Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine- und zum
West-Ost-Konflikt und den Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf
Vollständigkeit, fast ohne Kommentar
• US-Historiker warnt vor Krieg mit Russland
"
Erstmals
in der Geschichte rückt das US-Militär laut Stephen Cohen so nah an die
russische Grenze heran. Die Entscheidung der USA und der Nato, schwere
Waffen in Osteuropa aufzustellen, könne die Welt - erstmals seit der
Kuba-Krise - wieder gefährlich nah an den Abgrund des Krieges bringen,
warnt der amerikanische Historiker.
Die Truppenaufstockung in Europa
bezeichnete Cohen, Professor an der Princeton University und an New York
University, als einen „radikalen und unvernünftigen Schritt in Richtung
Eskalation unter einem völlig erdachten Vorwand“.
„Jetzt passiert
genau das, was die Nato seit 15 Jahren abgestrebt hat:
(US-Verteidigungsminister Ashton – Red.) Carter balanciert am Rande
eines Krieges mit Russland“. Noch nie zuvor seien die amerikanischen
Truppen und schweres Kriegsgerät so nah an Russlands
Verteidigungsgrenzen gewesen. Die russische Regierung sei gezwungen,
etwas dagegen zu tun. Aber auf jeden Gegenschritt Moskaus würde ein
Gegenschritt Washingtons folgen. Diese militärische Eskalation könnte im
Endeffekt zu einer „Konfrontation wie in der Kuba-Krise“ führen.
Der
Westen überzeuge mit Propaganda die übrige Welt, dass Russland eine
Bedrohung darstelle. „Das wird von den Leuten getan, die seit
Jahrzehnten nach einer Offensive gegen Russland lechzten“, sagte Cohen
weiter. „Das ist nicht mehr die Ukraine, die sich verteidigt. Das ist
die Nato, die expandiert“, so der Historiker. Laut ihm sollten sich die
europäischen Staaten darüber Gedanken machen, dass die USA weder den
Euro retten noch billige Energieträger an die EU liefern könnten. ..." (
Sputnik, 28.6.15)
Cohen in einem
Interview der taz, veröffentlicht am 2.5.14: "
... Die Ukraine ist
so wichtig für die politische Führung der USA, dass sie einen Krieg mit
Russland riskiert. Warum das so ist, lässt sich nur sehr schwer
erkennen. Denn hier findet keine öffentliche Debatte über diese Krise
statt. Dabei befinden wir uns an einem historischen Wendepunkt. Letzten
Sonntag hat die New York Times berichtet, dass Obama im
Wesentlichen einen neuen Kalten Krieg gegen Russland deklariert und sich
die alte Politik der Eindämmung zu eigen gemacht hat.
Was ist die offizielle Erklärung?
Sie lautet, dass die arme Ukraine nur
Demokratie und ökonomischen Wohlstand wollte – durch das europäische
Partnerschaftsangebot an den damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch
vom November. Und dass Russland das verhindert habe. Manche meinen,
dahinter stecke, dass Wladimir Putin die alte Sowjetunion zurückhaben
will. Andere, dass er zu Hause Macht verliere und einen Krieg und
Nationalismus brauche, um sich ein Schicksal wie Ägpytens Präsident
Husni Mubarak oder Janukowitsch zu ersparen. Aber alle meinen, dass
Amerika Putin stoppen muss. Weil er anderenfalls auch in die baltischen
Staaten und nach Polen gehen würde.
Was ist daran so anders als in Deutschland?
In Deutschland gibt es eine Debatte und
zumindest drei ehemalige Bundeskanzler, die die EU-Politik gegenüber
Russland und der Ukraine kritisieren. Da sind Schröder und Schmidt. Und
der Interessanteste ist Kohl. Er kennt die Geschichte der deutschen
Vereinigung. Er weiß, welche Zusagen es damals an Russland gab. Unter
anderem, dass die Nato nicht expandiert. Auch er hat die EU kritisiert.
Und damit Merkel. In Amerika äußert kein Expräsident Kritik. Wo ist Bill
Clinton? Er hat in den 90er Jahren die Freundschaft mit Russland
versprochen. Er schweigt. Wo ist Jimmy Carter?
Wie erklären Sie das Schweigen der US-amerikanischen Elite?
Beide Parteien – Demokraten und
Republikaner – sind tief verwickelt. Seit den 90er Jahren haben Clinton,
Bush und Obama eine Politik gemacht, die Russland umzingelt.
Sie betrachten die Russlandpolitik der USA der letzten 20 Jahre als gescheitert?
Die Ukrainekrise ist ein kolossales
Scheitern der US-Außenpolitik. Sie hat uns an den Rand eines Krieges
gebracht. Und alle US-Präsidenten seit Clinton sind Komplizen. ...
Was also ist der Plan hinter Obamas Russlandpolitik?
Die Ukraine in die Nato bringen. Darum
geht es die ganze Zeit. Und Merkel, die 2008 gegen einen Nato-Beitritt
der Ukraine war und die Russland versteht und die zumindest mit Putin
reden kann – die arme Merkel ist in eine unmögliche Lage geraten. Wir
hätten die ukrainische Situation im November an Merkel übergeben sollen.
Sie hätte eine Lösung gefunden. Die Amerikaner sind viel zu
ideologisch. Und Obama ist eindeutig nicht gut in Außenpolitik. ...
Was stimmt nicht?
Erstens hat nicht Putin diese Krise
begonnen. Es gab keine russische Aggression. Diese Krise begann, als die
Europäische Union Janukowitsch im November ein Entweder-oder-Ultimatum
gestellt hat. In den Protokollen des Abkommens ist die Nato zwar nicht
explizit erwähnt, aber die Sicherheitsbedingungen hätten die Ukraine zu
einer Art Ehrenmitglied der Nato gemacht. Zweitens ist falsch, dass
Putin hinter allem steckt, was in der Ostukraine passiert. Die USA haben
mehr Kontrolle über die Regierung in Kiew als Putin über die
Aufständischen im Osten. ...
Sie nennen den neuen Kalten Krieg gefährlicher als den alten. Warum?
Sein Zentrum liegt nicht in Deutschland –
weit weg von Russland –, sondern weiter östlich, direkt an der
russischen Grenze. Alles ist da möglich. Während des ersten Kalten
Krieges gab es stabilisierende Verhaltensregeln. Manchmal wurde eine
Regel gebrochen. Zum Beispiel, als Chruschtschow 1962 die Raketen nach
Kuba gebracht hat. Aber im Allgemeinen wurden die Regeln beachtet. Im
jetzigen Kalten Krieg gibt es keine Regeln. Es gibt lauter außer
Kontrolle geratene Akteure. ..."
• Steinmeier gegen Isolierung Russlands
"Frank-Walter
Steinmeier hat sich gegen eine Isolierung Russlands ausgesprochen. Laut
dem deutschen Außenminister wird Russland auch weiterhin die Zukunft
Europas mitbestimmen.
Es
wäre wünschenswert, gute Beziehungen zwischen Russland und EU
wiederherzustellen, sagte der deutsche Außenminister in einem Interview
mit der „Welt am Sonntag“.
„Deutschland darf Russland weder aufgeben noch isolieren. Russland
bleibt ein großer Nachbar der EU und unseres Landes, und wird – im Guten
oder im Schlechten – die Zukunft Europas mitbestimmen“.
Die gegenseitigen Drohungen aus Washington und Moskau, Atomwaffen
aufzustellen, verurteilte der deutsche Bundesaußenminister als „alte
Reflexe aus der Zeit des Kalten Krieges“. „Aber die Welt hat sich
verändert. Sie besteht nicht mehr aus zwei großen Mächten, ist nicht
mehr aufgeteilt in Ost und West.“
Steinmeier hatte sich auch früher gegen eine Isolierung Russlands ausgesprochen. ..." (
Sputnik, 28.6.15)
• Neue Gefechte in der Ostukraine gemeldet
"
Bei
neuen Gefechten im Kriegsgebiet Ostukraine sind mindestens elf Soldaten
verletzt worden. "Es gab keine Toten unter den Armeeangehörigen", sagte
Militärsprecher Andrej Lyssenko am Sonntag in Kiew. Die ukrainischen
Stellungen seien in der Region der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer
von Panzern der Aufständischen beschossen worden, sagte er.
Nach
Darstellung von Lyssenko kam es in der Region in einzelnen Orten zu
"Provokationen" auch mit Artillerie und Granatwerfern vonseiten der
prorussischen Separatisten. Die Aufständischen gaben wiederum dem
ukrainischen Militär die Schuld an der fortwährenden Gewalt.
Die
Streitkräfte hätten schwere Waffen an die Frontlinie verlegt, sagte
Separatistenführer Eduard Bassurin der Agentur Interfax zufolge. In der
Stadt Horliwka sei bei nächtlichem Beschuss ein Einwohner getötet
worden.
Die Kampfhandlungen im Gebiet Donezk laufen nach Darstellung beider Konfliktparteien ununterbrochen weiter. ..." (
Der Standard online, 28.6.15)
• Die Oligarchen müssen gehen, die Oligarchen bleiben
"
Auf dem Majdan kämpften die Ukrainer auch gegen die Oligarchen. Doch
einer von ihnen wurde Präsident. Der fängt jetzt an, den anderen die
Geschäfte zu verderben - und schafft damit Platz für neue Clans.
In der Ukraine fallen die Oligarchen wie im Herbst die Blätter: nicht
alle auf einmal, nicht in einem einzigen dramatischen Höllensturz,
sondern einzeln, gemächlich, gleitend. Während manche noch im Saft
stehen, sind andere schon im Sinkflug. Der Milliardär Ihor Kolomojskij
musste unter einem dramatischen Schwall russischer Flüche im März von
seiner wichtigsten Pfründe Abschied nehmen, vom Gouverneurssitz der
Millionenstadt Dnipropetrowsk. Den Gas-Baron Dmytro Firtasch hat es erst
jetzt getroffen. Mitte Juni feuerte das Parlament seinen
Hauptgewährsmann im Machtapparat, den Geheimdienstchef Valentyn
Nalywajtschenko. ...
Trotz allem ist die Macht der Milliardäre noch bei weitem nicht
gebrochen. Weil jeder von ihnen bis heute Gefolgsleute im Parlament hat,
ist die Gesetzgebung langsam. Achmetow hat sich durch die Organisation
humanitärer Hilfskonvois in die Kriegsgebiete unentbehrlich gemacht. Und
einer der alten Multimillionäre ist sogar auf dem Höhepunkt seiner
Macht: Poroschenko, der neue Präsident. ...
Die Abgeordnete Viktoria Wojzizka von der proeuropäischen Partei
„Selbsthilfe“ aus dem westukrainischen Lemberg befürchtet genau das. Sie
ist überzeugt, rund um Poroschenko entstehe gerade eine Gruppe neuer
Oligarchen, die vor allem im Energiemarkt expandieren. Zu den
Schlüsselfiguren im Regierungsapparat gehören der Energieminister
Wolodymir Demtschyschin und die Gouverneurin der Zentralbank, Valeria
Hontarewa. Beide sind früher dem Unternehmen „Investment Capital
Ukraine“ (ICU) verbunden gewesen, das heute neben Rothschild CIS das
persönliche Vermögen des Präsidenten für den versprochenen Verkauf
vorbereitet. Auch Dmitrij Wowk, der neue Chef der Regulierungsbehörde
für Kohle- und Strompreise, stammt aus diesem Unternehmen.
Aber nicht nur die
Abgeordnete Wojzizka sieht in diesen Besetzungen den Samen eines
künftigen „oligarchischen Imperiums“. Auch Experten aus der Europäischen
Union weisen darauf hin, dass unter Poroschenko längst nicht alle alten
Untugenden abgestellt wurden. ...
Erst Ende vergangenen Jahres sind bei solchen „Insidergeschäften“
Staatsanteile der regionalen Stromversorger in den Gebieten
Transkarpatien, Tschernowitz und Winnyzja durch überstürzte
Ausschreibungen geradezu verscherbelt worden. Der Verkauf in Winnyzja
fällt besonders ins Auge, weil diese Region Poroschenkos traditionelles
Machtgebiet ist. Offenbar sind die privatisierten Anteile zuletzt
ausgerechnet bei jener Firma ICU gelandet, die sich um Poroschenkos
Privatvermögen kümmert. Ein weiteres solches Geschäft konnte Ende
vergangenen Jahres nur dadurch verhindert werden, dass westliche
Diplomaten einschritten: der Verkauf des Kraftwerksbetreibers
Zentr-Energo. Auch diese Privatisierung wurde Ende 2014 geradezu
überfallartig angesetzt. ..." (
FAZ online, 27.6.15)
FAZ-Autor Konrad Schuller fordert ausgerechnet das Einschreiten des Westens gegen die Oligarchenmacht und gegen die damit verbundene Korruption. Wie erfolgreich der Westen dabei ist und auch in der Ukraine sein wird, zeigt das Beispiel Kosovo, über das
in der Juni-Ausgabe der Le Monde diplomatique zu erfahren ist: "
... „Sieben Jahre nach der Erklärung der Unabhängigkeit und der Unterordnung
des Kosovo unter die Vormundschaft der EU stehen wir vor einem
Debakel“, sagt Andrea Capussela, ehemaliger Direktor für
Wirtschaftsangelegenheiten beim International Civilian Office (ICO) der
EU, das im März 2012 aufgelöst wurde. „Die Situation ist schlimmer als
vor Beginn der europäischen Mission“, meint Capussela, der gerade eine
Streitschrift gegen die Politik der Europäischen Union auf dem Balkan
veröffentlicht hat. Darin zieht er nicht nur die Wirksamkeit der EU-Investitionen in Zweifel
– von 1999 bis 2013 flossen mehr als 5 Milliarden Euro nach Kosovo –,
sondern auch die Glaubwürdigkeit der EU-Außenpolitik insgesamt.
Seit vergangenen Herbst versucht die EU-Außenbeauftragte Federica
Mogherini den Brand zu löschen, den Eulex im Kosovo gelegt hat. Die seit
Februar 2008 tätige Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union
soll die polizeilichen und rechtsstaatlichen Institutionen im Kosovo
stärken. Sie ist mit einem jährlichen Etat von 111 Millionen Euro
ausgestattet und beschäftigt 1600 Personen, die insbesondere gegen
Korruption und organisierte Kriminalität vorgehen sollen. Doch einige
Mitarbeiter werden selbst der Unterschlagung verdächtigt, während der
Mission vorgeworfen wird, die Missstände gedeckt zu haben. ...
Der Jacqué-Bericht unterscheidet sich gleichwohl von den offiziellen
Verlautbarungen der europäischen Institutionen, die in der Eulex-Mission
im Kosovo ein Modell für rechtsstaatlichen Wiederaufbau sehen wollen.
Jacqué konstatiert gravierende Unregelmäßigkeiten und beschreibt die
„allgegenwärtige“ Korruption im Land, wobei „auch der Justizbereich
keine Ausnahme“ darstelle. Sieben Jahre Arbeit mit dem Ziel, einen
Rechtsstaat aufzubauen, hätten nicht ausgereicht, um den Amtsmissbrauch
zu beseitigen. Dabei müsste es doch möglich gewesen sein, „die
Grundlagen für ein System zu schaffen, das in der Lage ist, die
Korruption zu bekämpfen“. ...
„Wir beklagen Korruption und organisierte Kriminalität, aber wir sagen
nie, dass wir es waren, die ein halb konsolidiertes autoritäres System
installiert haben, und dass eine kriminelle Elite, die aus der UÇK
hervorgegangen ist, die öffentlichen Kassen plündert und sich an die
Macht klammert“, schimpft Capusella, der vier Jahre für die EU im Kosovo
gearbeitet hat. ...
Capusellas Buch enthält eine Liste der schlimmsten Fehler von Eulex im
wirtschaftlichen und finanziellen Bereich wie auch hinsichtlich der
Menschenrechte. Demnach hat die Kosovo-Mission weder zu den
Korruptionsaffären im Zusammenhang mit Privatisierungen
(Telekommunikation, Zementindustrie), Landenteignungen oder
Straßenbauaufträgen, noch wegen des mutmaßlichen Wahlbetrugs oder der
Einschüchterung von Journalisten Ermittlungen aufgenommen. Selbst in
Fällen von politisch motiviertem Mord und von Kriegsverbrechen hat sich
Eulex nicht gerührt. ..."
Aber was soll auch geschehen, wenn Brandstifter zum Feuerlöschen ausrücken ...
• US-Vizepräsident Biden vergleicht Putin mit Hitler
"
Es ist erst einen Tag her, dass US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin mal wieder miteinander telefoniert haben. Es war das erste gemeinsame Gespräch seit Februar, und Teilnehmer berichten, dass
es um die Ukraine-Krise, die Atomverhandlungen mit Iran und den
Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat im Nahen Osten gegangen sein
soll. Obama soll Putin klar gemacht haben, dass dieser all seine Soldaten und Waffen aus ukrainischem Gebiet abziehen müsse.
Nur einen Tag später legte sein Stellvertreter, Joe Biden,
noch einmal kräftig nach - ob absichtlich oder versehentlich, wird wohl
sein Geheimnis bleiben. In einem Interview mit dem Fernsehsender HBO
erklärte er nach Angaben der Bild-Zeitung:
"Der überwiegende Teil der russischen Bevölkerung hat keine Ahnung,
dass Soldaten in der Ukraine sind." Viele glaubten nicht, dass Putin
aggressiv in der Ukraine vorgehe: "Sie wollen es nicht wahrhaben."
"Ich glaube nicht, dass man heute auf unbegrenzte Zeit vor Menschen verheimlichen kann, was wirklich geschieht", sagte er laut Bild.
Sie würden bald sehen, warum ihre Währung so schwach geworden ist, und
erkennen, dass die Sanktionen gegen Russland Auswirkungen hätten. "Wenn
Putin sagt: 'Wo auch immer Menschen sind, die russisch sprechen, habe
ich als russischer Führer eine Verpflichtung, sie zu beschützen...",
sagte Biden.
Hier unterbricht er seine Aussage und fragt den Moderator:
"Klingt dies bekannt?" Der Journalist antwortet: "Nazi-Deutschland".
Biden selbst will es nicht aussprechen. Doch er blickt in die Kamera und
nickt mit dem Kopf.
Das ist nicht die erste Hitler-Anspielung, die Putin zu hören bekommt. Im März 2014 verglich die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton Putin mit dem NS-Diktator. ...
Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wies schon einmal auf die Parallelen der Ukraine mit der Tschechoslowakei im Jahr 1938 hin - das geschah ebenfalls im März 2014." (
Süddeutsche Zeitung online, 27.7.15)
Ist Dummheit eine Voraussetzung für ein politisches Amt in den USA oder täusche ich mich?
• Putin hat mit Obama telefoniert
"
In der Ukraine-Krise hat US-Präsident Barack
Obama den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu einem Abzug
russischer Truppen und Kriegstechnik aus dem Kampfgebiet Donbass
aufgefordert. Russland müsse die Bedingungen des Minsker Friedensplanes
erfüllen, sagte Obama am Donnerstag (Ortszeit) in ihrem ersten Telefonat
seit Februar.Das Gespräch fand der
Agentur Tass zufolge auf Initiative Putins statt. Russland besteht
darauf, dass in der Ostukraine keine eigenen Soldaten für die
moskautreuen Separatisten kämpfen.
Putin und Obama hätten weitere bilaterale
Schritte zur Lösung des blutigen Konflikts vereinbart, teilte der Kreml
in Moskau Freitagfrüh mit. Der russische Vizeaußenminister Grigori
Karassin und die Europabeauftragte der US-Regierung, Victoria Nuland,
sollen demnach in Kürze Gespräche über die Umsetzung des Mitte Februar
im weißrussischen Minsk vereinbarten Friedensplans aufnehmen.
Das
Verhältnis zwischen den USA und Russland ist wegen des
Ukraine-Konflikts so schlecht wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht
mehr. Mitte Mai hatte US-Außenminister John Kerry erstmals seit
Krisenbeginn 2013 Putin in Russland besucht. Vor allem Pläne für eine
Verstärkung der NATO in Osteuropa sowie russische Rüstungsvorhaben
belasten die Beziehungen der beiden Atommächte. Beobachter warnen vor
einem Wettrüsten wie im Kalten Krieg. ..." (
Wiener Zeitung online, 26.6.15)
• OSZE: Lage verschlechtert sich täglich
"
Die
Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
beobachtet in der umkämpften Ostukraine eine stetige Verschlechterung
der Lage. "Wir registrieren eine größere Anzahl von Verletzten und Toten
unter der Zivilbevölkerung", sagte der stellvertretende Leiter der
OSZE-Beobachtermission, Alexander Hug.
Auch die Zahl der
getöteten Kämpfer steige auf beiden Seiten. Nach Hugs Angaben nehmen die
Spannungen zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten
seit Ende April fast täglich zu. Dabei würden wieder verstärkt schwere
Waffen benutzt, und auch die Zerstörung der Infrastruktur nehme zu.
Ob
Russland wie von der NATO behauptet noch immer Truppen und Ausrüstung
in den Osten der Ukraine schickt, kann die OSZE nach Hugs Angaben
derzeit nicht beurteilen. Mit der einzigen verfügbaren Aufklärungsdrohne
könne nur etwas weniger als die Hälfte des relevanten Grenzgebiets
überwacht werden, sagte der Schweizer. Zu dem anderen Teil habe die OSZE
derzeit keinen Zugang und keine Informationen. "Daraus eine
Schlussfolgerung zu ziehen, ist nicht an mir", sagte Hug. ..." (
Wiener Zeitung online, 25.6.15)
• Niederlande und Malaysia wollen UN-Tribunal zu MH17-Absturz
"
Die
Schuldigen für den mutmaßlichen Abschuss der Boeing 777 der Malaysia
Airlines über der Ostukraine sollen auf Wunsch der Niederlande,
Malaysias und drei anderer Länder vor ein UN-Tribunal gestellt werden.
Wie ein UN-Diplomat am Freitag mitteilte, will Malaysia im kommenden
Monat einen Resolutionsentwurf im UN-Sicherheitsrat einbringen, in dem
die Gründung eines solchen Tribunals gefordert wird.
Vertreter
der fünf Mitgliedsstaaten des Gemeinsamen Untersuchungsteams zu dem
Unglück – Australien, Belgien, Malaysia, die Niederlande und die Ukraine
– seien vergangene Woche in New York zu einem Vorbereitungstreffen
zusammengekommen. ...
Im vergangenen Dezember waren
Wrackteile des Flugzeugs auf den Luftwaffenstützpunkt Gilze-Rijen im
Norden der Niederlande gebracht worden, um die Absturzursache genauer zu
untersuchen. Der abschließende Untersuchungsbericht soll in einigen
Monaten vorliegen.
Ein ukrainischer Rebellenführer sagte
unterdessen, zwei Fünftel der Überreste des Flugzeugs befänden sich noch
immer in dem von den Aufständischen kontrollierten Gebiet. Die
Mitglieder der internationalen Untersuchungs- und Bergungsteams hätten
den Rebellen versichert, sie benötigten diese Teile nicht, erklärte
Andrej Purgin laut der Internetseite der Rebellen. ..." (
Der Standard online, 24.6.15)
• US-General: Moskau will Keil zwischen EU und USA treiben
"
Ben Hodges, Oberkommandant der US Army in Europa, glaubt, dass der Konflikt mit Moskau einige Jahre anhält
Russlands
Präsident Wladimir Putin wolle einen Keil zwischen die europäischen
Nato-Staaten und die USA treiben, glaubt der Oberkommandant der US Army
in Europa, Ben Hodges. Daher müsse der Westen wachsamer als bisher
verfolgen, wie Moskau etwa in Medien in Deutschland und Italien
investiere. Die jüngsten, heftigen Beschwerden des Kreml über Nato-Pläne
zur Stationierung schweren Geräts in Osteuropa hält er für eine
bewusste Überreaktion. Wichtiger als über Waffenlieferungen zu
debattieren sei es aber, dass sich die Nato-Partner über eine gemeinsame
Strategie und ein Ziel-Szenario für die Ukraine einig seien, sagte er
im Interview mit dem STANDARD.
STANDARD:
Auf die Pläne zur Entsendung von Nato-Ausrüstung in mehrere Staaten im
Osten Europas gab es beträchtliche Reaktionen aus Moskau. Was ist Ihre
Einschätzung?
Hodges: Es handelt sich um
eine Überreaktion. Halten Sie sich die Zahlen vor Augen: rund 250
Panzer, bewaffnete Fahrzeuge und Panzerhaubitzen, die über sieben
verschiedene Staaten verteilt werden. Die passen allesamt auf den
Parkplatz bei der Hofburg.
STANDARD: Haben Sie neben den politischen auch militärische Reaktionen aus Russland wahrgenommen?
Hodges:
Politisch waren sie sicher lautstark. Aber ich weiß nicht, ob sie
deshalb etwas tun werden. Russlands Überreaktion ist unbegründet.
Besonders, wenn man an Moskaus eigene unangekündigte Übungen denkt, bei
denen 30.000 Soldaten, hunderte Panzer und Dutzende Flugzeuge nahe der
Nato-Grenzen auftauchen.
STANDARD: Könnte Russland denn wirklich einen Nato-Staat attackieren?
Hodges:
Ich hoffe nicht. Aber ich kenne auch niemanden, der damit gerechnet
hat, dass sie die Krim angreifen würden. Meine Verantwortung als
Militärkommandant ist, dass die Streitkräfte auf alle denkbaren Fälle
vorbereitet sind. Ich bin sicher, Präsident Putin will keinen Kampf mit
der Nato. Aber ich bin auch sicher, er will die Nato zerbrochen sehen.
Und er will einen Spalt zwischen Europa und die USA treiben.
STANDARD: Was sehen Sie als Anzeichen dafür?
Hodges:
Die Menge an Geld, die Russland in Medien in Europa investiert. Russia
Today gibt etwa riesige Summen in Deutschland aus, aber auch in Italien.
Das ist der Hybridkrieg: Es wird keine lange Kolonne russischer Panzer
geben, die ein Land überfallen. Es geht darum, die Temperatur knapp
unter 100 Grad zu halten. Das Recht zu verdrehen, Informationen zu
verbreiten, Zweifel zu nähren. ..." (
Der Standard online , 24.6.15)
"
... Ist das die richtige Zeit, um Atomwaffen in Europa zu reduzieren?
Abrüstung angesichts einer solchen Aggression ermutigt jemanden wie Präsident Putin nur." (
Die Presse online, 24.6.15)
• Ukraine taumelt am Abgrund
"
Die innenpolitische Situation der Ukraine ist durch ein von
Korruption geschwächtes und destabilisiertes Wirtschafts- und
Finanzsystem geprägt. Zwar konnten zuletzt erste Achtungserfolge bei der
Bekämpfung der Korruption verbucht werden, aber die Gefahr des
wirtschaftlichen Zusammenbruchs scheint trotz internationaler
Unterstützung nur vorübergehend gebannt zu sein.
Die spürbaren, der Antiterroroperation im Osten geschuldeten
wirtschaftlichen Belastungen sowie die Durchführung einschneidender
Reformen zur Erfüllung der IWF-Auflagen tragen zur Erhöhung der sozialen
Spannungen in der Ukraine bei. Das stetig wachsende Protestpotenzial
entlädt sich bisher in (noch) weitgehend friedlichen, kleineren
Bürgerprotesten.
Seit Beginn des Jahres verschärfen sich vor dem
Hintergrund der geplanten Privatisierungswelle die Auseinandersetzungen
zwischen unterschiedlichen oligarchischen Gruppen; es geht um den
Zugriff auf die schrumpfende Ressourcenbasis. In diesem Kontext muss
auch der Konflikt zwischen Präsident Petro Poroschenko und dem
ehemaligem Gouverneur des Gebietes Dnipropetrowsk, Ihor Kolomojskyj,
gesehen werden.
Die ukrainische Staatsführung versucht, durch
Schwächung einzelner Oligarchen zugunsten anderer eine Politik des
divide et impera zu verfolgen. Allerdings läuft sie dabei Gefahr, selbst
von rivalisierenden Oligarchengruppen vereinnahmt zu werden. ...
So paradox es klingen mag: Der schwelende Konflikt im Osten des Landes
sichert – über die Projektion einer äußeren Bedrohung für die Einheit
der Ukraine– das labile innenpolitische Gleichgewicht. Werden die Kämpfe
abflauen, der Konflikt eingefroren und die Demarkationslinien
respektiert, muss Kiew zur Lösung zahlreicher innerer Probleme
übergehen. Im Moment scheint das nahezu unmöglich, weil strukturelle
Defizite und damit einhergehende Sachzwänge kaum behoben werden können.
Dramatische Auswirkungen auf das fragile politische System scheinen
daher programmiert." (
Die Presse online, 16.6.15)
→ hier geht's zu Folge 225
→ alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen
→ die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine