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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
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Mittwoch, 29. April 2015

Schöne neue Arbeitswelt – und wo bleiben wir?

„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ - so das Motto des DGB zum 1. Mai. Mitglieder eines Sozialverbandes haben ihre eigenen Gedanken dazu

Wie schon im letzten Jahr hat sich die kleine westdeutsche Gruppe in Ratingen des großen ostdeutschen Sozialverbandes Volkssolidarität Gedanken zum 1. Mai und zum Motto des DGB dazu gemacht und einen eigenen Aufruf verfasst. Weil ich den Text auch dieses Mal gut und bedenkenswert finde, gebe ich ihn hier mit Einverständnis der Autorin wieder:

Schöne neue Arbeitswelt – und wo bleiben wir?
„Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“ Dieses Motto unterstützen wir natürlich. Arbeit muss menschlich sein. Der Mensch ist auch hier das Maß. Das gilt für die Arbeitsbedingungen. Es gilt für die Frage, wofür wir arbeiten. Und dazu gehört auch, dass Arbeit sich lohnen muss. Es geht nicht um Arbeit um jeden Preis, egal wie niedrig dieser ist. Das sind keine Geschenke, um die wir bitten. Das sind berechtigte Ansprüche, die uns zustehen. Denn auch Arbeit fällt unter den Geltungsbereich des Grundgesetzes. In dessen Artikel 1 steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir arbeiten, um zu leben – in Würde und selbstbestimmt.
Die Wirklichkeit sieht meist anders aus. Die Gegenwart der Arbeit heißt mehr Ausbeutung. Der Druck auf jene, die noch Arbeit haben, wächst. Die immer noch hohe Arbeitslosenzahl wird gezielt als Drohung eingesetzt. Lohn- und Gehaltszuwächse entsprechen meist nicht den gestiegenen Anforderungen. Aber mehr Stress und schlechtere Arbeitsbedingungen lassen sich nicht mit mehr Geld aufwiegen. Zu viele arbeiten in mehr als einem Job. Nicht weil sie nichts Besseres mit ihrer Lebenszeit anzufangen wissen. Sie verdienen mit einem Job zu wenig, um ihre und die Existenz ihrer Familie abzusichern. Und zu viele bekommen keine Chance, mit Arbeit ihr Leben zu sichern. Nicht vergessen werden darf: Der Lohn der Arbeit soll auch einen würdevollen und selbstbestimmten Lebensabend sichern helfen.
Derzeit wird von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft viel über „Arbeit 4.0“ geredet. Nein, es geht nicht um menschlichere Arbeit. Sie soll effizienter, intelligenter und flexibler werden – für mehr Profit. Die Unternehmen versprechen sich so bessere Chancen in der globalen Konkurrenz. Der Mensch soll sich dabei noch besser noch ausgefeilteren Technologien anpassen. Gleichzeitig wird erwartet, dass er immer wieder neu lernt. Hohe Flexibilität, Motivation, Fortbildung und mehr Eigenverantwortung werden von jenen erwartet, die arbeiten dürfen. Damit wird wachsende Selbstausbeutung schöngeredet. Doch wie sieht es mit dem Lohn für immer mehr Arbeit mit Hilfe der Technologie aus? Diese Antwort bleiben die Propagandisten von „Arbeit 4.0“ schuldig. Es geht ja auch um mehr Profit, nicht um mehr Lohn.
Wie können wir die Arbeit der Zukunft mindestens mitgestalten? Vergessen wir nicht: Hohe Arbeitslosenzahlen sind ein Mittel der Erpressung. Das gilt auch für jede Technologie, die den Menschen ersetzt. Sie werden gegen alle eingesetzt, die nur ihre Arbeitskraft einsetzen können. Die sich gegen unmenschliche Arbeit wehren, indem sie sich dieser verweigern. Das macht es schwierig.
Einen Vorschlag hätten wir schon: Mehr und mehr Lebensbereiche dem Markt- und Profitmechanismus zu entziehen. Da könnte auch die Technologie helfen: In dem sie den Menschen von Arbeit befreit, die ihn selbst zur Maschine werden lässt. Die technische Entwicklung kann helfen, den Menschen von notwendiger Arbeit zu entlasten, ohne das weniger produziert wird. So kann die Arbeit der Zukunft menschlicher werden – von uns mitgestaltet. Vergessen wir aber am 1. Mai nicht: Das wird uns nicht geschenkt, das müssen wir erstreiten und erkämpfen!

Gabi Evers

Mittwoch, 30. April 2014

Sozial is' Muss!

Noch immer ist der 1. Mai ein Feiertag. An das Kämpfen für soziale Rechte denken dabei anscheinend nur noch wenige. Doch es gibt sie noch, diese Wenigen.
 
Was ich als Kind in der DDR als "Internationalen Kampf- und Feiertag der Werktätigen" kennenlernte und erlebte, war damals mehr ein Pflichtdemonstrations- und Feiertag. In der vergrößerten Bundesrepublik ist er immer noch als "Tag der Arbeit" ein Feiertag. Das nutzen viele zum Feiern, manche zum Demonstrieren und andere auch zum Randalieren, die nächsten rufen gar jedes Jahr an diesem Datum die "Revolution" aus.

Der Kampf für die sozialen Rechte der Menschen spielt anscheinend die geringste Rolle, wie selbst der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigt. Ihm geht es in seinem Aufruf zum 1. Mai gar nur um "die Würde und Rechte der arbeitenden Menschen". Wer nicht arbeitet, für den interessiert sich der DGB nicht? Das wäre nur mit Blick auf die Geschichte dieses Tages erklärbar: Im Jahr 1886 streikten in Chicago Arbeiter. Sie forderten, dass der Acht-Stunden-Tag eingeführt wird. Eine gewalttätige Polizeiaktion beendete den Streik. 17 Menschen getötet und über 100 verletzt. Die vermeintlichen Rädelsführer wurden vor Gericht gestellt. Vier von ihnen wurden hingerichtet.

Aber die Geschichte ist bekanntermaßen weitergegangen und immer noch ist Arbeit ein bestimmender Teil des Lebens, das aber für immer weniger Menschen. Kämpferisch klingt der DGB-Aufruf "Gute Arbeit. Soziales Europa." kaum. Da haben sich angeblich "Politik und Gesellschaft endlich auf den Weg zu einer Neuen Ordnung der Arbeit" gemacht. Da wird an die Betriebsrats- und die Europawahlen erinnert und eine Investitionsoffensive für Europa gefordert. Die soll dann neue Arbeitsplätze bringen. Das kling alles ziemlich weichgespült und angepasst.

Es geht auch klarer und deutlicher, ohne gleich zur "Revolution" aufzurufen. Das zeigt ein Aufruf zum 1. Mai, auf den mich ein Freund aufmerksam gemacht hat. Der Aufruf stammt von einer kleinen Gruppe des Sozialverbandes Volkssolidarität in Ratingen (Nordrhein-Westfalen). Diese, Teil eines vorrangig ostdeutschen Verbandes, haben ihr Statement auf der Verbandshomepage veröffentlicht. In dem Aufruf erinnern sie daran, dass die sozialen Rechte kein gnädiges "Geschenk" der Herschenden sind, sondern "erstritten, erkämpft und verteidigt" wurden und werden müssen. Weil ich ihn so klar und deutlich finde, auch im Vergleich zum DGB-Aufruf, zitier ich ihn hier vollständig und schließe mich ihm einfach mal an:

Ein soziales Europa für alle - mit guten Löhnen für gute Arbeit

"Gute Arbeit. Soziales Europa" - so lautet das diesjährige Motto des DGB zum 1. Mai. Dem kann nur zugestimmt werden. Allerdings fehlt etwas: Gute Löhne. Nur mit diesen kann von "guter Arbeit" gesprochen werden. Das kann es nur zusammen geben. Nicht nur, weil von Arbeit allein niemand satt wird. Gute Arbeit sorgt für gute Ergebnisse. Das bedeutet für die Unternehmen gute Gewinne. Davon müssen ebenso jene etwas haben, die diese erwirtschaften.
Deshalb unterstützt die Volkssolidarität den Mindestlohn. Der muss ohne Ausnahmen gelten. Davon dürfen Langzeitarbeitslose nicht ausgeschlossen werden. Solche Ausnahmen nehmen nur Rücksicht auf die Unternehmen. Diese Gerechtigkeitslücke muss geschlossen werden. Das gilt auch für bestehende Unterschiede beim Mindestlohn in Ost und West. Er reicht aber nicht aus, um Altersarmut zu vermeiden. Mit 8,50 Euro bekommt niemand eine Rente, die vor Armut schützt. Auch deshalb muss gute Arbeit gut entlohnt werden. 
Zu guter Arbeit gehören gute Arbeitsbedingungen. Daran darf nicht gespart werden. Sonst wird Arbeit schnell belastend. Zu viele Menschen müssen aus gesundheitlichen Gründen aufhören zu arbeiten. Wichtigster Grund dafür sind die Arbeitsbedingungen. Das gilt für verschiedene Berufsgruppen. Es trifft nicht nur die, die schwer körperlich arbeiten.
Gute Arbeit und gute Löhne dürfen nicht auf die Bundesrepublik beschränkt bleiben. Sie muss es überall in Europa geben. Nur so wird Europa auch sozial. Nur dann haben Menschen etwas davon, egal wo sie leben. Es kann nicht sein, dass gute Arbeit und gute Löhne so ungleich verteilt sind. Diese gehören zu einem lebenswerten Dasein, egal an welchem Ort innerhalb der EU. Menschen müssen Perspektiven haben, da wo sie leben. 
Europa muss mehr sein als ein Europa, das der Wirtschaft dient. Es muss an den sozialen Interessen seiner Bürger ausgerichtet sein. Nur dann werden sie es akzeptieren. So wird auch jenen rechten Rattenfängern der Boden entzogen, die mit der Angst vor Europa auf Stimmenfang gehen. Ein soziales Europa heißt aber ebenso, offen zu bleiben für andere. Jenen, die vor Armut, Krieg und Terror fliehen, dürfen die Tore nicht verschlossen bleiben. Will Europa sozial sein, muss es Solidarität leben. Es muss dafür auch andere Länder unterstützen, statt sie auszunutzen.
Gute Arbeit, gute Löhne und ein soziales Europa wird es nicht als Geschenk geben. Sie müssen erstritten, erkämpft und verteidigt werden. Daran muss immer wieder am 1. Mai erinnert werden.

Gabi Evers

Dienstag, 11. September 2012

Immer mehr arbeiten für immer weniger

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist der Anteil derjenigen, die für wenig Geld arbeiten müssen, gestiegen. Das ist ein Beleg für das, was läuft: Klassenkampf.
Aus der nüchternen Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 10. September 2012: "Im Jahr 2010 arbeiteten 20,6 % aller Beschäftigten in Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten für einen Niedriglohn. Im Jahr 2006 lag der Anteil der Beschäftigten mit Niedriglohn noch bei 18,7 %. „Mit dieser Steigerung setzte sich ein längerfristiger Trend fort“, sagte Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes, heute anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin, auf der er Ergebnisse der Erhebung der Struktur der Arbeitsverdienste 2010 vorstellte. ...
Die meisten Beschäftigten, die 2010 einen Niedriglohn erhielten, waren atypisch beschäftigt. Zur atypischen Beschäftigung, teilweise auch als flexible Beschäftigungsformen bezeichnet, werden vier Erwerbsformen gezählt: Teilzeitbeschäftigung mit bis zu 20 Wochenarbeitsstunden, befristete Beschäftigung, Zeitarbeit und Mini-Jobs. Fast jeder zweite (49,8 %) atypisch Beschäftigte erhielt 2010 einen Verdienst unter der Niedriglohngrenze. Einen besonders hohen Niedriglohnanteil wiesen die geringfügig Beschäftigten mit 84,3 % auf. Bei Beschäftigten in Normalarbeitsverhältnissen lag der Anteil hingegen bei 10,8 %. Als Normalarbeitsverhältnis gilt eine unbefristete Beschäftigung mit über 20 Wochenarbeitsstunden, die nicht als geringfügige Beschäftigung und nicht als Zeitarbeit ausgeübt wird. ..."
Mehr zum Nachlesen gibt es hier. Zuvor hatte schon der DGB auf die Situation aufmerksam gemacht und laut Berliner Zeitung festgestellt: "Zwei von fünf der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Vollzeitjob verdienten heute weniger als 2500 Euro brutto im Monat ... Den höchsten Anteil an schlecht bezahlten Vollzeitjobs haben dem DGB zufolge die ostdeutschen Länder. An der Spitze liegt hier Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Sachsen und Thüringen und Sachsen-Anhalt. ..."
Es sind weitere Belege für den Umbau der bundesdeutschen Gesellschaft, der seit 1989 läuft, für die fortgesetzte Umverteilung von unten nach oben. Demnächst wird das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung das mit dem neuen Verteilungsbericht bestätigen. In der Ausgabe von 2011 hieß es: "Der Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkommen am Volkseinkommen ist im ersten Halbjahr 2011 wieder deutlich gestiegen, die Lohnquote ging zurück. Damit setzt sich die langjährige einseitige Verteilungsentwicklung in Deutschland fort ..." Der langfristige Trend bleibe ungebrochen, betonte WSI-Chef Claus Schäfer. "'Die Lohneinkommen verlieren an Gewicht gegenüber den Gewinn- und Kapitaleinkommen, die überwiegend einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe zufließen.' Die Nettogewinnquote stieg im ersten Halbjahr 2011 auf 33 Prozent und ist damit fast wieder auf dem historischen Höchststand von 33,6 Prozent vor der Finanzkrise 2008."
Der Umbau der Gesellschaft und der Abbau des Sozialstaates wurde aber nicht erst 1989 mit dem Mauerfall begonnen, sondern schon vorher in Angriff genommen. Darauf haben die NachDenkSeiten (NDS) am 10. September 2012 hingewisen, indem sie an das "Lambsdorff-Papier" vom 9. September 1982 erinnerten. Die darin beschriebene Linie wird seitdem fortgesetzt und auch fortgeschrieben. Der Mauerfall 1989 wirkte und wirkt nur wie ein Katalysator. Er hat der Abrißbrigade neuen Auftrieb gegeben und die Gegenkräfte geschwächt. Das Letzteres gezielt und schon vor 1989 geschehen ist, darauf haben auch die NDS hingewisen, mit einem Beitrag vom 3. Mai 2011. Darin wird der ehemalige britische Notenbanker Sir Alan Budd mit seinen Erinnerungen an die Regierungszeit von Margaret Thatcher zitiert: "... die Erhöhung der Arbeitslosigkeit war mehr als wünschenswert, um die Arbeiterklasse insgesamt zu schwächen. […] Hier wurde – in marxistischer Terminologie ausgedrückt – eine Krise des Kapitalismus herbeigeführt, die die industrielle Reservearmee wiederherstellte, und die es den Kapitalisten fortan erlaubte, hohe Profite zu realisieren.“
Es sind nüchterne Fakten, die das belegen, was einer der bekannten reichsten Menschen ganz offen zugibt: "Actually, there’s been class warfare going on for the last 20 years, and my class has won." Warren Buffett hat das vor knapp einem Jahr gegenüber CNN gesagt (siehe auch hier). Und das war nicht das erste Mal, dass er vom Klassenkampf sprach, was sich nicht mal Linkspartei-Vertreter so offen trauen: "It's class warfare, my class is winning, but they shouldn't be." (CNN, 19. Juni 2005) Damals sagte Buffett noch, seine Klasse sollte nicht gewinnen. Sechs Jahre später stellte er nur noch fest, dass sie gewonnen hat.
Gibt es wirklich keine Alternativen mehr?

aktualisiert: 17.21 Uhr

Mittwoch, 4. Januar 2012

Fundstück 2 zur Wirtschaftskrise

„Der Wachstumsbeitrag … des privaten Verbrauchs lag zwischen 1996 und 2001 in den USA bei 2,9, in Großbritannien bei 2,6 und in Frankreich noch bei 1,1 Prozent. In Deutschland betrug er nur 0,9 Prozent, was nur noch von Japan mit 0,5 unterboten wurde.
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte stieg zwischen 1996 und 2000 in den USA jährlich um 3,4 Prozent, in Großbritannien um 2,8 Prozent, in Frankreich um 2,1 Prozent und in Deutschland um 1,3 Prozent. Auch hier war nur Japan schlechter mit 0,7 Prozent. …
Gerade in dem betrachteten Zeitraum, …, sind in Deutschland und Japan die Löhne pro Kopf langsamer gestiegen als in den anderen Ländern, gleichzeitig hat aber auch die Beschäftigung weniger zugenommen. ...
In den 60er Jahren durften die Löhne hierzulande noch mit 8 bis 10 Prozent jährlich steigen, ohne dass die Welt unterging. In den 80er Jahren waren es immerhin noch gut 4 bis 5 Prozent, und das galt genau bis 1996 auch weiter für Westdeutschland. Ab dann einigte man sich im Bündnis für Arbeit darauf, den Gürtel gründlich enger zu schnallen, und halbierte die nominalen Lohnzuwächse. Die Folge war, dass an zusätzlicher Kaufkraft praktisch nichts mehr übrig blieb. Bei stagnierenden Reallöhnen stagnierte aber auch der inländische Absatz der Unternehmen, die daraufhin auch keine Leute einstellten.“
Heiner Flassbeck, Heiner: „50 einfache Dinge, die Sie über unsere Wirtschaft wissen sollten“, München, 2008, S. 20f.