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Montag, 7. September 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 250

Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine- und zum West-Ost-Konflikt und den Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit, fast ohne Kommentar

• Poroschenko arbeitet an "Plan B" für Kiewer Kontrolle über den Donbass
"Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko arbeitet nach eigenen Worten an einem „Plan B“ zur Regelung der Situation im Donbass.
Er unternehme alle möglichen Anstrengungen, damit die Minsker Vereinbarungen umgesetzt und die ukrainischen Territorien wieder unter die ukrainische Souveränität gestellt würden, sagte Poroschenko am Sonntag in einem Interview für drei ukrainische Fernsehsender.
Die ukrainische Armee sei innerhalb des zurückliegenden Jahres erstarkt und nun bereit, „dem  Aggressor  Einhalt zu gebieten“, „wenn es eine umfassende Offensive geben sollte“. ...
Aus dem Verteidigungsamt der „Donezker Volksrepublik“ hieß es indes, dass die ukrainischen Militärkräfte sich auf eine Offensive gegen die selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Lugansk vorbereiten würden. Dem Vize-Chef des Stabes der Donezker Volkswehr, Eduard Bassurin, zufolge sind bereits vier Angriffsgruppierungen mit einer Mannstärke von insgesamt mehr als 90.000 aufgestellt worden." (Sputnik, 7.9.15)

• NATO will Präsenz in der Ukraine erweitern
"Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg reist im September nach Kiew, um sich über eine Erweiterung der Präsenz der Allianz in der Ukraine zu verständigen und erstmals an einer Sitzung des nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates teilzunehmen, wie die ukrainische Agentur „Ukrinform“ unter Berufung auf Außenminister Pawel Klimkin mitteilte.
Zuvor war die Eröffnung einer Nato-Vertretung in der Ukraine angekündigt worden.
Auf Details wollte der Minister nicht eingehen. Klimkin hat sich nach eigenen Worten am Montag in Brüssel mit dem Nato-Generalsekretär getroffen.
„Ich habe mit dem Nato-Generalsekretär seinen bevorstehenden Ukraine-Besuch besprochen, der von besonderer Bedeutung wird, weil Stoltenberg neben dem ukrainischen Präsidenten der Eröffnung der Übungen im Zivilschutzbereich beiwohnen wird (…)“, zitierte die ukrainische Nachrichtenagentur UNIAN den Minister.
Wie Klimkin später erläuterte, haben Kiew und die Allianz vor, ein Abkommen über eine Nato-Vertretung in der Ukraine zu unterzeichnen. Faktisch handele es sich um eine Botschaft der Nato in der Ukraine, schrieb Klimkin auf seiner Twitter-Seite. ..." (Sputnik, 7.9.15)

• IWF-Direktorin Lagarde bewundert Kiewer Leistungen
"Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, ist beeindruckt mit den Fortschritten, die die Ukraine in den letzten Monaten erreicht hat.
Das erklärte sie während des gemeinsamen Briefings mit dem Präsidenten der Ukraine, Petro Poroschenko, in Kiew, berichtet ein Ukrinform-Korrespondent.
„Ich bin sehr beeindruckt mit dem Fortschritt, der in den letzten Monaten erreicht wurde. Die Ukraine hat die Welt mit ihren Leistungen in so kurzer Zeit überrascht. Es ist einfach unglaublich. Ich kann das sagen, weil als geschäftsführende Direktorin von IWF wir Hauptinformationen wissen, und verfolgen, was im Lande passiert“, sagte Lagarde.
Ihr zufolge ist es der Ukraine bei sehr schwierigen Umständen gelungen, die Makrostabilisierung zu erreichen und die Wirtschaft zu bekommen, die Anzeichen der Erholung und Stärke zeigt.
Frau Lagarde stellte ferner fest, dass der IWF und die internationale Gemeinschaft weiter die Ukraine unterstützen werden. „Wir unterstützen nicht nur die Ukraine, sondern bewundern sie auch“, fügte sie hinzu." (Ukrinform, 7.9.15)

• Kolonialismus in neuen Formen
Griechenland und die Ukraine sind Beispiele für neue Formen des Kolonialismus in Europa. Das schrieb der US-Ökonom Jack Rasmus in einem am 3.9.15 auf der Website des lateinamerikanischen Senders Telesur TV veröffentlichten Beitrag. Es sei kein Kolonialismus durch militärische Eroberung und Besetzung wie im 19. Jahrhundert, auch kein wirtschaftlicher Kolonialismus wie ihn die USA nach 1945 praktizierten. Im 21. Jahrhundert erfolge er durch die Übertragung finanzieller Vermögenswerte, so Rasmus. Ausgewählte Manager des kolonisierten Landes würden nun die entsprechenden Prozesse verwalten, um die Vermögenswerte ihres Landes an ausländische Besitzer zu übertragen. In Griechenland habe die "Troika" aus Europäischer Kommission, der Europäischen Zentralbank, des IWF und Europäischem Stabilitätsmechanismus (ESM) die direkte Verwaltung des griechischen Volksvermögens begonnen, eingeleitet durch das von der griechischen Regierung und der "Troika" am 14.8.15 unterzeichnete "Memorandum of Understanding". In der Ukraine sei das noch direkter geschehen, indem US- und EU-Schattenbanken neue Finanz- und Wirtschaftsminister installierten. Die Vermögenstranfers geschehen in verschiedenen Formen, so der Ökonom: als Zinszahlungen auf die steigenden Schulden, als direkte Verkäufe an Investoren und Banken der Kolonialmächte und durch die De facto-Übernahme des Bankensystems und der Bankguthaben des kolonisierten Landes.
Nachdem in der Ukraine US- und EU-Banker im Dezember 2014 als Finanz- und Wirtschaftsminister (Natalie Ann Jaresko und Aivaras Abromavicius) installiert wurden, seien der Ukraine neue Kredite zugesagt worden. Diese Kredite führten zu neuen Schulden. Außerdem kündigte Premierminister Arsenij Jazenjuk schnellere Privatisierungen von 342 ukrainischen Unternehmen im Staatsbesitz an. Von den Verkäufen zu Ramschpreisen würden wahrscheinlich die Freunde und Auftraggeber der neuen Minister, die die Verkäufe genehmigen, aus den USA und der EU profitieren. Jedes fünfte der Unternehmen gelte als technisch bankrott und könne durch den Verkauf nicht zur Schuldentilgung beitragen. Ihre Zahlungsunfähigkeit sei das Beste, was den US- und EU-Schattenbanken sowie den multinationalen Konzernen passieren könne. Bisher hätte der IWF und die anderen Institutionen die verschuldeten Ländern, denen per "Rettungspaket" vorgeschrieben wurde, was sie tun sollen, diese nicht selbst übernommen. Nun erfolge aber die direkte Verwaltung, damit das betroffene Land sich nicht eventuell sträuben oder die Übertragung der Vermögenswerte zur Tilgung der steigenden Schulden nicht verzögern könne.
Kommentar: Es ließe sich auch von Imperialismus mit neuen Mitteln sprechen. Die Mechanismen, auf die Rasmus hinwies, sind allerdings nicht so neu. Der ehemalige "Wirtschaftskiller" John Perkins schilderte sie u.a. in seinem Buch "Bekenntnisse eines Economic Hit Man" und auch in dem Film Film "Let's make money" (nachzulesen u.a. in den Mosaiksteinen zu Griechenland vom 14.7.15). Neu ist nur, dass diese Methoden nun auch auf europäischem Boden angewandt werden, nachdem sie sich u.a. in Lateinamerika und Afrika bewährten.


• Heldenverehrung in Springers Welt
Die Tageszeitung Die Welt veröffentlichte am 2.9.15 in ihrer Onlineausgabe ein Porträt eines der Mitglieder der faschistischen Partei "Swoboda", der auch in einem der Freikorps in der Ostukraine kämpft:
"
Ein warmer Sommerabend im Zentrum von Kiew. Eine feierliche Filmpremiere, dann Stehempfang, danach eine große Runde in der Kneipe. Mit am Tisch sitzen Olexander und Krystyna. Nachdem Olexander sein Steak verzehrt hat, erklärt er das Leben in der Ukraine. "Wer hier eine Extremsportart betreiben will, der muss nicht Fallschirm springen. Es reicht, wenn er Unternehmer wird. Das ist bei uns der extremste Sport. Und außerdem der Krieg. Die beste Erfahrung meines Lebens."
Niemand hatte den Zivilisten Olexander Martynenko gezwungen, im Osten der Ukraine an die Front zu gehen. Er wollte dort sein Land verteidigen – gegen die russischen Söldner und die separatistischen Rebellen. Wie Tausende seiner Landsleute, die vor einem Jahr aus dem Nichts Freiwilligenbataillone gebildet haben, um der Armee zur Seite zu stehen. Aus Wut auf den 2014 gestürzten Präsidenten Viktor Janukowitsch hatte sich Olexander auch der Partei der Nationalisten angeschlossen. Es waren vor allem seine Parteifreunde, die am Montag in Kiew gegen Zugeständnisse an Russland demonstrierten; dabei warf ein Protestierer eine Granate, die drei Polizisten tötete. ...
Olexander Martynenko ist auf Kamtschatka in Russland aufgewachsen. Dann zog die Familie nach Tadschikistan, wo immer noch seine Oma lebt. Doch die meiste Zeit verbrachte Olexander in Kiew. Vater Ukrainer, Mutter Russin: ein typisches Kind des Schmelztiegels Sowjetunion. Ähnlich Krystyna: Vater Russe, Mutter Ukrainerin, aufgewachsen in der Ostukraine. Für beide war die Familiensprache Russisch. Aber die Erwachsenen Olexander und Krystyna sind – wie Millionen russischsprachiger Bürger – Patrioten der Ukraine. Jetzt erst recht. ...
Olexander schloss sich den Nationalisten an, der Partei Swoboda (Freiheit). Eine liberale Kraft war für ihn nicht attraktiv. "Die Nationalisten haben das alte System am konsequentesten bekämpft", findet Olexander. Das System zeigte bald, dass sein schlechter Ruf berechtigt war: Janukowitsch brach, von Wladimir Putin unter Druck gesetzt, die Annäherung an die EU, auf die er sein Land vorbereitet hatte, plötzlich ab. Daraufhin gab es wochenlange Proteste auf dem Maidan. Natürlich demonstrierte Olexander mit.
 ...
Krieg führen ist nicht schwer, sagt Olexander. "Man braucht dazu Intellekt, körperliche Konstitution und das Ausführen von Befehlen." Angst empfand er nicht. Und dann das – wie er sagt – Einmalige des Krieges: "Dort gibt es nur Weiß oder Schwarz. Freund oder Feind. Basta. Und der Mensch wird zum Kristall. Dort kann er nichts verstecken. Dort erfährst du, was für ein Mensch du bist." Aber brutalisiert der Krieg nicht den Menschen? "Wer vorher eine Quelle von Brutalität in sich hatte, bei dem kommt es raus. Und wer vorher ein guter Mensch war, bei dem kommt auch das raus. Das Echte, das Wahre gibt es nur im Krieg. Die gegenseitige Hilfe, die Freundschaften fürs Leben. Im zivilen Leben ist das alles so unscharf, so verwaschen." ...
"Das ist für uns ein heiliger Krieg", sagt der frühere Unternehmer Olexander ruhig, fast lakonisch. "Ein Kampf für unsere Unabhängigkeit. Und die Opfer werden unser Land vereinen. Sie werden die Helden der Zukunft sein. Für einen Mann ist es eine Ehre, im Krieg zu sterben. Das ist nicht jedem gegeben." ...
"

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine
 

Freitag, 28. August 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 245

Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine- und zum West-Ost-Konflikt und den Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit, fast ohne Kommentar

• Moskau: Kiew verschlimmert humanitäre Lage im Donbass
"Wegen der von Kiew verhängten Blockade bleibt die humanitäre Lage im Donbass weiter äußerst kritisch. Das sagte der Menschenrechtsbeauftragte beim russischen Außenministerium, Konstantin Dolgow, in der Staatsduma (Unterhaus).
Sollte sich die Situation nicht bald ändern, werden  die Bewohner der selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Lugansk, besonders angesichts des kommenden Winters, sehr schwere Zeiten erleben.
Am Freitag wurde im Unterhaus eine turnusmäßige Sitzung der Arbeitsgruppe für die rechtliche  Analyse von Gesetzgebungsverfahren und in der Ukraine angenommenen Rechtsakten durchgeführt.
„Die Situation um die Blockade herum verbessert sich nicht. Es gibt zwar gewisse Zwischenvereinbarungen.  Die Situation im Allgemeinen ist jedoch sehr kritisch. Die ukrainischen Sicherheitskräfte versperren humanitären Hilfskonvois Zufahrt (…).“
Dolgow zufolge bleibt die Situation der Menschenrechte sowie des ganzen Rechtsschutzsystems in der Ukraine weiter katastrophal.
Dabei spielten vor allem fehlende Rechtssicherheit, Verbrechen an Zivilisten, massenhafte Folterung durch Sicherheitskräfte eine große Rolle. ..." (Sputnik, 28.8.15)

• Klitschko wird Chef neuer Präsidentenpartei
"Der Kiewer Bürgermeister Witali Klitschko ist knapp acht Wochen vor der Kommunalwahl in der Ukraine zum Chef der Präsidentenpartei Solidarnist (Solidarität) bestimmt worden. "Wir schaffen eine vereinte politische Kraft, die sich ihrer Verantwortung für effektive Reformen und reale Veränderungen bewusst ist", sagte der 44-jährige Ex-Boxer am Freitag. Es gab keinen Gegenkandidaten. ..." (Der Standard online, 28.815) Zur Erinnerung: Klitschko ist vor allem der Vertreter deutscher Interessen. "... Nachdem der CDU-Politiker Werner Jostmeier Klitschko Ende 2011 getroffen hatte, berichtete er sogar, dass die [Konrad-Adenauer-]Stiftung diesen damit „beauftragt“ habe, „in der Ukraine eine christlich-konservative Partei unterstützend mit auf die Beine zu stellen und zu etablieren.“(26) Diese Formulierung findet man inzwischen nicht mehr auf seiner Website; wie das Büro des Landtagspolitikers auf unsere Anfrage hin mitteilte, sei man von der KAS „gebeten worden, den Satz zu löschen“. ..." (hintergrund.de, 25.2.14) Siehe auch: "Udar, eine CDU-Erfindung!" (Stimme Russlands, 6.11.12)
Vielleicht hat ja Merkel auch darüber mit Poroschenko kürzlich in Berlin gesprochen.

• Umfangreicher Waffennachschub für Kiewer Truppen
"Die ukrainischen Militärs haben seit Beginn des Militärkonfliktes im Donbass rund 30.000 reparierte Kriegsgeräte bekommen, wie die Vertreterin des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Viktoria Kuschnir, bei einem Briefing am Freitag mitteilte.
„Seit Beginn der Anti-Terror-Operation (so nennt Kiew den Militäreinsatz im Donbass – d. Red.) wurden für Kiew 29.295 Waffen und Kriegsgeräte für die Armee und 642 technische Geräte für die Luftstreitkräfte der Ukraine repariert“, sagte Kuschnir. ..." (Sputnik, 28.8.15)

• Erneut Beschuss von Donezk gemeldet
"Ukrainische Militärs haben am Donnerstagabend den Wohnbezirk Petrowski in Donezk beschossen, ein Zivilist ist dabei ums Leben gekommen, wie die Stadtverwaltung mitteilte.
„Am Abend wurde der Petrowski-Bezirk beschossen. Auf der Krasnogorowskaja-Straße ist in Folge der Explosion eine Person umgekommen“, heißt es in der Mitteilung der Stadtverwaltung.
Zuvor hatte der Chef der Bezirksverwaltung, Maxim Schukowski, erklärt, dass beim nächtlichen Beschuss des Petrowski-Bezirks durch die ukrainische Armee fünf Menschen verletzt worden seien.
Im Donbass herrscht seit Frühjahr vergangenen Jahres Krieg. Auslöser war der nationalistisch geprägte Umsturz vom Februar 2014 in Kiew. Nach der Machtübernahme schickte die neue ukrainische Regierung Truppen gegen die Gebiete Donezk und Lugansk, weil diese den dubiosen Machtwechsel nicht anerkannt und unabhängige „Volksrepubliken“ ausgerufen hatten.
Bei den Gefechten zwischen dem Kiew-treuen Militär und den örtlichen Bürgermilizen sind laut den jüngsten UN-Angaben bereits fast 7.000 Zivilisten ums Leben gekommen." (Sputnik, 28.8.15)

• Kontaktgruppe einigt sich auf Waffenstillstand ab 1. September
"In der Ostukraine gibt es neue Hoffnung auf eine Umsetzung der im Februar vereinbarten Feuerpause zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten. Bei einem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk haben sich beide Seiten auf einen neuen Anlauf zur Beendigung des Blutvergießens geeinigt: Ab Beginn des neuen Schuljahres am 1. September sollen die Waffen schweigen, erklärte der OSZE-Vertreter in der Kontaktgruppe, der Österreicher Martin Sajdik, nach dem Treffen am Mittwochabend. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte sich angesichts der verstärkten Gewalt im Donbass zuletzt besorgt über die Entwicklung gezeigt. Fast täglich berichten die Konfliktparteien von Toten. ..." (Der Standard online, 27.8.15)

• Abschlussbericht zu MH17 für 13. Oktober angekündigt
"Der Abschlussbericht über die Ursache des Absturzes des Passagierfluges MH17 soll am 13. Oktober veröffentlicht werden. Das teilte der für die Untersuchung zuständige niederländische Sicherheitsrat am Donnerstag in Den Haag mit. Die Maschine der Malaysia Airlines war am 17. Juli 2014 über der Ostukraine abgeschossen worden. Die 298 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben.
Die Ermittlungen weisen daraufhin, dass das Flugzeug von einer Luftabwehrrakete des Typs Buk getroffen worden war. Russland und die Ukraine beschuldigen sich gegenseitig. Der Sicherheitsrat untersuchte nicht, wer für den Absturz verantwortlich ist. Ergebnisse der strafrechtlichen Ermittlungen werden vor Jahresende erwartet. ..." (Der Standard online, 27.8.15)

• Kiew: Russische Truppen im Donbass
"Der Chef des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Alexander Turtschinow, hat Russland erneut der Teilnahme an dem Militärkonflikt im Donbass bezichtigt und erklärt, dass Russland dort eine „leistungsstarke Landtruppen-Einheit” aufgestellt hat.
„Auf dem besetzten Territorium im Donbass hat das russische Militärkommando die Aufstellung einer leistungsstarken Landtruppen-Einheit auf der Basis von zwei Armeekorps abgeschlossen, die für Angriffsoperationen ausgebildet sind“, heißt es in der Erklärung Turtschinows auf der Webseite des Sicherheitsrats.
Im Donbass sollen sich angeblich Militärs aufhalten, darunter gewisse russische Generäle und Offiziere, die sich den ukrainischen Regierungstruppen widersetzen.
„Die entsprechenden Materialien werden an die ukrainische Staatsanwaltschaft weitergeleitet, damit strafrechtliche Verfahren eingeleitet werden können“, so Turtschinow in seiner Erklärung. ..." (Sputnik, 27.8.15)

• Aufständische melden fortgesetzte Angriffe der Kiewer Truppen - Obama lobt Kiew
"Ukrainische Streitkräfte haben die im ostukrainischen Gebiet Donezk gelegenen Ortschaften Alexandrowka, Oktjabrski, Staromohailowka und die nach der Abakumow-Kohlengrube benannte Ortschaft beschossen; vier Menschen sind verletzt worden, berichtet die Stadtverwaltung.
„Am Abend des 26. und in der Nacht des 27. Augusts haben ukrainische Streitkräfte die Ortschaften Alexandrowka im Petrowski-Bezirk, Oktjabrski im Kuibischewki-Bezirk, Staromohailowka und die nach der Abakumow-Kohlengrube benannte Ortschaft im Kirowski-Bezirk unter starken Beschuss genommen“, heißt es in dem Bericht.
Auch die benachbarte Volksrepublik Lugansk meldete neue Angriffe des ukrainischen Militärs. Nach Angaben der Volksmiliz wurden die Ortschaften Weselogorowka, Sanscharowka, Kalinowo, Obosnoje sowie der Raum um das Denkmal von Fürst Igor von Granatwerfern mit den Kalibern 82 mm und 120 mm, Flaks, Panzern und Artillerie mit den Kalibern 152 und 122 mm beschossen.
Donnerstagfrüh hatten die ukrainischen Streitkräfte gemeldet, dass die Volkswehr vom Donbass während des vergangenen Tags 90 Mal ihre Stellungen beschossen habe.
Unterdessen hat US-Präsident Barack Obama in einem Gespräch mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel die „Fortschritte“ der Regierung in Kiew bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen gemäß des Minsker Friedensplans hervorgehoben, wie das Weiße Haus am Mittwoch mitteilte. ..." (Sputnik, 27.8.15)
Obama hat laut Weißem Haus auch gesagt, Moskau müsse wie Kiew die Minsk II-Verpflichtungen einhalten. Er will also, dass Minsk II scheitert ...

• Kiew bekommt vom Westen Schuldenschnitt geschenkt
"Die Ukraine hat nach Angaben der Regierung in Kiew eine Einigung mit den Gläubigern bei der Restrukturierung ihrer Schulden erzielt. Wie das Finanzministerium in Kiew am Donnerstag mitteilte, willigten die Gläubiger unter anderem ein, einen Teil ihrer Forderungen in Höhe von 20 Prozent abzuschreiben, was zu einem Schuldenerlass von insgesamt etwa 3,6 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) führe.
Die Umstrukturierung der Schulden solle bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Nach Angaben der ukrainischen Finanzministerin Natalia Jareskos stimmt die Vereinbarung mit den Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) überein. Der IWF hatte die Gewährung eines 40 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets von einer erfolgreichen Umschuldung abhängig gemacht. ...
Russlands Finanzminister teilte am Donnerstag mit, Russland werde sich nicht an einer Restrukturierung der ukrainischen Schulden beteiligen." (FAZ online, 27.8.15)
Na aber hallo, wenn das die Griechen mitbekommen, die fangen glatt auch noch einen Krieg an ...

• Vorwürfe an Kiew wegen Niederlage bei Ilowaisk
"Der Tod von ukrainischen Soldaten bei Ilowaisk (nahe Donezk) hätte vermieden werden können, wenn die Militärführung des Landes rechtzeitig richtige Entscheidungen getroffen hätte, sagte der Ex-Chef der parlamentarischen Ermittlungskommission, Andrej Sentschenko, am Mittwoch.
„Man hätte Reserven, wenn solche vorhanden waren, einsetzen oder aber sich aus Ilowaisk zurückziehen müssen“, so Sentschenko.
Ukrainische Bataillone waren Ende August 2014 bei Ilowaisk von der Volkswehr eingekesselt worden und hatten schwere Verluste erlitten. Die genaue Zahl der Toten ist nicht bekannt. Nach Angaben der ukrainischen Behörden sollen 459 Menschen getötet worden sein.
Die Militärstaatsanwaltschaft des Landes hat ein Strafverfahren wegen „fahrlässigen Handelns im Militärdienst“ eingeleitet, das „schwere Folgen bei den Kampfhandlungen nach sich gezogen hat“.
Laut Sentschenko hat die Militärführung nicht mit der vom vorherigen Parlament eingesetzten Ermittlungskommission zusammenarbeiten wollen. ..." (Sputnik, 26.8.15)

• Vorschläge, um Kriegsgefahr zwischen NATO und Russland zu verringern
"Der Russland-Nato-Rat muss dringend die Möglichkeit eines Memorandums über gegenseitiges Verständnis zwischen der Nato und den Nato-Partnerländern sowie Russland erörtern, um für Sicherheit zu sorgen, wie es in dem Bericht “Krieg nicht zulassen: Wie sind Risiken von Kriegszwischenfällen zwischen Russland und Nato zu minimieren?” heißt.
Der Bericht, der am Mittwoch erschien, wurde von einer speziellen Arbeitsgruppe des Projektes „Der Bau eines größeren Europas: notwendige Maßnahmen bis 2030“ vorbereitet. Zu der 2013 gegründeten Arbeitsgruppe „Task Force on Cooperation in Greater Europe“ gehören Experten von dem renommierten britischen Forschungszentrum „European leadership network for multilateral nuclear disarmament and nonproliferation“, dem russischen Auswärtigen Rat, dem polnischen Institut für internationale Beziehungen und der Organisation für internationale strategische Forschungen (USAK) in Ankara.
Die Autoren des Reports stellen eine merkliche Abkühlung zwischen Russland und den westlichen Ländern in den letzten sechs Monaten angesichts der Ukraine-Lage fest. „Dies führte zu einer Zuspitzung von alten Befürchtungen und Unstimmigkeiten bei anderen Fragen wie Raketenabwehr, Erweiterung der Nato und Entfaltung von konventionellen Streitkräften und nichtstrategischen Kernwaffen in Europa. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und anderen Ländern Europas sind wegen der Einführung von Sanktionen im Verfall begriffen. Viele Experten in Russland genauso wie im Westen sprechen bereits offen von einem neuen Kalten Krieg“, so der Bericht. ...
„Uns scheint eine dringliche Einberufung des Russland-Nato-Rates nötig, um die Perspektiven zum Abschluss eines Memorandums über gegenseitiges Verständnis zwischen der Nato und der Russischen Föderation in Bezug auf die Verhaltensregeln zu erörtern, die der Unterpfand für sicheres Zusammenwirken in der Luft und auf See sind. Ein ähnliches Abkommen wurde Ende 2014 zwischen den USA und China unterschrieben, und zwar zur Einhaltung der bestehenden internationalen Gesetze und Normen, zur Steigerung der operativen Sicherheit auf See und in der Luft, zur Festigung des gegenseitigen Vertrauens sowie für die Entwicklung eines neuen Modells von Beziehungen zwischen den Militärämtern der beiden Länder“, so der Bericht. ...
Unter dem Dokument stehen unter anderem die Unterschriften des früheren russischen Außenministers Igor Iwanow, seines polnischen Amtskollegen Adam Rotfeld, des ehemaligen britischen Verteidigungsministers Des Browne, des früheren Außen- und Verteidigungsministers Großbritanniens, Malcolm Rifkind. Unterzeichner waren auch Ex-Minister anderer Länder, Experten und Ex-Botschafter." (Sputnik, 26.8.15)

• Über die Folgen der Propaganda von den westlichen Werten
"Die westlichen demokratischen Werte, die in postsowjetischen Ländern angepflanzt werden sollen, bringen nicht immer das mit, was die Menschen von ihnen erwarten, meint Publizist Eduard Losanski, Präsident der Amerikanischen Universität in Moskau.
„Die Realität unterscheidet sich des öfteren radikal von den idealistischen und zum Teil naiven Erwartungen“, stellt er in einem Beitrag für Sputnik fest. „Dies gilt in erster Linie für die Außenpolitik mit deren Zynismus, Doppelmoral und dem Streben, um jeden Preis geopolitische Vorteile zu erlangen.“
Ein Beispiel für diese verzerrte Realität liefere die Ukraine, so der Autor. Der Westen behaupte zwar, dass die Absetzung des legitim gewählten Präsidenten und der Abschluss des EU-Assoziierungsabkommens nicht mit Geopolitik, sondern mit der Durchsetzung von Demokratie und westlichen Werten verbunden sei.
„In der Praxis aber wurden die Nazi-Handlanger Bandera und Schuchewitsch in der Ukraine zu Nationalhelden erklärt, worauf der  Westen nicht einmal reagiert hat. Der flüchtige Kriminelle Saakaschwili, den Georgien, ein US-Verbündeter, auf die Fahndungsliste gesetzt hatte, wurde zum Gouverneur des Gebiets Odessa ernannt (nicht gewählt). Er und sein Team werden auf Kosten amerikanischer Steuerzahler entlohnt. Trotz der Minsker Vereinbarungen beschießen die ukrainische Armee und die Freiwilligen-Bataillone nach wie vor den Donbass.“

Das Resultat: Die westlichen Werte, für die auf dem Maidan aktiv geworben wurde, führen in der Ukraine vorerst nur zum Chaos, schlussfolgert Losanski." (Sputnik, 26.8.15)

• Abgeordneter: Geldgier für MH17-Absturz mitverantwortlich
"Der Rada-Abgeordnete vom Block Petro Poroschenko, Sergej Kaplin hat eine Untersuchung in Bezug auf Beamte initiiert, deren Handlungen, wie er sagte, indirekt den Absturz der malaysischen Boeing in der Ostukraine herbeigeführt haben konnten.
Kaplin bat die ukrainische Staatsanwaltschaft, die Handlungen der Regierung zu bewerten, die den Luftraum über dem Donbass nicht rechtzeitig hatte sperren lassen. Laut ihm haben die Beamten von der Gefahr für die zivile Luftfahrt gewusst, wollten jedoch die Gebühren für die Flüge über dem ukrainischen Boden nicht verlieren.
Auf seiner Facebook-Seite hat Kaplin die Kopien seiner Anfragen an den ukrainischen Staatsanwalt Viktor Schokin und den Sicherheitsratschef Alexander Turtschinow veröffentlicht. Im Wortlaut steht, dass die ukrainische Regierung um das Vorhandensein von Waffen in der umkämpften Region gewusst, die Ziele in 14 bis 18 Kilometern Höhe treffen können. Trotzdem seien Zivilflüge in über zehn Kilometern Höhe nicht verboten worden.
„Bekanntlich erhebt der Staat Gebühre für den Flug über seinem Territorium, weil das Flugzeug Dienstleistungen der Fluglotsen nutzt“, schrieb der Abgeordnete.
„Für den „offenen“ Himmel über dem Donbass bekamen die höheren Beamten weiterhin Geldmittel. Gerade deren Geldgier könnte die Tragödie herbeigeführt haben“, kommentierte Kaplin auf Facebook. ..." (Sputnik, 25.8.15)

• Weiter Unklarheit über MH17-Abschuss
"Internationale Ermittler halten die Version für höchstwahrscheinlich, dass die malaysische Boeing im Himmel über der Ostukraine von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen worden ist, jedoch wird die Version einer Luft-Luft-Attacke nicht ausgeschlossen, wie der Sprecher der niederländischen Staatsanwaltschaft, Wim de Bruin, RIA Novosti sagte.
„Die internationale Ermittlergruppe hat sich auf mehrere Szenarien fokussiert“, unterstrich Bruin. Die strafrechtliche Ermittlung der MH17-Havarie werde von vielen Umständen erschwert, außerdem laufe sie „im Gebiet der Kampfhandlungen, das lange Zeit für die Fachleute nicht zugänglich war“, betonte er.
In den Niederlanden laufen gleich zwei Ermittlungen des MH17-Absturzes: bei der Ersten handelt es sich um eine technische Ermittlung, die unter der Schirmherrschaft des niederländischen Sicherheitsrates stattfindet und sich auf die Klarstellung der Absturz-Ursachen konzentriert. An dieser Ermittlung nimmt auch Russland teil. Die Zweite ist eine strafrechtliche Untersuchung, die von der internationalen Ermittlergruppe geführt wird, darunter von Malaysia, den Niederlanden, Australien, Belgien und der Ukraine. Das Ziel der Ermittlung ist es, die Schuldigen an der Katastrophe festzustellen. ..." (Sputnik, 25.8.15)
Der malaysische Verkehrsminister Datuk Seri Liow Tiong Lai sagte Mitte August, es sei noch zu früh, um zu bestätigen, dass MH17 von einer Boden-Luft-Rakete vom BUK-Typ abgeschossen worden sei. Das berichtete die malaysische Zeitung New Straits Times in ihrer Onlineausgabe am 12.8.15. Liow verwies danach auf den Abschlussbericht zur MH17-Katastrophe, der im Oktober veröffentlicht werden soll. Dann sei zu erfahren, was die Ursache für den Absturz der malaysichen Boeing 777 am 17.7.14 über der Ostukraine gewesen sei. Bis dahin würden auch die am Absturzort gefundenen angeblichen Teile einer BUK-Rakete untersucht. Bis dahin handele es sich aber um Spekulation, ob es eine BUK-Rakete war und wer diese abgeschossen habe, wurde der Minister zitiert.

• Klare Medienbilder: Die gute NATO übt, das böse Moskau provoziert
"Die NATO hält das größte Manöver seit 25 Jahren ab. Die Waffenschau dauert vier Wochen und wird vom US-Kommando im bayerischen Grafenwöhr koordiniert. Kritik an der Machtdemonstration gegenüber Russland weißt der Militärpakt zurück. Der Boulevard macht derweil wieder einmal Moskau als Provokateur aus.
Militärmanöver ist nicht gleich Militärmanöver: Die NATO hat gerade ihre größte Militärübung seit der Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Vertrages gestartet. Knapp 5.000 Soldaten aus elf NATO-Ländern nehmen daran teil. Wie das US-Kommando in Grafenwöhr in Bayern mitteilt, findet das Spektakel in Deutschland, Bulgarien, Rumänien und Italien statt und es soll noch bis zum 13. September dauern. Ein „Höhepunkt“, so die österreichische „Kleine Zeitung“, wird der Absprung von mehr als1000 Fallschirmspringern über dem deutschen Hohenfels in der letzten Augustwoche angepriesen.
Die NATO will nach eigenem Bekunden Möglichkeiten zu „schnellen Einsätzen für ein starkes und sicheres Europa“ demonstrieren. Einen Hinweis auf den Ukraine-Konflikt mit Russland gebe es nicht, rapportiert der Kommerz-TV-Nachrichtensender n-tv brav den US-Sprech.
Die Zahl der NATO-Manöver ist in den vergangenen Monaten geradezu explodiert. Eine reine Friedensmaßnahme, glaubt man dem westlichen Militärpakt. „NATO-Militärmanöver machen einen Krieg in Europa nicht wahrscheinlicher“, dekretierte etwa eine Sprecherin des Bündnisses, nachdem das Londoner Institut European Leadership Network (ELN) einen kritischen Bericht veröffentlicht hatte. Titel: „Vorbereiten auf das Schlimmste: Machen die Militärübungen Russlands und der NATO einen Krieg in Europa wahrscheinlicher?“ Das ELN-Institut kommt darin zu dem Schluss: „Russland bereitet sich auf einen Konflikt mit der Nato vor, und die NATO bereitet sich auf eine mögliche Konfrontation mit Russland vor.“ Die Autoren warnten vor einer weiteren Eskalation und raten, Brüssel und Moskau sollten doch lieber die Kommunikation verbessern.
Das Problem: An der russischen Führung würden die Empfehlungen nicht scheitern. Doch die Transatlantikpresse ist bemüht, den schwarzen Peter ein ums andere Mal Moskau zuzuschieben.
Das auflagenstärkste Boulevardblatt  „Bild“ etwa schlagzeilt vom NATO-Großmanöver dreist ablenkend: „Russland und China üben gemeinsam Krieg“.
Tatsächlich starten die chinesische und russische Marine in dieser Woche mit „Joint Sea 2015 II“ im Pazifik ihr bisher größtes gemeinsames Seemanöver. Laut „Bild“ sollen 20 Kriegsschiffe in See stechen. „Geplant sind Übungen zur U-Boot-Abwehr sowie gemeinsame Anlandemanöver im Japanischen Meer und vor der Küste Wladiwostoks, Russlands wichtigster Hafenstadt im Pazifik.“ Klarer Fall, für das im Kalten Krieg groß gewordene Boulevardblatt ist das eine „neue Provokation gegenüber dem Westen“.
China und Russland hätten in den vergangenen zehn Jahren etwa fünf solcher Großmanöver durchgeführt. „Nach Expertenmeinung“, munkelt man im Hause Springer weiter, „fahren die beiden Länder bei 'Joint Sea 2015 II' auch mehr Militär auf als je zuvor.“
Immerhin, „Bild“ klärt auch darüber auf, was China und Russland mit derlei Manöver erreichen wollen: „Mit den gemeinsamen Aktionen wollen Moskau und Peking strategisch enger zusammenrücken und gemeinsam den weltweiten Einfluss der Seemacht USA im Mittelmeer und im Pazifik zurückdrängen.“ ..." (Rüdiger Göpel auf Sputnik, 19.8.15)

• EU-Parlamentarier: NATO braucht Russland als Feindbild
"Eine Bedrohung von Seiten Russlands, die in der Nato aktiv diskutiert wird, besteht nur in Worten, um die Existenz des Bündnisses zu rechtfertigen, wie Miloslav Ransdorf, tschechischer Abgeordneter des Europaparlaments, in einem Interview mit Sputnik sagte.
„Die Nato sucht, womit sie ihr Bestehen rechtfertigen könnte“, so der Politiker von der europäischen Linkspartei GUE. Lord Hastings Lionel Ismay, der erste Generalsekretär der NATO, hätte seinerzeit gesagt, das Ziel der Allianz bestehe darin, „die Russen außerhalb Europas, die US-Amerikaner in Europa und die Deutschen unter Kontrolle Europas zu halten“. Derzeit komme das Bündnis mit dieser Aufgabe nicht zurecht.
„Die USA haben Europa nie verlassen, Deutschland befindet sich heute keinesfalls unter Kontrolle“, betonte er. „Die Nato hat nur die einzige Aufgabe erfolgreich bewältigt, nämlich ein angespanntes Verhältnis zu Russland zu schaffen.“
Im Mittelpunkt der bevorstehenden Nato-Tagung in Bukarest solle die Einrichtung neuer Stützpunkte in Osteuropa stehen. „Ich glaube nicht, dass die Tagung einen Ausbruch von Enthusiasmus auslösen wird, wenn auch eine Deklaration formuliert werden soll, die zur Stationierung neuer Nato-Stützpunkte in der Region auffordern wird“, so Ransdorf. ..." (Sputnik, 19.8.15)

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine
 

Sonntag, 16. August 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 239

Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine- und zum West-Ost-Konflikt und den Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit, fast ohne Kommentar

• Kämpfe und Tote in der Ostukraine
"Bei erneuten heftigen Kämpfen in der Ostukraine sind nach Angaben beider Konfliktparteien zwei Menschen getötet worden. Wie ein Sprecher des ukrainischen Militärs am Freitag sagte, wurden binnen 24 Stunden bei Kämpfen mit prorussischen Aufständischen in dem Konfliktgebiet ein Soldat getötet und sechs weitere verletzt.
Ein Kommandant der Rebellen sagte zudem, bei einem nächtlichen Angriff auf Gorliwka durch die Armee sei ein Zivilist ums Leben gekommen. Die Stadt unweit von Donezk wird von den Rebellen gehalten.
Am Donnerstag hatte Kiew erklärt, dass die prorussischen Kämpfer in der Ostukraine den heftigsten Beschuss seit Abschluss der Waffenruhe im Februar gestartet hätten. Der Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsrats, Alexander Turtschinow, warf den Rebellen außerdem vor, einen Sturmangriff vorzubereiten. ..." (Der Standard online, 14.8.15)
"... Die Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) gab bekannt, dass sie den Einsatz schwerer Waffen in den vergangenen Tagen von beiden Seiten beobachtet habe. Auch die OSZE sprach von einer Zunahme der Gewalt. Seit Beginn dieser Woche werden bereits aus dem Bereich der Hafenstadt Mariupol erbitterte Kämpfe gemeldet. Dies ist die letzte größere Stadt, die von der ukrainischen Armee im Osten des Landes gehalten wird. In dem Konflikt kamen seit April 2014 mehr als 6800 Menschen ums Leben." (Der Standard online, 13.8.15)

• Lage um Mariupol spitzt sich anscheinend zu - Kiewer Kriegskabinett gebildet
"Sporadische, jedoch intensive Kämpfe am Südende der ukrainischen Bürgerkriegsfront und Artilleriebeschuss von Siedlungen nahe der Stadt Donezk kennzeichnen die zu Ende gehende Woche. Wie so oft zuvor ist nicht wirklich auszumachen, von wem die Initiative ausgeht. Rebellen, Russen und Russland wohlgesonnene Medien präsentieren das eine Narrativ, die Kiewer Regierung und die Politiker und Medien in den westlichen Ländern das andere.
Auch die Meldungen der Opferzahlen weichen je nach Quelle voneinander ab. Eine Gefallenenzahl im niedrigen zweistelligen Bereich seit Wochenbeginn scheint insgesamt realistisch.
Am Donnerstag hieß es aus der Verwaltung der selbsternannten „Volksrepublik“ Donezk, die Regierungsseite habe in der Nacht zuvor die Ortschaften Gorlowka, Oktjabrskij, Staromichailowka und Gorkowo unter Artilleriebeschuss genommen. Dabei habe es einen Toten und drei Verletzte gegeben.
Aus Kiew hingegen verlautete, die Angriffe seien von Truppen der Rebellen und Einheiten der russischen Streitkräfte ausgegangen.
In der Vorwoche hatte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ein Kriegskabinett einberufen und der OSZE gegenüber die erneute Verlagerung großkalibriger Waffen an die Front angekündigt – angeblich zu „Zwecken der Selbstverteidigung“.
Vor allem die nur wenige Quadratkilometer große Region zwischen der Front und der auf Regierungsgebiet gelegenen Stadt Mariupol ist seit Monaten immer wieder Schauplatz aufflammender Gefechte. Derzeit konzentrieren sich die Kämpfe dort auf den Raum um die Siedlung Staroglatowka.
Westliche Beobachter interpretieren die Kämpfe nahe der Schwarzmeerküste gerne als Vorstufe einer von Russland unterstützten Rebellenoffensive mit dem Ziel, einen Korridor entlang der Schwarzmeerküste bis zur Halbinsel Krim zu schaffen.
Militärexperten halten dagegen, dass der Versuch, die Halbinsel über einen Küstenstreifen von 300 Kilometer Länge an das Rebellengebiet anzubinden, strategisch und logistisch illusorisch ist. ...
Dass die Auseinandersetzungen sich besonders in der Gegend um Mariupol häufen, hat andere Gründe. Mariupol ist die einzige noch auf Regierungsgebiet gelegene Großstadt des Donbass. Ein Großteil der Bewohner sympathisiert mit den russischsprachigen Rebellen. Gleichzeitig halten sich viele nationalistische Ukrainer aus anderen Landesteilen dort auf. Zum guten Teil sind es Angehörige der dem Rechten Sektor nahestehenden Freikorps oder Freiwilligenbataillone. Sie sind seit Monaten dort stationiert und haben Hotels und Sanatorien an der Küste zur Erholung ihrer Kämpfer requiriert.
Zwar versucht die reguläre ukrainische Armee seit einigen Wochen – nicht zuletzt unter westlichem Druck –, die Stellungen der Freikorps zu übernehmen, stößt damit jedoch auf Widerstand. Die Freikorpskämpfer trauen der Armee nicht zu, mit der aus ihrer Sicht notwendigen Härte gegen die Rebellen vorzugehen. Vor allem befürchten sie im Fall unzureichenden militärischen Widerstands den Verlust Mariupols. ..." (Deutsch-Russische Wirtschaftsnachrichten, 14.8.15)

• Deutsche Exporte in die USA bringen mehr als antirussische Sanktionen schaden
"Die Lage ist dramatisch. Um sage und schreibe 34 Prozent seien die deutschen Ausfuhren nach Russland in den ersten fünf Monaten 2015 eingebrochen, klagte Ende Juli der Vorsitzende des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes. In absoluten Zahlen sind das Exportverluste in Höhe von rund 4,4 Milliarden Euro. Eine Wende ist nicht in Sicht, und so könnten sich die Einbußen deutscher Firmen, wenn die Bundesregierung bei der Sanktionspolitik gegen Russland das Ruder nicht herumreißt, am Jahresende leicht auf zehn Milliarden Euro belaufen, warnt Cordes. Tritt dieser Fall ein – und dafür spricht einiges –, dann wären die deutschen Exporte nach Russland von 38 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf nur noch 20 Milliarden Euro 2015 eingebrochen; sie hätten sich binnen drei Jahren fast halbiert. »Angesichts dieser dramatischen Entwicklung dürfte es nachvollziehbar sein«, konstatierte Cordes, »dass die deutsche Wirtschaft die Politik eindringlich bittet, die Anstrengungen zur Lösung der Ukraine-Krise weiter hochzuhalten«. Stimmt, das ist nachvollziehbar: 18 Milliarden Euro verliert niemand gern.
Allerdings verliert auch niemand gern deutlich mehr als 20 Milliarden Euro. Das ist die Summe, um die – zieht man die aktuellen Monatsdaten des Statistischen Bundesamts heran – die deutschen Ausfuhren in die Vereinigten Staaten von 2012 bis 2015 gestiegen sein werden, wenn kein gänzlich unerwarteter Einbruch erfolgt. Allein in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres nahmen die Exporte in die USA gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Milliarden Euro zu. Selbst wenn man zu den Fünfmonatsverlusten aus dem Russland-Geschäft in Höhe von 4,4 Milliarden Euro noch diejenigen aus den eingebrochenen Exporten in die Ukraine, nach Belarus und nach Kasachstan hinzuzählt, die mit dem neuen Großkonflikt mit Russland zusammenhängen, dann kommt man immer noch auf nur 5,3 Milliarden Euro. Klar: Es ist stets am besten, wenn man gar nichts verliert. Wenn ein politischer Konflikt aber Verluste unvermeidbar macht – nun, wo ein Volkswirt die Prioritäten setzen wird, liegt auf der Hand. ..." (junge Welt, 13.8.15)

• Moskau fördert wirtschaftliche Unabhängigkeit der Krim von Kiew
"Als Russland im Frühjahr 2014 die Schwarzmeerhalbinsel Krim übernahm, hatte es zwar die in zwei Referenden bekundete Volksstimmung hinter sich. Gut 80 Prozent der Bewohner hatten sich in der zweiten dieser Abstimmungen für den Beitritt der Region zur Russländischen Föderation ausgesprochen. Unter der Parole »Krim nasch« (die Krim ist unser) wurde Optimismus verbreitet. Selbst zwei Drittel der ukrainischen Truppen auf der Krim gingen auf die russische Seite über. Etwa 20.000 Anhänger der ukrainischen Seite haben seitdem die Krim verlassen.
Aber »Krim nasch« bedeutete nicht nur, dass die Fahne Russlands über der strategisch wichtigen Halbinsel weht. Es bedeutete auch, dass Moskau die wirtschaftlichen Probleme der Krim geerbt hat. Dazu gehören eine vom Tourismus dominierte Wirtschaft und die materielle Abhängigkeit von der Ukraine bei der Infrastruktur und Versorgung: 90 Prozent des Trinkwassers, 80 Prozent des Stroms und zwei Drittel der Lebensmittel waren zu ukrainischen Zeiten vom Festland auf die Halbinsel geliefert worden.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Wütend über den Verlust der Krim, versuchte die Ukraine immer wieder, diese Abhängigkeiten auszunutzen: Mehrmals wurde die Trinkwasserzufuhr aus dem Stausee von Kachowka gesperrt, an der die Landwirtschaft auf der Krim hängt. Zum Jahreswechsel 2014/15 wurde kurzzeitig der Strom abgestellt. Erst die Drohung Moskaus, kein Gas mehr zu liefern, brachte Kiew zur Räson. Derzeit zahlt Russland monatlich etwa 25 Millionen US-Dollar an die Ukraine für die Stromlieferung auf die Krim, und es liefert außerdem Energie aus seinem eigenen Verbundnetz an den Nachbarn.
In gewissem Umfang hatte Russland die Möglichkeit solcher Unterbrechungen vorausgesehen. Im Tross des russischen Militärs kamen schon im Frühjahr 2014 mobile Gasturbinen auf die Krim, die seitdem bereitstehen, um in Notsituationen die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Doch ein Dauerzustand soll das nicht werden. Noch in diesem Monat wird nach Angaben der Regionalregierung der Krim mit der Verlegung der ersten zwei von vier Seekabeln für Strom vom russischen Festland begonnen. Ende dieses Jahres sollen sie in Betrieb gehen. Die unter der Meerenge von Kertsch geplanten Leitungen sollen etwa die Hälfte des maximalen Strombedarfs der Krim übertragen können, für den Rest ist der Ausbau lokaler Öl- und Gaskraftwerke vorgesehen. ...
Zwar haben die russischen Airlines Sondertarife für Flüge auf die Halbinsel kalkuliert, doch eine Luftbrücke kann keine Dauerlösung sein. So treibt Russland mit Hochdruck Pläne für eine insgesamt 19 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahnbrücke über die Meerenge von Kertsch voran, um die bestehende Fährverbindung zu entlasten. Die Brücke soll 2020 fertig sein und umgerechnet etwa zwei Milliarden US-Dollar kosten. ..." (junge Welt, 13.8.15)

• Kiew will nichts mehr von russischen Autoren lesen
"Im Propagandakrieg mit Moskau hat die Ukraine dutzende Bücher russischer Journalisten und Schriftsteller verboten, die nach offizieller Darstellung den "Faschismus propagieren" und die Ukraine "demütigen und erniedrigen". Das auch für den Zoll zuständige Finanzamt teilte am Mittwoch mit, der Verkauf von 38 Werken von Autoren wie Eduard Limonow, dem Gründer der in Russland verbotenen rechtsextremen Nationalbolschewiken, und dem Journalisten Sergej Dorenko sei ab sofort verboten.
Der Antrag zur Beschlagnahmung der Bücher wurde demnach im Juli von staatlichen Medienkomitee gestellt. Die Behöde wirft den Autoren vor, zu ethnischen und religiösen Konflikten anzustacheln und die territoriale Integrität der Ukraine zu bedrohen. Die Organisation hatte zuvor bereits die Ausstrahlung russischer Fernsehserien und Filme verboten, weil sie angeblich die ukrainische Geschichte falsch darstellen. Die meisten der nun betroffenen Autoren hatten im vergangenen Jahr öffentlich die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland verteidigt. Einige von ihnen warfen der proeuropäischen Führung in Kiew zudem vor, "Neonazis" zu sein. ..." (Der Standard online, 12.8.15)

• Eskalierende Gewalt und mehr Geld für Krieg gemeldet
"Der brodelnde Konflikt zwischen der Ukraine und prorussischen Rebellen kocht über. Die Regierung meldet die schwersten Angriffe der Separatisten seit der Mitte Februar vereinbarten Waffenruhe. Mit Panzerunterstützung haben 400 Rebellen die ukrainischen Streitkräfte rund um die Stadt Starohnatiwka angegriffen, die 50 Kilometer nördlich der ukrainischen Hafenstadt Mariupol liegt. Die ukrainischen Truppen haben die Offensive unter Einsatz von Artillerie gestoppt und Gelände zurückerobert, sagte ein Militärsprecher in Kiew. Am Dienstag kamen bei den Gefechten mindestens zwei Menschen ums Leben, weitere zwölf wurden verletzt. ...
Die Rebellen wiesen die Darstellung der Regierung zurück und warfen ihrerseits den Regierungstruppen massiven Beschuss der Aufständischen vor.Präsident Petro Poroschenko unterzeichnete am Dienstag ein Gesetz, mit dem das vom Staatsbankrott bedrohte Land seine Militärausgaben um umgerechnet 217 Millionen Euro erhöht. Der Großteil davon soll in die "Anti-Terror-Operation" im Osten fließen. ..." (Wiener Zeitung online, 11.8.15)

• Angeblich Teile von Boden-Luft-Rakete bei MH17-Absturzort gefunden
"Bei ihren Untersuchungen zum Abschuss eines Passagierflugzeugs der Malaysia Airlines über der Ostukraine vor einem Jahr dürften niederländische Ermittler Teile einer russischen BUK-Rakete identifiziert haben. Die Teile waren in der Nähe der Absturzstelle gefunden worden, erklärte Untersuchungsrat für Sicherheit (Onderzoeksraad voor Veiligheid, OVV) am Dienstag.
Russland dürfte schon im voraus über das Ergebnis informiert gewesen sein. Eine Sprecherin des Außenministerium erklärte am Montag dem Sender Russland 24, dass die Untersuchung für eine "aggressive Informationskampagne" gegen Russland genutzt werde.
In einem vorläufigen Bericht vom September 2014 hieß es, die Schäden an dem Flugzeug seien offenbar von einer "großen Zahl von Objekten verursacht worden, die das Flugzeug mit hoher Geschwindigkeit von außen durchdrangen". Die schwierige Aufgabe der Ermittler ist es nun, die Teile einer russischen BUK-Rakete mit den Einschusslöchern in Verbindung zu bringen oder diese Verbindung auszuschließen. ..." (Wiener Zeitung online, 11.8.15)

• Kiew lässt in Odessa aufräumen
Aus einem Interview der Tageszeitung junge Welt vom 10.8.15 mit Nadiia Melnychenko von der gemeinnützigen Stiftung »Blagodar«, die Hilfe für politische Gefangene und deren Angehörige in Odessa organisiert, und dem Rechtsanwalt Kyrylo Shevchuk aus Odessa:
"Wie viele politische Gefangene gibt es in Odessa?
Nadiia Melnychenko:
Zur Zeit (im Juni, jW) befinden sich 58 Menschen in Haft, ausschließlich Antimaidanaktivisten oder Teilnehmer des Protestlagers auf dem Platz Kulikowo Polje im Frühjahr 2014. 55 sind in Untersuchungshaft, drei wurden ohne Urteil im Februar in eine Vollzugsanstalt außerhalb der Stadt gebracht. Der Vorwand war: Sie sollten gegen ukrainische Soldaten ausgetauscht werden, die im Donbass gefangengenommen worden waren.

Kyrylo Shevchuk: Es handelt sich um drei Personen, die ohne Urteil eines ordentlichen Gerichts seit Februar in einer Strafkolonie für Schwerverbrecher außerhalb Odessas festgehalten werden. Das verstößt in zynischer Weise gegen die Verfassung der Ukraine und gegen die Menschenrechte.
Mit welcher Begründung werden sie dort gefangengehalten?
Kyrylo Shevchuk:
Der Austausch war nur die offizielle Version. Er hat nicht stattgefunden, was bedeutet, dass sie ins Untersuchungsgefängnis zurückgebracht werden müssen. Sie sind aber noch immer dort, und die Behörden geben niemandem eine Auskunft, warum das geschieht. Die Anwälte dieser Gefangenen haben sich mit der Frage nach den Haftgründen an die Generalstaatsanwaltschaft gewandt, erhielten aber keine konkreten Antworten, nur solche in der Art: Das wird geklärt. ...

Gibt es Ermittlungen zum Sturm von Neofaschisten auf das Protestlager auf dem Kulikowo Polje am 2. Mai 2014 und zum Brand des Gewerkschaftshauses?
Kyrylo Shevchuk:
Dazu gibt es nur wenige Informationen. Die Untersuchung wurde offiziell eröffnet, aber es gibt keine Ergebnisse. Die Ermittlungen werden ohne Zeugen und ohne Beschuldigte geführt. Es werden vor allem Aussagen von Hinterbliebenen aufgenommen. Wer juristische Kenntnisse hat, kann sich über die Funktionsweise der Justiz in der Ukraine heute nur wundern.

Nach der Tragödie auf dem Kulikowo Polje und im Gewerkschaftshaus konnten sich die Einwohner der Stadt zwei Wochen lang frei auf dem Platz und in der Brandruine bewegen. Bereits am Tag nach dem Brand wurden dort Führungen veranstaltet, so dass alle Spuren und Beweise vernichtet wurden. Die Leute nahmen sich Souvenirs nach Hause mit. Das wurde gezielt gemacht, damit nichts zu finden ist, was einen Hinweis auf die Schuldigen an diesem Verbrechen liefern kann.
Nadiia Melnychenko: Einer der Beschuldigten zu den Ereignissen auf dem Gretscheskaja Ploschtschad war am 2. Mai 2014 überhaupt nicht dort. Er wurde aus dem brennenden Gewerkschaftshaus evakuiert, war bis zum folgenden Tag im Krankenhaus und wurde dann vom ukrainischen Geheimdienst verhört. Danach wurde erst der Vorwurf erhoben und er verhaftet. Tatsächlich war er einer der Geschädigten vom Kulikowo Polje. Er sitzt aber ebenfalls seit dieser Zeit in Haft. ..."

• Gefälschte Beweise gegen Kommunisten
"Die Geschichte der Kommunisten Denis Timofejew und Sergej Tkatschenko, die am 1. September 2014 verhaftet wurden, ähnelt der vieler politischer Gefangener in der Ukraine. Der Vorwurf: Separatismus. Während der Durchsuchung ihrer Wohnungen schoben ihnen Mitarbeiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU Handgranaten und Noworossija-Zeitungen unter – so wie sie es bei Dutzenden Aktivisten zuvor und danach taten. Seit diesem Tag befinden sich beide im Untersuchungsgefängnis, die Ermittlungen erbrachten keine Beweise.
Sie waren die Vorsitzenden der Kommunistischen Partei der Ukraine (KPU) in Dniprodserschynsk, einer Stadt in der Region Dnipropetrowsk. Nach dem Putsch in Kiew am 22. Februar 2014 erhielten sie ihre Organisation aufrecht, riefen aber nie zu Separatismus auf. Andrej Bondarenko, Sekretär der KPU in Dnipropetrowsk, erklärte gegenüber jW: »Die Behörden nutzen diese gefälschten Beweise, um die Opposition auszuschalten. Sie haben sich diejenigen ausgesucht, die sich an die Spitze der Bevölkerung stellen könnten.«
Tkatschenko und Timofejew bekennen sich nicht schuldig, und der Fall erregt große Aufmerksamkeit. Die Regierung versucht daher, die Gefangenen durch Verschleppung des Verfahrens zu zermürben. ..." (junge Welt, 10.8.15)

• Anschlag auf OSZE-Beobachter in Donezk gemeldet
"In der Nacht zum Sonntag sind sechs gepanzerte Fahrzeuge der Monitoringmission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Donezk in Flammen aufgegangen. Die gepanzerten Wagen standen in der Nähe des Hotels, in dem auch die Beobachter untergebracht sind. Die OSZE geht von einem Anschlag aus, will die Mission in der Bürgerkriegsregion aber fortsetzen. ...
Die Führung der DVR kündigte bereits verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an. Zugleich machte Rebellenvertreter Denis Puschilin allerdings Kiew für den Anschlag verantwortlich. "Es gibt derzeit viele Tatversionen – die wahrscheinlichste ist die Tätigkeit eines Spionage- und Sabotagetrupps", sagte er. ...
Vor dem Hotel der Beobachter in Donezk kam es gleichzeitig zu einer Reihe von Protestkundgebungen gegen die OSZE. Die Teilnehmer beschuldigten die Beobachter der Voreingenommenheit. Einige Demonstranten beschmierten dabei auch die OSZE-Fahrzeuge mit Farbe." (Der Standard online, 9.8.15)

• Kiew will Schuldenschnitt
"Natalja Jaresko, US-Bankerin und derzeit Finanzministerin in Kiew, pokert hoch. Sie hat von den internationalen Gläubigern des Landes ultimativ einen Schuldenschnitt um 40 Prozent gefordert. Der Deal müsse bis Ende nächster Woche unter Dach und Fach sein, sagte Jaresko der Neuen Zürcher Zeitung vom Freitag. Anderenfalls komme eine im September fällige Zinszahlung in Gefahr. Zuvor hatten die kommerziellen Gläubiger eine Einladung Jareskos zu einem Treffen in London platzen lassen, das am Donnerstag hatte stattfinden sollen. Daraufhin sackten ukrainische Anleihen auf 57 Prozent ihres Nennwerts ab. Man lasse sich nicht mit 48 Stunden Vorlaufsfrist ans andere Ende der Welt bestellen, zitierte die Agentur Bloomberg am Mittwoch den Vertreter des US-Fonds Franklin Templeton.
Es geht Kiew darum, seine aufgelaufenen Auslandsschulden um mindestens 15 Milliarden US-Dollar zu reduzieren. Die Ukraine hätte gern alles gleichzeitig: einen Schuldenschnitt, niedrigere Zinsen und längere Laufzeiten. Die Fonds sind allenfalls bereit, über letzteren Punkt zu reden. Der Internationale Währungsfonds hat der Ukraine zwar gerade erst wieder 1,5 Milliarden Dollar überwiesen, damit sie auf ihre Gasschulden einen Abschlag zahlen kann; doch macht die Finanzinstitution weitere Zahlungen davon abhängig, dass auch private Gläubiger der Ukraine »ihren Beitrag leisten«. ..." (junge Welt, 8.8.15)

• Verheugen: Ukraine droht soziale und politische Katastrophe
"Die Angst vor einer russischen Invasion hat in der Ukraine nachgelassen. Dafür bahnt sich eine soziale und politische Katastrophe an. In der EU wird das jedoch ignoriert.
In diesen Tagen hält das Drama um Griechenland Europa in Atem. Die Flüchtlinge, die in wachsender Zahl aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten in die EU drängen, vermitteln eine beklemmende Vorahnung von dem, was noch auf uns zukommen wird. Währenddessen wächst jedoch in der direkten Nachbarschaft eine neue Gefahr heran - eine schwere humanitäre Krise in der Ukraine.

Bisher betrachten die EU-Europäer und die Vereinigten Staaten die Ukraine immer noch in erster Linie als Ableitung der Ost-West-Beziehungen. Die Ukrainer dagegen sehen die sich zuspitzende Lage in der Ukraine selbst vor allem als Angelegenheit der Ukraine. Das aufgeregte Gerede über eine bevorstehende russische Invasion hat nachgelassen, es herrscht ein brüchiger Waffenstillstand, groß angelegte militärische Operationen finden nicht statt - also überlässt man die Ukraine sich selber, wie schon seit fast 25 Jahren. Und gibt ihr Geld.
Die Ruhe ist trügerisch. In der ukrainischen Bevölkerung wachsen Enttäuschung aber auch Wut über die politischen Verhältnisse, die sich seit der Maidan-Revolution nicht verbessert haben. ...
Die Ukraine balanciert am Rande des Staatsbankrotts, die Wirtschaft befindet sich in freiem Fall, die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau. Besserung ist nicht in Sicht - wer investiert schon unter den gegebenen Umständen in der Ukraine? Die Exporte sinken auf allen verbliebenen Märkten rasant. Wenn heute die EU anstelle Russlands der größte Handelspartner der Ukraine ist, so liegt das nicht an einem gesunden Wachstum der Handelsströme, sondern daran, dass östliche Märkte für die Ukraine noch stärker eingebrochen sind als der EU-Markt.

Mit Beginn des Winters wird die schleichende Krise in eine neue Qualität um-schlagen. Schon im März stellte die Internationale Energieagentur (IEA) eine Energiekrise in beispielloser Größenordnung fest. Vor wenigen Tagen äußerte sich der ukrainische Regierungschef Arsenij Jazenjuk ähnlich dramatisch. Die stabile Versorgung mit Strom und Heizung im kommenden Winter ist nicht mehr gesichert. Das gilt für die meisten Landesteile. Hinzu kommt, dass in einigen Gebieten die Wasserversorgung nicht mehr funktioniert. Alle Ingredienzien für eine schwere soziale Krise sind vorhanden, und die wird nicht ohne politische Folgen bleiben. ..." (Günter Verheugen auf sueddeutsche.de, 7.8.15)

• Oligarchen wollen angeblich Partei gründen
"... Die Oligarchen Wiktor Pintschuk, Rinat Achmetow und Sergej Taruta wollen eine eigene Partei gründen.
Die drei sollen einander schon mehrfach getroffen haben. Einige Zeitungen, wie die üblicherweise gut unterrichtete Komsomolskaya Prawda, wollen in Erfahrung gebracht haben, dass eine solche Partei vor allem die Bewohner im Osten und Süden der Ukraine ansprechen soll. Und das Newsportal Observatorglaubt zu wissen, welche Motive hinter der Neugründung stecken: Unter der Regierung von Präsident Petro Poroschenko und Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk haben vor allem die Oligarchen stark an politischem Einfluss verloren.
Vor allem Taruta und Achmetow haben durch den Krieg im Donbass große Teile ihres Vermögens an die Separatisten verloren. Achmetow, der immer noch als reichster Mann des Landes gilt, meldete sich kürzlich in einem Interview mit Segodna zu Wort. Darin beklagte er die Lage in Donezk: "Was der Krieg in unserer Heimat angerichtet hat, ist unbeschreiblich. Die Arbeit vieler Jahre ist zerstört. Die Menschen sind geflüchtet. Und die, die geblieben sind, leiden." ...
Auch Taruta, der 2014 einige Monate lang Gouverneur von Donezk war, hat zuletzt wiederholt sehr kritische Worte für die derzeitige Regierung gefunden. Kiew habe den Donbass bereits abgeschrieben, sagte er im Fernsehen. Er habe seit Kriegsausbruch "enorme Summen verloren". Bereits im Herbst 2014 hatte er eine eigene Partei bilden wollen, doch das Projekt wurde letztlich doch nicht realisiert.
Pintschuk war bisher eher dafür bekannt, mehrere politische Projekte gleichzeitig zu unterstützen. Der Schwiegersohn von Alt-Präsident Leonid Kutschma hat laut Politikberater Taras Berezovets stark an politischem Einfluss verloren. ..." (Der Standard online, 7.8.15)

• Geisterhafte russische Fallschirmjäger gesichtet
"... Niemand zählt mehr mit, wie oft Kiewer Öffentlichkeitsarbeiter und Politiker bereits russische Soldaten im Donbass geortet haben wollen. Der gefühlte Fall Nr. 239 betraf Anfang dieser Woche eine »16. Fallschirmjägerbrigade aus Orenburg« im russischen Ural. Der am Montag veröffentlichte Tagesbericht der OSZE-Mission hatte von einer Inspektion in einem Waffenlager der Volksrepublik Donezk berichtet. Der angetroffene Wachmann habe dem OSZE-Vertreter erklärt, seine Kollegen und er seien von jener 16. Brigade. Blitzartig schrien es ukrainische und westliche Medien heraus: Ha! Putin! Ertappt!
Dummerweise gibt es keine 16. Fallschirmjägerbrigade bei der russischen Armee, weder in Orenburg noch sonstwo, wie ein Blick auf die einschlägige – amerikanische – Webseite Globalsecurity.org verraten hätte. Aber wo kämen wir hin, wenn wir uns von irgendwelchen Fakten die Story kaputtmachen ließen. Auch, was der gesunde Menschenverstand selbst Ungedienten nahegelegt hätte, dass es für Fallschirmjäger im Geheimeinsatz a) anderes zu tun gäbe, als im Hinterland ungenutzte Kanonen zu bewachen, und b) unprofessionell wäre, sich einfach so zu outen, kam den freien Medien in Kiew nicht in den Sinn. ..." (junge Welt, 7.8.15)

• Kiew setzt Blockade und Beschuss des Donbass fort
"Es war eine Routinemeldung, die das Kiewer Portal ukrainskaja pravda am vergangenen Wochenende brachte. Der Geheimdienst SBU vermeldete mit Genugtuung, was am Freitag alles an für die Volksrepubliken bestimmter Schmuggelware beschlagnahmt worden sei: »1,5 Tonnen Fisch, eine Tonne Fleisch, 1,6 Tonnen Trockenobst, 1,4 Tonnen Süßwaren, vier Tonnen Käse und 9,8 Tonnen Zucker«. Die Überschrift lautete: »20 Tonnen Lebensmittel für die Terroristen aufgehalten«. Dass im Donbass nach wie vor an die drei Millionen Menschen leben, von denen vielleicht 30.000 in der Volkswehr kämpfen – also ein Prozent – blieb unerwähnt. Die Schmuggler haben ein Verfahren wegen Terrorismus zu erwarten.
Die Sache hat System. Die Regierung hat am Mittwoch angekündigt, künftig alle Waren, die ins frontnahe Gebiet transportiert werden, zugunsten der Staatskasse zu enteignen, sofern die Lieferung nicht mit den Behörden abgestimmt ist. Die Hungerblockade gegen den Donbass ergänzt die ukrainische Armee durch allnächtlichen Beschuss frontnaher Ortschaften. Besonders hart traf es in den letzten Tagen die 300.000-Einwohner-Stadt Gorlowka nördlich von Donezk. Dort brachen nach dem Beschuss in der Nacht zum Dienstag zahlreiche Brände aus. Die OSZE berichtete am Dienstag, dass sie mit dem Versuch gescheitert sei, eine örtliche Waffenruhe für die Reparatur einer für die Wasserversorgung von Gorlowka wichtigen Pumpstation zu vermitteln. Sie äußerte sich nicht zum Urheber des Beschusses, der auf das Reparaturteam gerichtet war. Aus den Umständen lässt sich jedoch erschließen, dass es eher die ukrainische Seite gewesen sein dürfte. Schließlich braucht die Stadt Gorlowka das Wasser.
Weiter östlich drohten ukrainische Militärs, ein für die Stromversorgung der ganzen Lugansker Region wichtiges Kohlekraftwerk zu sprengen, wenn sie zum Abzug aus der Umgebung der Anlage gezwungen werden sollten. Das Kraftwerk ist bisher wegen seiner lebenswichtigen Bedeutung von beiden Seiten geschont worden ..." (junge Welt, 6.8.15)

• Krisensitzung in Kiew nach gescheiterten Gesprächen in Minsk
"Nach dem Scheitern einer erneuten Verhandlungsrunde im Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat der ukrainische Präsident Petro Poroschenko ranghohe Generäle zu einer Krisensitzung einberufen.
Es gelte einen Plan zu entwerfen, "um unsere Verteidigung zu stärken, falls es zu einer Eskalation des Konflikts kommt", zitierte der Präsidentenpalast am Dienstag aus einer Rede Poroschenkos vor den Mitgliedern des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats der Ukraine. Am Montagabend war in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine neue Zusammenkunft von Vertretern Kiews, Moskaus und der prorussischen Separatisten schon nach wenigen Stunden gescheitert.
Eigentlich sollte auf dem Treffen unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine Zusatzvereinbarung über den Waffenabzug aus der umkämpften Ostukraine unterzeichnet werden. Dies sei nicht geschehen, sagte eine Sprecherin des ukrainischen Unterhändlers Daria Olifer, eines persönlichen Vertrauten Poroschenkos. Vertreter der Separatisten teilten mit, dass in den kommenden drei Wochen erneute ranghohe Gespräche unwahrscheinlich seien. ..." (Der Standard online, 4.8.15)

• Ex-Premier Asarow will Ukraine retten
"Der langjährige ukrainische Finanzminister und (zuletzt 2010–2014) Ministerpräsident Nikolaj Asarow hat sich in Moskau als Vorsitzender eines »Komitees zur Rettung der Ukraine« vorgestellt. Wie er sagte, soll das Komitee eine zu den Kiewer Machthabern oppositionelle Gegenregierung bilden. Einige seiner Mitglieder würden derzeit nicht öffentlich vorgestellt, weil sie in der Ukraine lebten und dadurch in Gefahr kämen. Alle Mitglieder seien »Patrioten, die weder mit der alten noch mit der gegenwärtigen Staatsmacht etwas zu tun hatten«, so Asarow. Diese Aussage ist nicht für bare Münze zu nehmen: Asarow hat selbst an die 20 Jahre mit Expräsident Wiktor Janukowitsch zusammengearbeitet, der designierte Präsidentschaftskandidat Wladimir Olejnik war ein führender Abgeordneter der »Partei der Regionen«. Der im Februar 2014 nach Russland geflohene Janukowitsch wurde mit keinem Wort erwähnt.
Als wichtigsten Programmpunkt seines Komitees nannte Asarow die sofortige Beendigung des Bürgerkriegs und anschließende Neuwahlen aller Stufen der Staatsmacht vom Präsidenten bis zum Bürgermeister und eine umfassende Verfassungsreform. Sie solle die Ukraine in einen föderativen und neutralen Staat umwandeln und Russisch und Ukrainisch zu gleichberechtigten Staatssprachen erklären. Die Auflösung der faschistischen Bataillone, der Beginn des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Ukraine und der Rückzug von den antisozialen Reformen der Regierung Poroschenko/Jazenjuk vervollständigen das Fünfpunkteprogramm, das Asarow in Moskau vorstellte. ...
Dass das Comeback Asarows in den Volksrepubliken mit einigem Misstrauen beobachtet wird, ist nicht verwunderlich. Wie das russische Portal Gazeta.ru schon vor einigen Tagen schrieb, ist dessen Projekt mit dem Kreml abgestimmt. Der Kiewer Staatsstreich und der anschließende Zerfall der »Partei der Regionen« habe Moskau seinerzeit auf dem falschen Fuß erwischt. Mit dem Rettungskomitee stehe nun ein respektablerer Ansprechpartner als die zusammengewürfelte Führung der »Volksrepubliken« zur Verfügung, die nur bedingt bereit ist, sich den außenpolitischen Kalkulationen Russlands zu unterwerfen.
" (junge Welt, 4.8.15)
"... Ob Asarow ernsthaft glaubt, an der Spitze seines Rettungskomitees irgendwann einmal nach Kiew zurückkehren zu können, weiß vermutlich nur er selbst. Seine Äußerung in Moskau, der Weg zurück nach Donezk führe über Kiew, zeigt aber, dass seine Aufgabe nicht darin besteht, die aufständischen Volksrepubliken zu ersetzen. Die haben immerhin ein paar Divisionen, Asarow einstweilen keine. Im übrigen: der Aufstand im Donbass war auch eine Rebellion der Ostukrainer gegen die korrupte Macht der Partei der Regionen, dieselbe Rebellion, die im Westen des Landes unter nationalistischen Parolen den Maidan hervorbrachte. Asarow war Teil dieser Macht, mehr als ein kleineres Übel ist er heute nicht." (junge Welt, 4.8.15)

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine
 

Die griechische Tragödie als Farce?

Fragen und Gedanken zum Schauspiel in Athen, samt Hinweisen auf das Geschehen hinter den Kulissen (aktualisiert: 17.8.15, 01:17 Uhr)

Wie lässt sich die Macht jener in Griechenland, die verantwortlich für den Absturz und die Tragödie des Landes sind, am besten sichern? Wie lassen sich die herrschenden Verhältnisse am besten vor tatsächlichen Veränderungen schützen in einem Land, in dem die Erinnerung an den Putsch der faschistischen „Schwarzen Obristen“ im Jahr 1967 so lebendig scheint? So lebendig, dass eine Wiederholung dieser Variante, um die Macht der wirklich Herrschenden zu sichern, unratsam erschiene, da sie diesmal wirksamen Widerstand hervorrufen könnte? Und da ja alles unter dem Etikett Demokratie stattfinden soll, gerade in Griechenland, erschien es vielleicht ratsamer, die Kritiker und die Widerständigen gegenüber dem katastrophalen Kurs einzufangen und einen der scheinbar Ihren an die Regierungsspitze gelangen zu lassen. Der die Aufgabe bekam, die Politik, gegen die er sowie seine Unterstützer und Wähler protestierten und ankämpften, fortzusetzen. Und das rechtfertigt er dann damit, dass er bzw. die Regierung in Athen von jenen inneren und äußeren Kräften, die für die griechische Tragödie vor allem verantwortlich sind, ja erpresst werde und er gar nicht anders könne. Die Menschen, die von ihm eine tatsächlich andere Politik erhofften und erwarteten, trösten sich dann damit, dass der Ihrige ja immerhin mal kurz Nein sagte und ihnen wie das kleinere Übel gegenüber jenen zuvor an der Regierungsspitze erscheint. Und jene, die sich für die Variante Farce statt der eines neuen Putsches entschieden, spielen ihre Rolle der vermeintlichen Erpresser Athens fleißig und sicher manches Mal zähneknirschend mit. Entscheidend ist, dass die Regie des Schauspiels ihnen nicht aus der Hand gleitet oder genommen wird.
Das sind nur so ein paar Gedanken angesichts verschiedener Nachrichten und Informationen aus Griechenland. Es kann sich auch alles ganz anders zugetragen haben und zutragen. Im Folgenden sei auf das hingewiesen, was die oben niedergeschriebenen Gedanken bei mir auslöste:
In der jungen Welt vom 15.8.15 wurde ein leidlich verständnisvoller Kommentar von Georg Fülberth veröffentlicht, in dem es u.a. hieß: „Irgendwann wird eine Geschichte der Syriza-Regierung geschrieben werden. Da wird von Fehlern und Illusionen zu lesen sein. Wer Lust hat, kann schon einmal eine Datei anlegen. Jetzt hilft das niemandem. Zum Glück überwiegt gegenwärtig eine Art linker Grundanstand, der Zeige- und Stinkefinger in der Tasche lässt.
Alexis Tsipras fordert seine Kritiker immer wieder auf, ihm Alternativen zu nennen. Der Ertrag an Antworten ist nicht sehr ermutigend, zumindest dann nicht, wenn sie auf die Gegenwart und nicht auf die berühmten Calendas graecas (das ist so eine Art Sankt-Nimmerleins-Tag) angewandt werden sollen. Nur aus der Nähe kann beurteilt werden, ob er etwas schönredet. Der hauptsächliche Tenor seiner Äußerungen ist das nicht. Es wäre auch dumm von ihm: Sein Argument ist ja gerade, dass er erpresst wird und dass er keine andere Wahl hat. …“ Fülberth meint, dass Tsipras wie auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wissen würden, dass die Kredite für Athens Verpflichtungen „futsch“ seien. Nur der Umgang mit diesem Wissen auf der Bühne bzw. das darauf aufbauende Schauspiel seien unterschiedlich.

Wessen Macht sichert Tsipras? 


Im Schweizer Tages-Anzeiger formulierte es Mike Szymanski am 14.8.15 deutlich: „Tsipras will seine Macht sichern“. In der Online-Ausgabe des Beitrages lautet die Überschrift sogar: „Tsipras macht viele Griechen ärmer“ Der Autor wundert sich: „Alexis Tsipras bricht seine Wahlversprechen und geht einen Vertrag ein, der viele Griechen ärmer machen wird. Trotzdem bleibt der Ministerpräsident populär.“ Wird der aktuelle griechische Ministerpräsident, Hoffnung mancher Linken auch hier zulande, nur einfach von der kapitalistischen Realität eingeholt, die auch ihm klar macht: There is no alternative (TINA)? Szymanski meint dazu: „Alexis Tsipras scheint die Gesetzmässigkeiten des politischen Geschäfts ausser Kraft setzen zu können. Er legte gestern dem Parlament ein Abkommen mit den europäischen Geldgebern vor, das den Griechen nach fünf Jahren drückender Sparpolitik erneut Verzicht abverlangt. Im Gegenzug für 86 Milliarden Euro aus Brüssel werden wieder Menschen ihren Job verlieren, werden wieder Menschen in die Armut abrutschen. Dabei war Tsipras im Januar mit dem Versprechen an die Macht gekommen, das Sparen zu beenden. Doch was macht Tsipras jetzt? Knallharte Sparpolitik.“ Das Erstaunliche daran sei, dass es dem Ansehen des griechischen Ministerpräsidenten nicht schade. Und: „Um die politische Kultur innerhalb seines Linksbündnisses schert er sich herzlich wenig. Bei Syriza gelten heute jene als Abweichler oder Rebellen, die auf die Einhaltung des Wahlversprechens pochen. Das muss ihn nicht kümmern. Der 41-Jährige steht längst ausserhalb dieser politischen Wohngemeinschaft aus gemässigten Linken, Kommunisten, Maoisten und Trotzkisten. Umfragen zufolge könnte Syriza das Ergebnis von 36 Prozent bei der Wahl im Januar ausbauen. Seine persönlichen Werte liegen bei knapp 60 Prozent Zustimmung – für einen Wortbrecher ist das bemerkenswert.“ Auf dieser Grundlage handele Tsipras nun. Der Schweizer Journalist mutmaßt, „dass die Enttäuschung über die Regierenden der vergangenen Jahre und Jahrzehnte so tief sitzt, dass es jetzt auf einen Wortbruch mehr oder weniger auch nicht mehr ankommt.“ Tsipras habe gute Chancen, den entbrannten Richtungsstreit in dem Bündnis Syriza für sich zu entscheiden, nachdem er seine Kritiker in der Regierung aus dieser drängen konnte: „Syriza lässt sich aber noch formen. Die Aussicht, das Land über Jahre, womöglich Jahrzehnte regieren zu können, betäubt bei vielen den Transformationsschmerz.
Selbst in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hieß es bereits am 9.8.15: „Die Unterhändler der Institutionen staunen: In Griechenland geht es auf einmal voran mit den lange aufgeschobenen Reformen. Durch die Flure der Ministerien in Athen weht ein Geist der Eintracht.“ „Athen hat es plötzlich eilig“, lautete die Überschrift der Online-Variante des Beitrages von Thomas Gutschker, während die gedruckte Ausgabe mit dem Ausruf „Es geht voran“ überschrieben war. Dass die „Troika“, die Unterhändler der EU-Institutionen und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder in Athen auftauchen durften und die griechische Regierung mit ihnen sprach, wertete der Autor als Zeichen, dass sich Tsipras „ins Unvermeidliche fügt“. „Die Gesandten dürfen wieder Ministerien und Behörden betreten. Zum Auftakt schauten sie beim Rechnungshof vorbei – ein kleines Medienspektakel, nachdem die neue Regierung derlei Besuche monatelang unterbunden hatte. In dieser Woche wurden sie vom neuen Arbeits- und Sozialminister ausdrücklich in sein Büro gebeten; der Mann machte deutlich, dass er an offenen und transparenten Kontakten interessiert sei. Die Fachleute der Institutionen staunten. Ursprünglich hatte die Regierung sie in einem Luxusresort am Meer unterbringen wollen. Das kam den Unterhändlern jedoch seltsam vor. Denn von dort wäre es eine halbe Ewigkeit bis nach Athen gewesen, und an vermeintlichen Urlaubsbildern in griechischen Gazetten hatten sie auch kein Interesse. Also quartierten sie sich wieder im Hilton Hotel ein, mitten in der Hauptstadt.
Die Situation sei anders, seit Tsipras das Kabinett umgebildet hat und Giannis Varoufakis nicht mehr Finanzminister ist. Der habe weniger offen, aber umso zielstrebiger den Austritt aus der Eurozone angestrebt. In der EU zeigt sich Erleichterung, so Gutschker: „Junckers Leute sprechen von einem ‚Moment der Wahrheit‘: Tsipras scheue den Konflikt mit den Fundamentalisten von Syriza nicht mehr und er habe allen in seiner Partei klargemacht, dass er weiter regieren wolle.“ Womöglich handele Tsipras aber auch „aus einer neuen Einsicht in Realitäten heraus“. „Jeder Tag, an dem die Zukunft des Landes ungewiss ist, kostet Geld. Unternehmer ächzen unter den Kapitalverkehrskontrollen.

Kapitulation in wessen Sinne?


Ja, was hat das zu bedeuten? Gibt es wirklich keine Alternative für Griechenland? Und was treibt Tsipras an? Der trat einst für Alternativen an und wurde damit im Januar dieses Jahres griechischer Ministerpräsident, nachdem seine Vorgänger mit ihrem jeweiligen Kotau vor den Sparauflagen der Geldgeber nichts für das Land, aber eben viel für jene, die jetzt auch Tsipras anscheinend im Griff haben, erreicht hatten. Haben sie ihn schon viel länger in der Hand, als es die aktuellen Ereignisse deutlich machen? Über die „atemberaubende politische Kapitulation“ von Tsipras wunderte sich am 13.7.15 der Wirtschaftsjournalist Mike Shedlock in seinem Blog und fragte nach den Gründen: „Haben die USA Tsipras mit einem geheimen Konto im Wert von Millionen bestochen? Hält jemand seine Kinder als Geiseln?“ Wenn es das nicht sei, könne nur Dummheit die Antwort für die Drehung des griechischen Ministerpräsidenten um 180 Grad sein.
Ist Syriza nur die geschickt orchestrierte „linke“ Variante des Putsches von 1967, damit das System nicht in Frage gestellt wird? Die faschistischen Obristen hatten vor 48 Jahren ebenfalls zwar den politischen Bühnenaufbau in Athen verändert, aber nicht die Konstruktion des Theaters, indem sie sich gleich zu Beginn ihrer Herrschaft zur NATO und zur damaligen EU-Vorgängerin Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) bekannten. Von Tsipras war mehrmals zu hören, dass ein Ausstieg aus dem Euro-System und gar aus der EU für Griechenland nicht in Frage käme. Thanasis Spanidis von der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) machte in der jungen Welt vom 5.8.15 u.a. auf Folgendes zu Syriza aufmerksam: „Tatsächlich war aber das Ausbremsen radikaler Massenaktionen, die Einbindung des Widerstandspotentials von vornherein, also nicht erst seit der Regierungsübernahme, die wesentliche gesellschaftliche Funktion der Partei und der Grund dafür, weshalb sie auch von beträchtlichen Teilen der Bourgeoisie unterstützt wurde.
Sogar der griechische Unternehmerverband SEV erklärte mehrfach, zuletzt nach dem Wahlsieg in seinem Gratulationsschreiben an Tsipras, seine Unterstützung für die Strategie der Syriza: »Der Verband als primäre Vertretung der organisierten griechischen Unternehmen, wird an der Seite der Regierung stehen«. Offenbar zahlte sich aus, dass die Partei jahrelang um die Gunst des Kapital geworben hatte.“ Auch die einflussreiche griechische Reederin Gianna Angelopoulou-Daskalaki zeigte sich von Tsipras mehrfach angetan, wie u.a. die Griechenland-Zeitung am 10.11.14 berichtet hatte. Als „Anstandsehe“ bezeichnete aus gleichem Anlass das Online-Magazin GR Reporter in einem Beitrag vom 10.11.14 die Beziehungen zwischen dem Großkapital und der griechischen Linken. In dem Beitrag wurde der griechische Journalist Athanasios Papandropoulos zitiert, der am 29.10.14 auf auf europeanbusiness.gr festgestellt hatte, dass die Großreederin, die so gut über Tsipras spricht, nicht nur enge Beziehung in die USA und zur Clinton-Stiftung pflege. Papandropoulos verwies auf das geopolitische Interesse der USA, Deutschland nicht zu stark werden zu lassen. Eine Syriza-Regierung würde Probleme für Deutschland bringen, was wiederum die Position der US-Unterhändler in den TTIP-Verhandlungen gegenüber der Europäischen Union stärken würde. Das wurde im Oktober 2014 geschrieben. Auch dass, die Großreederin Angelopoulou-Daskalaki die antideutsche US-Geopolitik unterstütze und die Probleme der griechischen Wirtschaft anders lösen wolle als es die „Troika“ aus EU und IWF vorhabe.
Aber wie gesagt, das sind alles nur Fragen, Gedanken und Hinweise beim Versuch, die griechische Tragödie zu verstehen, die uns geboten wird und mehr eine Farce zu sein scheint. Die eine erklärende Antwort habe ich natürlich auch nicht, nur Vermutungen.

Nachtrag: Und apropos Alternativen, zu denen ich mich im Text nicht weiter geäußert hatte: Es gibt eine, die nicht mal ausserhalb des "Systems" liegt. Und die ist der griechische Ausstieg aus dem Euro-System und notfalls aus der EU, die weniger ist als "Europa". Das würde nicht das Ende der EU und auch nicht Griechenlands bedeuten, erst Recht nicht von "Europa", sondern dem Land zumindest eine langfristige Perpsektive bieten, bei allen Problemen durch diesen Ausstieg, welche die Fortsetzung der bisherigen Politik, ob mit oder ohne Syriza, eben nicht bietet. TINA ist eine Lüge, die mit der verständlichen Angst der Menschen spielt.
Der Wirtschaftsjournalist Lucas Zeise, einst für die eingestellte deutsche Ausgabe der Financial Times tätig, hat dazu in den Marxistischen Blättern 4/2015 einen interessanten Beitrag geschrieben. Darin weist er daraufhin, dass die griechische Tragödie nur ein Symptom dafür ist, dass die Währungsunion der EU scheitert. "Wie Merkel und Draghi sehr gut wissen, handelt es sich nicht um eine Griechenlandkrise, sondern eben um eine Eurokrise. Es ist die Krise der Währungsunion. Und weil der Euro die Währung der EU ist, ist es auch eine Krise der EU. Der Euro wird scheitern. Der Euro wird scheitern. So wie diese Währunsgunion konstruiert wurde, kann sie nicht funktionieren. Die Fliehkräfte ökonomischer Art und politischer Art werden noch zunehmen.
Wir erleben gerade, wie dieses Scheitern vor sich geht.
Ohne Frage hat das deutsche Kapital ein überragendes Interesse an der Währungsunion, weil
– sie den großen Absatzmarkt Europa erst herstellt;
– weil sie die Verwertungsbedingungen in vielfältiger Weise verbessert;
– weil sie die Unterordnung anderer Kapitalisten in Europa ermöglicht;
– weil sie die Macht- und Verhandlungsposition gegenüber dem imperialistischen Hauptpartner USA verbessert.
Der einheitliche und wirklich hindernisfreie Markt ist dabei das wichtigste Ziel. Ein solcher Markt setzt eine gemeinsame Währung voraus, über die normalerweise nur Nationalstaaten verfügen. Bevor es den Euro gab, mussten deutsche Exporteure mit einer Abwertung in anderen Ländern rechnen und gelegentlich auch damit fertig werden. Mit solchen Abwertungen schützten die schwächeren Länder wie Italien, Spanien, Portugal, großbritannien und früher auch Frankreich ihren heimischen markt vor dfer Konkurrenz stärkerer Kapitale (vor allem Deutschlands). ... Es ist eine Konstante deutscher Außenpolitik, einen Binnenmarkt Europa (unter deutscher Kontrolle und zu deutschen Bedinungen) zu schaffen. Das mit den Bedingungen ist wichtig. Die wichtigtste lautet: Die Währungsunion muss billig sein. Sie darf, anders gesagt, nicht wie die Währungsunion mit der DDR organisiert werden mit ihren satten Transferzahlungen.
In einem wirklich schrankenlosen Binnenmarkt gilt: der Starke wird stärker, der Schwache schwächer. Es setzt sich der mit den günstigsten Ausgangbedingungen durch. Und so geschah es in Euroland. Die leistungsstarken deutschen, niederländischen, zum Teil französischen Kapitalisten profitieren von der Währungsunion. Sie verdrängten die schwachen kapitalisten auf deren traditionellen, nun ganz offenen Heimatmärkten. Das drückte sich seit Beginn der Währungsunion im rasant wachsenden Leistungsbilanzüberschuss in Deutschland sowie in entsprechenden Defiziten vorwiegend in den früheren Schwachwährungsländern Italien, Spanien, Portugal und Griechenland aus. ..." Zeise erläutert das in seinem Beitrag weiter und stellt u.a. fest: "Warum haben die Kapitalisten der Schwachwährungsländer und ihre Regierungen durch die Teilnahme an der Währungsunion ihren Heimatmarkt dem Zugriff der starken deutschen Exporteure ausgeliefert? Die Antwort lautet, dass sie auch einen Vorteil davon hatten. Sie verfügten mit einem Mal über eine Weltwährung. Das ist kein Prestige-Titel sondern ein handfester Finanzierungsvorteil. ..."
Am Ende schreibt Zeise, der darauf hinweist, dass Merkel im Frühjahr 2010 persönlich dafür sorgte, "dass die in diesen Dingen erfahrene Institution IWF bei der 'Rettung' Griechenlands mit dabei war", dass allerdings ein Umstand "anders als üblich" war: "die Tatsache nämlich, dass die Währung Griechenlands, der Euro, nicht abgewertet werden konnte. ... Gebessert haben sich in allen Ländern, die mit Austeritätsprogrammen überzogen worden sind, die Leistungsbilanzen. Denn der Import ist geschrumpft. Das bereits als Wiederherstellung der propagierten 'Wettbewerbsfähigkeit' der tief in die Krise gestürzten Länder zu bezeichnen, wäre allerdings kühn. ...
Die Euro-Krise und die Antwort der EU-Regierungen darauf, die aus einer verschärften Austeritätspolitik besteht, hat den gesamten Kontinent, einschließlich der Nicht-EU-Staaten, zu derjenigen Region des Globus gemacht, in der die weltweite Überproduktionskrise sich am härtesten auswirkt. Politisch bleibt das nicht ohne Wirkung. Griechenland ist nur das deutlichste Beispiel. ... Die Konzentration der politischen Macht führt in Kombination mit dfem ökonomischen Schaden, den das Euro-Regime anrichtet, dazu, dass sich nicht nur die Lohnabhängigen abwenden sondern auch die Bourgeoisien. EU und Euro werden nicht nur von links, sondern auch von rechts in Frage gestellt. Sie werden vermutlich entlang nationaler Interessen zerreißen."
Was Zeise analysiert und beschreibt dürfte mit eine Grundlage dafür sein, dass sich griechische Kapitalkreise mit jenen aus den USA verbünden, wie oben im Text erwähnt, die aus verschiedenen Interessen heraus der EU Paroli bieten oder/und diese zumindest stören wollen.
Und so ist die erwähnte Alternative nicht mal eine antikapitalistische.