Vor drei Jahren begann der Krieg in und gegen
Syrien. Ausgangspunkt waren Proteste und Unruhen, ausgelöst durch
soziale und politische Probleme, angestachelt durch die Ereignisse in
anderen Ländern, die lange Zeit als „Arabischer Frühling“ bezeichnet
wurden. Als auslösender Funke „gilt ein Vorfall in der Stadt Deraa im
äußersten Süden des Landes, wo Syrien an Jordanien und die von Israel
besetzten Golanhöhen grenzt“. Daran erinnerte Karin Leukefeld
am 14. März 2014 in der Tageszeitung Neues Deutschland.
Sie beschrieb, was geschah, soweit das bekannt ist: "Dort sollen Mitte März 2011 - das genaue Datum ist unklar -
Schuljungen Parolen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an
die Mauer ihrer Schule geschrieben haben. Der Schuldirektor holte die
Polizei, die den Geheimdienst informierte. Die Kinder wurden
festgenommen und sollen gefoltert worden sein. Als die Eltern Auskunft über den Verbleib ihrer Kinder haben wollten,
beleidigte man sie. Organisiert von einer örtlichen Moschee, setzte sich
ein Protestzug in Gang, Sicherheitskräfte schossen, es gab Tote. Bei
der Beerdigung am folgenden Tag wurde erneut geschossen, wieder gab es
Tote." Der
syrische Präsident Bashar al-Assad soll die Freilassung der in Deraa
verhafteten Kinder angeordnet haben. „Polizei und Geheimdienst sei
angeordnet worden, keine scharfe Munition einzusetzen. Eine
Regierungsdelegation konnte bei den aufgebrachten Bürgern von Deraa
nichts bewirken. Auch die Ablösung von Provinzgouverneur und Polizeichef
linderte deren Wut nicht. Es gab weitere Protestzüge, Tote, die
Beerdigungen gingen weiter. Auch Sicherheitskräfte und Polizisten hatten
inzwischen Opfer zu beklagen.“ Für die Eskalation auf Seiten der
Regierungsgegner war laut Leukefeld „vor allem eine Gruppe
verantwortlich – die von Katar unterstützte Muslimbruderschaft. Deren
Anhänger hatten sich nach dem Verbot und einem an ihnen in der Großstadt
Hama in Syrien 1982 angerichteten Massaker im nördlichen Jordanien
angesiedelt. Von dort schickten sie nun Kommunikationstechnologie,
Waffen, Kämpfer und Geld.“ Die Journalistin, die als eine der wenigen
dauerhaft aus Syrien berichtet, erinnerte auch daran: „Heute, drei Jahre
später, ist Deraa noch immer Kampfzone. Hunderttausende Zivilisten
flohen ins benachbarte Sweida, nach Damaskus, vor allem aber nach
Jordanien, wo inzwischen drei große Flüchtlingslager errichtet wurden.“
Mehr als 140.000 Tote, darunter rund 71.000 Zivilisten, nach drei Jahren Krieg in und gegen Syrien wurden
im Februar gemeldet.
Nach UN-Angaben soll es inzwischen mehr als neun Millionen Flüchtlinge
innerhalb und außerhalb des Landes geben. "Insgesamt seien das bereits
mehr als 40 Prozent der Bevölkerung Syriens, heißt es in einer am
Freitag veröffentlichten Erklärung des Flüchtlingshilfswerks der
Vereinten Nationen (UNHCR)", berichtete u.a. die
Frankfurter Rundschau am 14. März 2014.
"Auch die Internationale Föderation der Rotkreuz- und
Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) appellierte am Freitag an die
Weltgemeinschaft, stärker auf eine Ende des Blutvergießens in Syriens
hinzuwirken." Der Schweizer
Tages-Anzeiger hatte am 10. März gemeldet:
„In Syrien sterben mehr Menschen wegen fehlender medizinischer
Versorgung als durch die Kämpfe.“ Vor allem Kinder „an behandelbaren
oder vermeidbaren Krankheiten“ sterben, wurde die Organisation Save the
Children zitiert. „Seit dem Beginn des Konflikts vor drei Jahren seien
beispielsweise 200'000 Menschen, darunter tausende Mädchen und Jungen,
gestorben, weil ihre chronischen Krankheiten nicht behandelt worden
seien, hiess es in einem veröffentlichten Bericht. Das seien fast
doppelt so viele Menschen wie in Kämpfen getötet worden seien.“ Doch ein
Ende des Krieges scheint immer noch nicht in Sicht.
Westliche Einmischung von Anfang an
Von Anfang an und immer noch machen die Politiker und Medien des
Westens und seiner Verbündeten den syrischen Präsidenten Assad für die
Katastrophe in Syrien verantwortlich. Das bleibt weiter so falsch, wie
es das von Beginn an war. Wer 2011 die ersten Meldungen über Unruhen in
Syrien hörte, dem dürfte klar gewesen sein, dass die syrische Führung
alles tun wird, um eine Wiederholung der Ereignisse in Libyen zu
verhindern. Zur Erinnerung: In Libyen ließ der Westen am Boden
"Rebellen" gegen die libysche Armee und Sicherheitskräfte kämpfen,
während die NATO aus der Luft Bomben warf. Aber auch am Boden wurde
eifrig frühzeitig mitgemischt, so
durch westliche Geheimdienste wie die CIA. Am Ende wurde der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi nicht nur gestürzt, sondern auch ermordet. Heute ist Libyen
ein zerrissenes Land im Chaos.
Das Assad und die syrische Führung dieses Szenario in ihrem Land
verhindern wollten und wollen, ist alles andere als überraschend.
Die Kriegstreiber und Regimewechsler in den westlichen Regierungen
und ihre Verbündete haben sich aber in den Kopf gesetzt, auch in
Damaskus Einzug halten zu können. Das haben sie bisher nicht aufgegeben
und deshalb haben sie von Anfang auch in Syrien mitgemischt. Darauf
hatte frühzeitig u.a. Joachim Guilliard in seinem Blog
Nachgetragen aufmerksam gemacht:
Am 20. Februar 2012
hatte er Informationen veröffentlicht, denen zufolge die Nato-Staaten
in Syrien zu dem Zeitpunkt bereits längst militärisch aktiv waren.
Guilliard zitierte u.a. den russischen Außenminister Sergej Lawrow, der
schon im November 2011 westliche Waffenlieferungen an „Rebellen“ in
Syrien kritisierte. „Die Gruppierungen, die unter anderem aus Bürgern
gebildet werden, die aus anderen Staaten nach Syrien gekommen waren,
werden aktiv mit Waffen beliefert“, sagte Lawrow
am 29. November 2011 laut der Nachrichtenagentur RIA Novosti. Im März 2012 hatte selbst
die Welt gemeldet,
dass laut einem hochrangigen arabischen Diplomaten Saudi-Arabien über
Jordanien "Militärgüter" an die Freie Syrische Armee (FSA) liefere. „Die
Anti-Panzer-Raketen über Kanäle in Saudi-Arabien und Katar an die
Rebellen zu liefern ist nur eine Facette des ausgeweiteten US-Planes für
die syrische Krise, berichten unsere militärischen Quellen.“ Das
berichtete die laut
junge Welt israelischen Geheimdiensten zugeordnete israelische
Website Debkafile am 22. Mai 2012. Der Plan sei von US-Präsident Barack Obama genehmigt worden.
Wie in Libyen wurden in Syrien frühzeitig die bewaffneten „Rebellen“
vom Westen mit Geld, Ausbildung und Waffen unterstützt und so die
„Frühlings“-Unruhen genutzt, um einen veritablen Krieg innerhalb des
Landes anzuzetteln und anzuheizen. Wahrscheinlich hofften die
Regimewechsler, sie kommen ebenso schnell in den Präsidentenpalast in
Damaskus wie in Gaddafis Zelt in Tripolis. Joachim Guilliard hatte auch
auf Informationen aufmerksam gemacht, dass US-amerikanische, britische,
französische und andere Geheimdienstkräfte bereits seit 2011 in Syrien
und dessen Nachbarländern aktiv seien, um die "Rebellen" zu
unterstützen. Die ehemalige FBI-Mitarbeiterin
Sibel Edmonds schrieb schon im November 2011
von Informationen, nach denen auf der US Air Force Base in Incirlik,
Türkei, schon seit April 2011 "Rebellen" ausgebildet und auf den Einsatz
in Syrien vorbereitet wurden. Seit Mai 2011 seien von dort aus
Waffenlieferungen organisiert worden, "mit voller US-NATO-Beteiligung".
"Die libanesische Zeitung Al-Binaa berichtete am Wochenende,
französische und britische Militärexperten würden im Libanon Kämpfer auf
den Einsatz in Syrien vorbereiten", war
am 12. Dezember 2011 in der jungen Welt
zu lesen. „Ein Filmteam der britischen BBC hatte kürzlich eine solche
Gruppe vom Libanon bis nach Homs begleitet. In der Freitagausgabe der
türkischen Zeitung
Milliyet hieß es, US- und
NATO-Militärexperten würden syrische Deserteure in der Türkei
ausbilden.“ Spätestens Mitte 2012 kamen auch westliche Massenmedien
nicht mehr daran vorbei und meldeten, US-Präsident Obama habe die CIA
und andere US-Geheimdienste Regierungskreisen zufolge zur verdeckten
Unterstützung syrischer Rebellen ermächtigt. „Unklar“ sei, „wann der
Präsident die entsprechende geheime Anordnung unterzeichnete“ so z.B.
das
Handelsblatt am 2. August 2012.
“Die Direktive sehe vor, dass die USA zur Unterstützung der syrischen
Opposition mit einer geheimen Kommandozentrale zusammenarbeitete, die
von der Türkei und Verbündeten betrieben werde.“ Zuvor hatte
die taz am 21. Juni 2012 berichtet: „CIA hilft Rebellen bei der Bewaffnung“
Das scheint aber alles viel eher begonnen zu haben: Großbritannien
habe bereits 2011 die Invasion von „Rebellen“ in Syrien vorbereitet,
berichtete der ehemalige französische Außenminister Roland Dumas
am 10. Juni 2013 im französischen Parlaments-Fernsehsender LCP.
"Vor etwa zwei Jahren, bevor die ganzen Feindseligkeiten in Syrien
ausgebrochen sind, da war ich in Großbritannien ..." Und Dumas weiter:
"Die haben mir gesagt, dass sich in Syrien etwas vorbereite. Das war in
Großbritannien, nicht in den USA. Großbritannien bereitete die Invasion
von Rebellen in Syrien vor. Man hat mich gefragt, als ehemaligen
Außenminister Frankreichs, ob ich mich beteiligen würde. Ich habe das
Gegenteil gesagt, ich bin Franzose, dass mich das nicht interessieren
würde. Dies nur um zu sagen, dass diese Operation von langer Hand
vorbereitet wurde. Sie wurde vorbereit, geplant ..." Im März 2012 hatte
es
erste Hinweise
gegeben, dass das westliche Bild von der Schuld Assads an dem Krieg,
angeblich ausgelöst durch die blutige Unterdrückung der ersten Proteste
in Deraa im März 2011, nicht stimmt. In einem
Bericht des Netzwerk Voltairnet.org vom 21. März 2012
hieß es, der frühere französische Botschafter in Syrien, Eric
Chevallier, habe der offiziellen Version von den Unruhen in Deraa
widersprochen und deshalb Ärger mit dem damaligen Außenminister Alain
Juppé bekommen. Chevallier habe darauf hingewiesen, dass es in Deraa
keine blutige Unterdrückung gebe und die Lage sich wieder entspannt
habe. Syrien werde dagegen durch von aus dem Ausland geschickten
bewaffneten Gruppen destabilisiert. Dass das Bild von einer „friedlichen
Revolution“ in Syrien, die von den Regierungskräften blutig unterdrückt
wird, eher ein "gefährlicher Mythos" war und ist, darauf hatte
Joachim Guilliard am 1. Juni 2012 aufmerksam gemacht.
Westliche Schuld an der Katastrophe
Die westlichen Kriegstreiber und Brandstifter samt ihrer arabischen
Verbündeten haben bis heute nichts getan, um die syrische Katastrophe zu
beenden. Sie tragen die Verantwortung für den Krieg in Syrien, die
Zerstörung des Landes und das Leid seiner Menschen, auch für die
gescheiterten Friedensversuche und abgelehnten Vorschläge dazu. „Der
Westen ist schuldig“ stellte der Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel
in der
Online-Ausgabe der FAZ am 2. August 2013
fest: „In Syrien sind Europa und die Vereinigten Staaten die
Brandstifter einer Katastrophe.“ Es gebe „keine Rechtfertigung für
diesen Bürgerkrieg“, so Merkel. Die führenden westlichen Staaten hätten
"schwere Schuld auf sich geladen", weil sie die Wandlung der
anfänglichen Proteste in Syrien im Frühjahr 2011 "zu einem mörderischen
Bürgerkrieg ermöglicht, gefördert, betrieben" haben. "Mehr als
hunderttausend Menschen, darunter Zehntausende Zivilisten, haben diese
vermeintlich moralische Parteinahme mit dem Leben bezahlt." Die
westliche Einmischung in Syrien sei "eine Variante dessen, was seit der
Invasion des Irak vor zehn Jahren ‚demokratischer Interventionismus‘
heißt: das Betreiben eines Regimewechsels mit militärischen Mitteln zum
Zweck der Etablierung einer demokratischen Herrschaft." Im Unterschied
zum Irak erscheine die indirekte Intervention in Syrien als "mildere
Form des Eingriffs", da für den Regimewechsel "Rebellen" im Land selbst
von außen aufgerüstet "- und freilich auch angestiftet –" wurden und
werden. Merkel bezeichnet das aber als "die verwerflichste Spielart",
weil sie nicht nur das Töten und das Getötetwerden anderen überlässt,
sondern vor allem dabei "die in jedem Belang verheerendste Form des
Krieges entfesseln hilft: den Bürgerkrieg". Der Wissenschaftler
bezeichnet hunderttausend Tote als "viel zu hohen Preis für eine
erfolgreiche demokratische Revolution". "Für eine erfolglose sind sie
eine politische, ethische, menschliche Katastrophe." Merkel glaubt
nicht, dass die künftige Geschichtsschreibung den Westen vom Vorwurf der
Mitschuld daran freisprechen wird.
Auch der syrische Oppositionelle und Schriftsteller Louay Hussein stellte in einem Interview mit der Tageszeitung
junge Welt vom 16. Oktober 2013
fest: „Nachdem sich einige Länder in den Bürgerkrieg eingemischt und
oppositionelle Gruppierungen geschaffen haben, ist die Legitimität der
politischen Arbeit im Land selbst beschädigt worden. Hinzu kommt, daß
die meisten dieser Länder entschieden dazu beigetragen haben, den
bewaffneten Konflikt zu schüren, der zu scharfen gesellschaftlichen
Spaltungen geführt hat.“ Dadurch seien die friedlichen
Oppositionsbewegungen in Syrien marginalisiert worden, wozu auch die
westlichen Medien beigetragen hätten. Die Einmischung westlicher
Regierungen und Organisationen habe erst dazu beigetragen, „daß viele
Syrer überhaupt zu den Waffen gegriffen haben nach dem Motto: Bewaffne
dich, befreie dich von denen, die über dich herrschen, dann geben wir
dir die materielle Unterstützung, die dich von deiner Regierung
unabhängig macht.“ Eine Reihe von bewaffneten Gruppierungen seien direkt
oder indirekt unter der Schirmherrschaft westlicher Staaten aktiv.
„Viele haben erst zu den Waffen gegriffen, als dies seitens der
westlichen Staaten legitimiert wurde. Der bewaffnete Akt wurde geradezu
als prophetische Mission betrachtet, als ein Zeichen von Heiligkeit und
vollkommener Moral.“ Hussein fügte hinzu: „Der Griff zu den Waffen kann
nicht mit Verweis auf die exzessive Unterdrückung seitens des syrischen
Regimes gerechtfertigt werden. Es war von Anfang an klar, dass man das
Regime nicht mit Gewalt besiegen kann. Waffen in einer Gesellschaft, in
der fast gar keine Organisationen der Zivilgesellschaft, keine Parteien
und politischen Bewegungen vorhanden sind, führen unweigerlich zu einem
Sicherheitschaos.“
Westen gießt weiter Öl ins Feuer
An all das, an die Schuld des Westens und seiner Verbündeten an der
Katastrophe in Syrien, an dem Leid der Menschen in dem Land, an den
Zerstörungen der Infrastruktur und den vielen Toten, muss nach drei Jahren Krieg weiter erinnert
werden. Signale des Westens sind nicht in Sicht,
einen Beitrag zu dem zu leisten, was Hussein so beschrieb: „Das
Blutvergießen in Syrien wird nicht zu beenden sein ohne eine
entschiedene und klare Haltung der internationalen Gemeinschaft, in der
die Ablehnung der Gewalt ausdrücklich erklärt und somit dem bewaffneten
Konflikt die Legitimität entzogen wird.“ Der Westen hält stattdessen an
seinem Ziel des Regimewechsels in Damaskus fest und gießt dafür weiter
Öl ins Feuer. Das belegte die Nachrichtenagenturen u.a. am 28. Januar
2014, als sie meldeten, dass die USA sogenannte leichte Waffen, darunter
auch Panzerabwehrraketen, an angeblich „moderate Rebellen“ liefern
wollen. Während
diese Nachricht u.a. von Spiegel online wiedergegeben wurde, liefen noch die Verhandlungen in Genf (Genf II), zu deren Zielen eine Waffenruhe in dem kriegsgebeutelten Land gehörte.
Spiegel online berichtete am 18. Februar:
„Die Strategen in Washington sind zum dem Schluss gekommen, dass eine
neue Verhandlungsrunde nur Erfolg verspricht, wenn Assad zuvor
militärisch geschwächt wird.“ Das Magazin fasste Informationen aus
Berichten von US-Medien wie der
New York Times und
Wallstreet Journal
zusammen. Danach sollen US-genehme „Rebellen“-Gruppen Finanz- und
Ausrüstungshilfen bekommen. Die US-Regierung wolle auch ihren bisherigen
Widerstand gegen saudi-arabische Lieferungen von Flugabwehrraketen an
die „Rebellen“ aufgeben. Auf diese Pläne hatte das
Wallstreet Journal schon am 14. Februar
aufmerksam gemacht. Statt der Suche nach einem Weg zum Frieden wird in
führenden westlichen Kreisen inzwischen über eine "humanitäre
Intervention" nachgedacht angesichts der Folgen des fortgesetzten
Krieges in und gegen Syrien für die Menschen in dem Land, angesichts der
Opfer, Zerstörungen und Flüchtlinge. Schon wird in führenden US-Medien
wie der
New York Times entsprechend getrommelt: Die hungernden
Syrer müssen gerettet werden, forderten u.a. Danny Postel und Nader
Hashemi vom Center for Middle East Studies an der Josef Korbel School of
International Studies der Universität in Denver
in der Zeitung am 11. Februar.
Es müsse an die syrische Regierungsseite und an die "Rebellen" ein
klares Signal übermittelt werden, fordern die beiden Autoren: "Die
internationale Gemeinschaft ist, nachdem sie drei Jahre lang diese
moralische und humanitäre Katastrophe von der Seitenlinie aus beobachtet
hat, endlich bereit, zu handeln."
Davor hatte u.a. der Politikwissenschaftler und Menschenrechtsaktivist Ajamu Baraka in einem Beitrag gewarnt, den das
Onlinemagazin Counterpunch am 28. Februar
2014 veröffentlichte. Frieden für das Land und insbesondere
Menschlichkeit für die Syrer seien von Beginn des Konfliktes an die
„letzten Dinge“, die für die US-Politiker eine Rolle spielten, so
Baraka. „Die oft beschworene Sorge um die hungernden Menschen in Homs
und um alle anderen Unschuldigen in diesem brutalen Konflikt sind
weiterhin nichts mehr als ein grober Vorwand, um der Administration zu
ermöglichen, das größere regionalen geostrategischen Ziel zu verfolgen -
die Beseitigung des syrischen Staates.“ Er bezeichnete die wachsende
Sorge von US-Politikern und -Medien um das Leiden der Syrer als zynisch
und komisch. Sie würden ausnutzen, dass niemand gegen Hilfe für jene sei
könne, die unschuldig zwischen die Fronten des Krieges in und gegen
Syrien geraten seien. Baraka befürchtete, dass die Kriegstreiber damit
erfolgreich sein können. Für die Menschen in Syrien bedeute das noch
mehr Zerstörung, Brutalität und Vertreibung.
Unterdessen wurde nicht nur
ein weiterer Erfolg der syrischen Armee gemeldet,
die den bisher von „Rebellen“ gehaltenen Ort Jabrud an der Grenze zum
Libanon zurückerobert habe. Über lokale Friedenslösungen zwischen
Einheiten der syrischen Armee und „Rebellen“-Gruppen hatte zuvor Karin
Leukefeld aus Damaskus
am 24. Februar in der Tageszeitung junge Welt
berichtet. Andere Signale kommen dagegen von den Kriegstreibern: „Die
USA haben die diplomatischen Beziehungen zu Syrien zeitweilig
eingestellt“, gab
RIA Novosti am 18. März 2014 eine
Meldung der Nachrichtenagentur Reuters
wieder. „Demnach würden die Botschaft und die Konsulate Syriens auf dem
Territorium der USA schließen, sagte der US-Sondergesandte für Syrien,
Daniel Rubinstein.“ Die Begründung: „Es ist unzulässig, dass die von
Syriens Präsident Baschar al-Assad ernannten Menschen ihre Arbeit in den
USA fortsetzen“, wurde der Diplomat zitiert. Der betonte außerdem, dass
Assad sich geweigert habe, zurückzutreten, und verantwortlich für
Gräueltaten gegen die Syrer sei. Ajamu Baraka hatte im Februar
geschrieben: Wegen der Erfolge der syrischen Armee und der internen
Konflikte innerhalb der „Rebellen“ würden die US-Entscheidungsträger mit
„mehr direkter Einmischung“ verhindern wollen, dass die syrische
Regierung ihre Stellung in den umkämpften Gebieten wieder ausbauen kann.
Bereiten die US-Kriegstreiber nun im Schatten der Ereignisse in und um
die Ukraine das vor, was ihnen der russische Präsident Wladimir Putin
mit seiner Initiative, die syrischen Chemiewaffen zu vernichten, im
September 2013 verdarb: Den offenen Krieg gegen Syrien? Deutet der
Rauswurf der syrischen Diplomaten darauf hin, dass die US-Regierung den
abgesagten „Militärschlag“ nachholen will, während Russland mit der
Situation vor der eigenen Grenze beschäftigt ist und die Welt gebannt
auf die Krim starrt? Ich wünsche mir, dass ich mich irre, nicht nur,
weil der Krieg in und gegen Syrien schon viel zu lang geht.