Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
Posts mit dem Label Journalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Journalismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Ein Abschied: Eckart Spoo verstorben

Der Journalist Eckart Spoo ist am 15. Dezember kurz vor seinem 80. Geburtstag verstorben. Zur Erinnerung an ihn hier die Pressemitteilung der Zeitschrift Ossietzky

"Der Journalist und Publizist Eckart Spoo ist am Donnerstag, dem 15. Dezember, in Berlin gestorben, vier Tage vor seinem 80. Geburtstag. Als Kind erlebte er Krieg und Faschismus in seiner Geburtsstadt Mönchengladbach und im Fluchtort Harz; dies hat sein ganzes Leben geprägt. Mehr als drei Jahrzehnte schrieb er als Korrespondent der Frankfurter Rundschau Zeitungsgeschichte. Er galt als unbequemer Fragesteller in Pressekonferenzen und deckte manchen Skandal auf. Von 1970 bis 1986 war er Vorsitzender der Deutschen Journalisten-Union (dju).
Pressefreiheit, auch die „innere Pressefreiheit“ in den Redaktionen und die damit erforderliche Abschaffung des Tendenzparagraphen waren Forderungen, die den Journalisten Spoo bis zu seinem Tode umtrieben. Die voranschreitende Monopolisierung der Zeitungsverlage und die damit einhergehende Vereinheitlichung und Verflachung der Zeitungslandschaft prangerte er an.
Spoo sah die Pressefreiheit vom Grundrecht für alle zum Privileg einiger weniger Pressekonzerne verkommen, deren Eigentümer ihre Aufgaben darin sehen, den Kapitalismus und die von ihm geschaffenen gesellschaftlichen Verhältnisse zu rühmen und vor Kritik zu schützen – auch durch Verschweigen von Tatsachen, Verleugnen von Wahrheiten – und aus diesem Missbrauch der Pressefreiheit möglichst viel Profit zu ziehen. Spoo hielt publizistische Monopole für verfassungswidrig.
In der Konsequenz gründete er 1997 zusammen mit weiteren Publizisten eine eigene Zeitschrift: Ossietzky. Die Zweiwochenschrift für Politik, Kultur und Wirtschaft steht in der antimilitaristischen und antifaschistischen Tradition der Weltbühne. Spoos Anspruch als langjähriger Ossietzky-Chefredakteur: jedes Heft voller Widerspruch gegen angstmachende und verdummende Propaganda, gegen Sprachregelungen, gegen das Plattmachen der öffentlichen Meinung durch die Medienkonzerne, gegen das vermeintliche Recht des Stärkeren und gegen die Gewöhnung an den Krieg. Zu diesen Themen veröffentlichte er auch eine Vielzahl aufklärerischer Bücher. Verlag und Redaktion Ossietzky werden Spoos Vermächtnis fortführen."

Ich kannte Eckart Spoo persönlich, habe ihn schätzen gelernt und werde ihn vermissen. Journalisten wie ihn braucht dieses Land und diese Gesellschaft gerade in diesen Zeiten.

Das Online-Archiv der Zweiwochenschrift Ossietzky finden Sie unter:
http://www.ossietzky.net/archiv

Dienstag, 17. Mai 2016

Erinnerung an ein komisches Gefühl

"Panama-Papers" Ach wie groß war die Aufregung um die "Panama-Papers". Wer an dieser angeblichen Enthüllung zweifelt, der bekam jetzt neues Futter

Am 4. April hatte ich von meinem komischen Gefühl angesichts der groß aufgezogenen angeblich Enthüllung der "Panama-Papers" geschrieben. Zu meinen Zweifeln daran gehörte auch Folgendes: "Seit gestern abend frage ich mich, warum bisher keine US-Politiker, auch keine aus der Bundesrepublik und der EU bei den Mandanten der Steuerflucht-Kanzlei in Panama-City genannt wurden. Gibt es solche nicht, weil gerade US-Politiker, die in einem engverzahnten korrupten System aus Wirtschaft, Finanzen und Politik existieren und agieren, solche ominösen Tricksereien gar nicht nötig haben?"

Nun musste ich doch Folgendes in der aktuellen Frankfurter Allgemeinen Woche (vom 13. Mai) dazu lesen, unter der Überschrift "Die größte Steueroase ist Amerika": "... Nun zeigt sich: Die größte Steueroase der Welt sind nicht Panama oder die Cayman Island, sindern die Vereinigten Staaten. ..." Der kurze Beitrag verweist auf einen längeren im Mutterblatt FAZ, online veröffentlicht am 11. Mai unter fast der gleichen Überschrift und mit dem Vorspann: "Land der unbegrenzten Steuerersparnisse: Die Vereinigten Staaten verweigern sich wichtigen Reforminitiativen. Sie machen ihre Briefkastenfirmen nicht transparent und wollen keinen Datenaustausch." Die beiden Autoren verweisen dabei auf eine Untersuchung im Auftrag der Grünen-Fraktion im Europaparlament. "Die aktuelle Untersuchung, für die der argentinische Anwalt Andres Knobel von der Nichtregierungsorganisation Tax Justice Network verantwortlich zeichnet, hält den Vereinigten Staaten vor, zwei internationale Initiativen zur Bekämpfung von Geldwäsche, Korruption und Steuerhinterziehung zu blockieren: zum einen die Identifizierung und Nennung der wahren wirtschaftlichen Nutznießer von (Briefkasten-)Unternehmen und zum anderen den automatischen Bank-Datenaustausch zwischen den Finanzämtern der Welt."

Ich habe an dem Beitrag vor allem die Überschrift zu kritisieren, denn die wiederholt die alte überhebliche Sicht USA = Amerika, obwohl der Kontinent mehr ist als die Vereinigten Staaten auf ihm. Ach ja, und was war nochmal mit Putin und den "Panama-Papers"? Obwohl er nicht darin auftaucht, sollten die angeblich beweisen, wie er Gelder verschiebt. Aber an dem Punkt endet dieser Text und empfehle ich nur die Lektüre der Beiträge, bevor wir nach kurzem Aufschauen gemütlich weitergrasen ...Herr Leyendecker, übernehmen Sie ...

Nachtrag vom 20.5.16 (16:01 Uhr): Auch wenn es anscheinend niemand weiter interessiert, bis zur nächsten "Enthüllung": "Amerika betreibt mit dem Informationsaustausch Fatca eine Radar-Anlage, um Finanzflüsse weltweit zu überwachen, bietet im eigenen Land aber beste Tarnmöglichkeiten. Die US-Steuerbehörde könnte, je nach Wahlausgang, bald weitere Raubzüge ins Ausland unternehmen.
«Die begehrtesten neuen Steueroasen liegen in den USA». So ungefähr lautet der Titel einer ­Publikation, mit dem die amerikanische ­Finanzinformationsfirma Bloomberg kürzlich schlagartig die Aufmerksamkeit des breiten Publikums in Wirtschaft und Politik erlangt hat.
Die Botschaft ist im Kern zwar nicht neu, aber sie wurde quasi neu aufgeladen. ..." (Weltwoche, 2.3.16)

Montag, 4. April 2016

"Panama-Papers": Ein komisches Gefühl

Ein internationaler Recherche-Verbund samt der Süddeutschen Zeitung hat angeblich ein Steuerschlupfloch-Netzwerk großen Ausmaßes aufgedeckt. Es bleibt Grund für Zweifel

Seit gestern abend die Eilmeldungen der Süddeutschen Zeitung über die angeblichen "Panama-Papers" nacheinander veröffentlicht wurden, staune ich und wunder mich zugleich. Ich staune über das, was da aufgedeckt worden sein soll dank eines Informanten in einer ominösen Kanzlei in Panama. Und ich wundere mich über einige der veröffentlichten Fakten. Diese weckten meine Zweifel, die mich seit gestern abend beschäftigen. Ich habe meine Verwunderung und Zweifel über die Veröffentlichung bis vorhin nicht aufgeschrieben, auch weil mir die Zeit zur Recherche und zum Aufschreiben fehlte.

Doch da werde ich auf einen entsprechenden Beitrag des Rechtsanwaltes Markus Kompa auf Telepolis vom heutigen 4. April zum Thema aufmerksam gemacht. Dort werden genau die Zweifel und Fragen zu den "Panama-Papers" benannt, die mich auch bewegen, deshalb sei daraus zitiert: "... Doch bereits wenige Stunden nach den ersten Veröffentlichungen witterten Kritiker eine selektive Darstellung. So fiel manchen auf, dass MossFon kaum nennenswerte Kunden aus den USA haben soll. Dem gegenüber treffen die Enthüllungen der ersten Berichtswelle vor allem Personen aus Simbabwe, Nordkorea, Russland und Syrien - Länder, die das US-Außenministerium auf dem Kieker hat. Das macht die Vergehen zwar nicht besser, wirft aber Fragen zur Neutralität der "vierten Gewalt" auf.
Craig Murray, als ehemaliger britischer Botschafter mit diplomatischen Verlogenheiten gut vertraut, weist auf die Versicherung des Guardian hin, es werde viel Material vertraulich bleiben. Das Vertrauen mancher Whistleblower im Dunstkreis von WikiLeaks zum Guardian gilt schon länger als gestört. Craig verweist vor allem auf die Finanzierung der vernetzten Rechercheure von ICIJ durch das USA's Center for Public Integrity. Dort finden sich noble Spender wie Ford Foundation, Carnegie Endowment, Rockefeller Family Fund, W K Kellogg Foundation und Open Society Foundation (George Soros).

In der Tat wird man fragen müssen, wie unabhängige Journalisten etwa von solch mächtigen Lobbyisten schamlos Geld nehmen können. Doch die Frage ist eher akademisch, denn vor allem in den USA gehören nahezu alle großen Medienhäuser direkt zu Industriekonsortien. ..."

Meine Zweifel haben auch etwas mit der Rolle der Chefrechercheurs der Süddeutschen Zeitung, Hans Leyendecker, zu tun. Der ist bei dem Münchner Blatt auch der führende Kopf beim "Panama-Papers"-Projekt. Leyendeckers Rolle als investigativer Journalist steht für mich in Frage, seitdem er Zweifler und Fragende im Zusammenhang mit den Ereignissen des 11. Septembers 2001 ("Nineeleven") als "Verschwörungstheoretiker" und ähnliches beschimpfte und die offizielle US-Version bzw. -Verschwörungstheorie des Geschehens vertrat und verteidigte.

Seit gestern abend frage ich mich, warum bisher keine US-Politiker, auch keine aus der Bundesrepublik und der EU bei den Mandanten der Steuerflucht-Kanzlei in Panama-City genannt wurden. Gibt es solche nicht, weil gerade US-Politiker, die in einem engverzahnten korrupten System aus Wirtschaft, Finanzen und Politik existieren und agieren, solche ominösen Tricksereien gar nicht nötig haben? Oder wurde ihre Namen und die ihrer europäischen Kollegen in dem Datenberg noch nicht gefunden? Auf die eigenartige US-Rolle bei den Informationen weist ja Kompa hin. Mir ist da noch aufgefallen, dass der Vater des deutschen Partners der Kanzlei in Panama angeblich ein SS-Offizier war. Die waren den USA seit 1945 in vielem nützlich. Und so hat sich diese Person angeblich auch der CIA angeboten. Das muss alles nichts zu bedeuten haben, es kann alles nur Zufall sein. Doch zumindest bleibt Anlass zur Frage, der da wen finanziert hat aus welchem Interesse heraus.

Antworten habe ich keine. Ich habe natürlich auch keinen Zugang zu den zugrundeliegenden Informationen. Ich habe nur weiterhin Zweifel, auch weil, wie es bei Telepolis heißt, Medien längst Teil des politisch-wirtschaftlichen Systems sind, dessen eine Machenschaft nun mit großem Tamtam aufgedeckt wird. Und es bleibt die Frage, was sich an den Grundverhältnissen ändert, die zu solchen Erscheinungen führen, wenn diese aufgeklärt und wieder in Vergessenheit geraten sind.

Nachtrag: Inzwischen hat auf den Nachdenkseiten auch Jens Berger Zweifel an den angeblichen Enthüllungen geäußert und den Text von Graig Murray übersetzt. Bergers Überschrift: "Die Massenmedien beschützen die westlichen Eliten vor den Panama Papers". Und Murray schreibt: "... rechnen Sie mal lieber nicht mit einer schonungslosen Offenlegung des westlichen Kapitalismus. Die dreckigen Geheimnisse der westlichen Unternehmen werden auch weiterhin verschlossen bleiben. Erwarten Sie lieber Schüsse in Richtung Russland, Iran und Syrien und einige kleinere „Alibischüsse“ auf kleinere westliche Länder wir Island. Wahrscheinlich opfert man noch einen oder zwei greise britische Adlige – vorzugsweise welche, die bereits dement sind. Die Massenmedien – in Großbritannien der Guardian und die BBC – haben exklusiven Zugang zu den Datensätzen, die weder Sie noch ich sehen dürfen. Sie schützen sich sogar selbst davor, sensible Daten über westliche Konzerne zu erblicken, indem sie ausschließlich Datensätze untersuchen, die durch spezifische Suchfilter ausgewählt werden, wie die Verletzung von UN-Sanktionen. ..." Nicht so detailliert, aber ähnlich lauten meine Gedanken zum Thema seit gestern abend.

aktualisiert: 11:28 Uhr

Freitag, 4. März 2016

Diskussion zur Medienkrise: Ein bisschen Selbstkritik, aber wenig Tiefgang

Der jüngste "Mainzer Mediendisput in Berlin" bot wenig Neues, aber interessante Einblicke in die Sicht der Journalisten auf die Glaubwürdigkeitskrise der Medien

Dem Vorwurf der „Lügenpresse“ würde er widersprechen, aber es gebe „weiße Flecken“ in der Berichterstattung der Medien, auch der öffentlich-rechtlichen. Das gestand ein Journalist aus dem ARD-Hauptstadtstudio am 2. März beim „Mainzer Medien Disput in Berlin“ ein. Der Insider betonte, dass Weglassen „auch nicht besser“ sei, und nannte als eines der Beispiele dafür die „frevelhafte“ Berichterstattung über den jüngsten Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu in Berlin. Die sei so unkritisch wie schon lange nicht mehr gewesen, wie überhaupt das Thema Naher Osten und der Konflikt zwischen Israel und Palästina sehr unkritisch und einseitig dargestellt werde.

Das war noch einer der interessantesten Beiträge der Veranstaltung, der allerdings erst in der Diskussion aus dem Publikum heraus kam. Leider konnte ich den Namen des Journalisten nicht richtig verstehen, da der Saal so voll war und ich nur die Übertragung im Vorraum verfolgen konnte.

Eigentlich sollte es um das Thema „Wie kommt das Neue in den Journalismus?“ gehen. Aber Moderator Thomas Leif, einst investigativer Journalist, gab seinen sechs Gesprächspartnern viel Raum zur Selbstdarstellung. So wurde es erst in der zweiten Hälfte etwas spannend, als endlich danach gefragt wurde, was die im Podium sitzenden Journalisten und Medienvertreter denn zur Glaubwürdigkeitskrise der etablierten Medien sagen. Das eigentlich angekündigte Thema spielte an dem Abend fast keine Rolle. Spannend an den Antworten war aber eher, mitzuerleben, wie wenig da kam. Susanne Beyer, stellvertretende Chefredakteur des gedruckten Spiegel, sah „gute Zeiten für den Journalismus“. Aber die Journalisten müssten sich auch selbstkritisch fragen, ob sie noch den Kontakt zur Lebensrealität der meisten Menschen haben. Und sie sollten mehr davon erzählen, welche Mühe sie sich beim Nachrichtenmachen und Berichten geben.

Der neue Taz-Chefredakteur Georg Löwisch gab sich „ nicht depri“ und erinnerte daran, dass seine Zeitung die letzte Abo-Rettungskampagne vor 15 Jahren gestartet hatte. „Wir sind es gewohnt, zu missfallen, und stehen schon immer unter Druck von verschiedenen Gruppen.“ Die Taz wolle auch gar niemand gefallen, so Löwisch, der das Blatt unter seiner Regie tatsächlich als ein linkes bezeichnete.

Weniger optimistisch zeigte sich zumindest Medienkritiker Stefan Niggemeier vom Onlineportal www.uebermedien.de. Er beschrieb nicht nur die Gefahr, dass publizistische Ansprüche immer geringer würden. Diejenigen, welche die etablierten Medien als „Lügenpresse“ bezeichneten, seien zum einen jene, die schon lange diese nicht mehr nutzten. Die anderen Gruppe wären kritische Leser und Nutzer, die enttäuscht seien von den Medien und sich nicht gut genug informiert fühlen. Diese müssten „zurückgewonnen“ werden. Zugleich gebe es neben den Journalisten, die an dem, was sie tun, zweifeln, jene, die die aktuelle Kritik gerade als Begründung für das „Weiter so“ nähmen.

Er nehme den Vorwurf der „Lügenpresse“ und die Kritiker ernst, zählte sich Jörg Quoos, Chefredakteur der Berliner Zentralredaktion der Funke Medien Gruppe (ex-WAZ-Konzern) zur ersten Gruppe auf Seiten der Journalisten. Auch er unterschied zwischen der „Fundamentalopposition gegen die Vielfalt der Medien“ und den „emanzipierten Lesern“. Aber Quoos meinte: „Wir lügen nicht! Ich kenne keinen in den Medien, der bewusst lügt.“ Zwar gestand er ein, dass Journalisten ihre zum Teil oberlehrerhafte Art ablegen müssten. Um aber später für seine Redaktion klarzustellen: "Wir berichten, was ist“. Das sei der Fall, wenn in der Ukraine Russland sich ein Land einverleibe, genauso wie beim Tsunami. „Wir müssen gut sein und an der Qualität arbeiten“, fügte er hinzu. Er merkte nicht. dass er kurz zuvor mit dem Hinweis auf die Ukraine und Russland ein Beispiel für eines der grundlegenden Probleme bundesdeutscher Medien und Journalisten gab: Vorgefertigte Meinungen, die die Berichterstattung färben und auch zum Weglassen von Tatsachen und Zusammenhängen führen, auch zum Verdrehen derselben. Journalisten würden zunehmend Meinung mit Nachricht vermischen, wurde aus dem Publikum heraus kritisiert.

Das Misstrauen sei normal, hieß es später aus dem Publikum: „Leute, die ich nicht kenne, erzählen mir etwas über Ereignisse, bei den ich nicht dabei gewesen bin.“ Journalisten seien Boten, aber die Frage sei, welche Botschaften sie überbringen. Taz-Chefredakteur Löwisch setzt seinen Worten nach gegen die Glaubwürdigkeitskrise u.a. darauf, dass die Leser die Leidenschaft der geringer bezahlten Redakteure seines Blattes spürten. Spiegel-Vizechefredakteurin Beyer beklagte die zunehmend geringer werdenden Ressourcen und fehlende Mittel für Recherche bei vielen Medien. Ihr Magazin wolle sich aber weiter leisten, z.B. wie nach den Anschlägen in Paris im November 30 Redakteure vor Ort zu schicken. Medienkritiker Niggemeier beschrieb als Problem neben der Nähe von Eliten und Journalisten und dabei nicht eingehaltenen Grenzen den Herdentrieb bei Medien, der alle in eine Richtung führe, was aber oft vom Publikum belohnt und gewollt wäre. Die Berichterstattung zu Griechenland sei ein Beispiel dafür.

Ach ja, außer der Geschäftsführerin der ARD-Tochterfirma für Spielfilme Degeto, Christine Strobl, saß auch noch der Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Arlt neben Moderator Leif. Er meinte, dass der Journalismus in der Bundesrepublik nie „so vielfältig und gut wie heute“ gewesen sei. Ansonsten kam er mit seiner ausführlichen Warnung, dass Aufmerksamkeit zu erreichen wichtiger geworden sei als die Informationsvermittlung, nicht ganz zum Zuge. An dem Abend wurde noch mehr gesagt, auch aus dem Publikum heraus. Aber nicht alles kann in einem solchen Text wiedergegeben werden. Vielleicht wird ja von der mitveranstaltenden Otto-Brenner-Stiftung ein Mitschnitt online gestellt.

Nachtrag: Der Medienjournalist Jürgen Wagner hat auf seiner Homepage einen Ton-Mitschnitt der Veransatltung online gestellt.

aktualisiert: 20:02 Uhr

Freitag, 6. Juni 2014

Eine ganz private Netzschau

Onlinelektüre Hiermit beginne ich eine Reihe "Private Netzschau" mit der Folge 1, in der ich unkommentiert auf interessante Online-Beiträge und -Informationen hinweise

● "Edward Snowden war nicht der erste Whistleblower des US-Geheimdienstes NSA. Lange vor ihm gab es einen Mann, der seinerzeit zu den fähigsten Computerspezialisten zählte und zum Vorbild des jungen Hackers wurde: William Binney, Mathematiker und früherer Technikchef der NSA. Im Interview erzählt er, warum er sich um die Demokratie in den USA sorgt
... Sie sagen sogar: Die Massenüberwachung ist die größte Bedrohung für die US-Demokratie seit dem amerikanischen Bürgerkrieg. Der war im 19. Jahrhundert – und da gab es noch die Sklaverei.

Bei der NSA hatte ich jahrzehntelang mit der Sowjetunion und der DDR zu tun. Diese Regime hatten ein Interesse daran, ihre eigene Bevölkerung möglichst genau zu erfassen und zu überwachen. Die Nazis machten das auch schon. Das ist Standardprogramm in allen totalitären Staaten. In den USA kann der Präsident mit nur einer Unterschrift einen unbescholtenen US-Bürger zur Terrorgefahr erklären – und ohne Gerichtsurteil einsperren lassen.
Aber das kann man doch nicht vergleichen…

…doch. Ich habe ihnen öffentlich vorgeworfen, dasselbe wie die Nazis 1933 zu tun.
Mit Verlaub, das eine ist ein technisches Spähprogramm, das andere eine totalitäre, menschenverachtende Ideologie.

Vielleicht sind sie noch nicht ganz so weit gegangen. Aber nehmen Sie die Drohnenangriffe: Sie schlagen zu, warten, dass weitere Menschen zu Hilfe eilen, und schlagen nochmals zu. Sie schaffen sich ihre eigene kleine Privatarmee, mit Braunhemden von Blackwater. Sie wiederholen, was im Dritten Reich geschah. ..." (Cicero, 6.6.14)

● "Nach dem Zusammenbruch der DDR-Industrie ist die Reindustrialisierung in Ostdeutschland nicht überall geglückt. Vor allem in Thüringen, aber auch in Teilen Sachsens und Sachsen-Anhalts habe man inzwischen einen Beschäftigungsanteil der Industrie erreicht, der über dem westdeutschen Durchschnitt liege, sagte Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts. Im Norden Sachsen-Anhalts, Mecklenburg-Vorpommerns und Teilen von Brandenburg habe sich dagegen nur sehr wenig Industrie angesiedelt. Dennoch gebe es im Osten günstige Bedingungen. "Aber die haben wir nicht flächendecken, sondern nur punktuell." (T-online, 6.6.14)

● "Tausende Überlebende aus Ghettos der Nazi-Zeit erhalten eine Renten-Nachzahlung. Der Bundestag verabschiedete am Donnerstag einstimmig eine entsprechende Gesetzesnovelle. Sie sieht für sämtliche Betroffene eine Rentenzahlung rückwirkend zum Jahr 1997 vor - auch in jenen Fällen, in denen die sogenannte Ghetto-Rente zunächst nur rückwirkend für vier Jahre gewährt worden war ..." (ihre-vorsorge.de, 6.6.14)

● "Wegen des anhaltenden Zinstiefs halten Experten eine Erwerbstätigkeit auch über 67-Jähriger für erforderlich, um Altersarmut zu vermeiden. "Viele von uns werden über 67 Jahre hinaus noch arbeiten, um ein auskömmliches Leben zu führen", sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, der "Bild"-Zeitung. Dies könne zum Beispiel ein Teilzeitjob auch nach dem Eintritt in den Ruhestand sein. ..." (Die Welt online, 6.6.14)

● "Frankreich und Großbritannien haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen, die entscheidende europäische Macht aber ist heute Deutschland. Für die Statik der EU könnte das gefährlich werden. ...
Über Deutschland lässt sich 70 Jahre nach dem D-Day wohl das Gegenteil sagen: Das Deutsche Reich hat den Krieg verloren, die Bundesrepublik aber den Frieden gewonnen. ..." (Spiegel online, 6.6.14)

● "Solange Martin Sonneborn im EU-Parlament sitzt, darf er nicht mehr für die ZDF-Nachrichtenparodie arbeiten. Seine Rückkehr könnte aber nicht lange auf sich warten lassen. ..." (Der Tagesspiegel online, 5.6.14)

● "... Halten wir fest: Dem Journalismus in Deutschland geht es mies, weil zu wenige Redakteure zu wenig Qualität liefern, und Schuld daran ist das Internet. Jetzt können nur noch staatliche Subventionen und das Kartellrecht helfen. ..." (weblogs, 4.6.14)

● Die neue Ausgabe der Zeitschrift Lettre international (105) ist erschienen, u.a. mit Folgendem: "Der 76jährige Journalist Seymour Hersh gilt als bedeutendster Enthüllungsjournalist der Welt. Er ist erfahren und unbescholten. Seine Aufdeckung des Massakers im vietnamesischen My Lai oder der Folter im Abu-Ghraib Gefängnis während des Irakkriegs machten ihm weltberühmt.
Seine Analyse „Rote Linie, Rattenlinie“ ist eine detektivische Rekonstruktion der Ereignisse um den Giftgaseinsatz in Syrien am 21. 8. 2013. Hat die US-Regierung gelogen, um eine Militärintervention zu rechtfertigen? Erstmalig auf deutsch!" ---> Textauszug online