Sputniknews berichtet am heutigen 10. Mai von einer Veranstaltung mit dem SPD-Außenpolitiker Karsten Voigt, früherer Koordinator der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Das ist an sich ganz interessant, was da wiedergegeben wird.
Besonders interessant, aber auch bezeichnend finde ich, was Voigt da gesagt haben muss, um die antirussische Politik Berlins seit 2014 zu begründen:
Mit der „Verletzung von Normen der europäischen Friedensordnung, nämlich
Grenzveränderung mit Gewalt“, könnten die USA mit ihrer globalen
Orientierung „lockerer umgehen als die Europäer“. Moskau verweise zu
Recht immer wieder auf US-Beispiele für solches Vorgehen, aber: „Für die
Europäer ist es etwas Anderes, wenn es in Europa passiert“, erklärte
Voigt mit Blick auf die Krim. „Wenn wir als Deutsche Grenzveränderungen
mit Gewalt akzeptieren würden, hätte das Rückwirkungen auf unsere
östlichen Nachbarn. Das Misstrauen würde bei denen wieder wachsen.“
Deshalb seien sich bis auf die Linkspartei alle Parteien im Bundestag
einig gewesen bei den antirussischen Sanktionen, die mit der
Ukraine-Krise und den Ereignissen um die Krim begründet werden.
Der Herr Voigt gibt da ja den ganz Schlauen und setzt wohl auch nur auf das Vergessen der Menschen. Da
begründet er doch die antirussische Politik der Bundesregierung so: „Wenn wir als Deutsche Grenzveränderungen mit Gewalt akzeptieren
würden, hätte das Rückwirkungen auf unsere östlichen Nachbarn. Das
Misstrauen würde bei denen wieder wachsen.“
Ganz unabhängig von der Frage, ob Russland mit der Aufnahme der Krim in sein Hoheitsgebiet, nach einem Referendum der dortigen Bevölkerung mit großer Mehrheitszustimmung tatsächlich gewaltsam eine Grenze verändert hat: Da empfehle ich dem
vermeintlichen Experten einen Blick in das Jahr, als er Koordinator der
Bundesregierung wurde: 1999 haben die Nato-Staaten unter aktiver
Beteiligung der Bundeswehr mit dem Krieg gegen Jugoslawien nicht nur
Völkerrecht gebrochen, sondern mit gewalt Grenzen verändert, da dieser
Krieg nicht nur endgültig Jugoslawien auflösen half, sondern dafür
sorgte, dass der Kosovo von Serbien abgetrennt wurde.
War Herr Voigt da gerade in den USA? Hat er davon noch gar nichts gehört?
Auch
nicht davon, dass es ohne die aktive deutsche Unterstützung der
separatistischen Bestrebungen von Beginn der 1990er Jahre an einen
Zerfall Jugoslawiens mit den verheerenden Kriegsfolgen mindestens in
dieser Form, wie er geschah, nicht gegeben hätte? Warum verschweigt er
das, wenn er Russland vorwirft, die Krim annektiert zu haben?
Aber es
ist vielleicht nicht verwunderlich, dass er da Erinnerungslücken hat, er ist
eben ein deutscher Außenpolitiker, ein sozialdemokratischer noch dazu.
Und noch immer ruft der Räuber: Haltet den Dieb!
Interessant wäre ja zu wissen, was die laut Bericht zuhörenden ehemaligen DDR-Diplomaten und -Außenpolitiker auf diese Behauptungen des SPD-Politikers gesagt haben.
Es kann nur ein Ausschnitt sein, ein unvollständiges Mosaik
• 2011: Die ehemalige FBI-Mitarbeiterin Sibel Edmonds schrieb schon im November 2011
von Informationen, nach denen auf der US Air Force Base in Incirlik,
Türkei, schon seit April 2011 "Rebellen" ausgebildet und auf den Einsatz
in Syrien vorbereitet wurden. Seit Mai 2011 seien von dort aus
Waffenlieferungen organisiert worden, "mit voller US-NATO-Beteiligung". "Die
libanesische Zeitung Al-Binaa berichtete am Wochenende, französische
und britische Militärexperten würden im Libanon Kämpfer auf den Einsatz
in Syrien vorbereiten", war am 12. Dezember 2011 in der jungen Welt zu lesen. „Ein
Filmteam der britischen BBC hatte kürzlich eine solche Gruppe vom
Libanon bis nach Homs begleitet. In der Freitagausgabe der türkischen
Zeitung Milliyet hieß es, US- und NATO-Militärexperten würden syrische
Deserteure in der Türkei ausbilden.“
• 2012: Die Position der Bundesregierung wurde in der Regierungspressekonferenz am 13. Februar 2012 durch den Pressesprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke, deutlich erklärt: "Die
deutsche Position in dieser Frage ist klar. Die Bundesregierung
unterstützt die Kräfte der syrischen Opposition dabei, eine gemeinsame
schlagkräftige Opposition gegen das Assad-Regime aufzubauen. Sie wissen,
dass es bisher innerhalb der Opposition verschiedene Strömungen und
organisatorische Defizite gegeben hat. Wir glauben, dass es höchste Zeit
ist, diese Defizite und diese Fragen schnellstmöglich zu klären, um dem
Assad-Regime in einer breiten geeinten Front begegnen zu können.
In
diese Richtung gab es immer wieder wichtige Schritte, so Treffen der
syrischen Opposition im Ausland an verschiedenen Stellen, zum Beispiel
in Kairo und in Istanbul. Die Bundesregierung hat das immer wieder nach
Kräften unterstützt und steht mit dem Syrischen Nationalrat - das ist
die prägnanteste Vertretung der syrischen Opposition - in einem engen
Kontakt. Außenminister Westerwelle ist selbst einmal mit dem
Vorsitzenden des Syrischen Nationalrats zusammengetroffen und hat
mehrere Male mit ihm telefoniert. Wir versuchen, diese Täigkeit der
syrischen Opposition zu stärken und zu unterstützen und wissen uns darin
mit unseren Partnern in der Europäischen Union und auch mit den
Vereinigten Staaten von Amerika einig." (Mehr zur frühzeitigen deutschen Beteiligung am Krieg gegen Syrien hier und hier)
• 2012: "Der
Krieg in Syrien wird brutaler, selbst der Uno-Generalsekretär fordert
ein Eingreifen. Experten halten einen Einmarsch oder Luftangriffe
dennoch weiter für unwahrscheinlich - der Westen hat jedoch schon längst
in Syrien interveniert. ...
Es sind weniger die steigenden
Opferzahlen, die der Diskussion um eine Intervention in diesen Tagen
eine neue Schubkraft verleihen, als der näher rückende Kollaps des
Regimes. Der türkische Premier Erdogan kündigte bereits am Donnerstag
an, Assad und sein Zirkel stünden kurz vorm Abgang. ...
Doch
der Westen sieht nicht tatenlos zu. Markus Kaim, Experte für
Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin,
sagt: "Man kann inzwischen von einem militärischen Engagement sprechen."
Kaim listete in einer Analyse im Februar die verschiedenen Optionen eines Eingreifens auf. Einige davon werden mittlerweile umgesetzt.
Rebellen-Ausbildung: Im Irak und in Saudi-Arabien sollen syrische Aufständische von Ex-Mitarbeitern der britischen Spezialeinheit ausgebildet werden, berichten britische Zeitungen.
Bewaffnung der Aufständischen: Die
USA helfen seit Mai Katar und Saudi-Arabien bei deren Waffenlieferungen
an die Aufständischen, melden amerikanische Zeitungen.
Hilfe bei der Desertion hochrangiger Regime-Mitglieder: Frankreich bestätigt, dem Ex-Assad-Vertrauten Manaf Tlass bei der Ausreise geholfen zu haben. Er lebt derzeit in Paris.
Einsatz von Aufklärungsdrohnen: Ein US-Beamter bestätigt im Februar dem Fernsehsender NBC, dass "einige" amerikanische Drohnen über Syrien im Einsatz sind.
Mobilisierung von Spezialeinheiten in der Region: Die
USA, Großbritannien, Frankreich, Jordanien und Israel haben bestätigt,
Spezialeinheiten in Bereitschaft versetzt zu haben. Diese sollen im
Falle eines Sturzes von Baschar al-Assad die Chemiewaffen des Regimes
sichern. ..." (Spiegel online, 26.7.12)
• 2012: "Ein
Spionageschiff der Deutschen Marine kreuzt nach Zeitungsinformationen
vor der syrischen Küste, um die dortigen Rebellen für ihren Kampf gegen
Machthaber Baschar al-Assad gezielt mit Informationen zu versorgen.
Dieses sogenannte Flottendienstboot habe modernste Spionagetechnik des
Bundesnachrichtendienstes (BND) an Bord, berichtet die "Bild am
Sonntag".
Damit ließen sich Truppenbewegungen bis zu 600
Kilometer tief in Syrien beobachten. Der BND war zunächst nicht für eine
Stellungnahme zu erreichen. Laut "Bild am Sonntag" gibt der BND die
gewonnenen Erkenntnisse, etwa über militärische Einsätze der
Assad-Armee, an US- und britische Partnerdienste weiter. Von dort aus
gelangten auch Informationen an die syrische Befreiungsarmee, hieß es.
...
"Kein westlicher Geheimdienst hat so gute Quellen in
Syrien wie der BND", sagte ein US-Geheimdienstler dem Blatt. Laut "BamS"
wird innerhalb des BND und der Bundesregierung die Rolle des Dienstes
bei der internationalen Zusammenarbeit als große Auszeichnung
wahrgenommen. "Wir können stolz darauf sein, welchen wichtigen Beitrag
wir zum Sturz des Assad-Regimes leisten", erklärte ein BND-Mitarbeiter
der "Bild am Sonntag". ..." (Die Welt online, 19.8.12)
• 2012: "Die
syrische Stadt, in der immer noch heftig gekämpft wird, ist nicht die
erste "befreite" Stadt geworden, wie es sich die "Rebellen" und ihre
Unterstützer nach dem Muster des libyschen Benghasi vorstellten. Sie
sind bisher mit ihren entsprechenden Plänen gescheitert, auch weil die syrische Armee stärker ist als die verbal hochgerüstete libysche Armee im vergangenen Jahr.
Die
Zeitschrift Zenith hat auf ihre Homepage einen interessanten Beitrag
dazu veröffentlicht, der unter anderem zeigt, warum eben Aleppo doch
nicht zum zweiten Benghasi wurde bisher: "Die Bevölkerung wurde nicht vor die Wahl gestellt".
Der Text zeigt auch wie andere Berichte über die Kämpfe in der Stadt
zuvor, dass die "Rebellen" die Stadt gewissermaßen für ihre Ziele
mißbrauchen, auch in dem sie aus bewohnten Gebieten heraus die syrische
Armee angreifen. Die westlichen Mainstream-Medien berichten dann nur,
sich auf "Aktivisten" berufend, von den Gegenangriffen der Armee, dass
diese bewohnte Gebiete beschiesse, nicht warum und wer sich in den Gebieten verschanzt hat.
Denn Schuld hat ja nur einer: Syriens Präsident Bashar al-Assad. Dieses
Feindbild wird bis zum bitteren Ende gepflegt und gehegt, trotz aller
gegenteiligen Meldungen, die vereinzelt sogar in den Mainstream-Medien
zu finden sind." (Text von mir, 4.9.12)
• 2013:
Einer der wenigen Berichte darüber, wie die nordsyrische Stadt von den
„Rebellen“ erobert und zum Schlachtfeld gemacht wurde, stammte von dem
Fotografen Carsten Stormer. Er wurde im März 2013 im Magazin The Germans veröffentlicht (online hier). Stormer beschrieb u.a., wie der Krieg im Juli 2012 nach Aleppo getragen und die Stadt zum Schlachtfeld gemacht wurde: „Wochenlang
haben die Aufständischen den Angriff auf Aleppo geplant. Bis Ende Juli
2012 war die Stadt von Kämpfen weitestgehend verschont geblieben. Nur in
manchen Stadtteilen, wie Salah Eddine, kommt es täglich zu
Massendemonstrationen und Zusammenstößen zwischen Regierungsanhängern
und Opposition.“ Gerade in der Zweimillionen-Einwohnerstadt Aleppo
wohnten viele Regimefreunde und reiche Kaufleute, die vom
Regierungsapparat profitierten und ihn noch immer unterstützten,
berichtete Stormer vor drei Jahren. Auch davon, dass die in die Stadt
eindringenden „Rebellen“ nagelneue Waffen auch westlicher Produktion
mitbrachten und vor ihrem Untertauchen in den Stadtvierteln ihre
Kampfanzüge gegen zivile Kleidung eintauschten. Die „Revolution“
habe Aleppo erst spät erreicht, meinte der Fotograf nicht ohne
Sympathien für jene, die vermeintlich nur gegen die Unterdrückung durch
das Assad-Regime und für die Freiheit kämpften. Es sei die Stadt
gewesen, „von der viele glauben, dass das Regime zusammenbricht, wenn sie fällt“.
• 2013:
"Der ehemalige französische Aussenminister Roland Dumas erzählte am 10.
Juni 2013 im französischen Parlaments-TV LCP von Kriegsplänen vor dem
"Arabischen Frühling".
Darauf macht das Co-op Anti-War Café Berlin auf seiner Website aufmerksam. Die Originalsendung, eine Diskussionsrunde von LCP zu Syrien, kann hier nachgeschaut werden. Die Aktivisten zitieren Dumas aus der Diskussionsrunde:
”Ich
werde Ihnen etwas sagen. Ich war zwei Jahre vor dem Beginn der
Gewaltausbrüche in Syrien wegen anderer Unterredungen in England.
Während meines Aufenthaltes dort traf ich mich mit britischen
Spitzenbeamten, die mir gegenüber äusserten, dass man sich darauf
vorbereite, etwas in Syrien zu unternehmen.”
“Dies war in
Großbritannien und nicht in den USA. Großbritannien bereitete die
Organisation einer Invasion von Rebellen in Syrien vor. Sie fragten mich
sogar, obwohl ich nicht mehr Außenminister war, ob ich mich an den
Vorbereitungen beteiligen wolle.
Natürlich weigerte ich mich, ich sagte ihnen, ich bin aus Frankreich, das interessiert mich nicht.”
”Dieser
Vorgang geht weit zurück. Alles war vorbereitet, vorausberechnet und
geplant … in dieser Region ist es wichtig zu wissen, dass das syrische
Regime eine sehr anti-israelische Haltung hat.” ...
Dumas sagte tatsächlich, dass er die britischen Verantwortlichen erst 2011 traf: "Vor etwa zwei Jahren, bevor die ganzen Feindseligkeiten in Syrien ausgebrochen sind, da war ich in Großbritannien ..." Und weiter: "Die
haben mir gesagt, dass sich in Syrien etwas vorbereite. Das war in
Großbritannien, nicht in den USA. Großbritannien bereitete die Invasion
von Rebellen in Syrien vor. Man hat mich gefragt, als ehemaligen
Außenminister Frankreichs, ob ich mich beteiligen würde. Ich habe das
Gegenteil gesagt, ich bin Franzose, dass mich das nicht interessieren
würde. Dies nur um zu sagen, dass diese Operation von langer Hand
vorbereitet wurde. Sie wurde vorbereit, geplant ..." ..." (Text von mir, 18.6.13)
• 2016:
"Der Westen samt Bundeskanzlerin Merkel heuchelt im Fall Syrien, was
das Zeug hält, und will von seiner Schuld an diesem Krieg und der
Zerstörung des Landes ablenken
... Der Krieg in und gegen Syrien ist
und bleibt eines der größten Verbrechen der Gegenwart. Das kann nicht
oft genug betont werden, gerade angesichts der in diesem und anderen
Zusammenhängen ununterbrochen wiederholten Lügen und Heucheleien auch von deutschen Politikern und ihrer medialen Lakaien.
Und nicht oft genug kann und muss wiederholt werden, dass der Westen
samt seiner arabischen Verbündeten an diesem Verbrechen, an diesem Krieg
mit all seinen Zerstörungen, Opfern und Leid, Schuld trägt. Er ist der Brandstifter einer Katastrophe,
die ein entwickeltes Land zerstört hat und weiter zerstört. Nicht
Damaskus hat diesen Krieg begonnen, auch nicht Moskau, sondern jene, die
hofften, im Zuge des „Arabischen Frühlings“ auch die Verhältnisse in
Syrien neu in ihrem Interesse ordnen zu können. Und das waren und sind
überhaupt nicht die Interessen der Menschen in Syrien, egal wie sie zu
Assad und der syrischen Führung stehen.
Die Situation im
nordsyrischen Aleppo ist Teil dieser Katastrophe und zugleich ein
aktuelles Beispiel für die westliche Heuchelei, in welche die deutsche
Bundeskanzlerin wenig überraschend weiter mit einstimmt. Wer fragt denn
noch danach, wie es kam, dass Aleppo zur angeblichen „Rebellenhochburg“ wurde, die es nie war? Darüber berichtete damals, 2012, kaum eines der Medien, die heute wie Spiegel online erklären, dass „Putins Bomber“ Aleppo zum „zweiten Grosny“ machen. ..." (Text von mir, 9.2.16)
• 2016: "Interview mit Bischof von Aleppo"Assad hat das Recht, sich Hilfe zu holen"
... Sie
leben auf Territorium, das von der syrischen Regierung kontrolliert
wird. Fällt es Ihnen schwer, sich mit dem Regime zu arrangieren?
Machthaber Baschar al-Assad ist schließlich für den Tod Hunderttausender
Menschen verantwortlich.
Assad als Diktator
darzustellen ist westliche Propaganda. In Syrien herrscht Krieg. Viele
Menschen sterben, aber sie sterben nicht nur durch Regierungstruppen.
Warum spricht der Westen nicht über die Kräfte, die ganz im Sinne der
Politik der Türkei und Saudi Arabiens morden? Das ist nun mal die
Wahrheit. Ich muss sie ohne Angst aussprechen.
Könnten Sie die Regierung überhaupt öffentlich kritisieren, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen?
Ja,
das ist möglich. Aber ich bitte Sie. Wenn Sie Damaskus kritisieren
wollen, dann kritisieren sie doch bitte auch Riad und Ankara, die ganze
Region. Syrien ist ein wunderbares und starkes Land. Wir brauchen
niemanden, der sich da von außen einmischt, um es zu zerstören.
Sie
kritisieren das Wirken des Auslands in Syrien. Was ist mit Russland?
Der einzige Grund, warum Assad derzeit noch so stark ist, sind die
Bomben russischer Kampfjets.
Ich habe immer mein
Land verteidigt. Alle hier in Syrien können zusammenleben. Die Regierung
Syriens ist die rechtmäßige Regierung des Landes. Assad hat das Recht,
sich Hilfe zu holen.
Sie sagen, dass die Syrer ihre
Angelegenheiten selbst erledigen könnten. Wie soll eine nationale Lösung
jetzt noch Frieden bringen?
Erstens brauchen wir
einen Waffenstillstand. Zweitens darf niemand mehr Waffen an die
Konfliktparteien liefert. Drittens brauchen wir einen politischen
Prozess, der von den Menschen im Land ausgeht. ..." (n-tv, 23.2.16)
• 2016: "In
Aleppo haben islamistische Rebellen chemische Waffen eingesetzt. Der
Angriff, vermutlich ausgeführt von der durch Saudi-Arabien unterstützen
Gruppe Ahrar ash-Sham, ist gut dokumentiert. Lizzie Phelan berichtet für
RT vom Ort des Angriffs. Bei dem Stoff handelt sich um Gelben Phosphor.
RT steht im Kontakt mit den Opfern. ..." (RT deutsch, 10.3.16)
• 2016: "Aleppo vor und nach der "Revolution"
Fünf
Jahre schon herrscht in Syrien Krieg. Das griechische Online-Portal
Olympia.gr hat jetzt Fotos veröffentlicht, auf denen Orte in Aleppo vor
und nach Ausbruch des Konfliktes gegenüber gestellt werden. Aleppo war
vor dem Krieg die größte syrische Stadt, es ist eine der ältesten Städte
der Welt und ihre Altstadt wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe
erklärt. ..." (RT deutsch, 29.7.16)
• 2016: "Aleppo
ist eingekreist. Die Niederlage der Terroristen, die sich weiter in der
nordsyrischen Stadt verschanzen, scheint nur noch eine Frage der Zeit
zu sein. Um mögliche Verluste unter der Zivilbevölkerung zu minimieren,
führen russische und syrische Militärs eine humanitäre Operation durch
und rufen die Extremisten auf, die Waffen zu strecken. RT-Kolumnist Ilja
Ogandschanow beschreibt die militärische Lage rund um die strategisch
wichtige Metropole. ...
'Aleppo hat eine erstrangige
Bedeutung für alle Konfliktparteien, weil es eines der wichtigsten
Wirtschafts- und Handelszentren ist. Diese Stadt liegt auf der Kreuzung
von Handelswegen und nimmt eine herausragende geopolitische Lage ein',
meint Wladimir Schapowalow, Direktor des Instituts für Politik, Recht
und soziale Entwicklung an der Moskauer Staatlichen Humanitären
Scholochow-Universität.
'Die Kontrolle über Aleppo
ermöglicht es, nicht nur den ganzen Norden Syriens, sondern auch die
Gebiete an der Grenze zur Türkei, die von Kurden bewohnten Gebiete und
das Territorium des nordwestlichen Irak zu kontrollieren. Das ist das
dominierende Zentrum der Region. Für Regierungstruppen und ihre Gegner,
für die Türkei und Saudi-Arabien, aber auch für die USA ist die
Kontrolle über Aleppo ein Schlüssel zur Kontrolle über das Territorium
Syriens und die Anrainergebiete.' ...
Die syrische Armee
will die Situation trotzdem nicht forcieren. Regierungstreue Truppen und
Volksverteidigungseinheiten haben Aleppo völlig eingekreist und die
Terroristen von allen Nachschubrouten abgeschnitten. Auf diese Weise ist
ein Aufmarsch für eine Offensive und die darauffolgende Rückeroberung
der Metropole gegeben. Während die Atempause in den Kampfhandlungen
andauert, muss die Führung Syriens ihre Hauptaufgabe lösen: Wie kann der
Konflikt mit so wenig Blut wie möglich beigelegt werden?
Zu diesem Zweck hat sich das Militär an die Bevölkerung und die Terroristen mit folgendem Appell gewandt:
'Um
das Blutvergießen zu stoppen, geben wir allen bewaffneten Menschen im
Umkreis des östlichen Aleppo die wirkliche Chance, den Konflikt
beizulegen. Sie sollen die Waffen abgeben und in Aleppo bleiben. Sie
dürfen aber auch die Waffen abgeben und die Stadt verlassen. Das Angebot
gilt für alle. Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand und
schlagen allen vor, die nationalen Interessen zu wahren, um Sicherheit
und Stabilität in Aleppo wiederherzustellen.' ...
Bei der
Rückeroberung von Aleppo wird das Territorium, das von den syrischen
Kurden kontrolliert wird, eine sehr wichtige Rolle spielen.
'Es
geht darum, dass sich auf diesem Territorium mehr als 2.000 Angehörige
der NATO befinden“, erklärt Semjon Bagdassarow gegenüber RT. „Die eine
Hälfte sind US-amerikanische Spezialkräfte und Pioniertruppen, die
andere – dänische, britische, französische und deutsche Truppen. Die
Grenze ist nicht präzise markiert. Im Laufe von Kampfhandlungen könnten
Konfliktparteien aneinander geraten.' ...
Eine nicht zu
unterschätzende Rolle in der Beilegung des Konfliktes, oder umgekehrt
bei dessen Eskalation, können die Vereinigten Staaten spielen.
„Die
Vereinigten Staaten und ihre Partner können die Extremisten aufrufen,
die Waffen niederzulegen und die Stadt zu verlassen, um ein
Blutvergießen zu vereiteln“, glaubt Schapowalow.
Die Frage
sei jedoch, inwiefern die USA daran interessiert sind. Zwei der vier
größeren Terrormilizen, die in Syrien am Werk sind, werden von den
Vereinigten Staaten unterstützt. Mit ihrer Hilfe hofft das Weiße Haus
immer noch, al-Assad zu stürzen. ..." (RT deutsch, 1.8.16)
• 2016: "In Aleppo haben islamistische Terroristen, jüngst vom Spiegel zur „letzten Hoffnung“ der Stadt gekürt, laut russischen Angaben massiv zivile Wohngebiete beschossen.
Der
Nachrichtenagentur Sputnik zufolge gab das russische Außenministerium
bekannt, dass die Terrororganisationen „Islamischer Staat“ und die
„Eroberungsfront der Levante“, die Nachfolgerorganisation des
Al-Qaida-Ablegers „Al-Nusra-Front“, bewohnte Gebiete in der syrischen
Provinz Aleppo beschossen haben:
„Innerhalb der letzten 24
Stunden haben Terroristen in der Provinz Aleppo das bewohnte Gebiet
Ansar, die Artillerieschule, den Flughafen al-Nayrab und das
Leramon-Viertel der Stadt Aleppo mit improvisierten Mörsern und
Artillerie beschossen. Die Terroristen haben ebenfalls Kabun, Hutayta,
al-Dscharasch, Harasta, Zamalka, Dschaubar, Duma, Hausch al-Farah und
Mazraat Kawkab beschossen.“ ..." (RT deutsch, 9.8.16)
• 2016: "Die arabischen Golfstaaten unterstützen einem Bericht der "Financial Times"
zufolge weiterhin die belagerten Dschihadisten in der syrischen Stadt
Aleppo, die gegen die Truppen der syrischen Regierung kämpfen. Es ist
von "dutzenden LKWs mit Waffen und Munition" die Rede, die mit Duldung
der USA über die Türkei nach Aleppo gebracht werden. Die Aufständischen
in der Stadt bestehen größtenteils aus dschihadistischen Terrorgruppen.
..." (RT deutsch, 10.8.16)
• 2016: "Strom- und Wassermangel durch Angriffe der Islamisten. 1,5 Millionen Menschen bisher geflohen
»Hunderttausende
können auf Rettung hoffen«, überschrieb das Nachrichtenportal
t-online.de (7.8.2016) einen Artikel über Aleppo. »Syrische Rebellen
haben die Belagerung der umkämpften Stadt Aleppo durchbrochen und damit
Hunderttausenden Eingeschlossenen Hoffnung auf Rettung gebracht.«
Entlang des »befreiten Korridors« werde heftig gekämpft, wird die u. a.
von der Europäischen Kommission unterstützte Syrische Beobachtungsstelle
für Menschenrechte mit Sitz in England zitiert. »Assads Truppen« seien
»eingekesselt«, »Dschihadisten kämpfen verzweifelt«. Bewohner hätten
nach dem erfolgreichen Durchbruch der Gotteskrieger »auf den Straßen der
eingekesselten Viertel« gefeiert und »Gott ist groß« und »Unsere
Rebellen werden uns retten« gerufen. Als Quellen nennt t-online.de die
Nachrichtenagenturen AP und dpa. Die wiederum berufen sich auf Aussagen
der Fatah-Al-Scham-Front (früher Fatah-Al-Scham-Front) und auf die
syrische Nachrichtenagentur SANA.
Wenigstens einmal wird in
dem Text erwähnt, dass neben den mit den bewaffneten Kämpfern
eingeschlossenen rund 300.000 Menschen in Aleppo noch weitere 1,2
Millionen Menschen in der Stadt leben, in einem Gebiet, das »vom Regime
gehalten« werde. Über diese Bewohner von Aleppo wird selten in deutschen
Medien berichtet. Auch hier sterben täglich Menschen durch Raketen und
Beschuss aus Mörsern, oder sie werden verletzt, ihre Wohnungen und
Häuser zerstört.
Mindestens drei Millionen Menschen lebten
einst in der nordsyrischen Metropole. Als 2012 die ersten bewaffneten
Gruppen – damals nannten sie sich noch »Freie Syrische Armee« – in
Aleppo einfielen, zerstörten sie nahezu alles, was die Bewohner der
Stadt aufgebaut hatten: Fabriken am Stadtrand in allen Größenordnungen
wurden geplündert. Ganze Einrichtungen, Werkbänke, Computer,
Telefonanlagen, Firmenfahrzeuge aller Art verschwanden in Richtung
Türkei, wo die Beute versilbert wurde.
1,5 Millionen
Bewohner flohen seitdem aus Aleppo, die andere Hälfte blieb in der
Hoffnung, der Spuk möge bald vorbei sein. Doch es kam anders. Die Nähe
der Stadt zur türkischen Grenze und ihre historische Symbolik als eine
der ältesten bewohnten Städte der Welt weckt regionale und
internationale Begehrlichkeiten. Westliche Militärstrategen betonen die
Bedeutung der Stadt für die Kontrolle der Region. ..." (junge Welt, 12.8.16)
• 2016: "Die
48-stündige Waffenruhe lässt auf sich warten: Syrische
Regierungstruppen ringen mit russischer Hilfe um die Kontrolle der Stadt
Aleppo. Auf der anderen Seite stehen bewaffnete Rebellengruppen.
Journalistin Karin Leukefeld erzählt, wie sie die Lage in der Stadt
erlebt.
... Wer kontrolliert welchen Teil der Stadt?
Ich
habe mit einer internationalen humanitären Organisation gesprochen, die
hier arbeitet. Weil sie versucht, die Bevölkerung vor allem mit Wasser
zu versorgen, weiss sie relativ gut, wer was kontrolliert. Die Kämpfe
und die Frontlinie verschieben sich dauernd – manchmal zwar nur um
wenige hundert Meter, doch kann das in einer bewohnten Umgebung tausende
von Menschen betreffen, die dann in ein anderes Gebiet fliehen. Es gibt
Berichte aus der Bevölkerung, wonach plötzlich Vertriebene aus einem
anderen Stadtteil auftauchen.
Sie sprachen auf der Strasse
mit Personen, die schon jahrelang mit dem Bürgerkrieg leben. Was haben
Ihnen diese Menschen erzählt?
Ich habe mit Menschen
gesprochen, welche die letzten Jahre in einem von bewaffneten Gruppen
kontrollierten Gebiet lebten, seit zwei Monaten nun aber nicht mehr. Und
mit Menschen, die im Westteil der Stadt leben und fast täglich mit
ihren Bekannten im Ostteil telefonieren. Für alle Familien und
Zivilisten bedeutet der Krieg eine ungeheure Anspannung. Die Menschen
sind erschöpft und müde. Sie wünschen sich, dass dieser Krieg endlich
ein Ende hat.
Können die Menschen mit dem Nötigsten versorgt werden?
Das
ist sehr schwierig. Die humanitären Organisationen, die hier tätig sind
– allen voran Unicef und das IKRK zusammen mit dem syrisch-arabischen
Roten Halbmond –, versuchen die ihnen zugänglichen Gebiete täglich mit
Essen und vor allem mit Wasser zu versorgen. Wenn sich die Frontlinie
nun aber oft verschiebt, stehen sie täglich vor neuen Herausforderungen.
Die Gebiete, die ausschliesslich unter Kontrolle der bewaffneten
Gruppen stehen, werden von den bewaffneten Gruppen versorgt. Es handelt
sich aber um eine sehr unzulängliche Versorgung. Das haben mir Menschen
erzählt, die Angehörige in diesen Gebieten haben. Da, wo ich mich
befinde, kontrolliert die syrischen Armee das Geschehen. Wenn ich hier
über die Strasse an den Märkten vorbeigehe, habe ich den Eindruck, dass
ich alles bekomme. Allerdings kostet die Ware sehr viel und ich weiss
nie, ob sie am nächsten Tag auch noch zur Verfügung stehen wird. ...
Dürfen die Menschen in Aleppo auf eine baldige Waffenruhe hoffen?
Sie
wünschen sich das sehr. Aber die militärische Seite, die hier das Sagen
hat, verhandelt noch nicht, sondern kämpft. Weder die bewaffnete
Opposition noch die syrische Armee sind bereit, sich auf eine Waffenruhe
einzulassen. Das hat strategische Gründe. Die einen wollen sich Gebiet
sichern, die anderen wollen das verhindern. Die syrische Regierung hat
aber gesagt, dass sie die Forderung der UNO grundsätzlich unterstütze.
Die Frage ist nur wann." (SRF, 22.8.16)
• 2016: "Die
Journalistin Karin Leukefeld berichtet direkt aus Aleppo über den Krieg
in Syrien. Die deutschen Medien berichten gleichlautend und einseitig
über Syrien, so die einzige deutsche Korrespondentin im Kriegsgebiet.
Mit RT Deutsch spricht sie über die Bevölkerung in Aleppo und die
schwierigen Fronten in Syrien. ..." (RT deutsch, 25.8.16)
• 2016: Am 6. Oktober 2016 war u.a. in der Online-Ausgabe der österreichischen Zeitung Der Standard Folgendes zu lesen: „Der
UN-Sondergesandte für Syrien ist nach eigenen Worten bereit, in die
umkämpfte Großstadt Aleppo zu reisen. Er würde in den Osten der Stadt
gehen und bis zu 1.000 islamistische Kämpfer aus dem Gebiet eskortieren,
wenn das dem Beschuss durch das russische und syrische Militär ein Ende
setze, sagte Staffan de Mistura am Donnerstag in Genf.“ Die russische Regierung sagte, sie wolle den Vorschlag Misturas unterstützen, wie Sputnik einen Tag später meldete. Doch das wurde wenig überraschend daraus: „Syriens
Opposition hat Aussagen des UN-Gesandten Staffan des Mistura zur
Fatah-al-Sham-Front (früher: Nusra-Front und mit Al-Kaida verbündet) als
"gefährlich" zurückgewiesen. … Ein Sprecher der Fatah-al-Sham-Front
warf De Mistura vor, seine Erklärung stehe im Einklang mit Äußerungen
des syrischen Regimes, das Aleppo von Rebellen leeren wolle, wie
syrische Oppositionsmedien meldeten.“ Das berichtete Der Standard online am 7. Oktober. Und am 13. Oktober berichtete Sputnik: „Die
al-Nusra-Front hat sich geweigert, die kriegsgebeutelte syrische
Metropole Aleppo freiwillig - durch einen sicheren Korridor - zu
verlassen. Damit lehnte die Terrormiliz den Vorschlag des
UN-Syrien-Beauftragten Staffan de Mistura ab.
„Wir haben extra für
die al-Nusra dieses Angebot gemacht und nun eine negative Antwort
bekommen“, sagte de Misturas Stellvertreter, Ramzy Ezzeldin Ramzy, am
Donnerstag. …“ Da half es auch nichts, dass die russische Armee den „Rebellen“ einen sicheren Rückzug aus Ost-Aleppo zusicherte, wie u.a. Der Standard online am selben Tag meldete.
• 2016: "Die
syrische Regierungsarmee, die Aleppo Viertel um Viertel von den
Militanten befreit, kommt ohne russische Luftunterstützung aus. Die
russische Luftwaffe fliegt nach eigenen Angaben bereits seit 44 Tagen
keine Angriffe auf die Millionenstadt und die Umgebung.
„Die
russische Luftwaffe hat am 18. Oktober ihre Flüge im Raum Aleppo völlig
eingestellt“, bestätigte General Sergej Rudskoj, der Chef der
Hauptverwaltung Operatives des russischen Generalstabs, am Mittwoch.
„Seit 44 Tagen fliegen die russischen Flugzeuge nicht näher als auf zehn
Kilometer an die Stadt heran.“
Die syrische Armee werde bei
ihrer Offensive von den Volksmilizen unterstützt und habe bereits 16
Viertel in Ost-Aleppo von den Militanten befreit. „Die Regierungstruppen
brachten Gebiete unter ihre Kontrolle, in denen mehr als 90.000
Zivilisten leben“, so Rudskoj. ..." (Sputnik, 30.11.16)
• 2016: "Der
Vormarsch der syrischen Armee und ihrer Verbündeten wird begleitet von
einer Dämonisierungskampagne westlicher Medien und Regierungen ...
Bezeichnenderweise
wird in fast sämtlichen Medienberichten der Öffentlichkeit
vorenthalten, wer überhaupt in Aleppo gegeneinander kämpft – denn sonst
ließe sich dieses Schwarz-Weiß-Bild nicht zeichnen. Diesem zufolge
stehen auf der einen Seite die in den Leitmedien durchweg als „Rebellen“
bezeichneten Guten. Unerwähnt bleibt, dass die von den Aufständischen
gehaltenen Gebiete in Aleppo „vor allem von al-Nusra“ kontrolliert
werden, wie ein Sprecher des Pentagon im April erklärte.
Der syrische al-Qaida-Ableger, der sich einst vom „Islamischen Staat“
abspaltete, sei „natürlich kein Teil von
Waffenstillstandsvereinbarungen“, so der Sprecher.
Seitdem konnte al-Qaida die Vormachtstellung in Ostaleppo weiter ausbauen, berichtete
Foreign Policy im September. Neben al-Nusra zählt das US-Magazin mit
der Ahrar al-Sham auch die größte islamistische Kampfgruppe zu al-Qaida,
die als „zentraler Knotenpunkt“ des Terrornetzwerks beschrieben wird.
Zusammen dominieren sie das Kampfbündnis Jaysh al-Fatah („Armee der
Eroberer“), das gemeinsam mit dem Bündnis Fatah Halab („Eroberer
Aleppos“), ein Zusammenschluss von islamistischen Gruppen und
Kampfverbänden der „Freien Syrischen Armee“, gegen die Regierungstruppen
in Aleppo kämpft.
Zur Fatah Halab zählt auch die „Armee des Islam“,
die ebenso wie Ahrar al-Sham von US-Außenminister John Kerry als
„Untergruppe“ al-Qaidas bezeichnet wurde. Eine der kampfstärksten Gruppen der „Eroberer Aleppos“, die islamistische Nour al-Din al-Zenki, bekannte sich Ende September ausdrücklich zur Nusra-Front.
Alle
gegenwärtig in Aleppo gegen die Regierung kämpfenden Gruppen gehören
al-Qaida an beziehungsweise kooperieren mit der Terrororganisation,
deren Führungsanspruch sie sich untergeordnet haben – und sind damit
Gegenstand der im November 2015 einhellig vom UN-Sicherheitsrat
verabschiedeten Resolution, laut der al-Nusra und alle anderen mit al-Qaida kooperierenden Gruppen von der Staatengemeinschaft zu bekämpfen seien. ..." (Hintergrund.de, 1.12.16)
wird fortgesetzt
Wie seit einiger Zeit jeden Sonntag kaufte ich mir vorhin meine rituelle Sonntagslektüre, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Ohne diese ist mein Wochenende nicht mehr vollständig. Aber darin fand ich noch nichts Passendes, dafür in dem Zeitungsladen, in dem ich sie kaufte. Da lag die aktuelle Spiegel-Ausgabe mit dem Titel "Der Weltmachtkampf", versehen mit dem Fotos des russischen und des US-Präsidenten vor dem Hintergrund eines Bildes aus Aleppo. Über dem Titel ist die Grundaussage so zusammengefasst: "Brandherd Syrien: Putins Werk, Obamas Beitrag". Als ich mich darüber aufregte, meinte der Zeitungsverkäufer zu Recht, dass die Leser sich selbst ein Urteil machen aus dem, was geschrieben wird.
Sagen wir es so, bzw. ich sage es so: Ich hoffe, der Zeitungsverkäufer hat Recht, dass diese kurze Lüge wider jeder Tatsachen auf dem Titel des immer noch auflagenstarken und auf die öffentliche Meinung wirkenden ehemaligen Nachrichtenmagazins und heutigen Propagandaorgans Der Spiegel von den Lesern als solche, als Lüge und Propaganda erkannt wird. Ich habe da so meine Zweifel und denke, dass da auch jede differenziertere Äußerung im heftinneren die Wirkung des Titels auf (zu) viele nicht ausgleichen hilft. Nicht nur, weil kaum jemand noch ganze Beiträge zu lesen scheint. Und wie war das: "Lügenpresse"? Allein dieser Titel des Magazins würde als Bestätigung ausreichen. Aber es ist keine "Lügenpresse" (mehr), es ist Propaganda- und Kampfpresse im Interesse der Herrschenden und Mächtigen nicht nur hierzulande, zu dessen Kreisen die auflagen- und reichweitenstarken angeblich ach so freien Medien und ihre führenden Köpfe längst gehören. Das gilt nicht nur öffentlich-rechtlich, sondern erst recht und nicht überraschend für die privatwirtschaftlich organisierten Medienhäuser. Alles andere wäre auch verwunderlich, was es aber nicht besser macht angesichts des fatalen und realitätsfremden Mythos von der Medienfreiheit nicht nur hierzulande und dessen Wirkung.
Zurück zum Spiegel: Der aktuelle Titel ist nur ein Beispiel in einer langen Kette dieses Magazins und anderer bundesdeutscher Medien, die zeigt, wie die deutsche Journaille wieder zum Krieg schreibt und hetzt, wie sie wieder zu den Waffen ruft bzw. schreibt. In Heft 40/2016 des Magazins vom 1.10.16 übernahm diese Aufgabe der Journalistendarsteller Dirk Kurbjuweit. Unter der Überschrift "Nie wieder Syrien" forderte er unter anderem, sich dabei auf die Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse berufend, einen "gerüsteten Pazifismus", weil nur der gegen Krieg helfe. Kurbjuweit will in Syrien "die Rebellen stark machen", also genau jene, die den Krieg in und gegen Syrien von Anfang an für den Westen ins Land trugen und am Zerstören halten, um "mit der erkauften Zeit eine diplomatische Lösung zu finden". Der Hinweis auf u.a. die russischen Versuche und Bemühungen für eine solche diplomatische Lösung bis 2015, bevor die russiche Armee in Syrien unterstützend einzugreifen begann, der fehlt nicht nur bei Kurbjuweits Pamphlet, sondern auch im neuesten Heft. Dafür hetzt der schreibende Kriegstreiber: "Es muss eine Lehre aus alldem geben. Die hilft nicht mehr den Menschen in Syrien, aber denen, die als Nächste dran sein könnten. Sie leben schon. ..."
Die NATO hat schon verstanden, wäre meine Antwort an diesen Journalistendarsteller und Kriegsschreiber. Auch Kriegsministerin Ursula von der Leyen hat verstanden, und natürlich schon lange der Militärisch-Industrielle Komplex (MIK) der USA samt seiner politischen und medialen Lakaien. Sie alle warnen schon lange vor der russischen Gefahr direkt an der NATO-Grenze und tun auch was dagegen. Aber anscheinend für Herrn Kurbjuweit nicht genug. Die Bundesregierung könnte angesichts solcher Propagandisten das eigene Presse- und Informationsamt schließen und viel Geld, das für Regierungspropaganda ausgegeben wird, einsparen. Das erledigen doch die medialen Lakaien der Herrschenden viel besser als irgendwelche Regierungsbeamte. Nebenbei: Vor dem MIK warnte einst US-Präsident Dwight D. Eisenhower, derselbe übrigens, der einst ebenso "erklärte, er wolle die Idee eines islamischen Dschihad gegen den gottlosen Kommunismus voranbringen. „Wir sollten alles nur Denkbare tun, um diesen Aspekt des ‚Heiligen Krieges‘ hervorzuheben“ äußerte er im September 1957 bei einem Treffen im Weißen Haus, bei dem auch Frank Wisner, Allen Dulles, William Rountree, der Stellvertretende Staatsekretär für den Nahen Osten, und Mitglieder des Vereinigten Oberkommandos anwesend waren.“ (Quelle: Tim Weiner "CIA - Die ganze Geschichte" (dt. Ausgabe) Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 2008; S. 192) Aber wen interessiert's?
Mir fällt dazu immer wieder ein, was ich schon mehrfach zitierte, u.a. hier: Das Prinzip "Menschenrecht bricht Staatsrecht", das Adolf Hitler in "Mein Kampf" beschrieb. Aber das schert die heutigen selbsternannten Menschenrechtskrieger und Kriegshetzer nicht, wenn sie andere Staaten und Regierungen ins Visier nehmen im Namen der Menschenrechte, wenn sie propagandistisch Kriege begleiten, deren Katastrophen und Opfer sie dann zum Ruf nach noch mehr Krieg benutzen. Sie handeln weiter nach dem, was vor Hitler schon 1918 der deutsche Prinz Max von Baden in seiner "Denkschrift über den ethischen Imperalismus" forderte: "Eine so ungeheure Kraft, wie wir sie in diesem Kriege entfaltet haben, muss sich vor der Welt ethisch begründen, will sie ertragen werden. Darum müssen wir allgemeine Menschheitsziele in unseren nationalen Willen aufnehmen." (zitiert nach "Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945", herausgegeben von Reinhard Opitz, S. 433)." Die dahinter liegenden Interessen können oder wollen die Vertreter der deutschen Kriegsjournaille wie Kurbjuweit nicht erkennen. Selbst wenn sie es, warum auch immer, nicht können, entlastet sie das nicht von dem Vorwurf des Aufrufes zu einem Verbrechen, wenn sie verlogen nach einem "gerüsteten Pazifismus" rufen."It's imperialism, stupid!", könnte Kurbjuweit und anderen zugerufen werden. Ich habe meine Zweifel, ob sie es verstehen.
Nachtrag vom 10. Oktober 2016; 16:20 Uhr:
Ich muss gestehen, dass ich bis heute, Montag nachmittag, nicht zum Lesen der von mir eingangs erwähnten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 9. Oktober kam. So erfuhr ich zuerst durch Albrecht Müllers Beitrag auf den Nachdenkseiten von heute, dass die FAS ebenfalls auf Feindkurs ist, auch wenn das nicht überraschend ist. Die Überschrift des Beitrages auf Seite 3 des Blattes lautet tatsächlich "Aleppo ist nur eine Etappe auf Putins Weg".
Albrecht Müller schrieb dazu Folgendes, dem ich voll zustimme: "Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung mit der Hauptbotschaft: Putins Russland ist expansiv
Die FAS durfte am Wochenende nicht fehlen. Auf Seite drei seitenfüllend ein Beitrag von Markus Wehner mit dem Titel „Aleppo ist nur eine Etappe auf Putins Weg“. Und der Unterzeile: „Moskau kehrt mit Macht in den Nahen Osten zurück. Kann Amerika dabei nur noch zuschauen?“
Auf den Beitrag weise ich hin, weil darin ein Teil der Strategie der westlichen Propagandisten zum Wiederaufbau des Feindbildes enthalten ist: Russland UND Putin wird unterstellt, sie wollten expandieren. „Moskau kehrt in den Nahen Osten zurück“, so wird behauptet. Im Text findet sich kein ernsthafter Beleg für diese Behauptung. Die Qualität der Behauptungen wird an folgendem Satz sichtbar: „Die Beziehungen zu Israel hat der Kreml deutlich verbessert, auf Kosten der Vereinigten Staaten.“
Wenn man die Realität der engen Verflechtung zwischen Israel und den USA kennt, dann kann man angesichts der Behauptungen der FAS nur noch feststellen, dass beim Aufbau des neuen Feindbildes Russland/Putin offenbar jedes Mittel recht ist. ..."
Für den Journalistendarsteller der FAS, Markus Wehner, ist das russische Eingreifen in Syrien "Teil des Spiels, in dem es darum geht, den Eunfluss der Amerikaner zurückzudrängen, eine multipolare Welt zu schaffen." Der russische Präsident Wladimir Putin beherrsche "dieses Spiel zwischen Eskalation und vorübergehender Deeskalation ... perfekt". Der FAS-Propagandist weiter: "Er hat es längst von der Nuklearstrategie auf die konventionelle militärische Auseinandersetzung ausgeweitet. Das zeigt die Ukraine, und das zeigt Syrien. Aleppo ist nur eine Etappe auf Putins Weg." Das ist ein weiteres Beispiel für das, was Müller am beispiel der von mir erwähnten aktuellen Ausgabe des Magazins Der Spiegel feststellt, nämlich "..., dass das eine eindeutige Geschichtsfälschung ist, und dass hier die von den NachDenkSeiten schon mehrmals skizzierte Manipulationsmethode angewandt wird, die Geschichte erst ab dem Zeitpunkt zu erzählen, der einem gerade in den Kram der Propaganda passt." Und es ist wie eine Bestätigung für meinen satirischen Versuch in einem Kommentar auf freitag.de von gestern, der nur noch auf andere vom Lügen- und Verdrehungsvirus befallene Medien und deren Konsumenten auszudehnen wäre (siehe hier).
Albrecht Müller hat auch damit Recht: "Für die zu Anfang diagnostizierte Verschiebung des Denkens von ehedem kritischen Mitbürgerinnen und Mitbürger hin zum Aufbau des Feindbildes dürften die FAZ/FAS und andere einschlägige konservative Medien nicht so verantwortlich sein wie jene Medien und Personen, die als kritisch, linksliberal oder gar links gelten. Das gilt für die Frankfurter Rundschau, für die TAZ und auch für Monitor." Und: "Die gesellschaftlichen und politischen Gegenkräfte sind verschwunden." Leider hat er damit ebenfalls Recht. Gilt das auch für seinen Ausruf im Titel seines Beitrages "Hoffnungslos!"?