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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
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Samstag, 14. November 2015

Pourquoi la guerre?

Nachdenkliches nach den Nachrichten über die Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris

Nach den Nachrichten aus Paris bin ich entsetzt und erschüttert, auch traurig, aber nicht verwundert. Ich hatte gestern Abend zufällig keine Nachrichten gesehen und gehört. So hörte ich erst heute Vormittag von den Anschlägen in der französischen Hauptstadt. Stattdessen sah ich gestern Abend einen Film auf DVD, der mir nun erschreckend passend vorkommt: „Zero Dark Thirty“ über die Jagd der CIA nach Osama Bin Laden bis zu dessen mutmaßlicher Ermordung am 1. Mai 2011.

Was ich dann heute Vormittag aus der Stadt hörte, die ich im letzten Jahr besuchte und erlebte, hat mich erschüttert. Es macht mich traurig, nicht nur, weil ich mit meiner Lebenspartnerin durch die Pariser Straßen ging, in Cafés saß, Museen und andere Orte besuchte. Es entsetzt mich, dass dieser Krieg, nicht endet und eben nicht verwunderlich auch immer wieder zu uns zurückkehrt.
Vorhin lief im Radio Eins vom rbb eine Sondersendung zu den Anschlägen in Paris. Sie endete passend mit dem französischen Lied „Pourquoi la guerre?“ Das ist die Frage, die mich bewegt. Es ist schwierig, eine schnelle und kurze Antwort darauf zu finden. Für das was geschah und geschieht, gibt es nicht die eine Antwort. Aber zu kurz greifen auch solche wie die von Kanzlerin Angela Merkel und anderen Politikern, die uns wieder einmal erklären, dass die Terroristen uns und unsere Lebensweise angreifen und uns alle treffen wollen.

Ja, Paris hat nicht zum ersten Mal gezeigt, dass der Terror, dass dieser „asymmetrische Krieg“ uns alle bedroht und treffen kann. Und das ist das Schwierige und auch Perfide, denn nicht wir, die sogenannten einfachen Menschen, sind verantwortlich für die Ursachen von Krieg und Terror. Es sind jene, die uns auch jetzt wieder erklären, dass sie uns beschützen wollen. Jene, die sich auf uns und unsere Freiheit berufen, wenn sie andere Länder mit krieg überziehen, direkt und indirekt. Verantwortlich sind wir insofern mit, weil wir sie wählen, der eine mehr, die andere weniger.

Ich habe keine eindeutige Antwort auf die Fragen. Ich weiß auch nicht, wer es wirklich, war, der die Menschen in Paris zum Tod verurteilte. Aber sollten es tatsächlich Täter mit islamistischen und bzw. oder arabischem Hintergrund gewesen sein, ist das alles nicht verwunderlich. Sollte der „Islamische Staat“ tatsächlich der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge sein, so wäre er doch nur so etwas wie ein Trittbrettfahrer. Denn er nutzt das, was der Westen und dessen herrschenden Kreise anrichten in der Welt um sich herum, auch in den islamisch geprägten und arabischen Ländern. Was wundern wir uns denn über solche Taten, über feigen Mord an Menschen in Pariser Konzerthallen, Cafés und anderswo? Hat unsere Regierung Staatstrauer angeordnet, wenn NATO-Bomben in Afghanistan mal wieder eine Hochzeitsfeier niedermetzelten oder ein Krankenhaus zerstörten? Haben die Angehörigen der Opfer des Bombenangriffs auf Kunduz 2009 wenigstens eine Entschuldigung von einem deutschen Regierungspolitiker gehört? Was haben die Regierungen, die jetzt erschüttert wieder einmal einen Angriff auf unsere Freiheit und Lebensweise beklagen, getan, um die Zerstörung Syriens und das Aufkommen solcher Gruppen wie des „Islamischen Staates“ zu verhindern, anstatt daran eifrig mitzuwirken? Wer kümmert sich um die wehrlosen Opfer der heimtückischen Drohnenangriffe im „Krieg gegen den Terror“? Die Liste ist lang und begann nicht erst nach dem 11. September 2001. Zu dieser „Schwarzen Liste“ gehört auch die jahrzehntelange westliche Unterstützung islamistischer Extremisten, wenn diese nur den „richtigen“ Feind angriffen.

Was wundern wir uns, dass sich immer wieder Menschen finden lassen, die solche Taten begehen? Sie treibt nicht nur einfach die islamistische „Märtyrer“-Idee mit der himmlischen Belohnung an. Diese macht nur den letzten Schritt möglich. Den Nährboden dafür schaffen die westlichen Politiker und die hinter ihnen stehenden Kreise, die für ihre Interessen andere Länder überfallen und dort Krieg führen lassen, die Krokodiltränen über Flüchtlinge aus von ihnen verursachten Kriegen vergießen und gleichzeitig jenen ebenso wie den eigenen Bürgern mit ihrem Krieg gegen den Sozialstaat das Recht auf ein menschenwürdiges und selbstbestimmtes Leben verweigern.

Meine Gedanken sind alle nicht neu. Sie beschäftigen mich schon lange und jetzt wieder nach diesem erneuten traurigen Anlass. Was ich angeschnitten habe, damit haben sich andere schon ausführlich beschäftigt. Ich kann nur ein paar Nachleseempfehlungen zu Büchern geben, die Jahre zuvor erschienen und die Ursachen lange vorher beschrieben:
Arno Gruen "Wider den Terrorismus"
Ted Honderich „Nach dem Terror“
Viviane Forrester „Der Terror der Ökonomie“
Nafeez M. Ahmed „Geheimsache 09/11 - Hintergründe über den 11. September und die Logik amerikanischer Machtpolitik“ (Ahmed zitierte in dem Buch u.a. zum oben erwähnten Bin Laden aus dem Guardian vom 18.9.01: "Sein Nutzen für westliche Regierungen liegt in seiner Fähigkeit, Schrecken einzujagen.")
Ja, auch diese Liste wäre eigentlich noch viel länger. Es gibt ausreichend weitere Literatur dazu.

Was mich auch entsetzt, ist, dass all das Wissen um die Ursachen, dass all die Warnungen über die Folgen der fortgesetzten westlichen Politik nichts nutzen und nichts verändern. Nein, im Gegenteil: Die Ursachen für den Terror werden nicht beseitigt und der Terror wird so nicht enden. Mir ist klar, dass das sowieso nicht von heute auf morgen geschähe. Aber es müsste ein Anfang gemacht werden, in dem die westliche Politik aufhört, den Nährboden für den Terror aktiv zu düngen. Aber das ist leider weiter nicht in Aussicht: Stattdessen wird der Terror weiter gehen, von beiden Seiten. Ich habe nicht nur vor Terroristen Angst, die auch mich und Menschen um mich herum als nützliche unschuldige Opfer ins Visier nehmen können. Ich habe nicht minder Angst vor jenen, denen genau diese Angst nutzt, dieser Schrecken, den sie mit ihrer Politik und ihren Kriegen in der Welt mit verursacht haben, bei denen sie sich auch ungefragt auf mich berufen. So wie die Terroristen in Paris bei allem Versuch, die Ursachen ihrer Taten zu verstehen, nicht mein Verständnis haben, sondern nur meine Abscheu, so haben auch die westlichen Politiker nicht mein Verständnis. Sie handeln nicht in meinem Namen, wenn sie weiter Kriege führen und Menschen in den Tod schicken, die einfach nur wie ich ein gutes Leben führen wollten. Das ist das Einzige, was ich neben meiner Trauer und meinen Entsetzen öffentlich kundtun kann. Ich weiß, dass es völlig unzureichend ist, dass es hilflos ist und nichts verändert. Aber ich weiß auch nicht, was ich und jede und jeder Einzelne sonst tun können, um wenigstens langsam ein Stück wirklich zu verändern und sich nciht völlig von dem Schrecken und der Angst beherrschen zu lassen. Wenn diese die Herrschaft über uns haben, nutzt das am wenigsten irgendwelchen Extremisten und Terroristen, egal wo sie herkommen, sondern jenen, die hier bei uns herrschen und herrschen lassen, um ihre Interessen zu sichern und zu schützen.

Dienstag, 3. Mai 2011

Wirklich Chef eines Terrornetzwerkes getötet?

Also mal ganz im Ernst: Regierungssprecher Detlef Seibert hätte gestern auch Recht haben können, als er twitterte, Obama sei getötet worden. Denn während es wahrscheinlich zu den Legenden gehört, dass der hingerichtete Osama Bin Laden "Chef" von Al Qaida war, ist US-Präsident Barack Obama wirklich Chef eines weltweiten Terrornetzwerkes. Die Londoner Times berichtete am 5. Juni 2010, dass in 75 Ländern der Welt US-Special Forces auf Befehl von Obama im Einsatz waren und sind. US-Elitesoldaten können auch gar nicht anders als killen. Festnehmen ist anscheinend Kinderkram für sie. Robert Fisk hat das vor Jahren mal beschrieben. Die Zahl der durch diese Killer in Uniform Getöteten dürfte die der Toten von Anschlägen von Al Qaida deutlich übersteigen. Allein die Zahl der kollateral ermordeten Zivilisten in Irak und Afghanistan dürfte längst weit darüber liegen.
Robert Fisk durfte im ARD-Brennpunkt am 2. Mai zwar kurz bezweifeln, ob Bin Laden "der Anführer" von Al Qaida war und darauf hinweisen, dass die Gruppen in diesem Netzwerk keine Anweisungen von einer "Zentrale" oder einem "Chef" bekommen, doch die Journalisten bezeichneten vorher und nachher weiter den Hingerichteten als "Al Qaida-Chef". Dagegen handeln die uniformierten Staatsterroristen auf direkten Befehl Obamas. Doch nicht Obama wurde getötet, sondern Osama.
Um es klar zu stellen und eventuellen Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin gegen die gezielte Tötung oder Hinrichtung von wem auch immer. Wer ein Verbrechen begangen hat, gehört vor ein Gericht gestellt und dann muss ihm das Verbrechen auch nachgewiesen werden. Und so müsste inzwischen auch Barack Obama wie sein Vorgänger George W. Bush wegen Staatsterrorismus vor ein Gericht gestellt werden ...
Lutz Herden hat Recht, wenn er angesichts der Hinrichtung Bin Ladens an das Mittelater erinnert. Wolfgang Lieb stellt in einem Text auf den NachDenkSeiten fest: "Die Liquidation selbst eines Massenmörders ohne vorheriges Gerichtsverfahren ist Lynchjustiz. Und Lynchjustiz wird als rechtswidrige Bestrafung einer Person in nahezu allen Rechtsstaaten geächtet." Die Frage ist, wer gibt Barack Obama und denjenigen, in deren Auftrag er die Rolle des Weltpolizisten ausführt, das Recht dazu? Sie wollen anderen mit Bomben, Special Forces und gesteuerten Revolutionen Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaat beibringen und missachten gleichzeitig all das, was sie da predigen.
Lutz Herden hat auch Recht, wenn er schreibt: "Die Entgrenzung aller Maßstäbe ist zur Tugend verklärt, Auge um Auge, Gewalt gegen Gewalt." Als ich die Nachricht von Bin Ladens Ermordung hörte, fragte ich mich sofort, wann die Meldung kommt, dass eine US-Spezialeinheit Gaddafi hingerichtet hat. Und dann Assad, Ahmedinadschad, Chavez ... Es gibt ja noch einige vermeintliche "Schurken", die angeblich die westliche Freiheit bedrohen ... Dass die US-Special Forces sowas können, wenn sie von der Leine gelassen werden, haben sie ja wieder mal bewiesen. Ob Obama auf die Fähigkeiten seiner Terroristen im Staatsdienst verzichten kann?
Max Liebermann sagte einst, dass er gar nicht so viel fressen könne, wie er kotzen möchte ... Immer wieder werde ich an diesesn überlieferten Ausspruch erinnert, den der Maler von sich gab, als die Nazis an die Macht kamen ... Oder mit Wolfgang Lieb gesagt bzw. geschrieben: "Wie man die Kopfschüsse in Pakistan – wie Gabor Steingart im Morning briefing des Handelsblatts schreibt – als 'Riesenerfolg für die westliche Welt' bejubeln kann, lässt einen an den Werten dieser 'westlichen Welt' zweifeln."