Ein Blick auf Vorstellungen von Donald Trump und seinen Beratern über die künftige Militär- und Kriegspolitik der USA
Ich habe kürzlich auf eine Warnung des US-Politikers Dennis Kucinich vor einer US-Kriegs-Präsidentin Hillary Clinton aufmerksam gemacht. Nun wird Donald Trump US-Präsident und selbstverständlich ist die Frage, was das für die künftige US-Außen- und Kriegspolitik bedeutet. Eine mögliche Antwort ist derzeit nur auf Grundlage des bisher Wenigen zu geben, was von Trump oder aus seinem Umfeld dazu erfahren war.
Da ist zum einen sein im Mai 2016 veröffentlichtes Buch „Great Again! Wie ich Amerika retten werde“ (auf deutsch im Plassen Verlag erschienen). In diesem bezeichnet er die Position der Macht als „starkes Fundament“ für die Außenpolitik (ale Zitate aus der Ebook-Ausgabe, deshalb ohne Angabe der Seitenzahl). „Und das bedeutet, wir müssen das stärkste Militär der Welt unterhalten, und zwar das mit Abstand stärkste.“ Trump will vor allem die wirtschaftliche Stärke der USA nutzen, um willige Staaten für Zusammenarbeit zu „belohnen“ und die anderen zu „bestrafen“. Und: „Wenn wir auch weiterhin den Weltpolizisten geben, dann sollten wir dafür auch bezahlt werden.“ Er will die militärische Fähigkeit der US stärken, „jemandem … tatsächlich auf die Fresse hauen zu können.“ Das Militär müsse „anständig“ finanziert werden, denn: „Die beste Methode, unsere militärische Macht nicht nutzen zu müssen, besteht darin, diese Macht sichtbar zu machen.“ Trump will mit steigenden Rüstungsausgaben Frieden erkaufen und nationale Sicherheit gewährleisten. Er argumentiert auch mit den Arbeitsplätzen, die so in den USA geschaffen und gesichert werden können. Mehr Geld fürs US-Militär sollen aber auch andere zahlen: „Wenn andere Länder davon abhängig sind, dass wir sie beschützen, sollten sie dann nicht auch bereit sein, dafür zu zahlen, dass wir dazu imstande sind?“ Trump denkt dabei an Saudi-Arabien, Südkorea, Deutschland, Japan und manch anderes Land mit US-Stützpunkten. Die Frage, ob diese Staaten wirklich darum gebeten haben, US-Soldaten ins Land zu bekommen, stellt er in seinem Buch nicht.
Mit Blick auf die Kriege der USA gegen den Irak stellt er fest: „Wie auch immer man das nennen will, was wir im Irak getan haben, es hat uns 2.000 Milliarden Dollar gekostet. Mir ist noch immer nicht klar, warum wir es getan haben, aber wir haben es nun einmal getan.“ Sein Fazit: „Wir geben Milliarden und Abermilliarden dafür aus, andere Länder zu schützen. Wir bezahlen für das Vorrecht, ihre Kämpfe für sie auszutragen. Für mich ergibt das keinen Sinn.“ Dafür sollen nun die anderen Länder wie zum Beispiel Kuwait bezahlen. Trump ist nicht gegen weitere US-Interventionen in der Welt, bezeichnet den Einmarsch von US-Truppen aber als „allerletzten Ausweg“. Er begründet das mit den Opfern unter den eigenen Soldaten in Folge der Kriege. Seine Einsatzregel sei „ziemlich simpel: Damit wir in einen Konflikt eingreifen, müssen unsere nationalen Interessen direkt bedroht sein“. „Anders gesagt: Meine Strategie wäre das genaue Gegenteil der Strategie gewesen, mit der wir in den Krieg gegen den Irak zogen. Der Irak war keine Bedrohung für uns. Das amerikanische Volk hatte keine Ahnung, warum die Regierung Bush beschloss, dieses Land anzugreifen.“ Er kritisiert dabei auch die damals als Kriegsgrund frisierten Geheimdienstberichte über angebliche irakische Massenvernichtungswaffen. Zugleich betont Trump: „An einigen Orten der Welt ist massive Gewaltanwendung erforderlich.“ Diese sei gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) notwendig, meint der nunmehrige nächste US-Präsident in seinem Wahlkampfbuch. Er will den IS notfalls mit Bodentruppen bekämpfen, aber auch mehr Bomben werfen lassen, „um es dem IS unmöglich zu machen, irgendwo in der Region eine sichere Zuflucht zu finden“. Die von den Islamisten eroberten Felder mit „all dem Öl im Irak und in Syrien, das wir uns hätten holen sollen“, will Trump „in Schutt und Asche“ legen lassen, um den IS von seinen Geldquellen abzuschneiden.
Der Iran sei weiter ein Feind „und eine Gefahr für die Existenz Israels“, solange das Land eine islamische Republik sei. Zugleich verspricht Trump Israel, „unsere traditionell enge Verbindung“ wiederherzustellen, „denn es ist die einzige stabile Demokratie in der Region“. Dem Iran wirft er nicht nur vor, Israel beseitigen zu wollen, sondern auch die USA mit Raketen angreifen zu wollen und Terroristen auszubilden. „Wir müssen den Iran stoppen, er darf diese Mörder nicht länger unterstützen.“ Der Atomdeal seines Vorgängers Barack Obama mit Teheran ist für ihn der schlechteste Vertrag, den er je gesehen habe, und „eine Schande“. Trump behauptet, dass es weiter eine „reale Möglichkeit“ sei, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Seine Drohung ist deutlich: „Beschließen die Iraner, uns (oder die Internationale Atomenergiebehörde) an Inspektionen ihrer Anlagen zu hindern, dann können wir nicht allzu viel dagegen tun, außer zu militärischen Mitteln zu greifen.“ Und: „Egal, was es kostet und was wir dafür tun müssen – wir dürfen nicht zulassen, dass der Iran eine Atomwaffe baut.“ Immerhin zeigt er sich bereit, weiter mit Teheran zu verhandeln.
China bezeichnet Trump in seinem Buch als „größte Herausforderung“ für die USA neben Russland. „Momentan beschränkt sich unser Wettbewerb mit China auf die Wirtschaft und es ist ein Duell, bei dem wir seit Langem verlieren.“ Er verweist darauf, wie abhängig die US-Wirtschaft inzwischen von der chinesischen ist, aber auch umgekehrt. Aber die USA hätten sich „kampflos ergeben“ in diesem Wettbewerb und die gegenseitige Abhängigkeit nicht zum eigenen Vorteil ausgenutzt, um die Chinesen zu besiegen. China sei ein Feind, betont Trump und begründet das u.a. so: „Die Chinesen haben mithilfe von Niedriglöhnen ganze Industriezweige vernichtet, sie haben uns Zehntausende Arbeitsplätze gekostet, sie haben unsere Unternehmen ausspioniert, unsere Technologie gestohlen und sie haben ihre Währung manipuliert und abgewertet, was es für uns schwerer und manchmal auch unmöglich macht, unsere Produkte dort loszubekommen.“ Trump will das Verhältnis so verändern, dass mehr für die USA rauskommt, und dafür „hart gegenüber den Chinesen aufzutreten“.
Am Ende des Buchkapitels zur Außenpolitik wiederholt er, dass er es für falsch hält, die eigene militärische Strategie öffentlich zu machen. „Ich will nicht, dass die Menschen ganz genau wissen, was ich tue – oder denke. Ich bin gerne unberechenbar. So fühlen sich die anderen nicht zu sicher.“ Jede Außenpolitik fange „mit einem starken Militär“ an. Und so verspricht Trump für seine Wahl zum US-Präsidenten: „Wir werden über das stärkste Militär in unserer Geschichte verfügen und unsere Leute werden die besten Waffen und den besten Schutz haben, den es gibt.“ Die Kosten dafür will er „zum Teil auf die Saudi-Araber umlegen, auf die Südkoreaner, die Deutschen, die Japaner und die Briten“. Erst dann, „als Nächstes“ will er aus einer Position der Stärke heraus agieren. Militärisch und wirtschaftlich will er „die Bündnisse mit unseren natürlichen Verbündeten“ stärken, fordert von diesen aber mehr Einsatz. So wundert er sich auch, „warum Deutschland und andere Länder tatenlos zusahen, während Putin in der Ukraine einmarschierte“.
Soweit der nun 45. US-Präsident in seinem im Mai herausgegebenen Wahlkampf-Buch. Über die „Rüstungs- und Militärpolitik von Donald Trump“ veröffentlichte Professor Albert Stahel von der Universität Zürich am 6. November 2016 einen Beitrag auf der Website des Schweizer „Institut für Strategische Studien“. Er bezog sich dabei auf Aussagen von Trumps sicherheitspolitischen Beratern, Senator Jeff Sessions von Alabama und Repräsentant Randy Forbes aus Virginia in einem Interview mit der Zeitschrift Defense. „Die Hauptaussage der beiden Berater ist die, dass Trump sich um die Aufhebung der durch den Kongress festgelegten Obergrenze (the Sequester) für die Verteidigungsausausgaben einsetzen würde“, so Stahel. Das diene dem Ziel, die US-Streitkräfte wieder aufzustocken und mit neuem Kriegsgerät auszurüsten sowie vorhandenes zu modernisieren. Dazu werden von Trumps Beratern laut Stahel auch die Nuklearwaffen gezählt: „Dieses Arsenal müsste dringend modernisiert und durch ein wirkungsvolles Raketenabwehrsystem ergänzt werden, so insbesondere für den Schutz von Japan und Südkorea gegenüber den Machtansprüchen Chinas.“ Während Trump sich im Buch nur wenig zu Russland äußerte, erklären seine Berater in dem zitierten Interview, dass ein Ausgleich und ein Einvernehmen mit Russland angestrebt werde. „Es liege nicht im Interesse der USA, mit Russland eine andauernde Konfrontation, wie es offenbar Hillary Clinton vorschwebt, aufrecht zu erhalten“, gibt Stahel die Berater-Aussagen wieder. Mit Blick auf die NATO heißt es unter anderem: „Die USA würden in Zukunft die NATO-Alliierten nicht mehr darum bitten ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.“
Trumps sicherheitspolitische Berater wiederholen das Ziel, dass der IS vernichtet werden müsse. „Dazu gehöre auch, dass unerwünschte Immigranten, die die Sicherheit der USA bedrohen würden, an einer Einreise gehindert würden“, fasst Stahel die Aussagen zusammen. Und: „Sobald einmal das Ziel der Vernichtung des IS erreicht sei, müssten die USA die bisher betriebene Einmischungspolitik in Nordafrika und im Mittleren Osten, die zu fatalen Folgen, wie die Zerstörung von Libyen und Syrien, geführt hätte, beenden und ihre Militärmacht mit Priorität auf den Pazifik ausrichten.“ Denn im pazifischen Raum liege die Zukunft der wirtschaftlichen Interessen der USA. „Die Aussagen der beiden Politiker zur Rüstungs- und Militärpolitik von Donald Trump geben ein besseres Bild über dessen sicherheitspolitische Absichten als möglicher Präsident wieder, als dies bisher der Fall war“, meint Politikwissenschaftler Stahel. Was davon nun umgesetzt wird, hängt seiner Meinung nach von zwei Faktoren ab: Von den finanziellen Mitteln der USA für die Streitkräfte und der geopolitischen Lage. „Die USA sind bankrott und beim Hauptrivalen China hochverschuldet!“, erinnert Stahel und ergänzt: „Die geopolitische Lage wird heute nicht mehr durch den ehemaligen Weltpolizisten USA allein diktiert. Zu wichtigen Mitspielern sind auch die Russische Föderation und die Volksrepublik China geworden. Die Zeit der amerikanischen Alleinherrschaft in der Welt ist definitiv vorbei.“ Wir werden sehen, wie der US-Präsident Donald Trump damit umgeht und welche Versprechungen und Drohungen aus der Zeit vor der Wahl er wahr machen wird. Mehr als das Beobachten dessen, was tatsächlich geschieht, bleibt uns nicht, außer solidarisch mit der US-Friedensbewegung zu sein und von der Bundesregierung auch im Verhältnis zu den USA einen klaren Kurs weg von mehr Krieg hin zu friedlicher Konfliktlösung einzufordern.
Buchtipps zum Thema:
• "Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
• "TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
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"Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
"Das
Buch zieht eine erste Bilanz der Präsidentschaft Barack Obamas. Es
dokumentiert die Ergebnisse der Wahlen zum Kongress und in den
Einzelstaaten, die an Bedeutung zunehmen. Analysiert werden die
Einflüsse der Tea Party, der Wahlkampffinanzierung und der Super PACs
auf den politischen Wettbewerb, der polarisiert ist wie selten zuvor in
der amerikanischen Geschichte. Welche Spuren diese neuen politischen
Entwicklungen im Kongress und in den Strategien der Kongressmitglieder
hinterlassen, wird ebenso untersucht, wie die Folgen für das politische
Erbe Obamas. Die Gründe, warum der erste afro-amerikanische Präsident
der Vereinigten Staaten die hohen Erwartungen an seine „transformative
Präsidentschaft“ nur begrenzt erfüllen konnte, werden anhand der
wichtigsten Handlungsfelder des Präsidenten erörtert: Obama als
„executive leader“, als „legislative leader“ und in seinem Verhältnis
zur Judikative. Auf die Gesundheitsreform als dem zentralen
innenpolitischen Vermächtnis des Präsidenten legt das Buch ein
besonderes Augenmerk – wie auch auf die Außenpolitik, die das Bild
Obamas in der Welt bestimmen wird." (Verlagsinformation)
"Die USA am Ende der Präsidentschaft Barack Obamas - Eine erste Bilanz"
Herausgeber: Gellner Winand, Horst Patrick
Springer Verlag, 2016
Softcover, 404 Seiten
44,99 €
ISBN 978-3-658-11063-5
Auch als e-Book erhältlich
Link zur Verlagsinformation
"TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
"Der
schier unaufhaltsame Aufstieg des Donald Trump, seine triumphalen
Erfolge in den Vorwahlen markieren schon jetzt den wichtigsten
innenpolitischen Wandel in den USA der letzten fünfzig Jahre. Noch nie
hat die Führung einer Partei so massiv, so offen und so wirkungslos
versucht, ihren eigenen Spitzenkandidaten zu demontieren. Und noch nie
wurde eine Partei von einem ihrer Kandidaten so vor sich hergetrieben
wie die der Republikaner von dem Alleszermalmer Trump."
(Verlagsinformation)
"TRUMPLAND - Donald Trump und die USA"
Von Walter Niederberger
Orell Füssli Verlag, 2016
Broschur, 224 Seiten
17,95 €
ISBN 978-3-280-05638-7
Link zur Verlagsinformation
Obama hat erneut einen ehrlichen oder eher offenen
Moment gehabt und in einem weiteren Interview erklärt, wie er bzw. die
Kräfte, für die er Politik macht, Diplomatie verstehen: „…we've got
to have the strongest military in the world, and we occasionally have to
twist the arms of countries that wouldn't do what we need them to do if
it weren't for the various economic or diplomatic or, in some cases,
military leverage that we had — if we didn't have that dose of realism,
we wouldn't get anything done, either.” Auf deutsch: "Wir müssen gelegentlich den Arm von Ländern umdrehen,
die nicht das tun, was wir von ihnen wollen. Wenn es nicht die
verschiedenen wirtschaftlichen oder diplomatischen oder, in einigen
Fällen, militärische Druckmittel die wir haben, gäbe, wenn wir diese
Dosis Realismus nicht hätten, würden wir auch nichts erledigt bekommen."
Gesagt hat das Obama gegenüber dem US-TV-Sender Vox am 11.2.15 in einem langen Interview über die US-Politik. Erneut hat statt deutscher Medien der russische Sender RT deutsch darauf aufmerksam gemacht und am 12.2.15 darüber berichtet. Sie übersetzten weitere interessante Passagen aus Obamas Antworten auf deutsch, darunter auch folgende: „Wir
haben niemanden Ebenbürtiges haben im Sinne von Staaten, die die
Vereinigten Staaten angreifen oder provozieren könnten. Am nächsten uns
kommt offensichtlich Russland mit seinen Atomwaffen, aber allgemein
gesehen, ragen sie in der Welt nicht so hervor, wie wir. China auch
nicht. Wir geben mehr für unser Militär aus als die nächsten zehn Länder
zusammen.“ Und: „Nun, die amerikanische Führung kommt
teilweise aus unserer Anpackmentalität. Wir sind das größte, mächtigste
Land der Erde. Wie ich schon in vorherigen Ansprachen betont habe, wenn
Probleme auftauchen, ruft man nicht Peking. Man ruft nicht Moskau. Man
ruft uns. Und wir nehmen diese Verantwortung bereitwillig an. Die Frage
ist meiner Meinung nach, wie diese Führung ausgeführt wird.“
Erst kürzlich, am 1.2.15, hatte der US-Präsident im Interview mit CNN
ganz unbefangen vom Deal gesprochen, den die USA für den Sturz des
gewählten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch eingegangen
seien. Siehe auch meinen Beitrag vom 2.2.15 dazu: „Obama bestätigt US-geführten Putsch in Kiew“.
Es könnte als erstaunlich angesehen werden, dass Obama so offen
erneut zugibt, wie er und seine Administration Politik betreiben und die
Welt sehen. Aber vielleicht ist es grad dieser Größenwahn, der ihn dazu
bringt, so offen zu reden, weil er keinen Widerspruch und Widerstand
fürchtet. Eine mögliche Erklärung lieferte der US-Korrespondent des
Schweizer Tages-Anzeigers Nicolas Richter in einem Beitrag vom 9.2.15: „Barack
Obama ist in diesen Tagen so selbstbewusst wie selten. Er ist jetzt im
siebten Jahr seiner Präsidentschaft, die längste Zeit an der Macht hat
er hinter sich. Aber der Präsident legt grossen Wert darauf, dass er
keine lahme Ente ist. Die oft bemühte «lahme Ente» ist ohnehin ein
Trugbild: Wie die Geschichte zeigt, gelingen vielen US-Präsidenten
gerade am Ende ihrer Karrieren einige der grössten Erfolge, vor allem im
Ausland. Im vergangenen Herbst, als Obamas Demokraten eben erst sehr
deutlich die Parlamentswahl verloren hatten, gab sich der
Commander-in-Chief denn auch keineswegs zermürbt. «Es geht mir
grossartig», sagte er.“
Vielleicht sind solch offenen Worte vor allem an seine Kritiker in
den USA selbst gerichtet. Wer interessiert sich sonst in der Welt schon
dafür, was der kriegtreibende Friedensnobelpreisträger so von sich gibt …
Bedenkenswert in dem Zusammenhang finde ich, was Richter weiter
schreibt: Obama wirke „in diesen Tagen gelöst, ja befreit. Die
amerikanische Wirtschaft wächst noch schneller als vorhergesagt, die
Krisenjahre nach 2008 sind endgültig vorbei; dies verleiht Obama neue
Autorität, es setzt frische Kräfte frei. Ausserdem muss er sich in
seinem Leben keiner Wahl mehr stellen, er kann jetzt tun, was er für
richtig hält, ohne Rücksicht auf Opposition oder öffentliche Meinung.
Wenn da nicht die restliche Welt wäre.
Im Verhältnis Obamas
zum Rest der Welt scheint abgewandelt ein Spruch zu gelten, den man
sonst auf das Verhältnis von Ärzten zu ihren Patienten anwendet: Es wäre
grossartig, der mächtigste Mann der Erde zu sein – wenn nur die anderen
Länder nicht wären.“ So gesehen, sind Obamas Interview-Äußerungen nicht überraschend.
Aber das ist ja alles nichts Neues. Am 25.9.13 hatte ich schon einmal auf „Klare Worte eines Friedensnobelpreisträgers“ aufmerksam gemacht: „Der
US-Präsident hat am 24. September auf der UN-Generalversammlung klar
gemacht, um welche Interessen es geht, wenn die USA mit Krieg drohen
Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti gab das am 24. September
so wieder: "Die Vereinigten Staaten werden ihre Interessen im Nahen
Osten und in Nordafrika laut Präsident Barack Obama mit allen Mitteln,
darunter auch mit militärischen verteidigen.
„Die USA sind
bereit, alle Elemente unserer Potenzen zu nutzen, darunter auch
militärische Gewalt, um unsere Schlüsselinteressen in der Region
sicherzustellen“, sagte Obama am Dienstag auf der UN-Vollversammlung in
New York."
Im Original
liest sich das so: "So let me take this opportunity to outline what has
been U.S. policy towards the Middle East and North Africa, and what
will be my policy during the remainder of my presidency.
The United States of America is prepared to use all elements of our
power, including military force, to secure our core interests in the
region.
We will confront external aggression against our allies and partners, as we did in the Gulf War."
Obamas Rede kann hier nachgeschaut und gehört werden.“
Das scheint nicht nur für den Nahen Osten und Nordafrika zu gelten, wie Obama selbst bestätigte, als er am 28. Mai 2014 den Absolventen der US-Militärakademie West Point und dem Rest der Welt erklärte, dass und warum die USA die Führungsrolle inne hat und haben muss. In der Ausgabe 23/14 des Freitag vom 5. Juni 2014 hat Konrad Ege einige Passagen der Präsidentenrede wiedergegeben: „Kaum
jemals zuvor sei Amerika ‚stärker gewesen, verglichen mit dem Rest der
Welt‘, so Obama vor der Militärakademie West Point. Wer anderes
behaupte, deute die Geschichte falsch oder sei parteipolitisch
motiviert. ‚Amerika wird auf der Weltbühne immer führen. Wenn wir das
nicht tun, wird es niemand tun.‘“ Ich hatte darauf am 11.6.14 im Text "(Nichts) Neues vom US-Imperialismus" hingewiesen.
Auch auf das, was der US-Politiker und -Publizist Paul Graig Roberts am 2. Juni 2014 in einem Text, auf deutsch veröffentlicht u.a. vom Online-Magazin Cashkurs am 3. Juni 2014, zu Obamas damaliger Rede feststellte: „Im
Rahmen seiner Rede an der Militärakademie West Point teilte uns Obama
unter Applaus der zuhörenden West Point Kadetten mit, dass sich aus der
‚Einzigartigkeit Amerikas‘ eine Doktrin ableite, die als Rechtfertigung –
für welche Unternehmungen Washingtons auch immer – zu verstehen sei.“ Roberts wies darauf hin, dass Obama die Rechtsstaatlichkeit auf den Kopf stellte, als er sagte: „Ich
glaube mit jeder Faser meiner Seele an die Einzigartigkeit Amerikas.
Doch was uns einzigartig macht ist nicht unsere Fähigkeit,
internationale Regeln und die allgemeine Rechtstaatlichkeit zu
missachten, sondern es ist unser unbedingter Wille, beides durch unser
Handeln zu bewahren.“ So verwandelten sich „Washingtons Verbrechen … in ein Bekenntnis zur Wahrung der Rechtstaatlichkeit“, stellte Roberts, Ex-Vize-Finanzminister unter Ronald Reagan, fest. Die von Obama verkündete „Einzigartigkeit“ der USA habe allein im 21. Jahrhundert sieben souveräne Nationen komplett oder teilweise zerstört. „Millionen
von Menschen sind tot, verkrüppelt oder ihrer Heimat beraubt, und all
diese kriminelle Zerstörungswut ist Beweis für Washingtons Bekenntnis
zur Einhaltung internationaler Normen und der allgemeinen
Rechtstaatlichkeit.“
Mein Vorschlag von 2013 „Vielleicht sollte der ihm verliehene Nobelpreis einfach in "Kriegsnobelpreis" umbenannt werden, da kann er ihn behalten.“
blieb bisher ohne Reaktion. Nicht bekannt ist ebenso, ob Obama den
„Friedensnobelpreis“ zurückgibt oder dieser ihm aberkannt wird.
aktualisiert: 15.2.15, 1:59 Uhr
"Historisch war einzig der Ort", stellt Patrick Marcolli im Schweizer Tages-Anzeiger am 20. Juni 2013 fest. Und weil vieles fehlte, was Obama hätte sagen können, hier noch ein Nachtrag dazu:
Auch das, was John F. Kennedy am 27. April 1961 in New York vor den US-Zeitungsverlegern sagte, war nicht im Ansatz von Obama am 19. Juni 2013 in Berlin zu hören. Weil es so passt, sei nochmal daraus zitiert: Kennedy sprach damals u.a. von der "Notwendigkeit für weitreichende öffentliche Information; und erst in zweiter Linie die Notwendigkeit für weitergehende Geheimhaltung."
Und weiter: "Schon vor langer Zeit haben wir entschieden, daß die Nachteile einer übermäßigen Geheimhaltung die Gefahren übersteigen, mit denen diese gerechtfertigt wird. Es macht wenig Sinn, einer unfreien Gesellschaft zu begegnen, indem man ihre Beschränkungen imitiert.
Auch heute hat das Überleben unserer Nation keinen Wert, wenn unsere (freiheitlichen) Traditionen nicht ebenfalls fortbestehen. Es gibt eine sehr ernste Gefahr, daß der Vorwand der Sicherheit mißbraucht wird, um Zensur und Geheimhaltung auszudehnen.
...
Diese Administration beabsichtigt, freimütig zu ihren Irrtümern zu stehen. Denn wie ein weiser Mann einst sagte: "Ein Irrtum wird erst zu einem Fehler, wenn man sich weigert, ihn zu korrigieren." Wir beabsichtigen, die volle Verantwortwortung für unsere Irrtümer zu übernehmen; und wir erwarten von Ihnen, diese aufzeigen, wenn wir dies versäumen. ..."
Im Gegensatz zu vielen, die von der Rede erzählen und gar für eines der Motive für Kennedys Ermordung halten, halte ich sie nicht für eine Warnung vor einer inneren Gefahr, eine Verschwörung vielleicht des Militärisch-Industriellen Komplexes in den USA, vor dem Kennedy-Vorgänger Dwight D. Eisenhower warnte. Kennedy schien eher vor den Spionage-Aktivitäten des Ostens gegen die USA zu warnen bzw. diese als Ausgangspunkt zu nehmen. Es sind eher Warnungen vor den inneren Folgen des "Kalten Krieges" gewesen. Dennoch bleiben seine Schlußfolgerungen interessant, weil sie eben andere sind, als diejenigen, die das US-Machtsystem heute, mit welchem Präsident auch immer an der Spitze, zum Beispiel aus dem "Krieg gegen den Terror" zieht. Und das gehört zu den Unterschieden zwischen Kennedy und Obama.