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Montag, 25. Januar 2021

Nachrichtenmosaik Corona – Folge 23

Gesammelte Informationen und Nachrichten zur Corona-Krise
(persönliche Anmerkungen von mir sind kursiv gesetzt)

• Weimar: Amtsgericht hält Corona-Kontaktverbot für verfassungswidrig

Das Amtsgericht Weimar hält das allgemeine Kontaktverbot in der Thüringer Corona-Verordnung vom vergangenen Frühjahr für verfassungswidrig. Das hat das Gericht im Rahmen eines Bußgeldverfahrens entschieden. Hintergrund ist, dass Ende April vergangenen Jahres ein Mann zusammen mit sieben weiteren Personen im Hof eines Wohnhauses in Weimar Geburtstag gefeiert hatte. Nach der kurz zuvor beschlossenen Verordnung war der gemeinsame Aufenthalt nur mit höchstens einer haushaltsfremden Person erlaubt. …
Quelle: https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/weimar/corona-kontaktverbot-verfassungswidrig-amtsgericht-100.html
Das Urteil ist im Volltext hier online zu finden: https://openjur.de/u/2316798.html

• Weimarer Richter klagte selbst gegen Corona-Auflagen

Das Urteil eines Amtsrichters aus Weimar sorgte für Aufregung: Der Jurist erklärte das Kontaktverbot vom letzten Sommer für nichtig. Nun werden einschlägige Privatklagen des Richters gegen die Corona-Verordnung bekannt.
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article224982063/Kontaktverbot-aufgehoben-Weimarer-Richter-klagte-selbst-gegen-Corona-Auflagen.html

• Staatsanwaltschaft will Urteil zu Corona-Kontaktbeschränkungen überprüfen lassen

Die Staatsanwaltschaft Erfurt geht gegen das vom Amtsgericht Weimar erlassene Urteil zur Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie vor. Die Staatsanwaltschaft habe beim Amtsgericht einen Antrag auf Zulassung einer Rechtsbeschwerde eingelegt, sagte der Sprecher der Behörde, Hannes Grünseisen. …
Quelle: https://www.mdr.de/thueringen/mitte-west-thueringen/weimar/corona-urteil-kontaktbeschraenkung-weimar-100.html

• Bundesanstalt hat Warnung vor privatem Gebrauch von FFP2-Masken von Webseite gelöscht

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) hat nach der von Bund und Landesregierungen vereinbarten FFP2-Maskenpflicht (die inzwischen in eine Pflicht zum Tragen medizinischer Masken, also alternativ von OP-Masken, geändert wurde) auf ihrer Webseite den Hinweis auf Einschätzungen zu Schutz- und Nebenwirkungen unter anderem von FFP2-Masken geändert. Das ist hier zu finden:
https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Coronavirus/pdf/Schutzmasken.pdf
Die entsprechende Tabelle mit den Einschätzungen ist geändert worden. Die in der Fassung vom 30.9.2020 noch zu findende Spalte "Private Nutzung" ist in der neuen Fassung vom 22.1.2021 gelöscht. In der voprherigen Fassung (hier noch zu finden: https://web.archive.org/web/20210113163030/https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Coronavirus/pdf/Schutzmasken.pdf?__blob=publicationFile&v=17) war zu lesen, dass die FFP2-Masken nicht zur privaten Nutzung empfohlen werden. Diese Aussage war vom Robert-Koch-Institut (RKI) zitiert worden, ist aber in der neuen Fassung der Hinweise zu Infektionsschutzmaßnahmen vom 22.1.2021 ebenfalls gelöscht worden
https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste_Infektionsschutz.html

• Wissenschaftler widerlegen Mehrwert von FFP2-Masken

"Ist die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in öffentlichen Verkehrsmitteln und Läden sinnvoll?" Diese Frage stellte ein Zuschauer der "Covid-19 Lectures" des Münchener Universitätsklinikums im Anschluss an einen Vortrag der Virologin Ulrike Protzer. Deren Antwort war kurz und hatte es in sich.
"Das müssen Sie Herrn Söder fragen", antwortete Protzer kurz und knapp. Frage und Antwort waren nicht ohne politische Brisanz. Gestellt wurde die Frage von der Gynäkologin Marion Kiechle, die 2018 für kurze sieben Monate Wissenschaftsministerin im Kabinett des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) war. …
Quelle: https://www.nordbayern.de/region/wissenschaftler-widerlegen-mehrwert-von-ffp2-masken-1.10783238
Anmerkung: Das ist interessant, auch wenn die grundlegende Sinnhaftigkeit der Maskenpflicht weiter in Frage steht.

• Corona-Ausbruch in Pflegeheim: Sieben geimpfte Bewohner tot

In einem Pflegeheim im Landkreis Miesbach sind sieben geimpfte und ein nicht geimpfter Bewohner an Corona gestorben. Das Landratsamt möchte aufkeimenden Verschwörungstheorien mit Transparenz begegnen. …
Die Behörde erklärt die Erkrankungen trotz der Impfung damit, dass die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptome, zwischen zwei Tagen und zwei Wochen liege.
„Aufgrund des engen zeitlichen Abstands zwischen Impfung und Ausbruch ist davon auszugehen, dass sich die Geimpften bereits zum Zeitpunkt der Impfung angesteckt hatten“, hieß es. Außerdem hätte es den vollen Impfschutz erst nach der zweiten geplanten Impfung gegeben. „Für die Geimpften kam die Impfung also zu spät.“ …
Quelle: https://www.rosenheim24.de/bayern/landkreis-miesbach-sieben-heimbewohner-sterben-trotz-impfung-an-corona-90174352.html
Anmerkung: Aha …

● RKI räumt ein: Geringe Evidenz für eine Wirksamkeit der Impfung bei alten Menschen

Es steht im Kleingedruckten einer 74-seitigen Fachpublikation, die vom Robert Koch-Institut (RKI) am 8. Januar veröffentlicht wurde: Die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs ist in der Altersgruppe über 75 Jahre „nicht mehr statistisch signifikant“ schätzbar. Aussagen über die Wirksamkeit seien daher „mit hoher Unsicherheit behaftet“, die Evidenzqualität für eine Wirksamkeit bei alten Menschen „gering“. Man darf fragen: Warum empfiehlt das RKI dann die Impfung?
Quelle: https://multipolar-magazin.de/artikel/geringe-evidenz-impfung

● Zweifel an Wirksamkeit des Impfstoffs: Ministerium weicht aus, Medien schweigen

Multipolar berichtete am Dienstag über ein Papier des Robert Koch-Institutes (RKI), wonach die Qualität des Nachweises für eine Wirksamkeit der Impfstoffe von Biontech und Moderna, eine schwere Covid-19-Erkrankung zu verhindern, „sehr gering“ sei. Bei einer telefonischen Nachfrage dazu legte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums mitten im Gespräch auf. Ein anderer Sprecher antwortete kurz darauf schriftlich, allerdings ausweichend.
Quelle: https://multipolar-magazin.de/artikel/zweifel-an-wirksamkeit

● «Pfizer-Impfung ist viel weniger wirksam» – keine Transparenz

Der Impfstoff Comirnaty sei statt 95 bloss 29 Prozent wirksam, erklärt Peter Doshi, Spezialist für Medikamentensicherheit.
Quelle: https://www.infosperber.ch/gesundheit/public-health/die-pfizer-impfung-ist-viel-weniger-wirksam-keine-transparenz/
siehe auch:
Peter Doshi im NEJM: Pfizer and Moderna’s “95% effective” vaccines—we need more details and the raw data.
Peter Doshi im NEJM: Deutsche Übersetzung des Beitrags im NEJM

● Dürfen Geimpfte "Privilegien" erwarten?

Normalisiert sich das Leben direkt nach einer Corona-Impfung? Die Antwort auf diese Frage hängt maßgeblich von der genauen Wirkung der Impfstoffe ab. Dass Ungeimpfte mit Einschränkungen leben müssen, zeichnet sich aber schon ab.
Quelle: https://www.rbb24.de/content/rbb/r24/politik/thema/corona/beitraege/2021/01/impfung-privilegien-grundrechte-einschraenkungen-debatte-corona-sonderrechte.html
Anmerkung: Schon Menschen mit Maskenbefreiungsbescheinigungen müssen Einschränkungen hinnehmen, dürfen nicht überall einkaufen, werden in der Postbank nicht bedient … Wozu gibt es ein Antidiskriminierungsgesetz? QWozu gibt es das Grundgesetz, nach dem alle Menschen gleich sind?

● Forscher: Labor als Coronavirus-Ursprung nicht auszuschließen

Eine internationale Forschergruppe, darunter die Innsbrucker Mikrobiologin Rossana Segreto, kritisiert, dass die Möglichkeit einer Labormanipulation als Ursprung der Coronapandemie zu früh ausgeschlossen und kaum untersucht wurde. Im Fachjournal "BioEssays" liefern sie ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse für den Ursprung des Virus aus einem Labor. Im APA-Interview befürchtete Segreto, dass es ohne schärfere Sicherheitsvorschriften künftig zu weiteren Pandemien kommen könnte. …
Quelle: https://science.apa.at/power-search/7694447660294310648

● Norbert Häring: Die wirtschaftlichen Lockdown-Folgen sind viel gravierender als die offizielle Statistik glauben macht

Um 5% soll die Wirtschaftsleistung Deutschlands 2020 zurückgegangen sein. Ausgerechnet die stabile staatliche Dienstleistungs-Produktion soll einen größeren Rückgang verhindert haben. Wen das wundert, angesichts geschlossener Schulen, Kindertagesstätten, Hochschulen und Theater, wundert sich zu Recht. Hier sind Statistiktricks am Werk. …
Quelle: https://norberthaering.de/news/bip-lockdown/

● Joachim Guilliard: Fortwährender Lockdown und die Evidenz Merkelscher "Wissenschaft"

Die Akademie Leopoldina lag im Dezember mit ihrer Einschätzung falsch und sollte ihre Lockdown-Empfehlungen selbstkritisch zurücknehmen
Der im Dezember verhängte Lockdown droht bis in den Frühling hinein immer weiter verlängert zu werden. In ihren Plädoyers für einen verschärften Lockdown bat Bundeskanzlerin Angela Merkel Anfang Dezember flehentlich, doch auf "die Wissenschaft" zu hören. Für sie bestand diese aus der "Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina", mit deren 7. Ad-hoc-Stellungnahme die Entscheidung maßgeblich begründet wurde. Sie war von den sechs Wissenschaftlern, die als einzige zu den Beratungen der Kanzlerin und der Länderchefs hinzugezogen worden waren, mitverfasst worden. …
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Fortwaehrender-Lockdown-und-die-Evidenz-Merkelscher-Wissenschaft-5031448.html

● WHO beendet „Epidemische Lage von Nationaler Tragweite“

Manchmal überschlagen sich die Ereignisse. So auch vor zwei Tagen am 20. Januar 2021. An diesem Tag wurde nicht nur ein neuer US-Präsident vereidigt. An diesem Tag verkündete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) darüber hinaus auch Erstaunliches: Der weltweit seit rund einem Jahr exzessiv – „Testen! Testen! Testen!“ – verwendete PCR-Test zum Nachweis einer Infektion mit dem „neuartigen SARS CoV-2“ ist danach überhaupt nicht unbesehen geeignet, eine Infektion zu erkennen: …
Quelle: https://www.achgut.com/artikel/who_beendet_epidemische_lage_von_nationaler_tragweite 

● B. Reitschuster: „Hysterisches Geschnatter“ mit Merkel

Kritischer Journalismus als "Überschreitung von Grenzen"
Es ist surreal. Da tut man als Journalist das, was man als die Pflicht jedes Journalisten sieht: Die Regierung kritisch befragen. Höflich, aber eben doch auf den Punkt. Und was passiert? Der eigene Name landet plötzlich bei Twitter auf Platz eins in den so genannten „Trends“, ist also das am meisten diskutierte Thema. Es gab viel Lob, das mir Freude, Ansporn und Verpflichtung zugleich ist. Aber ich wurde auch von Kollegen heftig beschimpft.
Quelle: https://reitschuster.de/post/hysterisches-geschnatter-mit-merkel/

● Niederlande: «Wir bewegen uns auf einen Bürgerkrieg zu»

Bei Protesten gegen verschärfte Corona-Massnahmen – unter anderen eine nächtliche Ausgangssperre – sind in mehreren niederländischen Städten am Sonntag Krawalle ausgebrochen.
Quelle: https://www.tagesanzeiger.ch/wir-bewegen-uns-auf-einen-buergerkrieg-zu-969633728179

● Folgen der Digitalisierung: Wir alle können ausgeschaltet werden

Die meisten Leute sind sich gar nicht bewusst, wie einfach sie «von oben» stillgelegt werden können – der digitalen Welt sei Dank!
Quelle: https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/buergerrechte/wir-alle-koennen-ausgeschaltet-werden/

Montag, 17. August 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 240

Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine- und zum West-Ost-Konflikt und den Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit, fast ohne Kommentar (aktualisiert: 18.8.15; 12:10 Uhr)

• Französischer Journalist bestätigt Beschuss von Donezk
"Seit Wochen lebt Laurent Brayard in Donezk, Hauptstadt der selbsterklärten Volksrepublik Donezk. In einem Gespräch mit Sputnik berichtete der Historiker und Journalist aus Frankreich über die Eskalation der letzten Tage.
„Ich befinde mich hier (in Donezk) etwa einen Monat und kann sagen, dass der Beschuss in den letzten vier bis fünf Tagen zugenommen hat“, sagte Laurent Brayard. Zu hören seien Schüsse aus schweren Artilleriegeschützen sowie aus Raketensystemen. Beschossen würden das Stadtzentrum und Stromversorgungsanlagen. „Ich wohne unweit des Kiewski-Stadtbezirks und war selbst Zeuge des Beschusses. Man spürt, dass die Spannung wie auch die Zahl der Opfer von Tag zu Tag wächst.“
Für Brayard ist es „offensichtlich, dass in das Territorium des Donbass ukrainische Sondereinheiten eindringen. Vor einer Woche gab es einen Einsatz gegen diese Diversanten. Die Freiwilligen, mit denen ich mich unterhalten habe, erzählten vom verstärkten Beschuss von Wohnvierteln und vom Schießen auf die Zivilbevölkerung, um sie zu nötigen, die Stadt zu verlassen.“
Die Lebensbedingungen im Donbass bezeichnete Brayard als „sehr schwer“. Viele Menschen leben von der verteilten Gratis-Nahrung. Zugleich sei die Bevölkerung stark verbittert über die OSZE, da deren Vertreter nur in der hellen Tageszeit tätig seien. „Nachts, wo hauptsächlich Menschen ums Leben kommen, sind sie nicht zu sehen, und das macht die Einwohner besonders gereizt.“ Es habe schon mehrere Demonstrationen gegeben. ..." (Sputnik, 17.8.15)
Laurent Brayard arbeitet nach Angaben auf seinem Google+-Profil bei Novorossia.Today

• Aufständische befürchten Kiewer Offensive
"Nach der jüngsten Eskalation der Gefechte im Donbass fürchten die selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Lugansk, dass die Kiew-treuen Streitkräfte zu einer großen Offensive ausholen.
Die Donezker Bürgerwehr berichtete am Montag unter Verweis auf eigene Aufklärungsangaben, dass die ukrainische Armee neue Feuerstellungen einrichte. Im Raum Marjinka und Wolnowacha (15 Kilometer bzw. 40 Kilometer südwestlich von Donezk) seien Haubitzen-Stellungen geortet worden, teilte der Vizestabschef der Volkswehr, Eduard Bassurin, am Montag mit. Dies zeuge davon, dass „sich das ukrainische Militär auf eine militärische Aggression vorbereitet, die die Minsker Abkommen endgültig scheitern lassen wird“.
Laut Igor Jaschtschenko vom Stab der Lugansker Volkswehr will Kiew noch vor Beginn der schlechten Herbstwitterung eine „aktive Phase“ seiner Militäroperation beginnen und jene Einheiten in den Kampf schicken, die während der seit Februar andauernden Waffenruhe ausgebildet und ausgerüstet worden seien.
Trotz der Waffenruhe sind mehrere Städte im Donezbecken in der vorigen Woche wieder aus schweren Waffen beschossen worden. An schlimmsten betroffen wurden die Millionenmetropole Donezk und der nördliche Vorort Gorlowka. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden die Geschosse von Dsjerschinsk und Artjomowsk aus abgefeuert. Diese beiden Städte westlich bzw. nördlich von Gorlowka stehen unter Kontrolle der ukrainischen Regierungsarmee. Die Beobachter OSZE bestätigten, dass Gorlowka „aus westlicher Richtung“ beschossen worden war. ..." (Sputnik, 17.8.15)

• Einsatz von US-Drohnen soll auch in Ukraine ausgeweitet werden
"... Jetzt plant, wie das Wall Street Journal berichtet, das Pentagon nicht nur, die Zahl der Drohnenflüge zur Überwachung drastisch zu erhöhen, sondern auch die der Kampfdrohnen, um die sich mehrenden Konfliktorte besser beobachten und ohne Entsendung von Bodentruppen letal eingreifen zu können. ...
Nach einem Pentagon-Mitarbeiter soll die Zahl der Flüge nicht nur über Syrien und dem Irak, sondern auch über Nordafrika und dem Südchinesischen Meer und auch über der Ukraine erhöht werden. Nach ihm sollen nicht nur die Überwachungskapazitäten, sondern auch die Möglichkeiten von tödlichen Angriffen erweitert werden. Ob dies auch für die Ukraine geplant ist, geht aus dem Artikel nicht hervor. Verwiesen wird auf den Nato-Kommandeur, General Philip Breedlove, der dringlich mehr Überwachungskapazitäten für den Ukrainekonflikt forderte, um besser Moskaus Denken und Absichten erkennen und besser auf etwaige Angriffe antworten zu können. ..." (Telepolis, 17.8.15)

• Aufständische fordern Eingreifen der "Normandie"-Gruppe, um Kriegsfortsetzung zu verhindern
"Die Situation in der Ukraine ist völlig verfahren. Die Kampfhandlungen von beiden Seiten nehmen zu, Separatisten und ukrainisches Militär werfen sich gegenseitig Verletzungen des Waffenstillstands vor. Das Minsker Abkommen ist schon lange zu einem Papiertiger geworden, da in den entscheidenden Fragen zum vereinbarten Sonderstatus der "Volksrepubliken" keine Fortschritte mehr erzielt werden. Auch der nach monatelangen Verhandlungen für das Wochenende vereinbarte Austausch von jeweils 13 Kriegsgefangenen kam nicht zustande und musste verschoben werden. ...
Außenminister Steinmeier äußerte gleichfalls "allergrößte Sorge" in einem Telefongespräch mit dem russischen Außenminister Lawrow, der Bild am Sonntag gegenübver sagte er, die Lage sei "explosiv". Während in Kiew die Meinung vertreten wird, dass die "Volksrepubliken" einen Angriff starten, erklären die Verantwortlichen von diesen, Kiew würde sich auf einen Angriff vorbereiten. Unterstützt werden sie von russischen Experten, die sagen, Poroschenko arbeite mit den Amerikanern zusammen eine militärische Lösung des Konflikts aus. In dem Gespräch mit Steinmeier haben sich die beiden Außenminister "für die baldigste Umsetzung der im 'Normandie-Format' vereinbarten Maßnahmen zur Demilitarisierung von Schirokino und zum Abzug der schweren Waffen ausgesprochen. Von russischer Seite wurde Besorgnis über die nicht konstruktive Herangehensweise Kiews an die Umsetzung der genannten Maßnahmen geäußert", berichten russische Medien. ...
Die Volksrepublik Donezk versucht nun, stärker auf das Minsker Abkommen zu setzen und ruft angesichts der angeblich verstärkten Angriffe am Samstag die Regierungen der Normandie-Gruppe zur schnellen Intervention auf. Es stehe ein Krieg bevor. "Einen derart massiven Beschuss hat die Donezker Volksrepublik seit langen nicht mehr erlebt", sagte der Chefunterhändler der Donezker Volksrepublik, Denis Puschilin, am Sonntag. "Das ist eine der auffälligsten Provokationen der ukrainischen Streitkräfte seit Monaten. Wegen ihr standen wir gestern nur einen Schritt von einer Wiederaufnahme der groß angelegten Kampfhandlungen entfernt." ..." (Telepolis, 16.8.15)
Nebenbemerkung bzw. doch ein Kommentar:  Mir geht ehrlich gesagt der Versuch von Telepolis-Redakteur Florian Rötzer auf den Geist, beim Ukraine-Konflikt äquidistant zu bleiben, wenn er z.B. am Ende des Beitrages ein weiteres Mal schreibt, nachdem er auf die gegenseitigen Vorwürfe, Wohnviertel zu beschiessen, hingewiesen hatte: "Propagandakrieg auf allen Seiten." Nur zur Erinnerung: Die heutigen Machthaber in Kiew haben sich u.a. mit der Lüge 2014 an die Macht geputscht, dass der damalige Präsident Wiktor Janukowitsch nichts mit der EU zu tun haben wolle, nur weil dieser die Bedingungen des berüchtigten Assoziierungsabkommen nochmal verhandeln wollte, das er an sich gar nicht abgelehnt hatte. Der Aufstand in der Ostukraine ist eine Folge des Putsches in Kiew, worauf die neuen Machthaber mit einem Krieg geantwortet haben, der bis heute andauert. Sicher kämpfen bei den Aufständischen keine "Heiligen" oder Ähnliches. Aber die Lügen kommen eindeutig aus Kiew, wo die neue Macht auf Lügen aufgebaut wurde. Und warum sollten die Aufständischen in der Ostukraine ihre eigenen Leute beschiessen, für die sie vorgeben zu kämpfen, während die Kiewer Truppen samt der faschistischen Freikorps sowie jene in Kiew, die sie in den Krieg schickten, die Menschen in der Ostukraine als "Russen" und "Untermenschen" betrachten? Kann mir das mal jemand erklären? Welche Probleme haben Linke oder die, die sich dafür halten, hierzulande mit den Aufständischen in der Ostukraine? Muss der Verstand für den vermeintlichen Anschein von Objektivität ausgeschaltet werden, weil Russland dabei eine Rolle spielt? Aber wozu rege ich mich auf ...

• Besuch beim "Rechten Sektor"
"Als ich lese, dass sich wieder einmal ukrainische Nationalisten im Wald verstecken, breche ich auf. Ins multiethnische Transkarpatien, in die westlichste Region der Ukraine, 1200 Kilometer vom Kriegsgebiet entfernt. Am 11. Juli glich das Städtchen Mukatschewo einem Actionfilm. Sechs Jeeps des »Rechten Sektors« hielten mit aufgepflanzten Waffen vor dem Fitnessklub des Parlamentsabgeordneten und Schmuggelkönigs Michail Lano. Nach der Schießerei verfolgten Polizei, Geheimdienst und Hunderte Nationalgardisten neun rechtsextreme Kämpfer in die Wälder der Karpaten hinauf. Die Bilanz: drei Tote. Einen Monat später werden die Wälder angeblich immer noch durchkämmt. ...
Ich fahre zum »Stab« des Rechten Sektors. Eine nüchterne Stadtvilla mit Tarnnetz davor. Drinnen eine Military-WG mit zwei Mal Training täglich. An der Wand lehnt ein Gewehr, »Kinderspielzeug nur«. Mich empfängt Gebietsführer Oleksandr Satschko, ein netter Dicker mit effektvoll gesenkter Stimme. Er zieht ein Bein nach. »Verletzt?« - »Ein klein bisschen.« Er zeigt mir das Gruppenfoto einer Einheit, »zwei Drittel sind inzwischen im Osten gefallen.« Gegen Moskal will er klagen. Er habe zwar auch frühere Zigarettenschmuggler in seinen Reihen, aber keine Vergewaltiger und Drogenproduzenten wie Lano.
Satschko steht hinter seinen flüchtigen Männern. »Der Rechte Sektor ist eine Familie, diese Männer verteidigen ihr Land«. Oft wirkt er gerührt. Seinen drei Monate alten Sohn habe er zwei Monate nicht gesehen; der in Mukatschewo erschossene Mitstreiter »war ein Freund«. Satschko war Geschichtslehrer, war im rechtsextremen Wehrsportverein »Trisub«, hatte einen Waffenladen. Einer jener Ukrainer, die die Sowjetmacht noch Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Wäldern heraus bekämpften, war sein Uropa. »Er wurde erst 1948 vom NKWD gefasst. Ich glaube aber, wer in den Wald geht, der verliert. Wir gehen besser nach Kiew. Oder noch weiter.« - »Nach Moskau?« Er lächelt düster: »Mal kucken.« ..." (Martin Leidenfrost in Neues Deutschland, 15.8.15)

• MH17: Niederländische Geheimniskrämerei
"Journalisten von RTL News haben die niederländische Regierung nach dem Gesetz für Informationsfreiheit aufgefordert, möglichst alle Informationen über die Handlungen der niederländischen Regierung nach dem Absturz zu veröffentlichen.
Die Niederlande haben allerdings ein Ministerium, das Sicherheit und Justiz vereint, was kein gutes Signal ist. Der zuständige Minister Ard van der Steur lehnt eine Veröffentlichung ab. Zwar seien die Informationen für die Öffentlichkeit wichtig und hätten eine große Bedeutung für die gesellschaftliche und politische Diskussion, aber man könne sie jetzt noch nicht veröffentlichen. Geheimhaltung sei weiterhin wichtig.
RTL News hatte im Oktober 2014 die Übergabe der Dokumente nach dem Informationsfreiheitsgesetz beantragt. Die Regierung hat zwar einige Dokumente weitergegeben, sie waren aber weitgehend geschwärzt. RTL News hatte gefordert, alle Dokumente ohne Schwärzungen einsehen zu können, um die Reaktion der holländischen Regierung auf den Absturz rekonsrtuieren zu können.
Offenbar gab es keine Hinweise der niederländischen Regierung, aus welchen Gründen die Geheimhaltung als wichtig erachtet wird. Es hieß einzig, die Informationen seien verwoben mit Stellungsnahmen von Beamten und Politikern und könnten deshalb geheim gehalten werden. ...
Die Geheimhaltung fördert das Misstrauen in die Unabhängigkeit der Untersuchungen über den Abschuss der MH17, die von den Niederlanden geleitet werden. ..." (Telepolis, 14.8.15)

• Ex-Pilot: MH17 von Kampfflugzeug abgeschossen
"Für Peter Haisenko, ehemaliger Lufthansa-Piloten mit 30jähriger Flugerfahrung und Buchautor, steht es außer Zweifel, dass die malaysische Passagiermaschine MH17 Mitte Juli 2014 von einem ukrainischen Su25-Kampfjet abgeschossen wurde.
"Es steht für mich außer Frage, dass MH17 von einer ukrainischen Su25 abgeschossen worden ist“, sagte er in einem Sputniknews-Interview mit Bolle Selke. „Auch die holländische Kriminalpolizei, die eigene Ermittlungen macht, war da im Januar — als ich in Amsterdam war und mit denen gesprochen habe — grundsätzlich auch meiner Meinung."
"Ich bekam im Januar eine Anfrage von der holländischen Kriminalpolizei, ob ich bereit wäre, auf ihre Kosten nach Amsterdam zu fliegen, um dort mit ihnen durchzusprechen, was meine Ergebnisse zum Fall MH17 waren oder sind“, so Haisenko. „Ein australischer Kriminalbeamter war auch dabei, und wir haben uns einen ganzen Tag damit beschäftigt und hatten eigentlich großen Konsens, dass die Version, die ich veröffentlich habe, die richtige war."
Zu der Version, die malaysische Boeing sei von einer Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk abgeschossen worden, äußerte er: "Man muss davon ausgehen, dass wenn es denn tatsächlich Beweise für einen Abschuss durch ein BUK-System gäbe, dann wären die längst veröffentlich worden. Was hier gemacht wird, sind wieder Nebelkerzen, um diejenigen, die an die BUK glauben wollen, zu bestätigen, und diejenigen, die sich eher mit der Wahrheit befassen wollen, in Zweifel zu bringen." ..." (Sputnik, 14.8.15)

• "Hybrides Tribunal" zu MH17 geplant
"Experten aus mehreren Ländern, die ein alternatives „hybrides“ Tribunal zur Behandlung des Boeing-Absturzes über Ostukraine planen, werden Ende dieses beziehungsweise Anfang nächsten Monats zusammentreffen, wie die ukrainische Vizeaußenministerin Jelena Serkal mitteilte.
„Die Experten werden eine alternative Variante, das sogenannte ‚hybride‘ Tribunal vorbereiten, das gemäß einer Vereinbarung unter fünf oder sogar mehr Ländern gebildet wird“, teilte sie im ukrainischen Fernsehen mit. „Um eine rechtliche Legitimierung zu bekommen, ist ebenfalls ein Beschluss des UN-Sicherheitsrates notwendig.“
Zuvor hatte der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin die Zuversicht geäußert, dass eine alternative Variante für ein Tribunal, gegen dessen Bildung Russland im UN-Sicherheitsrat gestimmt hatte, gefunden wird. Unter möglichen Varianten nannte der Minister ein eventuelles „hybrides“ Tribunal: Die fünf Länder werden ein Abkommen unterzeichnen und gemäß diesem Dokument arbeiten. ..." (Sputnik, 14.8.15)

• Mutmaßliche Raketenteile deuten für Washington und deutschsprachige Medien auf russische Schuld
"Die Ermittler des Dutch Safety Board (DSB) untersuchen zusammen mit dem Gemeinsamen Untersuchungsteam (JIT) Teile einer Rakete, die am Absturzort bei der letzten Bergungsmission gefunden wurden. Das wurde schon länger gemunkelt, nun berichtet das DSB gewissermaßen offiziell, dass es sich um Teile einer BUK-Rakete handeln dürfte.
Erst einmal bleibt man aber noch zurückhaltend. Deutsche und andere Medien hingegen weniger, die von einer "russischen BUK-Rakete" und von einem möglichen "ersten physischen Beweise" wie die Tagesschau sprechen. Der Orf titelt suggestiv: "MH17: Teile russischer Rakete identifiziert?" Damit wird willentlich oder auch nicht suggeriert, sie wäre von russischen Soldaten abgefeuert worden oder von Russland den Separatisten übergeben worden, die sie dann abgeschossen haben könnten. Allerdings verfügen bekanntlich auch die ukrainischen Streitkräfte über BUK-Systeme.
Für das US-Außenministerium ist die Lage klar, die Russen waren es. ...
Vor kurzem sorgte eine Veröffentlichung von News.com.au für Aufsehen. In dem Video sind Separatisten zu sehen, die kurz nach dem Absturz an der Unglücksstelle von einem ukrainischen Sukhoi-Kampfflugzeug erzählten. Es habe die MH17 abgeschossen und sei danach selbst abgeschossen worden.
In einem Bericht von Russia Today - "MH17: Ein Jahr ohne Wahrheit" - wurde diese Hypothese gestärkt. In der Reportage wurden Flugzeugteile gezeigt, die angeblich von dem abgeschossenen Kampfflugzeug stammen und in der Nähe von Petropavlivka gefunden worden sein sollen. So ist ein Cockpit zu sehen. Angeblich habe das DSB Interesse gezeigt und um Unterstützung gebeten, um die Teile in die Niederlande zur Untersuchung zu bringen. ..." (Telepolis, 12.8.15)

• Vorbereitungen auf Krieg zwischen NATO und Russland?
"Russland und die Nato bereiten sich nach Einschätzung von Sicherheitsexperten aktiv auf eine mögliche militärische Konfrontation vor. Die jüngsten Manöver zeigten, dass beide Seiten mit Blick auf die Fähigkeiten der jeweils anderen Seite und vermutlich sogar mit Kriegsszenarien im Hinterkopf trainierten, schreibt ein Autorenteam des European Leadership Network in London in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse.
Die Übungsaktivitäten gäben Anlass zur Sorge und trügen mit dazu bei, die durch den Ukraine-Konflikt entstandenen Spannungen in Europa aufrechtzuerhalten. „Wir behaupten nicht, dass die Führung einer Seite entschieden hätte, in den Krieg zu ziehen oder dass es ein militärischer Konflikt unausweichlich wäre – aber dass es Tatsache ist, dass sich das Profil der Übungen verändert hat“, schreiben die Sicherheitsexperten. ..." (Handelsblatt online, 12.8.15)
Interessant ist, dass die NATO-Aktivitäten alle angeblich schon seit Jahren geplant waren, während Russland oftmals spontan mit Manövern darauf reagiert. Ein Beispiel dafür ist die Kriegsübung verschiedener Luftwaffen aus NATO- und neutralen Staaten in Nordeuropa im Mai 2015.
Der verschärfte antirussische Kurs der führenden westlichen Staaten fiel gewissermaßen nicht vom Himmel über der Krim ... 

• Moskau fordert Fakten zu MH17 statt antirussischer Hetze
"Vor dem Hintergrund der Ermittlungen zum mutmaßlichen Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs über der Ukraine betreibt der Westen nach der Einschätzung des Moskauer Außenamtes eine aggressive Medienkampagne gegen Russland – mit dem Ziel, die öffentliche Meinung für das Untersuchungsergebnis im Voraus einzustimmen.
„Schon gleich nach der Katastrophe hatte in den Medien eine kategorische und beweislose Hetzkampagne gegen Russland wegen seiner angeblichen Verwicklung begonnen“, sagte Maria Sacharowa, die neue Leiterin des Informations- und Presseamtes des russischen Außenministeriums, am Montag.
In diese Hetze seien nicht nur westliche Massenmedien, sondern auch Offizielle verwickelt, „die sich nicht daran stören“, dass es keine Beweise für ihre Behauptungen gebe. Durch beweislose Schuldzuweisungen würde „seit einem Jahr ein Feindbild kreiert, ein Informationsmodell, an das dann das bereits vorher bekannte Untersuchungsergebnis angepasst werden soll“, sagte die Sprecherin. Russland könne sich mit dieser „politisierten aggressiven Medienoffensive mit dem Ziel der Verleumdung und Tatsachenverdrehung“ nicht abfinden.
Auf die Frage, ob Russland das Ermittlungsergebnis unter Umständen nicht anerkennen könnte, sagte Sacharowa, Russland wolle keine Kaffeesatzleserei betreiben, sondern mit Fakten arbeiten. Die Ermittlungen müssten sich auf Beweise und Zeugenaussagen stützen. „Sonst wäre das eine Kaffeesatzleserei oder ein politisches Spiel. Weder das eine noch das andere ist unser Weg.“ ..." (Sputnik, 10.8.15)
"Mehr als ein Jahr nach dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ost-Ukraine ruft das russische Außenministerium zur Veröffentlichung aller noch unbekannten Informationen über die Katastrophe mit 298 Todesopfern auf.
„Wir rufen alle Staaten, die über irgendwelche Informationen verfügen, dazu auf, diese publik zu machen“, sagte Maria Sacharowa, die neue Leiterin der Informations- und Presseabteilung des Außenamtes, am Montag im russischen Fernsehen. Russland sei „mehr als jemand anderes daran interessiert, dass die Wahrheit geklärt wird und an die Öffentlichkeit gelangt. Das muss auf völkerrechtlicher Grundlage geschehen. (…) Darauf werden wir hinarbeiten.“ ..." (Sputnik, 10.8.15)

• US-Resolution von 1959 erkannte Unabhängigkeit des Donbass von der Ukraine an
"Die Vereinigten Staaten haben bereits 1959 mit einer Resolution über unterjochte Nationen das Gebiet des heutigen Donezbeckens als unabhängig von der Ukraine eingestuft.
Die Resolution, auch bekannt als „Public Law 86-90“, vom 17. Juli 1959 bezeichnet die Territorien der heute von Kiew abtrünnigen Volksrepubliken Donezk und Lugansk sowie das südukrainische Gebiet Saporischschja als selbständiges „Kosakenland“ und bestätigt dessen Existenzrecht, wie das US-Magazin „Global Research“ schreibt.

„Die imperialistische Politik des kommunistischen Russland hat durch mittelbare und unmittelbare Aggression die unabhängigen Nationen Polen, Ungarn, Litauen, Ukraine, Tschechoslowakei, (…) Kosakenland unterjocht", heißt es in der Resolution, die den letzten 56 Jahren alljährlich vom jeweils amtierenden US-Präsidenten bestätigt wurde.
In diesem Jahr hat Präsident Barack Obama die letzte Juli-Woche zur Woche der unterjochten Nationen erklärt. Dennoch unterstützen die USA und andere westliche Staaten die militärische Operation der ukrainischen Regierung gegen die abtrünnigen Gebiete Donezk und Lugansk im Osten des Landes. ..." (Sputnik, 10.8.15)

• Lawrow: MH17-Tragödie wird politisch benutzt
"In Europa und im Westen gibt es Menschen, die die Tragödie der malaysischen Boeing für politische Zwecke nutzen wollen, sagte am Mittwoch der russische Außenminister Sergej Lawrow.
„Ich habe überhaupt keine Zweifel daran, dass die Regierung von Malaysia ganz aufrichtig die Wahrheit herausfinden möchte. Ich bin auch sicher, dass dies bei der niederländischen und australischen Regierung der Fall ist. Doch in Europa und im Westen gibt es solche Menschen, die diese Tragödie für politische Zwecke nutzen wollen“, sagte Lawrow in einem Interview mit dem Singapurer Fernsehsender Channel News Asia.
Dass Russland den Resolutionsentwurf zur Einrichtung eines UN-Tribunals zum MH17-Absturz blockiert hat, sei kein „bedrohliches Zeichen für die Schuldigen an der Tragödie“. „Nein, ich bin damit nicht einverstanden. Ich habe das Interview des malaysischen Ex-Botschafters in der Niederlande gelesen, wo er bekräftigt hatte, dass dieser Fall sehr politisiert ist. Und ich bin mit ihm einverstanden“, betonte der russische Außenminister.
Ende Juli hatte der UN-Sicherheitsrat die Initiative einer Reihe von Ländern zur Bildung eines internationalen Tribunals zum Boeing-Absturz in der Ukraine behandelt. Russland stimmte gegen den Resolutionsentwurf. Wie Außenminister Lawrow früher erklärt hatte, ist der Absturz die Folge einer Straftat und nicht eine Bedrohung für die internationale Sicherheit, wie es in dem Resolutionsentwurf hieß.
Laut Lawrow hat der UN-Sicherheitsrat nie zuvor Tribunale zu Flugzeugabstürzen einberufen, und allein die Idee eines Tribunals in diesem Fall dient dem Zweck, die Schuld derer zu bekräftigen, die von Washington für schuldig gehalten werden. Ferner äußerte Moskau die Hoffnung, dass die Ermittlung des Boeing-Absturzes im Donbass gemäß der Resolution Nr. 2166 des UN-Sicherheitsrates laufen und umfassende Ergebnisse erbringen wird, die es erlauben werden, die Schuldigen zu bestrafen. Laut Lawrow hat Russland bislang noch viele offene Fragen zu der laufenden Untersuchung." (Sputnik, 5.8.15)
"Russland bekommt laut dem Außenminister Sergej Lawrow nicht alle Informationen über die technische Ermittlung des Absturzes der malaysischen Boeing im Juli 2014 in der Ostukraine, obwohl sie den anderen Ermittlungsländern zur Verfügung gestellt werden.
„Die russischen Teilnehmer bekommen nicht alle Informationen, die unter anderen Teilnehmern dieser Gruppe verbreitet werden“, sagte Lawrow am Mittwoch.
Der Minister äußerte sich auch zu den Behauptungen, die Boeing sei mit einer Rakete aus russischer Produktion abgeschossen worden. Nach seinen Worten genügt es, die Bestandteile der Rakete zu analysieren.
„Es ist sehr leicht, diese Bestandteile zu sammeln und zu analysieren, um herauszufinden, wo diese Rakete hergestellt wurde und bei der Armee welches Staates sie in Dienst steht“, so Lawrow.
Ihm zufolge haben sich die Teilnehmer der Ermittlung nicht an den russischen Konzern Almaz-Antej gewandt. Dieser Konzern stellt nämlich das Flugabwehrraketensystem Buk her, mit dem die malaysische Boeing nach Behauptung von Kiew und einigen westlichen Ländern abgeschossen worden sein soll. ..." (Sputnik, 5.8.15)
Die deutsche Übersetzung der vollständigen Mitschrift des Interviews mit Lawrow kann hier in der deutschen Ausgabe des Blogs The Vineyard Saker nachgelesen werden.

• Washington und Kiew halten weiter Daten zu MH17 zurück
"Amerikanische Behörden haben einige, für die Ermittlungen zum MH17-Absturz über dem Donbass notwendige Daten nicht vorgelegt, wie Earl Rasmussen, Vizepräsident des Washingtoner politologischen Think Tanks Eurasia Centre, äußerte.
„Die internationalen Ermittlungen gehen zwar weiter, sie sind aber nicht transparent, nicht abgeschlossen und wirken äußerst politisiert“, sagte er in einem Gespräch mit RIA Novosti. „Außerdem vermissen die Ermittlungen kritisch wichtige Daten, die die USA und die Ukraine nicht bereitgestellt haben.“
Unter anderem habe Washington „keine Satellitenaufnahmen vorgelegt, während Kiew Aufnahmen der Fluglotsen-Gespräche nicht zur Verfügung gestellt haben“.
„Momentan ist zweifellos nicht die richtige Zeit für die Bildung eines internationalen Tribunals, das parallel zu den jetzigen Ermittlungen stattfinden würde“, so Rasmussen. Der Experte betonte, dass er dabei seinen persönlichen Standpunkt äußert. ..." (Sputnik, 4.8.15)

hier geht's zu Folge 239

alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine
 

Freitag, 17. Juli 2015

Nachrichtenmosaik zu MH17 - Folge 2

Aufgrund des Umfangs hier ein Extra-Mosaik mit Informationen und Nachrichten zur MH17-Katastrophe – ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit (aktualisiert: 16:29 Uhr)

• Immer noch Trümmerteile an Absturzstelle
"Die internationalen Experten haben immer noch nicht alle Wrackteile an der Absturzstelle des verunglückten malaysischen Passagierflugzeugs MH17 eingesammelt, etwa 40 Prozent davon sind noch liegengeblieben, wie der Republikchef von Donezk, Alexander Sachartschenko, sagte.
Ende Mai hat das Team der internationalen Experten die Untersuchungsmaßnahmen an der Stelle der Tragödie beendet. Dabei hat der Donezker Volksrats-Vorsitzende Andrei Purgin geäußert, dass an der Absturzstelle 40 Prozent der Flugzeugteile noch nicht geborgen worden seien.
Malaysia hatte am Dienstag im Weltsicherheitsrat einen Resolutionsentwurf über die Bildung eines Tribunals zur Beschleunigung der Ermittlung der Ursachen des Absturzes der malaysischen Boeing im Gebiet Donezk und zur Gewährleistung der Gerechtigkeit für die Opfer des Unglücks eingebracht. Das Datum seiner Behandlung wurde noch nicht festgelegt.
„Wenn das internationale Tribunal Beweise braucht, warum liegen sie bei uns? Wir sind bereit, sowohl die notwendige Technik als auch Menschen bereitzustellen, die dabei helfen können, an die Beweise und die validen Daten über die Absturzursachen heranzukommen“, sagte Sachartschenko." (Sputnik, 17.7.15)
Siehe auch: "... Ein ukrainischer Rebellenführer sagte unterdessen, zwei Fünftel der Überreste des Flugzeugs befänden sich noch immer in dem von den Aufständischen kontrollierten Gebiet. Die Mitglieder der internationalen Untersuchungs- und Bergungsteams hätten den Rebellen versichert, sie benötigten diese Teile nicht, erklärte Andrej Purgin laut der Internetseite der Rebellen. ..." (Der Standard online, 24.6.15) 
Zeit online und andere Medien hatten am 23.11.14 gemeldet: "Alle Wrackteile von Flug MH17 geborgen"

• Donezk: Kiewer Truppen haben MH17 abgeschossen
"Die malaysische Boeing ist nach Überzeugung von Alexander Kofman, Außenminister der selbsterklärten Volksrepublik Donezk, von den ukrainischen Streitkräften abgeschossen worden.
„Wir wissen zwar nicht, ob dies die reguläre Armee oder nationalistische Kräfte waren“, sagte er in einem Sputnik-Interview. „Absolut offensichtlich ist aber, dass die Maschine weder von der Volkswehr abgeschossen wurde, die solche Waffen nicht hatten, noch von Russland, das an den Kampfoperationen im Donbass nicht beteiligt ist.“
Nach seiner Meinung zu den Plänen gefragt, ein internationales Tribunal für die Ermittlung der Boeing-Tragödie zu etablieren, antwortete Kofman: „Das ganze vergangene Jahr haben wir die Tragödie mit MH17 im Auge behalten. Das ganze Jahr waren wir bemüht, Material und Beweise zu übergeben. Was hat aber die andere Seite gemacht? Sie ließ Beweisstücke, etwa Fragmente des Flugzeugs verlorengehen – wovon kann man da noch reden? Wir haben der internationalen Völkergemeinschaft alles zur Verfügung gestellt, was in unseren Kräften war.“ ..." (Sputnik, 17.7.15)

• Linkspolitiker fordert Wahrheit zu MH17
""Bis heute ist nicht geklärt, wer für den Abschuss des Fluges MH17 über der Ukraine verantwortlich ist. Dies verleitet die westlichen Medien und die Politik zu immer wilderen Spekulationen über die Verantwortung Russlands und bzw. oder der Aufständischen. Die russischen Medien wiederum stellen genau dies in Frage und beschuldigen die ukrainische Seite. Die Wahrheit darf jedoch nicht dem politischen Opportunismus geopfert werden. Das wäre verantwortungslos und skrupellos gegenüber den Hinterbliebenen und würde noch mehr Öl ins Feuer des Ukraine-Konflikts gießen", erklärt Alexander S. Neu, für die Fraktion DIE LINKE Obmann im Verteidigungsausschuss, zum heutigen ersten Jahrestag des Abschusses von Flug MH17 über der Ostukraine. Neu weiter:
"Inzwischen fordert Malaysia, dass sich der Internationale Strafgerichtshof mit dem Sachverhalt befasst. DIE LINKE unterstützt diese Forderung zum jetzigen Zeitpunkt nicht, da es eine parallele Untersuchung zur bereits bestehenden Untersuchungskommission wäre. Erst wenn der Abschlussbericht vorliegt, voraussichtlich im Oktober, und darin hoffentlich die Verantwortlichen für den Tod von 298 Menschen genannt werden, kann und sollte über eine Befassung des Internationalen Strafgerichtshofes entschieden werden."" (Pressemitteilung MdB Alexander Neu, Linksfraktion, 17.7.15)

• Kontroverse zu möglichem UN-Tribunal geht weiter
"Heute vor einem Jahr ist die Boeing 777 der Malaysia Airlines (Flug MH17) in der Ostukraine abgestürzt. Im UN-Sicherheitsrat brodelt es wegen Malaysias Vorschlag zur Bildung eines Tribunals zur Untersuchung dieser Tragödie, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Freitag.
Der malaysische Premier Najib Razak sagte, die Ermittler haben eine „klarere Vorstellung“ als früher davon, weshalb die Maschine abgestürzt ist. Der entsprechende Bericht werde voraussichtlich im Oktober veröffentlicht. Der Kampf um die Wahrheit und Gerechtigkeit sei noch lange nicht zu Ende, betonte Razak. Das endgültige Ziel sei, die Schuldigen zur strafrechtlichen Verantwortung zu ziehen. Kuala Lumpurs Initiative unterstützten Australien, Belgien, die Niederlande und die Ukraine.
In Moskau hält man diesen Vorschlag allerdings für kontraproduktiv und verfrüht. Präsident Wladimir Putin sagte das Donnerstag bei einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte. Laut der Nachrichtenagentur Interfax plädierte er für eine „gründliche und objektive Ermittlung“ in Übereinstimmung mit der Resolution 2166 des UN-Sicherheitsrats, die am 21. Juli 2014 auf Russlands Initiative vereinbart wurde. ...
Prinzipiell wichtig wird die Position Chinas zur MH17-Katastrophe sein. „Die chinesische Seite plädiert für eine unabhängige, faire und objektive Untersuchung im Sinne der Resolution 2166 des UN-Sicherheitsrats, damit die Schuldigen vor Gericht gestellt werden“, teilte der Pressedienst des chinesischen Außenministeriums auf Anfrage von RIA Novosti mit. Zudem brachte ein chinesischer Außenamtssprecher die Hoffnung zum Ausdruck, dass der UN-Sicherheitsrat „sich einig bleibt und gewährleisten kann, dass die MH17-Angelegenheit ordnungsgemäß geregelt wird“. ..." (Sputnik, 17.7.15)

• Video vom MH17-Absturzstelle veröffentlicht
"Die Bilder sind verstörend: Ein YouTube-Video zeigt offenbar die ersten Minuten nach dem Absturz der MH17. Prorussische Separatisten sollen es gedreht haben. Auch Gespräche sind darauf zu hören.
Ein australisches Medienhaus hat ein Jahr nach dem Abschuss des Passagierflugzeuges MH17 über der Ostukraine ein Video veröffentlicht, das offenbar prorussische Separatisten kurz nach dem Absturz an der Unglücksstelle zeigt. Sie könne das Material nicht verifizieren, sagte die australische Außenministerin Julie Bishop am Freitag im Fernsehen. "Ich habe das Material gesehen, es ist widerlich, das anzuschauen."
Auf dem Video sind brennende Wrackteile sowie Koffer zu sehen. News Corp Australia hat die Stellen, auf denen Leichen zu sehen sein sollen, unkenntlich gemacht. Separatisten sollen zu hören sein, wie sie telefonieren. Sie berichten demnach Gesprächspartnern, dass es sich um ein ziviles Flugzeug handele und die Toten Ausländer seien. "Wer hat ihnen erlaubt, durch diesen (Luft-)Korridor zu fliegen?", fragt einer laut Übersetzung. Einige öffnen Rucksäcke, ziehen Kleidung heraus und nehmen elektronische Geräte in Augenschein. Das komplette Video ist auf YouTube zu sehen. ..." (Die Welt online, 17.7.15)
Interessanterweise wird in den deutschen Meldungen über das Video, die ich bisher dazu sah, weggelassen, was die Aufständischen in dem Handy-Film sagen und im veröffentlichten übersetzten Transkript nachzulesen ist: Sie sprechen von einem zweiten Flugzeug, das sie sahen, einer Suchoj: "... Cmdr: They say the Sukhoi (Fighter) brought down the civilian plane and ours brought down the fighter.
Background: But where is the Sukhoi?
There it is … it’s the passenger plane. ..."
Dazu passt auch diese Sputnik-Meldung vom 25.12.14: "Mehr als fünf Monate nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine gibt der Chef der von Kiew abtrünnigen „Donezker Volksrepublik“, Alexander Sachartschenko, der ukrainischen Luftwaffe die Schuld. Er habe es mit eigenen Augen gesehen, wie ukrainische Kampfjets den Flug MH17 vom Himmel holten.
Es seien ukrainische Kampfjets gewesen, die die Boeing abgeschossen haben, sagte Sachartschenko am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Donezk. Dutzende Zeugen hätten das beobachtet, darunter auch er selbst. „Ich habe gesehen, wie das war. Es waren zwei Flugzeuge und die Boeing. Dann waren die beiden Flugzeuge weg und die Boeing stürzte ab“, sagte Sachartschenko. Er sei zu dem Zeitpunkt der Katastrophe im Raum Schachtersk unterwegs gewesen. Dutzende weitere Menschen haben dasselbe beobachtet. „Ich habe sofort verstanden, dass ukrainische Flugzeuge die Maschine abgeschossen haben. Wir haben nämlich keine Luftwaffe“. ..."

• Donezk: Westen kennt die Schuldigen
"Ein Jahr nach dem Abschuss des Boeing-Fluges MH17 über der Ost-Ukraine weiß Europa nach der Einschätzung von Semjon Kusmenko ganz genau, wer an der Katastrophe mit 298 Toten schuld ist. Der Verkehrsminister der selbsterklärten Donezker Volksrepublik glaubt jedoch nicht, dass der wirklich Schuldige jemals genannt wird.
Die Ermittlungen scheinen noch immer nicht in eine aktive Phase eingetreten zu sein, sagte Kusmenko am Freitag. Selbst die Ursache des Absturzes sei bislang nicht klar formuliert worden. „Das ist eine sehr ernsthafte politische Frage, denn Europa ist jetzt nicht daran interessiert, die Ukraine zum Terroristen zu erklären.“
„Ich bin selber an der Absturzstelle gewesen und habe die Löcher am Rumpf gesehen. Sie waren untypisch für einen Fla-Raketenkomplex“, sagte Kusmenko. Nach seiner Einschätzung „weiß Europa schon seit langem, wer an der Katastrophe schuld ist“, hat jedoch kein Interesse an der Aufklärung. Deshalb seien die Ermittler so grob mit den Wrackteilen umgegangen.
„Wir haben gesehen, wie die Wrackteile mit großen Trennschneidern längs und quer geschnitten wurden. Ich denke, schon als wir die Wrackteile ins Flugzeug luden, wusste die andere Seite, wer was getan hat.“ Deshalb habe man kein Interesse an einer Ermittlung gehabt. „In den Augen der Weltgemeinschaft muss die Ukraine weiter harmlos bleiben.“ ..." (Sputnik, 17.7.15)

• MH17-Ermittler melden große Fortschritte
"Die Ermittler machen nach eigenen Angaben im Fall des abgestürzten Flugs MH17 große Fortschritte. "Wir kommen stichhaltigen und überzeugenden Beweisen immer näher", sagte Oberstaatsanwalt Fred Westerbeke in Rotterdam. Im Visier sei eine "Gruppe von Tätern".
Die Maschine war vor genau einem Jahr über der Ostukraine abgestürzt, vermutlich wurde sie abgeschossen. Westliche Staaten und auch die Ukraine hatten Russland verantwortlich gemacht. Moskau und die Rebellen sehen dagegen die Ukraine als Schuldigen.
Offiziell geklärt ist die Schuldfrage jedenfalls noch nicht. Die Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass die Boeing 777 der Malaysia Airlines auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit einer Bodenluftrakete des Typs Buk abgeschossen wurde - und zwar offenbar von prorussischen Separatisten, ließ ein Insider erste Informationen aus dem Abschlussbericht durchsickern. Offizielles gibt es jedoch erst, wenn der niederländische Sicherheitsrat im Oktober die gesammelten Untersuchungsergebnisse veröffentlicht. ..." (airliners.de, 17.7.15)

• Rätsel MH17 ungeklärt
"Vermutungen und Indizien zum Flug MH17: Ein Jahr danach ist der Abschuss der malaysischen Boeing über der Ostukraine nach wie vor nicht aufgeklärt
Sicher ist zum heutigen Tage nur die Zahl der Opfer von Flug MH17: 298 Insassen der malaysischen Boeing 777 kamen ums Leben, als die Maschine am Nachmittag des 17. Juli 2014 über den damals umkämpften Regionen des Donbass abgeschossen wurde. Sofort danach beginnen die Ansichten auseinanderzugehen. Die Frage »Wer hat geschossen?« ist dabei verbunden mit der Frage »Womit wurde geschossen?«
Ein erster niederländischer Untersuchungsbericht vom September 2014 war in der Sache nichtssagend: Das Flugzeug sei »von einer Vielzahl hochenergetischer Partikel« getroffen und zum Absturz gebracht worden. Hochenergetische Partikel, das heißt: bei der Explosion eines Sprengkopfes auseinandergejagte Splitter, die die Außenhaut des Flugzeugs durchschlagen und die hydraulischen Systeme beschädigt hätten. Über den Urheber machte dieser Bericht keine Aussagen. Doch die Richtung ist klar: Es war eine Rakete. Wahrscheinlich des hochreichenden sowjetischen Systems BUK. Blieb die Frage, wer sie abgefeuert hatte. In Frage kamen: die ostukrainischen Aufständischen, russische oder ukrainische Truppen. ...
Noch schneller als die Niederländer war aus Russland ein »Verband russischer Ingenieure« mit einer Expertise auf dem Markt. Das bereits etwa einen Monat nach der Katastrophe ins Netz gestellte Papier stützt sich auf die bereits am 21. Juli veröffentlichten russischen Satellitenbilder und entwickelte ein ganz anderes Szenario: Die malaysische Boeing sei eben nicht mit einer Boden-Luft-Rakete beschossen worden, sondern zunächst aus der Bordkanone eines ukrainischen Kampfjets an- und dann mit einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen worden. Die Bordkanonenhypothese stützt sich auf eine Analyse der am Boden aufgeschlagenen Wrackteile und der in ihnen zu sehenden Löcher. Die seien zu groß und zu rund für eine BUK-Rakete. Unabhängig von den russischen Ingenieuren war gleichzeitig der deutsche Luftfahrtblogger und Expilot Peter Haisenko zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Die Brisanz dieser These beruht darauf, dass sie Vorsatz voraussetzt, wenigstens bedingten. Sie wird vermutlich aus diesem Grund von offizieller russischer Seite nicht vertreten. ...
Vielleicht muss die Frage nach dem Vorsatz auf einer anderen Ebene als der des einzelnen Piloten angegangen werden. Warum hat die Ukraine, obwohl sie seit dem 14. Juli wusste, dass die Rebellen hochreichende Raketen hatten, den Luftraum nur unterhalb von 10.000 Metern gesperrt, obwohl der zivile Luftverkehr knapp oberhalb dieser Grenze abläuft? Waren es wirklich nur die finanziellen Motive – der drohende Verlust der Überfluggebühren –, wie etwa der Berliner Luftfahrtrechtler Elmar Giemulla vermutet, der die deutschen Opfer in einer Schadenersatzklage gegen Kiew vertritt? Oder wurde hier in Kiew eine kaltblütige Provokation eingefädelt – man spielte mit dem Leben der Passagiere eines beliebigen Zivilflugzeuges, im Wissen, dass ein Zivilflugzeug die Freund-Feind-Kennung nicht besitzt, auf die Luftabwehrraketen ansprechen, weil es sie nicht braucht, denn über Kriegsgebieten haben Zivilmaschinen nichts zu suchen? Indem es für einen gegnerischen Zielschützen praktisch unmöglich ist, bei ausbleibender »Freund«-Kennung ein Zivilflugzeug und eine angreifende Militärmaschine auf dem Radar zu unterscheiden, so dass ein tragischer Fehler praktisch unausweichlich war? Auch wenn das nur ein Indizien und keine Beweise sind: Die weitere politische Entwicklung lief ganz im Kiewer Sinne. Wenige Tage später verhängte die EU erstmals umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Russland.
Jedenfalls hat Kiew offenbar etwas zu verbergen. Wenige Tage nach dem Abschuss vereinbarten die beteiligten Staaten auf ukrainischen Antrag eine Schweigeverpflichtung: Ermittlungsergebnisse dürfen nur mit Einwilligung aller Beteiligten veröffentlicht werden. Insofern wäre es ein kleines Wunder, wenn der für den Oktober angekündigte offizielle Report aus den Niederlanden substantiell Neues bekanntmachen würde." (Reinhard Lauterbach in junge Welt, 17.7.15)

• Auffälliges Schweigen der USA
"Als Russland vier Tage nach dem Abschuss von MH17 seine Satellitenbilder veröffentlichte, wussten die USA sofort eines: alles Lüge. Man werde schon bald eigene Aufnahmen und eindeutige Beweise gegen Moskau vorlegen.
Inzwischen ist ein Jahr vergangen, und die angekündigte Publikation der amerikanischen Aufklärungsbilder steht weiterhin aus. Die Erklärungen dafür waren anfangs skurril: Da hätten die zum Abschusszeitpunkt dichten Wolken die Satelliten am Knipsen gehindert, und ein über dem Schwarzen Meer herumfliegendes AWACS-Aufklärungsflugzeug habe gerade den Film gewechselt. Später gab es gar keine Begründungen mehr.
Ray McGovern, 27 Jahre lang als Analyst bei der CIA beschäftigt, hat eine andere Erklärung für dieses Schweigen. Die eigenen Aufklärungsbilder der USA bewiesen offenbar nicht das, was sie sollten, und würden aus politischen Gründen zurückgehalten. Besäße Washington eindeutige Beweise für eine Schuld der Regierungsgegner, so würde »John Kerry oder sonstwer das von jedem Dach krähen«. ... McGovern berief sich in einem Gespräch mit der russischen Agentur TASS auf frühere Kollegen, die noch in der CIA aktiv seien. ..." (junge Welt, 17.7.15, Seite 3)

• Poroschenko: Gegner des UN-Tribunals verantwortlich für MH17-Katastrophe
"Die Ukraine unterstützt voll und ganz den Vorschlag nach der Bildung eines internationalen Tribunals zum Absturz einer malaysischen Boeing vor einem Jahr über der Ostukraine, erklärte Präsident Petro Poroschenko am Donnerstag. „Jene, die gegen das Tribunal sind, übernehmen die Verantwortung für den Abschuss des Jets“, sagte der dem TV-Sender CNN.
„Wir sind für das Tribunal, die Entscheidung soll vom UN-Sicherheitsrat getroffen werden. Wir glauben, dass jene, die diesen Prozess stoppen wollen, die Verantwortung übernehmen“, sagte der ukrainische Präsident.
Am Dienstag hatte Malaysia bei den UN die Bildung des Tribunals zum MH17-Abschuss beantragt. Am Donnerstag stellte auch die Ukraine einen ähnlichen Antrag. Russland ist der Ansicht, dass das Tribunal erst nach Abschluss aller Ermittlungen in Frage käme. Ranghohe russische Diplomaten erklären, dass der entsprechende Resolutionsentwurf keine Chancen hat, vom Weltsicherheitsrat angenommen zu werden. ..." (Sputnik, 16.7.15)

• „Das Beschuldigungsspiel gegen Putin läuft weiter”
"US-Geheimdienste halten es nicht für glaubhaft, dass Russland am Abschuss beteiligt war. Wobei die USA sich von der Ermittlung des MH17-Absturzes fern halten und die Befunde ihrer Experten nicht mitteilen, wie sich der ehemalige CIA-Offizier Philip Giraldi, dessen Artikel auf der Website des Ron Paul Instituts veröffentlicht wurde [Original auf unz.com – HS], äußerte.
Einige Experten, die eine beträchtliche Menge an Information über den Absturz analysiert haben, seien sich einig, dass der ukrainische Oligarch Igor Kolomoiski der „höchstwahrscheinlichste Kandidat“ sei, berichtet Giraldi.  Die Regierung in Kiew habe damals auch die Ressourcen und das Motiv dazu gehabt, um das Flugzeug zum Absturz zu bringen und die Schuld Moskau in die Schuhe zu schieben. „Das Beschuldigungsspiel gegen Putin läuft weiter”, schreibt er.
Nach Einschätzung von Giraldi müssen im Schlussbericht der internationalen Untersuchung  alle Fakten und Varianten berücksichtigt werden, sowie auch jegliche Informationen, die sich im Widerspruch zu der konventionellen Sichtweise befinden, besonders, wenn sie von denen vertreten wird,  die an der Katastrophe mit dem zivilen Flugzeug interessiert sind.
In dem Bericht des niederländischen Sicherheitsrats, der im Oktober veröffentlicht werden soll, wird davon ausgegangen, dass es keine schlüssigen Beweise für die Schuld der einen oder anderen Seite gibt. Allerdings wird im Bericht eine Variante hervorgehoben, die auf der Basis von Indizien beruht. Demnach sind die Milizen vom Donbass die mutmaßlichen Täter. Dies sei auch eine indirekte Anklage gegen Russland, betont Giraldi.
Jedoch gebe es keinen plausiblen Beweis für diese Version. Die Vorwürfe, dass Russland am Absturz beteiligt sei, basieren auf voreiligen Schlüssen, die wiederum auf lückenhafte Informationen unmittelbar nach der Katastrophe beruhen.
Seitdem seien neue Fakten aufgetaucht. So äußerte beispielsweise der deutsche Geheimdienst Zweifel daran, dass die Rakete, die das Flugzeug abgeschossen hat, aus Russland geliefert wurde, und erklärte ferner, dass die von der ukrainischen Regierung bereitgestellten Fotos Fälschungen seien, betont Giraldi.
US-Geheimdienste haben auch ihre eigene Sicht auf das, was passiert ist, doch nicht die Absicht, ihre Befunde an die internationale Gemeinschaft zu vermitteln. Nach Ansicht von Giraldi, deutet dies auf eine „Politisierung“ der Sicherheitsdienste und die Rückkehr zu den Tagen, wo die Welt auf „them“ und „us“ aufgeteilt war. ..." (Sputnik, 16.7.15)

• Lawrow: UN-Tribunal soll bestrafen, wen die USA für schuldig erklären
"Die Idee, ein Tribunal zum Absturz der malaysischen Boeing MH17 zu bilden, bezweckt, diejenigen zu bestrafen, die die USA für schuldig an dieser Tragödie halten, wie der russische Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag in Moskau in einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit dem thailändischen Amtskollegen Thanasak Patimaprakorn sagte.
Lawrow nahm damit Stellung zur Äußerung des US-Botschafters in Moskau, John Tufft, der der Zeitung „Moskowski Komsomolez“ sagte,  Washington wisse, wer die Boeing abgeschossen habe.
„Wenn Washington das wirklich glaubt, so wie Herr Tufft es darstellt, dann entsteht eine gewisse Klarheit über die Idee der Bildung des Tribunals. Wenn in Washington alles bekannt ist – und die USA unterstützen die Einrichtung des Tribunals durch eine Resolution des Sicherheitsrates auf aktivste Weise —, dann reimt sich alles zusammen und wird verständlich, was für ein Ziel dieses Tribunal verfolgen soll“, so Lawrow. Das Tribunal solle diejenigen bestrafen, von deren Schuld Washington überzeugt sei, so der Minister. ..." (Sputnik, 16.7.15)

• Russische Ermittler und Experten: Abschuss durch Flugzeug
"Ein Jahr nach der Katastrophe der Boeing Flug MH17 über der Ost-Ukraine hat eine Gruppe von Luftfahrtexperten im Internet ihren eigenen Ermittlungsbericht veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass die malaysische Verkehrsmaschine mit 298 Insassen mit einer israelischen Luft-Luft-Rakete abgeschossen worden sein konnte.
In dem 16 Seiten umfassenden Bericht werden die Schäden am Rumpf anhand der öffentlichen Bilder detailliert gemessen und analysiert. Anhand dieser Daten modellierten die Experten den Explosionsbereich der Rakete und berechneten die Masse von deren Gefechtskopf. Nach ihren Angaben explodierte der 10 bis 40 kg schwere Sprengkopf 0,8 bis 1,6 m von der Fensterscheibe des MH17-Flugkommandanten entfernt. Dabei wurden etwa 2000 bis 4000 Parallelepiped-förmige Splitter mit einem Durchschnittsgewicht von jeweils drei Gramm mit Abmessungen von 8х8х6 mm ausgestoßen.
Ihre Erhebungen verglichen die Experten mit den technischen Daten der russischen Flugabwehrraketen und kamen zu dem Schluss, dass keine mit derartigen Splittern gespickt ist. So unterscheiden sich die Splitter der Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk sowohl in der Form (Doppel-T-Form statt Parallelepiped) als auch im Gewicht (8,1 statt drei Gramm) deutlich.
Darüber hinaus sind alle russischen Fla-Raketen mit Gefechtsköpfen bestückt, die deutlich mehr als 40 kg wiegen. Dass die Rakete in der Nähe des Cockpits explodierte, zeuge davon, dass sie einen Infrarot-Selbstsuchkopf hatte und auf die Strahlung des Radars zusteuerte, der sich unter dem Cockpit befindet.
Nach der Eischätzung der Experten passt die israelische Luft-Luft-Rakete vom Typ Python zu diesen Daten. Diese Rakete ist nämlich mit einem Infrarot-Suchkopf ausgerüstet, der Sprengkopf wiegt elf kg, die Splitter haben eine passende Form.
Laut öffentlichen Angaben hatte die ehemalige Sowjetrepublik Georgien Anfang der 2000er Jahre Kampfjets des Typs Su-25 modernisiert und an die Raketen Python 4 und Python 5 angepasst. Die Python-Raketen sind äußerlich von den sowjetischen R-60-Raketen – der Standard-Waffe der Su-35 – kaum zu unterscheiden.
Dieser inoffizielle Bericht passt mit den Aussagen des ehemaligen ukrainischen Luftwaffentechnikers Jewgeni Agapow zusammen, der vor dem Krieg in seinem Heimatland nach Russland geflüchtet war. Laut dem Mann, der im Juli 2014 auf einer ukrainischen Luftwaffenbasis gedient hatte, hatte ein ukrainischer Kampfjet vom Typ Su-25 am Tag der MH17-Katastrophe seine Basis mit Luft-Luft-Raketen an Bord verlassen und war etwas später ohne Munition zurückgekehrt. Der Pilot, Hauptmann Woloschin, soll zu seinen Kameraden gesagt haben, er sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. ..." (Sputnik, 16.7.15)
"Russische Experten gehen davon aus, dass die malaysische Boeing MH17 vor einem Jahr über der Ostukraine mit einer Luft-Luft-Rakete nicht russischer Produktion abgeschossen wurde. Das sei die Hauptversion des russischen Ermittlungsausschusses, wie sein Sprecher Wladimir Markin am Mittwoch in Moskau mitteilte.
„Die von Russland gewonnenen Daten basieren unter anderem auf Resultaten von Expertisen. Mehr noch. Die Experten wollen auch den Typ der nicht in Russland gebauten Rakete festgestellt haben.“
Markin zufolge werden die vom Ermittlungsausschuss gezogenen Schlüsse auch durch Aussagen des Zeugen Jewgeni Agapow bestätigt. Dieser hatte seinen Dienst als Mechaniker der ersten Staffel einer Brigade der taktischen Fliegerkräfte der Ukraine abgeleistet und war für die Bewaffnung von Flugzeugen zuständig. Er habe gesehen, dass ein Kampfjet nach einem Einsatz am Tag der Tragödie ohne eine Rakete zurückgekehrt sei, hatte der Zeuge ausgesagt. ..." (Sputnik, 15.7.15)

• Russische Experten bei MH17-Ermittlungen nicht erwünscht
"Trotz mehrerer Anträge Russlands sind russische Experten zur Klärung der Ursachen für den Absturz der malaysischen Boeing MH17 über der Ostukraine nicht zugelassen worden, sagte Oleg Stortschewoj, Vizechef der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija, am Donnerstag in einer Pressekonferenz bei der Nachrichtenagentur MIA „Rossiya Segodnya“. ...
„Weder russische Behörden noch Experten haben sich an diesen Untersuchungen beteiligt, obwohl die russische Seite mehrmals ihre Hilfe – sowohl auf Expertenebene als auch auf technischer Ebene —angeboten hat“, sagte Stortschewoj. ..." (Sputnik, 16.7.15)

• „Verdächtig, dass wir keine Infos von Amerikanern haben“
"Prof Dr. André Liebich vom Graduate Institute in Genf, Experte für Zentral- und Osteuropa, sieht immer noch beträchtliche Lücken in den bisherigen Ermittlungen zum MH17-Absturz vor einem Jahr. Der abschließende Bericht der Ermittler wird, wie er befürchtet, unterschiedliche Deutungen zulassen.Ein Jahr ist seit dem Abschuss von Flug MH17 vergangen. Jedoch wissen wir immer noch nicht viel mehr als letzten September. Damals kam der Vorabbericht vom Holländischen Sicherheitsboard raus.Uns fehlen die ukrainischen und die US-Satellitenfotos. Das ist ein Problem.  Einigen Berichten nach haben die Vereinigten Staaten Informationen an den Ausschuss ausgehändigt, aber diese nicht publik gemacht. Man weiß also nicht wirklich, ob Informationen rausgegeben worden sind oder nicht. ...
Woran könnte es liegen, dass sich die Aufklärung nun schon so lange hinzieht?Ich denke, es ist sehr verdächtig, dass wir keine eindeutigen Informationen von den Amerikanern haben. Offensichtlich gab es Satelliten in der Nähe des Abschussgebietes, und die wussten sehr gut, was passiert ist. Das würde den Finger auf die Ukrainer richten. Ich denke, die Tatsache, dass die Aufklärung so lange dauert, ist ein Hinweis darauf, dass die Ergebnisse unangenehm für die Mächte sind, die an den Ermittlungen beteiligt sind. Jedes Ermittlungsmitglied hat Verweigerungsrecht. Das heißt, es kann verhindern, dass Informationen an die Öffentlichkeit gelangen. Der Bericht sollte eigentlich ein Jahr nach dem Ereignis veröffentlicht werden. Er ist noch immer nicht veröffentlicht. Nun redet man von Oktober. Und hier geht es nur um die ersten Ermittlungen. Aber es sieht nach einer Verzögerungstaktik aus und danach, dass die Beteiligten warten wollen, bis die Angelegenheit nicht mehr von aktuellem Interesse ist. Ich denke, dass ist die falsche Strategie, denn offensichtlich ist es von großem Interesse für Malaysia, das seine Bürger und den Ruf ihrer Staatsfluglinie verloren hat, zu wissen was passiert ist. Es wird natürlich nicht von den Familien der Opfer vergessen werden. Welche schon Russland, die Ukraine und Malaysia verklagt haben. Man kann das also nicht für immer geheim halten. ..." (Sputnik, 16.7.15)

• Details aus Abschlussbericht sickern durch – Putin kritisiert "politisierte Lecks"
"Vor einem Jahr ist Flug MH17 über der Ukraine abgestürzt. Der Abschlussbericht ist noch nicht veröffentlicht - allerdings hat ein Medienbericht jetzt erste Details zur Schuldfrage genannt.
Prorussische Rebellen haben Flug MH17 abgeschossen. Zu diesem Ergebnis sind die niederländischen Ermittler gekommen, wie CNN berichtet. Das Medium beruft sich dabei auf einen Insider, der den noch nicht veröffentlichten Abschlussbericht bereits gesehen hat.
Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war im Juli vergangenen Jahres über der Ukraine abgestürzt. Alle 298 Menschen an Bord starben. Zwei Drittel der Toten sind Niederländer, darum hatte die Ukraine die Ermittlungen dorthin delegiert.
Laut CNN steht in dem Bericht, dass die Bodenluftrakete vom Typ Buk aus einem Dorf in der östlichen Ukraine abgefeuert wurde. Das Gebiet war zu jenem Zeitpunkt unter Kontrolle der prorussischen Rebellen. Diese hatten schon zuvor angegeben, nichts mit dem Absturz zu tun zu haben und verdächtigen ihrerseits die Ukraine. Für den Westen steht dagegen Russland als Übeltäter fest.
Der Bericht kommt offenbar auch zu dem Schluss, dass Malaysia Airlines eine gewisse Schuld an dem Unglück trifft. Zum damaligen Zeitpunkt umflogen andere Fluggesellschaften den umkämpften Luftraum über der Ukraine. Malaysia Airlines tat das jedoch nicht. ..." (airliners.de, 16.7.15)
"Nach der CNN-Meldung, dass der noch nicht veröffentlichte MH17-Bericht der niederländischen Ermittler die Donezker Volksmilizen für den Abschuss der malaysischen Verkehrsmaschine mit 298 Insassen verantwortlich macht, warnt Russlands Präsident Wladimir Putin vor politisierten „Lecks“ zu der Ursache der Katastrophe. ...
In einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte (die Niederlande leiten die MH17-Ermittlungen) sagte Putin am Donnerstag, dass die Verbreitung derartiger „ausgesprochen politisierter“ Vermutungen durch Medien unzulässig sei, wie das Presseamt des russischen Staatschefs mitteilte.
Die Idee von der Etablierung eines UN-Tribunals zur MH17-Katastrophe bezeichnete Putin in dem Telefonat als verfrüht. Er rief dazu auf, die Ermittlungen baldigst zu Ende zu bringen. Erst dann könnte entschieden werden, mit welchen Gerichts-Mechanismen die Schuldigen bestraft werden sollen. Die Ermittlungen sollten dabei „umfassend und objektiv“ sein, so wie es auch die Resolution 2166 des UN-Sicherheitsrats vom 21. Juli 2014 vorschreibe, forderte Putin. ..." (Sputnik, 16.7.15)

• Opferangehörige verklagen Ex-Kommandeur der Aufständischen
"... Angehörige der Opfer sollen indes einen Separatistenführer auf umgerechnet rund 826 Millionen Euro verklagen. Sie berufen sich dabei auf ein US-Gesetz zum Schutz vor Folter und außergerichtlicher Tötung, das gegen Ausländer angewendet werden kann. Das geht aus der in Chicago eingereichten Klage hervor. Es gehe den Hinterbliebenen nicht um Geld, sondern darum, Antworten von Igor Girkin - auch Strelkow genannt - zu erhalten und Druck auf Russland auszuüben, zitierte der britische "Telegraph" am Donnerstag den US-Anwalt Floyd Wisner.
Der russische Staatsbürger Girkin, der zeitweilig als Verteidigungsminister der nicht anerkannten "Volksrepublik" Donezk aufgetreten war, habe den Abschuss der Boeing 777 durch seine Rebellenarmee angeordnet, unterstützt oder begünstigt, heißt es in der Klageschrift. Die Separatisten hätten die Zustimmung des Kreml gehabt.
Nach dem Abschuss habe Girkin angeordnet, Wertgegenstände der Opfer ins Hauptquartier der Rebellen zu bringen, um sie zur Finanzierung der Militärausgaben der "Volksrepublik" zu nutzen. In der Klageschrift heißt es demnach auch, dass Kämpfer unter Girkins Kommando sich zu der Tat bekannt hätten. Die "Volksrepublik" Donezk hat die Schuld an dem Abschuss zurückgewiesen. ..." (Wiener Zeitung online, 16.7.15)

• Kiew bestreitet Besitz von Buk-Komplexen
"Nach den Anschuldigungen aus der russischen Rüstungsbranche, die malaysische Passagiermaschine Flug MH17 sei mit einer ukrainischen Buk-Rakete abgeschossen worden, beteuert Kiew nun, zum Zeitpunkt der Katastrophe vor einem Jahr über keine Raketen dieses Typs verfügt zu haben. Moskau hat diese Darstellung schon als „Lüge“ bezeichnet.
„Nach meiner Kenntnis hatte die Ukraine ihr letztes Buk-System an Georgien verkauft“, sagte Igor Smeschko, Berater des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko, in einer Konferenz in Brüssel.
Das russische Verteidigungsministerium verwies darauf, diese Kiews neue Darstellung vielen Fakten widerspräche. „Die Erklärung des ukrainischen Präsidentenberaters ist absurd“, kommentierte der Sprecher des Ministeriums Igor Konaschenkow am Freitag. „Derart unverhüllte Lügen von Seiten eines ranghohen Beamten sind  einfach unanständig.“
Der Sprecher verwies darauf, dass der ukrainische Flugabwehrchef Dmitri Karpenko bereits Anfang Juni 2014, einen Monat vor der MH17-Katastrophe, den baldigen Dienstantritt eines modernisierten Fla-Raketensystems vom Typ Buk-M1 angekündigt hatte.
Im Oktober 2014 habe Präsident Poroschenko an der Universität Charkiw einen Unterrichtsraum für die Ausbildung von Bedienungspersonal für die Buk-Systeme besichtigt. „Wozu bildet die Ukraine dieses Personal denn aus, wenn sie keine solchen Raketen hat?“, fragte Konoschenkow. Er erinnerte auch an die Worte des ukrainischen Generalstaatsanwalts Vitali Jarema, der kurz nach dem Absturz berichtet hatte, dass „die Terroristen keine unserer Raketenkomplexe Buk und S-300 erbeutet haben“. Dass die Ukraine überhaupt keine Buk habe, sagte Jerema nicht. ..." (Sputnik, 5.6.15)
Dazu zur Erinnerung aus Folge 215: Der ukrainische Blogger Anatolij Scharij machte in seinem Youtube-Kanal am 27.7.14 auf Aufnahmen des ukrainischen Militär-TV vom 16.7.14, einen Tag vor dem mutmaßlichen Abschuss von MH17 am 17.7.14, aufmerksam, auf denen eine Buk-Fla-Raketen-Einheit der Kiewer Truppen in bzw. an der "ATO-Zone" in der Ostukraine gezeigt wird (ab 4:47 min). Mit ATO (Antiterroroperation) umschreibt die Kiewer Putsch-Führung ihren Krieg gegen die Aufständischen in der Ostukraine seit April 2014.
Hier ist das Scharij-Video mit deutschen Untertiteln zu sehen.
Das ukrainische 156. Fla-Raketen-Regiment, ausgerüstet mit Buk-M1-Systemen, war im Kriegsgebiet eingesetzt, berichtete der Journalist Jurij Lukaschin bereits am 17.7.14 in einer Reportage aus der Ostukraine. Die Kiewer Truppen hätten einige Tage zuvor Buk-Einheiten in die Region Donezk verlegt, so der Journalist. Lukaschin machte auch auf die schlecht koordinierte Kommunikation der ukrainischen Luftverteidigung mit den zivilen Luftfahrtbehörden aufmerksam. Er schreibt von einer möglichen Provokation, bei der das malaysische Flugzeug, das bekanntermaßen die übliche Flugroute über der Ukraine verließ, über die Kriegszone gelotst wurde von jemand, der wußte, dass dort Buk-Einheiten stationiert sind, dazu "nur eine dumme Wache in Alarmbereitschaft" ...

→ zum ersten Nachrichtenmosaik extra zu MH17

→ siehe auch den Beitrag "CORRECT!V korrigiert" von Gunnar Jeschke auf freitag.de und die zahlreichen Kommentare dazu

zum MH 17-Absturz siehe auch den Beitrag von Mopperkopp: "Tatort MH17" auf freitag.de

Nachtrag vom 20.7.15: Antworten des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz nach den Verhandlungen mit dem stellvertretenden Regierungschef und Außenminister des Königreichs Thailand, Thanasak Patimaprakon, am 16. Juli in Moskau:
"... Als diese schreckliche Katastrophe, diese Tragödie vor knapp einem Jahr passierte, waren wir diejenigen, die neben anderen Ländern eine Resolution des UN-Sicherheitsrats initiierten, die die Nummer 2166 trägt. Die gesamte Zeit riefen wir mehrmals dazu auf, dass diese Resolution in jeder Hinsicht fair umgesetzt wird. Wie Sie wissen, sieht sie eine allseitige, gründliche und unabhängige Ermittlung der Katastrophe vor, die strikt im Sinne der Resolution und der Regeln der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) verlaufen sollte. Leider aber wurde die Resolution in diesem Aspekt, wie auch in manchen anderen, nicht erfüllt. Die Ermittlungen verlaufen ohne die Anerkennung der Führungsrolle der ICAO und nicht unter ihrer Schirmherrschaft. Stattdessen wurde ein spezifischer Weg zur Ermittlung auf Basis von bilateralen Vereinbarungen zwischen einzelnen Ländern und der Ukraine gewählt. Dabei wurden diese Vereinbarungen nie vollständig veröffentlicht, wenn ich mich richtig erinnere. Laut der Resolution 2166 sollte der UN-Generalsekretär dem UN-Sicherheitsrat umfassende Initiativen zu den Maßnahmen vorlegen, die die UNO bzw. der UN-Sicherheitsrat ergreifen könnten.  Solche Initiativen wurden jedoch nie vorgelegt. Zudem wurden keine Informationen über den Verlauf der Ermittlungen bekanntgegeben, obwohl diese Forderung in der Resolution verankert ist. Alle Versuche der russischen Seite, zwei bzw. drei Monate nach der Verabschiedung der Resolution eine Debatte im UN-Sicherheitsrat über den Verlauf der Ermittlungen zu organisieren, wurden von den Ländern blockiert, die jetzt auf der Bildung des Tribunals bestehen. Die Fragen, die bei russischen Luftfahrtexperten und bei Experten des russischen Verteidigungsministeriums entstanden, die wir im UN-Sicherheitsrat gestellt haben, wurden von den Ermittlern nie beantwortet. Unsere Experten wurden zwar in die internationale Ermittlungsgruppe eingeladen, aber dort gibt es keine Gleichberechtigung, denn verschiedene Mitglieder dieser Gruppe haben unterschiedlichen Zugang zu den Informationen: Manche von ihnen können auf alle Dokumente und Informationen zurückgreifen, aber unsere Experten bekommen nur einen Teil davon. Wir haben nachgefragt, warum das so ist, aber keine klare Antwort bekommen.
Die Ermittlung selbst ruft viele Fragen hervor, und die erste ist, warum die Ausführung der Flugzeugfragmente vom Katastrophenort (der unentbehrliche erste Schritt) erst mehrere Monate nach der Tragödie begonnen hat. Manche Gegenstände sind immer noch dort. Die Gespräche ukrainischer Fluglotsen, die die Kampfjets anwiesen, wurden immer noch nicht veröffentlicht, wie auch die von uns beantragten Informationen über die Starts von Militärflugzeugen von nahegelegenen ukrainischen Flugplätzen usw. Wir schlugen vor, dass der Weltsicherheitsrat die Entsendung einer UN-Mission verfügt, aber diese Idee wurde abgelehnt. Wir schlugen ebenfalls vor, dass der UN-Sicherheitsrat den UN-Generalsekretär beauftragt, nicht nur mit der Initiative zur Ernennung eines Sonderbeauftragten aufzutreten (das hat er übrigens nie gemacht, obwohl die Resolution das vorsah), sondern auch einen solchen Sonderbeauftragten zu ernennen, der für alle mit der Ermittlung dieser schrecklichen Tragödie verbundenen Fragen zuständig wäre. Aber auch dieser Vorschlag von uns wurde zurückgewiesen. Und jetzt, nachdem im Laufe eines Jahres kaum etwas unternommen wurde, nachdem Russlands zahlreiche Appelle an den Weltsicherheitsrat ignoriert wurden, schlägt man plötzlich vor, ein internationales Tribunal zu bilden, wobei die damit verbundenen Projekte viele Fragen hervorrufen. Ich will über keine Einzelheiten sprechen, aber diese Katastrophe wird jetzt als Gefahr für Frieden und Stabilität in der Welt gedeutet, obwohl in der Resolution 2166 darüber nichts geschrieben stand. Der UN-Sicherheitsrat hatte nie Flugzeugabstürze als Gefahr für Frieden und Stabilität in der Welt gedeutet. Das ist ein kriminelles Verbrechen, das von den Niederländern und auch anderen Teilnehmern der internationalen Gruppe als kriminelles Verbrechen ermittelt wird. Der UN-Sicherheitsrat hat damit nichts zu tun. Die Parameter, die seine mobilisierende Rolle betrafen, sind bereits in der Resolution 2166 verankert.
Bei früheren Abstürzen von zivilen Flugzeugen, beispielsweise 1988, als die USA aus Versehen ein iranisches Zivilflugzeug abgeschossen hatten, oder 2001, als ukrainische Militärs ein Flugzeug der russischen Fluggesellschaft Sibir zu Fall gebracht haben, bildete der UN-Sicherheitsrat nie ein Tribunal.
Selbst im so genannten Lockerbie-Fall befasste sich der UN-Sicherheitsrat zwar damit, aber das Gerichtsverfahren in den Niederlanden verlief im Sinne der schottischen Gesetze.
Wir gehen davon aus, dass man keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte – die Ermittlung wurde noch nicht beendet. Die Resolution 2166 enthält tatsächlich einen Aufruf dazu, dass die Gerechtigkeit die Oberhand gewinnt und dass die Schuldigen nach der Ermittlung zur Verantwortung gezogen werden, aber sie wird laut unseren niederländischen Kollegen mindestens bis Oktober oder sogar bis Ende dieses Jahres dauern. Angesichts dessen bleiben für uns zwei Dinge am Wichtigsten: Erstens sollten alle interessierten Staaten (mindestens diejenigen, die in der internationalen Gruppe vertreten sind) den Zugang zu den bisherigen Ergebnissen der Untersuchung bekommen, ohne dabei auf diese oder jene Weise diskriminiert zu werden. Zweitens gehen wir davon aus, dass erst dann die Frage von der Verantwortung der Schuldigen vorläufig besprochen werden kann. Dann muss beschlossen werden, wie das optimal verläuft, ohne dass dabei die Funktionen, Vorbehalte und die Autorität des UN-Sicherheitsrats missbraucht werden."

Freitag, 9. Januar 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 115

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar


• Ukraine-Gipfel weiter unsicher
"Die Bundesregierung hat ein Zustandekommen des geplanten Vierer-Ukraine-Gipfeltreffens in der nächsten Woche in Kasachstan weiter offen gelassen.
Nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprecher Georg Streiter ist es weiterhin unklar, ob der Krisengipfel von Bundeskanzlerin  Angela Merkel (CDU) mit den Staatschefs aus der Ukraine, Russland  und Frankreich am 15. Januar in der kasachischen Hauptstadt Astana überhaupt stattfindet.
Streiter sagte am Freitag in Berlin gegenüber Medienvertreter, dass er solch einen Termin noch "nicht bestätigen" kann. Er fügte jedoch hinzu, dass die Bundeskanzlerin terminlich "flexibel" sei, sollte kurzfristig doch noch ein Gipfeltreffen zustande kommen.
Unterdessen wurde am Nachmittag Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew zu einem Treffen mit Merkel im Kanzleramt erwartet. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer sagte, ein Gipfel mache aus deutscher Sicht nur Sinn, wenn «konkrete, nachhaltige und nachprüfbare Schritte für Fortschritte erkennbar» seien. Zudem ist laut Schäfer für Freitagnachmittag eine Telefonkonferenz der Außenminister aus allen vier Ländern geplant.
Gegenüber der SPUTNIK News Agency, ob es nennenswerte Fortschritte in den Vierer-Beratungen auf Beamtenebene in Berlin gab, antwortete Schäfer es sei "noch zu früh" für eine solche Einschätzung. Er sagte, dass das gemeinsame Ziel aller Konfliktparteien die "volle Umsetzung" des Minsker Abkommens sei." (Sputnik, 9.1.15)

• MH17: Niederlande und andere waren über Gefahr für Luftverkehr gewarnt
"Drei Tage vor dem Abschuss des Passagierflugs MH17 in der Ostukraine waren die Niederlande über die Gefahren in diesem Luftraum informiert. Das bestätigte die niederländische Regierung in einem in der Nacht zum Freitag in Den Haag veröffentlichten Brief an das Parlament.
Die Ukraine hatte demnach am 14. Juli westliche Diplomaten, darunter auch einen Niederländer, über den Abschuss einer ukrainischen Frachtmaschine über dem Kampfgebiet am selben Tag informiert. Den Haag hatte dies nach eigenen Angaben nicht an die Fluggesellschaften weitergeleitet. "Aus den Informationen, über die das Kabinett zu dem Zeitpunkt verfügte, wurde nicht der Schluss gezogen, dass zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden mussten." ..." (Die Presse online, 9.1.15)

• Kiew rechnet mit Milliardenhilfe vom IWF
"Eine Mission des Internationalen Währungsfonds ist in Kiew eingetroffen und hat technische Konsultationen mit der ukrainischen Regierung aufgenommen, wie Premier Arseni Jazenjuk am Freitag sagte.
Die ukrainische Agentur UNIAN hatte am Donnerstag unter Berufung auf inoffizielle Informationen aus der ukrainischen Regierung von der Ankunft der IWF-Mission in der ukrainischen Hauptstadt berichtet.Wie die Präsidentin der Nationalbank der Ukraine, Valeria Gontarewa,  Ende Dezember sagte, rechnet Kiew damit, vom IWF drei Kredittranchen auf einmal zu erhalten und zusätzlich eine Finanzhilfe des Fonds in Anspruch zu nehmen.
Der IWF war bereits früher der Ukraine entgegengekommen und hatte die dritte und die vierte Kredit-Tranche miteinander verknüpft. Nun handelt es sich um die Gewährung von 2,7 Milliarden US-Dollar an die Ukraine.Die IWF-Mission soll sich bis Ende Januar in der ukrainischen Hauptstadt aufhalten." (Sputnik, 9.1.15)

• Wenn Neofaschisten scherzen und Frieden nicht gewollt ist
"Am Tag nach dem Pariser Anschlag trieb Dmitro Jarosch mit dem Entsetzen Scherz. Der Chef des extremistischen »Rechten Sektors« kündigte in der ukrainischen Hauptstadt Kiew an, er gehe mit einer »Granate in der Tasche« in die Parlamentssitzung. Damit fühle er sich gegenüber »offenen Feinden der Ukraine« in der Werchowna Rada sicherer, vertraute er Hromadske TV an.
Kämpferisch präsentierte sich in Berlin auch der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk auf einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Nachmittag. Scharfe Angriffe galten Russland, das »alle mehrseitigen Abkommen verletzt und stört« sowie »keinen einzigen Punkt der Minsker Vereinbarung erfüllt« hätte.
Deren Umsetzung »in all ihren Punkten« machte Kanzlerin Merkel zur Voraussetzung der Aufhebung von Sanktionen gegen Russland. ..." (Neues Deutschland, 9.1.15)

• Elfter russischer Hilfskonvoi für Donbass-Bevölkerung
"Russland hat wegen der angespannten humanitären Lage in der Ostukraine den mittlerweile elften Konvoi mit rund 1400 Tonnen Hilfsgütern in das Konfliktgebiet geschickt. Die mehr als 120 Lastwagen haben unter anderem Kindernahrung und Weihnachtsgeschenke geladen. Sie überquerten am Donnerstag die ukrainisch-russische Grenze und fuhren zu den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk, wie russische Agenturen meldeten. Ukrainische Zöllner kontrollierten demnach die Ladung.
Die prowestliche Führung in Kiew sieht in den wiederholten russischen Hilfskonvois eine Verletzung ihrer Souveränität. Sie befürchtet, dass Moskau den prorussischen Aufständischen in der Ostukraine heimlich Waffen schicken könnte. Russland weist dies zurück. Nach eigener Darstellung hat Russland seit August mehr als 13 000 Tonnen Hilfsmittel in den Donbass gebracht. Die Lastwagenkolonne kam wegen vereister Straßen zunächst nur langsam voran. Die Temperatur im Donbass lag stellenweise bei 27 Grad unter dem Gefrierpunkt. ..." (n-tv online, 8.1.15)

• Merkel verspricht Jazenjuk alle Unterstützung
"Bundeskanzlerin Merkel hat ihrem Gast versichert, dass Deutschland alles tun werde, um die Ukraine zu unterstützen. Jazenjuks scharfe Rhetorik an die Adresse Moskaus löste in Berlin allerdings ein gewisses Unbehagen aus.
Beim Besuch des ukrainischen Ministerpräsidenten Arseni Jazenjuk in Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Land weitere Hilfe zugesagt. Deutschland werde alles dafür tun, um die Ukraine auf dem Weg, den sie gehen möchte, zu unterstützen, sagte die Kanzlerin am Donnerstag bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit Jazenjuk. ...
Merkel lobte Jazenjuk dafür, dass seine Regierung «ambitioniert» und «sehr entschlossen» ein Reformprogramm auf den Weg gebracht habe. Es sei ein riesiger Erfolg, dass es noch vor Weihnachten gelungen sei, einen Haushalt zu verabschieden, der alles andere als einfach sei und eine Vielzahl von Neuerungen enthalte. Das im Oktober gewählte Parlament habe gezeigt, dass es den Weg in Richtung eines transparenten und demokratischen Landes weitergehen möchte . ...
Jazenjuk bedankte sich in der Pressekonferenz bei den deutschen Steuerzahlern und versicherte, Kiew werde das geliehene Geld zurückzahlen. Gegenüber Russland äusserte er sich scharf und verglich das terroristische Verbrechen von Paris mit der Situation im Osten seines Landes. «Wir haben Terrorismus in der Ukraine jeden Tag», sagte der Premierminister. Russland habe noch keinen einzigen Punkt des Waffenstillstandsabkommens von Minsk erfüllt. Moskau müsse seine Banditen aus der Ukraine holen und dürfe ihnen auch keine Waffen mehr liefern, sagte Jazenjuk weiter. Präsident Wladimir Putin trage eine zynische Maske. ..." (Neue Zürcher Zeitung online, 8.1.15)

• Gehrcke: "Jazenjuk auf Kalter-Kriegs-Reise"
""Es gibt keinen Grund, den ukrainischen Regierungschef Jazenjuk in Berlin als Verbündeten und Friedensgaranten zu würdigen. Entsprechende Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel sind falsch und von Übel", erklärt Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, zum Staatsbesuch des ukrainischen Ministerpräsidenten in Berlin. Gehrcke weiter: "Jazenjuk gehört im Ukraine-Konflikt zu den Scharfmachern mit engsten Kontakten zu Rechtsextremisten. Vom ‚Westen‘ will der ukrainische Regierungschef eine Festlegung auf eine extreme, russlandfeindliche Europa- und Außenpolitik. Angesichts seines engen Verhältnisses zu den USA muss man sich fragen, ob sein Besuch in Berlin dazu dient, das europäisch-us-amerikanische Verhältnis weiter zu verschlechtern. Jazenjuk ist Sprachrohr und Förderer der führenden Oligarchen in der Ukraine.
Aufgabe des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin wäre es gewesen, Jazenjuk mit einer alternativen Politik zu konfrontieren. Beide haben vor dieser Aufgabe und vor Jazenjuk kapituliert. Wer ernsthaft die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen anstrebt, muss darauf bestehen, dass die ukrainische Armee aus der Ostukraine zurückgezogen wird. Minsk zu erfüllen heißt auch, humanitäre Hilfe für Donezk und Lugansk zuzulassen und zu leisten. Wer jetzt die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine hochspielt und eine Um- und Aufrüstung der ukrainischen Armee mit Hilfe der USA betreibt, dem geht es nicht um Frieden, sondern um eine neue Blockkonfrontation. Genau das brauchen Deutschland und die Europäische Union nicht."" (Pressemitteilung MdB Wolfgang Gehrcke, Linksfraktion, 8.1.15)

• Wachsende Kritik an Medien statt Medienverdrossenheit 
""Die Frage, wer alles welche Interessen verfolgt, wird nicht bis in die Tiefe recherchiert. Die Frage, welche Interessengruppen hinter welchem Politiker bzw. welcher Position stehen, wird nicht bis ins Detail aufgearbeitet." Dieser Ansicht ist Heiko Hilker, der für die Linkspartei als Medienpolitiker tätig war und heute neben seiner Arbeit für das Dresdner Institut für Medien, Bildung und Beratung auch im MDR-Rundfunkrat sitzt.
Im Interview mit Telepolis geht Hilker auf den Begriff der "Medienverdrossenheit" ein, der derzeit immer wieder zu hören ist, und macht deutlich, dass die Kritik an den Medien für ihn eher ein Anzeichen einer "Medienmacherverdrossenheit" ist. Schließlich, so sagt er, könne er nicht wahrnehmen, dass "Menschen Medien weniger nutzen."
Zugleich mach Hilker deutlich, dass er mit dem Begriff Medienmacherverdrossenheit nicht alle Journalistinnen und Journalisten meint: "Kritik richtet sich an eine Gruppe von Journalistinnen und Journalisten, die politisch einseitig, oberflächlich bzw. einseitig berichten sowie zum Teil eng mit Politik und Wirtschaft verbunden sind." ...
Worauf beruht denn die geäußerte Kritik an den Medien?
Heiko Hilker: Zum einen wird ihnen eine fehlerhafte Berichterstattung vorgeworfen. Zum anderen wird die Berichterstattung als einseitig und interessengeleitet wahrgenommen, da ein großer Teil der Bevölkerung die Situation anders einschätzt als die meisten meinungsführenden Journalistinnen und Journalisten. Dies ist ja nichts Neues.
Dies war auch schon zu Zeiten des Afghanistan-Einsatzes so.
Heiko Hilker: Damals haben 80 Prozent der Bevölkerung den Einsatz abgelehnt, doch dies bildete sich so nicht in der Berichterstattung ab. Ein Grund dafür war, dass die Regierungspolitik ein anderes Ziel verfolgte. Die Medien bilden wiederum diese Regierungspolitik vor allem in den Nachrichten nur ab. Es wird dargestellt, was die Regierung gesagt, verhandelt bzw. beschlossen hat. Es wird darüber berichtet, wie dies umgesetzt wird. Die Nachrichten, die eine große Reichweite in der Bevölkerung haben, zeichnen so durch die Verkürzung ein einseitiges Bild. Natürlich gibt es im gesamten Programm tiefergehende Beiträge, Features und Dokumentationen, die die Dinge komplexer und ausführlicher darstellen. Doch die Nachricht in der Tagesschau wird von 10 Millionen Menschen gesehen, der Beitrag im Politikmagazin von ca. 3 Millionen. Eine Nachricht wird in den Radiowellen der Sender – zum Teil bundesweit – mehrmals tagsüber wiederholt, das politische Feature läuft abends auf einem Sender. Die Reichweiten der einzelnen Darstellungen sind also extrem unterschiedlich.
Die Nachrichtenproduktion läuft zum Teil wie am Fließband. Das Gewicht der Agenturen steigt. In den Redaktionen fehlen Journalistinnen und Journalisten, die Agenturmeldungen überprüfen und einordnen können. Damit meine ich nicht die Fähigkeit dazu, sondern es sind einfach zu wenige Leute. ...
Das sind strukturelle Probleme, die hier kenntlich werden. Erleichtern diese Verhältnisse nicht auch eine mögliche Einflussnahme auf die Medien von außen?
Heiko Hilker: Natürlich. Wer um die journalistischen Produktionsprinzipien und die vorhandenen Ressourcen weiß, der weiß auch, wie er Einfluss nehmen kann. Das muss dann nicht direkt über Personen gehen. Wenn es über Personen gehen sollte, ist doch zu fragen, warum diese Journalistinnen und Journalisten innerhalb der Sender gerade diese Funktion ausüben. Ich sehe, dass viele Funktionen gerade mit denen besetzt sind, die diese Aufgaben im Sinne der Funktion erfüllen, die die dafür nötige Weltanschauung und journalistische Berufsauffassung, die entsprechenden eigenen Werte und Prinzipien haben.
Was mich beunruhigt, ist, dass es eine große Zahl Journalistinnen und Journalisten gibt, die schreiben, dass eine Person allein ein ganzes Land in eine Richtung drängen, manipulieren, in Geiselhaft nehmen kann. Dabei sagt einem ja schon der gesunde Menschenverstand, dass hinter einer Person immer auch Netzwerke stehen, dass es in einem Land unterschiedliche Interessengruppen gibt. ...
Wenn man die Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten sieht, so haben die keine leichte Arbeit. Selbst wenn die Auslandsstudios in Krisenzeiten aufgestockt werden, kommen die Journalistinnen und Journalisten kaum heraus. Sie haben genug zu tun, um die Anforderungen der ARD-Fernsehsender und Radiowellen zu bedienen, die zumeist eigene O-Töne haben wollen. Zudem haben diese auch schon ihre Sicht der Dinge, wollen eine Berichterstattung im Rahmen ihrer redaktionellen Sichtweise. (Die Probleme der Auslandsberichterstattung hat z.B. Lutz Mükke schon 2008 sehr gut beschrieben.) ..." (Telepolis, 7.1.15)

• Westlicher Sieg im Wirtschaftskrieg gegen Russland? 
"Russland steckt in einer Währungskrise, die der Volkswirtschaft des drittgrößten Schwellenlandes massiven Schaden zufügen wird. Staatschef Wladimir Putin hat in einer Pressekonferenz die Bevölkerung auf zwei Krisenjahre eingestellt. Was sind die Dimensionen, was Ursachen und was mögliche Folgen? ...
Der tiefe Erdölpreis und Sorgen um eine Ausweitung der US-Sanktionen aufgrund der Ukraine-Krise beförderten den Wertzerfalls des Rubels. Die Panik wurde durch einen Notenbankberichts ausgelöst, wonach die russische Wirtschaft bei einem Erdölpreis von 60 $ je Fass im kommenden Jahr mit einer Rezession von bis zu 4,7% rechnen müsste. Derzeit steht ein Fass der Nordseesorte Brent, an dem sich der Preis der russischen Sorte Urals orientiert, bei 61 $.
Diese Panik hat den Hintergrund umfangreicher Auslandsschulden russischer Unternehmen, die sich per November auf rund 650 Mrd. $ beliefen. Die Bedienung der Zinsen und die Rückzahlung dieser Verbindlichkeiten werden immer teurer, ebenso wie importierte Vorprodukte, auf die die russische Industrie angewiesen ist. Gleichzeitig halten sich russische Banken mit Krediten zurück, da sie zur eigenen Refinanzierung das Geld immer stärker zusammenhalten müssen. ...
Die Währungskrise des Rubels hat einen nationalen Hintergrund, ist aber zugleich eine Auswirkung des Verfalls des Erdölpreises und des Großteils der Rohstoffe. Seit dem Hoch im Juni sind die Erdölpreise um fast 50% eingebrochen. ...
Am Erdölmarkt finde gerade so etwas wie ein Rattenrennen statt, in dem verschiedene Anbieter ausloten, welcher den tieferen Preis aushalten könne – so die Meinung von Experten. Saudi-Arabien spiele das Spiel gegen die schwächeren Länder innerhalb der Organisation erdölexportierender Staaten (OPEC), insbesondere aus politischen Gründen gegen den r Iran. Zudem hätten die Saudis in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass jedes Mal ein anderer Erdölförderer die Lücke gefüllt habe, sobald sie ihre Produktion gekürzt hätten. ...
Aber nicht nur die seit Monaten sinken Rohstoffpreise signalisieren einen Umschwung in der internationalen Konjunkturlage. An den Weltfinanzmärkten findet zugleich eine der wichtigsten Trendänderung seit Jahren statt. Der Dollar steigt im Wert: Seit Mitte 2014 hat der Dollar-Index, der den handelsgewichteten Wert der amerikanischen Währung zeigt, um rund 12% zugenommen. Was sind die Gründe?
Erstens schrumpft wegen der Förderung von Gas und Öl aus Schiefergestein das chronische Leistungsbilanzdefizit der USA. Die Fed kauft keine Wertpapiere mehr, die Wirtschaft gewinnt an Fahrt, und die Zinsen sind höher als in Europa und in Japan. Die Zinsdifferenz dürfte tendenziell noch zunehmen. Außerdem sind Unternehmen gezwungen sind, Dollar zu kaufen, um ihre Dollargeschäfte abzusichern. ...
Und der zweite Grund ist: An den Finanzmärkten dominiert mittlerweile die Erwartung, dass die US-Notenbank im kommenden Jahr beginnen wird, die Zinsen zu erhöhen. ...
Die Gefahr steigt, dass mit einem weiter anziehenden Dollar mehr und mehr dieser Schuldner Mühe haben werden, sich zu refinanzieren. Für das Beispiel Russland kursiert am Bondmarkt die Sorge, dass russische Unternehmen nicht fähig sind, ihre Fremdwährungsschulden zu bedienen. ...
In Russland droht gar eine massive Rezession in Folge von Ölpreisverfall, Dollarkurs und schwerer Währungskrise. Die politische Klasse des Landes setzt auf eine zügige Krisenbewältigung. Präsident Putin stellte sich allerdings demonstrativ hinter die Regierung und die Notenbank, die geeignete Maßnahmen zur Krisenbewältigung eingeleitet hätten. Russland werde aus den schwierigen Zeiten gestärkt hervorgehen. Denn man müsse arbeiten, effizienter werden und nochmals arbeiten. Putin räumte zwar ein, dass die Wirtschaftsprobleme zwei Jahre dauern könnten und Einschnitte im Haushalt nicht auszuschließen seien. Auch seien womöglich einige Schritte und Beschlüsse zu wenig entschieden eingeleitet worden. ...
Die Sanktionen des Westens sind ein weiterer Faktor, die die russische Krise neben dem Rohstoffpreiszerfall und den Strukturproblemen zusätzlich belastet. Sie betreffen die russische Währung und das Finanzsystem. Hintergrund sind die Schwierigkeiten russischer Firmen, ihre Dollar- und Euroschulden auf den westlichen Kapitalmärkten zu refinanzieren. Putin räumt selbst ein, die Sanktionen hätten mit 25-30% zur derzeitigen Lage beigetragen.

Immer deutlicher wird sichtbar, dass die Assoziation der Ukraine in die EU, der daraus entstandene Konflikt mir Russland und die Verhängung der Sanktionen ein politisch fragwürdiges und wirtschaftlich unvernünftiges Machtmanöver war. Inzwischen sind viele Unternehmer und Manager durch die sich abzeichnende Rezession in Russland aufgewacht: »Die Krise der russischen Wirtschaft hinterlässt immer tiefere Bremsspuren im Russlandgeschäft deutscher Unternehmen«, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. ..." (Joachim Bischoff auf sozialismus.de, 22.12.14)

• Demokratie à la Kiew: Parlament will nicht über Krieg und Frieden entscheiden 
"... Die Rada hat einen deutlichen Schritt weg von Russland mit der Beendigung der Blockfreiheit des Landes gemacht. Einen Tag darauf entschied das ukrainische Parlament, die Kompetenzen des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats zu erweitern - auf Kosten des Parlaments. Den Vorsitz des NSDC hat Olexandr Turtschynow, Ex-Sprecher der Rada und nach dem Sturz von Janukowitsch zeitweise Übergangspräsident. Er gründete mit Timoschenko die Vaterlandspartei und war schon einmal Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats, Chef des Geheimdienstes und kommisarischer Regierungschef. Er gehört also zur alten politischen Elite, gegen die der Maidan angeblich revoltiert hat. Wie viele andere Poliker war auch Turtschynow schnell aus Machterhaltungsinteressen dabei, die Seiten zu wechseln, also aus dem sinkenden Schiff der Vaterlandspartei in die Volksfront von Jazenjuk zu flüchten. Das hat sich am offenbar ausgezahlt.
Vor allem darf der NSDC nun über "dringende Maßnahmen" entscheiden, "um die Krise zu lösen, die die nationale Sicherheit der Ukraine bedroht". Er soll das Recht haben, den Krieg zu erklären, das Kriegsrecht zu verhängen, den Notstand auszurufen oder eine Mobilisierung einzuleiten. Die Verhängung des Kriegsrechts wurde lange Zeit bereits von nationalistischen Kräften verlangt, konnte aber in der Rada nicht durchgesetzt werden. Durch die Verlagerung in den NSDC könnte dies nun schnell geschehen, die Abgeordneten könnten sich bedeckt halten, auch wenn sie die Entscheidung delegiert haben. Die Entscheidungen des NSDC, der auch die Bekämpfung der Korruption, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit den Kampf gegen Kriminalität koordiniert und kontrolliert, sind für alle Behörden bindend. Es gibt nun also eine Art Superbehörde mit weitreichenden Befugnissen über Krieg und Frieden, deren parlamentarische Kontrolle fraglich ist. ..." (Telepolis, 26.12.14)

• Ex-NATO-General: Russland bestrafen zu wollen führt in die Irre
"In Deutschland wächst die Sorge vor einem durch Sanktionen bedingten ökonomischen Niedergang Russlands. Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr und Nato-Militärausschussvorsitzende Harald Kujat warnte vor einer weiteren wirtschaftlichen Destabilisierung des Landes.
In einem Gespräch ... sagte der General a.D., ein solcher Kurs berge Gefahren bis hin zur bewaffneten Auseinandersetzung. „Ein wirtschaftlich stabiles, politisch berechenbares Russland ist die Voraussetzung für eine gemeinsame Lösung und die Abwendung einer weiteren Eskalation bis hin zum möglichen Einsatz militärischer Mittel“, erklärte Kujat. Ein Konflikt sei nur lösbar, „wenn der Gegner rational handlungsfähig ist“. Eine Großmacht wie Russland bestrafen zu wollen führe daher in die Irre. Parallel sei ein Zusammenbruch der russischen Wirtschaft schon deshalb kein Grund zur Genugtuung, weil er erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hätte.
Kujat rief dazu auf, die neuen Grenzen der Ukraine nicht mehr zurückdrehen zu wollen, ohne sie damit völkerrechtlich anzuerkennen. Es dürfe nicht gehen „um die Durchsetzung eigener Wertvorstellungen, wie häufig behauptet wird, sondern um Interessen, vor allem um Sicherheitsinteressen und um internationale Stabilität. Es kann daher nicht das Ziel deutscher Außen- und Sicherheitspolitik sein, die territoriale Integrität der Ukraine wiederherzustellen“, so der frühere Nato-General. Vielmehr bedürfe es einer Verständigung des Westens mit Russland. ... Die Politik müsse verhindern, dass aus dem Konflikt in der Ukraine ein Konflikt um die Ukraine werde. ..." (Neue Osnabrücker Zeitung online, 22.12.14)


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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine