Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
Posts mit dem Label NVA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label NVA werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 31. Januar 2020

Serie DDR 1989/90: Jubelfeier im Palast und Protest auf der Straße – Hans Modrow über die DDR 1989. Teil 1

Von Tilo Gräser

Als Hoffnungsträger haben viele in der DDR im Herbst 1989 den damaligen SED-Bezirkschef von Dresden, Hans Modrow, gesehen. Der heute 91-Jährige und vorletzte DDR-Ministerpräsident hat sich im Sputnik-Gespräch an die damaligen Ereignisse erinnert. Das ist in einem dreiteiligen Beitrag nachzulesen. Im ersten Teil geht es um den Oktober 1989.

„Die DDR befand sich in ihrem 40. Jahr bereits in einem Vakuum, das dann zur Implosion führte.“ So schätzte Hans Modrow, vorletzter Ministerpräsident des untergegangenen Landes und einstiger Hoffnungsträger, im Gespräch mit Sputnik die Lage in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) vor 30 Jahren ein. Der heutige Vorsitzende des Ältestenrates der Partei Die Linke betonte, dass sich die instabile Lage des Landes schon ab Ende 1988 zeigte.

Modrow wurde 1989 als vorletzter Ministerpräsident „zum akkuraten Sinnbild einer sterbenden Republik – deren Hilflosigkeit ebenso dokumentierend wie ihren würdevollen Trotz“. Das schrieb der Journalist Hans Dieter Schütt in der Einleitung des 1998 veröffentlichten Modrow-Buches „Ich wollte ein neues Deutschland“.

Selbst ins Visier geraten


Gegenüber Sputnik erinnerte er sich daran, dass 1988 auf seinen Bericht über Probleme und die Stimmung im Bezirk Dresden nicht reagiert wurde. Stattdessen habe ihm, dem damaligen SED-Bezirkssekretär für Dresden, die Parteispitze eine Kommission mit Politbüromitglied Günter Mittag und fast 100 Leuten auf den Hals geschickt. Die habe nicht über die realen Probleme gesprochen, sondern vor allem seine Arbeitsweise kritisiert. Im Juni 1989 sei er dann auf einer Tagung des SED-Zentralkomitees (ZK) erneut angegriffen worden.

Statt sich mit den realen Verhältnissen auseinandersetzen, sei die Führung der Sozialistischen Einheitspartei (SED) weiter von einer „heilen Welt“ ausgegangen, erinnerte sich Modrow. Diese Sicht habe sich in den meisten realsozialistischen Staaten gezeigt. Das habe sich im Juli 1989 zugespitzt, als die Mitgliedsstaaten des „Warschauer Vertrages“ auf ihrem Treffen in Bukarest nicht über die bereits geöffnete Grenze zwischen Ungarn und Österreich sprachen.

Dabei habe sich die von KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow ausgegebene Linie durchgesetzt, dass jedes Land für sich selbst verantwortlich sei. Damit sei klar gewesen, dass im bisherigen Bündnis keine gemeinsamen Fragen mehr diskutiert wurden – „sondern jeder steht für sich, und wie sich später auch zeigte: Jeder nimmt sein eigenes Ende.“

SED-Spitze ignorierte Realität


Innerhalb der DDR sei damals ein besonderes Vakuum entstanden, so Modrow. SED-Generalsekretär Erich Honecker sei im Juli 1989 erkrankt ausgefallen. „Die bis dahin übliche Vertretung durch Egon Krenz erfolgt zunächst nicht. Die Vertretung übernimmt Günter Mittag, der offensichtlich für Honecker in dieser Situation zuverlässiger als Krenz erschien.“

Das habe dann zu einer Situation der Sprachlosigkeit der SED-Führung angesichts der wachsenden Probleme der DDR geführt. Die politische Führung sei nicht mehr in der Lage gewesen, die Realitäten zu analysieren und ihnen Rechnung zu tragen, so Modrow im Rückblick.

Die politische Begriffe und Parolen der SED hätten ihren Inhalt verloren: „Der 40. Jahrestag der DDR wurde in einem Palast, dem ‚Palast der Republik‘ gefeiert und das Volk steht vor der Tür und macht seinen Protest.“ Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der Gründung der DDR, kam es in Berlin zu Demonstrationen, gegen die die Sicherheitsbehörden zum Teil brutal vorgingen.

Dresden, 4.10.1989: Nicht ohne Bonner Zustimmung


Modrow äußerte sich auch zu den Ereignissen am 3. und 4. Oktober  1989 in Dresden. Bei diesen habe sich gezeigt, wie verflochten die DDR und die Bundesrepublik bereits gewesen seien, betonte er. Das werde bis heute in der Geschichtsschreibung nicht offen gelegt. An diesen Tagen waren Sicherheitskräfte gegen jene gewaltsam vorgegangen, die den Dresdner Hauptbahnhof belagert haben. Grund dafür war, dass die Züge mit den Botschaftsflüchtlingen aus Prag über das DDR-Gebiet und dabei am 4. Oktober durch die sächsische Bezirksstadt fuhren. Ausreisewillige versuchten auf dem Bahnhof, in die Züge zu kommen. Modrow wurde 1996 in dem Zusammenhang wegen Falscheides zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Diese Fahrt der Züge sei nur möglich gewesen, weil alle drei beteiligten Staaten – die ČSSR, Die DDR und die BRD – sich darauf geeinigt hätten, stellte Modrow 30 Jahre später klar. Die Bundesregierung habe damals anerkannt und zugestimmt, dass die Flüchtlinge aus der Prager Botschaft mit der Fahrt der Züge durch die DDR aus deren Staatsbürgerschaft entlassen werden. In den Zügen seien auch Beamte der Bundesrepublik mitgefahren.

„Honecker und die DDR-Staatsführung wollten nicht, dass vor dem 40. Jahrestag Staatsbürger in dieser Zahl die DDR verlassen. Sie waren der Meinung: Wir sind ein souveräner Staat und wir entscheiden über die Staatsangehörigkeit. Das war die Grundaussage, die dazu führte, dass die Züge durch DDR-Gebiet fahren mussten.“

Sein Gesprächspartner in Berlin am 4. Oktober 1989 sei der Verkehrsminister Otto Arndt gewesen. Dieser habe sich „in seiner Hilflosigkeit“ bei ihm gemeldet, erinnerte sich Modrow. Arndt habe die Entscheidung über den Kurs der Züge auch für falsch gehalten. Die ihm unterstehende damalige Transportpolizei der DDR habe sich nicht in der Lage gesehen, die notwendige Sicherheit zu gewährleisten und ein Chaos zu verhindern.

Fatale Situation entstanden


Es habe eine Katastrophe gedroht, sei klar gewesen. Arndt habe gesagt, dass in der Partei- und Staatsspitze niemand anders für Modrow bereit gestanden habe, um die Probleme zu lösen. Für ihn selbst sei die Volkspolizei der DDR der Ansprechpartner gewesen. Mit der Dresdner Bezirksverwaltung des MfS habe es keine guten Kontakte und unterschiedliche Sichten gegeben, erinnerte er sich.

Auf Grund der Vorentscheidungen und der verschiedenen Motive der Beteiligten sei eine „fatale“ Situation entstanden. Er habe sich seit dem 3. Oktober nur in Dresden aufgehalten und an keiner der damaligen Feierlichkeiten zum 40. DDR-Jubiläum in Ostberlin teilgenommen, so Modrow. Er habe vor Ort sein wollen, falls sich die Lage wie befürchtet zuspitze.

Die Entscheidungen, ob und wie die DDR-Sicherheitskräfte in Dresden eingesetzt würden, sei immer vor Ort getroffen worden. Er habe am 4. Oktober mit dem damaligen DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler telefoniert, so Modrow. Die Volkspolizei habe keine Reserven gehabt, um den Einsatz am Hauptbahnhof abzusichern. Keßler habe entschieden, dass Einheiten der Militärakademie der Nationalen Volksarmee (NVA) in Dresden helfen sollten, die Situation unter Kontrolle zu halten. Modrow selbst war damals Vorsitzender der „Bezirkseinsatzleitung“ (BEL), einem Gremium, das im Ernstfall, aber auch in Notfällen und Krisensituationen zum Einsatz kam.

Die NVA-Soldaten, allesamt Offiziere, hätten am 4. Oktober auch Waffen getragen, aber keine scharfe Munition. Aus Sicht von Modrow muss das Geschehen in Dresden aber von den Einsätzen der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen wie am 9. Oktober 1989 in Leipzig unterschieden werden.

Dialog ermöglicht statt Gewalt befohlen


Bei den Demonstrationen am 8. Oktober in Dresden sei nur die Volkspolizei eingesetzt worden. Damals bildeten Demonstranten in einer angespannten Situation die „Gruppe der 20“, der es gelang, weitere Gewalt zu verhindern und dass die Behörden der Stadt zu Gesprächen bereit waren. Modrow sorgte damals aktiv mit dafür, dass der Dialog zustande kam.

Am Folgetag sei in Leipzig ebenfalls kein Einsatz des Militärs geplant gewesen, widersprach Modrow heutigen Legenden. Damals hatte der dortige SED-Bezirkssekretär Roland Wötzel gemeinsam mit anderen, darunter Gewandhaus-Kapellmeister Kurt Masur, mit einem Aufruf zur Gewaltlosigkeit erreicht, dass die Montagsdemonstration in der Messestadt erstmals ohne Gewalt von Seiten der Sicherheitskräfte ablaufen konnte.

Am 12. Oktober 1989 sei Egon Krenz nach Leipzig geflogen, begleitet vom MfS-General Gerhard Neiber, Vizeinnenminister General Karl-Heinz Wagner und NVA-General Fritz Streletz sowie ZK-Abteilungsleiter Wolfgang Herger, erinnerte sich Modrow. Nach ihrer Beratung vor Ort hätten sie Honecker als Vorsitzendem des Nationalen Verteidigungsrates der DDR einen vorbereiteten Befehl vorgelegt. Dort sei eindeutig festgelegt worden, dass keine Waffen gegen Demonstrationen eingesetzt würden.

Honecker habe im Gespräch mit den Funktionären und Generälen noch vorgeschlagen, Panzer als symbolische Drohung durch Leipzig rollen zu lassen. Aus den Erinnerungen des Generals Streletz sei bekannt, dass dieser als Sekretär des Verteidigungsrates den SED-Chef überzeugt habe, dass Panzer die Straßen in Leipzig zerstören würden. „Das überzeugte Honecker“, berichtete Modrow, weil er nicht noch mehr Unruhe in der Messestadt gewollt habe. Daraufhin habe dieser den ersten Befehl, keine Waffen einzusetzen, unterschrieben.

Im zweiten Teil geht es um die Frage, ob die DDR 1989 wirtschaftlich am Ende war sowie welche Rolle der Kalte Krieg und die Sowjetunion damals spielten.

Lektüretipp:
Oliver Dürkop, Michael Gehler: „In Verantwortung: Hans Modrow und der deutsche Umbruch 1989/90“
Studien Verlag Innsbruck/Bozen/Wien 2018. 584 Seiten; ISBN: 978-3-7065-5699-6. 49,90 Euro

zuerst veröffentlicht am 31.5.2019 auf sputniknews.com

Mittwoch, 6. Mai 2015

Friedensappell von Ex-DDR-Soldaten

Ehemalige Soldaten und Offiziere der DDR warnen in einem Appell angesichts des neuen West-Ost-Konflikts vor Krieg und fordern Kooperation statt Konfrontation mit Russland

Da ich selber in der DDR Uniform trug und jede Stimme für Frieden eine wichtige und unterstützenswerte ist und weil ich es gut finde, wenn Soldaten sagen "Lasst uns keinen Krieg führen!", und ihm voll zustimme, veröffentliche ich an dieser Stelle den Text des Appells der DDR-Militärs, der am 5.5.15 öffentlich vorgestellt wurde (Quelle: junge Welt, 6.5.15):

Als Militärs, die in der DDR in verantwortungsvollen Funktionen tätig waren, wenden wir uns in großer Sorge um die Erhaltung des Friedens und den Fortbestand der Zivilisation in Europa an die deutsche Öffentlichkeit.

In den Jahren des Kalten Krieges, in denen wir eine lange Periode der Militarisierung und Konfrontation unter der Schwelle eines offenen Konflikts erlebten, haben wir unser militärisches Wissen und Können für die Erhaltung des Friedens und den Schutz unseres sozialistischen Staates DDR eingesetzt. Die Nationale Volksarmee war keinen einzigen Tag an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt, und sie hat bei den Ereignissen 1989/90 maßgeblich dafür gesorgt, dass keine Waffen zum Einsatz kamen. Frieden war immer die wichtigste Maxime unseres Handelns. Deshalb sind wir entschieden dagegen, dass der militärische Faktor erneut zum bestimmenden Instrument der Politik wird. Es ist eine gesicherte Erfahrung, dass die brennenden Fragen unserer Zeit mit militärischen Mitteln nicht zu lösen sind.

Es sei hier daran erinnert, dass die Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg die Hauptlast bei der Niederschlagung des Faschismus getragen hat. Allein 27 Millionen Bürger der Sowjetunion gaben ihr Leben für diesen historischen Sieg. Ihnen, wie auch den Alliierten, gilt am 70. Jahrestag der Befreiung unser Dank.

Jetzt konstatieren wir, dass der Krieg wieder zum ständigen Begleiter der Menschheit geworden ist. Die von den USA und ihren Verbündeten betriebene Neuordnung der Welt hat in den letzten Jahren zu Kriegen in Jugoslawien und Afghanistan, im Irak, Jemen und Sudan, in Libyen und Somalia geführt. Fast zwei Millionen Menschen wurden Opfer dieser Kriege, und Millionen sind auf der Flucht.
Nun hat das Kriegsgeschehen wiederum Europa erreicht. Offensichtlich zielt die Strategie der USA darauf ab, Russland als Konkurrenten auszuschalten und die Europäische Union zu schwächen. In den letzten Jahren ist die NATO immer näher an die Grenzen Russlands herangerückt. Mit dem Versuch, die Ukraine in die EU und in die NATO aufzunehmen, sollte der Cordon sanitaire von den baltischen Staaten bis zum Schwarzen Meer geschlossen werden, um Russland vom restlichen Europa zu isolieren. Nach amerikanischem Kalkül wäre dann auch eine deutsch-russische Verbindung erschwert oder verhindert.

Um die Öffentlichkeit in diesem Sinne zu beeinflussen, findet eine beispiellose Medienkampagne statt, in der unverbesserliche Politiker und korrumpierte Journalisten die Kriegstrommeln rühren. In dieser aufgeheizten Atmosphäre sollte die Bundesrepublik Deutschland eine den Frieden fördernde Rolle spielen. Das gebieten sowohl ihre geopolitische Lage als auch die geschichtlichen Erfahrungen Deutschlands und die objektiven Interessen seiner Menschen. Dem widersprechen die Forderungen des Bundespräsidenten nach mehr militärischer Verantwortung und die in den Medien geschürte Kriegshysterie und Russenphobie.

Die forcierte Militarisierung Osteuropas ist kein Spiel mit dem Feuer – es ist ein Spiel mit dem Krieg!
Im Wissen um die zerstörerischen Kräfte moderner Kriege und in Wahrnehmung unserer Verantwortung als Staatsbürger sagen wir in aller Deutlichkeit: Hier beginnt bereits ein Verbrechen an der Menschheit.

Sind die vielen Toten des Zweiten Weltkrieges, die riesigen Zerstörungen in ganz Europa, die Flüchtlingsströme und das unendliche Leid der Menschen schon wieder vergessen? Haben die jüngsten Kriege der USA und der NATO nicht bereits genug Elend gebracht und viele Menschenleben gefordert?

Begreift man nicht, was eine militärische Auseinandersetzung auf dem dichtbesiedelten europäischen Kontinent bedeuten würde?

Hunderte Kampfflugzeuge und bewaffnete Drohnen, bestückt mit Bomben und Raketen, Tausende Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, Artilleriesysteme kämen zum Einsatz. In der Nord- und Ostsee, im Schwarzen Meer träfen modernste Kampfschiffe aufeinander und im Hintergrund ständen die Atomwaffen in Bereitschaft. Die Grenzen zwischen Front und Hinterland würden sich verwischen. Millionen Mütter und Kinder würden um ihre Männer, um ihre Väter und Brüder weinen. Millionen Opfer wären die Folge. Aus Europa würde eine zerstörte Wüstenlandschaft werden.

Darf es soweit kommen? Nein und nochmals Nein!

Deshalb wenden wir uns an die deutsche Öffentlichkeit:
Ein solches Szenario muss verhindert werden.
Wir brauchen keine Kriegsrhetorik, sondern Friedenspolemik.
Wir brauchen keine Auslandseinsätze der Bundeswehr und auch keine Armee der Europäischen Union.
Wir brauchen nicht mehr Mittel für militärische Zwecke, sondern mehr Mittel für humanitäre und soziale Erfordernisse.
Wir brauchen keine Kriegshetze gegen Russland, sondern mehr gegenseitiges Verständnis und ein friedliches Neben- und Miteinander.
Wir brauchen keine militärische Abhängigkeit von den USA, sondern die Eigenverantwortung für den Frieden. Statt einer »Schnellen Eingreiftruppe der NATO« an den Ostgrenzen brauchen wir mehr Tourismus, Jugendaustausch und Friedenstreffen mit unseren östlichen Nachbarn.
Wir brauchen ein friedliches Deutschland in einem friedlichen Europa.
Mögen sich unsere Kinder, Enkel und Urenkel in diesem Sinne an unsere Generation erinnern.
Weil wir sehr gut wissen, was Krieg bedeutet, erheben wir unsere Stimme gegen den Krieg, für den Frieden.
 
Armeegeneral a.D. Heinz Keßler
Admiral a.D. Theodor Hoffmann
Die Generaloberste a.D. Horst Stechbarth; Fritz Streletz; Fritz Peter
Die Generalleutnante a.D. Klaus Baarß; Ulrich Bethmann; Max Butzlaff; Manfred Gehmert; Manfred Grätz; Wolfgang Kaiser; Gerhard Kunze; Gerhard Link; Wolfgang Neidhardt; Walter Paduch; Werner Rothe; Artur Seefeldt; Horst Skerra; Wolfgang Steger; Horst Sylla; Ehrenfried Ullmann; Alfred Vogel; Manfred Volland; Horst Zander
Vizeadmiral a.D. Hans Hofmann
Die Generalmajore a.D. Olivier Anders; Heinz Bilan; Bernhard Beyer; Günter Brodowsky; Kurt Brunner; Heinz Calvelage; Sebald Daum; Willi Dörnbrack; Alfred Dziewulski; Johannes Fritzsche; Egon Gleau; Otto Gereit; Roland Großer; Peter Herrich; Karl-Heinz Hess; Günter Hiemann; Lothar Hübner; Siegmund Jähn; Günter Jahr; Manfred Jonischkies; Günter Kaekow; Johannes Kaden; Helmut Klabunde; Klaus Klenner; Raimund Kokott; Kurt Kronig; Manfred Lange; Bernd Leistner; Hans Leopold; Klaus Listemann; Heinz Lipski; Hans Georg Löffler; Rudi Mädler; Manfred Merkel; Günter Möckel; Dieter Nagler; Johannes Oreschko; Rolf Pitschel; Hans Christian Reiche; Fritz Rothe; Günter Sarge; Dieter Schmidt; Horst Schmieder; Gerhard Schönherr; Gerhard Seifert; Kurt Sommer; Erich Stach; Manfred Thieme; Wolfgang Thonke; Henry Thunemann; Walter Tzschoppe; Günter Voigt; Gerd Weber; Dieter Wendt; Klaus Wiegand; Heinrich Winkler; Heinz-Günther Wittek; Erich Wöllner; Werner Zaroba; Manfred Zeh; Alois Zieris
Die Konteradmirale a.D. Herbert Bernig; Eberhard Grießbach; Hans Heß; Werner Henniger; Klaus Kahnt; Werner Kotte; Helmut Milzow; Gerhard Müller; Joachim Münch
Namens einer großen Anzahl von Obersten und Kapitänen zur See a.D. Volker Bednara; Frithjof Banisch; Bernd Biedermann; Karl Dlugosch; Thomas Förster; Günter Gnauck; Günter Leo; Friedemann Munkelt; Werner Murzynowski; Gerhard Matthes; Lothar Matthäus; Friedrich Peters; Helmut Schmidt; Fritz Schneider; Heinz Schubert; Helmar Tietze; Wilfried Wernecke; Rolf Zander; Oberstleutnant a.D. Günter Ganßauge
Weitere Angehörige der NVA aus den Reihen der Offiziere, Fähnriche, Unteroffiziere und Soldaten bekunden ihre Zustimmung.

"... Begrüßt wurde der Aufruf von dem CDU-Politiker Willi Wimmer. »Die Angehörigen der Nationalen Volksarmee gehörten als Speerspitze der Streitkräfte des Warschauer Pakts zu denen, die die Folgen einer militärischen Auseinandersetzung in Europa und damit in Deutschland beurteilen können«, erklärte der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium in einer Stellungnahme. »Es zeichnet die Verfasser aus, dabei die historische Entwicklung und die daraus resultierende Verpflichtung deutlich anzusprechen. (…) Das bis heute fortdauernde Elend in Europa, das durch zwei Weltkriege hervorgerufen worden ist, verpflichtet alle Völker und Staaten zu guter Nachbarschaft und friedlichem Handel.«"
junge Welt, 6.5.15

Sonntag, 7. Oktober 2012

Gedanken zum Film "Der Turm" und zur DDR

Nachdem ich dem zweiteiligen TV-Film "Der Turm" gesehen habe und weil am heutigen 7. Oktober 2012 vor 63 Jahren die DDR gegründet wurde, habe ich folgende Gedanken dazu aufgeschrieben:

Ich kenne das Buch (noch) nicht, auch wenn es in meinem Regal steht. Ich fand den Film nicht schlecht, zumindest nicht so plump wie die unsägliche Serie "Weißensee". Manches war zu platt, gerade bei den Dialogen, in denen oft unbedingt Symbolisches über die DDR gesagt werden musste, wie das über die nicht geweinten Tränen über die Flüchtlinge 1989, was so nur im Neuen Deutschland stand damals. Manches war passend, manches ungenau. Mich störten u.a. nicht korrekte Details, wie in jeden Film. In diesem war es u.a., dass Christian als Unteroffizier erst wie ein normaler "Mot. Schütze" diente und dann gar nach dem Militärknast in Schwedt wieder Unteroffizier war, als er "nachdienen" musste. Also wer nach Schwedt kam, wurde zu allererst degradiert und durfte dann nur noch Soldat sein, kam max. bis zum Gefreiten. Und Unteroffiziere, die als normale Soldaten, als "MOSis" ihren Dienst leisten mussten, die gab es nur beim Wachregiment Feliks Dzierzynski des MfS. Aber das sind nur Details.
Die NVA war auch von ihrer internen Atmosphäre samt der gegenseitigen Misshandlungen nicht besser und schlechter als jede andere Wehrpflichtarmee dieser Welt. Das nun unbedingt als Symbol für den bösen "Militarismus" der DDR zu nehmen, für den Kasernencharakter des Landes, halte ich für gewagt. Aber das geht vielleicht nur solchen wie mir so, die wie Film-Christian 1965 geboren wurden und das DDR-Land fast 25 Jahre erlebten.
Nach dem 1. Teil habe ich einem Kollegen sinngemäß gesagt: Für mich gibt es kein Besser oder Schlechter im Rückblick und Vergleich mit heute. Ich habe das ganze pralle Leben der DDR erlebt, samt Ja zum Sozialismus und Einstufung als "Parteifeind" mit allen Folgen. Ich wollte nicht die DDR beseitigen, als ich mich im Herbst 1989 engagierte. Ich wollte wie manch Andere dieses Land verändern, aber nicht einfach per Grenzöffnung in den Westen. Ich erlebe das pralle Leben der vereinheitlichten Bundesrepublik mit allem was dazu gehört, samt Arbeitslosigkeit und Existenzangst, Meinungsfreiheit und "Diktatur des Profits" (Viviane Forrester). Ich habe versucht, mich zu engagieren und das irgendwann aufgegeben, weil ich zwar sagen kann, was ich will (auch in Grenzen), aber nichts zu sagen habe und bewirken kann, nicht mal im Kleinen, sprich kommunalen Bereich. Mein Fazit: Es war früher in der DDR nicht besser oder schlechter, es ist heute nicht besser oder schlechter. Es war und ist nur anders. Aber eines sage ich Jedem, der es hören will oder auch nicht: In der DDR hatte ich keine Existenzangst. Da konnte ich selbst als Parteifeind, der nicht mehr studieren durfte, mit meiner Hände Arbeit meine Familie ernähren. Existenzangst habe ich erst nach dem Mauerfall erlebt, infolge von Arbeitslosigkeit.
Wie auch immer. Das ist nur meine Sicht aufgrund meiner Lebenserfahrung. Mich regen nur Pauschalurteile auf. Aber das hat wohl eben was mit dem Alter und unterschiedlichen Erlebnissen zu tun. Passenderweise hörte ich am 4. Oktober, einen Tag nach dem 2. Teil des Filmes, beim Frühstück im Radio eine Reportage aus dem Heute von alten Menschen, die von der Rente nicht leben können. Ener von ihnen sagte sinngemäß ins Mikro: Wenn Du Dir kein Buch mehr kaufen kannst, weißt Du, dass Du arm bist. Da fragte ich mich, auf welchen Mauerfall der Mann warten muss ...
Noch eines dazu, was mir bei dem Thema auch immer durch den Kopf geht: 1992 erlebte ich auf der Leipziger Buchmesse den polnischen Schriftsteller Andrzej Szczypiorski, der zu den "Dissidenten" zählte. Er erzählte, wie er nach dem er sich wieder in Polen frei bewegen durfte ab 1989, durchs Land reiste und den Menschen von der Freiheit berichtete. Da sei ihm oftmals von den Menschen geantwortet worden, er solle ihnen nichts von Freiheit erzählen. Früher hätten sie gewusst, dass sie von ihrer Arbeit leben könnten, was in der Freiheit nicht mehr der Fall sei. Da habe bei ihm zumindest dazu geführt, dass er erkannt habe, wie relativ das mit der Freiheit ist.
Meine Worte hier geben nur meine ganz persönliche Sicht wieder. Und solch ein Film kann wie auch ein Buch am Ende nur ein Teil dessen einfangen und wiedergeben, was gewesen ist, dabei Dichtung und Wahrheit wie immer vermischt. Die DDR und die einzelnen Geschichten aus diesem Land und diesem Leben dort sind sicher noch nicht auserzählt.
Vielleicht ist es nach dem "Turm" und all den Büchern von ehemaligen Funktionärs- und Bonzenkindern und Offiziers- und Politikerbiographien Zeit für ein Buch über "Die Ebene", das ganz normale, gewöhnliche Leben in der DDR, ohne christliche Ärzte, diktatorische Möchtegern-Kommunisten und freiheitsliebende Kinder, die ihre Mutter vor prügelnden Bereitschaftspoliziosten retten wollen ... Oder wurde solch eine Geschichte schon erzählt und geschrieben?

Ja, und eigentlich wäre es auch Zeit für ein Buch, einen Film oder was auch immer, was in der DDR-Zeit spielt, die ohne Flucht oder Fluchtversuch auskommen ... Das darf nicht persönlich genommen werden und ist auch so nicht gemeint. Es ist nur so, dass diese Geschichten schon so oft erzählt wurden. Die Tragik einer jeden dieser Geschichten stelle ich nicht in Abrede.
Das scheint das Problem zu sein bei solchen Büchern und Filmen: Statt Geschichten zu erzählen, wollen bzw. sollen sie immer Geschichte machen. Was in der DDR spielt, muss heute immer alles, die ganze Geschichte miterzählen. Die Ideologen aus dem DDR-Kulturministerium und in der dem übergeordneten ZK-Abteilung hätten ihre wahre Freude daran, wie konsequent die von ihnen angewandten Prinzipien heute immer noch wirken ... Wie heißt es im Film doch so passend: Es geht immer nur um Macht.Das eine sind die Geschichten, die die Kunst mit ihren Mitteln erzählen kann, dass andere die individuellen Geschichten, die auch des Aufhebens wert sind nach dem Prinzip von Wolfgang Herzbergs Buch "So war es".
Von der ideologischen Grundierung des Films "Der Turm" zeugen mehrere Dinge. Das geht los beim Sendetermin und endet bei der dazugesendeten Dokumentation. Ein Beleg sind die vielen kleinen Szenen in beiden Teilen, in denen unbedingt Symbolisches über die DDR gesagt oder gezeigt werden musste, was nie etwas Gutes oder einfach normal Positives war.
Mögen die Filmemacher unideologisch rangegangen sein, wie manche meinen, so haben die Produzenten, Senderredakteure und Auftraggeber schon dafür gesorgt, dass die "richtigen" Botschaften gezeigt und vermittelt werden. Alles andere wäre auch verwunderlich. Das wäre ja nicht mal in der DDR anders gelaufen ...
Es geht auch mit solchen Filmen weiter darum, die DDR zu delegitimieren, wie Klaus Kinkel 1991 schon forderte (siehe DRiZ,Heft 1/1992,S.4), mit allen Mitteln, gerade auch denen der Kunst, um auch noch jede kleine positive Erinnerung zu erdrücken. Es geht um die Deutungshoheit der Geschichte. Der Historiker Jörn Schütrumpf schrieb im Weltbühne-Nachfolger Das Blättchen: "In der Frage der DDR-Geschichte und der DDR-Biographien sehen sich viele Ostdeutsche schon seit Jahren in die SED-Zeiten zurückversetzt. Sie glauben nur einem einzigen: sich selbst. Das war vor 1989 nicht anders."
Da die passenden Zitate von Hans Ulrich Wehler und Klaus Kinkel online kaum verfügbar sind, seien sie hier angeführt, auch damit sie nicht in Vergessenheit geraten:
Wehler schreibt mit Verweis auf ein Zitat von Stefan Heym von dem "Faktum: Die kurzlebige DDR, sie war nur 'eine Fußnote der Weltgeschichte'." (Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 6, S. 361)
Klaus Kinkel sagte auf dem 15. Deutschen Richtertag am 23. September 1991 in Köln: "Wir hatten das Glück und die Chance, nach 1945 unser Land wirtschaftlich, den Rechtsstaat in Freiheit aufbauen zu können.
Sie, meine Damen und Herren, haben als Richter und Staatsanwälte bei dem was noch auf uns zukommt, eine ganz besondere Aufgabe. Es wird sehr darauf ankommen, wie die in allen Rechtsbereichen auf die Gerichte zukommenden Fragen behandelt werden, ob es vor allem auch gelingen wird, die für die Einheit so wichtige Akzeptanz der gerichtlichen Entscheidungen bei den Menschen zu erreichen. Davon hängt ab, ob der Rechtsstaat in den Augen der Bevölkerung in der Lage ist, mit dem fertig zu werden, was uns das vierzigjährige Unrechtsregime in der früheren DDR hinterlassen hat. Und in manchem müssen wir sehr aufpassen, daß uns nicht wieder später gesagt werden muß, wir hätten verdrängt, versagt, zu spät gehandelt. Ich weiß sehr wohl, daß die Gerichte nicht allein leisten können, was aufzuarbeiten ist. Aber einen wesentlichen Teil müssen Sie leisten, alternativlos. Ich baue auf die deutsche Justiz. Es muß gelingen, das SED-System zu delegitimieren, das bis zum bitteren Ende seine Rechtfertigung aus antifaschistischer Gesinnung, angeblich höheren Werten und behaupteter absoluter Humanität hergeleitet hat, während es unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus einen Staat aufbaute, der in weiten Bereichen genauso unmenschlich und schrecklich war wie das faschistische Deutschland, das man bekämpfte und — zu Recht — nie mehr wieder entstehen lassen wollte.
Es muß gelingen, auch die schreckliche, STASI-Vergangenheit zu entmystifizieren, um die Menschen, angstfrei zu machen.“ (Deutsche Richterzeitung, Heft 1/1992, S. 4)
Mit Blick auf Wehler, Kinkel und Co. muss ich noch hinzufügen: Was war muss von dem, das es ablöst, immer schlecht gemacht werden, im Rückblick auch verschlimmert werden, damit auch noch jede gute Erinnerung an das Gewesene verblasst. Der Fall DDR zeigt, dass dabei aber nicht immer mit gleichem Maß gemessen wird: "In den frühen Jahren der Bundesrepublik war also das Parteibuch der NSDAP geradezu Voraussetzung für den Einstieg in den Öffentlichen Dienst." das stellt der Strafrechtler Ingo Müller in einem Gespräch fest, das die Zeitschrift konkret im Heft 6/12 abgedruckt hat. Müller stellt auch fest, "daß es Anfang der fünfziger jahre zu einer regelrechten Renazifizierung kam". Der Frieden mit den Nazi-Tätern sei auf dem Rücken der Opfer geschlossen worden. Mit der DDR wird anders verfahren. Dafür sorgt schon der weiter wirkende Antikommunismus in der Bundesrepublik, der laut Müller "der gleiche wie im 'Dritten Reich'" war ..."
Und noch etwas sei grundsätzlicherweise zum Thema hinzugefügt: Fakt ist, der DDR wird von der herrschenden Klasse der Bundesrepublik ein "Verbrechen" für alle Zeiten übelgenommen. Sie hat bzw. mit ihr wurden die Eigentumsverhältnisse auf deutschem Boden für rund 40 Jahre grundlegend verändert. Das hatten sich nicht einmal die deutschen Faschisten getraut. Dafür wird die DDR weiter beschimpft, verleumdet, wird ihre Realität schwarz-weiß gesehen und dargestellt.
Lothar de Maiziere erklärte am 3. August 2008 dem Tagesspiegel: "Es entsteht immer dieses Schwarz- Weiß-Schema. Es gab in der DDR vielleicht zwei Prozent Opfer und vielleicht drei Prozent Täter. Und 95 Prozent waren Volk. Die wollten auch gar nichts anderes sein, wollten für sich und ihre Familie das Beste aus ihrem Leben machen. Im Nachhinein aber wird die DDR-Bevölkerung eingeteilt in Täter und Opfer. Nun müssen die Leute alle sehen, wie sie auf das Opfer-Ufer kommen, weil sie sonst alle zu den Tätern gerechnet werden. Sie müssen ihre Widerstandsgeschichten erzählen und wie oft sie die Faust in der Hosentasche geballt haben. Aber sie waren weder das eine noch das andere."
Zu Schluss noch ein passendes Zitat zu einem interessanten Buch, nämlich von Detlef Nakath/Gerd-Rüdiger Stephan: "Countdown zur deutschen Einheit - Eine dokumentierte Geschichte der deutsch-deutschen Beziehungen 1987-1990", das "im allgemeinen mit Nichtachtung gestraft" wurde:
"Das hat natürlich seinen Grund, denn die aus dem Archiv der SED und dem der DDR-Regierung entnommenen Dokumente zeichnen leidenschaftslos ein Bild von der anfänglichen schmeichelnden Anbiederung bei den DDR-Gewaltigen (wo u. a. der später so verteufelte OibE Schalck-Golodkowski vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Späth über CDU-interne Machtkämpfe informiert wurde / Dok. 34 / ) bis zu der endlichen Siegermentalität selbst gegenüber dem frei gewählten DDR-Ministerpräsidenten de Maizière (Kohl an diesen am 31. 5. 90: „Schließlich möchte ich daran erinnern, daß wir beide abgesprochen hatten ...“ / Dok. 71 / ). In vier Kapiteln (1987 bis 1988: Vorbereitung auf das Ungewisse; Frühjahr bis Herbst 1989: Krise ohne Ausweg; Herbst 1989 bis Frühjahr 1990: „Deutschland, einig Vaterland“; Frühjahr bis Herbst 1990: Eilmarsch zur Einheit. Zu jedem Kapitel gibt es vorweg einen sachlich-nüchternen Kommentar) präsentieren die Herausgeber insgesamt 90 Dokumente, bei deren Studium man recht gut versteht, weshalb die DDR grundsätzlich - wie es Kinkel 1991 unverblümt ausdrückte - „delegitimiert“ werden muß: Wenn man es nicht mit einem Völkerrechtssubjekt zu tun hatte, dann war ihm gegenüber natürlich in politischen Verhandlungen und Absprachen jeder Lug und Trug ebenso wie jeder Wortbruch gerechtfertigt. So äußerte Genscher z. B. in einem Gespräch mit dem prominenten ZK-Mitglied Otto Reinhold am 26. 8. 1988 in seinem Bonner Ministerbüro jenem gegenüber, daß er im Gegensatz zu solchen westlichen Politikern und Vordenkern, die sich von einer Destabilisierung der sozialistischen Länder Vorteile für den Westen erhofften, persönlich der Ansicht sei, Stabilität und positive wirtschaftliche Entwicklung im Realsozialismus brächten viel bessere Voraussetzungen „für ernsthafte Schritte auf dem Weg zu einem europäischen Haus“ / Dok. 19 / ... - eine Ansicht, die er dann ein Jahr später erfolgreich zu verdrängen vermochte. Beispiele solcher Art bringt die Dokumentenauswahl zuhauf, und es lohnt sich, sie zur Kenntnis zu nehmen. Aus deren Fülle soll noch eines herausgehoben werden: Als Modrow bei seinem Regierungsbesuch in Bonn am 13./14. 2. 1990 dem Bundeskanzler in einem Gespräch unter vier Augen nahelegte, bei der absehbaren Vereinigung beider deutscher Staaten mit Bedacht vorzugehen; es könne sich nicht um einen Anschluß der DDR an die BRD handeln; die DDR habe schließlich Wesentliches in den einheitlichen Staat einzubringen - da stimmte Kohl dem ausdrücklich zu: Er wende sich gegen einen Anschluß der DDR, 40 Jahre DDR seien eine Realität, es gehe um gegenseitige Rücksichtnahme, man müsse vernünftig aufeinanderzugehen!!! / Dok. 63 /." (Quelle)