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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
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Donnerstag, 23. Juni 2016

Gedenken und Mahnung - Impressionen vom 22. Juni 2016 in Berlin

Aus Anlass des 75. Jahrestages des faschistischen deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 gab es in Berlin einige Veranstaltungen zum Gedenken an dieses Ereignis. Ich war bei einigen dabei, nachdem ich am Vormittag persönlich auf meine Weise der Opfer des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte gedachte.

Zu den für mich bewegendsten Erlebnissen zählte die Rede von Prof. Dr. Ehrhard Eppler am 22. Juni 2016 auf der Gedenkveranstaltung des Vereins Kontakte - контакты am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten. Er hielt sie "als einer der Letzten der Flak-Helfer-Generation, als einer, der das letzte Jahr des Krieges als normaler Soldat überlebt hat" gegen "alten Hass und neuen Unverstand": "Ich möchte, dass dieser Jahrestag, an dem die Völker der Sowjetunion ihren großen opfervollen vaterländischen Krieg feiern und wir Deutschen an einen der dunkelsten Abschnitte unserer Geschichtte erinnert werden, zu einem politischen Willen führt: Die neue und völlig unzeitgemäße Spaltung unseres Kontinents zu verhindern!" Die Rede kann hier auf Youtube nachgehört werden.

Hier fotografische Erinnerungen an diesen Tag:

Am Vormittag des 22. Juni 2016 am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow

Die Decke des Pavillons unter dem Ehrenmal

Im Pavillon hatten am Vormittag Vertreter verschiedener Orgamnisationen Blumen niedergelegt

Später kamen immer wieder Menschen zum Ehrenmal

Vertreter der Botschaften der ehemaligen Sowjetrepubliken gedachten der Opfer des Krieges mit Kränzen

Auch ein Kranz der Bundesregierung war dabei

US-amerikanische Studenten aus Kalifornien erfuhren am Ehrenmal von der Bedeutung des Tages


Blumen auch am Denkmal "Mutter Heimat" auf dem Gelände des Ehrenmals

Wolfgang Wieland vom Vorstand des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge bei der Gedenkveranstaltung mehrerer Institutionen im Deutschen Histroischen Museum: "Dieser Krieg war ein Verbrechen!"

Das Trio Scho begleitete die Gedenkveranstaltung

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) forderte auf der Gedenkveranstaltung, Lehren aus der "dieser Gewaltgeschichte" zu ziehen und "unserer Verantwortung für die Zukunft gerecht zu werden"

 Die russische Studentin Viktoria Kutdusowa berichtete von ihren Erfahrungen als Freiwillige bei der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und kritisierte die "Kriegsverherrlichung" in ihrem Heimatland

Am späten Nachmittag am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten

Vertreter der früheren Sowjetrepubliken, hier Militärs aus Kasachstan, legten Kränze ab

Sowjetische Fahnen wehten wieder über Berlin

Am frühen Abend versammelten sich immer mehr Menschen am Ehrenmal

Sie legten Blumen nieder und gedachten der Opfer des faschistischen Überfalls

Militärs ehemaliger Sowjetrepubliken am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten


Eine klare Forderung

Neben den Botschaftern der ehemaligen Sowjetrepubliken kam auch Gernot Erler (SPD) (ganz rechts), Russlandbeauftragter des Bundesregierung, zum offiziellen Gedenken ans Ehrenmal



Der russländische Botschafter Wladimir M. Grinin legte gemeinsam mit Sergei Malinovsky, Geschäftsträger der Botschaft von Belarus, und den anderen Diplomaten Blumen nieder

Der frühere Diplomat Dr. Hans Otto Bräutigam gedachte der Opfer und reichte Botschafter Grinin die Hand


Die Grünen-Politikerin Antje Vollmer sprach als Vertreterin des deutsch-Russischen Forums auf der Gedenkveranstaltung des Vereins Kontakte - контакты am Ehrenmal und vermisste politisches Gespür und Empathie in der deutschen Politik: "27 Millionen Tote hat dieser Krieg gekostet und wir diskutieren immer noch, wie wir richtig gedenken sollen!"

Zahlreiche Menschen waren zu der Gedenkveranstaltung am Ehrenmal auf der Straße des 17. Juni gekommen

Der russische Sänger Grigory Kofman sang Lieder von Wladimir Wyssozki

Der SPD-Politiker und frühere Bundesminister Erhard Eppler hielt eine bewegende Rede "als einer der Letzten der Flak-Helfer-Generation, als einer, der das letzte Jahr des Krieges als normaler Soldat überlebt hat" gegen "alten Hass und neuen Unverstand": "Ich möchte, dass dieser Jahrestag, an dem die Völker der Sowjetunion ihren großen opfervollen vaterländischen Krieg feiern und wir Deutschen an einen der dunkelsten Abschnitte unserer Geschichtte erinnert werden, zu einem politischen Willen führt: Die neue und völlig unzeitgemäße Spaltung unseres Kontinents zu verhindern!"

Der Hanns-Eisler-Chor sang unter anderem das Lied "Unsterbliche Opfer"

Am Abend berichteten im Haus der Demokratie und Menschrechte Sonja Moldt (Jg. 1929 - 2. von rechts)), Ulla Plener (Jg. 1933 - rechts) und Herbert Stein (Jg.1932 - links), wie sie als Kinder deutscher Kommunisten im Internationalen Kinderheim von Iwanowo (nordöstlich von Moskau) den 22. Juni 1941 und den Krieg erlebten (2. von links: Hans Coppi von der Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten)




Donnerstag, 8. Mai 2014

Einmal einem Sowjetsoldaten спасибо sagen

Eine spontane und unsortierte Erinnerung an eine Kundgebung am Ehrenmal für die sowjetischen Soldaten in Berlin-Tiergarten am 8. Mai 2014

Den Sowjetsoldaten „Danke“ sagen, dass sie den Faschismus besiegt und entscheidend dazu beitrugen, Europa zu befreien, das scheint heute, 69 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, kaum noch üblich. Hierzulande liegt es sicher auch daran, dass die Bundesrepublik nicht nur Rechtsnachfolger des „Dritten Reiches“ ist, sondern von diesem eine ganze Reihe an Kontinuitäten übernahm. Das reicht von den Eliten und alten aktiven Nazis und Kriegsverbrechern in Amt und Würden über Traditionen in der Bundeswehr und den Antikommunismus bis hin zu den grundlegenden Eigentumsverhältnissen. So nimmt es nicht wunder, dass für die alte Bundesrepublik ein Erinnern an das, was die Sowjetunion und ihre Menschen durch die deutschen Faschisten erlitten und was die sowjetischen Soldaten opferreich und mit viel Blutzoll leisteten, nie ernsthaft in Frage kam. Davon haben all jene etwas mit eingebracht, die am 3. Oktober 1990 neue Bürger der Bundesrepublik wurden nach ihrem Leben in der DDR. Dieser Staat, der in Folge des von den deutschen Faschisten entfesselten und verlorenen 2. Weltkrieges entstand, hatte die Erinnerung an die Sowjetsoldaten hoch gehalten, wenn auch ritualisiert.

Die Kundgebung am Ehrenmal in Berlin Tiergarten (Foto: Friedenskooperation Berlin)
Aber für viele in der DDR war es mehr als ein Ritual, was auch für den angeblich verordneten Antifaschismus galt. Aber sie werden weniger, und jene ebenso, die auch in den sogenannten alten Bundesländern die Erinnerung hochhielten. Einige von ihnen trafen sich am späten Nachmittag des 8. Mai am Ehrenmal für die sowjetischen Soldaten in der Berliner Straße des 17. Juni, kurz hinter dem Brandenburger Tor. Dort hatte zuvor die Linkspartei eine kleine Kundgebung gegen die Kriegspolitik abgehalten. Bei beiden Ereignissen waren jeweils vielleicht 50 Menschen anwesend. Gemeinsam gedachten sie am Ehrenmal der gefallenen sowjetischen Soldaten, jenen, die ihr Leben ließen im Kampf gegen den deutschen Faschismus, in jenem massenmörderischen Krieg. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit, dabei zu sein, nicht nur weil der 8. Mai der "Tag der Befreiung" war und ist. Heinrich Fink, Vorsitzender der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, erinnerte an sie ebenso wie Uwe Hiksch von den Naturfreunden Berlin e.V. und Ulla jelpke, Bundestagsabgeordnete der Linkspartei. Diese Partei war übrigens nach der Kundgebung am Brandenburger Tor kaum zu bemerken am Ehrenmal. Dort wurde auch vor den alten und neuen Faschisten gewarnt, gerade mit Blick auf die Ukraine, ebenso vor neuen Kriegen. Eine 92jährige Frau stellte resigniert fest, dass sie schon viel erlebt habe, „aber es geht alles wieder von vorne los“. Sie verstehe nicht, warum.

Der 89jährige Veteran der Sowjetarmee im Gespräch vor einer der beiden Kanonen, deren Salven das Ende des 2. Weltkrieges verkündeten und die heute beim sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten stehen (Bild von mir)

Die Kundgebung am Ehrenmal für die sowjetischen Soldaten war aber nicht nur den Gefallenen gewidmet, sondern auch jenen, die den Krieg überlebten. Drei von ihnen kamen zufällig dazu, eingeladen nach Berlin von der russischen Botschaft. Und so konnte ich einem von ihnen, einem 89jährigen Veteranen der sowjetischen Armee, mein persönliches спасибо sagen. Er bedankte sich für die Aufmerksamkeit. Wir haben uns noch ein wenig unterhalten, ich mit meinen Resten vom Schulrussisch, er hoffend, dass ich ihn verstehe, mit ein paar Brocken Deutsch, was er einst in der Schule lernte. Wir lachten, dass das bei ihm ziemlich lang her ist. Er erzählte mir von seinen beiden Urenkeln und ich wünschte ihm alles Gute. Vor Aufregung und wegen anderer Gesprächspartner von ihm und weil die drei Veteranen weiter mussten, habe ich vergessen, ihn zu fragen, wie er heißt, Schade. Aber ich werde ihn in Erinnerung behalten, namenlos, aber mit einem Bild von ihm. Und froh, dass ich einem der Sowjetsoldaten, die den Krieg gegen den Faschismus überlebten, спасибо sagen konnte.

Zu der Kundgebung am sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten hatte übrigens die Friedenskoordination Berlin aufgerufen

Hier ein Bericht von Weltnetz TV