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Montag, 18. Mai 2020

Ein großes Experiment mit den Mitteln der psychologischen Kriegsführung?

Politik und Medien spielen in der Corona-Krise auf der Klaviatur der Angst — ihre Methoden erinnern an jene der Kriegspropaganda.

Vieles muss nicht neu gesagt oder neu formuliert werden. Es muss nur daran erinnert werden, dass es schon gedacht, gesagt, geschrieben und gezeigt wurde. Es muss dem Vergessen und der Informationsflut entrissen werden.

Eine Reihe der Erkenntnisse beziehen sich insbesondere auf die Kriegspropaganda, aber sie gelten darüber hinaus. Sie können helfen zu verstehen, was derzeit geschieht — und inzwischen wurde ja ein „Krieg gegen das Virus“ schon ausgerufen.

Deshalb folgt eine Reihe von Zitaten. Diese sind nicht zum „Nachbeten“ gedacht, sondern sie sollen zeigen, mit welchen Mustern wir es auch in der „Corona-Krise“ zu tun haben. Sie können helfen, eben diese Muster und die angewendeten Mechanismen besser zu erkennen.

Die Macht der Angst

Der Wahrnehmungs- und Kognitionsforscher Rainer Mausfeld beschrieb, wie Angst durch die propagandistische Erzeugung einer vorgeblichen Bedrohung erzeugt wird:

„(Dem) Zweck einer Verdeckung eigener Ziele und Absichten dient eine Angsterzeugung durch propagandistische Deklaration einer großen Gefahr X, der die Bevölkerung durch einen »Kampf gegen X« entschlossen entgegentreten müsse. Eine derartige propagandistische Warnung begleiten die staatlichen Apparate durch »die gegenwärtig alles beherrschende Verheißung des Schutzes vor Terrorismus und Bösem aller Art«. X kann dabei so ziemlich alles sein, was sich irgendwie wirksam zur Angsterzeugung nutzen lässt. X kann also für »Kommunismus« stehen, für Migranten, »Sozialschmarotzer«, Terrorismus, Fake News und Desinformation, Rechtspopulismus, Islamismus oder für irgendetwas anderes. Durch die propagandistische Ausrufung eines »Kampfes gegen X« lassen sich in »kapitalistischen Demokratien« gleichzeitig mehrere von den Zentren der Macht gewünschte Ziele erreichen: Zum einen wird der für Machtzwecke nutzbare Rohstoff »Angst« produziert, zudem lässt sich die Aufmerksamkeit sehr wirksam auf Ablenkziele richten, und schließlich lassen sich unter dem Vorwand eines Kampfes gegen X demokratische Strukturen abbauen und auf allen Ebenen der Exekutive und Legislative autoritäre Strukturen etablieren“ (1).

Die Regierung im Schatten

Edward Bernays, Neffe von Sigmund Freud, gilt als „Vater der Public Relations. In seinem Klassiker von 1928 „Propaganda“ hat er beschrieben, wie genau diese — heute unter dem neuen Etikett „Public Relations“ — funktioniert. Dazu gehört laut Bernays auch Folgendes:

„Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land.

Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie: Wenn viele Menschen möglichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich.

Die unsichtbaren Herrscher kennen sich auch untereinander meist nicht mit Namen. Die Mitglieder des Schattenkabinetts regieren uns dank ihrer angeborenen Führungsqualitäten, ihrer Fähigkeit, der Gesellschaft dringend benötigte Impulse zu geben, und aufgrund der Schlüsselpositionen, die sie in der Gesellschaft einnehmen. Ob es uns gefällt oder nicht, Tatsache ist, dass wir in fast allen Aspekten des täglichen Lebens, ob in Wirtschaft oder Politik, unserem Sozialverhalten oder unseren ethischen Einstellungen, von einer … relativ kleinen Gruppe Menschen abhängig sind, die die mentalen Abläufe und gesellschaftlichen Dynamiken von Massen verstehen. Sie steuern die öffentliche Meinung, stärken alte gesellschaftliche Kräfte und bedenken neue Wege, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen“ (2).

Bernays hat US-Regierungen ebenso beraten wie die Tabakindustrie, die einst so mächtig war wie heute die Pharmaindustrie. In seinem Buch schrieb er auch:

„Systematische Erforschung der Psychologie der Massen hat gezeigt, wie wirkungsvoll die Gesellschaft regiert werden kann, wenn es den verborgenen Herrschern gelingt, den Einzelnen in seiner Gruppenzugehörigkeit zu erreichen und seine Motive zu manipulieren. Trotter und Le Bon haben dafür die wissenschaftlichen Grundlagen gelegt. Graham Wallas, Walter Lippmann und andere haben bei weiteren Untersuchungen herausgefunden, dass sich das Gruppenbewusstsein in der psychischen Charakteristik wesentlich von dem des Individuums unterscheidet. Das Handeln des Menschen in der Gruppe wird bestimmt von Gefühlen und Beweggründen, die mit den Ansätzen der Individualpsychologie nicht erklärt werden können. Wenn wir aber wissen, wovon und wie die Massenpsyche bewegt wird — sollte es dann nicht möglich sein, sie unbemerkt nach unserem Willen zu lenken und zu kontrollieren?

Wie der Einsatz von Propaganda in jüngster Zeit bewiesen hat, ist dies bis zu einem gewissen Grad und innerhalb gewisser Grenzen tatsächlich möglich. Allerdings ist die Psychologie der Massen noch lange nicht als exakte Wissenschaft zu bezeichnen, und das Geheimnis, was die Triebfedern menschlichen Verhaltens sind, ist noch längst nicht bis ins Detail entschlüsselt. Aber Theorie und Praxis sind inzwischen zumindest so weit in Übereinstimmung zu bringen, als wir in bestimmten Situationen durch die Anwendung bestimmter Techniken recht genau vorhersagbare Meinungsänderungen in der Öffentlichkeit herbeiführen können; ähnlich wie ein Autofahrer mit dem Gaspedal die Fahrgeschwindigkeit steuert“ (3).

Die Steuerung der Meinungen

Zu den Klassikern zu Fragen der öffentlichen Meinung und Manipulation gehört der von Bernays erwähnte Walter Lippmann. Dieser veröffentlichte 1922 das Buch „Die öffentliche Meinung. Wie sie entsteht und manipuliert wird“. Der Medienwissenschaftler Michael Meyen meinte:

„Lippmann sagt, wie wir gesteuert werden. Das ist aktueller denn je.“

Der US-amerikanische Journalist stützte sich insbesondere auf die Erfahrungen des 1. Weltkrieges und betonte vor allem die Wirkung der Bilder. Aus Lippmanns Buch, das 2018 neu auf Deutsch veröffentlicht wurde, ebenfalls einige zusammenfassende Zitate:

„Wir haben gelernt, das Propaganda zu nennen. Eine Gruppe von Menschen, die der Öffentlichkeit den ungehinderten Zugang zu den Ereignissen verwehren kann, arrangiert die Nachrichten, damit sie ihren Zwecken dienen. (...)

Ohne eine gewisse Form der Zensur ist Propaganda im strengen Sinne nicht möglich. Um Propaganda zu betreiben, muss eine gewisse Schranke zwischen Öffentlichkeit und Ereignis errichtet werden. Der Zugang zu der wirklichen Umwelt muss begrenzt werden, ehe jemand eine Pseudoumwelt errichten kann, die er für klug oder wünschenswert hält. Denn während Leute, die unmittelbaren Zugang haben, missverstehen können, was sie sehen, kann niemand sonst darüber bestimmen, wie sie es missverstehen sollen, es sei denn, jemand könnte bestimmen, wohin sie schauen und was sie sehen sollen. Die militärische Zensur ist die einfachste Form dieser Schranke, aber keinesfalls die wichtigste, weil man weiß, dass sie existiert und man ihr daher in gewisser Weise zustimmen oder sie ablehnen kann. (...)

Während Zensur und Geheimhaltung viele Informationen bereits an ihrer Quelle abfangen, erreicht eine sehr viel größere Anzahl von Fakten die gesamte Öffentlichkeit überhaupt nicht oder doch nur sehr langsam. (...)

In erster Linie sind die Nachrichten … nicht der Spiegel gesellschaftlicher Zustände, sondern der Bericht von Aspekten, die sich selbst aufgedrängt haben. (...)

Die Entscheidung darüber, welche Tatsachen und Eindrücke berichtet werden sollen, verlangt ein ausgeprägtes Unterscheidungsvermögen. Jede organisierte Gruppe ist daher ständig davon überzeugt, dass man das Aussondern der Tatsachen nicht dem Reporter überlassen kann, ob man nun Publicity erzielen oder verhindern will. Es ist deshalb sicherer, einen Presseagenten anzustellen, der zwischen der betreffenden Gruppe und den Zeitungen steht. (...)

Da jedoch die Tatsachen aus dem Bereich der meisten großen Nachrichtenthemen sich nicht einfach darbieten und vor allem keineswegs augenfällig sind, sondern der Auswahl und der subjektiven Auffassung unterliegen, ist es nur zu natürlich, dass man gern seine eigene Auswahl der Tatsachen für die Veröffentlichung treffen möchte. Genau das macht der Publicity Man. Und daher erspart er dem Reporter sicherlich viel Mühe, weil er ihm ein klares Bild von der Situation verschafft, aus der der Zeitungsmann sonst vielleicht gar nicht schlau würde. Hieraus ergibt sich jedoch, dass der Publicity Man das Bild für die Öffentlichkeit für den Reporter zurechtmacht. Er ist Zensor und Propagandist zugleich und dabei lediglich seinen Brotgebern verantwortlich. Der ganzen Wahrheit hingegen ist er nur soweit verantwortlich, wie sich diese mit den Interessen seiner Arbeitgeber deckt“ (4).

Die Methoden der Manipulation

Der Kulturwissenschaftler Douglas Rushkoff gehört zu den neueren Experten zum Thema und hat in dem Buch „Der Anschlag auf die Psyche“ beschrieben „Wie wir ständig manipuliert werden“. Er zeigt vor allem, wie Werbung wirkt und welche Methoden dabei eingesetzt werden.

Das lässt sich aber ebenso auf den politischen Bereich beziehen, wie der einstige Werbemanager Bernays schon Jahrzehnte zuvor zeigte. Rushkoff hat laut eigener Aussage „genau untersucht, wie Marketingexperten, Politiker, religiöse Führer und manipulative Kräfte jeglicher Art auf unsere Entscheidungen im Alltag Einfluss nehmen“:

„Der blitzartige Wandel, den wir während der letzten Jahrzehnte durchgemacht haben — vom Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit über das Weltraumzeitalter bis zur Computerära —, bot unseren Manipulatoren reichlich Gelegenheit, ihr Waffenarsenal auf den neuesten Stand zu bringen und aufzurüsten. Auch wenn eine neue Technologie wie das Internet uns die Chance bietet, im Namen der Gemeinschaft oder unserer Verantwortung als Bürger die neue Medienlandschaft für uns zu nutzen, wird sie schnell zu einer willkommenen Ressource für die Experten in Sachen Direktmarketing, Marktforscher und traditionelle Werber.

Das schlimmste daran ist, dass die Beschleunigung des Rüstungswettlaufs zwischen uns und unseren Manipulatoren das Fundament der demokratischen Gesellschaft untergräbt. (...)

Das ist nicht etwa eine Verschwörung gegen uns, sondern einfach eine Wissenschaft, die aus dem Ruder gelaufen ist. (...)

Nur zu oft werden die Entscheidungen, die wir als Individuen oder als Gesellschaft treffen, von Leuten dirigiert, denen nicht unbedingt unser Wohlergehen am Herzen liegt. Um Einfluss auf uns zu nehmen, beschneiden sie uns in unserer Fähigkeit, rationale Urteile zu fällen; dafür appellieren sie an tiefer liegende, ungelöste und nicht damit zusammenhängende Problemschichten.

Clevere Leute in Sachen Einflussnahme können unser kritisches Urteilsvermögen beiseite schieben und uns dazu nötigen, so zu handeln, wie es ihnen gefällt, indem sie die unbewussten Prozesse begreifen, mit denen wir entscheiden, was wir kaufen, wo wir essen gehen, wen wir respektieren und wie wir uns fühlen. Man nimmt uns unsere eigene rationale, moralische oder emotionale Entscheidungsfähigkeit. Wir reagieren automatisch, unbewusst und oft so, als wollten wir uns selbst entmachten. Je weniger wir mit unseren Entscheidungen zufrieden sind, desto leichter sind wir manipulierbar. (...)

Fast alle Techniken des sanften Zwangs, die ich studiert habe, machen sich die eine oder andere gesunde psychologische oder soziale Verhaltensweise zunutze. (...)

Wir leben in der Endzeit der Propaganda und somit in einer Kultur, in der so viel Autorität ausgeübt wird — wir programmieren so viel! —, dass sie schon krankhafte Symptome zu zeigen beginnt.

Diejenigen unter uns, die durch den sanften Zwang in die Unterwerfung getrieben wurden, halten uns alle für machtlos, passiv und depressiv; sie geben sich nicht selten der Meditation hin. Diejenigen, die sich gegenüber den Autoritäten dem Widerstand verschrieben haben, werden immer argwöhnischer und kritischer. Wir glauben, dass ‚sie‘ tatsächlich existieren und sich gegen uns verbündet haben. ‚Sie‘ sind zu unserem Feind geworden.

Aber sie sind es nicht. Als einer der Menschen, die dafür bezahlt wurden, sich neue Strategien der Manipulation auszudenken, kann ich Ihnen versichern: Sie sind einfach wir“ (5).

Der Publizist und Herausgeber der NachDenkSeiten Albrecht Müller hat sich mehrfach zu den Mechanismen der Meinungsmache und Manipulation geäußert, sie aufgedeckt und vor deren Folgen gewarnt. Der ehemalige einflussreiche SPD-Politiker weiß, wovon er spricht, hat er diese Methoden doch selbst mehrmals angewandt, wie er eingesteht. Und so heißt sein jüngstes Buch:

„Glaube wenig — Hinterfrage alles — Denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut.“

Müller zählt in seinem Buch die Methoden der Manipulation auf und belegt sie mit Beispielen.

Dazu gehören:

  • Sprachregelungen;
  • Einsatz von wertenden Begriffen;
  • Erzählen verkürzter Geschichten;
  • Verschweigen;
  • Wiederholen;
  • Übertreiben;
  • eine Botschaft aus verschiedenen Kanälen aussenden;
  • eine Meinung in einer öffentlichen Runde wird von mehreren geteilt;
  • „Wippschaukeleffekt“: die andere Seite schlecht darstellen, um selbst besser zu erscheinen;
  • mit Umfragen Meinungen machen;
  • B sagen und A meinen;
  • zahlreiche Andeutungen machen in der Summe Halbwahrheiten zur Wahrheit; Expertenmeinungen;
  • Namen mit wertenden Begriffen verbinden;
  • gezielter Einsatz von Emotionen;
  • Konflikte nutzen und inszenieren.

Zu Beginn stellt er fest, was auch in der Corona-Krise gilt:

„Wenn sich eine große Mehrheit keine eigenen Gedanken mehr macht, dann ist die öffentliche Meinung steuerbar und mit ihr sind auch die davon abgeleiteten politischen Entscheidungen steuerbar. Dabei gewinnen jene, die das Steuer für die Meinungsmache in der Hand halten. (...)

Keine der großen Entscheidungen der letzten Jahre und Jahrzehnte ist ohne den Einfluss massiver Propaganda gefallen. … immer wieder war die Propaganda entscheidend und hat auch bestimmt, was und wie etwas geschieht. Deshalb kann man von einer lebendigen Demokratie eigentlich nicht sprechen. Sie ist am Ende, wenn nicht der sogenannte Souverän, sondern die Meinungsmacher bestimmen, wo es langgeht“ (6).

Das Arsenal der Propaganda

Die belgische Historikerin Anne Morelli hat 2004 in einem Buch „Die Prinzipien der Kriegspropaganda“ beschrieben. Ein Blick darauf zeigt ebenso Parallelen zu den Vorgängen und Prozessen in der „Corona-Krise“.

Morelli fasste zusammen, was der britische Politiker und Friedensaktivist Lord Arthur Ponsonby in seinem 1928 veröffentlichten Buch „Falsehood in Wartime“ („Lüge in Kriegszeiten“) beschrieb. Darin zeigte er, ebenfalls aufgrund der Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg, die Strukturelemente der Lügen und Fälschungen, mit denen Kriege begründet werden.

Die Historikerin hat diese von Ponsonby beschriebenen Prinzipien in zehn Punkten zusammengefasst:

  1. Wir wollen keinen Krieg.
  2. Das feindliche Lager trägt die alleinige Schuld am Krieg.
  3. Der Feind hat dämonische Züge.
  4. Wir kämpfen für eine gute Sache und nicht für eigennützige Ziele.
  5. Der Feind begeht mit Absicht Grausamkeiten. Wenn uns Fehler unterlaufen, dann nur versehentlich.
  6. Der Feind verwendet unerlaubte Waffen.
  7. Unsere Verluste sind gering, die des Gegners aber enorm.
  8. Unsere Sache wird von Künstlern und Intellektuellen unterstützt.
  9. Unsere Mission ist heilig.
  10. Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.

Unschwer sind die Parallelen zum ausgerufenen „Krieg gegen das Corona-Virus“ zu erkennen. Der wichtigste Unterschied: Hier ist der Gegner kein menschliches Subjekt. Aber die im Kampf gegen ihn angewandten Methoden der Propaganda und Manipulation unterscheiden sich kaum. Besonders beachtenswert finde ich dabei, was Morelli zum zehnten Punkt schrieb:

„Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.“

Sie stellt darin unter anderem fest:

„In jedem Krieg werden Leute, die sich erst nach Anhörung der Argumente beider Lager eine Meinung bilden oder die offizielle Darstellung der Fakten in Zweifel ziehen, sofort als Komplizen des Feindes betrachtet.“

Die Medien machen laut der Historikerin dabei ganz aktiv mit, weil sie „dermaßen abhängig von den politisch Verantwortlichen“ seien, „dass sie in einem solch heiklen Moment unmöglich pluralistisch bleiben können.“ Sie fügte hinzu:

„Natürlich enthält keine einzige europäische Verfassung einen Passus, der in Kriegszeiten das Recht auf freie Meinungsäußerung aufhebt, doch in der Realität ist das tatsächlich der Fall. Nach einer weit verbreiteten Ansicht sollte man sich in Kriegszeiten jeglicher Opposition zur eigenen Regierung enthalten. Die Unterstützung der heiligen Union ist Pflicht. Nun sollte aber gerade in Kriegszeiten, wo Fehlentscheidungen der Regierung besonders fatale Folgen haben können, das Recht auf freie Meinungsäußerung garantiert sein, um die Regierung an Irrtümern hindern zu können. Sollte man sich, um nicht als Verräter zu gelten, jeglichen Widerspruchs enthalten?“ (7).

Der Nutzen der Furcht

Doch der Widerspruch, für den Morelli unter anderem plädierte, erfordert Mut, denn er birgt die Gefahr, dass die Widersprechenden diszipliniert und ausgeschlossen werden.

Das erfolgt längst nicht mehr mit brachialen Mitteln, auch wenn das dafür weiterhin weltweit einige Beispiele gibt. In Gesellschaften wie der bundesdeutschen funktionieren Strafe und Ausschluss längst ebenso über soziale Mittel, so über die öffentliche, massenmedial bestimmte Kommunikation, also die öffentliche Meinung. Aufschlussreich ist hier, was die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann in der „Theorie der Schweigespirale“ zusammentrug.

Ihre Prägungen aus der Zeit des Faschismus weglassend, sind ihre Erkenntnisse im Zusammenhang mit der gegenwärtigen „Corona-Krise“ ebenfalls beachtenswert:

„Die Macht der öffentlichen Meinung gegenüber dem einzelnen Mitglied der Gemeinschaft besteht in der Isolationsfurcht, die jedem Menschen angeboren ist und dazu treibt, sich ständig zu bemühen, in einer Gemeinschaft gut gelitten zu sein und die Gefahr der Zurückgestoßenwerdens, Ausgestoßenwerdens zu vermeiden. So wird durch den Prozess der öffentlichen Meinung ein ständiges Bemühen um Übereinstimmung von der Seite der Herrschenden wie von der Seite der einzelnen Mitglieder der Gesellschaft gesichert. (...)

In der Öffentlichkeit soll der einzelne so reden und sich verhalten, dass er nicht gegen die Werte der Gemeinschaft verstößt. Andernfalls wird er durch Isolation, durch Abwendung der anderen und Gemiedenwerden bedroht. (...)

In rationalen Fragen besteht nur wenig Isolationsgefahr. … Politik wird moralisiert, um die öffentliche Meinung zu erobern, abweichende Meinungen mit Isolationsgefahr zu belegen.“

Noelle-Neumann machte auf die Schlüsselbedeutung von Reden und Schweigen im Prozess der öffentlichen Meinung aufmerksam, was sich bei aktuellen Ereignissen besonders zeige. Die Menschen würden in Spannungssituationen genau beobachten, welche Meinungen und Verhaltensweisen zu- und welche abnehmen:

„Wer feststellt, dass sich seine Meinung ausbreitet, fühlt sich dadurch gestärkt und äußert seine Meinung sorglos, redet, ohne Isolation zu fürchten. Wer feststellt, dass seine Meinung an Boden verliert, wird verunsichert und verfällt in Schweigen. Durch diese Reaktionsweisen wirken die Meinungen der ersteren, da sie laut und selbstbewusst in der Öffentlichkeit geäußert werden, stärker, als sie wirklich sind, und ziehen weitere Befürworter an; die Meinungen des anderen Lagers wirken durch das Schweigen ihrer Anhänger noch schwächer als sie tatsächlich sind. Dadurch werden andere wiederum zum Schweigen oder Meinungswechsel bewogen, bis in einem Prozess der ‚Schweigespirale‘ die eine Meinung die ganze Öffentlichkeit beherrscht und die Gegenmeinung so gut wie verschwunden ist.“

Die Meinungsforscherin hob hervor, dass die verschiedenen Medien „eine wichtige Rolle im Prozess der öffentlichen Meinung“ spielen. Sie würden diese mit ihren Standpunkten im Bereich der politischen Moral prägen, ebenso die „ständig angestellte Umweltbeobachtung des einzelnen, wie die meisten Menschen denken“ (8).

Andere Kommunikationswissenschaftler sprechen seit langem davon, dass die öffentliche Meinung die „veröffentlichte Meinung“ wiedergibt. Diese Mechanismen sind lange bekannt und werden aktiv genutzt, soweit das möglich ist.

Dafür sorgt auch die erwiesene enge Bindung zwischen herrschender Politik und Medien, wozu keine Zensur nötig ist. Dafür reicht schon das Gefühl führender Medienvertreter aus, Teil der Elite zu sein.

Auch in dem Fall wirkt eine Isolationsfurcht — diese führt im Großen und Kleinen wieder zur tiefen Angst in jedem Menschen, die Rainer Mausfeld beschreibt. Damit will ich den Gang durch die Fachliteratur fürs Erste beenden.


Quellen und Anmerkungen:

(1) Rainer Mausfeld „Angst und Macht — Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“ Westend Verlag 2019, S. 39
(2) Edward Bernays „Propaganda — Die Kunst der Public Relations“ Verlag Orange Press 2009 (Original 1928), S. 19
(3) Edward Bernays „Propaganda — Die Kunst der Public Relations“ Verlag Orange Press 2009 (Original 1928), S. 49
(4) Walter Lippmann „Die öffentliche Meinung — Wie sie entsteht und manipuliert wird“ Westend Verlag 2018 (Original 1922), Ebook
(5) Douglas Rushkoff „Der Anschlag auf die Psyche — Wie wir ständig manipuliert werden“ Deutsche Verlags-Anstalt 2000, S. 20ff.
(6) Albrecht Müller „Glaube wenig — Hinterfrage alles — Denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut“ Westend Verlag 2019, S. 7f.
(7) Anne Morelli „Die Prinzipien der Kriegspropaganda“ zu Klampen Verlag 2004, S. 121ff.
(8) Elisabeth Noelle-Neumann „Die Theorie der Schweigespirale als Instrument der Medienwirkungsforschung“ in: „Massenkommunikation — Theorien, Methoden, Befunde“ Westdeutscher Verlag 1989. S. 419 f.

Dieser Beitrag erschien am 30. März 2020 zuerst unter dem Titel "Psychologie der Massen" im Online-Magazin "Rubikon"

Mittwoch, 18. Mai 2016

Bilderberger in Dresden

Die "Bilderberg-Konferenz 2016 in Dresden" hat zahlreiche deutsche Teilnehmer auch aus der Bundesregierung

Das teilte der Bundestags-Informationsdienst heute im bundestag am 18. Mai 2016 mit:
"Um die "Bilderberg-Konferenz 2016 in Dresden" geht es in der Antwort der Bundesregierung (18/8383) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/8166). Danach haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) Einladungen zur diesjährigen Konferenz erhalten.
Auf den Bilderberg-Konferenzen findet der Antwort zufolge ein informeller Gedankenaustausch über aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen statt. Weiter schreibt die Bundesregierung, dass ihr "Austausch und Dialog, insbesondere in internationalen Formaten", grundsätzlich wichtig seien, "auch ohne dass hierbei konkrete Ergebnisse erzielt werden müssen".
Zu den Bilderberg-Konferenzen sind laut Vorlage auch regelmäßig Mitglieder der Bundesregierung eingeladen. Die Durchführung dieser Treffen obliege den Organisatoren der Bilderberg-Konferenz."

Ich bin auf die massenmediale Berichterstattung zu dieser sagen- und mythenumwobenen Veranstaltung gespannt. Unter anderem auf Telepolis gab es am 12. April erste Informationen dazu. Allerdings hat dieses traditionelle Elite-Treffen kaum ein sagenhaftes oder mythengleiches, sondern ein ganz irdisches und wenig überraschendes Ziel, wie der Deutschlandfunk 2010 berichtete: "Ziel der Konferenzen - so sagen es die Organisatoren -war und ist: Europa und die USA enger aneinander zu binden und die Vereinigung Europas unter dem Primat eines transatlantischen Bündnisses voran zu treiben." Das wird wohl auch 2016 in Dresden eines der Hauptthemen sein, denn der Russe steht an den Ostgrenzen der Nato und will Europa und den Westen spalten, wie uns ehemalige und neue Konferenzteilnehmer fast täglich erklären.

Freitag, 19. Februar 2016

Ein Frage und keine Antwort

Kann eine Gesellschaft, die zunehmend als desintegriert gilt, andere Menschen, die zu ihr kommen, integrieren?

Ein Freund berichtete mir heute davon, dass er jemand aus dem Bereich der sozialen Arbeit davon reden hörte, dass es nach der ganzen Debatte um die Ankunft der Flüchtlinge hierzulande nun um deren Integration gehe. Damit würden sich in Zukunft all jene beschäftigen müssen, die den Flüchtlingen bisher ermöglichten, hier anzukommen.

Als ich das hörte, wurde ich wieder an etwas erinnert, was mir bei der ganzen Debatte und der gleichzeitigen Fremdenfeindlichkeit, für die Ereignisse wie der Angriff auf einen Bus mit Flüchtlingen in Sachsen stehen, unlängst wieder einfiel: Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer hat nicht nur mit seinem Buch "Was treibt die Gesellschaft auseinander?" bereits 1997 u.a. festgestellt und gewarnt, "daß Desintegration zu einem Schlüsselbegriff gesellschaftlicher Entwicklungen avancieren wird". Zusammen mit anderen Wissenschaftlern hat er in der Folge die Langzeitstudie zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit durchgeführt, die in zehn Büchern unter dem Titel  "Deutsche Zustände" nachlesbar ist. Auf der Rückseite von Band 9 aus dem Jahr 2010 ist zu lesen: "Wie können nur hoffen, daß sich die Verunsicherung der Menschen angesichts der Krise sowie die damit verbundene Abwertung und Diskriminierung schwacher Gruppen nicht weiter zuspritzt. In jedem Fall stehen hier die Eliten in der Verantwortung – Eliten, von denen freilich niemand so recht weiß, ob sie nicht längst selbst zu einem Teil des Problems geworden sind."

2011 zog Heitmeyer am Ende der Langzeitstudie in Band 10 u.a. folgendes vorläufiges Fazit der Untersuchungen und Beobachtungen:
"• In der religiösen Sphäre ist das friedliche und vom Ideal der Gleichwertigkeit geprägte Zusammenleben der Menschen unterschiedlichen Glaubens immer noch latent gefährdet. Immer weniger Menschen wollen in Gebieten mit vielen Moslems leben. ...
• In der sozialen Sphäre haben die Ökonomisierung des Sozialen und die Staatsunsicherheit mit den verschiedenen Desintegrationsängsten und -erfahrungen eine Kernrelevanz für die steigenden Abwertungen der als 'Nutzlose' und 'Ineffiziente' deklarierten Gruppen, also von Hartz-IV-Empfängern und Langzeitarbeitslosen. ...
• In der politischen Sphäre gibt es mit der Wahrnehmung einer Demokratieentleerung, also von Vertrauensverlusten und einem Gefühl der Machtlosigkeit, ernste Warnsignale, da die Anfälligkeit für rechtspopulistische Mobilisierung auffällig ist.
• In der ökonomischen Sphäre scheint weiterhin eine Mentalität vorzuherrschen, die von der grundgesetzlichen Maxime, laut der Eigentum verpflichtet (etwa zur Verhinderung sozialer Desintegration), wenig wissen will. So diagnostiziert Rainer Geißler (2010, 11) eine sozialstrukturelle 'Polarisierung zwischen Armen und Reichen bei schrumpfender Mitte' und eine höhere Anzahl von Abstiegen unter Angehörigen der sogenannten 'Mittelschicht'. ... gleichzeitig setzt das Öffnen der Schere ... offensichtlich auch polarisierende Einstellungen frei. So glauben 2011 im Vergleich zu 2006 signifikant mehr Befragte mit höherem Einkommen, denen, die an ihrer Not eine Mitschuld tragen, solle nicht geholfen werden. ..."

Der Soziologe schrieb vor fünf Jahren von der "geballten Wucht, mit der die Eliten einen rabiaten Klassenkampf von oben inszenieren" und von der zeitgleichen "Transmission der sozialen Kälte durch eine rohe Bürgerlichkeit, die sich selbst in der Opferrolle wähnt und deshalb schwache Gruppen ostentativ abwertet". Das zeige, "daß eine gewaltförmige Desintegration auch in dieser Gesellschaft nicht unwahrscheinlich ist". Das wurde wie gesagt vor fünf Jahren geschrieben. Die regierende und etablierte Politik hat bis heute nicht darauf reagiert. Auch die Medien – ich habe die letzte Pressekonferenz zu der Langzeitstudie miterlebt – schauten nur kurz auf und machten dann wie gehabt und die Probleme ignorierend weiter.

Mich beschäftigt seitdem die Frage, wie eine Gesellschaft, die so gekennzeichnet ist, es leisten und schaffen kann, eine Vielzahl von Menschen, die vor allem aus existenziellen Nöten ins Land kommen, zu integrieren. Eine Antwort habe ich nicht, nur Befürchtungen ...

PS: Am 22. Februar spricht der britische Journalist Antony Loewenstein, Autor des Guardian und Verfasser des Buches "Disaster Capitalism", im Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) darüber, wie die Regierungen in der EU, samt der deutschen, das Problem des Zustroms der Flüchtlinge bewältigen wollen, indem sie versuchen, diese fernzuhalten. Dabei sei die EU unfähig und unwillens zu einer vernünftigen Alternative und würde nur der Linie der USA, Großbritanniens und Australiens folgen, die führend seien bei der Privatiserung der Flüchtlingskrise, in dem sie alles von der Versorgung bis zur Überwachung an private Unternehmen übergeben. Das sei gefährlich für die Demokratie, meint Loewenstein und will in Berlin alternative Lösungen anbieten.

Freitag, 30. Mai 2014

„Endspiel“ um die Ukraine begann auf der Krim

Eine anscheinend geheimnisvolle Konferenz in Jalta auf der Halbinsel Krim ist wenig geheimnisvoll, aber bedeutungsvoll für die Entwicklung des Konfliktes um die Ukraine

Das „Endspiel“ um die Ukraine wurde auf der Krim eingeleitet: Aber nicht durch die Wiedervereinigung mit Russland im März 2014, sondern durch eine Konferenz sechs Monate zuvor in Jalta. Die Tageszeitung Die Welt berichtete am 23. September 2013: "Auf der Konferenz wurde deutlich, dass das Endspiel um die Zukunft der Landes und um die Zukunft von Timoschenko begonnen hat." Mit der Konferenz ist das seit 2004 jährlich stattfindende Treffen der "Yalta European Strategy" (YES) gemeint. Bezahlt wird es von dem Oligarchen Viktor Pintschuk, der die Ukraine in die EU führen will. Laut eines Berichtes der FAZ vom 19. Februar 2014 ist der Oligarch mit „weit mehr als 2,3 Milliarden Euro“ der zweitreichste Mann in der Ukraine. Veranstaltungsort ist passenderweise der Liwadija-Palast in Jalta auf der Krim – eben dort, wo vor fast 70 Jahren Stalin, Roosevelt und Churchill zusammensaßen. 2007 hat sich dort übrigens Gerhard Schröder für eine Partnerschaft mit Russland ausgesprochen und laut Die Welt vom 4. Juli 2007 bei den Gastgebern unbeliebt gemacht.

Die von Pintschuk gegründete und finanzierte „Yalta European Strategy“ mit der vielsagenden Abkürzung YES erscheint manchem als Geheimbund ähnlich der „Bilderberger“, die sich in diesem Jahr seit dem 29. Mai wieder in Kopenhagen treffen. Es handele sich um die „Ostgruppe der Bilderberger“, schrieb das esoterisch orientierte Magazin Matrix 3000 in seiner aktuellen Ausgabe. Normalerweise kaufe ich solche Blätter nicht. Aber es interessierte mich doch, als ich in einem Bahnhofskiosk das Heft mit dem Titelhinweis „Bilderberger & Ukraine“ sah und beim Blättern las: „Die Teilnehmer der Bilderberg- und YES-Treffen sind weitgehend identisch, weshalb man YES mit Fug und Recht als den Bilderberg-Ableger des Ostens bezeichnen kann.“ Nur sei das Treffen auf der Krim „bislang etwas besser geheim gehalten“ worden. Der Blog „Alles Schall und Rauch“, der am 21. Oktober 2013 auf die Konferenz hinwies, behauptete, über das Elitetreffen an historischem Ort in Jalta würden „die westlichen Medien nie berichten“.

Elitetreffen besprach Schicksal der Ukraine


Doch das stimmt nicht, auch wenn die YES mit ihrer jährlichen Konferenz kaum öffentlich bekannt ist bzw. wenig ins öffentliche Bewusstsein drang. Ich wusste bis vor kurzem auch nichts von dieser „größten und einflussreichsten Kommunikations-Plattform für die Diskussion und die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Strategien für die Ukraine“, wie sie 2012 auf einer ukrainischen Website bezeichnet wurde. Und das, obwohl schon mehrfach darüber berichtet wurde, wie die beiden zitierten Beiträge der Zeitung Die Welt zeigen. Es gibt eine offizielle YES-Homepage, auf der zum Teil die Veranstaltungen als Videoaufzeichnungen nachverfolgt werden können. Dort ist nachzulesen, wer daran teilnahm, wer Mitglied ist und was diskutiert wurde. Da sind u.a. mit Ex-US-Präsident Bill Clinton, dem ehemaligen polnische Präsident Alexander Kwasniewski, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Ex-CIA-Chef David Petraeus, dem früheren britischen Premierminister Tony Blair und selbst dem gestürzten ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch lauter illustre Persönlichkeiten zu finden. Die Namen sind auch in einem Bericht über die Konferenz im letzten Jahr an das Europäische Parlament zu finden. Natürlich ist nicht nachzulesen, was in den Pausen und am Rand der Konferenz sowie bei inoffiziellen Begegnungen besprochen und ausgehandelt wurde. Dieser Teil der Veranstaltung in Jalta, der bei allen Treffen dieser Art, ob Bilderberg, Davos oder andere, für die Teilnehmer immer noch der Wichtigste und Ergiebigste ist, bleibt natürlich dem Licht der Öffentlichkeit verborgen und damit tatsächlich geheim.

Es gibt über das Treffen vom 19. bis 22. September 2013 eine Reihe interessanter Beiträge westlicher Medien. Sie zeigen, worum es da in dem Palast von Jalta, wo einst Stalin mit Churchill und Roosevelt verhandelte, ging. So habe der von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung trainierte Vitali Klitschko den bei der YES-Konferenz anwesenden Janukowitsch gefragt, ob er zurücktrete, wenn der Gipfel der „Östlichen Partnerschaft“ in Vilnius im November 2013 scheitere, auf dem das EU-Assoziierungsabkommen unterschrieben werden sollte. Das berichtete Gerhard Gnauck aus Jalta für Die Welt.  Er meldete auch einen „heftigen Schlagabtausch zwischen dem ukrainischen Handelsminister Petro Poroschenko und Putin-Berater Sergej Glasjew“. Letzterer habe in Jalta die Ukraine vor der EU-Assoziierung gewarnt: „Ihre Produkte seien nicht konkurrenzfähig, die einseitige Öffnung des Marktes für EU-Produkte werde das Land schwer schädigen. Dann müsse die EU eben schnell 35 Milliarden Dollar aufbringen, um den Bankrott der Ukraine abzuwenden‘“. In dem Beitrag war auch folgende Ankündigung zu lesen: „Nächstes Jahr, rief Polens Ex-Präsident Aleksander Kwasniewski in den Saal, werde die Ukraine Europa einen großen Schritt näher und Julia Timoschenko unter den Teilnehmern sein.“

In Jalta sei versucht worden, „Europa noch einmal neu zu gestalten“, hieß es gar am 24. September 2013 im Blog der Zeitschrift The Economist. Das geplante Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine sei Schwerpunkt der Konferenz gewesen. Hinter und vor den Kulissen sei hart über die Freilassung der damals noch inhaftierten Julia Timoschenko diskutiert und verhandelt worden, einer der Bedingungen der EU. In dem Bericht wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die USA mit einer ganzen Reihe hochrangiger Vertreter wie Petraeus und der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton in Jalta vertreten war. Russland dagegen habe nur Putin-Berater Glasjew geschickt, was u.a. als Ausdruck russischer Arroganz gegenüber der Ukraine gewertet wurde. Glasjew habe die ukrainische Regierung beschuldigt, das von der EU vorgelegte Abkommen nicht einmal gelesen zu haben. Poroschenko, dessen Schokoladen-Firma Roshen von russischen Sanktionen betroffen waren, habe sich bei Putins Vertreter bedankt: „Zum ersten Mal in unserer Geschichte unterstützen mehr als 50 Prozent der Menschen die europäische Integration und weniger als 30 Prozent der Menschen unterstützen enge Beziehungen mit Russland.“ Die Unterschrift unter das EU-Assoziierungsabkommen könne als „Dankschreiben“ an den russischen Präsidenten gewertet werden.

Warnungen vor den Folgen


In einem Text des Magazins der Zeitung Financial Times vom 27. September 2013 wurde darauf hingewiesen, dass etwa ein Drittel der rund 200 Teilnehmer des „wirklich historischen“ Treffens in Jalta zum ersten Mal in der Ukraine waren. Es sage viel über die Konferenz aus, dass zu jenen, die das Land gut kannten und dabei waren, William und Hillary Clinton sowie Blair gehörten. Teilnehmer wie der israelische Präsident Shimon Peres, der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers und Ex-CIA-Chef Petreaus hätten ganz offen über ihre Ansichten zur Zukunft der Ukraine und der Welt geredet: „Vermutlich waren sie so weit von zu Hause, dass sie sich sicher fühlten, dass niemand darüber berichten würde.“ Die Autorin wies daraufhin, dass nach ihrem Eindruck Oligarch und YES-Begründer Pintschuk und seine Freunde „hart daran arbeiteten“, die Ukraine in die EU zu bekommen. Der YES-Gründer habe die einflussreichsten Politiker zusammengebracht, die an der Integration der Ukraine in die EU mitwirken, schrieb Daniel Halper von der Zeitschrift The Weekly Standard in einem am 7. Oktober 2013 veröffentlichten Beitrag. Ex-US-Außenministerin Clinton habe in Jalta festgestellt, dass sich die Ukraine „an einer weiteren Kreuzung, in einer Zeit für große Entscheidungen und mutige Aktionen“ befinde. Es gehe um die Zukunft des Landes, in welche Richtung es sich bewege.

Was Putin-Vertreter Glasjew in Jalta sagte, meldete auch die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti am 21. September 2013: „Nach der Schaffung einer Freihandelszone zwischen der Ukraine und der EU wird das wachsende Defizit der Handelsbilanz die Währungsreserven der Ex-Sowjetrepublik in etwa einem halben Jahr schmelzen lassen und möglicherweise eine Insolvenz des Landes zur Folge haben.“ Auf die wirtschaftlichen Folgen machte ebenfalls ein Beitrag über die YES-Konferenz in der Onlineausgabe des Magazins Forbes vom 23. September 2013 aufmerksam. Die Ukraine würde nicht nur freien Zugang zum EU-Markt erhalten, sondern selbst ungehindert und ungeschützt für die Unternehmen aus der EU und deren Produkte geöffnet werden. Das Land habe lange Zeit ein doppeltes Spiel betrieben und sowohl der EU als auch Russland signalisiert, die jeweiligen Angebote für eine Freihandelszone bzw. eine Zollunion annehmen zu wollen. Forbes-Autor Mark Adomanis fielen in Jalta „die krassen Unterschiede zwischen den russischen und westlichen Ansichten“ über die zu erwartenden Folgen der ukrainischen Integration in die EU auf. Die Vertreter von EU und Ukraine hätten das Land auf einem schnellen Weg der wirtschaftlichen Annäherung an den Westen gesehen. Die Pro-EU-Redner hätten nur „in den allgemeinsten Begriffen“ über den möglichen „Schmerz“ gesprochen, der mit der wirtschaftlichen Umstrukturierung verbunden wäre. Der russische Vertreter Glasjew habe dagegen ganz konkret auf die wirtschaftlichen Folgen für die Ukraine aufmerksam gemacht. Die russische Position habe „einige Vorzüge“ und sei „viel näher an der Wahrheit“ als die in Brüssel und Kiew, gestand der Forbes-Autor ein: „Ich glaube kaum, dass es verrückt ist zu behaupten, dass in kurzer Zeit die führenden Firmen aus Westeuropa in der Lage sind ihre ukrainischen Kollegen nieder zu konkurrieren.“ Die Frage sei, wie groß die mittelfristige wirtschaftliche Katastrophe für die Ukraine werde, u.a. durch billige Importe aus der EU, auch wenn die Integration des Landes in die EU die langfristige Perspektive sei.

„Den Schlüssel zur Türe nach Westen hält der ukrainische Staatschef in der Hand“ hieß es am 23. September 2013 in einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung zur Konferenz in Jalta. Das war an den teilnehmenden Janukowitsch gerichtet. Putin-Vertreter Glasjew habe nach dem YES-Treffen gedroht, Russland könne eine Spaltung der Ukraine unterstützen, wenn das EU-Assoziierungsabkommen unterschrieben werde. Das berichtete die britische Zeitung The Times am 23. September 2013 (siehe auch hier). Glasjew habe auf die Frage genickt, ob er glaube, dass die Unterzeichnung zur Auflösung des ukrainischen Staates führen könnte. Wenn die russische Minderheit aus Protest gegen die EU-Annäherung die Ukraine „aufbrechen“ würde, sei Russland berechtigt, sie zu unterstützen, wurde der Putin-Berater zitiert. Allerdings war das zu dem Zeitpunkt weniger neu als es manchem erschien. Darauf hatte der ehemalige hochrangige CIA-Mitarbeiter Ray McCovern am 15. Mai 2014 in einem Beitrag für das Online-Magazin Consortiumnews hingewiesen. Die Aufnahme der Ukraine in die EU-Strukturen war von Anfang an mit der Ausweitung der NATO verbunden. Russland habe bereits 2008 vor den Folgen gewarnt, berichtete McCovern. Damals habe der russische Außenminister Sergej Lawrow US-Botschafter William J. Burns klar gemacht, daß eine fortgesetzte Osterweiterung der NATO von Russland als mögliche militärische Bedrohung gesehen werde, wie ein kürzlich von Wikileaks veröffentlichter Bericht von Burns vom 1. Februar 2008 bestätigt. Der Botschafter machte in seinem Bericht auf Befürchtungen aufmerksam, dass in der Folge die Ukraine gespalten werden und es zu Gewalt und Bürgerkrieg kommen könnte, was Russland dazu bringen könnte, zu intervenieren. „Russland hat deutlich gemacht, dass es seine gesamten Beziehungen mit der Ukraine und Georgien ernsthaft prüfen müsste im Falle, dass die NATO sie einlade, Mitglied zu werden. Dies könnte erhebliche Auswirkungen auf das Energie-, Wirtschafts-, und politisch-militärische Engagement haben, mit möglichen Auswirkungen auf die gesamte Region und in Mittel- und Westeuropa." Das war bereits 2008 zu lesen, u.a. in der Onlineausgabe des Stern am 1. April 2008: "Die Nato in Moskaus Vorgarten". Da hieß es zu den Plänen, die Ukraine und Georgien in die Allianz aufzunehmen: "Eine solche Erweiterung brächte das Verteidigungsbündnis schlagartig in den russischen Einflussbereich, was Moskau scharf ablehnt. Die Verantwortlichen im Kreml verkündeten bereits, sie würden eine Mitgliedschaft der Ukraine und Georgiens als 'unfreundlichen Akt' betrachten." Und: "Es ist ausgerechnet der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin der die Sorgen der Bundesregierung vor einem solchen Schritt auf den Punkt bringt: 'Die Nato könnte ein Rest-Georgien ohne Abchasien und Südossetien sowie die politisch instabile Ukraine übernehmen, würde aber Russland für Jahre verlieren.'"

"Endspiel" in der letzten Runde


Die frühere ARD-Korrespondentin in Moskau Gabriele Krone-Schmalz machte kürzlich ebenfalls darauf aufmerksam: „Es beginnt damit, dass der Auslöser für die gefährliche Krise in der Ukraine – das EU-Assoziierungsabkommen – von Anfang an nur mit wirtschaftlichen Chancen und Werten in Verbindung gebracht wurde. Von der in diesem Abkommen ebenfalls erwähnten militärischen Zusammenarbeit war keine Rede, und diejenigen, die gleich zu Beginn davor warnten, dass es die Ukraine zerreißen wird, wenn sie sich zwischen EU und Russland entscheiden muss, wurden als tumbe Toren oder Moskau-hörig dargestellt.“ Das schrieb sie in der Schweizer Weltwoche vom 15. Mai 2014. Zuvor hatte sie am 16. April 2014 gegenüber der Redaktion ZAPP des Norddeutschen Rundfunk erklärt: „Wir, die Medien, hätten zu einem frühen Zeitpunkt wissen müssen und das auch verkünden müssen, dass dieses Assoziierungsabkommen die Ukraine zerreißt.“ Krone-Schmalz wies dabei unter anderem auf § 7 des Abkommens hin, in dem es um die militärische Zusammenarbeit mit dem Ziel der Konvergenz geht.

Der weitere Gang der Dinge nach Janukowitschs „Nein“ in Vilnius im November 2013, nachdem für die meisten in Jalta nur ein „Ja“ in Frage kam, ist bekannt. Dafür wurde Janukowitsch im Februar 2014 gestürzt, weil er auf Klitschkos Hinweis in Jalta nicht hören wollte. Wir erleben gegenwärtig die nächste Runde im „Endspiel“ um die Ukraine. Die durch den Staatsstreich Ende Februar in Kiew an die Macht Gekommenen versuchen gegenwärtig, mit Gewalt die östlichen und südlichen Gebiete des Landes wieder unter Kontrolle zu bekommen. Die Zahl der Todesopfer dabei stieg sprunghaft, nachdem der Schokoladen-Oligarch Poroschenko am 25. Mai 2014 zum neuen Präsidenten der Ukraine gewählt wurde. Was sich der gestürzte Präsident Janukowitsch nicht traute, ziehen jene, die ihn stürzten, um so konsequenter durch: Unterstützt und angefeuert dabei vom Westen samt IWF und EU begannen sie eine „Anti-Terror-Operation“ gegen Aufständische, die mal „Terroristen“, mal „Separatisten“ genannt werden. Die USA unterstützen die „Militäroperation“ in der Ostukraine, berichtete die Nachrichtenagentur RIA Novosti am 27. Mai 2014. Zwei Tage später meldete die Agentur, dass Poroschenko noch am 25. Mai 2014 mit dem US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, den „Anti-Terror-Einsatz“ im Osten der Ukraine besprochen habe. Danach habe der offizielle Wahlsieger von „leitenden Repräsentanten der Militär- und Sicherheitsstrukturen ultimativ gefordert, das Territorium der Gebiete Donezk und Lugansk noch vor seiner Amtseinführung zu ‚säubern‘“. Laut eines anonymen Kiewer Informanten von RIA Novosti „sei auch die akzeptable Zahl der Toten genannt worden – 2000“. „Für den Fall, dass die Zahl der Todesopfer dabei zu hoch sein sollte, habe der Amerikaner versichert, dass die USA den ‚negativen Effekt abfedern und die internationale Reaktion werden herunterspielen können‘, hieß es.“

Diese Runde dürfte auch dank des intensivierten Krieges gegen Teile der eigenen Bevölkerung an die neuen Machthaber von westlichen Gnaden gehen, die die Ukraine unbedingt unter die Obhut von EU und IWF bringen wollen. Sie fühlen sich sicher, auch weil sie schnell bemerkten, dass Russland nur mit den Säbeln rasselte und die Aufständischen in der Ostukraine nicht militärisch unterstützen würde. Wie das Ganze insgesamt ausgeht, ob die Ukraine ein einheitlicher Staat mit dem wirtschaftlich potenten Ostteil bleibt, wie es die westlichen Geldgeber wünschen, wird abzuwarten sein. Die inneren Konflikte dürften auch mit einem blutigen Sieg der Faschisten in den Uniformen der „Nationalgarde“ und der sie unterstützenden Söldner nicht zu Ende sein. Ungeachtet all dessen soll das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine am 27. Juni auf dem EU-Gipfel in Brüssel unterzeichnet werden, wie gemeldet wurde. Die neuen Machthaber in Kiew hatten den politischen Teil des Abkommens schon im Februar unterzeichnet. Wahlsieger Poroschenko will außerdem ein "Sicherheitsbündnis" mit den USA und der EU abschließen, wurde am 29. Mai 2014 u.a. von Zeit online gemeldet. Dies sei notwendig, um sein Land "auch militärisch zu schützen", habe der Oligarch gesagt. Der Präsident des YES-Verwaltungsrates Kwasniewski kündigte im März an, dass zum nächsten Elitetreffen im September 2014 in Kiew eingeladen wird. Der bisherige Treffpunkt, der historische Liwadija-Palast in Jalta liegt nun wieder auf russischem Gebiet.

Nachtrag vom 1.6.2014:
Interessantes ist im Nachrichtenportal von web.de zu lesen: "EU-Erweiterung: Provokation und Größenwahn?
Der EU-Erweiterungskommissar Stefan Füle will die Ukraine, Georgien und die Republik Moldau in die Europäische Union aufnehmen. ...
Für Russland war laut einer Analyse der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) schon 2008 eine "rote Linie" erreicht, als die Nato der Ukraine und Georgien die Mitgliedschaft angeboten hatte. Zuvor hatte die EU-Osterweiterung von 2004, bei der acht ehemalige sowjetische Staaten zur EU stießen, Russland um seinen Einfluss in der Region bangen lassen. Ein tatsächlicher Beitritt einer der drei von Füle genannten Staaten würde "massive Reaktionen Russlands zur Folge haben", heißt es in einer weiteren SWP-Analyse."
Hier noch die Links zu den beiden von web.de erwähnten SWP-Papieren:
Die Ukraine-Krise: Die Dimension der paneuropäischen Sicherheitskooperation (April 2014): "Als die NATO 2008 – gegen hinhaltenden deutsch-französischen Widerstand – der politisch zerrissenen Ukraine und Georgien mit seinen ungelösten Territorialkonflikten die Mitgliedschaft anbot, signalisierte Russland erstmals, dass »rote Linien« erreicht seien. Es warnte davor, die Ukraine mit ihren prorussischen und prowestlichen Tendenzen zu spalten und postsowjetische Konflikt-gebiete wie Abchasien und Südossetien mit russischen Verantwortlichkeiten, Friedenstruppen und prorussischen Bevölkerungsteilen in das NATO-Gebiet einzugliedern. Die Bündnispartner konterten mit dem Recht der Staaten auf freie Bündniswahl."
EU-Erweiterung. Vorschläge für die außenpolitische Flankierung einer Beitrittspause (März 2011): "Mit Ausnahme des geopolitisch unbedeuteten Moldova würde ein EU-Beitritt eines der ÖP [Östliche Partnerschaft]-Staaten die Tektonik des postsowjetischen Raumes gravierend verändern und massive Reaktionen Russlands zur Folge haben."

Markus Kaim von der selben regierungsfinanzierten SWP meint dazu in einem aktuellen Papier: "Die Ukraine wird nach den politischen Umwälzungen im Februar und der russischen Annexion der Krim im März dieses Jahres ein politisch, wirtschaftlich und militärisch geschwächter Staat sein. Als zusätzliche Erschwernisse wirken der nur schwach ausgeprägte Zusammenhalt der ukrainischen Gesellschaft und die regionalen Fliehkräfte. Das Land wird ausländischer Hilfe bedürfen, nicht zuletzt bei der Gewährleistung der territorialen Integrität und politischen Souveränität. Hierbei kommt der Nato eine wichtige Rolle zu."

aktualisiert: 1.6.14; 20:27 Uhr

Mittwoch, 12. Februar 2014

Ein stiller Putsch?

Hier folgt ein Hinweis auf ein Buch von Jürgen Roth, das erst noch erscheint. Dieser Hinweis wird weder vom Verlag noch vom Autor finanziert oder irgendwie gesponsort

"Der stille Putsch" heißt das nächste Buch von Jürgen Roth, das für den 24. März angekündigt ist. Ich habe es natürlich noch nicht, aber die Ankündigung hat mich gewissermaßen elektrisiert und lässt mich gespannt sein auf das Buch. Dazu hat beigetragen, was der Autor in "Die Mitternachtsregierung" (1990) ge- und beschrieben hat, aber auch, dass das Thema des neuen Buches zu dem passt, worauf ich vor knapp zwei Jahren hier schon einmal versuchte, aufmerksam zu machen: "Europas Mauer und der ökonomische Putsch"

Roth kündigt es auf seiner Website mit dem Verlagstext so an: "Sparen, sparen, sparen ist die Devise der meisten europäischen Politiker, denn nur dadurch sei die Krise zu bewältigen und der Wohlstand zu sichern. In Wirklichkeit geht es aber um etwas ganz anderes: Unter dem Deckmantel der Krisenbewältigung findet ein stiller Putsch gegen die europäischen Bürger statt. Bestsellerautor Jürgen Roth zeigt, wer die Putschisten sind und was sie bezwecken, was das für Deutschland und Europa bedeutet und wie wir uns dagegen wehren können - und müssen.
Was derzeit in Griechenland, Portugal, Spanien und Italien passiert, ist erst der Anfang. Auch Deutschland und anderen europäischen Staaten soll es so ergehen: Durch drastische Sparprogramme werden die Löhne gesenkt, Einschnitte in die Sozial-, Gesundheits- und Bildungssysteme durchgesetzt, die Arbeitnehmerrechte reduziert und der Verkauf öffentlichen Eigentums vorangetrieben.
Unter dem Vorwand der Krisenbewältigung geht es um die gnadenlose Durchsetzung einer marktfundamentalen Politik - ein kalter Putsch gegen die europäische Zivilgesellschaft. Doch wer steckt dahinter? Eine mächtige Elite aus Wirtschaft und Politik, der nur ausgewählte Personen angehören und deren Ziel die Durchsetzung langfristiger wirtschaftsfreundlicher Strategien und die Entmachtung des Staates ist. Jürgen Roth nennt die Putschisten und ihre Helfershelfer beim Namen, er deckt auf, wie sie über das Schicksal Europas entscheiden, und zeigt, warum wir uns nicht länger belügen und täuschen lassen dürfen. - Ein brisantes Enthüllungsbuch."

Zu den Putschisten und ihren Helfershelfern, die Roth benennt gehört laut Information aus dem Verlag "ein exklusiver und ebenso verschwiegener Männderbund mit Sitz in Berlin und Zürich, der Entrepreneurs' Roundtable, dessen Mitglieder aus der Spitze der Wirtschaft, Banken und Medien stammen."

Ich bin gespannt auf das Buch und bin mir sicher: da ist Stoff zum Diskutieren nach dem Lesen drin.

Hier sind die Verlagsinformationen (Preis, ISBN, etc.) zu finden

Montag, 8. April 2013

Die Elite blickt auf die Demokratie herab

Gesellschaft: Seit langem wird in politischen und philosophischen Kreisen diskutiert, ob "weniger Demokratie wagen" vielleicht besser wäre. Diese Debatte hält an.

"Ich glaube nicht länger daran, dass Demokratie in der Form 'Eine Person - eine Stimme' der beste Weg ist, um ein politisches System zu organisieren." So wird der Philosoph Daniel A. Bell von Spiegel online am heutigen 8. April 2013 zitiert. Er ist Kanadier und lehrt an einer chinesischen Eliteuniversität. Als "confucian philosopher and scholar" beschreibt er sich selbst auf seiner Homepage.

Ich halte das für bedenkenswert, da es nicht die Meinung eines von asiatischer Philosophie faszinierten Einzelnen ist. Bei Spiegel online ist dazu zu erfahren: "Seine Rolle als bekennender Anti-Demokrat würde Bell in Deutschland vermutlich eine Passage im Jahresbericht des Verfassungsschutzes bescheren. Im Rest der Welt hat ihn sein Standpunkt zum intellektuellen Popstar gemacht, mit Kolumnen in der 'Financial Times', im 'Guardian', der 'Huffington Post'. Auch an diesem Freitagnachmittag darf Bell seine Thesen vor einem illustren Publikum ausbreiten: Bei der Jahrestagung des Instituts für Neues Ökonomisches Denken, eines illustren Think-Tanks, finanziert von der Hedgefonds-Legende George Soros. An der Konferenz nehmen zahlreiche Wirtschafts-Nobelpreisträger teil, dazu Historiker, Soziologen und Politikwissenschaftler aus Oxford, Princeton, Berkeley. Die Elite der westlichen Welt in Sachen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften." Auf seiner Homepage verweist Bell darauf, das er auch beim World Economic Forum in Davos schon dabei war. Er ist also gefragt und die Eliten oder jene, die dazu gezählt werden, hören ihm zu. Und das dürften sie gern tun, sagt Bell doch laut Spiegel online etwas, was sie gern hören: "'Denkbar wären mehr Stimmen für Menschen mit besserer Erziehung.' Die Begriffe Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit erwähnt Bell kein einziges Mal."

Das erinnert mich an einen anderen "Vordenker": Fareed Zakaria schlug vor zehn Jahren schon vor, weniger Demokratie zu wagen. "Liberalisierung, so Zakarias These, geht vor Demokratisierung", war dazu in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen. "Im Namen der langfristig zu verwirklichenden «Ordnung der Freiheit» scheint er zumindest einigen Diktatoren eine Art Freibrief auszustellen. Besonders Lee Kwan Yew, der frühere Premierminister von Singapur, hat es ihm angetan - und sogar für Augusto Pinochet findet Zakaria ein gutes Wort." Zakaria habe ebenfalls an China und dessen Machtsystem Gefallen gefunden, heißt es. "Und er bedauert den Verlust einer politischen Kultur, in der die Eliten der amerikanischen Ostküste hinter verschlossenen Türen weitsichtig die Geschicke des Landes oder gar der Welt lenkten." Das wird mit einer der Gründe gewesen sein, warum Zakarias Thesen zwar oft kritisiert wurden, ihm aber die Vertreter der Eliten gern zuhörten.

Mögen die Vertreter solcher "Weniger Demokratie wagen"-Thesen wechseln, die These bleibt und findet anscheinend gerade angesichts der derzeitigen Krise weiter Zuspruch. Das Handeln der Regierenden und Herrschenden der führenden westlichen Staaten, die Zakaria und Bell und anderen ihresgleichen gern zuhören und zustimmen, hat längst herzlich bzw. bedauerlich wenig mit Demokratie zu tun, worauf u.a. Colin Crouch mit seiner These von der Postdemokratie aufmerksam gemacht hat.

Dass die Herrschenden sich mit Auswegen aus der von ihren politischen und medialen Lakaien propagierten Demokratie beschäftigen, um ihre Herrschaft weiter zu sichern, ist an sich, ganz nüchtern betrachtet verständlich. Gehört doch zu den Folgen der von ihnen verursachten Krise die wachsende Empörung der Beherrschten: "Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat die Wirtschafts- und Währungskrise die Gefahr für soziale Unruhen in den Mittelmeerstaaten Zypern, Griechenland, Spanien und Italien erhöht." Das wird am heutigen 8. April 2013 gemeldet. Die UN-Organisation ILO "fordert ein Umsteuern hin zu einer beschäftigungsorientierten Politik in der EU, um die dramatische Beschäftigungskrise mit mehr als 26 Millionen Arbeitslosen in der Region zu bekämpfen." Inzwischen gebe es in der EU zehn Millionen mehr Arbeitslose als vor Ausbruch der Krise. "Besonders stark betroffen sind junge und gering qualifizierte Arbeitnehmer", stellt die Organisation fest. "Zudem wird Langzeitarbeitslosigkeit in weiten Teilen der Region zu einem strukturellen Problem. In 19 EU-Staaten sind mehr als 40 Prozent der Arbeitslosen schon seit mehr als einem Jahr ohne Job." Eine Folge der Verschlechterung der arbeitsmarktpolitischen Lage sei, "dass das Risiko sozialer Unruhen nun zwölf Prozentpunkte höher ist als vor Ausbruch der Krise". Zur Erinnerung: Hohe Jugendarbeitslosigkeit und andere soziale probleme gehörten zu den Ursachen für die Unruhen in Nordafrika und Arabien. Nur in der Bundesrepublik, Belgien und Finnland hahat laut ILO das Potenzial für Unruhen abgenommen.

Die herrschenden Eliten auch in Europa haben also so manchen Grund, darüber nachzudenken, wie sie auch ohne Demokratie ihre Herrschaft sichern können. Aber uns geht das ja nichts an, die zuerst betroffenen Länder sind ja weit weg und die Bundesrepublik profitiert immer noch davon, dass die anderen ärmer werden.

Sonntag, 17. Februar 2013

Demokratie, Propaganda und Wirklichkeit

Die Bundesrepublik ist ein Muster an Demokratie und Rechtsstaat, heißt es allenthalben. Doch gibt es als Gegenbeleg nicht nur seit 45 Jahren geltende Notstandsgesetze.

Im Folgenden sind einige Nachrichten aus der Bundesrepublik aufgeführt, welche zeigen, wie es um die Demokratie und den Rechtsstaat, festgeschrieben im Grundgesetz, in der Bundesrepublik steht. Davon zeugt nicht nur, dass die 1968 beschlossenen Notstandsgesetze immer noch gültig und anwendbar sind. Kommen solche oder ähnliche Nachrichten aus Russland, der Ukraine, aus Kuba, auch aus Syrien oder einem anderen Land, das von bundesdeutschen und anderen westlichen Politikern im Chor mit  den Mainstream-Medien als "Diktatur" oder gar als "Schurkenstaat"  bezeichnet wird, was gäbe das wieder für einen Wirbel. Wie würden alle, samt Linkspartei, sich für Freiheit und Demokratie in dem Land an die mediale und die verdeckte Front werfen, sich übertreffen in Forderungen an die jeweilige Staatsführung, doch endlich demokratisch zu herrschen oder am besten abzutreten. Dabei hätten sie, würden sie ihre Forderungen ernst meinen, im eigenen Land genug zu tun.

So berichtete ZEIT online am 14. Februar 2013, dass nach dem Willen des Bundesinnenministeriums Bundesbehörden nicht mehr länger Journalisten gegenüber auskunftspflichtig sein sollen. Das sind sie bisher nach den Pressegesetzen der Bundesländer. Interessant ist, dass das Vorhaben einen Anlass hat, der mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Gründergeneration des Bundesnachrichtendienstes (BND) verbunden ist. "Für die Behörde ist das eine unangenehme Frage." Also wird die Antwort verweigert. Der Fall landete vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Die Begründung des Bundesvertreters beim Gericht für die ablehnende Haltung ist interessant, weil sie auch ein Schlaglicht darauf wirft, was der hochgelobte Föderalismus der Bundesrepublik gilt, wenn es um (Macht)Grundfragen geht:  "In Deutschland sind die Länder für das Presserecht zuständig; der Anspruch auf Auskunft ist daher in den Landespressegesetzen geregelt. Doch Landesrecht könne nicht für Bundesbehörden gelten... Also könnten die Landespressegesetze auch Bundesbehörden nicht dazu zwingen, Auskünfte zu erteilen. Das sei ein 'unzulässiger Eingriff in den Hoheitsbereich des Bundes'. Und auch nach dem Grundgesetz habe die Presse kein Recht, ihren Anspruch einzuklagen." Laut ZEIT online "ist zu befürchten, dass die Richter dem Bund recht geben": Die Stellungnahme des Bundes in dem Fall stütze sich auf einen Aufsatz des Juristen Jan Hecker aus dem Jahr 2006. "Der fordert ein Ende der Bindung von Bundesbehörden an die Landespressegesetze. Hecker arbeitete im Innenministerium, nun sitzt er als Richter im sechsten Senat des Bundesverwaltungsgerichtes – jenem Senat, der am 20. Februar ein Urteil über das BND-Verfahren sprechen wird."

Diesem verdeckten Angriff auf die grundgesetzlich festgeschriebene Pressefreiheit ähnlich ist ein offener Angriff auf diese: Die bundesweite Razzia gegen Pressefotografen Anfang Februar, über die unter anderem bei freitag de berichtet wurde. Wer da als "gefährlich" eingestuft wird, zeigt sich u.a. daran, dass für Justizkreise nicht immer klar sei, wer als Journalist und wer als Privatperson oder Sympathisant der linken Szene unterwegs sei. Diese Unklarheit wird dann mit Hilfe eines Angriffs auf die Pressefreiheit geklärt. Weil den bundesdeutschen Justizbehörden linke Sympthisanten, ob echte oder angebliche, so suspekt sind, dass deren Wohnungen wie die von Verbrechern durchsucht werden dürfen.

Aber die Medien sind nicht nur Opfer solchen undemokratischen Verhaltens , für die andere Länder gern zu "Diktaturen" erklärt werden. Nein, stattdessen sind vermeintliche Spitzenjournalisten und Sender- und Verlagsfunktionäre "ganz auf Linie mit den Eliten". Sie widerlegen damit die Legende von den Medien als "vierter Gewalt" und deren Kontrollfunktion in einer demokratischen Gesellschaft. Telepolis berichtete am 11. Februar 2013 über eine entsprechende Studie des Medienwissenschaftler Uwe Krüger. Die Daten seiner Analyse von Netzwerken "deuten darauf hin, dass sich Journalisten vielerorts in vertraulichen Runden mit den Mächtigen treffen". Krüger sieht das zu Recht "in einem klaren Gegensatz zu der demokratietheoretisch begründeten Erwartung, Journalisten sollten Distanz zu den Mächtigen halten, um sie kritisieren und kontrollieren zu können". Am auffälligsten sei der Befund, "dass vier leitende Journalisten der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt und der Zeit stark in US- und Nato-affinen Strukturen eingebunden waren." Krüger nennt Namen wie Klaus-Dieter Frankenberger von der FAZ und Josef Joffe von der Zeit , Stefan Kornelius von der Süddeutschen Zeitung und Michael Stürmer von der Welt. Der Wissenschaftler stellt fest: "Die Journalisten lagen ganz auf Linie mit den Eliten und benutzten sogar klassische Propagandatechniken."

All das ist weit weniger verwunderlich als es klingt, finde ich. Es zeigt ebenso, dass die Wirklichkeit noch jede vermeintliche "Verschwörungstheorie" übertrifft. Denn es geht auch hierzulande um Macht und deren Sicherung mit allen Mitteln. Und da gilt etwas, was ein deutscher Politiker vor fast 70 Jahren so beschrieb: "Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben." Walter Ulbricht, der das laut Wolfgang Leonhard gesagt haben soll, kam zwar aus einer ganz anderen politischen Richtung. Gern wird mit Hilfe dieses Zitates gezeigt, wie böse die deutschen Kommunisten in der DDR waren und an sich sind. Es hat auch indirekt etwas mit dem undemokratischen Vorgehen von Justiz- und Bundesbehörden und auch mit den Eliten dieses Landes zu tun: Linke gelten als gefährlich, ob als vermeintlicher oder echter Sympathisant, ob als echter, selbsterklärter oder nur verdächtigter Kommunist. Aber am Ende zeigt sich, dass die Herrschenden alle gleich sind, wenn es um ihre Macht geht. Es bleibt nur die Frage: Cui bono?

Ich werde bei Gelegenheit, die sich sicher (leider) ergeben wird, weitere ähnliche Nachrichten über den Zustand der Demokratie hierzulande zusammentragen.

Nachtrag vom 21.2.2013: Das Bundesverwaltungsgericht hat dem BND Rercht gegeben. "Bundesbehörden sind Medien nicht uneingeschränkt zur Auskunft verpflichtet." (ZEIT online, 20.2.2013) BVerwG, Urt. v. 20.02.2013, Az. 6 A 2.12

Freitag, 27. Januar 2012

Fundstück zum Thema Demokratie

... das gleichzeitig zu den Themen Elite, Medien, Verschwörungstheorien, Propaganda und manch anderen passt:

"Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land.
Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. Doch das ist nicht überraschend, dieser Zustand ist nur eine logische Folge der Struktur unserer Demokratie: Wenn viele Menschen möglichst reibungslos in einer Gesellschaft zusammenleben sollen, sind Steuerungsprozesse dieser Art unumgänglich.
Die unsichtbaren Herrscher kennen sich auch untereinander meist nicht mit Namen. Die Mitglieder des Schattenkabinetts regieren uns dank ihrer angeborenen Führungsqualitäten, ihrer Fähigkeit, der Gesellschaft dringend benötigte Impulse zu geben, und aufgrund der Schlüsselpositionen, die sie in der Gesellschaft einnehmen. Ob es uns gefällt oder nicht, Tatsache ist, dass wir in fast allen Aspekten des täglichen Lebens, ob in Wirtschaft oder Politik, unserem Sozialverhalten oder unseren ethischen Einstellungen, von einer ... relativ kleinen Gruppe Menschen abhängig sind, die die mentalen Abläufe und gesellschaftlichen Dynamiken von Massen verstehen. Sie steuern die öffentliche Meinung, stärken alte gesellschaftliche Kräfte und bedenken neue Wege, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.
..."

Das hat Edward Bernays, Neffe von Sigmund Freud, 1928 in seinem Buch "Propaganda - Die Kunst der Public Relations" geschrieben. Bernays hat u.a. für US-Regierungen, Tabakkonzerne und soziale Bewegungen und Organisationen gearbeitet.

Quelle: Edward Bernays: "Propaganda - Die Kunst der Public Relations", 1928, deutsche Ausgabe 2007/2009, Verlag orange press, S. 19