingreifen unserer Truppen die Situation in ihrem Land nicht nur nicht verbessern, sondern sogar verschlimmern würde.' Erst die Ermordung Tarakis scheint ein Umdenken in Moskau bewirkt zu haben. ..."
Alles Weitere ist Geschichte und kann in dem Beitrag von Le Monde diplomatique weitergelesen werden.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Die Angst des Adels vor der Revolution

Erstaunliches durfte ich gestern vernehmen, als ich seit langem Mal wieder etwas tat, was ich mir aus verschiedenen Gründen lange verkniff:
Ich habe bei "Anne Will" reingeschaut. Das geschah nur kurz, aber wahrscheinlich genau deshalb musste ich etwas hören und sehen, was mich seitdem beschäftigt: Da erklärte doch tatsächlich der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, dass Friedrich II. mit seinem Hobby Aufklärung den Deutschen ein Ereignis wie die Französische Revolution erspart habe und dass er das gut fände. Denn bei der Revolution seien ja so viele Menschen umgebracht worden und das hätte den Franzosen ja dann auch Napoleon I. eingebracht. Weizsäcker meinte noch, er verstehe gar nicht, was die Franzosen an Napoleon I. fänden. (Eine Zusammenfassung ist im FAZ-Feuilleton zu finden.)
Ich rekapituliere: Der ehemalige Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland ist froh, dass in der deutschen Geschichte kein Ereignis wie die Französische Revolution 1789 geschah und das Dank des Wirkens des feudalen Herrschers Friedrich II. Der frühere höchste Repräsentant dieser Republik, die eine bürgerliche ist und sich auf die Grundprinzipien von Freiheit und Demokratie beruft und darauf begründet ist, freut sich, dass eines der Ereignisse, das u.a. mit der Losung "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" Grundlagen für die moderne Demokratie legte, nicht in Deutschland stattfand. Und das, weil Friedrich I. sich als Hobbyphilosoph mit der Aufklärung beschäftigte und entsprechende Denker zu sich einlud.
Ich dachte, ich höre nicht richtig. Der gegenwärtige Rummel um den einstigen Preussenkönig Freidrich II. ist mir schon unerträglich. Die NachDenkSeiten haben dankenswerterweise kürzlich an einen Text von Franz Mehring zum Thema erinnert, dem eigentlich nichts hinzuzufügen ist: "In allen Zweigen seiner Herrschertätigkeit hat er – mit einziger Ausnahme der Rechtspflege, wo er einige Anläufe zu Reformen machte, um schließlich doch wieder in der launenhaftesten Kabinettsjustiz zu versumpfen – durchaus auf der historisch rückständigen Seite gestanden, und wer seine Geschichte irgendwie kennt, wird es nur als beißenden Hohn empfinden, wenn er als Muster eines aufgeklärten Despoten gefeiert wird.
Nichts hat ihm mehr am Herzen gelegen, als den feudal-mittelalterlichen Kastenstaat mit den drei erblich geschiedenen Ständen der Junker, der Bauern und der Bürger aurechtzuerhalten. ..."

Mit dem Wissen, dass es keine einfachen linearen Geschichtslinien gibt, sei aber dennoch auch darauf hingewiesen, dass das, wofür der "alte Fritz" stand, zu dem historischen Nährboden gehört, der den deutschen Faschismus hervorbrachte. Der preussische und sonstige deutsche Adel war einer der Stützen, auch geistig, des deutschen Faschismus, bei allen lobenswerten Ausnahmen. Das spielte aber in dem kurzen Ausschnitt, den ich sah, keine Rolle, auch nicht im Kommentar von Gregor Gysi, der zu Weizsäckers Äußerungen nur sagte, dass die deutsche Geschichte anders verlaufen wäre, hätte es ein ähnliches deutsches Ereignis wie die Französische Revolution gegeben.
Natürlich ist es kein Wunder, dass ein Adelsspross wie der ehemalige Bundespräsident die Revolution fürchtet wie der Teufel das Weihwasser. Aber was er da als früherer Repräsentant des deutschen Staates sagte, der nach dem unheilvollsten Kapitel der deutschen Geschichte die Demokratie und andere Errungenschaften in Folge der Französischen Revolution zu seinen Fundamenten zählt, von sich gab, hat mir gezeigt, wie die hierzulande Herrschenden wirklich denken, wessen Geistes Kind sie sind und was sie von dem halten, was sie immer wieder in Sonntagsreden von sich geben.
Weizsäckers Freude über das Ausbleiben einer Deutschen Revolution erinnert mich an eine Aussage eines anderen deutschen Politikers: "Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." Walter Ulbricht kam aus einer ganz anderen politischen Richtung und gern wird mit Hilfe dieses Zitates gezeigt, wie böse die deutschen Kommunisten in der DDR waren und an sich sind. Am Ende zeigt sich, dass die Herrschenden alle gleich sind, wenn es um ihre Macht geht. Es bleibt nur die Frage: Cui bono?