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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
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Mittwoch, 15. Juli 2015

Buchtipp: "Sparprogramme töten"


Coverbild Sparprogramme töten 

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein wichtiges Buch zur Sparpolitik und ihren Folgen in ihr Programm aufgenommen, das auch im Fall Griechenland relevant ist

Ich habe bei meinen ersten Mosaiksteinen zu Griechenland  u.a. auf das Buch von Sanjay Basu und David Stuckler: "Sparprogramme töten – Die Ökonomisierung der Gesundheit" hingewiesen, in dem auch die Folgen der bisherigen Sparpolitik für die Menschen in Griechenland beschrieben werden.


Die Bundeszentrale für politische Bildung hat erfreulicherweise das Buch nun in ihr Programm aufgenommen, so dass dieses wichtige Werk für ganze 4,50 Euro zu haben ist. Ich kann es nur dringend zur Lektüre empfehlen.

Siehe zum Thema auch das Video von Spiegel online vom 14.7.15: "Griechenlands Gesundheitskrise: "Wir kämpfen mit einer humanitären Katastrophe"Ursprünglich wollte die Poliklinik der Hilfsorganisation "Ärzte der Welt" vor allem Flüchtlinge behandeln. Als Folge der Sparpolitik sind nun die meisten Patienten griechische Bürger."

Donnerstag, 16. April 2015

Buchtipp zum 9. Mai

Aus Anlass des 70. Jahrestages des Sieges über den deutschen Faschismus hier der Hinweis auf ein neues Buch über den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion 

Erich Später hat in der Zeitschrift Konkret eine Serie mit Beiträgen über den deutschen faschistischen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion von 1941 bis 1945 veröffentlicht. Die Serie unter dem Titel "Der dritte Weltkrieg" erschien seit 2011 bisher in unregelmäßiger Folge.

Später macht in der Serie auf bekannte wie auch unbekannte und ebenso verschwiegene Aspekte des faschistischen Vernichtungskrieges im Osten aufmerksam. Er verweist in den Beiträgen immer wieder auch auf die Zusammenhänge mit der Gegenwart, darauf, wie das historische Geschehen bis heute nachwirkt. Der Autor ist Historiker und Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung im Saarland. Auf deren Homepage ist Teil 18 der Serie, über die deutsche Besatzung der Krim, als PDF-Datei zu finden.

Im jüngsten Teil 23 in Heft 4/2015 von Konkret stellt Später u.a. fest: "Der Krieg in der Sowjetunion endet im historischen Bewusstsein vieler Deutscher irgendwann nach der Schlacht von Stalingrad. Der lange Vormarsch der Roten Armee durch die ausgemordete und zerstörte westliche Sowjetunion kommt in der deutschen Erinnerungskultur kaum vor. ...
Prägend für dieses Bild ist bis heute die nationalsozialistische Propaganda gegen die Sowjetunion und die Rote Armee, die mit der ostpreußischen Ortschaft Nemmersdorf verbunden ist. ...
Die Darstellung vermeintlicher Greueltaten der Roten Armee ist in der Bundesrepublik noch einmal radikalisiert worden und stellte schließlich selbst die Goebbelsche Propaganda in den Schatten. ..." Dazu habe auch die SS-Propagandaabteilung "SS-Standarte Kurt Eggers" beigetragen, deren Angehörige wie Kurt Lothar, Henri Nannen, Joachim Fernau, Rudolf Hagelstange und Paul karl Schmid "in der Bundesrepublik glänzende Karrieren absolvieren sollten".

Die Serie wird nun in einem Buch Anfang Mai im Conte Verlag erscheinen. Da ich die Beiträge zum Teil kenne und sehr gut und interessant finde und den Inhalt nur weiter empfehlen kann, weise ich heute schon, kurz vor dem 70. Jubiläum des Sieges über die faschistischen Vernichtungskrieger, mit Hilfe der Verlagsinformationen auf das Buch hin:

"Mit 3,6 Millionen Soldaten, 3 500 Panzern und 2 700 Flugzeugen beginnt Deutschland am 22. Juni 1941 den Krieg gegen die Sowjetunion. Antikommunismus, Rassismus und Antisemitismus verschmelzen im apokalyptischen Vernichtungskrieg gegen den »jüdischen Bolschewismus«. 1941 zählt die Bevölkerung der Sowjetunion 194 Millionen Menschen. Innerhalb von fünf Monaten gelingt es den deutschen Truppen ein riesiges Gebiet von über einer Million Quadratkilometern zu erobern und 55 bis 60 Millionen Menschen einer erbarmungslosen Besatzungsherrschaft zu unterwerfen. Der Vormarsch der deutschen Wehrmacht ist verbunden mit der Ermordung vieler Millionen sowjetischer Bürger. Für die sowjetischen Soldaten und die Zivilbevölkerung wird sehr schnell klar, dass die endgültige militärische Niederlage ihre totale Vernichtung bedeutet. Daraus erwachsen ein verzweifelter Wille zum Widerstand und die Mobilisierung aller Reserven. Es folgt der lange verlustreiche Vormarsch der »Roten Armee« nach Westen, die Zerschlagung der unbesiegbar erscheinenden Wehrmacht, die Befreiung von Auschwitz und schließlich die Eroberung Berlins.
Mit dem Vormarsch der deutschen Wehrmacht und der SS in der Sowjetunion wird im gesamten deutschen Machtbereich das radikalste Programm zur vollständigen Vernichtung eines Teils der Menschheit, das jemals erdacht und geplant wurde, umgesetzt. Die unterschiedslose Ermordung aller jüdischen Männer, Frauen und Kinder beginnt am ersten Tag des Feldzugs und endet erst mit der Kapitulation der Wehrmacht gegenüber der »Roten Armee« am 9. Mai in Berlin.
Die 30 Kapitel beschäftigen sich chronologisch mit bekannten und unbekannten Aspekten des Krieges und seinen gewaltigen Nachwirkungen, die bis in die unmittelbare Gegenwart reichen.
Das Buch basiert auf einer Artikelserie des Autors "Der dritte Weltkrieg", die seit Juni 2011 kontinuierlich in der Zeitschrift Konkret veröffentlicht wird. Diese erscheinen nun zum Teil überarbeitet und wurden durch bisher nicht veröffentlichte Kapitel ergänzt.
Der »beispiellose, alle Erfahrung überbietende Charakter der deutschen Gewalt« im Krieg an der Ostfront veranlasste den Publizist Joachim Fest in seiner Biographie über Hitler festzustellen: »wie sehr der Feldzug auch strategisch mit dem Gesamtkrieg verbunden war, bedeutet er doch dem Wesen und der Moral nach etwas gänzlich Neues; gleichsam den dritten Weltkrieg«."


Erich Später: Der dritte Weltkrieg – Die Ostfront 1941-45

Conte Verlag 2015
ca. 300 Seiten, engl. Broschur
ISBN 978-3-95602-053-7
Preis 16,90 €

aktualisiert: 17.4.15; 1:22 Uhr

Montag, 30. März 2015

Für den Versuch, den Ukraine-Konflikt zu verstehen

Eine Literaturliste zum Ukraine-Konflikt und dessen Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit (aktualisiert: 1.4.15, 11:21 Uhr)

Die nachfolgend aufgeführten Bücher habe ich selber bisher nur zum Teil lesen können. Einige lese ich gerade. Deshalb und weil ich niemandem gewissermaßen etwas vorschreiben oder vordeuten will beschränke ich mich bei der Inhaltsangabe auf die Verlagsinformationen. Natürlich ist aufgrund meiner Sicht auf den Konflikt der Anteil von Büchern mit kritischer Perspektive deutlich größer.

Pro-Maidan:

• Claudia Dathe / Andreas Rostek (Hg.): “MAJDAN! Ukraine, Europa”
Bundeszentrale für politische Bildung 2014
Aus der Verlagsinformation: „Im November 2013 kündigte die Regierung der Ukraine an, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht zu unterzeichnen. Gegen diese unerwartete Abkehr von einer Politik der Annäherung an die EU demonstrierten Tausende Ukrainerinnen und Ukrainer auf dem zentralen Kiewer Majdan-Platz. Bestürzt und weitgehend ebenso hilf- wie tatenlos beobachtete die Weltöffentlichkeit die eskalierende Gewalt, insbesondere gegen friedlich Demonstrierende. Wohin der politische und gesellschaftliche Weg der Ukraine führen wird, bleibt nach dem Abgang der Janukowitsch-Regierung und der Intervention Russlands auf der Krim ungewiss. Die in diesem Buch vorgelegten, teils sehr persönlichen Texte ukrainischer und internationaler Zeitzeugen sind im Winter 2013/14 entstanden. Als literarische Schlaglichter spiegeln sie Entsetzen, Betroffenheit und Ratlosigkeit, aber auch Mut und Hoffnung.

• Juri Andruchowytsch (Hg.): “Euromaidan – Was in der Ukraine auf dem Spiel steht”
edition suhrkamp – Suhrkamp Verlag 2014
Aus der Verlagsinformation: „»Ich gehe auf den Maidan. Wer kommt mit?«, schrieb der ukrainische Journalist Mustafa Najem im November 2013 auf Facebook. Aus einer lokalen Demonstration gegen die autokratische Entscheidung des Präsidenten Viktor Janukowytsch, das Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen, wurde eine landesweite Protestbewegung: der Euromaidan. Mehr als hundert Menschen wurden getötet, als der friedliche Protest in Gewalt umkippte.
Ein halbes Jahr später ist in der Ukraine nichts mehr, wie es war. Nach dem Sturz des korrupten Regimes nutzt der russische Präsident Vladimir Putin die Fragilität der Übergangsregierung aus und lässt seine Armee ins Nachbarland einmarschieren. Während eine reife ukrainische Zivilgesellschaft die Bildung neuer staatlicher Strukturen bewacht, schwört der Kreml die Bürger auf einen nationalistischen imperialen Kurs sein.
»Euromaidan« steht für die Hoffnung auf Erneuerung der ukrainischen Gesellschaft. Für eine nachgeholte Revolution. Für den Alptraum eines neuen Ost-West-Konflikts. Wird es sie geben: eine freie, selbstbestimmte Ukraine an der Seite Russland und Europas? Schriftsteller, viele von ihnen Aktivisten, erzählen von den aufwühlendsten Tagen ihres Lebens. Historiker, Soziologen und Politikwissenschaftler versuchen sich an einer Anatomie des Augenblicks.

• Andreas Kappeler: „Kleine Geschichte der Ukraine“
Verlag C.H. Beck, 4., überarbeitete und aktualisierte Auflage 2014
Aus der Verlagsinformation: „Dieses Buch informiert über die wichtigsten Ereignisse und Zusammenhänge der ukrainischen Geschichte.
Es setzt der vorherrschenden russozentrischen Perspektive eine ukrainische gegenüber und versucht gleichzeitig, ukrainische nationale Mythen kritisch zu überprüfen. Dabei wird nicht nur die Geschichte der Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart dargestellt; auch die Geschichte der in der Ukraine lebenden Polen, Russen, Juden und Deutschen wird mir berücksichtigt. Das Buch wurde für die Neuauflage aktualisiert und bis in die unmittelbare Gegenwart fortgeführt.“
Siehe die Rezension in Neues Deutschland vom 27.3.15

Aus Politik und Zeitgeschichte 47-48/2014, 17.11.2014: „Ukraine, Russland, Europa“
Bundeszentrale für politische Bildung
Aus der Inhaltsinformation: „Im November 2013 begann in Kiew der "Euromajdan": Nachdem der ukrainische Präsident Janukowytsch das Assoziierungsabkommen mit der EU platzen gelassen hatte, strömten Tausende Ukrainer auf den zentralen Platz (majdan) der Unabhängigkeit, um gegen diese Entscheidung zu demonstrieren. Der Konflikt zwischen eher Europa und eher Russland zugeneigten Kräften trat offen zutage, und aus dem zunächst friedlichen Protest entwickelte sich rasch eine breite Fundamentalopposition, die Janukowytsch aus dem Amt zwang.
Das Land ist seitdem nicht zur Ruhe gekommen: Es folgten der völkerrechtlich umstrittene Anschluss der Krim an die Russische Föderation sowie die militärische Eskalation im Osten der Ukraine. Wie könnte es weitergehen?

• Ute Schaeffer: „Ukraine – Reportagen aus einem Land im Aufbruch“
Verlag Klaus Wagenbach 2015
Die Autorin war u.a. Chefredakteurin der Deutschen Welle und baute zwischen 1999 und 2004 das ukrainische Programm des deutschen Staatssenders für das Ausland auf.
Aus der Verlagsinformation: „Um die Frage zu beantworten, was die Menschen in der Ukraine denken, sagen und fühlen, hat die Journalistin Ute Schaeffer eine Fülle an Material gesammelt. Statt den Fokus auf die militärische Auseinandersetzung zu legen, zieht Sie quer durch das zersplitterte Land mit seinen ganz unterschiedlichen Regionen.
Über Jahre hinweg führt Ute Schaeffer Gespräche mit Studenten, die nur noch weg wollen, Rentnern, denen das Geld für das Nötigste fehlt, mit Familien, die sich politisch entzweit haben, mit von Gewalt durch Polizei und Geheimdienst Betroffenen und mit den vielen Mutigen, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben.
Angesichts zweier gescheiterter Revolutionen und eines kaum zu durchbrechenden Dickichts an Korruption und Vetternwirtschaft ist es schwer, noch an Demokratie für das Land zu glauben. Die Autorin zeigt Wege, wie die Ideen des Maidan umgesetzt werden können, damit dieses europäische Land – nur wenige Flugstunden von uns entfernt – nicht zerfällt und im Chaos versinkt.
Schaeffer macht ebenso deutlich, dass (entgegen der durch russische Propaganda auch hier verbreiteten Annahme) mitnichten nur nationalistische Faschisten für ihr Land gekämpft haben, sondern engagierte Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft. Sie werden kein weiteres Mal zulassen, dass ihre politischen Forderungen missachtet werden. Die Ukraine hat sich auf den Weg gemacht in eine bessere Zukunft.

• Katharina Raabe und Manfred Sapper (Hg.): „Testfall Ukraine – Europa und seine Werte“
edition suhrkamp – Suhrkamp Verlag 2015
Aus der Verlagsinformation: „Der Nachfolgeband zu Euromaidan. Was in der Ukraine auf dem Spiel steht, dem wichtigsten Buch zur Krise in der Ukraine
Der Krieg in der Ostukraine ist ein Krieg im Zentrum Europas. Das wurde spätestens klar, als über dem Kampfgebiet eine zivile Verkehrsmaschine abgeschossen wurde. Über 300 Menschen, die meisten aus den Niederlanden, kamen ums Leben. Doch nichts geschah, was die Gewalt und den rasanten Zerfall von Zivilität bis hin zum Sterben der Millionenstädte Donezk und Luhansk hätte stoppen können. Die Ereignisse, die der Maidan-Revolution in Kiew folgten, von der Krim-Annexion bis zur Invasion russischer Truppen in Nowoasowsk, haben binnen weniger Monate die Grundlagen der europäische Nachkriegsordnung erschüttert: territoriale Integrität, Souveränität, Sicherheit, Frieden scheinen außer Kraft gesetzt. Russland und der Westen stehen sich wieder feindlich gegenüber. Wie konnte es dazu kommen? Und was bedeutet das für das künftige Zusammenleben in Europa? Schriftsteller und Publizisten suchen nach Antworten.
Mit Beiträgen von Alice Bota, Andreas Kappeler, Kateryna Mishchenko, Herfried Münkler, Serhij Zhadan u.a.

Kritische Perspektive:

• Peter Strutynski (Hg.): „Ein Spiel mit dem Feuer – Die Ukraine, Russland und der Westen“
PapyRossa Verlag 2014
Aus der Verlagsinformation: „Ein neues Feindbild ist geschaffen: Russland und Wladimir Putin. Sie bedrohen, so heißt es, die Ukraine und den Frieden in Europa. Eigene Absichten, Ursache und Wirkung lassen sich damit gut verhüllen. Eine erschreckend gleichförmige mediale Berichterstattung sorgt dafür, dass dieser Schleier nicht zerreißt, und trägt dazu bei, die Spannungen noch zu verschärfen. Gegen dieses Zerrbild wendet sich dieses Buch. Es fragt: Wie kam es zur Protestbewegung auf dem Maidan und zu ihrer Kaperung durch rechtsextreme Formationen? Welche Rolle spielte die westliche Einmischung beim Putsch in Kiew, durch den der gewählte Präsident gestürzt wurde? Welche Folgen hatte er für den Konflikt mit der Ostukraine? Welche Interessen verfolgen Deutschland, die EU, die NATO und die USA? Was führte zum Beitritt der Krim zur Russischen Föderation? Was liegt der russischen Politik zugrunde? Und nicht zuletzt: Wie kann eine friedliche Lösung aussehen?
Mit Beiträgen von Erhard Crome, Daniela Dahn, Kai Ehlers, Uli Gellermann, Willi Gerns, Lühr Henken, Arno Klönne, Jörg Kronauer, Reinhard Lauterbach, Norman Paech, Ulrich Schneider, Eckart Spoo, Peter Strutynski, Jürgen Wagner und Susann Witt-Stahl.

• Brigitte Queck: „Die Ukraine im Fokus der NATO – Russland – das eigentliche Ziel“
Zambon Verlag 2014
Aus einer Rezension in der Neuen Rheinischen Zeitung, 9.7.14: „Sirenengeheul! Eine Bombe. Sie wurde im Nachbarhaus entdeckt. Die Zündschnur sei schon gelegt. Explosionsgefahr – Feuer, Rauch, Tote!! Sekundenentscheidung: Die Bombe muss weg, die Zündschnur gekappt, die Brandstifter ermittelt und festgenagelt werden. Wer schaut dabei weg, wer will sich mitschuldig machen an einer sich anbahnenden Katastrophe?
Ein Schreckensszenario? Mitnichten. Zu dieser Erkenntnis muss man kommen, wenn man seit langem die Krise in der Ukraine verfolgt. Will man wissen, wo die Ursachen liegen, wer hier die Brandstifter sind? Da muss man sich halt an der richtigen Stelle schlau machen. …
Die seit Ende November 2013 bis Ende Februar 2014 andauernden Demonstrationen in der Hauptstadt Kiew gegen dem ukrainischen Präsidenten Janukowitsch und für einen Beitritt der Ukraine zur EU seien nicht zu verstehen, ohne folgende Zusammenhänge zu sehen: „1. über die Bedeutung der Ukraine für das kapitalistische Europa, aber vor allem für die von den USA geführte NATO, im Klaren zu werden; 2. die inneren Kämpfe in der Ukraine für bzw. gegen einen EU und NATO-Beitritt in der Vergangenheit zu beleuchten; 3. die Einordnung der Ukraine in die Kräftekonstellation in der Welt zu betrachten. (S. 7) …
Die Autorin stützt sich dabei auf bekannte und unbekannte Fakten, auf zahlreiche Dokumente und auf viele Analysen von Historikern, des US-Friedensrates sowie des Europäischen Friedensforums. Übersichtlich und in einer gut lesbaren Schrift teilt sie Ihr Buch auf in die inneren Probleme der Ukraine, in die aktuellen Geschehnisse von Ende Januar 2014 bis in die Gegenwart und in einen 172 Seiten umfassenden Anhang. Auffallend die für wichtig angesehenen Sätze in Fettschrift sowie die zahlreichen Fotodokumente von den Gewalttaten in der Ukraine.
Über Juschtschenko, den Wunschkandidaten des Westens, der durch Inszenierung einer „orangenen“ Revolution 2004 Präsident wurde, schreibt die Autorin, das rechtswidrige Vorgehen dieses Mannes sei eigentlich „nur mit dem Ermächtigungsgesetz Hitlers 1933 zu vergleichen“. (S. 12) Juschtschenkos Präsidialdiktatur sollte den schnellen EU- und NATO-Beitritt der Ukraine garantieren. Über Janukowitsch heißt es, er ließ sich von westlichen Politikern vorschreiben, gegen „friedliche Demonstranten“ nicht mit Gewalt vorzugehen. Wer hinter den blutigen Ausschreitungen stecke? Die Autorin: Mittlerweile sei bekannt, „dass das ganze eine konzertierte und seit Jahren vorbereitete Aktion der NATO in Verbund mit israelischen Spezialkräften war, deren ´nützliche Helfer´ (…) die Faschisten, in diesem Falle die Bandera-Nachfolger sowie die Nachfolger der SS-Division Galizien sind. Sie schreibt, es hätten sich zu damaliger Zeit etwa 5.000 NATO-Söldner in der Ukraine befunden, deren Zahl heute enorm gewachsen sei.
Allerdings brach die Krise in der Ukraine nicht wegen des korrupten ukrainischen Parlamentes aus, so Brigitte Queck, „sondern weil sich die ukrainische Regierung weigerte, das EU-Assoziierungsabkommen zu unterzeichnen“. Amerikanische Professoren analysierten das ca. 1.000seitige Dokument und kamen zu dem Schluss, es beziehe quasi die Ukraine in die NATO ein, „auch ohne eine durch ukrainische Gesetze geforderte Volksabstimmung“. (S. 78) Mit scharfen Worten geißelt die Autorin auf Seite 79 den von den USA und der EU angestrebten Regimewechsel in der Ukraine. Er sei Teil eines verdeckten Krieges gegen Russland. Die Installierung einer Stellvertreterregierung in Kiew und der Beitritt der Ukraine zur EU und zur NATO sei „eine direkte Bedrohung Russlands an der westlichen Grenze...“. …

• Kooperation für den Frieden: Dossier VII „Der Ukraine-Konflikt - Kooperation statt Konfrontation“
Von Andreas Buro und Karl Grobe mit Zuarbeit von Clemens Ronnefeldt, 2014
Aus der Inhaltsinformation: „Der Ukraine-Konflikt, der noch vor drei Jahren kaum vorstellbar war, birgt gefährliches Eskalationspotential in sich. Er spielt sich auf drei Ebenen ab, der Konfrontation zwischen den West- und Ost-Großmächten, auf der Ebene der innergesellschaftlichen Gegensätze der Ukraine und im bislang wenig beachteten Bereich zwischen den USA und der EU. Militärstrategische wie wirtschaftliche Komponenten sind von großer Bedeutung. Ohne einen Blick auf die Geschichte, sind die vielen Fäden des Konfliktes nicht zu entwirren. Die Gefahr der Eskalation des Konflikts ist beträchtlich. Sie darf nicht zum Selbstläufer werden, den möglicherweise keiner der Konfliktakteure unter Kontrolle bekommt, sei es aus außen- oder innenpolitischen Gründen. Unser Dossier hat zum Ziel die Möglichkeiten einer Deeskalation darzustellen und damit einen Weg vorzuzeichnen, der Konfrontation zu Kooperation werden lässt.

• Mathias Bröckers, Paul Schreyer: „Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren“
Westend Verlag 2014
Aus der Verlagsinformation: „Wer sind die Guten? Was geht Deutschland die Ukraine an? Und wie kommt es, dass ein  gescheitertes Abkommen mit der EU zu einer der gefährlichsten Krisen geführt hat, die Europa in den vergangenen Jahrzehnten erlebte? Alles Putins
Schuld? Oder ist die Wahrheit hinter diesem Konflikt, der nun den Frieden eines ganzen Kontinents bedroht, doch komplexer? Und welche Rolle spielen eigentlich die Medien? Sind sie noch unabhängige Berichterstatter oder längst selbst zur Partei geworden? Mathias Bröckers und Paul Schreyer schauen hinter die Kulissen eines politischen Spiels, das tödlicher Ernst geworden ist.
Seit der Westen sich im Kampf mit Putins Russland um die Ukraine wähnt, werden auch in Deutschland längst vergessene Kriegsängste wieder wach. Doch worum geht es in diesem Spiel wirklich? Und welche Rolle spielen die Medien? Irritiert spüren viele Leitartikler, wie ein wachsender Teil der Leserschaft ihnen nicht mehr länger folgt. Öffentliche und veröffentlichte Meinung gehen drastisch auseinander. Kritisiert wird eine Einseitigkeit in der Berichterstattung, die den Medienmachern selbst als böse Unterstellung gilt. Dabei ist das ständige Mantra vom "bösen Putin" kaum zu überhören. Wie kommt es, dass dem Publikum kein komplexeres Bild zugemutet wird? Bröckers und Schreyer schauen hinter die Kulissen und analysieren neben der Rolle der Medien auch den historischen Hintergrund des Ukraine-Konflikts, sowie die Rolle der Geopolitik. Denn tatsächlich sind Geostrategie und internationale Machtpolitik kein vergangenes Relikt des Kalten Krieges, sondern ein sehr einflussreiches Instrument der Gegenwart. Wer aber sind die realen Akteure und welche Interessen verfolgen sie?

• Wolfgang Bittner: „Die Eroberung Europas durch die USA – Zur Krise in der Ukraine“
VAT Verlag André Thiele 2014
Aus der Verlagsinformation: „»Stoppt Putin jetzt!« - Greift Russland an? Steht »der Iwan« vor der Tür? Seit Beginn der Ukraine-Krise springen uns in den Zeitungen Putin-Karikaturen entgegen, in denen er als kriegslüsterner Zar dargestellt wird. Vom Abschuss eines Passagierflugzeuges in der Ostukraine bis zu den in einen Bürgerkrieg ausgeweiteten Kämpfen: An allem trägt laut zahllosen Medienberichten Wladimir Putin die Schuld. Er scheint das personifizierte Böse zu sein.
Was nicht thematisiert wird: Der seit langem vom US-amerikanischen Geheimdienst geplante und finanzierte »regime change« in der Ukraine. Die USA investierten mehr als 5 Mrd. US-Dollar in den Sturz der legitimen Regierung der Ukraine und machten gezielt ihren Günstling Arsenij Jazenjuk zum Ministerpräsident.
Wie kann eine EU, wie kann ein souveränes Deutschland sich dies gefallen lassen?
Chronologisch, vom Beginn der Maidan-Ereignisse bis zu den letzten Entwicklungen im September 2014, schildert Wolfgang Bittner die verhängnisvolle Einflussnahme der US-amerikanischen Regierung auf die zentralen Medien und die Politik Europas.
Das Buch ist ein flammender Appell an die Vernünftigen in Europa und in den USA, den verhängnisvollen politischen Kurs zu ändern.
Statt eines Nachworts - drei Wortmeldungen zur Sache von Wladimir Putin, Karl-Wilhelm Lange und Willy Wimmer.

• Ronald Thoden/Sabine Schiffer (Hg.): „Ukraine im Visier – Russlands Nachbar als Zielscheibe geostrategischer Interessen“
Selbrund Verlag 2014
Aus der Verlagsinformation: „Die Ukraine ist nur wenigen als geostrategisch zentraler Ort bekannt. Die Berichterstattung verrät auch wenig darüber. Die politischen Entscheidungen zeugen jedoch von einer gewissen Nervosität, wenn es um die Integration der Ukraine in Westbündnisse wie die EU oder NATO geht oder um die in die Eurasische Wirtschaftsunion im Osten.
Das Zerren um die Ukraine hat inzwischen zu einem Bürgerkrieg geführt. Die darüber hinausgehende Kriegsrhetorik von Politik und Medien macht vielen Menschen Angst. Russland und Wladimir Putin scheinen sich zu einer imperialen Macht zu entwickeln, die von Westen her eingedämmt werden muss. Oder ist es doch andersherum? Nennen unsere Medien alle interessengeleiteten Akteure oder nur die einer Seite? Wo nahm die Krise ihren Ausgang?
Die Analysen in diesem Buch geben Auskunft über die geopolitische Bedeutung der Ukraine, Strategiepapiere, die in den meisten Medien wenig Beachtung finden, Entwicklungen im Land und leuchten auch den globalen Hintergrund der aktuellen Eskalationen aus.

• Jörg Kronauer: „»Ukraine über alles!« – Ein Expansionsprojekt des Westens“
konkret Verlag 2014
Aus der Verlagsinformation: „Der vorliegende Band soll die Rolle deutlich machen, die Deutschland und die übrigen westlichen Staaten für die Entwicklung der Ukraine spielten und spielen. Es geht um die politischen wie ökonomischen Interessen, die vor allem die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten zur Einmischung in innerukrainische Angelegenheiten veranlasst haben; es geht darum, welche Einflussinstrumente und Machtmittel die westliche Politik dabei eingesetzt hat. Und es geht um jene Tradition der Ukraine, an welche die westlichen Staaten dabei andockten und weiter anzudocken versuchen: die der NS-Kollaboration der »Organisation Ukrainischer Nationalisten«.

• Reinhard Lauterbach: „Bürgerkrieg in der Ukraine – Geschichte, Hintergründe, Beteiligte“
edition berolina 2014
Aus der Verlagsinformation: „Erst Proteste in Kiew, Regime-Wechsel und Neuwahlen, dann Annexion der Krim durch Russland und aktuell ein blutiger Bürgerkrieg im Osten des Landes zwischen der regulären Armee und Separatisten. Nicht wenige meinen, das alles sei vom russischen Präsidenten Wladimir Putin von langer Hand vorbereitet, um die Ukraine im russischen Einflussbereich zu halten. Wie passen aber dazu die Aktivitäten der Vereinigten Staaten, der NATO und der EU?
Ost-Experte Reinhard Lauterbach holt die überhitzte Debatte auf den Boden der Tatsachen zurück. Wohltuend nüchtern skizziert er in knapper Form die jüngere Geschichte der russisch-ukrainischen Beziehung, analysiert in sachlichem Ton die Entstehung des gegenwärtigen Krieges.
Ohne Schwarz-weiß-Malerei erklärt er die Interessenlagen der Großmächte und charakterisiert die handelnden Kräfte sowie deren Ziele. Entgegen der einseitigen Berichterstattung in hiesigen Medien kommt er in einem Ausblick zu einem differenzierten Blick auf das Geschehen und liefert somit einen unparteiischen Beitrag zu einem der wichtigsten Themen unserer Zeit.

• Malte Daniljuk (Hg.): „Facetten eines Konfliktes – Hintergründe und Deutungen des Krieges in der Ukraine“
Rosa Luxemburg Stiftung 2015
Aus der Inhaltsinformation: „Vor etwas mehr als einem Jahr begannen die Proteste auf dem Kiewer Maidan. Am 21. November 2013 starteten verschiedene Oppositionsparteien einen Protestmarathon, der die politischen Verhältnisse langfristig veränderte: nicht nur in der Ukraine, sondern auch in Europa und weltweit. Wenige Stunden zuvor hatte Ministerpräsident Mykola Asarow bekannt gegeben, dass die Vorbereitungen zur Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union ausgesetzt werden. Unter dem Hashtag #Euromaidan mobilisierte ein Bündnis, das die Zukunft der Ukraine ausschließlich bei der Europäischen Union sehen wollte.
Vom ersten Tag an wies das politische Spektrum, das den Platz besetzte, besondere Merkmale auf. Neben dem Bündnis aus Vitalij Klitschkos «Ukrainischer demokratischer Allianz für Reformen» (UDAR) und der Allukrainischen Vereinigung «Vaterland» von Julia Timoschenko, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in Haft befand, bestimmten die Rechtsextremisten aus Swoboda und dem Rechten Sektor das Geschehen auf dem Platz. Internationale Unterstützung erhielten die Demonstranten frühzeitig von US-Senator John McCain und der Staatssekretärin des US-Außenministeriums Victoria Nuland, während sich Politiker aus der Europäischen Union noch wochenlang sehr zurückhaltend verhielten.
Ein Jahr später herrscht in der Ostukraine Krieg. Über 1.000 Menschen starben allein während der angeblichen Waffenruhe zwischen den Aufständischen in den abtrünnigen Gebieten Lugansk und Donezk und dem ukrainischen Militär beziehungsweise den Freiwilligenverbänden. Insgesamt kamen bisher schätzungsweise 4.000 Menschen ums Leben. Ein Großteil der Gebäude und der Infrastruktur im Osten des Landes ist zerstört. Etwa eine Million Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben und leben als Flüchtlinge in Russland oder in der Ukraine. Die UNO warnt inzwischen vor einem «ausgewachsenen Krieg». Die Einflussnahme Russlands auf den Konfliktverlauf ist dabei offensichtlich. Die NATO führt Manöver in der Ukraine durch, und Russland nahm die Aufklärungsflüge seiner Langstreckenbomber an der Küste Nordamerikas wieder auf. Europa und die USA verhängten weitreichende Sanktionen gegen Russland. …
Mit dieser Publikation aus der Reihe Materialien legen wir Texte vor, die helfen sollen, die Ereignisse in der Ukraine in größere Kontexte einzuordnen. …

• Ralf Rudolph/Uwe Markus: „Kriegsherd Ukraine“
Phalanx Verlag 2015
Aus der Verlagsinformation: „Die Ukraine ist zum Spielball widerstreitender machtpolitischer Interessen geworden. Hintergrund des Bürgerkrieges ist vor allem die zunehmende geopolitische Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland. Durch die Einbindung der Ukraine in die EU und die NATO soll die wirtschaftliche und politische und Konsolidierung Russlands erschwert werden. Die Führung in Moskau hingegen will angesichts der zunehmend instabilen internationalen Lage die politische und militärische Handlungsfähigkeit ihres Landes sichern.
Siehe auch meinen Beitrag über die Buchvorstellung im Februar 2015: „Blick auf einen weiter schwelenden Kriegsherd 

• Gabriele Krone-Schmalz: „Russland verstehen – Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens“
Verlag C.H. Beck 2015
Aus der Verlagsinformation: „Antirussische Vorbehalte haben in Deutschland eine lange Tradition und sind in zwei Weltkriegen verfestigt worden. Auch in der Ukraine-Krise lässt sich ihre Wirksamkeit beobachten. Tatsächlich ist aber nicht nur das Verhältnis zwischen Russland, dem Westen und der Ukraine vielschichtiger als es der Medien-Mainstream suggeriert, sondern auch die russische Geschichte seit dem Ende des Kalten Krieges. Es liegt im ureigenen Interesse der EU, Russland als Partner zu haben. Wer diese Chance vertut, riskiert, dass Europa im Machtkampf künftiger Großmächte zerrieben wird.
Wie ist es um die politische Kultur eines Landes bestellt, in dem ein Begriff wie "Russlandversteher" zur Stigmatisierung und Ausgrenzung dient? Muss man nicht erst etwas verstehen, bevor man es beurteilen kann? Gabriele Krone-Schmalz zeigt in diesem Buch, wie einseitig das in den Medien vorherrschende Russlandbild ist und welche Chancen der Westen durch seine Arroganz verspielt hat. …

• Ulrich Heyden: „Ein Krieg der Oligarchen“
PapyRossa Verlag 2015
Aus der Verlagsinformation: „Ausgehend vom Brand des Gewerkschaftshauses in Odessa am 2. Mai 2014 wird die soziale und politische Entwicklung in der Ukraine analysiert. Detailliert wird beschrieben, wie Oligarchen und Regierungsmitglieder die extreme Rechte stark machten und sie zu Einschüchterungsaktionen gegen die Kräfte ermunterten, die für eine Föderalisierung der Ukraine eintraten. Es wird dargestellt, wie über Jahre zielgerichtet der Boden für eine nationalistisch / anti-russische Stimmung bereitet wurde. Dies war der rote Teppich, auf dem Faschisten und Nationalisten bis in höchste Ämter gelangten. Die Regierung weigert sich bis heute, das von unbekannten Scharfschützen verübte Massaker auf dem Maidan in Kiew, das ihre Machtübernahme einleitete, aufzuklären. Dasselbe gilt für den Brandanschlag auf das Gewerkschaftshaus in Odessa, mit dem die Bevölkerung in der Südostukraine eingeschüchtert wurde. Diese Verbrechen, bei denen jeweils etwa 100 Menschen starben, leiteten zum Bürgerkrieg über. Dagegen gibt es auch Widerstand.

Literatur:

• Tom Clancy: „Command Authority – Kampf um die Krim“
Heyne Verlag 2014 (Original 2013)
Ich nehme dieses Buch des US-patriotischen Thriller-Autors Tom Clancy mit auf, weil er rund ein Jahr zuvor den Ukraine-Konflikt in einem Thriller beschrieb, aus der Sicht der USA und natürlich mit Russland als Brandstifter. Gerade die US-Perspektive ist aus meiner Sicht interessant, weil sie einen Einblick in das Denken in den USA gibt, bei aller Phantasie eines Romans. Clancy wurden gute Kontakte zu politischen, militärischen und Geheimdienstkreisen nachgesagt. Das, was die USA tatsächlich betrieben, z.B. aktiv den Staatsstreich in Kiew im Februar 2014 zu befördern, wird in dem Roman natürlich Russland zugeschrieben, dass wie ein Spiegelbild der USA wirkt, zumindest was das Handeln der Herrschenden und Regierenden angeht. Interessant sind aus meiner Sich auch die von Clancy beschriebenen politischen und militärischen Mechanismen des US-Apparates, auch weil dem Autor immer wieder Detailtreue bei technischen Einzelheiten zugeschrieben wurde. Auch der Zeitpunkt, zu dem das Buch erschien, ist interessant. Ausgehend von der Möglichkeit, dass Clancy Einsicht hatte in Planungen und Szenarien der USA, könnte das Buch somit widerlegen, dass die Regierenden des Westens angeblich überrascht waren von der russischen Reaktion auf die Vorgänge in der Ukraine, die von den führenden Regierungen des Westens seit Herbst 2013 selbst aktiv befördert wurden, im Gegensatz zur Handlung des Buches. Aber Vorsicht: Es ist nur ein Roman.
Siehe auch die Rezension in der FAZ Online vom 7.3.14: „Wenn Tom Clancy es wusste, wieso nicht die EU?

Freitag, 13. Februar 2015

Blick auf einen weiter schwelenden Kriegsherd

Die Entwicklung im Ukraine-Konflikt war absehbar, stellten die Autoren des Buches "Kriegsherd Ukraine" am 12. Februar in Berlin fest. Eine friedliche Lösung sei bisher nicht sicher.

In dem Abkommen von Minsk, das von den Mitgliedern der sogenannten Kontaktgruppe am 12. Februar unterzeichnet wurde, stecken Ursachen dafür, dass es nicht eingehalten werden könnte. Darauf machte am selben Tag in Berlin Ralf Rudolph, ehemaliger DDR-Militär und Abrüstungsexperte, aufmerksam. Er hat  gemeinsam mit Uwe Markus das Buch „Kriegsherd Ukraine“ verfasst, das kürzlich erschien. Die Regelung im Abkommen, dass die Kiewer Truppen ihre schweren Waffen von der jetzigen Frontlinie zurückziehen sollen, die Aufständischen aber ihre von der Linie nach der Minsker Vereinbarung vom September 2014, sieht Rudolph als Quelle für neue Konflikte. Er habe sich auch gewundert, dass das Abkommen vom 12. Februar nicht von den in Minsk versammelten Präsidenten und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, Russlands und der Ukraine unterschrieben wurde. Stattdessen trägt es die Unterschriften der OSZE-Vertreterin Heidi Tagliavini, des Ex-Präsidenten der Ukraine Leonid Kutschma, den russische Botschafter in der Ukraine, Michail Surabow, sowie der Vertreter der Volksrepubliken Donezk und Lugansk, Alexander Sachartschenko und Igor Plotnizki. Auch die veröffentlichte Erklärung der vier Gipfelteilnehmer trage nicht deren Unterschriften, wunderte sich Rudolph und meinte, dass auch das nicht zur Durchsetzungskraft beitrage.
Eigentlich wollte er mit seinem Mitautor Markus in der Berliner Ladengalerie der Tageszeitung junge Welt nur das Buch vorstellen, das im Februar im Verlag Phalanx erschienen ist. Die am selben Tag gemeldeten Ergebnisse von Minsk sorgten dafür, dass es ein hochaktueller Abend wurde. Rudolph stellte fest, dass die neue Vereinbarung sich „im Wesentlichen auf die vom September 2014 stützt und fast wortwörtlich übernommen“ sei. Dazu gehöre der von der OSZE zu überwachende Waffenstillstand und der zweistufige Rückzug der schweren Waffen, die über 100 mm Kaliber auf 70 Kilometer von der Kampflinie, die Mehrfachraketenwerfer auf 140 Kilometer. Kiew sei verpflichtet worden, zu regeln, welche Gebiete in der Donbass-Region einen Sonderstatus erhalten sollen. Auch hier befürchtet Rudolph neuen Streit. Interessant findet er, dass auch unterschrieben wurde, dass bis Ende dieses Jahres eine neue Verfassung für die Ukraine verabschiedet werden solle, die den Sonderstatus für den Donbass festlegen soll. Im Abkommen sei außerdem festgeschrieben, dass alle ausländischen Militärs und Waffen auf beiden Seiten abgezogen werden sollen. Zudem sollen alle „ungesetzlichen Gruppen“ entwaffnet werden, damit auch die von Oligarchen finanzierten Privatarmeen und sogenannten Freiwilligen-Bataillone, die Freikorps. „Wie will Poroschenko das durchsetzen?“, fragte der Buchautor, wenn zum Beispiel die USA ab März mit Polen zusammen die Kiewer Truppen trainieren wollen, in deutlicher Personalstärke. Die mit Faschisten durchsetzten Freikorps hätten bereits mit einem Umsturz gedroht. „Das klingt so, als werde das Abkommen nicht eingehalten“, befürchtet Rudolph.
Zuvor hatte er gemeinsam mit Ko-Autor Markus zusammengefasst, wie sie in ihrem im Dezember 2014 abgeschlossenen Buch die Entwicklung des Konfliktes beschreiben. Ihn habe die Berichterstattung der deutschen Medien mit ihren „Unwahrheiten und manipulierten Aussagen“ aufgeregt, beschrieb er eines der Motive für das Buch: „Ich konnte das kaum mehr hören.“ Zudem sei er beruflich und privat oft in der Ukraine gewesen und mit einer Ukrainerin verheiratet. Seine Frau stamme aus Lugansk und habe seit dem Krieg keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie. Sein Partner machte unter anderem auf die Verbindungen zwischen den Eliten in der Ukraine und den Freikorps aufmerksam, die beide von den USA spätestens seit 2004 unterstützt worden seien. Die jüngste Äußerung von US-Präsident Barack Obama im CNN-Interview von einem „Deal zur Machtübergabe“ in Kiew habe deutlich bestätigt, dass die USA schon im Vorfeld des Konfliktes eigene geostrategische Interessen verfolgten. Die von ihnen unterstützten Kräfte wie Julia Timoschenko, Igor Kolomojski, Petro Poroschenko oder Alexander Turtschinow seien heute an der Macht. „Sie sollen heute richten, was sie in den Jahren zuvor anrichteten“, bezweifelte Markus die Reformfähigkeit von Poroschenko und Co. „Sie repräsentieren keinen Neuanfang und gehören zu den alten parasitären Eliten.“ Diese Kräfte seien mitverantwortlich für die heutige wirtschaftliche Lage des Landes. Sie hätten sich im Vorfeld der Maidan-Proteste Ende 2013 positioniert und begonnen eine Gegenmacht aufzubauen.

Unheilige Allianz aus Oligarchen und Freikorps


Ein Beispiel sei der Oligarch Kolomojski, der seine Übernahmen von Unternehmen mit Hilfe von Paramilitärs durchzog. Auch als Gouverneur von Dnjepropetrowsk stütze er sich auf kriminelle Gewalt und finanziere Freikorps. Diese würden nicht auf Kiew hören, sondern dem Oligarchen gehorchen. Sie hätten meist eine Vorgeschichte als rechtsextreme und neofaschistische Gruppen, deren Entwicklung vor etwa zehn Jahren begann. „Die Strukturen waren da“, stellte Buchautor Markus fest, „sie mussten nur noch ausgerüstet und vorbereitet werden.“ Die beiden Autoren beschreiben in ihrem Buch ausführlich die Traditionen der Freikorps wie dem faschistischen „Asow“-Bataillon.
Es gebe eine „unheilige Allianz aus der parasitären Elite der Oligarchen mit ihrer unbegrenzten Gier und Leuten aus kriminellem und rechtsradikalen Umfeld“, so Markus. „Das ist eine explosive Mischung“, die auch Poroschenko als Präsident zu schaffen mache und es im erschwere, die Zugeständnisse von Minsk in Kiew zu vertreten. Ungefähr 30 Freikorps existierten, ergänzte Ko-Autor Rudolph. Diese Kräfte würden ebenso wie die Nationalgarde ihre Aktivitäten nur schlecht mit der ukrainischen Armee koordinieren, was einer der Gründe für die Niederlagen der Kiewer Truppen sei. Markus wies daraufhin, dass Kiew behaupte, dass sich die Ukraine als souveräner Staat gegen eine Invasion wehren müsse. Aber für den Krieg würden Abschussprämien zerstörte Ziele ausgeschrieben - „das ist eine Bankrotterklärung“. Oligarch Kolomojski habe seinen Kämpfern schon immer Kopfprämien gezahlt. „Das wird ein Licht auf die Moral derjenigen, die das Sagen haben.“
Sie gehen ebenso auf die Vorgänge in Mariupol im Mai 2014 ein. Die Stadt habe neben Odessa mit seinem Tiefseehafen am Asowschen Meer einen der größten Häfen der Ukraine. „Dort hatten prorussische Bürger das Ruder in der Hand.“ Für die neue Führung in Kiew habe die Gefahr bestanden, dass beide Städte sich verbinden und damit die Südukraine in den Händen der Aufständischen wäre. Deshalb sei das Massaker von Odessa vom 2. Mai 2014 angezettelt worden und das Gleiche in Mariupol Tage später geschehen. Die Stadt sei für die „Volksrepublik Donezk“ ganz wichtig, um Kohle und Erz exportieren zu können. Doch das sei mit dem Massaker von Mariupol am 9. Mai 2014, dem traditionellen „Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus“, verhindert worden. Dabei wurden Berichten zufolge fast 100 Menschen getötet, worüber heute kaum gesprochen oder geschrieben wird. Das Rathaus sei seit April 2014 von Aufständischen besetzt gewesen, die sich immer wieder Plänkeleien mit der Polizei lieferten. Im Laufe der Auseinandersetzungen, an denen Kolomojskis „Dnejpr-Bataillon“ beteiligt war sei die Nationalgarde zu Hilfe gerufen worden, die mit Panzern einrückte und wie in Odessa vorgegangen sei. U.a. sei das von widerständigen Polizisten und Aufständischen besetzte Polizeipräsidium in Brand gesteckt worden. Dabei und in Folge des mit Hilfe von Panzern und schweren Waffen niedergeschlagenen Aufruhrs in der Stadt seien bis zu 100 Menschen getötet wurden. Die Nationalgarde musste sich zuerst zurückziehen, um dann wieder einzumarschieren. Inzwischen hat das faschistische „Asow“-Bataillon die Kontrolle über Mariupol.

"Anti-Terroroperation" hat Aufstand angeheizt


Das sei die Initialzündung für die flächendeckende bewaffnete Auseinandersetzung gewesen, betonte Ko-Autor Markus. Diese Vorgänge seien von Kiew wie im Fall Odessa genau andersherum dargestellt worden. Diese Unaufrichtigkeit, „eine Lüge baut auf der anderen auf“, die sich bei den Massakern von Odessa und Mariupol wie auch bei der MH17-Katastrophe zeige, habe zu dem großen Mißtrauen auf Seiten der Gegner Kiews geführt. So sei auch bei dem Gefangenenaustausch durch Kiew getrickst worden. Die beiden Städte haben sich wie die anderen aufständischen Gebiete erst nach der Krim von Kiew trennen wollen, erinnerte Markus. Die „Antiterror-Operation“, das Vorgehen des Militärs und der Freikorps. der Einsatz schwerer Waffen habe den Aufstand erst angeheizt. „Wenn Kiew zu Zugeständnissen bereit gewesen wäre, wenn mit den Menschen geredet worden wäre, wäre das nicht eskaliert.“ Der Widerstandsgeist, der bekämpft werden sollte, sei so befördert worden. Angesichts des Kiewer Vorgehens sei es auch zu einer stärkeren russischen Unterstützung für die Aufständischen gekommen.
In dem Buch beschäftigen sich Rudolph und Markus unter der Überschrift „Vorbereitung auf die Revanche“ mit der im September 2014 vereinbarten Waffenruhe. In dieser Phase sei der „Keim für die heutige Entwicklung“ gelegt worden, ist sich Markus sicher. Nachdem die Volksmilizen im August 2014 die Kiewer Truppen zurückdrängen konnten, habe die erste Vereinbarung von Minsk eine Zäsur bedeutet. Es sei klar gewesen, dass keine der beiden Seiten mit der territorialen Situation leben kann. Es habe keine klare Frontlinie gegeben und die folgenden Kiewer Truppenkonzentrationen an bestimmten Punkten hätten die späteren Einkesselungen geradezu provoziert. „Beide Seiten versuchten, ihre eigene Situation zu verbessern.“ Der Sonderstatus für die ostukrainischen Gebiete sei nicht genau definiert worden. Die Aufständischen wollten das für das gesamte Gebiet von Donezk und Lugansk, was Kiew ablehnte. Der Krieg sei verdeckt fortgesetzt worden, „das musste explodieren“. Es sei „militärisch logisch“ gewesen, dass die Donezker Volksmilizen versuchten, die Kiewer Truppen vom Flughafen zu vertreiben, da diese von dort aus die Stadt beschossen. „Die heutige Situation war damals schon angelegt, das wußte man auch“, so Markus.
Ko-Autor Rudolph ging detailliert auf die militärischen Entwicklungen ein und bestätigte, dass die Kiewer Truppen mit ihren Konzentrationen auf einzelne Punkte wie Illowajsk und Debalzewo die späteren Kessel verursachten. Die von ihnen dort geschlagenen Keile in die Gebiete der Aufständischen hätten dafür gesorgt. Rudolph widersprach den behaupteten großen Geländegewinnen der aufständischen Milizen. Die habe es nur beim Flughafen Donezk und um den wichtigen Verkehrsknotenpunkt Debalzewo gegeben. Dort seien zwei humanitäre Korridore für die Zivilisten gebildet worden, einer nach Artjomowsk unter Kiewer Kontrolle und einer nach Donezk. Während tausende Kiewer Kämpfer das zur Flucht genutzt hätten, seien die Bewohner von den Behörden nicht über den Fluchtkorridor nach Donezk informiert worden, so dass die Busse für sie meist leer zurückfuhren.

Erfolgszwang für Minsker Gipfel und Gefahren


Markus machte bei der Buchvorstellung auf die zwei Hauptlager in der Kiewer Führung aufmerksam. Für die stünden auf der einen Seite Präsident Poroschenko, der für eine friedliche Lösung angetreten sei. Auf der anderen Seite stehe Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk, ein Mann der USA, unterstützt von einer Reihe Personen in der zweiten Reihe, die zum Teil aus dem Ausland kommen, u.a. aus Georgien. Der Präsident stehe innenpolitisch unter Druck, daher sei vorher klar gewesen, dass er die Lösungen aus Minsk verkaufen können muss, „sonst ist er weg“. Daher habe es auch keine Regelung zur Autonomiefrage für die Ostukraine gegeben.
Der Autor beschrieb mit Blick auf den Minsker Gipfel als weiteres Problem, dass die USA über Jazenjuk einwirken und hineinregieren. Die Kriegstreiber in den USA wurden Präsident Barack Obama unter Druck setzen, der wegen der vermeintlichen Schlappe in Syrien als schwach dastehe. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ebenfalls unter Druck gestanden. Sie habe verhindern wollen, dass der Westen tiefer in eine Auseinandersetzung hineingezogen wird, vor der selbst gestandene Militärs wie Ex-General Harald Kujat warnten. Sie habe nicht mit einer Niederlage vom Platz gehen können. Ebenso habe der französische Präsident Francois Holland die Interessen Frankreichs sicher müssen, das gleichfalls nicht an einer Ausweitung des Konfliktes interessiert sei. Russlands Präsident Wladimir Putin habe mit dem Kompromiss Zeit gewonnen und verhindern können, dass die USA sich massiv einmischen, stellte der Buchautor fest. Die anderen müssten ihm dankbar sein, dass sie aus Minsk zurückkommen konnten, ohne ein Scheitern zu verbuchen.
Die Entscheidungsprozesse in der deutschen Regierung seien in Bewegung, aber nicht aus Freundlichkeit Russland gegenüber. In der Bundesregierung sei klar, dass der Westen nicht gerüstet ist für eine noch größere Auseinandersetzung und den Krieg in der Ukraine nicht weiter finanzieren könne, was derzeit der Fall sei. In Berlin habe sich die Vernunft durchgesetzt, meinte Markus, wozu die Folgen der Sanktionen beigetragen hätten. Deshalb gebe es auch Widerstand gegen „US-Leichtfertigkeiten“. Merkel habe einen Quasi-Erfolg gebraucht, sonst wäre der Konflikt außer Kontrolle geraten. Dafür habe sie sich gemeinsam mit Hollande auch für eine Verfassungsreform eingesetzt und damit in die ukrainische Souveränität eingegriffen. Die unklaren Regelungen im Abkommen zum Sonderstatus für Donezk und Lugansk bergen aus Sicht des Buchautors die Gefahr für ein neues Hickhack. Es bleibe spannend, wie Poroschenko in Kiew den Kompromiss verkaufe. „Die werden Sturm laufen“, fügte er hinzu, was dazu führen könne, dass die bisher schwelenden Konflikte in Kiew offen ausbrechen.

Ralf Rudolph/Uwe Markus: Kriegsherd Ukraine
Phalanx – Edition Militärgeschichte und Sicherheitspolitik
Berlin 2015, 269 Seiten, 16,95 Euro
ISBN 978-3-00-048432-2

Die Tageszeitung junge Welt hat dazu am 9.2.15 eine ausführliche Rezension von Arnold Schölzel veröffentlicht

ergänzt 15:18 Uhr: Ich habe am Ende des 7. Absatzes den Satz "Angesichts des Kiewer Vorgehens sei es auch zu einer stärkeren russischen Unterstützung für die Aufständischen gekommen." hinzugefügt, da die beiden Buchautoren die Rolle Russlands nicht außen vor lassen und ließen.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Ein stiller Putsch?

Hier folgt ein Hinweis auf ein Buch von Jürgen Roth, das erst noch erscheint. Dieser Hinweis wird weder vom Verlag noch vom Autor finanziert oder irgendwie gesponsort

"Der stille Putsch" heißt das nächste Buch von Jürgen Roth, das für den 24. März angekündigt ist. Ich habe es natürlich noch nicht, aber die Ankündigung hat mich gewissermaßen elektrisiert und lässt mich gespannt sein auf das Buch. Dazu hat beigetragen, was der Autor in "Die Mitternachtsregierung" (1990) ge- und beschrieben hat, aber auch, dass das Thema des neuen Buches zu dem passt, worauf ich vor knapp zwei Jahren hier schon einmal versuchte, aufmerksam zu machen: "Europas Mauer und der ökonomische Putsch"

Roth kündigt es auf seiner Website mit dem Verlagstext so an: "Sparen, sparen, sparen ist die Devise der meisten europäischen Politiker, denn nur dadurch sei die Krise zu bewältigen und der Wohlstand zu sichern. In Wirklichkeit geht es aber um etwas ganz anderes: Unter dem Deckmantel der Krisenbewältigung findet ein stiller Putsch gegen die europäischen Bürger statt. Bestsellerautor Jürgen Roth zeigt, wer die Putschisten sind und was sie bezwecken, was das für Deutschland und Europa bedeutet und wie wir uns dagegen wehren können - und müssen.
Was derzeit in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien passiert, ist erst der Anfang. Auch Deutschland und anderen europäischen Staaten soll es so ergehen: Durch drastische Sparprogramme werden die Löhne gesenkt, Einschnitte in die Sozial-, Gesundheits- und Bildungssysteme durchgesetzt, die Arbeitnehmerrechte reduziert und der Verkauf öffentlichen Eigentums vorangetrieben.
Unter dem Vorwand der Krisenbewältigung geht es um die gnadenlose Durchsetzung einer marktfundamentalen Politik - ein kalter Putsch gegen die europäische Zivilgesellschaft. Doch wer steckt dahinter? Eine mächtige Elite aus Wirtschaft und Politik, der nur ausgewählte Personen angehören und deren Ziel die Durchsetzung langfristiger wirtschaftsfreundlicher Strategien und die Entmachtung des Staates ist. Jürgen Roth nennt die Putschisten und ihre Helfershelfer beim Namen, er deckt auf, wie sie über das Schicksal Europas entscheiden, und zeigt, warum wir uns nicht länger belügen und täuschen lassen dürfen. - Ein brisantes Enthüllungsbuch."

Zu den Putschisten und ihren Helfershelfern, die Roth benennt gehört laut Information aus dem Verlag "ein exklusiver und ebenso verschwiegener Männderbund mit Sitz in Berlin und Zürich, der Entrepreneurs' Roundtable, dessen Mitglieder aus der Spitze der Wirtschaft, Banken und Medien stammen."

Ich bin gespannt auf das Buch und bin mir sicher: da ist Stoff zum Diskutieren nach dem Lesen drin.

Hier sind die Verlagsinformationen (Preis, ISBN, etc.) zu finden

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Blick in die Bücherkiste 2

Hier die zweite Folge meiner Hinweise auf interessante und lesenswerte (zumeist Sach-)Bücher hin, die auf Hintergründe und Zusammenhänge aufmerksam machen.
Aus Zeit- und nicht aus Werbegründen übernehme ich Auszüge aus den Verlagsinformationen. Geld bekomme ich dafür nicht.
Ich muss gestehen, dass ich selbst gar nicht so zum Lesen der interessanten Bücher komme, wie ich eigentlich möchte. Vielleicht ist der Bücherkistenblick ja Anregung für andere, die Bücher zu lesen und sich auch dazu zu äußern.

Armut im Alter - Probleme und Perspektiven der sozialen Sicherung
Von Christoph Butterwegge, Gerd Bosbach, Matthias W. Birkwald (Hg.), mit Beiträgen u.a. von Dr. Alfred Spieler (Volkssolidarität Bundesverband e.V.), Adolf Bauer (Präsident SoVD), Prof. Dr. Ernst Kistler
"Altersarmut ist ein Problem, das häufig mit der Alterung unserer Gesellschaft in Verbindung gebracht wird. Die drohende Verarmung von Millionen älteren Menschen in Deutschland ist aber vor allem auf sinkende Reallöhne, den expansiven Niedriglohnsektor, entsprechende Reformen des Arbeitsmarktes und eine falsche Rentenpolitik zurückzuführen. ... In diesem Band geben Expertinnen und Experten erstmals einen Überblick über die aktuellen Risiken, Erscheinungsformen und Ursachen von Altersarmut in Deutschland. Darüber hinaus diskutieren sie ein ganzes Bündel möglicher Maßnahmen für eine gerechte und solidarische Alterssicherung." (Verlagsinformationen)
Campus Verlag, 2012
393 Seiten, kartoniert
19,90 Euro
ISBN: 978-3-593-39752-8

Die Vorsorge-Lüge. Wie Politik und private Rentenversicherungen uns in die Altersarmut treiben
Von Holger Balodis/Dagmar Hühne
"Alle sagen: Private Rentenversicherung muss sein, sonst droht Altersarmut. Doch die von der Versicherungswirtschaft angebotenen Formen der Privatrente sowie Riester- und Rürup- Rente taugen nicht als Ersatz für die gesetzliche Rente. Im Gegenteil: Kunden verlieren Milliarden, weil private Rentenversicherungen systematisch zu ihrem Schaden konstruiert sind. Politiker, Finanzlobbyisten und Wissenschaftler haben die gesetzliche Rente demontiert, um das private Geschäft mit der Altersvorsorge anzukurbeln - zu Lasten der Rentner von morgen. Holger Balodis und Dagmar Hühne decken auf, wie sich ein mafiöses Interessengeflecht die Altersvorsorge zur Beute macht und uns in die Altersarmut stürzt." (Verlagsinformationen)
Econ Verlag, 2012
272 Seiten, Klappenbroschur
18 Euro
ISBN: 978-3-430-20142-1

NachDenkSeiten – Das kritische Jahrbuch 2012/2013
Von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb
"Dieses Buch soll Ihnen helfen, Rätsel zu lösen. Das ist ernst gemeint. Denn die öffentliche Debatte wie auch die politischen Entscheidungen werden immer räselhafter. (...) Können Sie sich zum Beispiel erkläen, warum bei uns seit Jahren ununterbrochen 'gespart' wird (und zwar meist auf Ihre Kosten) und die Schulden des Staates dennoch ständig steigen? Was passiert eigentlich, wenn die Eurozone auseinanderbricht? Welche Folgen hat es, nicht nur für die Menschen der betroffenen Länder, sondern auch für uns, wenn ein europäisches Land pleitegehen sollte? Kann eine Krisenbewältigungspolitik richtig sein, die ganze Nationen in Not und Elend zwingt?
Solche und viele andere Fragen mehr haben Sie sich sicher auch schon gestellt und es blieb Ihnen genau wie uns rätselhaft, welche Antworten die bisherige Politik darauf gegeben hat. ...
Weil dann - und nur dann, wenn immer mehr Menschen zu zweifeln beginnen und darauf drängen, dass über politische Alternativen nachgedacht wird - die Chance besteht, dass die politischen Entscheidungen besser werden. Weniger teuer. Weniger ungerecht. Weniger gefährlich für uns alle." (Verlagsinformationen)
Westend Verlag, 2012
256 Seiten, Broschur
14,99 Euro
ISBN: 978-3-86489-030-7

Der neue Obama - Was von der zweiten Amtszeit zu erwarten ist
Von Christoph von Marschall
"Christoph von Marschall hat den windungsreichen Lebensweg Obamas bereits 2007 beschrieben: die Prägungen durch den afrikanischen Vater, die Kindheitsjahre in Indonesien und Hawaii, seine Suche nach Identität als Afroamerikaner. Darauf aufbauend beschreibt er nun, wie Obama seine neu gewonnenen Erfahrungen im Wahlherbst einsetzt, welche Themen seine zweite Amtszeit beherrschen werden und warum es ihm sogar glücken könnte, die Republikaner zu einer Zusammenarbeit im Dienste Amerikas zu bringen.'" (Verlagsinformationen)
orell füssli Verlag, September 2012
240 Seiten, Broschur
14,95 Euro
ISBN: 978-3-280-05484-0

0,1 % - Das Imperium der Milliardäre
Von Hans Jürgen Krysmanski
"In diesem Buch geht es um die 0,1 Prozent: die Schicht der Superreichen. Sie umfasst weltweit nur wenige tausend Personen und Familien und ist ein globales, ein kosmopolitisches Phänomen. Alles Geld wird zu diesen Milliardären hingezogen wie in ein schwarzes Loch. Die Geldeliten verselbständigen sich, sie beginnen im wahrsten Sinne des Wortes, auf eigene Faust mit Söldnerarmeen, privaten Polizei- und Geheimdiensten zu operieren. Klimawandel, Ressourcenprobleme und wachsende, unumkehrbare Arbeitslosigkeit deuten auf ein kommendes globales Szenario nackter Überlebenskämpfe. Für eine solche Rette-sich-wer-kann-Welt glauben sich die Geldeliten gut gerüstet. Hans Jürgen Krysmanski zeigt, dass sich zukünftig neue und neuartige Klassenkonflikte entwickeln werden und dass wir letztlich nicht umhin kommen, an diesen Konflikten teilzunehmen." (Verlagsinformationen)
Westend Verlag, 2012
240 Seiten, Broschur
19,99 Euro
ISBN: 978-3-86489-023-9

Reiche Multis - arme Bürger - Die unsoziale Kehrseite der masslosen Unternehmensgewinne
Von Philipp Löpfe, Werner Vontobel
"'In unserer hyperglobalisierten Welt schreiben Unternehmen immer höhere Gewinne, während der Mittelstand immer ärmer wird. Welche Multis schöpfen wie viel ab? Und was können wir dagegen tun? Unternehmensgewinne können auch zu hoch sein. Die Tätigkeit multinationaler Konzerne hat eine Komplexität erreicht, die nicht mehr kontrollierbar ist. Grund dafür ist die atomisierte Lieferkette. Aus sozialen Unternehmen wurden über den Globus verstreute Einheiten, die niemandem Rechenschaft schuldig sind. Das Buch zeigt, wie es zur heutigen Situation kam und wie die Multis im Cyberspace noch mächtiger und monopolistischer werden. ... Es werden die Folgen dieser Entwicklung für Volkswirtschaft, Gesellschaft und Umwelt aufgezeigt, aber auch Ansätze diskutiert, wie diese fehlgeleitete Globalisierung korrigiert werden kann." (Verlagsinformationen)
orell füssli Verlag, 2012
224 Seiten, gebunden
19,95 Euro
ISBN: 978-3-280-05473-4