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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
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Mittwoch, 17. Juli 2013

Fundstück Nr. 32 – "Gerechter Krieg"

Eine Dokumentation zeigt, dass das angebliche Positivbeispiel Alliierte gegen das faschistische Deutschland nicht sogenannte humanitäre Interventionen rechtfertigen kann.

Wer "humanitäre Interventionen" und die Idee des "gerechten Krieges" verteidigt, verweist in den Debatten dazu oftmals darauf, dass doch beispielsweise der Krieg der Anti-Hitler-Koalition gegen das faschistische Deutschland notwendig gewesen sei. Dieser gilt als gewissermaßen bestes Beispiel für einen gerechten Krieg. Die historische Bedeutung des Sieges über das faschistische Deutschland 1945, an dem die Sowjetunion damals einen entscheidenden Anteil hatte, steht für mich außer Frage. Aber ob der Zweite Weltkrieg als Argument für "gerechte Kriege" taugt, mit dem alle nachfolgenden Kriege gegen "Diktatoren" gerechtfertigt werden können, das bezweifle ich sehr. Grund dafür ist der Blick auf die Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges und die Frage, wer diesen erst möglich gemacht hat.

Neue Nahrung für meine Zweifel fand ich, als ich am 10. Juli auf Phoenix erneut die Dokumentation von Patrick Barbéris "Das Öl-Zeitalter" aus dem Jahr 2009 sah. Da ist ab Minute 41:01 folgendes Interessantes zum Thema zu hören und zu sehen:

"(Off-Stimme) 1936 verkündet Hitler anläßlich der Eröffnung der Berliner Automobil-Ausstellung: 'Die deutsche Treibstoffproduktion muss so schnell wie möglich vorangetrieben werden. Diese Aufgabe erfordert die gleiche Entschlossenheit wie eine Krieg, den von ihrer Erfüllung hängt die künftige Kriegführung ab.'
Shell-Chef Henry Deterding, ein Anhänger der Nationalsozialisten, will Hitler Erdöl auf Kredit verkaufen. Der Verwaltungsrat zwingt ihn zum Rücktritt.
Es waren große US-Firmen, deren aktive Unterstützung aus Sympathie für die Nazis die Wiederbewaffnung und Reindustrialisierung Deutschlands erst möglich machte.
Jamie Kitman, Journalist: Alfred Sloan war von den 20ern bis in die frühen 50er Jahre hinein Vorsitzender von General Motors. In den späten 30ern erhielt er einen Brief von einer Aktionärin, den wir in den Archiven fanden. Sie schrieb: 'Wir machen Geschäfte in Deutschland über unsere Opel-Tochter. Wir bauen LKWs für das Nazi-Regime. In der Zeitung habe ich gelesen, dass sie dort Juden töten und die Menschen in den Straßen zusammentreiben. Wie können wir Geschäfte mit diesen Leuten machen? Ich bin Aktionärin und mir gefällt das nicht.' Und Sloan schrieb in herablassender Weise zurück: 'Madame, die dortige Politik interessiert uns nicht. Wir verkaufen Autos, mehr nicht.'
Richard Overy, Historiker: Die Deutschen hatten Probleme bei der Herstellung von synthetischem Öl. Ihnen fehlten einige chemische Zutaten, die für das verfahren notwendig waren, z.B. Ethyl. Die bekamen sie von amerikanischen Unternehmen, wie etwa Dupont.
Nun heißt es immer: Das Geschäft geht vor und für Geschäfte finden sich immer Mittel und Wege.
Die Verbindung zu Dupont war aber in Wahrheit viel enger. Zahlreiche Abkommen zwischen Dupont und dem Chemiegiganten I.G. Farben z.B. regelten die Aufteilung der Absatzmärkte und den technischen Informationsaustausch. Es herrschte also eine sehr enge Verbindung zwischen amerikanischen und deutschen Unternehmen.
Kitman: Standard Oil half bekanntlich den Deutschen bei der Entwicklung eines Systems, um aus Kohle synthetisches Öl zu gewinnen. Die Deutschen hatten jede Menge Braunkohle, aber kaum Öl. Deshalb versorgte sie Standard Oil nicht nur bereitwillig mit Öl, sondern lieferte auch noch am Vorabend des deutschen Überfalls auf Polen 500 Millionen Tonnen Tetraethylblei. Da war noch keine Fabrik in Betrieb. Natürlich wusste Standard Oil, dass da etwas im Busch war.
(Off:) Im September 1939 laufen in Deutschland 14 Werke zur Herstellung von Synthetiköl auf Hochtouren. Sechs weitere sind im Bau. Ohne das von den US-Firmen DuPont, General Motors und Standard Oil gelieferte Ethyl hätte die deutsche Luftwaffe 1940 gar nicht fliegen können. ...
Kitman: Heute wissen wir, dass General Motors Mitarbeiter in Deutschland hatte, die noch 1943 Geld in die USA überwiesen. Der Konzern baute also noch lange nach dem Kriegseintritt der USA LKWs für die Nazis. Sie fuhren mit Kraftstoff aus Fabriken, die mit Hilfe von General Motors, DuPont und Standard Oil zustande gekommen waren. Zur Rechenschaft gezogen wurde dafür niemand.
(Off:) Ein 1942 eingerichteter Untersuchungsausschuss unter Leitung des späteren US-Präsidenten Harry S. Truman beschuldigt die Ölmagnaten 1945 des Landesverrates. Doch die Realität geht vor Moral. …"

Die beiden Teile der überhaupt interessanten Dokumentation über das Öl-Zeitalter sind bei Youtube nachschaubar, u.a. hier. Darin ist auch zu erfahren dass beispielsweise Standard Oil schon im Ersten Weltkrieg die Entente-Staaten wie auch Deutschland gleichzeitig mit Öl versorgte und das nach dem Kriegseintritt der USA weiter tat.

An anderer Stelle hatte ich schon einmal bemerkt: "Die Alliierten in West wie Ost dachten lange nicht daran, einen Krieg zu führen, um Europa von den deutschen Faschisten und die von den deutschen Faschisten Versklavten zu 'befreien' und die Ermordeten zu rächen. Erst als Deutschland ihre Einflusssphären und Territorien bedrohte und überfiel, griffen auch sie zu den Waffen." Bis dahin hoffte ja mancher westliche Politiker, dass Hitler nur gegen die russischen Bolschewisten losmarschiert. Gegen die Kommunisten, die der Westen gern auch bekriegt und von der Landkarte gefegt hätte, hätten sie Hitler vielleicht sogar geholfen ... "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet", soll Winston Churchill ja passenderweise nach dem Sieg über das faschistische Deutschland gesagt haben.

Nachtrag vom 18.7.13: Ulrich Völklein hat übrigens in seinem 2002 veröffentlichten Buch "Geschäfte mit dem Feind" ausführlicher über "Die geheime Allianz des goßen Geldes während des Zweiten Weltkrieges auf beiden Seiten der Front" berichtet.

Natürlich passt dieses Fundstück auch zum Thema, das Max Horkheimer 1939 so beschrieb: "Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen."

Montag, 29. April 2013

Islamisten als letzte Hoffnung?

Die TV-Dokumentation von Kurt Pelda und Birgit Virnich "'Vergießt keine Tränen mehr' – Wie Anwar in Syrien radikal wurde", die der WDR am heutigen 29. April 2013 zeigt, kann und will ich nicht ignorieren, deshalb sei auf sie hingewiesen.

Jedes einzelne Schicksal des Krieges in und gegen Syrien ist interessant, beachtenswert und auch bedrückend. Die einzelnen Entscheidungen, die die Menschen für sich treffen, wie sie mit dem Erlebten umgehen, kann und will ich nicht bewerten. Auch nicht die Illusionen, die Syrer wie der Protagonist der Doku in die "Revolution" gesetzt haben, mit der alles besser werden sollte, und die ersetzt wurde durch die Hoffnung auf den "Gottesstaat". Wenn Menschen das als letzten Ausweg sehen, muss gefragt werden, wie es dazu kommt. Ob ihre Hoffnungen damit erfüllt werden, wage ich aber zu bezweifeln angesichts anderer Beispiele in den letzten Jahrzehnten.

Ich hoffe nur darauf, dass die Doku über den Wandel des jungen Anwar nicht exemplarisch sein soll, für das, was in Syrien geschieht. Ich hoffe, dass damit nicht gezeigt werden soll, dass den Menschen keine andere Wahl bleibt als die Islamisten zu unterstützen. Interessant finde ich, dass der verantwortliche Redakteur der "die story"-Reihe des WDR, in welcher die Doku läuft, Jo Angerer ist. Der Filmemacher hatte vor zwölf Jahren die viel beachtete und auch von den Kriegsbefüwortern heftig angegriffene Reportage "Es begann mit einer Lüge" über den Kosovo-Krieg der NATO gedreht.

Wurde Angerer in den letzten Jahren zum Kriegsbefürworter? Spiegel online zitiert in der Ankündigung zu der heutigen Doku, wie der Neu-Islamist Anwar in dem Beitrag seinen Wandel begründet: "Der Hauptgrund dafür, dass wir uns den Islamisten angeschlossen haben, ist die Tatsache, dass die Revolution zu lange dauerte und die Welt uns im Stich gelassen hat." Als Einzelmeinung ist das interessant, bleibt die Hoffnung, dass das nicht Meinung von Angerer und den anderen bei "die story" wurde und sie die heutige Doku nicht als Gegenstück zur ARD-Reportage "Die Syrien-Falle" von Hupert Seipel vom 13. Februar 2013 verstehen. In dieser wurde nicht nur eine Seite gezeigt und auch die westliche Politik kritisch hinterfragt. Das geschieht recht selten im Vergleich zu Reportagen aus Syrien, in denen zumeist "Rebellen" begleitet werden, wie auch heute abend wieder. Und führte zu einem wutschäumenden Verriss schon vor der Sendung unter anderem bei den medialen Kriegsbefürwortern von Spiegel online wegen angeblicher Fehler. Die heutige Doku wird hingegen wohlwollend angekündigt: "Alle Menschen wirken auf ihre Art sympathisch. Die gefangenen Soldaten der Regierung haben, mit Handschellen an Schulbänke gefesselt, die gleiche ratlose Angst in den Augen wie die Rebellen, wenn Bomben fallen. Gut und Böse sind nicht mehr sauber zu trennen." Und alles nur, weil die Welt die Syrer im Stich gelassen hat ...

Meine Hoffnung ist, dass in den öffentlich-rechtlichen Sendern neben Beiträgen über das Schicksal von Menschen in Syrien wie den heute zu sehenden, immer wieder auch darüber informiert wird, welchen Beitrag "die Welt", vor allem die westliche und die mit ihr verbündete arabische, geleistet hat, dass es überhaupt zu diesem Krieg gekommen ist mit all seinen Folgen. Selbst bei Spiegel online ist schon mindestens seit einem Jahr bekannt, "Wie der Westen in Syrien heimlich Krieg führt", abgesehen von den in solchen Beiträgen enthaltenen und ständig wiederholten Lügen wie der, dass die syrische Armee mit der dazugehörigen Luftwaffe gegen die Bevölkerung Krieg führt. Tatsächlich wird sie gegen die bewaffneten "Rebellen" eingesetzt, die in Städte wie Aleppo einmarschierten und so zivile und schutzlose Orte zum Schlachtfeld machten, ohne Rücksicht auf die Menschen. Das geschah erst spät und nicht sofort mit den Unruhen im März 2011. Aber das sind Details, die wahrscheinlich als unwichtig gelten angesichts solcher beindruckender und bedrückender Schicksale wie die des Neu-Islamisten Anwar. Er gehört zu den Menschen, die unter dem von außen angeheizten und geförderten Krieg leiden und anscheinend die Opfer bringen müssen, mit deren Blut der "Gottesstaat" in Syrien errichtet werden soll. In ihrer Verzweiflung helfen sie noch dabei ...

Mir bleibt die Hoffnung, dass der WDR heute abend keinen weiteren Beitrag zur Kriegspropaganda leistet.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

TV-Tipp: Ein Wirtschaftskiller packt aus

Der einstige "Economic Hit Man" John Perkins wird am 31. Oktober auf 3sat porträtiert und liefert Einblicke, wie globale Politik funktioniert.
Aus der Ankündigung von 3sat:
"Wie kauft man die Weltpolitik? Ein packender Insider-Dokumentarfilm über den Ausbau von Wirtschaftsimperien auf Kosten der Dritten Welt: John Perkins war ein "Economic Hit Man", ein Wirtschaftskiller. Seine Aufgabe war es, Entwicklungsländer zu besuchen und den Machthabern überdimensionierte, überteuerte Großprojekte zu verkaufen, die sie in eine Abhängigkeit von den USA brachten. Zwölf Jahre lang hatte Perkins seine Seele an den Geheimdienst verkauft ... bis er ausstieg und den Mut hatte, den Skandal aufzudecken, sich öffentlich für seine kriminellen Akte im Staatsauftrag zu entschuldigen und Aufklärungsarbeit zu leisten. ...
Auslöser dafür war die Frage "Warum hassen sie uns so?", die Präsident George W. Bush nach den Anschlägen am 11. September 2001 gestellt hatte. Perkins wusste die Antwort darauf. "Im Dienst der Wirtschaftsmafia - Ein Geheimagent packt aus" von Stelios Koul beschreibt den Versuch des ehemaligen Agenten Perkins, mit sich selbst ins Reine zu kommen, sich in öffentlichen Debatten für seine Aktionen im Staatsauftrag zu entschuldigen und Aufklärungsarbeit zu leisten.
Der Film liefert dabei unglaublich spannende Einblicke in das Netz der modernen Wirtschaftsmafia und offenbart Zusammenhänge, die oft als Verschwörungstheorien abgetan werden. Heute leitet John Perkins die Organisation "Dream Change Coalition", die zusammen mit den indigenen Völkern Südamerikas deren Umwelt und Kulturen zu schützen versucht. ..."

"Im Dienst der Wirtschaftsmafia - Ein Geheimagent packt aus"
3sat, Mittwoch, 31. Oktober 2012, um 22.25 Uhr, Mono, 16:9

die 3sat-Ankündigung ist hier zu finden
 
Auch wenn der Film von 2008 ist, ist er aktuell. Zugleich ist er interessant, weil er kurz vor der sogenannten Finanzkrise entstand.


Von Perkins sind zwei Bücher auch in deutsch erschienen, auf die ich schon mehrmals hinwies: "Bekenntnisse eines Economic Hit Man: Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia" und "Weltmacht ohne Skrupel: Die dunkle Seite der Globalisierung - Wie die USA systematisch Entwicklungsländer ausbeuten".
Interessant sind auch seine Aussagen in dem Film "Let's make money" von Erwin Wagenhofer.

zur Homepage von John Perkins hier lang