Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!
Posts mit dem Label Kriegsopfer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kriegsopfer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. Juli 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 38

37. Fortsetzung der gesammelten Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 16:20 Uhr)

• Ukrainische Kampfflugzeuge abgeschossen
"Die Volkswehr der selbsterklärten Volksrepublik Donezk hat am Mittwoch nach eigenen Angaben ein Militärflugzeug im Raum des Absturzes der malaysischen Boeing abgeschossen.
„Von Saur-Mogila wurde ein Flugzeug abgeschossen“, teilte ein Sprecher der Volkswehr RIA Novosti mit. „Die Maschine flog weiter in Richtung Lugansk und stürzte dort wahrscheinlich ab.“ In dieser Region in der Nähe der Stadt Sneschnoje dauern intensive Zusammenstöße zwischen der Volkswehr und den regulären Kräften Kiews an. Kurz vor dem Boeing-Absturz wurden dort zwei ukrainische Kampfflugzeuge der Su-Serie abgeschossen.
Kampfjets wurden in diesem Raum auch nach dem Absturz der Passagiermaschine gesichtet. Unter anderem schossen sie Raketen gegen die Straße Donezk – Sneschnoje ab, die Experten aus Malaysia benutzen sollten." (RIA Novosti
, 23.7.14)Bei Spiegel online ist die Rede von zwei abgeschossenen Kampfflugzeugen: "Prorussische Separatisten haben zwei ukrainische Militärflugzeuge abgeschossen. Das teilte ein Sprecher der Armee von Staatspräsident Petro Poroschenko mit. Die Suchoi-Maschinen zerschellten nahe dem Ort Savur Mogila im Osten des Landes, nicht weit vom Unglücksort der Malaysia-Airlines-Maschine entfernt, hieß es.
Über den Verbleib der Piloten gab es zunächst keine offiziellen Informationen. Ein Rebellenkommandeur bestätigte den Abschuss in russischen Medien. Die Kampfjets seien mit tragbaren Flugabwehrraketen abgeschossen worden, so genannten Man Pads, sagte der Kommandeur. Mindestens ein Pilot habe sich retten können, man habe seinen Fallschirm gefunden. Vom Piloten selbst fehle aber bislang jede Spur.
Bei den abgeschossenen Maschinen soll es sich laut Angaben der Separatisten um ein Su-25 Erdkampfflugzeug handeln und um einen Jagdbomber des Typs Su-24. ..."


• Forderung nach Ende des Kriegskurses
"„Der neue ukrainische Präsident Poroschenko und die ohne parlamentarische Legitimation agierende Übergangsregierung unter Arseni Jazenjuk verstärken den Eindruck, dass die ukrainischen Instanzen im Osten des Landes mit Heißem Krieg und im Westen parlamentarisch mit Kaltem Krieg agieren. Wer aber tatsächlich Stabilität in der Ukraine will, darf weder auf Heißen noch auf Kalten Krieg setzen“, so Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, zur heutigen Auflösung der Fraktion der Kommunistischen Partei in der Werchowna Rada und zum morgen beginnenden Verbotsverfahrens.
Gehrcke weiter: „Die kommunistische Partei der Ukraine hatte, wie immer man ihre Politik beurteilen mag, einen Anteil von 13 Prozent der Wählerinnen und Wähler an den letzten Wahlen. Es bleibt nun das bittere Ergebnis: In der ukrainischen Regierung sitzen Faschisten. Der rechte Sektor dominiert die Nationalgarde und die gleiche Regierung löst die Fraktion der kommunistischen Partei auf. ..." (Pressemitteilung MdB Wolfgang Gehrcke, 23.7.14)


• Poroschenko will Kriegsrecht nicht verhängen
"Der ukrainische Präsident hat sich am Dienstag bei einem Treffen mit Vertretern der Abgeordnetenfraktionen gegen die Verhängung des Kriegszustands im Lande ausgesprochen.
„Bei einem Kriegszustand sind Lieferungen von Waffen und von Dual-Use-Erzeugnissen verboten, wir müssen aber den Krieg gewinnen“, wird der Präsident von seiner Webseite zitiert.
Im Falle eines Kriegszustands werde die Unterstützung des jeweiligen Staates durch internationale Finanzinstitute unmöglich, fügte Poroschenko hinzu. Außerdem könnte das gegnerische Land im Falle einer Verhängung des Kriegszustands internationale Unterstützung bekommen. ..." (RIA Novosti, 23.7.14)

• US-Geheimdienste ohne Beweise für russische Schuld
"Die USA verfügen nicht über genaue Angaben, wer die malaysische Boeing im Osten der Ukraine abgeschossen hat, und schließen nicht aus, dass die Maschine von der Volkswehr versehentlich abgeschossen wurde, teilten ranghohe Vertreter der US-Geheimdienste am Mittwoch Journalisten mit.
Die Teilnehmer des Briefings bestätigten lediglich, dass das Flugzeug mit 298 Insassen mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk (SA-11) von dem Territorium abgeschossen wurde, das von Aufständischen kontrolliert wird. „Wir wissen nicht, wer auf den Knopf gedrückt hat“, erklärte einer der Sprecher. „Wir wissen weder den Namen, noch den Dienstgrad. Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein Fehler: Die Rakete wurde von einer schlecht ausgebildeten Mannschaft abgefeuert.“
Die USA verfügen über keine Beweise einer Mitschuld Russlands. Es gibt weder Zeugnisse für eine Präsenz von Russen an der Stelle des Raketenstarts, noch dafür, dass russische Fachleute den Milizen die Anwendung von Buk-Raketensystemen beigebracht haben. Die Teilnehmer des Briefings warfen Russland erneut Waffenlieferungen an die Volkswehr-Milizen vor. Zugleich gaben sie zu, dass vor dem Boeing-Crash keine Bewegungen von Buk-Komplexen über die Grenze registriert wurden.
Nach Angaben der amerikanischen Geheimdienste haben die ukrainischen Militärs die malaysische Boeing nicht abgeschossen, hieß es. Die Vertreter der US-Geheimdienste teilten mit, einen Teil ihrer Informationen aus sozialen Netzwerken und den von den ukrainischen Behörden verbreiteten Videos bekommen zu haben, deren Glaubwürdigkeit sie vorerst nicht überprüft haben." (RIA Novosti, 23.7.14)
Zu Letzterem eine Erinnerung: CIA-Chef John Brennan war u.a. im April 2014 in Kiew. "CIA-Chef John Brennan sucht in Kiew nach Kooperationsmöglichkeiten mit dem ukrainischen Geheimdienst. Der ist besonders an Echtzeitinformationen über russische Truppenbewegungen interessiert." (Die Welt online, 16.4.14) "Vielmehr dürfte Brennan in Kiew eine Pipeline gesucht haben, um Informationen von US-Nachrichtendiensten zu übermitteln." (Tages-Anzeiger, 15.4.14) Da müssen die US-Geheimdienste also auf soziale Netzwerke und Videos aus Kiew zurückgreifen, um etwas zu erfahren ... War Brennan umsonst in Kiew?
"Der US-Geheimdienst hat nach Medienberichten bisher keine Beweise für eine direkte Beteiligung Russlands an dem mutmaßlichen Abschuss eines Passagierflugzeuges in der Ostukraine. Dass die Rebellen die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 mit einer Boden-Luft-Rakete vom Typ SA-11 vom Himmel geholt hätten, gehe wahrscheinlich auf einen Fehler zurück, hieß es am Dienstag.
Es ließe sich bisher nicht sagen, wer genau für den Tod der 298 Menschen an Bord verantwortlich sei, hieß es nach Angaben des TV-Senders NBC und anderer US-Medien aus Geheimdienstkreisen weiter. Der stellvertretende US-Sicherheitsberater Ben Rhodes kündigte im TV-Sender CNN tiefergehende Untersuchungen an. ..." (Der Standard online, 23.7.14)
Selbst Spiegel online meldet am 23.7.14: "US-Regierungsvertreter sagten, zwar sei die Verlegung schwerer Waffen aus Russland in den Osten der Ukraine beobachtet worden. Doch gebe es keine Beweise, dass auch Buk-Raketensysteme über die Grenze gebracht wurden."

• Rückzug von Aufständischen
"... Im umkämpften Donbass haben die Aufständischen weitere besetzte Städte aufgegeben. Wie aus übereinstimmenden Meldungen beider Seiten hervorgeht, räumten sie am Dienstag die Städte Lisitschansk und Sewerodonezk im Norden des Gebiets Donezk. Ein Sprecher der »Volksrepublik Donezk« begründete den Rückzug mit der Überlegenheit des Gegners und damit, daß die Zivilbevölkerung vor weiterem Artilleriebeschuß durch die Regierungstruppen habe bewahrt werden müssen. Kiewer Medien berichten dagegen, die Einwohner von Lisitschansk hätten den Kämpfern ein Ultimatum gestellt, die Stadt bis zum Dienstag mittag zu verlassen. Zuvor habe der Tod dreier Jugendlicher durch eine von den Aufständischen verlegte Sprengladung für Empörung gesorgt. Unabhängige Beweise für diese Darstellung gibt es nicht.
Eine indirekte Bestätigung für eine geplante Verschärfung des Beschusses von Wohnvierteln lieferte der von Kiew eingesetzte Gouverneur von Donezk, der Oligarch Sergej Taruta. Er forderte die Bewohner der Millionenstadt auf, sie sollten sich nicht fürchten, die Stadt zu verlassen, es werde auf ukrainischer Seite für sie gesorgt. Die ukrainische Eisenbahn gab bekannt, daß sie bis auf weiteres täglich für Rückkehrwillige einen Sonderzug von Kiew in die kürzlich zurückeroberten und nach wie vor stark beschädigten Städte Slowjansk und Kramatorsk fahren läßt. Der Großteil der Flüchtlinge aus dem Donbass hat allerdings den Weg nach Osten genommen. ...
In der ukrainischen Innenpolitik verschärft sich unterdessen der Druck auf die Kommunisten und die ehemals regierende Partei der Regionen (PR). Angehörige der rechten Regierungsparteien zerrten einen Abgeordneten der PR von der Rednertribüne, nachdem er den Regierenden vorgeworfen hatte, auf die eigenen Bürger zu schießen. Eine für Donnerstag geplante Geheimsitzung des Parlaments zur militärischen Lage soll ebenfalls ohne Vertreter von PR und KPU stattfinden. Da es hierfür keine rechtliche Grundlage gibt, kündigte der für seinen Hang zur Handgreiflichkeit bekannte Swoboda-Abgeordnete Igor Miroschnitschenko an, die Teilnahme der unerwünschten Oppositionsvertreter notfalls »praktisch« zu verhindern.
" (junge Welt, 23.7.14)

• Russische Informationen gegen Kiewer Lügen und westliche Propaganda
"... man mußte kein Experte sein, um zu erkennen, daß die Russen harte und jederzeit überprüfbare Fakten auf den Tisch legten. Das hat der Westen zur Untermauerung seiner wilden Beschuldigungen gegenüber Rußland und den sogenannten Prorussen nicht getan, obwohl zumindest die USA dazu in der Lage wären. So wiesen die russischen Militärs z.B. darauf hin, daß sich ein neuer US-Spionagesatellit ausgerechnet zum Zeitpunkt des Absturzes über diesem Gebiet befunden hatte. Sie forderten Washington auf, die dabei gemachten Bilder der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.
Im einzelnen konnten die Russen die Machthaber in Kiew mehrfach der Lüge überführen. Diese hatten behauptet, keines ihrer Kampfflugzeug habe sich in der Nähe der Absturzstelle befunden. Hier nun wurde nachgewiesen, daß ein üblicherweise mit R-60-Luft-Luft-Raketen bewaffnete Jäger vom Typ SU-25 auf die Flughöhe der Boeing 777 geklettert war, um sich ihr kurz vor ihrem Absturz auf 3500 Meter zu nähern und in diesem Abstand bis zum Absturz verblieb. Unerklärt bleibt vorläufig auch die Tatsache, daß die ukrainischen Buk-Radarstationen ausgerechnet an diesem Tag auf Hochtouren liefen, während sie davor und danach mit ein viertel Last oder nur halber arbeiteten.
Moskau konnte mit Hilfe von detaillierten Satellitenaufnahmen den Kiewern eine weitere faustdicke Lüge nachweisen: Am Tag des Absturzes war ein Buk-Luftabwehrsystem direkt an der Front, etwa 50 Kilometer südlich der Hauptstadt des Gebietes, Donezk, im freien Feld, d.h. offensichtlich in Kampfstellung, eingesetzt. Es befand sich in Reichweite zu Flug MH-17 und zur Absturzstelle. Die Moskauer Militärs fragen: Warum gab es diese Buk-Vorwärtsverlegung, obwohl die Volksmiliz nicht über eigene Flugzeuge verfügt? Warum wurde die malaysische Maschine von der ukrainischen Luftverkehrskontrolle in Kiew ausgerechnet am Tag des Absturzes von ihrer normalen Route 40 Kilometer weiter nördlich auf die todbringende Bahn gelenkt? Warum beschlagnahmten Sturmtruppen des Kiewer »Sicherheitsministeriums« die Tonbänder mit den Gesprächsprotokollen zwischen MH-17 und der Luftverkehrskontrolle in Kiew ohne Angabe von Gründen noch am 17. Juli?
Trotz der Entlarvung der Faschisten im »Sicherheitsministerium« und ihrer westlichen Adepten bleiben viele Fragen. Denn bei der Übertragung auf RT wurde auch deutlich: Die russischen Militärs legten in der Hauptsache die Ergebnisse der zivilen Luftüberwachung vor, um dem Westen keinen Einblick in die Fähigkeiten ihrer militärischen Systeme zu gewähren. Aber sie haben mit ihrer Präsentation deutliche Signale gesetzt. Von Experten war zu erfahren, daß Moskau dank der militärischen Aufklärung noch über weitaus genauere Informationen verfügt. Die könnte es bei Bedarf in vertraulichen bilateralen Treffen, z.B. mit Malaysia, auf den Tisch legen. Das ist offensichtlich mit China bereits geschehen, und die chinesischen Fachleute sollen dem Vernehmen nach von dem Vorgelegten überzeugt worden sein. Das würde erklären, warum sich das in solchen Fällen stets sehr vorsichtige und zurückhaltende offizielle Peking am Montag hinter Moskau stellte und gegen die US-Anschuldigungen verteidigte." (junge Welt, 23.7.14)
Rainer Rupp weist in der gleichen Ausgabe der Zeitung junge Welt nach, wie der Westen mit gefälschten "Beweisen" Stimmung gegen Russland macht: "Peinliche Täuschungsmanöver"

• Hat ein mysteriöser ukrainischer Überläufer für die Aufständischen auf den Raketenstartknopf gedrückt?
Robert Parry schreibt in einem weiteren Beitrag auf consortiumnews.com am 22.7.14 zum Absturz von MH 17, dass die US-Geheimdienste jetzt vermuten, dass ein ukrainischer Überläufer die Boden-Luft-Rakete für die Aufständischen gestartet haben könnte. Damit solle vielleicht erklärt werden, meint Parry, warum CIA-Analytiker auf den Satellitenbildern von den Raketenstartanlagen Bedienungspersonal in ukrainischen Uniformen entdeckten. Darauf habe ihn ein Informant aus Geheimdienstkreisen aufmerksam gemacht. Deshalb würde die US-Regierung nun verschiedene Verrenkungen machen, um eine Schuld der ostukrainischen Rebbelen konstruieren zu können. Parry verwiest auf einen Beitrag der Los Angeles Times vom 22.7.14, in dem es heißt, dass die Identität der Bedienungsmannschaft nicht festgestellt werden könne: "U.S. intelligence agencies have so far been unable to determine the nationalities or identities of the crew that launched the missile. U.S. officials said it was possible the SA-11 was launched by a defector from the Ukrainian military who was trained to use similar missile systems." "Aber es gibt eine andere naheliegende Erklärung", so der US-Journalist, welche die US-Geheimdienste anscheinend nicht akzeptieren wollen: "dass die Rakete von jemand gestartet wurde, der für das ukrainische Militär arbeitet." Parry stellt fest, dass es so aussieht, dass wie im Vorfeld des Irak-Krieges 2003 ein weiteres Mal Geheimdiensterkenntnisse in die politisch gewünschte Richtung gedreht würden.

• Will Obama die Konfrontation mit Russland der EU überlassen?
Die Los Angeles Times macht in einem Beitrag vom 22.7.14 darauf aufmerksam, dass US-Präsident Barack Obama innerhalb der USA für seine zurückhaltende Reaktion im Zusammenhang mit der MH 17-Katastrophe kritisiert wird. Von ihm werde eine klarere Haltung und Reaktion gegenüber Russland erwartet auf die vermeintlich von den Aufständischen mit russischer Hilfe ausgelöste Katastrophe.
Doch dem Bericht zufolge folgt die "low key"-Haltung einer zielgerichteten langfristigen Strategie. US-Regierungsvertreter würden ein "long play game" spielen und "Europa" Zeitlassen, bis es härter gegen Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin vorgehe und für seine vermeintliche Rolle im Ukraine-Konflikt bestrafe. Die MH 17-Katatstrophe könnte dafür der Anlass sein ("... hopeful that the downing of Malaysia Airlines Flight 17 will be a pivot point"). Eine empörte Öffentlichkeit in Europa solle die Arbeit übernehmen und Druck auf die EU-Politiker ausüben anstelle eines drängenden US-Präsidenten. Durch eine aggressive Rhetorik es als eine Moskau-Washington-Konfrontation wirken zu lassen, wäre kontraproduktiv, werden US-Regierungsbeamte zitiert. Zumindest würden einige US-Experten diese Strategie kritisch sehen. 

• Nicht die sterblichen Überreste von allen Passagieren von MH 17 überführt
"Im Zug mit Leichen der beim Absturz eines malaysischen Passagierjets über der Ostukraine am 17. Juli ums Leben gekommenen Fluggäste befinden sich nach Worten eines niederländischen Experten nur 200 statt der von den ukrainischen Behörden angekündigten 282 Körper. Das berichtete die „Washington Post“ am Dienstag.
„Das einzige, wessen ich mir sicher bin, ist die Zahl (der Leichen) – 200“, sagte der Experte und gab zu, dass es ziemlich kompliziert war, sie zu zählen. „Die restlichen Leichen sollen gefunden werden. Wir müssen sie finden“, fügte er hinzu.
Zuvor hatte ein ranghoher Vertreter der ukrainischen Regierung mitgeteilt, dass an der Absturzstelle im Raum von Donezk 282 Leichen und 87 Fragmente der restlichen 16 Körper gefunden worden waren. Ein Zug mit vier Kühlwaggons war am Dienstag im ostukrainischen Charkow eingetroffen. Am Mittwoch sollen die Leichen zur Identifizierung in die Niederlande überführt werden. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)
Euronews nannte am 22.7.14 eine andere Zahl: "In einem Zug kamen sie in Charkiw an, die sterblichen Überreste von 251 Opfern des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine. Unter Polizeibewachung fuhren die Waggons mit den Leichen auf den Bahnhof einer Panzerfabrik. Von hier aus sollen die Toten nun so schnell wie möglich in die Niederlande überführt werden. ..."

• "Propagandaschlacht um Flugzeugabsturz"
"Seit dem mutmaßlichen Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs am vergangenen Donnerstag läuft die westliche Sensationsmedienmaschinerie heiß. Die niederländische Boulevardzeitung De Telegraaf hatte die Täter sofort ausgemacht: „Moordenaars“ („Mörder“) war am Samstag über und neben Fotos von Anführern der prorussischen Separatisten, darunter Igor Strelkow, ihren Kommandeur und Verteidigungsminister der Volksrepublik Donezk, zu lesen. The Mail On Sunday behauptete, „zwei britische Familien“ seien von „Putins Terroristen“ ausgelöscht worden. Auch Bild ist ganz vorn mit dabei, wenn es um die Verbreitung (vor)schneller Urteile geht: „Er besetzte für Moskau die Krim, entführte deutsche Geiseln in der Ukraine – nun ließ er offenbar Flug MH-17 und damit 298 unschuldige Menschen vom Himmel schießen!“, meint das Springer-Medium über Igor Strelkow zu wissen. ...
Das europäische und US-amerikanische Medienestablishment übernimmt mehr oder weniger unisono die Version der Behörden in Kiew, die ohne Fakten präsentieren zu können, einfach behaupten, die Maschine sei von den Milizen der Volksrepublik Donzek vom Himmel geholt worden – obwohl die prorussischen Kräfte vehement bestreiten, in dem Besitz von Raketen zu sein, die Flugziele in 10.000 Metern Höhe, wo MH-17 zum Zeitpunkt des Unglücks verortet wurde, erreichen könnten.
Selbst als seriös geltende Medien sind aus dem Häuschen: Die Neue Zürcher titelte: „Erste Spuren führen zu Separatisten“. Außer von den VKontakte-Einträgen, auf die sich die Zeitung ebenfalls stützt – die Gewissheit hat sie sich durch den US-amerikanischen Sender CNN verschafft, der sie wiederum vom US-amerikanischen Geheimdienst hat, der diese Version für „sehr wahrscheinlich“ hält, weil ein „namentlich nicht genannter Sicherheitsbeamter, der an den amerikanischen Untersuchungen zur Flugzeugkatastrophe beteiligt ist“, sie verlautbart haben soll. ...
Die andere Konfliktpartei hat erwartungsgemäß eine ganz andere Sicht der Dinge – vor allem auf die Frage der Schuld an dem schrecklichen Ereignis am 17. Juli. So melden russische Quellen erhebliche Zweifel an, dass der Fall MH-17 einfach als so gut wie erledigt betrachtet werden kann. ...
Der russische Präsident Putin hat indes erkannt, dass der Absturz von MH-17 die Eskalation in der Ukraine mindestens eine weitere Stufe höher treibt. Am Montag bekräftigte er in einer Videobotschaft die Aussage, seine Regierung sei nicht für die Katastrophe verantwortlich. Zudem warnte Putin eindringlich vor einem politischen „Missbrauch“ des Vorfalls. Hätte die Regierung in Kiew die Offensive gegen die Anti-Maidan-Kämpfer im Osten des Landes nicht wiederaufgenommen, wäre das Unglück nicht geschehen, so die Argumentation des Kreml-Chefs, der betonte, er werde die Initiative, die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) in die Ermittlungen der Absturzursache einzubeziehen, aktiv unterstützen. Eine internationale Kommission solle die Untersuchungen so schnell wie möglich aufnehmen. ..." (Susanne Witt-Stahl auf hintergrund.de, 22.7.14)

• Kiew: Dialog nur mit dem "wahren Volk" vom Donbass
"Die ukrainischen Behörden werden den Dialog nach Worten von Außenminister Pawel Klimkin ausschließlich mit dem „wahren Volk der Donbass-Region“ führen. „Mit der Führung der Volkswehr, die nach Ansicht Kiews mit Russland verbunden ist, wollen wir nichts zu tun haben“, sagte Klimkin am Dienstag in Brüssel bei einer Anhörung im Europaparlament.
Es liege klar auf der Hand, dass die von Russland unterstützten Terroristen nach Russland zurückkehren sollten. Allein schon aus moralischer Hinsicht könnte Kiew nicht mit den Terroristen verhandeln, sagte der Minister." (RIA Novosti, 22.7.14)

Livingstone: Ukraine ist ein „dysfunktionaler“ Staat
"Die Ukraine ist laut dem Londoner Ex-Bürgermeister Ken Livingstone ein „dysfunktionales“ Land, das 1991 „kurzerhand zusammengelegt“ wurde. Eine Konsolidierung sei bei dem jetzigen politischen Kurs Kiews kaum noch möglich.
„Die einfache Tatsache ist, dass die Ukraine ein dysfunktionales Land ist“, sagte der britische Politiker dem Sender RT. Nach seiner Einschätzung ist Präsident Pjotr Poroschenko nicht in der Lage, die Ukraine zu vereinen, ohne dass er der Bevölkerung im Osten und Russland die Gewissheit gibt, dass die Ukraine nicht der Nato beitreten und keine Atomwaffen gegen Russland auf ihrem Gebiet stationieren lassen wird. Auch müsse die Bevölkerung der Ostukraine die Gewissheit haben, dass sie weder unterdrückt noch als Menschen zweiter Sorte behandelt werde.
In der Ost-Ukraine müsse eine Regierung nach dem Vorbild von Schottland oder Wales gebildet werden, so Livingstone weiter. Doch bislang deute alles darauf hin, dass „die ukrainische Regierung zu Zugeständnissen, die diesen lokalen Bürgerkrieg beenden könnten, nicht bereit ist“. Russland habe keine Destabilisierung in der Ukraine verursacht, so Livingstone weiter. „Die ukrainische Nation ist gespalten. Sie wurde beim Zerfall der Sowjetunion kurzerhand in einen Staat zusammengelegt.“ Der russische Präsident Wladimir Putin sei lediglich um eine sichere und stabile Umgebung um Russland herum bemüht. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)

hier geht's zu Folge 37

alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


siehe auch: "Das Morden geht weiter, Europa schaut verschämt weg"   

Dienstag, 22. Juli 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 37

36. Fortsetzung der gesammelten Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 21:22 Uhr)

• Ex-Russia Today-Journalist: Putin ist verantwortlich
"... Wir schalten nach Moskau zum freien Journalisten Alexander Sambuk. Er war zuvor beim russischen Staatsfernsehen "Russia Today" beschäftigt und er ist dort wegen Differenzen gegangen. ...
Heckmann: Herr Sambuk, die britische "Times", die kommentierte dieser Tage, Wladimir Putin müsse aufpassen, nicht so zu enden wie Muammar al-Gaddafi, der Langzeit-Diktator Libyens, der ja ebenfalls für den Abschuss einer Passagiermaschine verantwortlich gemacht wurde und der schließlich als Paria endete. Ist dieser Vergleich maßlos übertrieben, oder ist da was dran?
Sambuk: Da ist bestimmt was dran, obwohl wir nichts wissen über das reale Ausmaß der Mitverantwortung von Putin für den Abschuss. Klar ist jedoch, der Abschuss der malaysischen Boeing, eines Passagierflugzeuges, stand nicht im Drehbuch seines abenteuerlichen Spiels in der Ostukraine. Aber so oder so ist er Schuld daran, dass die sogenannten Separatisten oder ihre Söldner aus Russland überwiegend mit russischen Waffen versorgt werden und mit anderem Nachschub, der letztendlich auch dazu führen kann, dass man verfehlt oder quasi gezielt auch auf Passagierflugzeuge schießt. ...
Heckmann: Aber genau das bestreitet ja der Kreml, dass die Separatisten von russischer Seite aus mit schweren Waffen beliefert worden sind.
Sambuk: Ja, daran ist nichts Neues. Natürlich, wir haben noch keine hundertprozentigen Beweise, aber ich würde die Aufmerksamkeit lenken auf die Nervosität von Putin selbst, auf eine Ratlosigkeit russischer Medien, der vom Staat gelenkten Medien in den ersten Stunden, in den ersten Tagen nach dem Abschuss des malaysischen Flugzeuges. Das deutet meiner Ansicht nach darauf hin, dass Russland sehr, sehr große Angst hat über die Folgen von diesem tragischen Ereignis. ..." (Deutschlandfunk, 22.7.14)
Deutungen statt Beweise und Belege, wenn so journalistisch gearbeitet wird ...


• Britische Experten werten MH 17-Flugschreiber aus
"Britische Experten werden die Flugschreiber der malaysischen Boeing 777 auswerten, die in der vergangenen Woche über der Ost-Ukraine abgestürzt ist. Dies bestätigte Premierminister David Cameron am Dienstag.
„Wir haben der Anfrage aus den Niederlanden zugestimmt", teilte Cameron via Twitter mit. Nach seinen Angaben werden die Experten aus der Behörde für Untersuchung der Flugunfälle in Farnborough die Auswertung der МН17-Flugschreiber übernehmen. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)

• "Manipulation des Flugdatenschreibers fast unmöglich"
"Als die prorussischen Separatisten in der Nacht zum Dienstag den Flugschreiber der über der Ostukraine abgeschossenen Boeing 777 (Flug MH17) an die malaysische Flugbehörde übergaben, wurden gleich Zweifel laut, dieser könnte manipuliert sein. Immerhin geschah das Unglück am Donnerstagabend – das macht rund vier Tage.
Vier Tage, in denen die Blackbox – zumindest theoretisch – geöffnet, ausgelesen, umprogrammiert, wieder geschlossen und zurückgegeben werden hätte können.
Oberst Gerfried Promberger vom österreichischen Bundesheer bremste am Dienstag im Gespräch mit dem STANDARD solche Spekulationen ein: "Zunächst muss geprüft werden, ob die Siegel, mit denen jede Blackbox verschlossen wird, manipuliert oder gebrochen wurden. Das ist relativ schnell und leicht nachweisbar."
Dann hätten die Rebellen wohl nicht die Möglichkeit und Kompetenz, die tausenden Parameter, die von einem Flugschreiber in jeder Flugminute protokolliert werden, zu verändern, meinte der Kommandant beim Überwachungsgeschwader in Zeltweg. "Hier geht es um abertausende Zahlenreihen: Triebwerkseinstellungen und deren tatsächliche Funktion, Winkel der Leitwerke, Geschwindigkeit, Richtung, Flughöhenentwicklung und so weiter. Jede Manipulation dieser Zahlenreihen würde das Gesamtbild in seiner Schlüssigkeit zerstören."
Dazu kommt noch erschwerend, dass bei der Suche nach einer Absturzursache immer auch der jeweilige Flugzeugkonstrukteur eingebunden werden müsse, so Promberger. Nur die Hersteller – wie in diesem Fall Boeing – hätten das nötige Wissen und die technische Infrastruktur, um die Blackbox-Daten sinnerfassend auszulesen und zu interpretieren, so Promberger. Das geschehe stets offiziell und im Beisein der jeweils betroffenen Luftfahrtbehörde. ..." (Der Standard online, 22.7.14)

•Putin: Westliche Logik im Ukraine-Konflikt "merkwürdig und unannehmbar"
"Als merkwürdig und unannehmbar hat Russlands Präsident Wladimir Putin die „Logik des Westens“ im Ukraine-Konflikt bezeichnet: Von dieser Logik her müsse Russland entweder den Tod von Zivilisten dulden oder mit Sanktionen rechnen.
„Russland werden beinahe Ultimaten gestellt: Entweder lasst ihr uns den Teil der Bevölkerung, der ethnisch, kulturell und historisch mit Russland verbunden ist, vernichten oder wir verhängen Sanktionen gegen euch“, sagte Putin am Dienstag in Moskau. „Diese Logik ist merkwürdig und natürlich absolut inakzeptabel.“
Putin erinnerte daran, dass es im Februar in Kiew zu einem bewaffneten und verfassungswidrigen Machtwechsel gekommen war. „Nach dem Umsturz hat es Wahlen gegeben, die auf merkwürdige Weise wieder diejenigen an die Macht gebracht haben, die den Umsturz finanziert beziehungsweise vollzogen hatten“. Jener Teil der Bevölkerung, der diese Entwicklung nicht akzeptiert habe, werde nun „mit Gewalt unterdrückt“. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)
Putin warnte laut Deutschlandradio Kultur dabei auch vor der Einmischung in die inneren Angelegenheiten Russlands, auch wenn das nicht akut sei. Zu den Sanktionsdrohungen sagte er: "In der heutigen Zeit wird immer häufiger die Sprache der Ultimaten und Sanktionen gesprochen. Selbst der Begriff der Souveränität verschwimmt. Unerwünschte Regierungen in Ländern, die eine unabhängige Politik machen oder bloß den Interessen von irgendjemandem im Weg stehen, werden destabilisiert. Dafür werden die sogenannten farbigen Revolutionen gebraucht. Wenn man das Kind beim Namen nennt, dann sind das einfach Staatsstreiche, die von außen provoziert und finanziert werden."
Dass das vielleicht viel schneller akut als gedacht sein kann, das zeigt u.a. ein Beitrag des private US-Nachrichtendienstes Stratfor vom 21.7.14: "Can Putin survive?"

• Putin: Alles tun für Aufklärung
"Russland wird laut Präsident Wladimir Putin alles tun, was von ihm abhängt, um zu einer vollständigen Ermittlung zum Absturz der malaysischen Boeing im ukrainischen Osten beizutragen. „Es ist selbstverständlich eine schreckliche Tragödie. Russland wird für eine vollwertige, allseitige und transparente Ermittlung alles tun, was von ihm abhängt“, sagte Putin am Dienstag in einer Sitzung des russischen Sicherheitsrats. “Wir werden aufgefordert, Druck auf die Volkswehr auszuüben. Alles, was in unserer Kraft steht, werden wir natürlich tun, aber es reicht noch lange nicht.“ ..." (RIA Novosti, 22.7.14)

• Kiew erwartet Hilfe von EU gegen Russland
"Ukrainischer Außenminister Pawlo Klimkin erwartet, dass die Europäische Union heute klare Entscheidungen zur Unterstützung der Ukraine angesichts der Fortsetzung der militärischen Aggression seitens Russlands trifft. Das kündigte er am Dienstag in Brüssel vor Beginn der Sitzung der Außenminister der EU und der Länder der Östlichen Partnerschaft an, berichtet der eigene Ukrinform-Korrespondent.
„Wir brauchen eine einheitliche Position der Europäischen Union. Wir erwarten, dass die Europäische Union einstimmig spricht. Wir brauchen nicht nur die harten Worte, sondern auch Handeln von der EU. Ich hoffe sehr, dass die Außenminister wichtige Entscheidungen bezüglich der weiteren Maßnahmen und der klaren Unterstützung der Ukraine und der Solidarität mit dem Land treffen werden“, sagte Klimkin." (Ukrinform, 22.7.14)

• Aufständische verlassen ostukrainische Städte
"Einheiten der Volkswehr-Milizen haben am Dienstag die Städte Sewerodonezk und Lissitschansk im Osten der Ukraine verlassen, teilt die selbsterklärte Volksrepublik Lugansk auf ihrer offiziellen Webseite mit. „Die Einheiten von Alexej Mosgowoi und Kosaken-Ataman Kosizyn haben die Städte verlassen“, heißt es.
Der ukrainische Parlamentschef Alexander Turtschinow teilte am Dienstag in einer Parlamentssitzung mit: „Die Nationalgarde ist zusammen mit den ukrainischen Streitkräften in die große Stadt Sewerodonezk eingezogen. Momentan wird die Stadt von Terroristen gesäubert.“  Turtschinow berief sich dabei auf den Innenminister Arsen Awakow. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)

• Mandat für Ukraine-Sondermission der OSZE verlängert
"Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat laut einer via Twitter verbreiteten Mitteilung am Dienstag das Mandat für die Sonder-Beobachtermission in der Ukraine um weitere sechs Monate verlängert.
Das zunächst für ein halbes Jahr befristete Mandat war am 21. März in einer Sitzung des ständigen OSZE-Rats erteilt worden. Demgemäß können 100 bis 500 Beobachter entsandt werden. Das zentrale Büro der Mission befindet sich in Kiew. Die weiteren neun  Einsatzorte sind Donezk, Dnepropetrowsk, Iwano-Frankowsk, Lugansk, Lwow, Odessa, Charkow, Chersson und Tschernowzy. Jede Veränderung des Mandats bedarf der Zustimmung aller 57 OSZE-Mitgliedsstaaten." (RIA Novosti, 22.7.14)

• Australischer Premier: Beweismittel von MH 17-Absturz vor Ort gefälscht
"An der Absturzstelle des Passagierflugzeuges der Malaysia Airlines gab es eine große Fälschung von Beweisen. Das erklärt der Premierminister Australiens Tony Abbott, berichtet der Fernsehsender ABC. „Wir haben die Fälschung von Beweisen in großem Ausmaß gesehen, und man muss diesem, natürlich ein Ende bereiten“, sagte Abbott.
Er betonte dabei, dass am Katastrophenort die Sicherheit garantiert werden soll, und besser wäre es, wenn sie mit der Teilnahme von den Polizeikräften der Länder gewährleistet wird, deren Bürger von der Tragödie betroffen wurden." (Ukrinform, 22.7.14)

• Trotz ukrainischer Finanzprobleme höhere Militärausgaben
"Die Ukraine wollte ihren Haushalt für dieses Jahr verringern, um den Forderungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nachzukommen. In Wahrheit ist jedoch genau das Gegenteil der Fall, schreibt die Zeitung "RBC Daily" am Dienstag.
Wegen der Gefechte im Osten des Landes müssen die Kiewer Behörden die Ausgaben um 600 Millionen Dollar erhöhen. Die Regierung legte der Obersten Rada (Parlament) einen Gesetzentwurf über Haushaltsänderungen vor. Für die „Anti-Terror-Operation“ im Osten will Kiew 1,5 Milliarden Dollar ausgeben. Diese Summe enthält allerdings die Ausgaben vom ersten Halbjahr. Für die zweite Jahreshälfte sind nach Einschätzung des Finanzministers Alexander Schpalak mehr als 800 Millionen Dollar erforderlich.
Wegen des Kriegs muss Kiew bei anderen Haushaltsposten sparen. So schlägt die Regierung eine Kürzung der Ausgaben für die Vollzugsbehörden um 70 Prozent im Vergleich zu den Ausgaben zum 1. Juli vor. Um 90 Prozent sollen in den kommenden zwei Monaten die Ausgaben für andere Behörden (ausgenommen Sicherheitsbehörden) reduziert werden. ...
Die Sozialausgaben werden dagegen nur unwesentlich reduziert. Das würde bei der Bevölkerung sehr schlecht ankommen, die sich ohnehin auf einen Anstieg der Inflationsrate und der Kommunalausgaben gefasst mache, sagte der Leiter der ukrainischen Ratingagentur IBI-Rating, Grigori Pererwa. „Eine weitere Kürzung der Sozialhilfen würde bedeuten, dass das Lebensniveau eines bedeutenden Teils der Bevölkerung unter der ‚Armutsgrenze‘ liegen würde“, so der Experte. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)

• Cameron droht Putins Freunden, Steinmeier: Sanktionen wirken
"Der britische Premierminister David Cameron erklärt, dass die EU die Frage über die Verhängung von wirtschaftlichen Sanktionen gegen Russland, einschließlich der Sperrung von Vermögenswerten der „Freunde und Oligarchen“ aus Putins Umgebung, behandeln muss. Das meldet Voice of America.
„Am Mittwochabend konnte ich einige Fortschritte zu diesem Thema erreichen und ich hoffe, noch weiter (beim Treffen der EU am Dienstag - Red.) vorwärts zu kommen, aber ich glaube, dass es die Zeit für die dritte Stufe der Sanktionen gekommen“, sagte Cameron." (Ukrinform, 22.7.14)
"Für seine Politik in Bezug auf die Ukraine zahlt Russland bereits einen hohen Preis, da sich die Sanktionen auf seine Wirtschaft noch vor ihrer Verhängung auswirken. Das sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in dem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Bild-Zeitung, berichtet die Ukrinform-Korrespondentin aus Deutschland.
„Die Sanktionen bringen das Ergebnis noch vor der Annahme der entsprechenden Entscheidung: Kapitalabfluss, Abschwung der Wirtschaft, Sanktionslisten – all das gibt es schon, und Russland zahlt bereits einen hohen Preis für seine Politik“, sagte er. Trotzdem hält der deutsche Diplomat es für notwendig, Druck auf Moskau zu erhöhen. ..." (Ukrinform, 22.7.14)

• Teilmobilmachung von Parlament in Kiew beschlossen
"Die Abgeordneten der Ukraine billigten den Erlass des Präsidenten der Ukraine „Über die Teil-Mobilmachung". Wie ein Ukrinform-Korrespondent meldet, haben für diese Entscheidung 232 Deputierte gestimmt. Nach dem Gesetz wird die Mobilmachung innerhalb von 45 Tagen ab dem Datum des Inkrafttretens der Verordnung durchgeführt.
„Die Notwendigkeit der Annahme der Entscheidung über die Teil-Mobilisierung ist durch die Ausbreitung des Terrorismus auf dem Territorium der Ukraine bedingt, der zum Tod von Zivilisten, Soldaten, Mitgliedern der Militärformationen und der Rechtsschutzorganen der Ukraine in den östlichen Regionen des Landes führt“, steht im Erklärungsschreiben zum Gesetz. Der Grund für die Einführung der Mobilmachung wurde auch die Konzentration der russischen Truppen an der Grenze. ..." (Ukrinform, 22.7.14)

• Ukraine will Verbündeten-Status der USA außerhalb der NATO
"Kiew erwägt laut dem ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko die Beantragung eines Verbündeten-Status der USA außerhalb der Nato. Wie er in einem CNN-Interview betonte, „müssen alle Methoden“ zur Deeskalation in der Ukraine angewendet werden. „Wenn dabei Sanktionen helfen, müssen Sanktionen beschlossen werden. Wenn nicht – dann sollten wir vielleicht an den US-Kongress appellieren, damit er uns den Status eines Hauptverbündeten außerhalb der Nato gewährt.“ Diesen Status haben nach seinen Worten momentan Israel, Japan, Südkorea und die Philippinnen.
Zuvor hatte die Nato im Zusammenhang mit der Situation um die Ukraine eine Reihe von Maßnahmen getroffen, die die Allianz mit der Notwendigkeit begründet, die Sicherheit der Verbündeten zu gewährleisten. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)
Hier kann das CNN-Interview mit Poroschenko nachgeschaut werden

• "US-Vorwürfe an Russland unbegründet und unverschämt"
"Die US-Vorwürfe gegen Russland wegen der angeblichen Lieferung des Buk-Flugabwehrsystems an die ukrainischen Aufständischen, mit denen die malaysische Boeing abgeschossen worden sein soll, sind unbegründet, unverschämt und ähneln den manipulierten Vorwürfen gegen den Irak, die einst als Anlass zum Beginn einer Militäroperation unter US-Teilnahme benutzt wurden, wie der Chefredakteur der Militärzeitschrift „Nazionaljnaja Oboroba“ (Nationale Verteidigung), Igor Korotschenko, äußert. ...
Auf der Webseite der US-Botschaft in Russland wurde am Sonntag ein Dokument veröffentlicht, in dem „die US-Regierung den Absturz des abgeschossenen Flugzeugs der Malaysia Airlines und seine Folgen einschätzte“. Demnach soll die Boeing von einer Boden-Luft-Rakete des Typs Buk aus dem von Separatisten kontrollierten Gebiet in der Ostukraine abgeschossen worden sein. Zudem enthält das Dokument Vorwürfe gegen Russland wegen angeblicher Waffenlieferungen an die Aufständischen. Die US-Regierung beruft sich in diesem Dokument unter anderem auf Meldungen in sozialen Netzwerken.
„Haben die Amerikaner womöglich etwas zu verbergen? Die Amerikaner haben optisch-elektronische Beobachtungssatelliten wie KeyHole-11 und KeyHole-12, die die Kampfzonen jeden Tag ständig überwachen. In der Nacht nutzen die Amerikaner den Aufklärungssatelliten Lacrosse, der im Weltall Informationen sammelt“, sagte Korotschenko in einem Interview mit dem TV-Sender „Rossija 24“. Wären die Flugabwehrsysteme tatsächlich aus Russland in die Ukraine gebracht und anschließend zurückgebracht worden, wie Washington behauptet, wäre das sofort entdeckt worden, so der Experte.
„Es ist unmöglich, das vor modernen Aufklärungsapparaten zu verheimlichen. Es kann mit dem großen Spektakel verglichen werden, als US-Außenminister Colin Powell im Februar 2003 ein Röhrchen mit einem weißen Pulver schüttelte und sagte, dass sich dort Anthrax befinde, mit dem Saddam Hussein die gesamte Welt vergiften wolle“, so Korotschenko. ...
" (RIA Novosti, 22.7.14)
siehe auch: "Air Force Gen. Philip M. Breedlove, the U.S. commander of NATO forces in Europe, said late last month that there was clear evidence that Ukrainian rebels were being trained on Russian territory on how to operate “vehicle-borne” antiaircraft batteries. “We have not seen any of the air-defense vehicles across the border yet, but we’ve seen them training in the western part of Russia,” he said at a Pentagon news conference." (Washington Post, 18.7.14)
Ich hatte am 20.7.14 Folgendes dazu bemerkt: "Dass es vielleicht nur die russischen Truppen vor der Grenze selbst sein könnten, die da „an schwerer Ausrüstung, an Panzern, gepanzerten Truppentransportern und Flugabwehrsystemen“ ausgebildet wurden, das wird ausgeschlossen."

• US-Journalist: US-Geheimdienste wissen, wer MH 17 abgeschossen hat
"Die USA verfügen laut dem amerikanischen Investigationsjournalisten Robert Parry über Satellitenbilder, die belegen, dass die malaysische Boeing MH17 vom ukrainischen Militär abgeschossen worden ist.
Die Aufnahmen sollen eine ukrainische Flugabwehr-Batterie zeigen, die sehr wahrscheinlich die Rakete abgefeuert habe, so Parry in einem Beitrag auf dem unabhängigen Portal consortiumnews.com. Dabei beruft sich der Reporter auf einen „verlässlichen Informanten“ aus US-Geheimdienstkreisen. In dem Medienrummel um den Boeing-Absturz mangle es an professioneller Skepsis, so  Parry weiter. Es würden nämlich keine Schüsselfragen gestellt und keine Antworten gegeben. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)
Wer derzeit den Link zu Parrys Beitrag aufruft, bekommt leider das zu lesen: "Service Temporarily Unavailable
The server is temporarily unable to service your request due to maintenance downtime or capacity problems. Please try again later."

• Poroschenko will Teilmobilmachung
"Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko hat dem Parlament (Werchowna Rada) seinen Erlass über die Teilmobilmachung zur Billigung vorgelegt, heißt es in einer Mitteilung auf seiner Internetseite. Wie zuvor mitgeteilt wurde, wird das Parlament das Dokument am Dienstag vorrangig behandeln.
Die Notwendigkeit dieses Schrittes wird mit der „Ausbreitung der Terroraktivitäten in der Ukraine begründet, welche zum Tod von Zivilisten, Militärs sowie Angestellten von Truppenteilen und Rechtsschutzorganen der Ukraine in östlichen Regionen des Landes führen“, heißt es in der Mitteilung. ..." (RIA Novosti, 22.7.14)

• Kiewer Truppen angeblich von Russland aus beschossen
"Die Positionen der ATO-Kräfte wurden wieder aus dem Territorium der Russischen Föderation beschossen. Darüber schrieb auf seiner Facebook-Seite Leiter des Zentrums für politisch-militärische Studien, Dmytro Tymtschuk.
„Aus dem Territorium Russlands sind die Positionen der ATO-Kräfte nahe des Dorfes Kumatschewo (aus Granatwerfern) und die Grenzstelle Dolzhanskij (Artillerie) beschossen worden“, teilte er mit." (Ukrinform, 22.7.14)

• MH 17-Flugschreiber und sterbliche Überreste der Passagiere übergeben
"“Hier sind sie”, sagte ein bewaffneter Separatist und stellte einen orangefarben Apparat auf den Tisch. In der Nacht auf Dienstag haben die ostukrainischen Rebellen die Flugschreiber der abgestürzten Boeing 777-200 an Malaysia übergeben.
Der malaysische Ministerpräsident Najib Razak hatte zuvor persönlich mit den Rebellen verhandelt. Mit der Unterzeichnung eines Dokuments besiegelten der Rebellenanführer und sogenannte Premier der selbstausgerufenen Republik Donezk und der malaysische Ermittler Oberst Mohamed Sakri die Übergabe.
Die ukrainische Regierung wirft den Rebellen den Versuch einer Manipulation der Daten des Flugschreibers vor. Bei der Entgegennahme sagte Sakri nach kurzer Inaugenscheinnahme nun: “Ich sehe, dass die Blackboxen intakt sind, beschädigt zwar, aber in gutem Zustand.”
Einige Stunden zuvor leiteten die Separatisten auch die Übergabe der Opfer ein. Im ostukrainischen Torez fuhren zwei Güterzüge los, in ihren Kühlwagons die Leichen von 282 Flugzeugpassagieren und weitere Körperteile. OSZE-Beobachter gehen davon aus, dass einige der insgesamt 298 Opfer beim Absturz völlig eingeäschert wurden. Die Züge werden nach einem Zwischenstop in Donezk am frühen Vormittag in Charkiw erwartet. ..." (Euronews, 22.7.14)

• Kiewer Truppen greifen Donezk an
"Im Schatten des Streits um den Abschuß des malaysischen Passagierflugzeugs über dem Donbass haben die Kiewer Streitkräfte den ersten direkten Angriff auf die Millionenstadt Donezk gestartet. Auf dem Gleisfeld des Hauptbahnhofes schlugen Granaten ein. Nach Angaben des lokalen Informationsportals 62.ua besetzten Soldaten mehrere Vororte im Nordwesten des Stadtzentrums. Nach Angaben der Aufständischen versuchte gleichzeitig eine Kolonne von Panzern vergeblich, von dem eingeschlossenen Flughafen von Donezk aus in die Innenstadt durchzubrechen. Bei den mehrstündigen Kämpfen wurden mindestens vier Menschen getötet. Die Stadtverwaltung rief die Bevölkerung auf, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.
Die Lebensverhältnisse im Donbass werden für die Zivilbevölkerung offenbar immer unerträglicher. Nachdem ein großer Trinkwasserkanal zum wiederholten Male durch Artilleriebeschuß unterbrochen wurde, gibt es im Moment in Donezk nur noch von 19 bis 22 Uhr fließendes Wasser. Die Bevölkerungszahl vieler Städte ist auf ein Viertel des Vorkriegsstandes zurückgegangen.
Nach Kiewer Angaben eroberten dessen Streitkräfte mehrere Ortschaften im Norden des Aufstandsgebiets und drangen in die Nachbarschaft der Industriestadt Lisitschansk vor. Um deren Vormarsch zu erschweren, sprengten die Aufständischen eine Straßenbrücke. Der Militärkommandant der Aufständischen, Igor Strelkow, schätzt die Situation offenbar als kritisch ein. ...
In Kiew kündigten sich unterdessen neue Repressionen gegen Oppositionelle an. Am kommenden Donnerstag beginnt das Verbotsverfahren gegen die Kommunistische Partei der Ukraine. Der amtierende Parlamentspräsident Olexander Turtschinow rief dazu auf, schnell die Geschäftsordnung des Hauses so zu ändern, daß die mit einem gültigen Mandat gewählte Fraktion der KPU noch in dieser Woche aufgelöst werden könne.
" (junge Welt, 22.7.14)

• US-Politiker und -Medien fordern: Russland bestrafen und Waffen für Kiew
"In der »politischen Klasse« der USA wächst die Aggressivität gegen Rußland. Ausgerechnet Präsident Barack Obama, der die Beziehungen zwischen den beiden Staaten auf einen Tiefpunkt geführt hat, muß sich gegen den Vorwurf verteidigen, schwach und tatenlos zu sein. Die Polemik kommt nicht nur von den Republikanern, sondern auch von nahezu allen einflußreichen Kommentatoren und Redakteuren der Mainstream-Medien. Aktuelles, emotionsträchtiges Thema ist seit Donnerstag der immer noch unaufgeklärte Absturz einer malaysischen Passagiermaschine über der Ukraine. Viele Politiker – allerdings bisher fast nur Republikaner – und so gut wie alle US-Medien fordern eine Rückkehr zum Kalten Krieg gegen Rußland.
Auch die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die den Vorsitz im Geheimdienstausschuß führt, ließ sich am Sonntag beim Sender CNN zu dem Satz hinreißen, »die Welt« müsse »endlich aufstehen und sagen: Uns reicht’s!« Aber dann fiel ihr ein, daß das »schwierig« sei, »weil man Rußland bei so vielen Dingen braucht: Iran, Syrien …« Diese Tatsache, so kann man immerhin mit Grund hoffen, wird zumindest in absehbarer Zeit das Ärgste verhindern.
... Senator Lindsey Graham forderte am Sonntag bei »Meet the Press« Waffenlieferungen an Kiew und nannte es »unverzichtbar«, daß die USA »führen« müßten. Schließlich seien sie »der Leim, der die freie Welt zusammenhält«. Obama aber sei »zum König der Unentschlossenheit« geworden.
Senator John McCain sprach sich am Donnerstag beim beliebten konservativen Moderator Sean Hannity ebenfalls für Waffenlieferungen an die ukrainische Regierung aus, setzte aber noch offen hinzu: »damit sie ihr Territorium zurückerobern können.« Außerdem müßten die USA eigene Truppen »in Gebiete« verlegen, »die von Wladimir Putin bedroht werden«. ..." (junge Welt, 22.7.14, S. 6)

• Konflikt tief in ukrainischer Gesellschaft verwurzelt
Lucas Wirl, Programmdirektor des Internationalen Netzwerks von Ingenieuren und Wissenschaftlern für Globale Verantwortlichkeit (INES), berichtet in Neues Deutschland vom 22.7.14 von einer Reise von Friedensaktivisten durch die Ukraine:
"... Vor allem im Westen der Ukraine werden auf den großen Nachbarn im Osten viele Feindbilder projiziert. »In Russland herrscht eine Ideologie, die das menschliche Bewusstsein versklavt«, sagte ein auf dem Maidan aktiver Charkiwer Psychologe und setzte fort: »Alle europäischen Nationen kämpften an einem bestimmten Punkt der Geschichte für ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Alle Nationen haben ihren Preis dafür bezahlt, und nun ist es an der Zeit, dass die Ukraine ihren zahlt.«
Russland und den Russen eine »sklavische« Ideologie zuzuschreiben, ist noch eine der »netteren« Erklärungen für die Zuspitzung der Ereignisse. Auf dem Kiewer Maidan findet man überall »Souvenirs« mit Vergleichen zwischen Hitler und Putin. Vorwürfe, auf der anderen Seite handle es sich um Faschisten, werden inflationär verbreitet. Die Angst vor dem großen Nachbarn sitzt tief und prägt den herrschenden Patriotismus teilweise stark militaristisch. ...
Vertreter der in der Ukraine nicht als Partei zugelassenen Organisation Borotba (Kampf) stehen auf der anderen Seite des Konflikts. Sie gehören zum Anti-Maidan und kritisieren einen zunehmenden Nationalismus, der andere Kulturen und Meinungen ausgrenzt. Auch sie bezeichnen die andere Seite als faschistisch und scheren damit eine ganze Bewegung über einen Kamm. Ein um sein Leben fürchtender Kiewer Borotba-Vertreter berichtete von der kulturellen und ethnischen Vielfalt des Landes, in dem nicht nur Russen als Minderheit, sondern über 100 Ethnien leben. Durch eine kulturelle Hegemonie und eine forcierte Ukrainisierung würden deren Kulturen unterdrückt. ...
Viele der Pro-Maidan-Gesprächspartner erkennen dagegen keinerlei legitime Ansprüche der Donbass-Region auf Selbstbestimmung. Sie beharren darauf, dass die »Volksrepubliken« durch kriminelle und terroristische Kräfte aus Russland gelenkt werden. Maria vom Koordinierungskomitee des Kiewer Maidans urteilte resolut: »Auf dem Maidan wurde für alle Ukrainer gekämpft, aber die Menschen aus dem Donbass verstehen das nicht.« ..."

• Manipulierte "Beweismittel" aus Kiew?
"Die Experten der ICAO, der Internationalen Organisation für zivile Luftfahrt, die am Montag in Kiew eintrafen, um Ursachen und Hergang der Flugzeugkatastrophe am Donnerstag zu untersuchen, sind nicht zu beneiden um ihren Auftrag. Nach wie vor lasten die ukrainische Führung und die Separatisten der jeweils anderen Seite die Schuld am Absturz der malaysischen Boeing 777 und am Tod von 298 Menschen an. Glaubt man dem russischen Staatsfernsehen, schreckt Kiew dabei vor Manipulation angeblicher »Beweise« nicht zurück.
Demzufolge sind die Audiodateien mit den digitalisierten Aufzeichnungen des Gesprächs prorussischer Milizenführer, die der ukrainische Geheimdienst SBU unmittelbar nach der Katastrophe öffentlich machte, eine Fälschung. Nikolai Popow, in Russland einer der besten Kenner der Materie, behauptet, es handle sich dabei um eine Collage, die aus Fragmenten mehrerer Unterhaltungen der Separatisten zusammengebastelt wurde. Eines davon sei, wie aus der Information der dazu verwendeten Datei hervorgehe, bereits am Tag vor der Tragödie aufgezeichnet worden. Dabei ging es um eine von den Separatisten bei der Siedlung Jenakijewo abgeschossene ukrainische Militärmaschine. ...
Auch der per Video »bewiesene« Rückzug von Raupenschleppern mit Raketen des Luftabwehrsystems Buk, von denen angeblich eine fehlte, in Richtung der Grenze zu Russland, ist demzufolge auf »allerhöchster Ebene« manipuliert worden. In der Kurzmitteilung, die der ukrainische Innenminister Arseni Awakow im Internet verbreitet hatte, heißt es, seine Behörde habe die Kolonne am 18. Juli um 4.50 Uhr bei der grenznahen Ortschaft Krasnodon gesichtet. Inzwischen sei in dem Tweet jedoch von der Ortschaft Krasnoarmejsk die Rede. Die aber wird seit 11. Mai von der ukrainischen Nationalgarde kontrolliert. ...
Der Raketenwerfer Buk-M1, sagte der stellvertretende Chefkonstrukteur des Herstellers, Stanislaw Fjodorow, gegenüber dem Sender, sei ein technisch sehr anspruchsvolles und komplexes System, für dessen Bedienung 16 Soldaten erforderlich seien, die dazu mindestens sechs Monate lang geschult werden müssen. Die Ausbildung der Offiziere dauere sogar bis zu fünf Jahren. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Separatisten aber begannen erst im Frühjahr. ..." (Neues Deutschland, 22.7.14, S. 7)
siehe auch diesen Beitrag des Bloggers "Mopperkopp" auf freitag.de: "Tatort MH17"

• Kiew: Schuld der Aufständischen für MH 17-Absturz bewiesen
"Der ukrainische Geheimdienst legt "Beweise" vor, aber der Informationsnebel ist weiterhin dicht und die Interessen massiv
Schon spät am Samstag hatte der ukrainische Geheimdienst SBU den "zwingenden" Beweis veröffentlicht, dass ein Buk-Raketensystem die Boeing 777 abgeschossen hat. Der Beweis ist ein Foto, das den Kondensstreifen einer Rakete zeigen soll, die kurz vor dem Absturz des Flugzeugs in der Nähe des angeblich von Separatisten kontrollierten Dorfes Snizhne bei Torez abgefeuert wurde. Der ukrainische Präsident Poroschenko hatte gestern gesagt, man habe Satellitenbilder, Foto und Videos, die belegen, dass Separatisten die Rakete abgeschossen hätten. Gegenüber dem französischen Präsidenten Hollande verglich er den Abschuss der Passagiermaschine mit den Anschlägen von 9/11. Er fordert vom UN-Sicherheitsrat, die Separatisten als Terrororganisationen einzustufen, und er lehnt nun wieder definitiv ab, was er nur widerwillig auf Druck europäischer Regierungen gemacht hatte, Verhandlungen mit Separatisten führen zu wollen.
Vitalii Naida vom SBU erklärte dies bei einem Auftritt im Crisis Media Center, einem vom Ausland finanzierten Mediumzentrum (Ukraine: Propaganda trifft auf Propaganda), das eine einseitige Linie verfolgt und als eine halboffizielle Plattform der Regierung benutzt wird. Von außen lässt sich nicht beurteilen, ob es sich um eine Buk-Rakete handelt, ob der Ort, wo der Kondensstreifen in die Höhe geht, bei Snizhne liegt und ob dort eine Stellung von Separatisten war. Snizhne war zwei Tage zuvor von einem ukrainischen Kampfflugzeug angegriffen worden. Angeblich soll es 11 Tote gegeben haben.
Das Foto aus einem Video reiht sich für Naida jedenfalls in weitere Beweisstücke ein, die bereits veröffentlicht wurden. Da sind die abgehörten Gespräche zwischen Separatisten, von denen russische Medien wiederum behaupten, sie seien manipuliert worden, und ein Gespräch zwischen Separatisten, bei dem es anscheinend darum geht, Funde wie Flugschreiber sicherzustellen, damit sie nicht in andere Hände gelangen. Und da sind Aufnahmen von einem Lastwagen in der Stadt Torez, also in der Nähe der Abschussstelle, der ein Buk-Raketensystem transportieren soll. Es soll eine von vier Raketen fehlen. Naida behauptete, die "russische Seite" habe die "Terroristen" angewiesen, die Buk-Systeme aus der Ukraine nach Russland zu schaffen. ..." (Telepolis, 21.7.14)

• Wer behindert die Aufklärung des MH 17-Absturzes? 
"Die Separatisten an der Absturzstelle stehen unter Verdacht, die Aufklärung des Unfalls behindern zu wollen. OSZE-Beobachter sind schon seit Tagen vor Ort, sie berichten davon, sich nicht uneingeschränkt bewegen zu dürfen und von bewaffneten Separatisten bewacht zu werden. Ob diese tatsächlich die Untersuchung behindern oder etwa verhindern wollen, dass Dinge von Anwohnern oder anderen Anwesenden gestohlen oder mitgenommen werden, ist schwer zu sagen. Sie scheinen sich zumindest auch darum zu bemühen, die Absturzstelle und die Rettungskräfte zu sichern. Erst heute Vormittag hat nämlich der ukrainische Präsident einen Waffenstillstand 40 km um die Absturzstelle verkündet. Nämliches haben die Separatisten gemacht.
So sind jetzt erst die niederländischen Experten an der Unglücksstelle eingetroffen. Angeblich sind sie, wie Roland Oliphant, ein Journalist des Telegraph berichtet, positiv von den Bergungsarbeiten angetan. Auch andere Journalisten berichten ähnliches.
Man muss sich auch fragen, was die Separatisten, wenn sie, wie manche unterstellen, auch im Auftrag von Moskau Spuren beseitigen würden, denn tatsächlich verschleiern könnten. Die Flugschreiber scheinen gefunden zu sein, sie sollen einem internationalen und unabhängigen Untersuchungsteam übergeben werden. Das scheint angesichts der weiterhin stattfindenden Kämpfe und den Versuchen aller Seiten, die Verantwortung der jeweils anderen Seite zuzuschieben, nicht unvernünftig zu sein. Dass Leichen und Leichtenteile in einen Kühlzug verbracht wurden, ist angesichts des warmen Wetters auch nicht unvernünftig. Auch hier ließe sich fragen, was die Separatisten verbergen könnten. Man könnte jedenfalls viele der Aktionen auch als getrieben von Angst verstehen, dass andere etwas manipulieren könnten. Der Separatistenführer Borodai begründete dies aus durchaus nachvollziehbaren Gründen so: "Wir können unseren Feinden, die an einer objektiven Untersuchung der Tragödie nicht interessiert sind, keine Beweisstücke übergeben." ..." (Telepolis, 21.7.14)

• Informationen aus Russland zur MH 17-Kaktastrophe
"Russische Radardaten: Ukrainischer Kampfjet unweit von Boeing geortetVier Tage nach dem Absturz der Boeing über der Ost-Ukraine hat der russische Generalstab seine Radardaten veröffentlicht. Demnach wurde ein ukrainischer Kampfjet kurz vor der Katastrophe unweit von der malaysischen Verkehrsmaschine geortet.
„Es wurden insgesamt drei zivile Flugzeuge, darunter auch die malaysische Boeing 777 registriert“, teilte General Andrej Kartapolow am Montag in Moskau mit. „Gleichzeitig wurde ein aufsteigendes Flugzeug der ukrainischen Luftwaffe, vermutlich eine Su-25, in einer Entfernung von drei bis fünf Kilometer von der Boeing 777 geortet."
Unmittelbar vor dem Absturz habe die Boeing an Geschwindigkeit verloren, hieß es weiter. „Ab 17.20 Uhr wurde ein stabiler Geschwindigkeitsverlust registriert. Um 17.23 Uhr verschwand  das Flugzeug von den russischen Radarbildschirmen“, sagte der General. „Als die Geschwindigkeit auf 200 km/h gefallen war, tauchte um 17.21 Uhr über dem Absturzort ein neues Flugobjekt auf. Dieses Objekt blieb vier Minuten lang auf den Radaren.“ Die Daten dieses Objekts haben nicht angefragt werden können, weil es offenbar mit keinem Sekundärradar ausgestattet gewesen sei, was für Militärflugzeuge typisch sei. ...
Der General kündigte an, die Radardaten an die internationalen Experten zu übergeben...." (RIA Novosti, 21.7.14)
"Boeing-Crash: Ukraine betrieb am Absturztag mehr Radare als sonst
Am Tag des tödlichen Absturzes der malaysischen Boeing über der Ost-Ukraine hat das russische Militär nach eigenen Angaben eine angestiegene Intensität ukrainischer Radare registriert. Zusätzliche Radaranlagen sollen wenige Tage vor der Katastrophe eingeschaltet und danach wieder abgeschaltet worden sein.
„Am 15. Juli waren sieben Radarstationen im Raum des späteren Absturzes in Betrieb, am 16. Juli wurden es acht und am 17. Juli neun Radarstationen“, teilte General Andrej Kartopolow, Chef der Operativen Hauptverwaltung des Generalstabs in Moskau, mit. Am Montag stellte der Generalstab Daten russischer Radare über den Flugzeugabsturz in der Ost-Ukraine vor. Dem General zufolge erreichte die Betriebsintensität der ukrainischen Radare am 17. Juli, dem Tag der Katastrophe, ihren Höhenpunkt und begann dann wieder zu sinken. „Gegenwärtig registrieren wir den Betrieb von zwei bis drei Radaren. Womit das verbunden ist, ist noch zu klären.“ ..." (RIA Novosti, 21.7.14)
"Russisches Luftfahrtamt will ICAO Boeing-Flugdaten zur Verfügung stellen
Das russische Luftfahrtamt hat sich bereit erklärt, der Internationalen Zivilluftfahr-Organisation (ICAO) Flugdaten der über der Ostukraine abgestürzten malaysischen Boeing-Passagiermaschine zur Verfügung zu stellen. In einem Schreiben an ICAO bietet Russland auch seine Experten zur Klärung des Unglücksumstände an, teilte die Behörde am Montag mit.
Das Ziel sei eine unparteiische Untersuchung aller Umstände der Katastrophe, bei der 298 Menschen ums Leben gekommen seien, hieß es. ..." (RIA Novosti, 21.7.14)
"Volkswehr übergibt Flugschreiber malaysischen Experten um 20.00 Uhr MESZ
Die Flugschreiber des am vergangenen Donnerstag über der Ostukraine abgestürzten malaysischen Passagierjets werden am Montag, 20.00 Uhr MESZ, den malaysischen Experten übergeben. Das teilte Malaysias Regierungschef Najib Razak auf einer Pressekonferenz mit.
Zuvor hatte der Premier der selbsternannten Volksrepublik Donezk im Osten der Ukraine, Alexander Borodaj, erklärt, dass die von der Volkswehr entdeckten Geräte in „normalem Zustand“ seien. Sie würden nicht der ukrainischen Seite, sondern ausschließlich zuständige Experten übergeben, betonte er. ..." (RIA Novosti, 21.7.14)

• Medien auf Konfrontations- und Kriegskurs
"Aufrüstung, Militarisierung der Außenpolitik, Konfrontationskurs gegenüber Moskau - diese Schlussfolgerungen ziehen viele deutsche Medien aus der Tragödie des Fluges MH17
Es ist noch immer ungeklärt, wer am 17. Juli die malaysische Passagiermaschine über dem ostukrainischen Bürgerkriegsgebiet abgeschossen hat. Doch etliche bundesrepublikanische Massenmedien haben die Schuldigen bereits im Moskauer Kreml ausgemacht, um sofort eine härtere Gangart gegenüber Russland zu fordern. ..." (Telepolis, 21.7.14)

• Aufständische und Poroschenko für Waffenruhe um Absturzort
"Die Behörden der selbsternannten Volksrepublik Donezk in der Ostukraine haben nach Kiew ebenfalls eine 40 Kilometer breite Zone um den Absturzort des malaysischen Passagierjets akzeptiert, in der alle Kampfhandlungen eingestellt werden. Das teilte der Donezker Regierungschef Alexander Borodaj am Montag mit.
„Dieser Schritt soll die Arbeit der Experten sicherer machen… In nächster Zeit erwarten die Republikbehörden in Donezk eine große Gruppe von Flugexperten, darunter auch von der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation“, sagte er.
Unterdessen dauern die Kämpfe im Raum der Stadt Tores, wo die Maschine abstürzte, weiter an, darunter unweit des Hügels Saur-Mogila. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko seinen Streitkräften befohlen, alle Kampfhandlungen in einer 40 Kilometer breiten Zone um den Absturzort der Boeing unverzüglich einzustellen. ..." (RIA Novosti, 21.7.14)

• Blicke nach nebenan: Gaza und Syrien
"Die verdrängte Realität des Gaza-Kriegs
500 zivile Opfer bisher. Die Rede vom schmutzigen Krieg, wie sie US-Außenminister John Kerry führt, ist Teil einer Wirklichkeitsverleugnung
... aktuellen Situationsbericht der israelischen Journalistin Amira Hass.
Sie hält sich seit Jahren im Gaza-Streifen auf und berichtet für die Zeitung Ha'aretz von dort. Sie ist eine Ausnahme, allein schon dadurch, dass sie sich als Journalistin in einer Welt bewegt, die im vorherrschenden Meinungsbild als "feindliche Welt" begriffen wird, die möglichst weit weggerückt wird. Natürlich nimmt sie Partei, wie das so aus der Distanz an Plätzen weit weg von dieser Realität von obenherab gesagt wird, um ihren Berichten das lästige, unangenehme Gewicht zu nehmen. Es geht auch hier um verdrängte Realität und Amira Hass schildert sie sehr genau, was ihr viele Animositäten einbringt. Dass aus jahrelanger Berührung mit der Lebenssituation der Menschen im Gazastreifen Teilnahme entsteht, ist zwangsläufig.
In ihrem aktuellen Bericht führt sie vor, dass sie mit den Sprachregelungen, mit den offiziell angelegten Wahrnehmungs- und Berichterstattungsschablonen nicht mehr zurecht kommt.
'Ich hab genug von den gescheiterten Bemühungen, mit der Überfülle an orchestrierten Kommentaren zu den Zielen und den Handlungen der Hamas mitzuhalten, die von Personen geschrieben werden, die so tun als ob sie mit den Hamas-Führern zusammengesessen wären und nicht eben mit den paar Quellen aus der IDF oder dem Schin Bet.'
Sie hat Freunde im Gaza-Streifen und vertritt dadurch eine andere Perspektive. Diesmal geht es ihr darum, zu dokumentieren, wie das ist, wenn man sich in einem "Schlachthaus" befindet und darauf wartet, bis man selbst an der Reihe ist. ..." (Telepolis, 21.7.14)
"Das verdrängte Elend der Syrer
... Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource - das wissen Medienmacher. Im Augenblick gilt den Vorgängen in und um Gaza beinahe die gesamte Beachtung der hiesigen Nahost-Berichterstattung. Vereinzelt schaffen es noch Meldungen aus Irak in die Nachrichten. Doch der Bürgerkrieg in Syrien ist fast vollkommen aus dem Fokus der Journalisten geraten. Dabei dauern die blutigen Kämpfe, denen bislang wohl 150 000 Menschen zum Opfer fielen, weiter an. Nun eroberten islamistische Rebellen eine Gasförderanlage und massakrierten jene, von denen es in den Meldungen heißt, sie seien »regierungstreu« gewesen. Dass die »Treue« der Soldaten und Arbeiter vom Regime oftmals erzwungen wird, geht da gemeinhin unter. Ebenso wie die Flüchtlingskatastrophe, die sich in der Levante abspielt.
»Die Lebensbedingungen für die Menschen, die noch bleiben, verschlechtern sich täglich«, erklärte Welthungerhilfe-Koordinator Ton van Zutphen am Montag. Mehr als 2,8 Millionen Syrer seien vertrieben worden. Sie hielten sich vor allem in den Nachbarländern Türkei, Jordanien und Irak auf, so van Zutphen. Doch die Zahl der Hilfsbedürftigen ist noch weit größer: Die Welthungerhilfe rechnet mit etwa 10 Millionen Menschen, von denen 4,5 Millionen Menschen in Gebieten lebten, die wegen der Gefechte nur schwer zu erreichen seien. ..." (Neues Deutschland, 22.7.14)

• EU droht Russland mit verschärften Sanktionen
"Nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine MH 17 über der Ukraine sieht sich Europas Wirtschaft zum Teil in den Kalten Krieg zurückversetzt. Die USA hatten vergangene Woche ihre Sanktionen gegen Russland erheblich verschärft, die EU will bis Ende Juli nachziehen. Thema der EU-Außenminister an diesem Dienstag: eine Ausweitung der Sanktionen auch auf Unternehmen.
Wenn es nach den USA geht, ist es mit Strafaktionen gegen Personen – also Sanktionen der Stufen eins und zwei – diesmal nicht getan. Tom Vosa, Marktanalyst der National Australia Bank Group: “Sanktionen der Stufe drei zielen auf ganze Branchen. Das könnte Energie- und Bankensektor insgesamt treffen. Tendenziell setzen die USA auf exterritoriale Sanktionen – dann würde jeder erheblich bestraft, der mit Russland Geschäfte macht.”
Die US-Sanktionen müssen zwar nur von sogenannten US-persons beachtet werden. Die Geschäfte US-amerikanischer Partner deutscher Unternehmen können durch die Sanktionen der USA gegen Russland aber betroffen sein. US-persons dürfen mit den sanktionierten Unternehmen unter anderem keine Finanzgeschäfte mehr abwickeln.
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erwartet für dieses Jahr einen Rückgang des Exports nach Russland um 10 Prozent, Gegenwert vier Milliarden Euro. Etwa 300.000 Arbeitsplätze in Deutschland hingen am Russland-Geschäft." (Euronews, 21.7.14)

• Studie über das Ringen um die Macht in der Ukraine
Die Informationsstelle Militarisierung (IMI) in Tübingen hat am 21.7.14 eine Studie zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründe wie das neoliberales Assoziationsabkommen und europäisch-russische Machtkonflikte veröffentlicht.
"Inhaltsverzeichnis1. Globale Ambitionen und expansionistische Strategien
2. Imperiale Nachbarschaftspolitik und neoliberales Assoziationsabkommen
3. Geopolitische Dimension und militärisches Assoziationsabkommen
4. Neue deutsche Weltmachtpolitik und innerimperialistische Reibereien
5. „Ernüchterung, Protest und soziale Unruhen“ Anmerkungen"
Die Studie kann als pdf-Datei heruntergeladen werden

• US-Geheimdienst: Putins Schuld für mutmaßlichen MH 17-Abschuss bewiesen
"Die Daten des Aufklärungsdienstes der USA setzen praktisch Russland auf die „Anklagebank“: Raketenträger, die das Passagierflugzeug der Malaysia Airlines abgeschossen haben, wurden den Rebellen von Russland übergeben. Darüber schreibt am Montag die britische Zeitung The Times. [nachlesbar hier - HS]
„Gestern Abend haben die Vereinigten Staaten erklärt, dass Russland die starken Raketenanlagen den Kämpfern geschickt hat, die das Passagierflugzeug der Malaysia Airlines abgeschossen haben“, steht im Artikel.
Im Bericht des US-Aufklärungsdienstes wird auch besagt, dass der russische Präsident Wladimir Putin den Terroristen aus Donbass persönlich erlaubt habe, die Lehre in Russland zu erhalten, wo es ihnen beigebracht wurde, verschiedene Arten von Waffen zu verwenden, einschließlich der Luftabwehrsysteme, die offensichtlich benutzt wurden, um das Flugzeug abzuschießen“, schreibt die Zeitung.
Außerdem erklärten die US-Geheimdienstler, dass die Systeme, mit denen die malaysische Boeing 777 abgeschossen wurde, Teil einer Kolonne aus 150 Militärfahrzeugen waren, die einige Tage vor dem Flugzeugsunglücks heimlich in die Ukraine aus Russland gebracht worden waren." (Ukrinform, 21.7.14)

• Nach Artilleriebeschuss Panzerangriff auf Donezk
"Die Gefechte im ostukrainischen Donezk haben sich am Montag intensiviert. Die ukrainische Armee versucht, mit Panzern in die von Milizen kontrollierte Kohle-Metropole einzurücken, wie ein Volkswehr-Sprecher RIA Novosti am Telefon mitteilte.
„In Donezk wird gekämpft. Wir sind unter Mörserbeschuss. Panzer versuchen durchzubrechen“, so Fjodor Beresin, Vize-Verteidigungsminister der nicht anerkannten „Donezker Volksrepublik“.  Nach seinen Worten greift die ukrainische Armee vom Nordwesten an, der Bürgerwehr gelinge es vorerst, den Angriff aufzuhalten. Zivilisten würden aus der Stadt fliehen.
Nach Berichten von Augenzeugen setzte die ukrainische Armee am Montagvormittag erstmals Artillerie und flächendeckende Mehrfachraketenwerfer „Grad“ gegen Donezk ein. „Getroffen wurden der Automarkt, die Brücke, der Supermarkt und Wohnhäuser“, teilte ein Einheimischer RIA Novosti mit. Es gäbe Opfer und Zerstörungen. Die Donezker Gebietsverwaltung berichtete von drei Toten und einem Verletzten beim Beschuss des Bahnhofs, aus dem zuvor alle Zivilisten evakuiert worden waren. ..." (RIA Novosti, 21.7.14)

• Kiewer Truppen verloren 14 Flugzeuge und Hubschrauber
"Seit dem Beginn des Sondereinsatzes im Osten der Ukraine hat Kiew 14 Flugzeuge bzw. Hubschrauber verloren, meldet die ukrainische Nachrichtenagentur LIGABusinessInform am Sonntag unter Berufung auf den Vizepremier Wladimir Groisman.
„Zu allen Fällen sind Ermittlungsverfahren eingeleitet worden“, fügte der Vizepremier hinzu. ..." (RIA Novosti, 21.7.14)

• Kiewer Truppen versuchten, Abschuss eines Passagierflugzeuges über Slawjansk zu provozieren
Die Website Antikrieg.tv veröffentlichte am 20.7.14 auf ihrem Youtube-Kanal ein Video aus Slawjansk mit deutschen Untertiteln, das im Original am 18.6.14 auf Youtube eingestellt wurde, in der eine junge Kämpferin der Aufständischen von vor Ort berichtet, aber auch, wie die Kiewer Truppen versuchten, die Aufständischen zum Abschuss eines Passagierflugzeuges zu provozieren:
"... Hier passieren schreckliche Dinge. Vor Kurzem hat sich hier Folgende Sache ereignet. Über Slawjansk flog ein ganz normales Passagier-Flugzeug. Und beim Anflug ein Kampfflugzeug der ukrainischen Armee versteckte sich hinter dem Passagier-Flugzeug, dann flog das Kampfflugzeug schnell runter, warf Bomben über Slawjansk ab, hob wieder ab und versteckte sich wieder hinter dem vorbeifliegenden Passagier-Flugzeug. Das heißt, es war eine Provokation, sie wollten, dass die Bürgerwehr das Passagier-Flugzeug abschießt, damit man die Bürgerwehr zu Terroristen erklären kann, die Passagier-Flugzeuge abschießt. Es würden Hunderte Passagiere sterben, es wäre eine globale Katastrophe, mann würde uns zu Terroristen erklären ... Haben sie denn jeglichen Sinn für Menschlichkeit verloren? ..."

• Robert Parry:"What Did US Spy Satellites See in Ukraine?"
"... The dog-not-barking question on the catastrophe over Ukraine is: what did the U.S. surveillance satellite imagery show? It’s hard to believe that – with the attention that U.S. intelligence has concentrated on eastern Ukraine for the past half year that the alleged trucking of several large Buk anti-aircraft missile systems from Russia to Ukraine and then back to Russia didn’t show up somewhere.
Yes, there are limitations to what U.S. spy satellites can see. But the Buk missiles are about 16 feet long and they are usually mounted on trucks or tanks. Malaysia Airlines Flight 17 also went down during the afternoon, not at night, meaning the missile battery was not concealed by darkness.
So why hasn’t this question of U.S. spy-in-the-sky photos – and what they reveal – been pressed by the major U.S. news media? How can the Washington Post run front-page stories, such as the one on Sunday with the definitive title “U.S. official: Russia gave systems,” without demanding from these U.S. officials details about what the U.S. satellite images disclose?
Instead, the Post’s Michael Birnbaum and Karen DeYoung wrote from Kiev: “The United States has confirmed that Russia supplied sophisticated missile launchers to separatists in eastern Ukraine and that attempts were made to move them back across the Russian border after the Thursday shoot-down of a Malaysian jetliner, a U.S. official said Saturday.
“‘We do believe they were trying to move back into Russia at least three Buk [missile launch] systems,’ the official said. U.S. intelligence was ‘starting to get indications … a little more than a week ago’ that the Russian launchers had been moved into Ukraine, said the official” whose identity was withheld by the Post so the official would discuss intelligence matters.
But catch the curious vagueness of the official’s wording: “we do believe”; “starting to get indications.” Are we supposed to believe – and perhaps more relevant, do the Washington Post writers actually believe – that the U.S. government with the world’s premier intelligence services can’t track three lumbering trucks each carrying large mid-range missiles?
What I’ve been told by one source, who has provided accurate information on similar matters in the past, is that U.S. intelligence agencies do have detailed satellite images of the likely missile battery that launched the fateful missile, but the battery appears to have been under the control of Ukrainian government troops dressed in what look like Ukrainian uniforms.
The source said CIA analysts were still not ruling out the possibility that the troops were actually eastern Ukrainian rebels in similar uniforms but the initial assessment was that the troops were Ukrainian soldiers. There also was the suggestion that the soldiers involved were undisciplined and possibly drunk, since the imagery showed what looked like beer bottles scattered around the site, the source said. ..." (Consortiumnews.com, 20.7.14)

• Polnischer Außenminister: Europa hat Putin nicht aufgehalten
"Europa hat heute wenig Schritte gemacht, um die aggressiven Handlungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Ukraine zu stoppen. Das erklärte am Sonntag in einem Interview mit der deutschen Zeitung Welt und der spanischen ABC der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski, informiert der Pressedienst des Außenministeriums Polens.
„Europa hat nicht genug getan, um das Verhalten Russlands in den verschiedenen Phasen dieses Konflikts zu beeinflussen. Wenn wir gleich Moskau den Rahmen für das Erlaubte gesetzt und die Solidarität mit der Ukraine bekräftigt hätten, wäre es vielleicht zu dieser Eskalation nicht gekommen“, sagte Sikorski.
Seiner Ansicht nach müsse die Reaktion Europas auf die Ereignisse in der Ukraine dem Stand entsprechen und die Sanktionen müssen Putin davon überzeugen, dass es andere Wege zur Lösung der Krise gibt.
Polens Außenminister sagt voraus, dass nach dem Absturz des Flugzeugs der Malaysia Airlines die Situation weiter eskalieren werde. „Es müssen die Schlussfolgerungen daraus gezogen werden, einschließlich auch der unterstützenden Separatisten. Wir können nicht mehr, darauf nicht zu achten“, sagte Sikorski. ..." (Ukrinform, 21.7.14)
Sikorski im Original: "... wir Osteuropäer haben uns weniger Illusionen gemacht, was die neoimperialistischen Tendenzen in Russland angeht. ...
Man könnte doch für Polen tun, was vorher in einer ähnlichen Situation für Deutschland getan worden ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich gehe nicht von einer Neuauflage des Kalten Krieges aus. Alles was wir verlangen, ist ein Prozent der militärischen Absicherung, die Deutschland in den 80ern hatte. ...
Europas Sicherheit wird noch stärker unter Beschuss geraten. Deshalb plädiere ich schon lange dafür, dass wir Europäer endlich anfangen sollten, unsere Verteidigung ernst zu nehmen. Im Süden unseres Kontinents leben Hunderte Millionen junger Menschen ohne die Aussicht auf einen Job oder eine Zukunft. Wir haben bislang noch keinen Weg gefunden, unseren Wohlstand dorthin auszuweiten. Also ist es nur logisch, dass diese jungen Menschen entweder als Flüchtlinge zu uns kommen oder uns bekämpfen. ..." (Die Welt online, 20.7.14)

• Über die Logik des Aufstandes in der Ostukraine 
Der russische Sozialwissenschaftler und Journalist Boris Kagarlitzky hatte einen interessanten Beitrag über die Ereignisse in der Ostukraine geschrieben, der am 13.5.14 vom Netzwerk "transform!" auf dessen Website auf deutsch veröffentlicht wurde:
"Die russischen Bürokraten waren sehr erstaunt über die Reaktionen des offiziellen Westens. Solch eine Entrüstung und einmütige Verurteilung hatten sie nicht erwartet. Europäische Politiker sind heftig erzürnt. Die Mainstream-Presse erzählt den LeserInnen fürchterliche Geschichten über die russische Aggression gegen die Ukraine. Das Fernsehen zeigt Interviews mit Kiewer Ministern und Abgeordneten, die mit Tränen in den Augen Europa anflehen, ihr Land vor dem grimmigen Bären zu retten.
Das Ansehen von Putins Russland im Westen ist in der Tat nicht besonders gut – vielleicht sogar schlechter als das der Breschnew’schen UdSSR. Aber das, was wir heute erleben, geht wirklich über den Rahmen des Gewohnten hinaus. Das gab es nicht in den Zeiten des „Kalten Krieges“, nicht während des Tschetschenien-Konfliktes oder der russisch-grusinischen Zusammenstöße. Und an den Beschuss des russischen Parlamentes unter Jelzin kann man sich nicht mehr erinnern – damals applaudierte der liberale Westen. ...
Die neue Macht in Kiew erhebt gegenüber den Anti-Majdan-Bewegten im Südosten die gleichen Beschuldigungen und entwickelt die gleichen Verschwörungstheorien, die erst wenige Monate zuvor die Propaganda Janukovičs genutzt hatte, wenn sie über den Majdan sprach. Nur wird all das jetzt in verzehnfachtem, verhundertfachtem Maßstab reproduziert, sodass es schon groteske Formen annimmt.
Eine Ähnlichkeit zwischen Majdan und Anti-Majdan besteht tatsächlich. Ausländisches Geld floss natürlich hier wie dort, im ersten Falle amerikanisches und westeuropäisches, im zweiten Falle russisches (wobei russisches Geld in jedem Fall involviert war). Es gab Einfluss von Außen. Eine andere Sache ist, dass der Westen nicht nur ungleich mehr Geld einsetzte, sondern bei weitem effektiver und klüger. Ebenso wenig, wie der Sieg des Majdan im Februar Resultat der Machenschaften westlicher Politiktechnologen war, ist der erfolgreiche Aufstand von hunderttausenden, wenn nicht Millionen Menschen im Osten der Ukraine mit der Einmischung Russlands zu erklären. ..."

Mittwoch, 16. Juli 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 33

32. Fortsetzung der gesammelten Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar

• Poroschenko: Ukraine wird modern, reich und stark
"Das ukrainische Volk wird alle Herausforderungen von heute überwinden und die Ukraine wird ein wohlhabender und starker europäischer Staat werden.
Das sagte der Präsident der Ukraine Petro Poroschenko in seiner Ansprache an das ukrainische Volk anlässlich des 24. Jahrestages der Proklamation der Deklaration über die staatliche Souveränität der Ukraine, berichtet der Pressedienst des Staatsoberhauptes.
„Jetzt ist unser Land den harten Erprobungen ausgesetzt. Aber ich bin fest davon überzeugt - das ukrainische Volk wird eine adäquate Antwort auf alle Herausforderungen der heutigen Zeit geben. Wir werden unbedingt gewinnen. Die souveräne Ukraine wird ein moderner europäischer Staat werden, reich und stark“, sagte Poroschenko in der Gratulation. ..." (Ukrinform, 16.7.14)

• Aufständische verhängen Kriegsrecht über Teile von Donezk
"Die Volkswehr hat am Mittwoch den Kriegszustand über einige Stadtbezirke von Donezk verhängt. Laut einer Anweisung von Igor Strelkow, Chef der Donezker Volkswehr, gilt für die ganze Stadt von 23.00 bis 06.00 Uhr eine Ausgangssperre. Strelkow begründete die Entscheidung mit der „der Stadt drohenden Gefahr und den Aufgaben zur Verteidigung der Stadt“, meldet RIA Novosti vor Ort.
In den letzten Tagen werden die südlichen Stadtbezirke von Donezk sowie die Vororte Marjinka, Krasnogorka und ALexandrowka von regulären Kräften Kiews ständig beschossen. Es gab Tote unter den zivilen Einwohnern. Die Volkswehr beschießt ihrerseits den Stadtflughafen, der von Armeeangehörigen und Vertretern der Nationalgarde verteidigt wird." (RIA Novosti, 16.7.14)

• "Tochter des SS-Mannes Müller wirft den Ostdeutschen die Sympathien für Putin vor"
"Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin baue ein diktatorisches Euro-Asiatisches Imperium, die Handlungen Russlands in der Ukraine seien nicht auf Eroberung des Territoriums, sondern auf eine Entstabilisierung zwecks der Unmöglichkeit für die Ukraine zur EU beizutreten gerichtet. Das hat Nobelpreisträgerin für Literatur, deutsche Schriftstellerin Herta Müller erklärt, berichtet La Repubblica.
„Das, was derzeit in der Ukraine vorgeht, ist schrecklich! Schon der erste Schritt, die Krim-Annektierung, war unannehmbar. Die Entstabilisierung in der reichsten Region der Ukraine wird fortgesetzt. Putin setzt die antifaschistische Propaganda ein, seine Werte sind aber äußerst recht. Überall erblickt er Feinde. Denn jeder Diktator benötigt der Feinde, um die Verletzung der Menschenrechte zu rechtfertigen. Putin ist Experte bei einer Entstabilisierung: er hat Sonderagenten, er pflegt Separatisten. In der Tat will er nicht die Ukraine wegnehmen, er will aber nur, die Ukraine werde so entstabilisiert, dass sie zur EU beitreten nicht kann. Das ist teuflisch“, - kündigt Herta Müller an. ...
Herta Müller ist auch empört, dass der Russisch Anführer immer noch eine Unterstützung in Europa, insbesondere in Ostdeutschland, genießt. „Mich bewundert die Tatsache, dass es beispielsweise in Ostdeutschland viele Menschen gibt, die Putin verstehen. Für mich ist das Schramm und Schande! Die Mauer ist gefallen, jetzt haben sie alle Rechte, alle… Wer im Osten geboren ist, sollte an der Seite der Ukraine stehen. Mich macht es böse, wenn die Bürger der Ex-DDR vergessen, wie das Leben bei der Diktatur war“, ..." (Ukrinform, 16.7.14)
Die Überschrift ist ebenfalls O-Ton Ukrinform

• Neue Sanktionen verschärfen Konflikt
Wolfgang Gehrcke, stellvertretender Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Bundestag , anlässlich der aktuellen Entwicklung in der Ostpolitik:
Mit Volldampf begibt sich Deutschland unter Führung von Bundeskanzlerin Merkel weiter ins politische Abseits. Die Listung von russischen Firmen, die Blockade von Handel und wirtschaftlichem Austausch tragen nicht zur Entspannung bei, sondern führen geradewegs zu einer neuen Teilung Europas. Schien es zeitweilig so, als ob die USA zur Beendigung ihrer Blockade gegen Kuba von der EU lernen könne, stellt sich jetzt heraus, dass die EU die gleichen Fehler macht, die die USA fortwährend gegenüber Kuba machen. Merkel-Politik hat immer weniger mit Entspannung und immer mehr mit Kaltem Krieg zu tun.
Es ist doch diplomatischer Unsinn, mit Russland gemeinsam OSZE-Grenzkontrollen durchzuführen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Beziehungen einzufrieren. Wer die Tür für eine friedliche Lösung des Konflikts aufmachen will, darf sie Russland nicht vor der Nase zuschlagen. Notwendig sind jetzt nicht neue Sanktionen gegen Russland, sondern die Konzentration auf eine Waffenruhe in der Ostukraine. Dafür muss sich die EU auch und gerade gegenüber dem ukrainischen Präsidenten einsetzen.“ (Pressemitteilung MdB Wolfgang Gehrcke, 16.7.14)

• Bundesregierung: Russland hat Erwartungen nicht erfüllt
"Präsident Petro Poroschenko habe am Dienstag in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über Hinweise berichtet, dass weiterhin von Russland aus schwere Waffen in die Hände von Separatisten gelangten. Das sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Es mehrten sich auch die Anzeichen für Angriffe auf ukrainische Kräfte von russischem Gebiet aus.
"Die Gesprächspartner teilen die Enttäuschung, dass es trotz aller Bemühungen der Kontaktgruppe - bestehend aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE - noch nicht zu Gesprächen mit Vertretern der Separatisten gekommen sei", erläuterte Seibert. Geteilt werde auch die Einschätzung der Kontaktgruppe, "dass es den Separatisten offenbar am Willen fehlt". Es mangele ihnen an der Bereitschaft, in ernsthafte Gespräche über einen beidseitigen Waffenstillstand einzutreten.
Seibert stellte fest, "dass Russland die Erwartungen bisher nur unzureichend erfüllt habe". Am 2. Juli hatten die Außenminister Deutschlands, der Ukraine, Polens und Russlands in ihrer Vereinbarung festgehalten, dass ein öffentlich sichtbares Einwirken Russlands auf die Separatisten erwartet werde. Deren Führer waren in der Vergangenheit zum Teil längjährige Mitarbeiter russischer Geheimdienste. ..." (www.bunderegierung.de, 16.7.14)

• Obama und Merkel gemeinsam für Sanktionen
"US-Präsident Barack Obama besprach mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel die Frage der Notwendigkeit der Verhängung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland wegen seiner Aggression gegen die Ukraine.
Das Gespräch fand am Telefon am Dienstag statt, wird in der Mitteilung des Weißen Hauses angegeben. „Der Präsident und die Bundeskanzlerin bestätigten ihre Absicht, mit anderen Verbündeten zu kooperieren, um eine enge Koordinierung zwischen Europa und den USA bei der Ergreifung von Maßnahmen zu erreichen, die darauf abzielen, dass Russland den notwendigen Preis (für Aggression in der Ukraine - Red.) bezahlt“, teilte das Weiße Haus mit.
Die Anführer der Vereinigten Staaten und Deutschlands gaben zu, dass Moskau weiter die pro-russischen Separatisten in der Ostukraine mit schwerer Artillerie, Panzern beliefere und andere Unterstützung leiste. Merkel und Obama stellten fest, dass Russland „keine erforderlichen Schritte“ zur Deeskalation der Situation in dieser Region unternommen habe. ..." (Ukrinform, 16.7.14)

• EU bereitet Wirtschaftssanktionen gegen Russland vor
"Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen am Mittwochabend neue Sanktionen gegen Russland auf den Weg bringen, die erstmals auf russische Unternehmen zielen sollen. Die EU will damit zwar nicht volle Wirtschaftssanktionen gegen Moskau beschließen, nähert sich diesen aber weiter an.
Nach einem am Mittwoch von der "Financial Times" online veröffentlichten Gipfelentwurf, soll der EU-Ministerrat mit der Ausweitung der Sanktionen beauftragt werden, "mit dem Ziel, auf Einheiten abzuzielen, die materiell oder finanziell Aktionen unterstützen, welche die Souveränität, die territoriale Unversehrtheit und Unabhängigkeit der Ukraine unterminieren oder bedrohen". Was unter "Einheiten" zu verstehen ist, wird in dem Text nicht definiert, doch könnten Banken und andere Unternehmen im Umkreis des Kremls davon betroffen sein. ..." (Der Standard online, 16.7.14)

• Angehörige von Soldaten protestieren in Kiew
"Angehörige der ukrainischen Militärs, die bei der Sonderoperation im Südosten der Ukraine eingesetzt sind, demonstrieren am Mittwoch in Kiew vor dem Amtssitz von Präsident Pjotr Poroschenko ihren Unwillen über die Lage in der Armee.
Wie die Agentur UNIAN am Mittwoch meldet, stellen die Teilnehmer unterschiedliche Forderungen. “Die einen fordern eine Rotation der Militärangehörigen, die seit dem Beginn des Konfliktes an der vordersten Front eingesetzt sind. Andere fordern, dass nur Berufsoffiziere zu Kommandeuren ernannt werden. Wieder andere behaupten, dass ihre Familienangehörigen im Raum der Anti-Terror-Operation keine normalen Grundlebensbedingungen haben. Den Protestierenden zufolge müssen die Soldaten mitunter aus Pfützen trinken“, heißt es.
„Alle Teilnehmer der Aktion sind darüber empört, dass an der vordersten Front lauter einfache Menschen eingesetzt sind. Dort gebe es weder  hochrangige Amtspersonen noch Beamte noch deren Kinder, heißt es." ..." (RIA Novosti, 16.7.14)

• OSZE kontrolliert russisch-ukrainische Grenze
"Die OSZE-Kontrollmission am Abschnitt der Grenze zur Ukraine im südrussischen Gebiet Rostow wird bis zum 19. Juli dauern, verlautete am Mittwoch aus der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).
„Eine dreiköpfige Expertenmission trifft heute auf Einladung Russlands im Gebiet Rostow ein“, hieß es. „Sie werden sich bis zum 19. Juli in der Region aufhalten. Sie treffen sich mit den regionalen Behörden, einschließlich der Vertreter des Zolls und des Grenzschutzes, und besuchen die Grenzübergänge ‚Donezk‘ und ‚Gukowo‘“, so ein Sprecher des OSZE-Pressedienstes. ..." (RIA Novosti, 16.7.14)

• Nationalgarde mit Raketenwerfern auf Donezk
"Die ukrainische Nationalgarde hat mehrere Mehrfachraketenwerfer des Typs Grad im Dorf Jelenowka zehn Kilometer südlich der Stadt Donezk aufgestellt.
Wie RIA Novosti vor Ort berichtet, handelt es sich um mindestens vier Anlagen. Die Reichweite der Grad-Raketen kann bis zu 40 Kilometer betragen, diese Raketenwerfer können aber nicht als Präzisionswaffe gelten, insbesondere wenn es um größere Entfernungen geht. ..." (RIA Novosti, 16.7.14)

• Poroschenko will weiter militärische Lösung und westliche Unterstützung dabei
"... In dem Telefonat mit der deutschen Kanzlerin forderte Poroschenko Deutschland und die USA zu weiteren Unterstützung bei der Lösung des Konflikts auf. Noch immer würden Waffen und Kämpfer von Russland über die Grenze in die Ukraine kommen, sagte der ukrainische Präsident einer Mitteilung der Präsidialverwaltung.
"Bei uns entsteht eine neue Armee, ein neues Land. Die Ukraine kämpft für Demokratie, Solidarität und Freiheit. Deshalb ist die Hilfe verlässlicher Freunde für unseren Staat von echtem Wert", sagte Poroschenko. Seinem Presseamt zufolge bekräftigte Poroschenko das Ziel, die von Separatisten kontrollierten Städte Donezk und Luhansk mit militärischer Hilfe zu "befreien"." (Der Standard online, 16.7.14)

• Aufständische in Donezk: Keine Einladung von OSZE zu Videokonferenz erhalten
"Die Top-Vertreter der selbsterklärten Volksrepublik Donezk haben keine Einladungen zu einer Videokonferenz mit der trilateralen Kontaktgruppe Ukraine-Russland-OSZE bekommen, so Oleg Zarjow, Vorsitzender des Parlaments von „Noworossija“ (Neurussland, Bezeichnung der Union der selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Lugansk).
Zuvor hatte die OSZE mitgeteilt, dass es der trilateralen Kontaktgruppe nicht gelungen ist, eine für den Dienstag geplante Videokonferenz mit der Volkswehr zustande zu bringen. Wie die OSZE betonte, zeuge dies von der Weigerung der Volkswehr, an den Verhandlungen über die Waffenruhe teilzunehmen.
„Ich habe aus dem Internet über diese Idee erfahren“, sagte Zarjow in einem Gespräch mit RIA Novosti. „Ich habe den Premier der Volksrepublik Donezk, Alexander Baradai, danach gefragt – er hat aber auch keine Einladung bekommen. Wie er sagte, sind solche Verhandlungen theoretisch möglich, wenn ‚die Truppen des Gegners abgezogen‘ werden.“
„Momentan stehen die ukrainischen Truppen unmittelbar vor Donezk und Lugansk und beschießen unsere Städte. Wir haben viele Tote unter den zivilen Einwohnern“, fügte Zarjow hinzu. ..." (RIA Novosti, 16.7.14)

• Keine Beweise für Waffen aus Russland an Aufständische
"Washington und Kiew unterstellen Moskau, die Aufständischen in der Ostukraine weiterhin militärisch zu unterstützen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.
Auch in den ukrainischen und westlichen Medien werden entsprechende Vorwürfe an Russland gerichtet. Dabei soll es sich um schwere Waffen handeln. Beweise werden allerdings nicht vorgelegt. Damit wollen sie anscheinend die schweren Verluste der ukrainischen Armee erklären.
„Wir sind der Ansicht, dass Russland weiter schwere Waffen und Ausrüstung an die Aufständischen liefert, sie finanziert und dem bewaffneten Personal die Möglichkeit gibt, die Grenze zur Ukraine zu überqueren“, heißt es in einer Erklärung des US-Außenministeriums.
Die USA hätten keine Beweise dafür, dass Russland seine Militärhilfen eingestellt habe, heißt es weiter in der Erklärung. Zudem verstärke Russland weiterhin seine Truppen an der Grenze zur  Ukraine, darunter mit neuesten Abwehrmitteln, so das US-Außenministerium.
Das US-amerikanische Außenministerium äußert seine Besorgnis, dass ein bedeutender Teil der Waffen anscheinend in ukrainisches Gebiet geschickt worden sei, wie es bereits mit den Mehrfachraketenwerfern der Fall gewesen sei. Washington gab an, über zuverlässige Informationen zu verfügen.
Laut einer Quelle in der Aufklärungsverwaltung des russischen Generalstabs überwachen die Amerikaner fast ununterbrochen das Grenzgebiet zwischen Russland und der Ukraine. Mit den Satelliten könnten sie genau bestimmen, welche Rüstungen vor Ort seien. Es sei auch kein Problem, den genauen Ort und Zeitpunkt eines Grenzübertritts zu bestimmen. Doch bislang sei kein einziger Beweis vorgelegt worden. ..." (RIA Novosti, 16.7.14)

• Vermittler: Ziel ist Waffenstillstand auf beiden Seiten
Aus einem Interview von Spiegel online, veröffentlicht am 16.7.14, mit Viktor Medwedtschuk, der seit zwei Monaten zwischen Kiew und den Aufständischen in der Ostukraine vermittelt:
"... Wir müssen schnellstmöglich den Gesprächsprozess wieder aufnehmen. Dessen Ziel muss ein Waffenstillstand auf beiden Seiten sein, den die OSZE-Mission überwacht. Dann können Verhandlungen über eine echte Waffenruhe und eine Umsetzung des Friedensplans von Präsident Poroschenko beginnen.
SPIEGEL ONLINE: Die Kiewer Truppen haben zuletzt militärische Erfolge gefeiert.
Medwedtschuk: Mit militärischen Mitteln ist kein Frieden zu erreichen, auch wenn der Großteil der ukrainischen Bevölkerung momentan vom Gegenteil überzeugt ist. Deshalb ist die Position von Angela Merkel und François Hollande sehr wichtig, die ja eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen fordern. Sie haben in Kiew großen Einfluss.
SPIEGEL ONLINE: Warum gibt es momentan keine weiteren Gespräche?
Medwedtschuk: Der Knackpunkt ist der Ort für diese Gespräche: Donezk kommt momentan wegen der Kämpfe nicht in Frage. Aber für Gespräche außerhalb des Donbass fordern die Führer der Republiken Donezk und Luhansk Sicherheitsgarantien. Wir haben auch über eine Fortsetzung der Gespräche in Berlin diskutiert.
SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie eine Chance für Frieden?
Medwedtschuk: Ja. Wenn es einen Kompromiss geben soll, braucht es einen Sonderstatus für die russische Sprache und eine Dezentralisierung des politischen Systems, das heißt eine Übergabe von politischer Macht an die Regionen. Jedoch alles unter der Bedingung, dass die Gebiete Teil des ukrainischen Staates bleiben. Eine solche Lösung würde die Bevölkerung des Donbass zufriedenstellen. Auch Präsident Poroschenko scheint dazu bereit zu sein. ...
SPIEGEL ONLINE: Wie groß ist Putins Einfluss auf die Aufständischen?
Medwedtschuk: Diesen Einfluss würde ich nicht überbewerten. Ein Beispiel: Putin rief Anfang Mai dazu auf, das Referendum über die Unabhängigkeit von Luhansk und Donezk zu verschieben - ohne Erfolg.
SPIEGEL ONLINE: Ist Russland im Osten der Ukraine Konfliktpartei?
Medwedtschuk: Nein. Es handelt sich um einen innerukrainischen Konflikt. ..."

• Vermittlung durch OSZE vorerst gescheitert
"Der trilateralen Kontaktgruppe Ukraine-Russland-OSZE ist es nicht gelungen, eine Videokonferenz mit der ostukrainischen Volkswehr zu organisieren, teilt die OSZE mit.
„Leider hat die Videokonferenz mit Volkswehr-Milizen, die für den Dienstag mit dem Ziel geplant war, eine Einigung über die Bedingungen der nächsten, auf höchster internationaler Ebene vereinbarten Konsultationsrunde zu erzielen, nicht stattgefunden. Die Kontaktgruppe ist ernsthaft darüber besorgt, dass es seit dem 27. Juni keine einzige derartige Konsultation gegeben hat. Nach Ansicht der Kontaktgruppe zeugt dies von der Weigerung der Volkswehr, an realen Verhandlungen über eine beiderseitige Waffenruhe teilzunehmen“, heißt es in der OSZE-Erklärung. Die Kontaktgruppe forderte die Volkswehr auf, „unverzüglich zu den Konsultationen zurückzukehren“, und bekräftigte ihre Absicht, den Friedensplan des ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko und die Berliner Deklaration vom 2. Juli 2014 umzusetzen. ..." (RIA Novosti, 16.7.14)

• Merkel verspricht Poroschenko EU-Unterstützung
"Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko Unterstützung des EU-Rats, der am Mittwoch zusammentritt, versprochen, heißt es am Mittwoch in einer Mitteilung auf der Internetseite des ukrainischen Staatschefs.
„Angela Merkel betonte, dass die Ukraine derzeit zu ihren vorrangigen Anliegen gehöre. Die Bundeskanzlerin sicherte zu, dass die Ukraine morgen in der Sitzung des EU-Rates eine ‚feste Unterstützung‘ von Seiten der EU bekomme“, so die Mitteilung. ...
Poroschenko versicherte Merkel, dass er Anhänger einer friedlichen Regelung sei und dass das Vorgehen Kiews in Lugansk und Donezk dem in Slawjansk gleich sein werde, das die regulären ukrainischen Kräfte kürzlich eingenommen haben." (RIA Novosti, 16.7.14)

• Jazenjuk und Poroschenko fordern versprochene EU-Sanktionen ein
"Der Präsident der Ukraine, Petro Poroschenko, und der Premierminister, Arsenij Jazenjuk, riefen die EU auf, ihre Versprechung zu erfüllen und Sanktionen gegen Russland für die Nicht-Erfüllung der internationalen Verpflichtungen zu verhängen. Das kündigte nach den Treffen mit der Staatsführung der Ukraine in Kiew der Außenminister Polens Radoslaw Sikorski an, informiert PAP (Polnische Presseagentur).
„Beide demokratisch gewählte Führer der Ukraine haben im Gespräch mit mir aufgerufen, dass die EU ihr Versprechen erfüllt: entsprechend auf die Nicht-Erfüllung durch Russland seiner Verpflichtungen reagiert“, sagte Sikorski. Er fügte hinzu, dass Warschau für die Fortsetzung der internationalen Verhandlungen über die Situation in der Ukraine im „Genfer Format“, mit der Beteiligung der Ukraine, Russlands, der USA und der EU eintrete.
Ihm zufolge sei die Frage der Sanktionen gegen Russland ein Gegenstand intensiver Verhandlungen, sowohl innerhalb der EU als auch zwischen der EU und den Vereinigten Staaten." (Ukrinform, 16.7.14)

• Tschechischer Präsident: NATO muss Ukraine vor Russland schützen
"Westliche Länder werden ernsthafte Maßnahmen treffen müssen, bis zum Schicken von NATO-Truppen, wenn Russland versuchen wird, neue Territorien der Ukraine zu besetzen. Das erklärte der Präsident der Tschechischen Republik Miloš Zeman.
„An dem Moment, wenn Russland beschließt, sein Territorium durch die östlichen Länderteile der Ukraine zu erweitern, sollte man von den Worten zum Handeln übergehen“, sagte Milos im Interview mit den tschechischen Medien. „In diesem Fall werde ich mich nicht nur für die härteren Sanktionen seitens der EU einsetzen, sondern auch für die Kampfeinsatzbereitschaft der NATO, und möglicherweise für die Einführung der NATO-Truppen auf das Territorium der Ukraine …" (Ukrinform, 16.7.14)

• Lugansk gedenkt getöteter Mitbürger - Keine russische Intervention zu erwarten
"... Im ostukrainischen Lugansk gedenkt die Bevölkerung von Dienstag bis Donnerstag getöteter Mitbürger. In den vergangenen drei »schwarzen Tagen« verloren 17 friedliche Bürger nicht an der Front, sondern in Wohngebieten ihr Leben, informierte Bürgermeister Sergej Krawtschenko. 73 völlig unbeteiligte Menschen seien während der Kampfhandlungen verletzt worden. Allein am Montag seien acht Menschen, darunter ein Kind, ums Leben gekommen, informierte die Stadtverwaltung. Rund 5000 Haushalte seien ohne Strom. In mehr als 4000 Wohnungen gebe es kein Wasser. Auch für das Gebiet Donezk wurde offiziell Trauer angeordnet. ...
Nach Ansicht des früheren Generalstabschefs der ukrainischen Armee Michail Kuzin sei von russischen Truppen in Grenznähe zu Donezk und Lugansk »keine direkte Aggression« zu erwarten. Sie könnten vielmehr für »Friedens- und humanitäre Operationen« eingesetzt werden, sagte er. ..." (Neues Deutschland, 16.7.14, S. 7)

• Solidarität mit Antifaschisten in der Ukraine
Die junge Welt veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 16.7.14 ein Interview mit Richard Brenner von der britischen Kampagne »Solidarität mit dem antifaschistischen Widerstand in der Ukraine«:
"... Die Kampagne ist am 2. ­Juni bei einem Treffen in London ins Leben gerufen worden, an dem etwa 160 Personen teilnahmen. Es sprachen Aktivisten aus der Ukraine, darunter Sergej Kiritschuk von der Organisation Borotba. Es waren Vertreter aus der sozialistischen und antifaschistischen Bewegung in Großbritannien zugegen, Gewerkschafter und Mitglieder der Labour-Partei. Die Kommunistische Partei hat unsere Kampagne von Anbeginn mit großer Energie unterstützt, eines ihrer führenden Mitglieder, Andrew Murray, hat auf der Gründungsveranstaltung gesprochen. Ein anderes KP-Mitglied hat den Vorsitz inne.
Gab es einen unmittelbaren Anlaß für das Bündnistreffen?
Auslöser für den Start der Kampagne war die Formierung einer illegitimen Regierung aus Faschisten und Nationalisten in Kiew im Februar, insbesondere aber das Massaker im Gewerkschaftshaus in Odessa, bei dem am 2. Mai 42 Menschen umgebracht wurden. Spätestens da ist vielen von uns klar geworden, daß wir nicht untätig bleiben dürfen. ...
Was halten Sie der offiziellen Propaganda entgegen?
Wichtig ist vor allem, die Lügen, die verbreitet werden, zu kontern. Ein Beispiel: Zwei Tage nach dem Massaker von Odessa zirkulierten plötzlich »Beweise«, die in Übereinstimmung mit der Linie des Kiewer Regimes zeigen sollten, daß die Opfer selbst und nicht der faschistische Rechte Sektor die Verantwortung für die Taten trugen. Um an präzise Informationen heranzukommen arbeiten wir mit Quellen in der Ukraine zusammen, die uns neben Videos und Fotos auch Nachrichten und Analysen zukommen lassen. Dieses Material machen wir öffentlich zugänglich.
Stichwort Praxis: Wie sieht Ihre Unterstützung des Widerstands in der Ukraine konkret aus?
Wir sammeln Geld für antifaschistische Gruppen und versuchen, den Opfern rechter Gewalt materielle Unterstützung zukommen zu lassen. Es sind schon beachtliche Summen zusammengekommen. ..."

• Tote nach Luftangriff auf Wohngebiet - Kiew erklärt Russland für schuldig
"Bei schweren Gefechten in der Ostukraine sind mindestens elf Zivilisten getötet worden, darunter offenbar auch ein Kind. Die meisten Opfer starben beim teilweisen Einsturz eines viergeschossigen Wohnhauses in Snischne, 75 Kilometer östlich der Industriemetropole Donezk.
Augenzeugen berichteten vom Angriff eines Kampfflugzeugs. Die ukrainische Regierung wies eine Verantwortung für die Explosion zurück.
Eine verzweifelte Anwohnerin sagte: “Nach der Detonation rannte ich davon und sah einen Bewohner meines Wohnblocks. Er und seine Frau haben sich gerade eine Wohnung hier gekauft. Der Mann schrie: “Mein Kind war da drin!”. Überall war dichter Rauch. Als der sich verzog, rannte ich zurück und sah meinen Ehemann in der Ruine stehen. Er trug nur seine Unterwäsche.” ..." (Euronews, 16.7.14)
"Am Dienstag hat ein Flugzeug unbekannter Herkunft am frühen Morgen die von pro-russischen Rebellen gehaltenene ukrainische  Kleinstadt Snischne nahe der russischen Grenze bombardiert.
Dabei seien vier Zivilisten getötet worden, sagte der Sprecher des nationalen Sicherheitsrates, Andrej Lisenko. Er wies indirekt Russland die Verantwortung zu. "Der Flug kann nur als zynische Provokation beschrieben werden", sagte er. ..." (Der Standard online, 15.7.14)

• Aufständische: Nur erbeutete Raketenwerfer
"Das Verteidigungsministerium der selbsternannten Republik Lugansk im Osten der Ukraine hat Kiewer Berichte dementiert, wonach die Volkswehr Mehrfachraketenwerfer des Typs „Tornado“ aus russischer Produktion besitzt. Das teilte Ministeriumssprecher Alexej Toporow am Dienstag in Lugansk mit.
Lugansk sowie die Republik Donezk hätten allerdings Mehrfachraketenwerfer des Typs "Grad", die am vergangenen Freitag bei einem Gefecht im Raum der Siedlung Selenopolje eingesetzt worden seien. „Für die ukrainische Armee war das eine Überraschung“, sagte der Sprecher. Die Raketenwerfer seien bei früheren Kämpfen gegen die ukrainische Armee erbeutet worden. ..." (RIA Novosti, 15.7.14)

• Mehr als 250 Tote bei Kiewer Truppen
"Seit Beginn des Militäreinsatzes in den östlichen Gebieten Donezk und Lugansk hat die ukrainische Armee nach Angaben von Kiewer Behörden 258 Soldaten an Toten verloren. Regierungskritiker bezweifeln diese Zahlen.
„Während der ganzen Operation wurden 258 Armeeangehörige getötet und 922 weitere verletzt, 45 sind in Gefangenschaft“, teilte Andrej Lyssenko, Sprecher des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, am Dienstag in Kiew mit.
Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Oleg Zarjow warf der Regierung in Kiew vor, die Verluste zu vertuschen. „Nach Angaben aus diversen Quellen wurden zwischen 3.500 und 5.000 getötet“, sagte Zarjow am Dienstag. Dabei berief er auf „ranghohe Freunde“ in Kiew. Zarjow verwies er auch darauf, dass Kiewer Offizielle widersprüchliche Angaben machen. ..." (RIA Novosti, 15.7.14)

• "Wirrwarr im Propagandakrieg" 
"... Moskau, aber vor allem Kiew und die Separatisten versuchen jeweils aus unterschiedlichen Gründen das andere Lager zu brandmarken und zu provozieren. Während Kiew stärker vom Westen gegen Russland unterstützt werden will, suchen die Separatisten nach einem Ausweg aus der fatalen Lage. Die Lage ist explosiv. Dazu kommt, dass der ukrainische Präsident Poroschenko bei der Beendigung des Waffenstillstands angekündigt hatte, es gebe einen Plan für eine schnelle Niederschlagung der Aufständischen. Zwar wurden einige Erfolge erzielt, aber eine schnelle Vertreibung der Aufständischen ist noch nicht in Sicht, zumal von ukrainischen Politikern und Medien fortlaufend behauptet wird, dass wahlweise Soldaten, Söldner oder Freiwillige aus Russland mit schwerem Gerät über die Grenze in die Ostukraine gelangen. Das würde heißen, dass die Kontrolle der Grenze noch keineswegs gewährleistet ist. Gestern verkündete Poroschenko, der von allen Seiten unter hohem Druck steht, strategische Veränderungen in der Antiterroroperation, ohne diese näher zu benennen.
Kiew würde gerne russische Journalisten gar nicht mehr ins Land lassen. Sie werden dafür verantwortlich gemacht, Falschnachrichten und inszenierte Videos zu produzieren. Da unabhängige westliche Reporter nicht mehr aus den Kriegsgebieten berichten, weil es für die zu gefährlich geworden ist, gibt es kaum mehr eine unabhängige Kriegsberichterstattung. ...
Auf ukrainischer Seite ist besonders Dmytro Tymchuk am Zündeln, der seit der Krim-Krise zu einem für die Westukraine wichtigen "Militärexperten" wurde und alles dafür zu tu scheint, den Konflikt mit Russland zu verschärfen. Tymchuk, ein aus der Maidan-Bewegung hervorgegangener Militärberichterstatter und "Koordinator" der Anfang März gegründeten Website Information Resistance, die den Lügen der russischen Medien die Wahrheit aus Kiew entgegensetzen will, ist tief verstrickt im Propagandakrieg. ..." (Telepolis, 15.7.14)

• Angeblich erneut Chemiewaffen eingesetzt
"Die Milizen im ostukrainischen Donezk werfen der Regierungsarmee den Einsatz chemischer Waffen vor. Experten der nicht anerkannten „Donezker Volksrepublik“ (DVR) seien nach Begutachtungen und einer Untersuchung von Verletzten in einem Krankenhaus zu 99 Prozent sicher, dass die Kiewer Armee C-Waffen eingesetzt habe, sagte DVR-Generalstaatsanwalt Rawil Chalikow am Dienstag dem russischen Nachrichtensender Rossija 24. „Wir haben Bodenproben genommen und Beweismittel gesammelt und nach Russland geschickt.“
Die Volkswehr von Slawjansk hatte Ende Juni behauptet, dass die ukrainische Armee im Dorf Semjonowka unbekannte Chemikalien eingesetzt habe. ..." (RIA Novosti, 15.7.14)

hier geht's zu Folge 32

alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


siehe auch: "Das Morden geht weiter, Europa schaut verschämt weg