US-Wahl 2016: Donald Trump wird nächster US-Präsident
"Clinton gesteht Niederlage ein"
So kann es gehen. Nach dem Theater des Wahlkampfes, u.a. mit einem Darsteller, den die Elite anscheinend nicht auf dem Plan hatte, nun das Schauspiel der verlierenden Elite samt ihrer Politikdarsteller und der heulenden Transatlantiker auch hierzulande. Ganz ehrlich: Ich gönne es ihnen.
Was bleibt sind meine Sorgen ob dessen, was nun folgt. Egal, wie der neue US-Präsident heißt.
Im Deutschlandradio Kultur durfte ich heute unter anderem von dem russischen Einfluss auf die US-Wahl hören, geäußert u.a. von der Chefredakteurin des transatlantischen Zentralorgans Internationale Politik, Dr. Sylke Tempel. Darauf hatte ich gewartet: Die Russen sind schuld. Ich wusste es doch.
Der ehemalige technische Direktor der NSA William Binney und der ehemalige hochrangige CIA-Analytiker Ray McGovern schüttelten angesichts solcher Meinungen am Montag in Berlin quasi gemeinsam den Kopf. McGovern verwies darauf, dass Trump zu seinen Markenzeichen seine eigene Unberechenbarkeit zähle. Der ehemalige Geheimdienstmann fragte, ob ernsthaft jemand glaube, dass der russische Präsident Wladimir Putin jemanden unterstütze, der von sich behauptet, unberechenbar zu sein. Das scheinen aber viele zu tun, wenn ich jetzt all die Kommentare zum möglichen weiteren Verhältnis zwischen den USA und Russland unter Trump höre und lese.
Was bleibt, ist eine Niederlage des US-Establishments und auch des scheidenden Präsidenten Barack Obama. Was wäre zum Beispiel gewesen, wenn er die Kandidatur von Bernie Sanders unterstützt hätte? Aber ich hielt Obama von Anfang an für überschätzt und seine charismatische Art und Wirkung auf viele für gefährliches Blendwerk, das täuscht. Das Wahlergebnis ist auch ein Ergebnis von acht Jahren Präsidentschaft Obamas. Es bleibt in Folge dessen ein Sieger, den auch ich mir nicht wünschte, egal, wie irrelevant das ist. Und wir werden sehen, was nun folgt. Für die Menschen in den USA hoffe ich, dass nicht zu viele Hoffnungen betrogen werden und manches nicht so schlimm wird, wie es sich u.a. ankündigte.
Am Ende bleibt auch die Erkenntnis, dass eben auch das zu einer Demokratie gehört. Nicht vergessen werde ich, was ich am 8. Novmber von Claus Kleber im heute journal des ZDF hörte, der vor der Kulisse des Weißen Hauses live sagte: "Zum ersten Mal seit Menschen Gedenken hängen Zweifel über dieser Stadt, ob friedlicher Machtwechsel garantiert ist." Als ich es hörte fragte ich mich, warum er das sagt, und ob er das bei vollem Bewußtsein tat. Es bleibt abzuwarten, ob er das nur so dahin sagte oder ob er etwas andeutete, was hinter den Kulissen läuft. Meine ehrliche Freude über die Niederlage von Hillary Clinton macht meine Sorgen über das, was nun folgt und folgen könnte, nicht kleiner.
Buchtipps zum Thema:
• "Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
• "TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
_______________________________________________
"Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
"Das
Buch zieht eine erste Bilanz der Präsidentschaft Barack Obamas. Es
dokumentiert die Ergebnisse der Wahlen zum Kongress und in den
Einzelstaaten, die an Bedeutung zunehmen. Analysiert werden die
Einflüsse der Tea Party, der Wahlkampffinanzierung und der Super PACs
auf den politischen Wettbewerb, der polarisiert ist wie selten zuvor in
der amerikanischen Geschichte. Welche Spuren diese neuen politischen
Entwicklungen im Kongress und in den Strategien der Kongressmitglieder
hinterlassen, wird ebenso untersucht, wie die Folgen für das politische
Erbe Obamas. Die Gründe, warum der erste afro-amerikanische Präsident
der Vereinigten Staaten die hohen Erwartungen an seine „transformative
Präsidentschaft“ nur begrenzt erfüllen konnte, werden anhand der
wichtigsten Handlungsfelder des Präsidenten erörtert: Obama als
„executive leader“, als „legislative leader“ und in seinem Verhältnis
zur Judikative. Auf die Gesundheitsreform als dem zentralen
innenpolitischen Vermächtnis des Präsidenten legt das Buch ein
besonderes Augenmerk – wie auch auf die Außenpolitik, die das Bild
Obamas in der Welt bestimmen wird." (Verlagsinformation)
"Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
Springer Verlag, 2016
Softcover, 404 Seiten
44,99 €
ISBN 978-3-658-11063-5
Auch als e-Book erhältlich
Link zur Verlagsinformation
"TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
"Der
schier unaufhaltsame Aufstieg des Donald Trump, seine triumphalen
Erfolge in den Vorwahlen markieren schon jetzt den wichtigsten
innenpolitischen Wandel in den USA der letzten fünfzig Jahre. Noch nie
hat die Führung einer Partei so massiv, so offen und so wirkungslos
versucht, ihren eigenen Spitzenkandidaten zu demontieren. Und noch nie
wurde eine Partei von einem ihrer Kandidaten so vor sich hergetrieben
wie die der Republikaner von dem Alleszermalmer Trump."
(Verlagsinformation)
"TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
Orell Füssli Verlag, 2016
Broschur, 224 Seiten
17,95 €
ISBN 978-3-280-05638-7
Link zur Verlagsinformation
• NATO-Seemanöver im Schwarzen Meer mit Ukraine
"Vor
dem Hintergrund der Ukraine-Krise beginnen die USA und die ukrainische
Kriegsmarine am Montag im Schwarzen Meereine gemeinsame Übung. Ziel des
Manövers „Sea Breeze 2014“, das bis Mittwoch dauern soll, sei es,
Maßnahmen für eine sichere Schifffahrt in einem Krisengebiet zu
trainieren, teilte das Kiewer Verteidigungsministerium mit.
Unter
anderem sollen Aufhalten und Durchsuchung von Schiffen sowie Rettung
aus Seenot trainiert werden. Die Übung im nordwestlichen Teil des
Schwarzen Meeres sei Teil eines bilateralen Kooperationsprogramms der
Verteidigungsministerien der Ukraine und der USA, hieß es weiter.
Dennoch würden daran auch Spanien, Kanada, Rumänien und die Türkei
teilnehmen. ..." (RIA Novosti, 7.9.14)
• Details zu Minsker Vereinbarung für Waffenruhe veröffentlicht
"Das
Protokoll, das die ukrainische Regierung und die Donezker und Lugansker
„Volksrepubliken“ bei ihren Friedensgesprächen in Minsk vereinbart
haben, sieht neben der Waffenruhe auch eine Dezentralisierung der Macht
in der Ukraine, Neuwahlen in den von Kiew abtrünnigen Regionen sowie
einen Abzug der„illegalen bewaffneten Formationen“ vor.
Vorgesehen
ist die Etablierung provisorischer Selbstverwaltungen „in einzelnen
Regionen der Gebiete Donezk und Lugansk“, die einen gesetzlichen
Sonderstatus bekommen sollen, heißt es in dem Dokument, das von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) veröffentlicht wurde.
In diesen Regionen sollen vorgezogene Kommunalwahlen stattfinden.
Darüber hinaus sieht das Protokoll die Annahme eines Gesetzes, das den
Personen, die an den „Ereignissen in einzelnen Regionen der Gebiete
Donezk und Lugansk“ teilgenommen haben, Straffreiheit garantieren soll.
Zudem fordert das Protokoll den Abzug von „illegalen bewaffneten
Formationen, Kriegsgerät und Söldnern“ aus der Ukraine. ..." (RIA Novosti, 7.9.14)
• Feuerpause nicht eingehalten
"In der
Ostukraine wird offenbar erneut gekämpft. Bereits gestern hatten sich
die beiden Konfliktparteien immer wieder gegenseitig beschuldigt, die am
Freitag in Minsk beschlossene Feuerpause nicht einzuhalten.
Die
Lage in Mariupol war örtlichen Medien zufolge am Morgen ruhig. In der
strategisch wichtigen Hafenstadt am Asowschen Meer gerieten in der Nacht
vermutlich durch einen Granateneinschlag eine Tankstelle und umstehende
Gebäude in Brand. Bewohner berichteten von Schüssen und Detonationen.
An
dem von der Armee besetzten Flughafen der Separatistenhochburg Donezk
seien, laut der Stadtverwaltung, am Morgen Explosionen und Schüsse zu
hören gewesen. Die Aufständischen berichten von vier getöteten
Zivilisten." (Euronews, 7.9.14)
• Weiter Berichte über Kämpfe in Donezk
"Trotz
des vereinbarten Waffenstillstands wird in der Ost-Ukraine weiter
geschossen. Augenzeugen in der Industriemetropole Donezk berichten von
Artillerieschüssen und Explosionen.
„Die Nacht verlief
relativ ruhig“, teilte das Rathaus von Donezk am Sonntag mit. Am
Sonntagmorgen berichteten Einwohner mehrerer Stadtteile von
Artillerieschüssen und starken Explosionen im Raum des Flughafens. Die
Situation in der Stadt bezeichnete das Rathaus als „stabil angespannt“.
Die Versorgung mit Lebensmitteln sei „zufriedenstellend“. Die Stadtwerke
funktionieren in Normalbetrieb, Reparaturteams seien im Einsatz.
Der
„Vizepremier“ der nicht anerkannten „Donezker Volksrepublik“, Andrej
Purgin, sagte zu RIA Novosti, dass die Volksmilizen sich nicht
provozieren lassen und auch weiterhin am Waffenstillstandsabkommen
festhalten würden.
Unterdessen hat die ukrainische Armee
nach Angaben der Regierungsgegner zusätzliche Truppen nach Gorlowka
(rund 47 km nordöstlich von Donezk) verlegt. Nördlich und östlich dieser
Ortschaft hätten 45 Panzer, 14 Flakpanzer „Schilka“ sowie sieben
Mehrfachraketenwerfer und sieben ballistische Boden-Boden-Raketen vom
Typ „Totschka-U“ Stellung bezogen. Zudem sei zwischen Mironowka und
Debalzewo eine Panzerkolonne der Regierungsarmee gesichtet worden, hieß
es im Stab der Volkswehr. ..." (RIA Novosti, 7.9.14)
• Ex-CIA-Mitarbeiter: USA haben Russland im Visier
Es
gehe der US-Regierung bei ihrem Vorgehen im Ukraine-Konflikt um
Russland, das sei das Ziel. Das erklärte Ray McGovern, früherer hoher
CIA-Mitarbeiter und führend für die Analyse der Sowjetunion zuständig,
am 6.9.14 in Berlin bei einem Auftritt im "Sprechsaal".
McGovern hatte direkten Zugang zu den US-Präsidenten Ronald Reagan und
George Bush sen., die er zweitäglich zur Sowjetunion briefte. Heute
gehört er zu den Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), die sich kürzlich auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel wandten.
Der
Ex-CIA-Beamte verwies auf die geschichtlichen Ursachen des aktuellen
Konfliktes und erinnerte daran, dass US-Außenminister James Baker im
Februar 1990 dem damaligen KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow
vorgeschlagen hatte, dass die NATO nicht weiter vorrücke, wenn die
Sowjetunion der deutschen Einheit zustimme. US-Präsident Bush habe
versprochen, die sowjetische Situation nicht auszunutzen. Gorbatschow
sei darauf eingegangen, doch US-Präsident Bill Clinton habe sich über
diese Übereinkunft hinweggesetzt. Heute gebe es zwölf neue
NATO-Mitglieder im Vergleich zu 1990, erinnerte McGovern in Berlin an
die Folgen. Er machte auf die damaligen sowjetischen Ängste gegenüber
der deutschen Einheit aufmerksam, die verständlich seien für ein Land,
das 25 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg verloren hatte. Die
menschliche Dimension dürfe auch beim Ukraine-Konflikt nicht übersehen
werden. McGovern erinnerte ebenso an die Warnungen des russischen
Außenminister Sergej Lawrow, als 2008 bekannt wurde, dass auch die
Ukraine und Georgien der NATO beitreten könnten. "Njet means Njet",
habe Lawrow dem US-Botschafter William Burns am 1.2.08 erklärt, was
dieser so deutlich an Washington weitergegeben habe. Doch zwei Monate
später habe der NATO-Gipfel in Bukarest der Ukraine und Georgien eine
NATO-Mitgliedschaft angeboten, betonte McGovern.
Ein ausführlicher Bericht zu McGoverns Auftritt in Berlin folgt noch.
• Trotz Waffenruhe Kämpfe und Tote in Donezk
"Vier
Einwohner der ostukrainischen Stadt Donezk sind in der Nacht zum
Samstag, der ersten Nacht seit der Verkündung der Waffenruhe, durch
mehrfachen Artilleriebeschuss getötet worden, wie RIA Novosti im
Volkswehr-Stab erfuhr. Dutzende Zivilisten hätten Splitterverletzungen
erlitten, hieß es.
Nach Angaben des Stabs waren am späten
Freitagabend Volkswehr-Mitglieder, die am Donezker Flughafen
eingetroffen waren, aus Panzern und Gewehrgranatwerfern beschossen. Acht
Volkswehr-Mitglieder seien dabei verletzt worden, hieß es. Der
Flughafen von Donezk steht weiterhin unter Kontrolle der ukrainischen
Militärs.
Der Verteidigungsminister der nicht anerkannten
Volksrepublik Donezk, Wladimir Kononow, hat die ukrainischen
Militärkräfte der Verletzung der Waffenruhe beschuldigt.
Der
Volkswehr-Stab der VRD hatte am Samstag eine Schießerei im Raum der
Stadt Kirowskoje östlich von Donezk gemeldet. Nach vorläufigen Angaben
sind dort Diversionsgruppen aktiv, die die in die Stadt führende Straße
beschießen sollen. ..." (RIA Novosti, 6.9.14)
• Gespräch zwischen Putin und Poroschenko zu Waffenstillstand
"Die
Präsidenten der Ukraine und Russlands, Pjotr Poroschenko und Wladimir
Putin, haben in einem Telefongespräch Schritte erörtert, die für einen
dauerhaften Waffenstillstand in der Ukraine notwendig sind, wie der
Pressedienst des ukrainischen Präsidenten am Samstag mitteilt.
„Die
beiden Staatschefs haben konstatiert, dass die Waffenruhe im Großen und
Ganzen eingehalten wird. Pjotr Poroschenko und Wladimir Putin
erörterten Schritte, die der Waffenruhe einen dauerhaften Charakter
verleihen sollen“, heißt es. Die Gesprächspartner stimmten darin
überein, dass die OSZE zur Überwachung der Situation und zur Kontrolle
der Waffenruhe herangezogen werden muss. Laut dem Pressedienst des Kreml
ging es auch um Fragen der sicheren Lieferung von humanitären
Hilfsgütern in die Gebiete Donezk und Lugansk. „Es fand ein
Meinungsaustausch im Zusammenhang mit den laufenden Konsultationen zu
Folgen des Inkrafttretens des Assoziierungsabkommens zwischen der
Ukraine und der EU für die Staaten der Zollunion statt. Putin und
Poroschenko verständigten sich darauf, den Dialog fortzusetzen“, so der
Pressedienst des Kreml." (RIA Novosti, 6.9.14)
"Die
Waffenruhe im Osten der Ukraine wird nach Einschätzung der Präsidenten
der Ukraine und Russlands, Petro Poroschenko und Wladimir Putin,
weitgehend eingehalten. In einem Telefongespräch hätten die Staatschefs
am Samstag festgestellt, dass die am Freitag vereinbarte Waffenruhe "im
Allgemeinen" eingehalten werde, teilte das ukrainische Präsidialamt am
Samstag in Kiew mit. Poroschenko und Putin hätten über Maßnahmen
gesprochen, die getroffen werden müssten, damit die Waffenruhe von Dauer
sei, hieß es weiter. ..." (Die Presse online, 6.9.14)
• Nationalgarde: Beide Seiten halten sich an Waffenruhe
"Die
Waffenruhe ist in der Nacht zum Samstag weder von den ukrainischen
Militärkräften noch von den Volksmilizen verletzt worden, wie die
Agentur UNIAN am Samstag unter Berufung auf den Befehlshaber der
Nationalgarde, Stepan Poltorak, meldet.
Laut Poltorak waren
am Freitag, dem 5. September, bis 18:45 Uhr (17:45 Uhr MESZ) gewisse
Verstöße gegen die Waffenruhe im Raum von Debalzewo (Gebiet Donezk)
registriert worden. Seitdem sei nicht mehr geschossen worden, so der
Nationalgarde-Chef.
Wie der Volkswehr-Stab der
selbsterklärten Volksrepublik Donezk (VRD) jedoch am Samstag mitgeteilt
hatte, war die Situation in der Nacht zum Samstag weiterhin angespannt.
Einige Kiew-treue Militäreinheiten hätten mehrere Ortschaften und
Volkswehr-Stellungen im Gebiet Donezk beschossen, hieß es. ..." (RIA Novosti, 6.9.14)
• Jazenjuk auf Himmelfahrtskommando?
"Arseni
Jazenjuk, der Premierminister der Ukraine, reagiert mit rhetorischem
Sperrfeuer auf die russische Bedrohung. Der dezidierte Proeuropäer
streifte das Image des intellektuellen Technokraten ab.
Die
Sache mit der Mauer irritierte nicht nur die Deutschen. Als Arseni
Jazenjuk neulich vorschlug, an der 2000 Kilometer langen russischen
Grenze eine Mauer – oder wahlweise einen Elektrozaun mit Minen und
Stacheldraht – hochzuziehen, weckte dies die schlimmsten Assoziationen
an die Ära des Kalten Kriegs. „Wir wollen einen echten Schutz“, erklärte
der ukrainische Premier. Die Idee war lang in ihm gereift. Im Vorjahr
hatte er allerdings noch davon fantasiert, dass die Russen einen
Grenzwall errichten könnten. Dabei hatten sie genau das Gegenteil im
Sinn – eine Infiltrierung der Ostukraine, um so ihre Einflusssphäre im
„Bruderstaat“ zu sichern.
Nichts illustriert besser, wie
sehr sich der Konflikt innerhalb eines Jahres zugespitzt hat, als der
Vorschlag des Mauerbaus. Zugleich demonstriert die Äußerung die Wandlung
eines blassen Technokraten und intellektuellen Karrierepolitikers zum
politischen Feuerkopf, der sich vom eher bedächtigen, staatsmännischen
Stil des Präsidenten Petro Poroschenko abhebt. Mit rhetorischem
Sperrfeuer gegen Moskaus Machtelite und demagogischem Talent schürt der
schlaksige Jazenjuk den Konflikt. Er reizt den russischen Bären,
womöglich auch mit dem Kalkül, die rechtsnationalistischen Scharfmacher
und Populisten in Kiew und Lemberg zufriedenzustellen. ..." (Die Presse online, 6.9.14)
• Kiewer Truppen melden Angriffe der Aufständischen
"In
den letzten 24 Stunden haben die Kämpfer die ATO-Stellungen 28mal unter
Beschuss genommen, 10mal davon war es schon nach Erklärung des
Waffenstillstandes. Das hat Andrij Lyssenko, Pressesprecher des
analytischen Informationszentrums des Rates für Nationale Sicherheit und
Verteidigung, bei dem am Samstag veranstalteten Breafing erklärt,
berichtet der Ukrinform-Korrespondent.
„In der ATO-Zone
wurde die Lage nach der Erklärung des Waffenstillstandsverfahrens
insgesamt gesehen ruhiger, festgestellt wurde aber gestern Abend und in
der Nacht eine Reihe von Provokationen seitens der Terroristen. Die
Kämpfer haben in den letzten 24 Stunden die ATO-Stellungen 28mal unter
Beschuss genommen, 10mal davon waren schon nach der Erklärung des
Waffenstillstandes der Fall“, - so Lyssenko." (Ukrinform, 6.9.14)
• EU beschließt weitere Sanktionen gegen Russland
"Das
nächste Sanktionspaket gegen Russland steht. Die EU-Botschafter
einigten sich nach zähen Verhandlungen auf neue Maßnahmen, teilten
Diplomaten am Freitagabend in Brüssel mit. Wirksam werden sollen die Sanktionen
demnach aber erst im Laufe des Montags, wenn die Regierungen grünes
Licht gegeben haben. Sie können Diplomaten zufolge aber auf Eis gelegt
werden, sollte die Waffenruhe in der Ukraine halten und Russland seine
Truppen abziehen.
Ausgehandelt wurden härtere
Wirtschaftssanktionen sowie Reise- und Kontensperren für rund 20
Personen. Laut Diplomaten soll der Zugang zu Krediten für russische
Staatsbanken erschwert werden sowie für Rüstungsfirmen und Unternehmen
aus der Erdölförderung.
Auch Exporte militärisch nutzbarer
Güter nach Russland will die EU weiter einschränken und das europäische
Exportverbot für bestimmte Technologien zur Ölförderung ausweiten. Die
Reise- und Kontensperren sollen Entscheidungsträger aus der russischen
Politik und Wirtschaft treffen sowie ukrainische Separatisten. Ein
Minister sei nicht im Visier, hieß es.
Russland hat für den
Fall des Inkrafttretens der neuen EU-Sanktionen eine "Reaktion"
angekündigt. "Sollte die neue Liste der Sanktionen der Europäischen
Union in Kraft treten, wird es zweifelsohne eine Reaktion von unserer
Seite geben", teilte das russische Außenministerium am Samstag mit.
Mit
der Ankündigung neuer Sanktionen sende die EU ein "Signal der direkten
Unterstützung der 'Kriegspartei' in Kiew", kritisierte das Ministerium.
Die EU sollte sich vielmehr für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau des
Donbass einsetzen. ..." (Die Presse online, 6.9.14)
• Jazenjuk: Aufständische zerstören Bildung und Putin richtet Blutbad in Ukraine an
"In
Donezk und Lugansk vernichten die Terroristen nicht nur die ganze
Energie- und Transportinfrastruktur, sondern auch die Lehranstalten. Das
hat ukrainischer Ministerpräsident Arssenij Jatzenjuk bei der am
Samstag veranstalteten Arbeitsberatung mit Leitern von Hochschulen zu
Fragen der Implementierung des Gesetzes der Ukraine „Über
Hochschulbildung“ erklärt, berichtet der Pressedienst ukrainischer
Regierung.
„Abgesehen davon, dass die ganze Energie- und
Transportinfrastruktur in Donezk und Lugansk vernichtet wird, wurde dort
auch die Vernichtung der Lehranstalten sowie von denen, die lehren,
eingeleitet. Von Lehrern, einige davon wurden eingeschüchtert, die
anderen wurden einfach weggejagt. Dasselbe gilt auch für die
Mittelschule und Vorschuleinrichtungen“, - kündigte Jatzenjuk an.
Seinen Worten nach, „habe Wladimir Putin ein Blutbad in der Ukraine
angerichtet und jetzt habe er Unverschämtheit und Zynismus eine Rechnung
für dieses Blutbad der Ukraine vorzulegen… Deshalb haben wir große
Schwierigkeiten, die wir nur dann bewältigen könnten, wenn wir
abgestimmt und wirkungsvoll arbeiten würden“, - fügte der ukrainische
Regierungschef hinzu. ..." (Ukrinform, 6.9.14)
• Poroschenko: Kiewer Truppen ziehen nicht ab
"Ukrainischer
Präsident Petro Poroschenko behauptet, die ATO-Kräfte werden die
Truppen von den belegten Stellungen nicht anziehen. Das hat er in seinem
Interview für BBC erklärt.
In seiner Antwort auf die Frage
des Moderators, ob die ukrainische Staatsführung bereit ist, die Truppen
von den bereits belegten Stellungen dem „Putinschen Plan“ nach
abzuziehen, vermerkte Poroschenko: „Wir können nicht davon reden, dass
wir diese Territorien verlassen werden. Es handelt sich doch um unsere
Territorien“.
„In keinem Fall kann es um Verletzung der
territorialen Integrität und der Unversehrtheit meines Landes gehen“, -
hob Poroschenko hervor. Er fügte auch hinzu, als er zum Präsidenten der
Ukraine gewählt worden war, hatten die Terroristen in Donbas wesentliche
Territorien unter Kontrolle gehalten. „Jetzt sind diese Territorien
etwa um zwei Drittel kleiner. Und darin besteht das unzweifelhafte
Erfolg ukrainischer Streitkräfte“, - so das ukrainische Staatsoberhaupt." (Ukrinform, 6.9.14)
• Poroschenko: Sonderstatus für Regionen möglich
"Unter
den Schritten, die im Rahmen des Waffenstillstandes zu leisten
ukrainische Behörden bereit sind, sei die Gewährung eines Sonderstatus
den Regionen Donezk und Lugansk im Kontext ihrer Wirtschaftsfreiheit.
Das hat ukrainischer Präsident Petro Poroschenko in Newport erklärt,
indem er über die in Minsk durch die Drei-Seiten-Kontaktgruppe
unterzeichnete Vereinbarung über Waffenstillstand gesprochen hat,
berichtet die Ausgabe „Die Europäische Wahrheit“.
„Wir sind
bereit wesentliche Schritte zu leisten, die eine Dezentralisierung der
Macht, einen Sonderstatus von Verwaltungsgebieten Donezk und Lugansk
bezüglich ihrer Wirtschaftsfreiheit, die Garantie eines Freigebrauchs
von beliebigen Sprachen auf diesem Territorium sowie von kulturellen
Traditionen vorsehen“, - kündigte Poroschenko an." (Ukrinform, 6.9.14)
• Russische Medien berichten über Freiwillige in Ostukraine
"„Es
ist bitter. Aber ich bin stolz darauf, dass in der russischen Provinz
junge Männer heranwachsen, die den Vorgängen in der Welt nicht
gleichgültig gegenüberstehen“, kommentierte Armeeveteran Michail Koslow
im staatlichen Fernsehen das Begräbnis von Anatol Trawkin in Kostroma.
Vor einem Monat sei der 28-jährige Russe in die Ukraine aufgebrochen.
Seine Entscheidung habe er sogar vor seiner Frau verborgen, bei seinen
Vorgesetzten habe er lediglich um Urlaub angesucht.
Nachdem in
unabhängigen Medien bereits Ende August erste Bilder von Beisetzungen
russischer Soldaten, die offensichtlich in der Ostukraine gefallen sind,
veröffentlicht wurden, haben nun die staatlichen Medien ihr Schweigen
gebrochen und in den Abendnachrichten darüber berichtet. Mit einem
Unterschied: Den kritischen Enthüllungen unabhängiger Medien wurde in
den staatlichen Kanälen der Heldenmut der Armeeangehörigen
gegenübergestellt. Freiwillig, in ihrem Urlaub, würden die Männer für
eine gute Sache kämpfen.
Informationen über Soldaten, die in
die Ukraine geschickt werden, drangen bislang kaum an die
Öffentlichkeit. Kritische Journalisten wie Lew Schlosberg, der über die
Beisetzung zweier Fallschirmjäger berichtete, wurden gar krankenhausreif
geschlagen. Auch Angehörige erhalten kaum Auskunft. In sozialen
Netzwerken haben sich nun Gruppen wie „Grus 200“, benannt nach dem
militärischen Codewort für den Transport von Todesopfern, gebildet, die
gegen das Schweigen der Medien protestieren. Hier werden Fotos
gefallener Soldaten hochgeladen und Informationen ausgetauscht. ..." (Die Presse online, 5.9.14)
• Geplantes NATO-Manöver in Ukraine wird "definitiv" durchgeführt
"Für
die Russland eine Provokation und für die Nato ein ohnehin geplanter
Termin ist die angekündigte Nato-Übung in Lemberg. Es werde „definitiv"
weitere Übungen auf ukrainischem Territorium geben, erklärte der
Nato-Botschafter des Landes, Ihor Dolhov, im Gespräch mit der „Presse".
Zugleich soll auch die Zahl der ukrainische Soldaten erhöht werden, die
an Nato-Übungen auf den Territorien deren Mitgliedsländer teilnehmen.
Wie
am Mittwoch bekannt wurde, soll bereits von 13. bis 26. September das
Manöver „Rapid Trident" in Lemberg abgehalten werden. Insgesamt zwölf
Länder wollen sich beteiligen, darunter die USA und die deutsche
Bundeswehr. Moskau spricht von einer Provokation. Das jährlich
stattfindende Manöver war im Juli wegen der Ukraine-Krise verschoben
worden.
Aus Nato-Sicht sind die Übungen Teil eines Pakets an
Zugeständnissen gegenüber der Ukraine - ohne dabei militärisch in den
Konflikt im Osten des Landes einzugreifen. Waffenlieferungen der Allianz
wird es nicht geben: „Das war kein Thema", sagt Dolhov. Auf bilateraler
Ebene hält er das aber sehr wohl für „möglich" Denn: „Wir brauchen
viele Dinge. Auch Waffen." Er wolle dem heute in Newport, Wales,
beginnenden Nato-Gipfel aber nicht vorgreifen.
Die Ukraine
will wegen der Krise die Bündnisfreiheit aus der Verfassung streichen.
.„Ich weiß, dass in Österreich viele Politiker und Medien die Meinung
haben, das beste sei es, wenn die Ukraine ihre Neutralität garantiert",
sagt Dolhov, „aber Sie dürfen nicht vergessen: 1994 wurde uns im
Gegenzug für die Aufgabe unserer Atomwaffen unsere Souveränität und
Unabhängigkeit garantiert. Und nun ist Russland in unserem Land
einmarschiert" ..." (Die Presse online, 4.9.14)
• Kiew lehnt Putins 7-Punkte-Plan ab
""Das
ist ein Plan zur Vernichtung der Ukraine und zur Wiederherstellung der
Sowjetunion", sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Mittwoch.
Die prowestliche Regierung in Kiew hat einen Sieben-Punkte-Plan
von Kremlchef Wladimir Putin zur Beilegung der Ukraine-Krise abgelehnt.
"Das ist ein Plan zur Vernichtung der Ukraine und zur Wiederherstellung
der Sowjetunion", sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Mittwoch
in Kiew. Putins Initiative sei ein Versuch der Augenwischerei für die
internationale Gemeinschaft vor dem NATO-Gipfel.
"Er will
den Konflikt einfrieren und damit neue Sanktionen gegen Russland
vermeiden", sagte Jazenjuk. Der beste Plan für ein Ende des Konflikts
bestehe aus nur einem Punkt: "Russland soll seine Armee aus der Ukraine
abziehen." (Die Presse online, 3.9.14)
→ hier geht's zu Folge 63
→ alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen
→ Faktensammlung "Tatort MH17" des Bloggers MopperKopp auf freitag.de