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Mittwoch, 7. Oktober 2020

Nachrichtenmosaik Corona – Teil 7

 • Virologe Streeck empfiehlt Rückkehr zur Lebensnormalität

Das Magazin The European berichtet in seiner Online-Ausgabeam 5. Oktober von einem Vortrag des Virologen Hendrik Streeck auf einem Kongress in Hamburg Anfang Oktober:

„Der Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, Hendrik Streeck kritisiert, dass es in Deutschland im Kampf gegen die Corona-Pandemie ‚zu viel Angst‘ gebe. Das Risiko der Krankheit sei inzwischen gut kalkulierbar und legitimiere eine übertriebene Verbotspolitik nicht mehr, sagte Streeck auf dem Wirtschaftsforum ‚Neu Denken‘ in Hamburg.

Streeck erklärte, man habe in Deutschland derzeit eine völlig normale Sterblichkeitsrate. Bei der Hitzewelle 2018 und bei der Grippewelle 2017 habe man sehr viel deutlicher eine Übersterblichkeit gesehen. ‚Wir haben es mit einem ernstzunehmendes Virus zu tun, aber wir dürfen dieses Virus nicht mehr über-dramatisieren.‘

Streeck wies daraufhin, dass die Sterblichkeit von Corona-Infizierten sehr viel niedriger sei als man das im Frühjahr befürchtet hatte. ‚Dieses Virus ist tödlich nur für wenige. Genauso wie viele andere Viren auch,‘ meinte Streeck. Die zunehmenden Erkenntnisse der Wissenschaft sollten Mut machen: Es gebe fast keine Übertragung über Gegenstände. Auch gebe es im normalen Alltagsgeschäft – etwa im Einzelhandel – wenig Ansteckungsrisiken. Viele Infektionen verliefen komplett ohne Symptome. Nur noch fünf Prozent der Infizierten bräuchten überhaupt eine klinische Versorgung, weitaus weniger gar eine intensivmedizinische. …

Streeck plädiert für ein Ende des Krisen- und Panikmodus, der Umgang mit dem Virus müsse zur in ein normales Risikohandling wie bei vielen anderen Risiken des Lebens auch übergehen. Ängste zu schüren sei der falsche Weg, weil man damit die Gesellschaft spalte und die Akzeptanz für eigenverantwortliche Achtsamkeit schwäche. Maskenpflichten etwa an der frischen Luft seien unsinnig. ‚Wir brauchen einen Wechsel im Krisenmanagement. Wir dürfen die Krise nicht verwalten, sondern müssen Lösungen finden. Sorgsam pragmatische Lösungen‘, empfiehlt der Virologe.  Die Infektionszahlen dürften nicht mehr im Haupt-Fokus stehen. …“ 

Ähnlich hatte sich Streeck am 1. Oktober 2020 in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ geäußert, wie die bayrische Zeitung Merkur berichtete

Und während Streeck mahnt, die Infektionszahlen nicht zum alleinigen und angstmachenden Maßstab zu machen, macht die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) online am 6. Oktober 2020 genau das in einem Bericht über seine jüngsten Äußerungen:

Virologe Streeck rechnet mit massivem Anstieg der Infektionszahlen
… Der Bonner Virologe Hendrik Streeck rechnet mit einem massiven Anstieg der Infektionszahlen. Gleichzeitig betonte er, dass die Zahl der Neuinfektionen allein kein Grund zur Sorge sei. ‚20.000 Neuinfektionen pro Tag, das klingt erstmal nach Apokalypse, aber im Grunde sollte uns das keine Angst machen, weil ein milder Verlauf oder ein Verlauf ohne Symptome nicht so stark zum Infektionsgeschehen beiträgt‘, sagte der Virologe in der Sendung ‚ARD extra‘. Man müsse nun eine ‚achtsame Normalität‘ finden, in der jeder Mensch im Falle eines schweren Verlaufs die bestmögliche Versorgung habe. ‚Dieses Virus kann nicht mehr aus dem Menschen ausgetrieben werden und wir müssen anfangen mit dem Virus zu leben‘, so Streeck. …“ 

• Trotz Streeck: Deutsche müssen wohl noch Jahre mit Abstand und Masken leben, sagen Experten – trotz Impfstoff

„…Wie BW24* berichtet, könnten Deutsche trotz Impfstoff noch Jahre mit Maskenpflicht und Mindestabstand leben müssen. Das sagen Mitglieder der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts und verweisen auf die lange Zeit, die es dauern würde, bis ein relevanter Prozentsatz der Bevölkerung geimpft sei. …“
Merkur, 6.10.2020

• Und was meint Drosten, der mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnete Angstverbreiter …

Die Zeitung Merkur berichtet am 6. Oktober 2020 in ihrer Online-Ausgabe, wie der Virologe Christian Drosten die Entwicklung einschätzt:

„... Zwar ist die Mundschutzpflicht an die Entwicklung der Infektionszahlen gebunden – und diese können nicht vorhergesagt werden. Doch so manche Prognose ist in Umlauf, wie lange wir den Mundschutz voraussichtlich noch tragen werden. Auch Covid-19-Experte Christian Drosten, Institutsdirektor an der Charité in Berlin mit Forschungsschwerpunkt Virologie, nennt ein mögliches Szenario – das vielen nicht gefallen dürfte.
So blickt Virologe Drosten, der den weltweit ersten Corona-Diagnostiktest entwickelte, wenig optimistisch in die Zukunft: ‚In anderen Teilen der Welt (Anmerkung d. Redaktion: etwa Deutschland), in denen das Konzept darin besteht, eine weit verbreitete Virusübertragung zu vermeiden und auf den Einsatz eines Impfstoffs zu warten, können wir damit rechnen, dass wir bis Ende 2021 Masken tragen werden. Es ist unmöglich, genaue Vorhersagen zu machen, aber das nächste Jahr wird ein Jahr sein, in dem wir Masken tragen‘. Auch ein rascher Einsatz eines Impfstoffes würde Drosten zufolge nichts daran ändern: ‚Denn auch wenn wir mit den Impfungen beginnen, wird der größte Teil der Bevölkerung weiter Masken tragen müssen‘. Zwar ist Virologe Drosten zuversichtlich in Hinblick auf eine Covid-19-Impfung: ‚Im nächsten Jahr werden wir Impfstoffe haben‘, sagt er im Interview mit der Deutschen Welle. Jedoch kann es Drosten zufolge bis Ende nächsten Jahres dauern, bis bestimmte Teile der Bevölkerung damit versorgt werden können – daher auch die noch lange andauernde Empfehlung, Masken zu tragen. …“

In einem Interview mit Zeit online, veröffentlicht am 6.Oktober 2020, sagt der Ordens-Virologe unter anderem, dass er weiter Angst hat …:

„…Wenn ich den Pandemieverlauf betrachte, bin ich in einem Zustand der gespannten Aufmerksamkeit. Wir befinden uns in einer Phase, in der es vonseiten der Medizin keine größeren Probleme gibt – im Sinne überfüllter Krankenhäuser und Intensivstationen –, in der wir aber aufpassen müssen, dass es dazu auch nicht kommt. Bei diesem Virus muss man früh reagieren. …

ZEIT ONLINE: Das wichtigste Kriterium, ob strengere Maßnahmen eingeführt werden, ist weiterhin die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen. Aber nicht jede davon führt zu einer schweren Erkrankung. Wissenschaftler wie Hendrik Streeck fordern deshalb, stärker auch andere Kriterien mit heranzuziehen, etwa die Zahl der Krankenhauseinweisungen oder die Testpositivenrate, wie es etwa schon in Österreich passiert. Hielten Sie das für sinnvoller als die aktuelle Hotspotstrategie?

Drosten: Es stimmt natürlich: Nicht jeder Covid-19-Fall ist für das Ausbruchsgeschehen oder medizinisch gesehen gleich relevant. Die Fallsterblichkeit unterscheidet sich zwischen den Altersgruppen sehr stark. Alte Menschen sterben im Schnitt viel häufiger an einer Covid-Erkrankung als junge, auf die in den letzten Monaten besonders viele Infektionen entfielen. Ich kann deshalb verstehen, dass man gern einen Zusatzindikator hätte, etwa die Bettenbelegung. Mein Einwand ist, dass die Neuinfektionen selbst schon ein nachlaufender Parameter sind. …

Ich halte das Prinzip der Vorquarantäne für eine gute Idee. Also dass Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden. …

Ich kann auch nachvollziehen, dass Dinge verschleißen und dass man über den Sommer die Lage nicht ernst genommen hat, weil die Krankheit nicht so stark sichtbar war. Aber nun zeigt den Menschen der Blick ins europäische Ausland, dass es auch wieder schwierigere Situationen geben kann. Vielleicht sollten wir auch mehr auf die Südhalbkugel schauen, die den Winter schon hinter sich hat. Argentinien zum Beispiel, ein Land mit ähnlicher Altersstruktur wie Deutschland, hat die Pandemie trotz eines langen Lockdowns nur schwer unter Kontrolle gebracht. …

Dass die Bundeskanzlerin vor der Kamera schrittweise eine Verdoppelung der Fallzahlen vorrechnet, finde ich gut. ... Ein Wort von sehr hoher Stelle hat da einfach eine große Reichweite, und die Botschaften sind simpel. Es ist aber wichtig, dass sie gesendet werden.

ZEIT ONLINE: Müssten nicht auch Hausärztinnen und -ärzte die Menschen hier besser aufklären?

Drosten: Ja, das müssten sie unbedingt. Allerdings wundere ich mich manchmal schon, dass von dieser Seite bei der Aufklärung der Patientenschaft nicht nur Unterstützung kommt, sondern dass einzelne Niedergelassene offenbar Schutzmaßnahmen wie etwa Masken nicht für nötig halten oder in manchen Fällen sogar gezielt untergraben. …

die Daten bestätigen, dass die Sterblichkeit an Covid-19 mit dem Alter enorm zunimmt (MedRxiv: Levin et al., 2020). Es ist ein Virus, das in den letzten zehn Berufsjahren wirklich gefährlich wird – gar kein Vergleich mit der Influenza. Und das dann in den ersten zehn Rentenjahren absolut zu vermeiden ist. Diese Menschen dürfen sich nicht infizieren. Das muss diese Altersgruppe verinnerlichen und das ist noch nicht in ausreichendem Maße passiert, denke ich. …

Die krank machende Wirkung des Virus hat sich nach Datenlage nicht verändert, nur die Verbreitungsfähigkeit, und das minimal. Und so wird es wohl auch in nächster Zukunft bleiben. …

Es wird im nächsten Jahr ein Nebeneinander geben: Wir werden verschiedene Impfstoffe haben, die vielleicht sogar unterschiedlich wirksam sind und mit denen sich Teile der Bevölkerung impfen lassen können. Gleichzeitig werden aber Kontaktbeschränkungen und AHA-Regeln weiter wichtig bleiben.

Auch wenn wir sehen würden, dass aus einem völlig unerfindlichen Grund die Entwicklung eines Impfstoffs nicht gelingt, würde man auf Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen setzen. Das Virus würde andernfalls wieder harte Gegenmaßnahmen erzwingen, einfach weil es nicht tragbar ist, in einer Gesellschaft mit unserem Altersprofil diese Krankheit durchlaufen zu lassen. Die vergangenen und derzeitigen Maßnahmen stehen daher nicht infrage.

Das Wichtigste für mich ist wirklich, dass die meisten Menschen den Maßnahmen zustimmen – auch wenn es immer noch mehr sein könnten. Aber natürlich: dass der Bundespräsident mir und anderen wie dem Pianisten Igor Levit und der Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim das Bundesverdienstkreuz verleiht, ist noch einmal ein deutliches Zeichen. Dafür, dass es richtig gefunden wird, was wir machen. Das beruhigt mich in den Momenten, in denen ich angegriffen werde. Es macht mir immer wieder klar: Es ist schon richtig, was ich tue. …“ 

• Und was sagt die Statistik zum Beispiel über die Todesfallzahlen …

Das verrät unter anderem die Informationsplattform Corona Transition aus der Schweiz in einem Beitrag am 6. Oktober 2020 über die deutschen Zahlen, die Drosten „in einem Zustand der gespannten Aufmerksamkeit“ halten:

Todesfallzahlen in Deutschland verharren seit vier Monaten auf tiefem Niveau
Die aktuelle Datenauswertung von Statista belegt: Trotz Zunahme der Anzahl positiv Getesteter gibt es keinen signifikanten Anstieg der Todesfälle mit Covid-19.
Die Auswertung der Zahlen zu Covid-19 durch Statista zeigt auf, daß es spätestens seit Anfang Juni keinen signifikanten Anstieg der täglichen mit Covid-19 assoziierten Todesfälle mehr gibt. Die nachfolgende Grafik belegt auch, dass dieser Trend anhält, obwohl die ‚Neuinfektionen‘ – korrekt formuliert: die positiv Gestesten – statistisch betrachtet zunehmen. In der Grafik werden sie fälschlicherweise als ‚Krankheitsfälle‘ bezeichnet. …“ 

• Schweiz: Oberster Züricher Arzt sieht Maskenpflicht nur als symbolischen Akt

Bereits am 26. August 2020 berichtete die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) über die Sicht des Hausarztes Josef Widler , Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft und damit  Vertreter von 6.000 Medizinern, auf die Pandemie und die Corona-Politik:

„…Widler kämpft öffentlich gegen die Angst vor Corona. Er glaubt, dass wir lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Anstatt für strengere Lockdown-Massnahmen warb er für Vernunft. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund – und kritisiert auch die Gesundheitsdirektion.
Es ist nicht erstaunlich, dass gerade ein Hausarzt gegen den aus seiner Sicht ängstlichen Umgang mit dem Virus kämpft. Wer viele alte Menschen betreut, wird häufig mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. …

In der Krise gingen die Menschen deutlich weniger zum Hausarzt. ‚Wir haben viel zu spät bemerkt, dass die Leute aus Angst mit ernsthaften Sachen nicht mehr zu uns gekommen sind‘, sagt Widler beim Gespräch in der Hausarztpraxis in Zürich Altstetten. Das sehe man am deutlichen Rückgang der gemeldeten Herzinfarkte und Hirnschläge. Einer seiner Patienten meldete sich beinahe zu spät wegen eines geplatzten Blinddarms. …
Widler kritisiert die Praxis, Pflege- und Altersheime in der Krise abzuschotten. ‚Wir schützen die Alten zu Tode‘, mahnt er. ‚Wenn das Grosi seinen Enkel ein halbes Jahr nicht sehen kann, ist das auch nicht so gesund.‘

Bei der Arbeit beobachtet er die Folgen des Lockdown. Die Isolation und die Angst setzten den Menschen zu. Angsterkrankungen träten häufiger auf. ... ‚Waren es die psychischen Schäden bei den alten Leuten wert, die Infektionen niedrig zu halten?‘, fragt Widler. ‚Ich finde nicht.‘ …

‚Testen, testen, testen‘ als Konzept hält er für falsch, denn als Arzt interessiere er sich nicht für die positiv Getesteten, sondern für die Kranken. …

Er stört sich daran, dass die Verwaltung den Ärzten Entscheidungen aufgedrückt habe und dass ‚Juristen und Polizisten‘ über die Gesundheit der Bevölkerung entscheiden würden. …

Früh in der Krise schloss Widler sich der damaligen Haltung des Bundesamts für Gesundheit an, dass Masken eine falsche Sicherheit vorgaukelten, weil man damit nicht primär sich selbst, sondern vor allem das Gegenüber schütze. Die meisten Ansteckungen, sagt Widler, erfolgten im eigenen Haushalt, darauf müsse man sich konzentrieren. Es gebe keine Zahlen zu Ansteckungen im öffentlichen Verkehr. ‚Das Tamtam, das man um die Maskenpflicht macht, ist momentan nicht richtig.‘

Deshalb hält er auch die nun beschlossene Tragpflicht in den Läden für ‚eher nicht so gescheit‘. Ihm fehle schlicht eine stichhaltige Begründung dafür, es handle sich wohl eher um einen symbolischen Akt. Der grosse Nutzen der Masken sei nicht belegt, ‚Tatsache ist ja zumindest, dass die Zahlen nicht gesunken sind, seit alle Leute im öV Masken tragen‘. Die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sei viel zentraler. …

Seine lockere Art, mit der Krise umzugehen, eckt an. Nach Fernsehauftritten wurde Widler vorgeworfen, er verharmlose das Virus – auch von Ärzten. Widler sagt: ‚Covid-19 ist eine ernsthafte Krankheit, ich will dies überhaupt nicht bagatellisieren, aber Angst bringt nichts.‘ …“ 

Anmerkung: Widler ist Hausarzt, also einer von jenen, die der Ordens-Virologe so kritisiert.

• Die Reichen werden immer reicher – auch dank der Pandemie

Unter anderem die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet am 7. Oktober 2020 über neue Erkenntnisse zu den Superreichen dieser Welt:
„Das Virus bringt Elend und Armut in die Welt. Unternehmen gehen Pleite, Arbeitsplätze verloren. Das ist die eine Seite der Pandemie. Auf der anderen Seite steht der Glanz jener Unternehmen, die von der Corona-Krise profitieren. Dies sind vor allem die Vorreiter aus der digitalen Welt, die mit zerstörerischer Kraft lang etablierte Geschäftsmodelle zum Kollaps bringen. Diesen Trend gab es schon vor Corona. Aber das Virus hat ihn beschleunigt.

… Nach einer Studie der Schweizer Großbank UBS und der Beratungsgesellschaft PWC sind die Vermögen der Ultrareichen bis Ende Juli 2020 auf ein neues Allzeithoch von 10,2 Billionen Dollar geklettert. Damit ist der bisherige Höchststand von 8,9 Billionen Dollar, der Ende 2017 erreicht wurde, deutlich übertroffen worden. Die Zahl der Milliardäre ist seither um 31 auf 2189 gestiegen. Davon leben 119 in Deutschland. 

Die Auswertung der Daten von mehr als 2000 Milliardären in 43 Ländern zeigt, dass die Superreichen nach dem Absturz der Börsenkurse im März in stark unterschiedlichem Ausmaß von dem danach folgenden Wiederaufschwung profitiert haben. An der Spitze der Erholung stehen die Milliardäre, die in der Technologie- und Gesundheitsbranche unterwegs sind. Deren Vermögen stiegen von Anfang April bis Ende Juli 2020 um 41 und 36 Prozent. Dies korreliert mit den gestiegenen Börsenkursen von Unternehmen wie Amazon, Netflix, Tesla und Facebook. Der Amazon-Gründer Jeff Bezos ist mit einem Vermögen von 189 Milliarden Dollar der reichste Mensch der Welt gefolgt von Bill Gates (124 Milliarden Dollar), Elon Musk (103) und Mark Zuckerberg (100). …“ 

Das Handelsblatt meldet dazu am selben Tag:
„…In Deutschland stieg das Nettovermögen der Ultrareichen nach einem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie bis Ende Juli auf 594,9 Milliarden Dollar. Bei der letzten Untersuchung (Stichtag März 2019) waren es 500,9 Milliarden Dollar. Der Club der Superreichen wuchs seitdem von 114 auf 119 Mitglieder.
Den größten Zuwachs erzielten die deutschen Dollar-Milliardäre nach Ausbruch der Pandemie in den Bereichen Technologie (plus 46 Prozent), Gesundheitswesen (plus 12 Prozent) und Finanzwesen (plus 11 Prozent). Technologie-Pioniere wie Tesla-Lenker Elon Musk oder der chinesische Pharma-Unternehmer Zhong Huijhan konnten ihre Vermögen sprunghaft steigern. …“ 

• Und wie sieht es auf der Seite der Armen aus?

Das berichtete die Berliner Zeitung am 1. Oktober dazu:
Mehr Corona-Opfer durch Lockdown als durch das Virus: In Afrika wurden die Krisen massiv verschärft
… Detlef Müller-Mahn ist Professor für Humangeographie an der Universität Bonn und Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Future Rural Africa“ der Universitäten Bonn und Köln, der sich mit der Zukunft des ländlichen Afrikas befasst. ...

Über unmittelbare Auswirkungen des harten Corona-Lockdowns kann der Geograf unter anderem aus dem östlichen Afrika berichten. ‚Was wir beobachten, ist eine massive Störung von Stadt-Land-Beziehungen als Folge des Lockdowns‘, sagt Müller-Mahn. Die Händler seien nicht mehr auf die Dörfer gefahren, um Gemüse zu kaufen. In den Städten habe es daraufhin eine Verknappung der Nahrungsmittel und eine Explosion der Preise auf das Zwei- bis Dreifache gegeben. Ein großer Teil der Bevölkerung könne sich bestimmte Nahrungsmittel und auch Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten. Der Lockdown sei auch genau zu jener Zeit passiert, als die Bauern dabei waren, die Felder für die nächste Aussaat vorzubereiten. Sie hätten dringend Dünger und Saatgut gebraucht, die nicht geliefert wurden. Neben den Nahrungssystemen seien also auch die Versorgungsketten unterbrochen worden. ‚Wir können noch gar nicht genau sagen, welche Konsequenzen das haben wird‘, sagt Detlef Müller-Mahn. Er sieht potenziell langfristige Auswirkungen, etwa durch ein wachsendes Misstrauen der Landbevölkerung gegenüber dem Staat, den Städten und städtischen Händlern.

Eine weitere Folge des Lockdowns: ‚Durch den fast kompletten Zusammenbruch des Tourismus haben viele Länder in Afrika eine wichtige Einnahmequelle verloren‘, sagt Müller-Mahn. Für Länder wie Namibia zum Beispiel sei das ein Desaster. Zumal das Land durch fortgesetzte Dürren ohnehin schon massive Probleme gehabt habe. Die Viehproduktion liege am Boden. Und an jedem Beschäftigten des Tourismus hingen zehn Familienangehörige, die von ihm leben. ‚Wir können das Ausmaß des wirtschaftlichen Einbruchs noch nicht genau bestimmen. Aber er wird wohl verheerend sein, in ganz Afrika.‘ …“

Sonntag, 20. September 2020

Nachrichtenmosaik Corona – Teil 2

• Infektiologe: Maskenpflicht brachte in Österreich keinerlei messbaren Nutzen

Der Leiter der Abteilung für öffentliche Gesundheit in der österreichischen AGES, der Infektiologe Franz Allerberger, hat sich am 19.8.2020 im Interview mit der ORF-Nachrichtensendung ZIB2 zur Wirkung der Maskenpflicht geäußert. Sein Fazit: Die Maskenpflicht hat ebenso wie deren Aufhebung keinerlei messbare Auswirkungen auf die Ansteckungssituation in Österreich gehabt.
Quelle: Corona-Transition, 25.8.2020 

• Analyse: WHO-Maskenstudie mit schwerwiegenden Mängeln

Swiss Policy Research, 9.9.2020:
Die von der WHO in Auftrag gegebene Metastudie über die Wirksamkeit von Gesichtsmasken, die imJuni 2020 in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, hat entscheidend dazu beigetragen, die globale Gesichtsmaskenpolitik während der Covid-19-Pandemie zu verändern. Die Metastudie, die eine Risikoreduzierung von 80% mit Gesichtsmasken behauptete, weist jedoch auf mehreren Ebenen ernsthafte Mängel auf und sollte zurückgezogen werden. …“
Mehr dazu hier:
„… Die Autoren der Lancet-Metastudie räumen ein, dass die Gewissheit der Evidenz bezüglich Gesichtsmasken «gering» ist, da es sich bei allen Studien um Beobachtungsstudien und bei keiner um eine randomisierte kontrollierte Studie handelt. Die WHO selbst räumte ein, dass ihre aktualisierten Richtlinien zur Gesichtsmaskenpolitik nicht auf neuen Erkenntnissen, sondern auf «politischer Lobbyarbeit» beruhten.
Angesichts dieser Mängel bezeichnete der Epidemiologie-Professor Peter Jueni von der Universität Toronto die WHO-Studie als «methodisch fehlerhaft« und «im Wesentlichen nutzlos».

• Nur jeder dritte Deutsche hat Angst vor einer Corona-Infektion – mehr Angst vor US-Präsident Trump

Umfrage „Die Ängste der Deutschen“, vorgestellt am 10.9.2020:
„Die Deutschen reagieren auf die Pandemie keineswegs panisch. Das verdeutlicht der Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Ängste“, sagt Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters, anlässlich der Pressekonferenz in Wiesbaden. „Viele Sorgen gehen zurück. Deshalb sinkt der Index aller Ängste von 39 auf 37 Prozent und erreicht damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 1992.“
Zum 29. Mal hat das Infocenter der R+V Versicherung rund 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt. Erstaunlich gering ist in diesem von Corona dominierten Jahr die Angst vor einer schweren Erkrankung. Sie liegt bei 32 Prozent (Vorjahr: 35 Prozent). Aber gilt das auch für Covid-19? Das R+V-Infocenter hat nachgefragt. „Ebenfalls nur etwa jeder dritte Befragte fürchtet sich davor, dass er selbst oder die Menschen in seinem Umfeld sich mit dem Coronavirus infizieren könnten“, erklärt Römstedt. Die Gelassenheit zeigt sich auch bei einer weiteren Sonderfrage zu Corona: Nicht mehr als 42 Prozent der Befragten befürchten, dass es durch die Globalisierung in Zukunft häufiger zu Pandemien kommen könnte. „Angesichts der rasanten weltweiten Ausbreitung des Virus‘ hätten wir hier höhere Werte erwartet. Nach unseren Erkenntnissen haben die Menschen aber deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit“, sagt Römstedt.
Als größtes Problem stufen 53 Prozent der Deutschen die Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump ein – zum zweiten Mal nach 2018. …
Einen massiven Einfluss hat die Corona-Krise auf die wirtschaftlichen Ängste – und wirbelt damit auch die Rangliste durcheinander. Erstmals seit sechs Jahren ist die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten wieder unter den sieben größten Ängsten. Nach einem Anstieg um acht Prozentpunkte klettert sie von Platz zehn auf Platz zwei und liegt bei 51 Prozent. Andere Wirtschafts- und Finanzängste kommen hinzu. …
Ein erstaunlicher Befund der Umfrage: 40 Prozent der Deutschen befürchten, dass die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind – so wenige wie nie zuvor in diesem Jahrtausend. Damit fällt diese Sorge erstmals aus dem Ranking der Top Ten und landet auf Platz zwölf „Hier spiegelt sich die weit verbreitete Wertschätzung für das Corona-Krisenmanagement der Regierung. Offensichtlich ist die Mehrheit der Bevölkerung der Meinung, dass der Staat und seine Politiker die Krise hinreichend im Griff haben“, kommentiert Professor Dr. Manfred G. Schmidt, Politikwissenschaftler an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg."

• Krankenhäuser reduzieren Betten für Covid-Erkrankte

FAZ online am 19.9.2020:
„Die deutschen Krankenhäuser halten trotz steigender Infektionszahlen immer weniger Betten auf ihren Intensivstationen für Patienten frei, die schwer am neuartigen Coronavirus erkrankt sind. Die baden-württembergische Landesregierung hat in dieser Woche entschieden, dass künftig statt 35 Prozent nur noch zehn Prozent der Betten für diese Patienten reserviert werden sollen. Sie folgte damit der Entwicklung in anderen Bundesländern. In Berlin sind bereits seit Juni nur noch zehn Prozent der Betten für Covid-Patienten reserviert, Niedersachsen folgte Mitte Juli. …“ 

• US-Milliardäre in der Pandemie: Um 845 Milliarden US-Dollar reicher 

Telepolis-Bericht am 20.9.2020:
„Die Pandemie forderte in den USA knapp 200.000 Tote, mehrere Millionen Menschen verloren wegen der Maßnahmen ihren Arbeitsplatz. Gut geht es jedoch den Superreichen des Landes: In den letzten sechs Monaten stieg das Nettovermögen der reichsten 643 Amerikaner um 845 Milliarden Dollar. Das belegen die Zahlen des Milliardärs-Rankings von Forbes, die Americans for Tax Fairness (ATF) und das Institute for Policy Studies (IPS) in einem neuen Bericht analysiert haben. Das Gesamtnettovermögen der Milliardäre der USA stieg demnach von 2,95 Billionen Dollar auf 3,8 Billionen Dollar, ein Sprung von 29 % seit dem 18. März. …“ 

• Hunger, Armut, vernachlässigte Gesundheitsvorsorge: So schlimm sind die Kollateralschäden der Corona-Bekämpfung 

Handelsblatt-Bericht vom 17.9.2020:
„… Die Pandemie und die Lockdown-Maßnahmen haben 150 Millionen Kinder zusätzlich in die Armut gestürzt – das ist das Ergebnis eines am Donnerstag veröffentlichten Berichts des UN-Kinderhilfswerks Unicef und der Hilfsorganisation Save the Children.
Unicef-Chefin Henrietta Fore sagte: „Familien, die gerade dabei waren, der Armut zu entkommen, sind wieder hineingezogen worden, während andere mit nie gesehenen Entbehrungen umgehen müssen.“
Auch andere UN-Organisationen machen seit Monaten auf die Kollateralschäden der in der Pandemie ergriffenen Maßnahmen aufmerksam. Fachleute des Welternährungsprogramms WFP rechneten im Juli vor, dass als Folge der Coronakrise bis zu 130 Millionen Menschen in diesem Jahr zusätzlich von Hunger bedroht sein könnten. „Lebensgrundlagen werden in einem noch nie da gewesenen Ausmaß zerstört“, so WFP-Chef David Beasley. …“

• „ Infektionskrankheiten gehören so zum Leben wie der Tod“

Interessantes Interview mit dem Schweizer Infektiologen Pietro Vernazza:
"… Die Strategie des Bundes war initial klar, notwendig und gradlinig. Man wollte die Überlastung des Gesundheitssystems verhindern. Dazu musste man rasch handeln. Das ist gut gelungen. Doch jetzt sind wir in einer neuen strategischen Phase, deren Ziel nicht mehr so klar ist. Heute will man das Aufflackern einzelner Infektionen verhindern. Jeder einzelne Ausbruch soll identifiziert und durch Isolation und Quarantäne eingeschränkt werden, das sogenannte «Containment». Das ist ein hoch gestecktes Ziel und ich bin skeptisch, ob das funktioniert: Eine Infektionskrankheit, ähnlich wie die Grippe, bei der die Hälfte der Übertragungen erfolgt, bevor jemand Symptome hat, ist kaum durch Containment zu verhindern, es sei denn, wir halten für die nächsten zwei Jahre bis zur Impfung am Lockdown fest. …
Der aktuelle Schweizer Weg basiert auf der Hoffnung, dass es eine Impfung geben wird und dass sich die jungen Menschen impfen lassen. Da bin ich skeptisch. Bei den älteren Menschen, die am meisten gefährdet sind, dürfte die Impfung, wie bei der Grippe, wenig wirken. Das heisst, die älteren Menschen werden nur von der Impfung profitieren, wenn die jungen Menschen sich impfen lassen. Wie weit es dann mit der Solidarität sein wird, werden wir sehen. Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung mehr und mehr realisiert, dass wir uns längerfristig nicht ganz vor COVID-19 schützen können. …
Mit Infektionskrankheiten müssen wir respektvoll umgehen. Aber wir müssen akzeptieren, dass wir sie nie ganz verhindern können. Das wissen die Hausärzte aus ihrem Berufsalltag besser als wir Infektiologen."

Donnerstag, 6. Juni 2019

Kürzeres Leben und weniger Rente durch geringeres Lohneinkommen - Studie - GASTBEITRAG

Von Tilo Gräser

Als Binsenweisheit gilt: Wer mehr hat, bekommt mehr. Das gilt auch für den Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenserwartung sowie Rente, wie eine aktuelle Studie zeigt. Danach wächst infolge der Einkommensunterschiede die soziale Ungleichheit im Alter überproportional. Die Studie bestätigt ähnliche Untersuchungen und verweist auf Alternativen. 

Höheres Einkommen sorgt für längeres Leben – diese Erkenntnis bestätigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Doch danach lebt nicht nur länger, wer mehr verdient, sondern bekommt auch überproportional mehr Rente im Verhältnis zu den geleisteten Beiträgen. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Studie nimmt die Ungleichheit in den letzten Jahren zu. Die DIW-Forscher sprechen sich dafür aus, die Rentenansprüche von Geringverdienern aufzuwerten. 


„Wer in seinem Leben ein niedriges Erwerbseinkommen erwirtschaftet hat, ist nicht nur einem erhöhten Altersarmutsrisiko ausgesetzt, sondern lebt auch noch kürzer als Besserverdienende“, gab das DIW die Studienergebnisse wieder. Menschen aus den unteren Lohngruppen würden überproportional weniger Rentenzahlungen im Verhältnis zu den eingezahlten Beiträgen erhalten. „Und der Abstand bei den Lebenserwartungen zu den Besserverdienenden nimmt auch noch zu.“


Abstand wächst

Die DIW-Forscher Peter Haan, Daniel Kemptner und Holger Lüthen haben für die Studie Daten der Deutschen Rentenversicherung ausgewertet, wie das Institut mitteilt. Die Lebenserwartung der Geburtsjahrgänge zwischen 1926 und 1949, also der heutigen Rentenbezieher, im Verhältnis zum Lebenslohneinkommen seien untersucht worden. Allerdings haben sie sich den Angaben nach nur auf die Angaben westdeutsche Männer konzentriert, die am ehesten durchgängige Erwerbsbiographien aufweisen.

„Es zeigt sich nicht nur, dass die Lebenserwartung mit höheren Lebenslohneinkommen steigt. Auffällig ist auch, dass der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen dem obersten und dem untersten Lebenslohndezil [Dezil bedeutet ein Zehntel in einer Tabelle – Anm. d. Red.] im Zeitverlauf zunimmt. Lag er für die ältesten Geburtsjahrgänge noch bei vier Jahren, erhöht er sich für die Jahrgänge 1947 bis 1949 auf sieben Jahre.“

Die Forscher rechnen damit, dass sich diese Entwicklung künftig auch bei Frauen zeigen wird. „Bei der Lebenserwartung ab Geburt beträgt die Differenz zwischen der niedrigsten und höchsten Einkommensgruppe für Frauen 4,4 Jahre und für Männer 8,6 Jahre“, stellte das Robert-Koch-Institut im März dieses Jahres in einer ähnlichen Untersuchung für die gesamte Bundesrepublik fest.

Schock im Osten

Die größeren Einbrüche nach der Wiedervereinigung seien in Ostdeutschland zu finden, hatte das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock im April dieses Jahres mitgeteilt. Im Osten habe sich die sozioökonomische Zusammensetzung der Bevölkerung im Rentenalter stark verändert: „Der Anteil jener Männer, die in die unterste Einkommensgruppe fallen, hat sich von 2005 bis 2016 beinahe verdoppelt.“

Einer der Rostocker Forscher stellte fest: „Die 65-jährigen Männer im Osten verlieren über die Zeit durchschnittlich ein potentielles Lebensjahr, das sie hinzugewonnen hätten, wenn die sozioökonomische Struktur der Bevölkerung gleich geblieben wäre.“ Das Zurückfallen der unteren Einkommensgruppe im Osten könne „weitgehend als ‚Schock der Wiedervereinigung‘ interpretiert werden“. Auch wenn sich die sozioökonomische Situation erst relativ spät im Leben verschlechtert, könne das also einen erheblichen Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Die DIW-Forscher stellten dazu am Mittwoch fest: „Menschen mit niedrigem Lebenslohneinkommen beziehen also nicht nur weniger, sondern auch kürzer Rente, was dem Äquivalenzprinzip der Gesetzlichen Rentenversicherung widerspricht. Und diese Ungleichheit steigt.“ Die Idee dieses Prinzips sei eigentlich, dass jeder relativ zu seinen eingezahlten Beiträgen gleich viel aus der Rentenversicherung ausbezahlt bekommt. Allerdings wird dabei laut DIW angenommen, dass die Lebenserwartung innerhalb eines Jahrgangs gleich ist und sich nicht nach Einkommen unterscheidet. 


Grundrente könnte helfen

Die realen Fakten widersprechen der Studie zufolge dem Prinzip: Die Arbeitnehmer erhalten danach relativ zu ihren geleisteten Beiträgen umso mehr Rentenzahlungen, je höher ihr Lebenseinkommen war. „Dies hat insofern eine Verteilungswirkung, als die Lebenseinkommen nun insgesamt, einschließlich des Renteneinkommens, ungleicher werden“, so Studienautor Daniel Kemptner.

„Diese Ergebnisse machen deutlich, dass das Äquivalenzprinzip in der GRV nicht gilt und nicht als Argument gegen eine Aufwertung von geringen Rentenansprüchen überzeugt“, stellen die DIW-Forscher fest. Sie sprechen sich dafür aus, die Rentenansprüche von Geringverdienern aufzuwerten, um Altersarmut zu verhindern. Dazu könne auch die gegenwärtig diskutierte Grundrente beitragen, meinen sie.

Grundsätzlich könne mit der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) nicht allein Armut verhindert werden. Dabei handele es sich um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, so das DIW. Die Löhne in Deutschland müssen kräftig steigen, forderten kürzlich die Ökonomen Hartmut Elsenhans und Hannes Warnecke-Berger. Damit kann aus ihrer Sicht auch die zunehmende soziale Ungleichheit bekämpft werden. 

zuerst erschienen bei Sputniknews.com