Fundstück(e) 39: Zwei interessante Fakten zu den Unterschieden zwischen
Frauen und Männern in dieser Gesellschaft. Über die Gründe dafür wäre
trefflich zu streiten
Unterschied 1: "... Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Deutschland so groß wie in kaum einem anderen Land Europas.
Nach
Daten des Bundesarbeitsministeriums liegt der Unterschied zwischen den
durchschnittlichen Bruttoverdiensten von Männern und Frauen in
Deutschland bei 21,6 Prozent, nur in Estland (28,3 Prozent) und
Österreich (22,9 Prozent) ist der Verdienstabstand demnach größer. ...
Das geht aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. ...
Zieht
man bei der Lohnlücke Faktoren wie Branche, Hierarchie oder
Teilzeitbeschäftigung ab, die Einfluss auf die Lohnhöhe haben, bleibt
bei vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Berufserfahrungen
ein Unterschied bei den Bruttoverdiensten in Deutschland von
durchschnittlich sieben Prozent. Die Regierung beklagt, es gebe eine
„zumeist mittelbare Benachteiligung“ bei den Einkommen von Frauen: Sie
hätten weniger berufliche Chancen, Einkommensperspektiven sowie Förder-
und Aufstiegsmöglichkeiten. Verantwortlich für die Lohnlücke seien auch
Verhaltensmuster bei Beschäftigten und Arbeitgebern, die von
gesellschaftlichen Rollenbildern geprägt seien. ..." (WAZ, 2.3.16)
Unterschied 2: "Die
Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter an: Sie beträgt nach der
auf die aktuellen Sterblichkeitsverhältnisse bezogenen
Periodensterbetafel 2012/2014 für neugeborene Jungen 78 Jahre und 2
Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und 1 Monat. Wie das
Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hat sich die
Lebenserwartung Neugeborener in den letzten zehn Jahren damit bei den
Jungen um 2 Jahre und 3 Monate, bei den Mädchen um 1 Jahr und 6 Monate
im Vergleich zur Sterbetafel 2002/2004 erhöht.
Auch für
ältere Menschen hat die Lebenserwartung weiter zugenommen. Nach der
Sterbetafel 2012/2014 beläuft sich zum Beispiel die noch verbleibende
Lebenserwartung – die sogenannte fernere Lebenserwartung – von
65-jährigen Männern mittlerweile auf 17 Jahre und 8 Monate. Für
65-jährige Frauen ergeben sich statistisch gesehen fast 21 weitere
Lebensjahre. Das entspricht einem Anstieg um 1 Jahr und 5 Monate bei den
Männern beziehungsweise 1 Jahr und 2 Monate bei den Frauen innerhalb
von zehn Jahren. ..." (Statistisches Bundesamt, 4.3.16)
Derzeit laufen erstaunlich viele Fakten und
Hinweise zur sozialen Lage in der Bundesrepublik über den Ticker. Den
nächsten Beitrag hat das DIW am 19. September mit seinem aktuellen Wochenbericht
geliefert: "Menschen in wohlhabenden Haushalten haben im Alter von 65
Jahren eine im Durchschnitt deutlich höhere Lebenserwartung als Menschen
in Haushalten mit niedrigen Einkommen." Das ist das Ergebnis einer
Studie, die DIW-Forscher zusammen mit Wissenschaftlern des Robert
Koch-Institut (RKI) auf der Basis von Daten der großen
Wiederholungsbefragung Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) erstellt haben.
Dem Bericht zufolge haben Frauen aus armutsgefährdeten Haushalten
eine um dreieinhalb Jahre geringere Lebenserwartung als wohlhabende
Frauen. Männer aus armutsgefährdeten Haushalten und solche mit prekären
Einkommen leben danach durchschnittlich fünf Jahre kürzer als ihre
wohlhabenden Geschlechtsgenossen. „Unsere Studie legt die Interpretation
nahe, dass die geringere Lebenserwartung von Frauen in Haushalten mit
geringen Einkommen zum Teil mit der psychischen Belastung wegen
finanzieller Knappheit sowie mit schwächeren sozialen Netzwerken in
Zusammenhang stehen“, sagt der DIW-Forscher Martin Kroh laut der
entsprechenden Presseinformation.
Als Indikator für die psychische Belastung durch finanzielle
Knappheit sei unter anderem die „Einkommenszufriedenheit“ erfragt
worden. Die Untersuchung zeige, dass Frauen mit einer geringen
Einkommenszufriedenheit im Renteneintrittsalter eine niedrigere
Lebenserwartung haben als ihre Geschlechtsgenossinnen mit einer
mittleren oder hohen Einkommenszufriedenheit. Ein weiteres Ergebnis sei,
dass 65-jährige Frauen, die wenig Kontakt zu Freunden und Nachbarn
pflegen und selten kulturelle Veranstaltungen besuchen, eine geringere
Lebenserwartung als Gleichaltrige mit einem besser ausgebauten sozialen
Netz haben.
So weit ein Ausschnitt aus den Fakten, die das DIW zur aktuellen
Debatte um Armut und Riechtumg, zur sozialen Spaltung beiträgt. Wobei es
anscheinend keine richtige Debatte ist, denn wer redet darüber, wo ist
die Medienwelle angesichts der Armut in einem der reichsten Länder der
Erde? Am 29. September wird das Aktionsbündnis "UmFairTeilen"
einen Aktionstag in mehreren Städten machen. Wieviel der betroffenen
Menschen werden daran teilnehmen? Wird die Politik die Fakten zum Anlass
für einen längst notwendigen Kurswechsel nehmen?
Die aktuelle DIW-Studie sollte auch jeder parat haben, der über
Demographie diskutiert, darüber, was das bedeutet, dass angeblich wir
alle immer älter werden. Denn nicht alle werden immer älter, wie sich
zeigt und schon vorher klar war. Hinzu kommt ja neben der
Einkommensentwicklung auch, dass Gesundheit für viele immer teurer wird,
weil neben weniger Geld im Portemonnaie immer mehr selbst bezahlt
werden muss.
Ehrlich gesagt gibt es Momente, wo ich mich frage, ob ich tatsächlich
im 21. Jahrhundert lebe, ob es tatsächlich all den Fortschritt gibt,
von dem ich im TV sehe und im Internet lese, ob die Menschen tatsächlich
im All rumfliegen und gar den Mars ansteuern. Die reale Lage auf der
Erde und in diesem reichen Land lassen mich immer öfter daran zweifeln.
Und noch einen Gedanken habe ich immer wieder bei solchen Meldungen:
Wenn sich das die Möchtegern-Kommunisten im "Sozialismus in den Farben
der DDR" geleistet hätten, na dann wäre aber was los gewesen ... Aber
solche Gedanken führen zu weit weg vom Hier und Heute, das so ist, wie
es ist und das eigentlich dringend der Veränderung bedarf.