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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Montag, 22. September 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 77

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar

• Aufständische: 4.000 Zivilisten durch Krieg getötet
"Seit Beginn des Ukraine-Konflikts sind im Osten des Landes rund 4000 Zivilisten getötet worden. Das erklärte der Vizeregierungschef der nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, Andrej Purgin, am Montag.
„Die genaue Zahl wird später bekannt gegeben. Bei intensiven Kämpfen mussten die Leichen ohne Identifizierung beigesetzt werden… Fast alle Toten unter den Zivilisten – fast 99 Prozent - sind Opfer des Artilleriefeuers. Gerade durch die Artillerie wurde bei uns auch die Infrastruktur zerstört.“ Purgin zufolge richtet die ukrainische Armee ihre schweren Waffen in 90 Prozent der Fälle nicht gegen die Militärs, sondern gegen friedliche Einwohner.
Nach UN-Angaben starben seit Beginn des Konflikts in der Ostukraine fast 3200 Zivilisten. Mehr als 8000 seien verletzt worden." (RIA Novosti, 22.9.14)

• EU-Abgeordneter: Russische Truppen in der Ostukraine
"Die Europäische Union und die Nato haben Beweise dafür, dass die regelmäßigen russischen Truppen an militärischen Operationen in der Ostukraine beteiligt sind, obwohl der Kreml das leugnet. Das erzählte im Interview mit DW das Mitglied des Europäischen Parlaments von den Niederlanden, Johannes Cornelis van Baalen.
„Wir haben Satellitenaufnahmen. Von dem Kreml haben wir bereits gehört: es gibt keine russischen Truppen auf der Krim und jetzt gibt es sie „nicht“ im Osten der Ukraine. Aber alle wissen doch, dass das eine Lüge ist. Die EU hat Beweise, die Nato hat Beweise, aber Putin wird sie trotzdem leugnen und bestreiten. Aber wenn es keine russischen Truppen in der Ukraine gibt, woher sind dann die Leichen von russischen Soldaten? Woher werden die Verwundeten in die Krankenhäuser von Rostow und St. Petersburg eingeliefert? Das ist ein Unding“, erklärte van Baalen.
Nach der Auffassung des Politikers treibt die russische Regierung die Propaganda, der viele glauben, und Putin wird weiterhin das tun, was er will: Truppen schicken oder abziehen. ...
„Die Vereinigten Staaten und die Europäische Kommission müssen mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko vertraulich kommunizieren und bei ihm herausfinden, was die Ukraine selbst will und wie sie ihr dabei helfen können. Denn die Kompromisse mit dem russischen Präsidenten Putin bedeuten werden, dass Putin gewonnen hat“, meint van Baalen. ..." (Ukrinform, 22.9.14)

• Aufständische rechnen mit langwierigem Friedensprozess
"In der krisengeschüttelten Ostukraine erwarten die prorussischen Separatisten keine rasche Umsetzung der vereinbarten Schritte für eine Lösung des Konflikts. Das Memorandum über die Schaffung einer 30 Kilometer breiten entmilitarisierten Zone erfordere viele technische Schritte, sagte der Separatistenführer Andrej Purgin am Montag.
Straßenblockaden müssten abgebaut, Gebiete entmint, Militärtechnik und Kampfverbände zurückgezogen werden. Das alles dauere seine Zeit, sagte er.
Vertreter der Aufständischen und der Regierung in Kiew hatten unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Samstag ein Memorandum unterzeichnet. "Wir sind bereit, alles zu tun. Das Wichtigste ist aber, dass niemand diese Arbeit stört", sagte Purgin. Der ukrainische Sicherheitsrat hatte betont, die Regierungstruppen nur zeitgleich mit den Separatisten 15 Kilometer hinter die Frontlinie zurückzuziehen. ..." (Der Standard online, 22.9.14)

• Kiews Verhältnis zur Wahrheit 
... ist Thema eines Beitrages ausgerechnet in der Tageszeitung Die Welt, online veröffentlicht am 22.9.14:
"Über Falschmeldungen aus Moskau wundert sich inzwischen niemand mehr. Doch auch die Ukraine nimmt es im Konflikt mit den Separatisten mit Wahrheit und Pressefreiheit offenbar nicht so genau.
In einem Konflikt, in dem die Rollen zwischen Gut und Böse klar verteilt schienen, wirft Kiews zweifelhafter Umgang mit der Wahrheit Fragen auf. Es zeigt sich immer deutlicher: Nicht nur der Kreml verbreitet im Ringen um die Ostukraine Propaganda. Auch die Ukraine kämpft mit allen Mitteln um die öffentliche Meinung, streut bewusst Desinformationen und Halbwahrheiten – und konnte sich bisher noch stets der Unterstützung aus dem Westen sicher sein. ...
Verlautbarungen der Armee übernehmen ukrainische Medien meist ungeprüft. Der Informationskrieg beginnt bereits mit der Sprache. Wie nennt man die bewaffneten Kämpfer in der Ostukraine? Sind es Separatisten, Aufständische oder Terroristen? Als Letztere bezeichnet die Regierung die Milizen – und fast alle Zeitungen und TV-Sender übernehmen diese Wortwahl.
Auch Militärinformationen über gefallene Soldaten, getötete Rebellen und Stellungen der Armee landen meist eins zu eins in der Presse. ...
Viele Militärnachrichten kommen von Dmitri Timtschuk, einem ukrainischen Ex-Militär, den auch westliche Medien häufig zitieren. Timtschuk betreibt in Kiew das "Zentrum für Gegeninformation" und berichtet meist sehr detailliert über die Kämpfe in der Ostukraine. Woher allerdings Timtschuk seine Informationen bezieht, ist unklar. Die Vermutung liegt nahe, dass Timtschuk von Kiew benutzt wird, um Informationen an die Öffentlichkeit zu lancieren. ...
Die Ukraine mag sich im Informationskrieg ähnlicher Waffen wie Russland bedienen. Doch für die Pressearbeit in eigener Sache hat man in Kiew entschieden weniger Geld. Das Pressezentrum im Hotel "Ukraina", wo Oberst Lysenko jeden Tag über die militärische Lage spricht, wird privat finanziert. ..."

• Polnische Waffen für Kiewer Truppen nach großen Materialverlusten?
"Die ukrainischen Regierungstruppen haben im Verlauf ihrer Einsätze gegen die Separatisten im Osten des Landes schwere Verluste an Material erlitten. "Es wurde zwischen 60 und 65 Prozent der Militärtechnik zerstört", beschrieb Präsident Petro Poroschenko am Sonntagabend im ukrainischen Fernsehen die Verluste an Panzern und schwerem Gerät.
Mit dem vereinbarten partiellen Rückzug der Kampftruppen beider Konfliktparteien und der Bildung von Pufferzonen habe die Ukraine nunmehr die Gelegenheit, die Einheiten aufzufrischen, die lange Zeit im Kampf gestanden hatten. "In einer dieser Einheiten hat mein Sohn gekämpft", zitierte die russische Agentur Ria Nowosti den ukrainischen Staatschef.
In dem Interview betonte Poroschenko, dass sein Land den Frieden brauche. Er selbst wolle alles unternehmen, "um den Friedensplan umzusetzen".
Polen will Waffen an die Ukraine verkaufen
Das Nato-Mitglied Polen hat sich zu Waffenverkäufen an die Ukraine bereiterklärt. Wenn das Nachbarland Rüstungsgüter kaufen wolle, sei die polnische Rüstungsindustrie nur zu gerne bereit, diese zu liefern, sagte Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak am Montag dem Privatsender Zet. ..." (Der Standard online, 22.9.14)

• Kiewer Truppen erhalten "nichttödliche" Waffen
"Die Ukraine wird laut Präsident Pjotr Poroschenko von den USA und einigen anderen Ländern nichttödliche Waffen erhalten, die dem Land helfen werden, seine Verteidigung zu festigen.
„Wir müssen Aufklärungs-, Radar- und andere Defensivwaffen erhalten, die es uns ermöglichen werden, die Effektivität unserer Waffen um ein Zehnfaches zu steigern und sie zu modernisieren“, sagte Poroschenko in einem Interview für ukrainische TV-Sender am Sonntagabend.
Er berichtete auch, dass der US-Präsident ihm bereits einen recht hohen Status der Beziehungen zwischen den USA und der Ukraine versichert hatte, in dessen Lichte Kiew keinen Sonderstatus des amerikanischen Partners benötige.
„Bei dem Treffen mit mir sagte er, dass die Ukraine den höchsten Status der Verteidigungszusammenarbeit mit den USA unter allen Ländern hat, die nicht Nato-Mitglieder sind“, so der ukrainische Präsident. ..." (RIA Novosti, 22.9.14)

• NATO dehnt sich aus und erklärt Russland zum Aggressor
In einem am 22.9.14 von den Nachdenkseiten veröffentlichten Interview äußert sich der Friedensforscher Daniele Ganser u.a. zur Frage, ob Russland der Aggressor im Ukraine-Konflikt ist:
"... Ich glaube nicht, dass Russland Westeuropa bedroht oder erobern möchte. Das stimmt nicht. Es kommt in der Geschichte immer sehr darauf an, wo man die Schnittstelle legt, ob man mit der Annexion der Krim anfängt, oder mit der Vorgeschichte, etwa dem Sturz von Janukowitsch im Februar 2014, oder mit der Vorgeschichte der Vorgeschichte, also beispielsweise dem Entscheid der NATO 2008, die Ukraine und Georgien in das Militärbündnis zu integrieren.
Für mich liegt die Wurzel des jetzigen Konfliktes in diesem Entscheid der NATO, der war gefährlich und falsch. Der US-Botschafter hatte schon damals erkannt, damit trete man auf einen „rohen Nerv“ der Russen. Die USA wussten also, dass dies Moskau sehr irritieren würde. Trotzdem hat die frühere US-Botschafterin bei der NATO, Victoria Nuland, aktiv am Sturz der Regierung Janukowitsch mitgewirkt. Nuland, das ist übrigens jene, die mit dem wenig schmeichelhaften Zitat „Fuck the EU“ bekannt geworden ist.
Nach dem Sturz von Janukowitsch und der Installierung des NATO-freundlichen neuen Präsidenten Poroschenko hat Putin dann sehr schnell reagiert und mit Truppen die Krim und den Osten der Ukraine übernommen. Dies verdeutlicht: Die Russen wollen nicht, dass die NATO sie umzingelt, sie wollen nicht, dass die Ukraine in die NATO aufgenommen wird. ...
Russlands Verhalten war also nicht nur folgerichtig, sondern sogar vorhersehbar?
Nun, ich denke John Mearsheimer, Professor in Chicago, hat recht, wenn er sagt, der Westen trägt die Hauptschuld am Krieg in der Ukraine, weil er die NATO immer weiter ausdehnt. Mearsheimer hat das gut so zusammengefasst: „Man stelle sich die Empörung in Washington vor, wenn China ein mächtiges Militärbündnis schmiedete und versuchte, Kanada und Mexiko dafür zu gewinnen“ ...
Wie kommt es, dass von all dem in unseren Medien kaum die Rede ist? Wieso geht die NATO offenbar so eindeutig als Sieger aus der aktuellen „Propagandaschlacht“ hervor? Und gelingt es ihr offenbar, massenweise Desinformationen zu verbreiten?
Nun, die NATO hat in verschiedenen Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz befreundete Journalisten, welche immer im Sinne der NATO schreiben. Das nennt man Information Warfare. Das ist Teil des Krieges. Nur geht es hier um die „Heimatfront“: Die Bürger zu Hause vor dem Bildschirm oder vor der Zeitung. Das überlässt man natürlich nicht dem Zufall. Seit Vietnam haben die USA gelernt, dass die Heimatfront ganz wichtig ist. Daher verfolgt man die einfache Technik: Den Gegner, in diesem Fall Putin, dämonisieren, Chaos schüren und die eigene Gewalt verdecken und Spuren verwischen. ...
Nur ganz wenige Politiker stellen mitunter kritische Fragen zu den NATO-Kriegen oder den NATO-Geheimarmeen. Diese Fragen werden dann aber von der Exekutive mit Verweis auf die militärische Geheimhaltungspflicht nicht oder nur oberflächlich beantwortet. Sowohl die Bürger wie auch die Parlamente in den 28 NATO-Staaten haben leider zunehmend aufgehört, kritisch über die NATO zu diskutieren und ihre dunkle Seite zu durchleuchten. Wir wollen den Balken in unserem Auge nicht sehen. Dabei ist die Bilanz der NATO wirklich trostlos. Sie ist tief in der Gewaltspirale verstrickt, und wenn sie nicht mehr weiter weiß, fordert sie noch mehr Rüstungsausgaben."
Kommentar: Auch das erinnert an die Vorgänge vor 100 Jahren: "Ein Leitfaden der Politik Bethmanns in der Julikrise war es, die anderen Mächte den ersten Schritt tun zu lassen, damit diese als Aggressoren erschienen."
Und: "Die Besprechungen in Potsdam [am 27. Juli 1914 – HS] fasste Moritz von Lyncker, der Chef des kaiserlichen Militärkabinetts, wie folgt zusammen: ‚Unsere Politik sei darauf gerichtet, Russland in die Rolle des Provozierenden zu drängen. ...'"

• Timoschenko: Frieden nutzt Putin
"Die Anführerin der „Batjkiwschtschyna“-Partei Julia Timoschenko ist davon überzeugt, das Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin bestehe in der Entwaffnung ukrainischer Armee sowie in der Eroberung ukrainischen Territoriums mit Hilfe von Friedensvereinbarungen. Das hat Julia Timoschenko am Sonntag in der Live-Sendung „Podrobnosti nedeli“ des „Inter“-TV-Senders erklärt.
„Man darf dem Putin nicht glauben, denn jedes mal, wenn er die Pausen anbietet, wenn er durch fremde Hände verschiedene Friedenspläne anbietet, verstärkt er seine militärische Präsenz an unseren Grenzen sowie auf unserem Gelände… Putins Strategie besteht in Zubindung uns durch falsche Friedensabkommen und in Eroberung Schritt für Schritt unserer Erde“, - kündigte Timoschenko an.
Ihren Worten nach seien die in Minsk unterzeichneten Dokumente „eine Lüge zu Zweck einer Entwaffnung unserer Armee, einer Neutralisierung unserer Verteidigung, im Tun so, dass die Europäische Union und die Vereinigten Staaten Sanktionen (gegen Russland – red.) schwächer machen oder sie überhaupt aufheben werden“. ..." (Ukrinform, 22.9.14)

• Krimtataren-Organisation unter Druck
"Zuerst stürmten Geheimdienstmitarbeiter das Hauptquartier der Medschlis - der Organisation der Krimtataren, einer Volksgruppe, die 12 bis 14 Prozent der Gesamtbevölkerung der Schwarzmeerhalbinsel stellt. Elf Stunden dauerte die Durchsuchung. Dabei wurden Computer-Festplatten, Dokumente, das neueste Buch von Krimtataren-Führer Mustafa Dschemilew sowie Teile der Auflage von »Avdet«, der Zeitung der Krimtataren, beschlagnahmt. Auch der Safe, in dem Dschemilew persönliche Dinge verwahrt, wurde geknackt, Augenzeugen berichteten, dass dabei auch Geld verschwunden sei.
Kaum waren die Geheimdienstler gegangen, kamen Gerichtsvollzieher und verlasen in Begleitung Schwerbewaffneter einen Vollstreckungsbeschluss des Stadtgerichts von Simferopol, der Hauptstadt der Krim. Damit werden die Medschlis und deren Unterorganisationen - darunter die karitative Stiftung Krim - beauflagt, das ihnen gehörende Gebäude binnen 24 Stunden zu räumen.
Das war vergangenen Dienstag. Am Donnerstag kamen die Gerichtsvollzieher wieder und hatten erneut nichts Gutes zu verkünden. Das Vermögen der Stiftung - darunter sieben Immobilen - sei gesperrt, die Eigentümer dürften darüber nicht mehr verfügen.
Razzien fanden dieser Tage auch in mehreren Moscheen statt. In Fontany, einem Vorort von Simferopol, sogar während des Gebets. Daneben wurden zahlreiche Privatwohnungen und eine krimtatarische Schule durchsucht. Der amtierende Republikchef Sergei Aksjonow hatte die »Maßnahme« mit »Hinweisen« begründet, wonach die Medschlis verbotene Literatur vertreibe und ihre Stiftung sich auch mit Drogen- und Waffenhandel finanziere. Die Beweislage ist allerdings sehr dürftig. Den Fahndern, die laut Augenzeugen mit Panzerfahrzeugen und Maschinengewehren anrückten, fielen lediglich drei religiöse Bücher in die Hände, die in Russland auf dem Index stehen. ..." (Neues Deutschland, 22.9.14)

• Foltervorwürfe gegen Kiewer Truppen
"Die Aufständischen im Donbass haben schwere Foltervorwürfe an die Adresse der ukrainischen Freiwilligenbataillone gerichtet. Auf einem ehemaligen Golfplatz bei Lugansk, der in den letzten Monaten als Standort des Bataillons »Aidar« genutzt wurde, seien mehrere Leichen mit Mißhandlungs- und Hinrichtungsspuren entdeckt worden. Ein ins Netz gestelltes Video zeigt Tote, die aus einem kleinen See auf dem Gelände des Golfplatzes geborgen worden seien. Den Leichen, darunter die einer Frau, fehlten Zehen und Finger. Sie waren mit Steinen an den gefesselten Füßen in dem Gewässer versenkt worden. Ob sie zu diesem Zeitpunkt noch lebten, ist unklar. Gegen das Bataillon »Aidar« hatte auch Amnesty International vor einigen Tagen Foltervorwürfe erhoben. Die nördlich von Lugansk eingesetzte Truppe ist auch unter Anwohnern für Plünderungen und Mißhandlungen mutmaßlicher »Separatisten« berüchtigt. Sie hatte die Position im Zuge der erfolgreichen Gegenoffensive der Aufständischen Anfang September räumen müssen.
Foltervorwürfe gegen den »Rechten Sektor« erhob unabhängig davon der mehrfache Europameister im Karate und Medaillengewinner für die Ukraine, Pjotr Giljow. Wie der im Zuge eines Gefangenenaustausches freigekommene Giljow dieser Tage russischen Zeitungen berichtete, sei er Ende Juni an einem Kontrollpunkt von Angehörigen dieser faschistischen Miliz aus einem Autobus heraus festgenommen und tagelang verprügelt, getreten und mit Stuhlbeinen und anderen Gegenständen traktiert worden. Angesichts seiner Prominenz habe der Sicherheitsdienst der Ukraine vom »Rechten Sektor« verlangt, ihn herauszugeben. Die Ermittlungsrichterin habe es angesichts seines körperlichen Zustands abgelehnt, ein Verfahren gegen ihn zu eröffnen. Giljow sagte, er habe die Torturen nur überlebt, weil er als professioneller Karatekämpfer gewohnt sei, Schmerz auszuhalten. ..." (junge Welt, 22.9.14)

• Das traditionsreiche Wirken der CIA in der Ukraine
... beschreibt Paul Schreyer in der Ausgabe der Tageszeitung junge Welt vom 22.9.14:
"... Nachdem die Nazis bei ihrem Vormarsch gegen die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg bereits auf die Unterstützung ukrainischer Nationalisten unter Stepan Bandera gesetzt hatten, nahm nach dem Krieg die CIA Banderas Sicherheitschef Mikola Lebid unter ihre Fittiche. Lebid wurde in internen Dokumenten von den Amerikanern als »bekannter Sadist und Kollaborateur der Deutschen« mit »hinterhältigem Charakter« beschrieben, und man wußte von ihm, daß die Gestapo ihn ausgebildet hatte. Lebid wurde zum wichtigsten Mann der CIA, um im Kalten Krieg Einfluß auf die Ukraine zu nehmen. Ab etwa 1950 war dies die Aufgabe der CIA-Operation »Aerodynamic«, zu deren Schlüsselfigur Lebid aufstieg. Es wurden Agenten in die Ukraine ein- und ausgeschleust und das Untergrundnetzwerk des Landes in jeder Hinsicht unterstützt. Ebenso wie heute ging es dabei im Kern um die Schwächung Moskaus. ...
Mitte der 1950er Jahre allerdings, nachdem es der Sowjetunion schließlich gelungen war, das Netzwerk von Mikola Lebid in der Ukraine zu infiltrieren, endete die aggressive Phase des CIA-Programms »Aerodynamic«. Das Ein- und Ausschleusen von Agenten und militanten Widerstandskämpfern war erst einmal passé.
In der Folge verlegte man sich auf den nicht weniger bedeutsamen verdeckten ideologischen Kampf. Unter Lebids Führung wurde in New York eine Art »Kulturprogramm« gestartet. Die CIA gründete dazu eine private Organisation namens »Prolog Research Corporation«, die ukrainische Zeitungen und Bücher herausgab sowie Radioprogramme produzierte. Parallel wurde eine Außenstelle in München namens »Ukrainische Gesellschaft für Auslandsstudien« geschaffen, wo die meisten »Prolog«-Veröffentlichungen entstanden. Die Corporation bezahlte eine ganze Reihe von ukrainischen Schriftstellern im Exil, von denen die meisten nichts vom CIA-Hintergrund der Organisation wußten. Die schönen Künste wurden zur Propagandawaffe. Das Geheimdienstprogramm unterstützte in den 1970er Jahren sogar Ausstellungen ukrainischer Kunst in den USA, wobei der Schwerpunkt auf Arbeiten von Dissidenten lag, die in der Ukraine verboten waren. ...
In den 1960er und 1970er Jahren beeinflußte »Prolog« eine ganze neue Generation von Ukrainern, die weder ahnten, daß die USA der Zahlmeister vieler ihrer Ideengeber waren, noch, daß diese Unterstützung ihres nationalen kulturellen Selbstbewußtseins nur ein Mittel zu einem größeren imperialen Zweck sein sollte.
Lebid setzte sich 1975 zur Ruhe, blieb aber weiterhin Berater von »Prolog«. Ende der 1970er Jahre weitete Zbigniew Brzezinski, damals Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident James Carter, das Programm weiter aus, da er von dessen Erfolg überzeugt war. Sein familiärer Hintergrund spielte wohl ebenso eine Rolle – Brzezinskis Vater, ein polnischer Diplomat, war im Gebiet der späteren Ukraine aufgewachsen. In den 1980er Jahren wurde das Programm auf weitere Nationalitäten innerhalb der Sowjetunion ausgedehnt und galt letztlich als eines der erfolgreichsten dieser Art für die CIA. ...
Und so führt der rote Faden von den militanten 1940er Nachkriegsjahren und dem Elitenberater Allan W. Dulles über die Zusammenarbeit mit ukrainischen Nazikollaborateuren wie Mikola Lebid bis hin zur waffenlosen »Soft power« der Intellektuellenförderung durch CIA wie NED und nun zu einer wieder militanten Gegenwart mit CIA-Beratern beim »Antiterror«-Krieg in der Ostukraine. Dazu passen auch die aktuellen Aussagen von Semjon Semjontschenko, dem Anführer des rechtsnationalen ukrainischen Bataillons »Donbass«, der eigenen Angaben zufolge derzeit in Washington weilt, um Gespräche mit US-Politikern zu führen und ein Training seiner Kämpfer durch die US-Armee zu vereinbaren. ..."

• Demo in Moskau gegen Krieg und Putin
"„Nein zum Krieg“, skandierten tausende Demonstranten am Sonntag in Moskau. Erstmals seit Ausbruch des Konflikts in der Ostukraine manifestierte sich in der russischen Hauptstadt der Widerstand gegen die Politik Wladimir Putins. „Wofür sterben unsere Soldaten?“, hieß es auf Plakaten auf dem Friedensmarsch im Zentrum Moskaus.
Auch Michail Chodorkowski, der prominenteste Putin-Kritiker, signalisierte aus seinem Schweizer Exil Unterstützung für die Demonstranten. „Unser Land nimmt direkt oder indirekt an dem Konflikt teil“, notierte er auf der Homepage seines soeben gegründeten Oppositionsbündnisses Open Russia, die die Zivilgesellschaft in Russland fördern soll. In einem „Spiegel“-Interview kritisierte er: „Der Westen hat mit seiner sogenannten Realpolitik bei Putin die Überzeugung genährt, dass er und seine Umgebung alles dürfen.“ ..." (Die Presse online, 21.9.14)
"Tausende Menschen haben sich am Sonntag im Zentrum von Moskau zu einem „Friedensmarsch“ eingefunden. An der von Oppositionsparteien organisierten Aktion nehmen sowohl Anhänger der russischen Opposition als auch Unterstützer der nicht anerkannten „Volksrepubliken“ in der Ost-Ukraine teil.
Der „Friedensmarsch“ hat auf dem Puschkin-Platz in Moskaus Stadtkern begonnen und soll am Sacharow-Prospekt enden. Zu der behördlich genehmigten Aktion sind nach Polizeiangaben rund 5000 Menschen gekommen. Die Veranstalter hatten 50.000 Teilnehmer angekündigt. "Nein zum Krieg!", skandieren die Demonstranten. Viele von ihnen tragen ukrainische Staatssymbole, andere halten Flaggen der von Kiew abtrünnigen Donezker und Lugansker „Volksrepublik“ hoch. Hunderte Polizisten sorgen für die öffentliche Sicherheit. ..." (RIA Novosti, 21.9.14)

• Warmlaufen für den Regimewechsel in Moskau: Chodorkowski mit präsidialen Ambitionen
"Der frühere russische Ölmagnat Michail Chodorkowski hat Ambitionen auf das Präsidentenamt angedeutet. Zunächst will er Kreml-Chef Wladimir Putin aber mit der proeuropäischen Oppositionsbewegung "Offenes Russland" herausfordern, die er am Samstag in Paris gründete. Der 51-Jährige war erst im Dezember nach zehn Jahren Lagerhaft von Putin begnadigt worden - unter der Bedingung, sich nicht mehr in die Politik des Landes einzumischen.
Bei der Gründungszeremonie der Initiative in Paris rief Chodorkowski seine Landsleute auf, sich vor den 2016 anstehenden Parlamentswahlen für politische Reformen und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. "Offenes Russland" soll über eine Online-Plattform ein Forum für Gleichgesinnte bieten, ist laut Chodorkowski aber keine politische Partei. ...
Der französischen Zeitung "Le Monde" sagte er: "Wenn sich das Land normal entwickeln würde, wäre ich nicht daran interessiert, Präsident zu werden." Sollte Russland aber jemanden brauchen, "um das Land aus der Krise zu führen und die Verfassung zu reformieren, also vor allem die Macht des Präsidenten auf die Justiz, das Parlament und die Zivilgesellschaft zu verteilen, dann stünde ich für diesen Teil der Aufgabe bereit".
Im Gegenzug für seine Freilassung hatte Chodorkowski faktisch versprechen müssen, sich aus der russischen Politik herauszuhalten. Eine offizielle Reaktion des Kreml-Chefs auf die Gründung von "Offenes Russland" gibt es nicht. "Ich denke, er wird verärgert sein", sagte Chodorkowski in Paris, zumal der Ex-Oligarch auch den Sturz der prorussischen Regierung in der Ukraine offen begrüßte.
"Putin ist mein politischer Gegner, aber ich hasse ihn nicht", sagte Chodorkowski dem "Spiegel" in einem weiteren Interview. Darin warf er den westlichen Staaten vor, dem Kreml-Chef zu lange freie Hand gewährt zu haben: "Der Westen hat mit seiner sogenannten Realpolitik bei Putin die Überzeugung genährt, dass er und seine Umgebung alles dürfen. Die Botschaft war: Lasst uns gute Geschäfte machen, ansonsten ist alles erlaubt." ..." (AFP, 21.9.14)

• Waffenruhe wieder ignoriert - NATO sieht weiter russische Soldaten
"Trotz der Einigung auf eine Waffenruhe und eine entmilitarisierte Pufferzone in der Ostukraine reißt die Gewalt in der Konfliktregion nicht ab. Nachdem die Großstadt Donezk bereits am Samstag von Explosionen erschüttert wurde, war zuletzt rings um den nahegelegenen Flughafen Gefechtslärm zu hören. Die Ukraine-Kontaktgruppe hatte eine Vereinbarung zur Entspannung der Lage unterzeichnet - ob und wann sie umgesetzt wird, ist unklar. ...
Die ukrainischen Streitkräfte erklärten, nach der Unterzeichnung des Neun-Punkte-Plans seien zwei Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden. Solange die Waffenruhe als Hauptpunkt des Abkommens nicht uneingeschränkt gelte, "können wir auch nicht über die folgenden Punkte reden", sagte Armeesprecher Andrej Lyssenko.
Die Aufständischen wiederum erklärten, dass ihre Stellungen rund um den von Regierungstruppen gehaltenen Flughafen Donezk beschossen worden seien. Als Vergeltung habe es Gegenangriffe gegeben. "Beide Seiten wollen einander demonstrieren, dass sie noch da sind", sagte ein Rebell der Nachrichtenagentur AFP. Nach örtlichen Behördenangaben brachten am Samstag zudem Artilleriegeschosse eine von den Rebellen kontrollierte Waffenfabrik und ein Sprengstofflager in einem Vorort von Donezk zur Explosion, ohne dass es dabei Tote gab.
Auch Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove kam zu dem Schluss, dass die Waffenruhe "nur auf dem Papier existiert. Was auf dem Boden passiert, ist eine völlig andere Sache". Außerdem seien nach wie vor russische Soldaten im Osten der Ukraine stationiert, sagte Breedlove im litauischen Vilnius, wo die Nato am Vorabend den Aufbau fünf regionaler Kommandozentralen entlang ihrer Außengrenze zu Russland angekündigt hatte. ..." (AFP, 21.9.14)

• Armee stellt Pufferzone in Frage
"Die ukrainische Armee hat die dauerhafte Einhaltung einer Waffenruhe im Osten des Landes zur Voraussetzung für die verabredete Einrichtung einer Pufferzone erhoben. Die Waffenruhe sei einer der Hauptpunkte der in Minsk getroffenen Übereinkunft zwischen Kiew und den Rebellen, sagte der Armeesprecher Andrej Lyssenko.
"Solange dieser Punkt nicht erreicht ist, können wir auch nicht über die folgenden Punkte reden." Seit der Unterzeichnung des Neun-Punkte-Plans am Samstag seien zwei Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden. Auch die Aufständischen in Donezk teilten mit, dass immer wieder Schüsse und Explosionen zu hören seien. Demnach hielten die ukrainischen Regierungstruppen weiter viele Stellungen mithilfe schwerer Artillerie unter Kontrolle. ..." (Die Presse online, 21.9.14)

• Steinmeier: Russland muss sich bewähren
Die Lübecker Nachrichten veröffentlichten in ihrer Online-Ausgabe am 20.9.14 ein Interview mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier:
"... LN: Russland ist im April nicht dabei. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass aus G7 wieder G8 wird?
Steinmeier: Das Aussetzen der Mitgliedschaft Russlands war kein Selbstzweck, sondern eine Reaktion auf das Vorgehen gegen die Ukraine, insbesondere auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim. Unser Interesse ist es nicht, Russland dauerhaft zu isolieren. Nach der Vereinbarung des Zwölf-Punkte-Plans zwischen Präsident Putin und Präsident Poroschenko kann Russland beweisen, dass es sich an Verabredungen hält und die Einheit der Ukraine achtet. Passiert das, können wir wie angekündigt über die Rücknahme von Sanktionen entscheiden — und auch darüber, ob wir von G7 zu G8 zurückkehren.
LN: Der Waffenstillstand in der Ukraine hält einigermaßen. Eine Folge der Sanktionen?
Steinmeier: Vielleicht ist es eher so, dass beide Seiten an den Punkt gekommen waren, an dem sie erkennen mussten, dass eine militärische Lösung des Konflikts nicht möglich ist, sondern nur weitere Tausende von Todesopfern bedeutet hätte. Aber ganz sicher haben die Sanktionen tiefe Spuren in der russischen Wirtschaft hinterlassen. Der Kapitalabfluss ist stark gewachsen, die Zurückhaltung ausländischer Investoren ebenso. Die Notenbank musste intervenieren, um den Rubel zu stützen. Eine Fortsetzung der bisherigen russischen Politik gegenüber der Ukraine wäre mit ernsten wirtschaftlichen Folgen verbunden.
LN: Sind Sie im Ukraine-Konflikt optimistischer geworden?
Steinmeier: Nicht in dem Sinne, dass wir in naher Zukunft wieder in die Normallage europäisch-russischer Beziehungen zurück pendeln. Dazu ist zu viel Vertrauen zerstört worden. Aber wir waren in einer ausgesprochen gefährlichen Situation, in der eine offene militärische Konfrontation zwischen russischen und ukrainischen Streitkräften immer wahrscheinlicher wurde.
Das zeigt, wie viel durch eine Waffenruhe, mag sie auch brüchig sein, schon gewonnen ist. Das ist zwar noch nicht die politische Lösung, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Politische Lösungen entstehen nicht im Mündungsfeuer von Gewehren. Man braucht diese Phase des Waffenstillstands, um sie wieder möglich zu machen. ..."

• Ex-Außenminister Genscher zweifelt an Sanktionen gegen Russland 
"In der aktuellen Folge der Fernsehsendung Im Dialog (die die Presse vorab sehen durfte) stellt der langjährige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher den Sinn der EU-Sanktionen gegen Russland infrage: Er, so der FDP-Politiker, habe seine "Zweifel, ob wir am Ende sagen werden, das war eine besonders erfolgreiche Unternehmung".
Sanktionen sind Genschers Worten nach "wie eine Leiter": Es geht "immer eine Stufe höher, und auf einmal ist sie zu Ende". Diejenigen, die das Instrument einsetzen, stehen dem 87-Jährigen zufolge irgendwann "vor der Frage, ob sie wieder runterklettern oder runterspringen". Und das möchte der Vermittler der deutschen Wiedervereinigung den Europäern "lieber ersparen".
Außerdem rät der maßgeblich am Aushandeln der KSZE-Schlussakte von Helsinki beteiligte Austragspolitiker seinen aktiven Kollegen zur sprachlichen Mäßigung, weil "starke Worte" seiner Ansicht nach nicht weiterführen und "Aufrüstung oft mit der Aufrüstung der Worte begonnen hat". Zudem, so Genscher, könne auch das russische Volk "Respekt von seinen Nachbarvölkern" erwarten. Überdies müsse die deutsche, europäische und US-amerikanische Politik stärker berücksichtigen, dass die NATO in der Vergangenheit Zusagen verletzte: "Russland hat […] akzeptiert, dass die unabhängig gewordenen Staaten Mitglied der Europäischen Union wurden. Wenn aber dann, zusätzlich zur NATO-Mitgliedschaft, etwas nicht mehr eingehalten wird, was man zugesagt hatte, wie in der NATO-Erklärung von 1997, die besagt, dass man nicht ständige Stationierungen in den neuen Mitgliedsländern vornehmen will, und dann dort Raketenabwehrstellungen gebaut werden sollen, dann bedeutet das eine Veränderung."
Dass die Waffensysteme in Osteuropa "sicher nicht, […] wie vorgegeben wird, gegen Iran aufgebaut werden, sondern dass sie natürlich auch in eine andere Richtung wirksam sind", erklärt Genschers Ansicht das neue russische Misstrauen gegenüber dem westlichen Militärbündnis.
Aber auch ein "gegenseitiges Aufrechnen" würde seinen Worten nach nicht weiterführen. Stattdessen müsse man offen mit Putin sprechen und akzeptieren, dass er die "klare Zielsetzung hat, [für Russland] eine Position zu schaffen, die nichts mehr mit der Schwächeposition eines [Boris] Jelzin zu tun hat". ..." (Telepolis, 20.9.14)

• Moskau rechnet nicht mit baldiger Aufhebung der Sanktionen
"Russlands Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew erwartet zwar keine neuen Sanktionen des Westens gegen Russland, die bereits bestehenden Sanktionen werden allerdings nach seiner Ansicht kaum in absehbarer Zeit aufgehoben.
„Ich denke, dass es eher keine neuen Sanktionen geben wird“, sagte er am Samstag am Rande des Wirtschaftsforums in Sotschi. „Die bereits beschlossenen Sanktionen werden allerdings noch lange bestehen, und zwar unabhängig von der Entwicklung in der Ukraine. Selbst bei der Umsetzung aller in Minsk erzielten Vereinbarungen werden die Sanktionen wohl kaum aufgehoben. Wir werden noch lange damit leben müssen. Im Haushaltsentwurf für 2015 sind wir zwar von der Aufhebung der Sanktionen ausgegangen, mir persönlich scheint es aber, dass dies nicht geschehen wird.“ ..." (RIA Novosti, 20.9.14)

• Poroschenko: Kriegstreiber keine Gesinnungsgenossen
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat am 16.9.14 Journalisten gegenüber das Gesetz zum auf drei Jahre befristeten Sonderstatus der Donbass-Region als "Grundlage für den Frieden" bezeichnet. "Die Ukraine braucht entscheidend Frieden und ich persönlich bin für die Umsetzung des Friedensplans verantwortlich. Jeder, der Krieg will, ist nicht mein Gesinnungsgenosse", wird er vom präsidialen Pressedienst zitiert. Poroschenko sprach sich für Versöhnung mit der "neuen Regierung" in den Regionen Lugansk und Donezk aus, die die dort Lebenden wählen sollen. Die Dezentralisierung der Macht und mehr Befugnisse für die Regionen "waren und sind die wichtigsten Punkte des Friedensplans". Frieden und Harmonie zu bringen, das "ist mein Weg", so der Präsident.
"Wir lassen es nicht zu, dass der fragile Waffenstillstand zerstört und die Ukraine in einen verbrecherischen Krieg gezogen wird. Heute haben wir mehr möglich gemacht, das Sterben der Menschen in der Ostukraine zu stoppen. Das ist die Hauptsache." Es müsse sicher gestellt werden, dass auch die Gegner diesen Schritt mitgehen.

Sonntag, 21. September 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 76

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 19:41 Uhr)

• Russland will Ostukraine nicht angliedern
Die Redaktion des Online-Magazins Luftpost aus Kaiserslautern hat einen Beitrag des US-Historikers Eric Zuesse zur Frage, ob Russland die Ostukraine einverleiben will, auf deutsch veröffentlicht:
"Der Anführer der ukrainischen Separatisten hat erklärt, das an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtete Begehren, das von den Separatisten gehaltene Territorium in Russland einzugliedern, sei von der russischen Regierung zurückgewiesen worden. Er fügte hinzu:" Deshalb werden wir unseren eigenen Staat aufbauen." [Diese wichtige Erklärung, die Rebellenführer Andrei Purgin (s. http://en.itar-tass.com/world/748746 ) am Mittwoch, dem 17. September, abgegeben hat, wurde in einer Meldung der US-Presseagentur The Associated Press / AP über "Verluste in der Ostukraine" mehr versteckt als verbreitet (AP-Meldung s. unter http://www.masslive.com/news/index.ssf/2014/09/east_ukraine_casualties_rise_a.html ). Es ist typisch für die propagandistische Berichterstattung der US-Medien; wichtige Meldungen, die nicht in die Propaganda der US-Regierung passen, unter anderen Nachrichten zu verstecken und keinesfalls durch Schlagzeilen hervorzuheben. Das ist auch mit dieser Erklärung geschehen.]
Die russische Regierung hat also klargestellt, dass sie das jetzige Territorium Russlands nicht erweitern will. Russland hat zwar rund eine Million Flüchtlinge aufgenommen, die vor dem Bürgerkrieg in der Ukraine geflohen sind, will aber keinen Anteil vom Territorium der Ukraine. Die Krim gehörte von 1783 bis 1954 traditionell zu Russland, bis sie (Chruschtschow), der damalige Chef der Sowjetunion, an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik abtrat (s. http://www.welt.de/geschichte/article125628675/Und-ploetzlich-gehoerte-die-Krim-zur-Ukraine.html ); die Einwohner der Krim haben diese Abtretung aber nie akzeptiert und sich überwiegend weiterhin als Russen gefühlt. Obwohl der Pachtvertrag der russischen Marine für Sewastopol, den Hafen ihrer Schwarzmeer-Flotte auf der Krim, erst 2042 ausgelaufen wäre, wollte die im Februar an die Macht geputschte ukrainische Regierung ihn vorzeitig kündigen. Dadurch wäre die Verteidigungsfähigkeit Russlands entscheidend geschwächt worden. Außerdem drohten die neuen ukrainischen Machthaber Russland mit einem Atomkrieg. Deshalb hat Putin den (in einer Volksabstimmung von dem Krim-Bewohnern gewünschten) Anschluss der Krim an Russland akzeptiert, lehnt aber die  Angliederung weiterer Territorien der Krim an Russland  entschieden ab. ...
Präsident Putin und Präsident Obama stehen seit dem von der Obama-Regierung inszenierten Putsch im Februar regelmäßig in direktem Kontakt miteinander. Vielleicht ist der Verzicht Putins auf ukrainisches Territorium Teil einer  Abmachung zwischen den beiden führenden Politikern, die Obama dazu verpflichtet, dem ukrainischen Militär – trotz des Drängens der Republikaner und konservativer Demokraten im Kongress – keine Waffen zur Fortsetzung der ethnischen Säuberung zur Verfügung zu stellen. ..." (Luftpost, 22.9.14)

• Aufständische melden Rückzug Kiewer Truppen
"Nach der Einigung auf eine demilitarisierte Zone in der Ostukraine registrieren die prorussischen Separatisten einen Rückzug von Regierungstruppen aus Ortschaften im Raum Donzek. Das meldete die Agentur Interfax am Sonntag unter Berufung auf die Aufständischen. Auch die Waffenruhe in den nicht anerkannten "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk hält im Großen und Ganzen, wie Medien berichten.
Die Lage sei insgesamt weiter gespannt, teilten die Separatisten mit. Sie hatten unter Vermittlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Nacht auf Samstag eine Pufferzone von 30 Kilometern vereinbart. In der Zone sind keine Waffen oder Kampfverbände erlaubt." (Wiener Zeitung online, 21.9.14)

• Angehörige deutscher MH17-Opfer wollen Kiew verklagen
"Hinterbliebene deutscher Opfer des in der Ukraine abgestürzten Passagierflugzeugs von Malaysia Airlines wollen das Land vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen. Nach internationalem Recht sei "jeder Staat für den Luftraum über seinem Staatsgebiet verantwortlich, wenn er ihn für Durchflüge öffnet", sagte der Rechtsanwalt und Luftfahrtrechts-Professor Elmar Giemulla.
Könne ein Staat die Sicherheit nicht gewährleisten, müsse er seinen Luftraum sperren, was im Fall von Flug MH17 nicht geschehen sei, sagte Giemulla, der drei deutsche Opferfamilien vertritt, der Zeitung "Bild am Sonntag".
Die Ukraine habe damit in Kauf genommen, dass das Leben Hunderter unschuldiger Menschen "vernichtet worden ist", so Giemulla weiter. Die Ukraine habe damit eine Menschenrechtsverletzung begangen. Giemulla will deshalb für die deutschen Hinterbliebenen in etwa zwei Wochen beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im französischen Straßburg eine Klage gegen die ukrainische Regierung und Staatschef Petro Poroschenko einreichen.
Der Vorwurf lautet nach Giemullas Angaben auf Totschlag durch Unterlassen in 298 Fällen. Der Anwalt will hohe Schmerzensgeldforderungen durchsetzen. ..." (Wiener Zeitung online, 21.9.14)

• Kiew hat kein Geld für neue Waffen
"Für den Erwerb neuer Kampftechnik für die ukrainische Armee gibt es laut Alexander Daniljuk, Berater des Verteidigungsministers, kein Geld.
„Oft wird die Frage gestellt, warum das Verteidigungsministerium die Militärtechnik nicht kauft, die in ukrainischen Verteidigungsindustriebetrieben herumsteht“, schrieb Daniljuk in seinem Facebook. „Meine Antwort: Wir haben kein Geld für die Ausrüstung der Armee mit neuer Technik. Gerade deshalb gilt die Priorität der Wiederherstellung und Modernisierung der bestehenden Technik.“
Zuvor hatte der ukrainische Justizminister Pawel Petrenko auf die Korruption im Generalstab hingewiesen und die Notwendigkeit betont, die ukrainische Armee aufzulösen." (RIA Novosti, 20.9.14)

• Moskau: Söldner auf beiden Seiten
"Russlands Botschafter in Kiew, Michail Surabow, der Moskau bei den Verhandlungen der Kontaktgruppe für die Regelung des Ukraine-Konflikts in Minsk vertritt, sieht Söldner auf beiden Seiten des Konflikts.
„Unsere Kollegen haben bereits mehrmals Fakten angeführt, wonach  jene, die wir als Söldner bezeichnen, sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite präsent sind“, kommentierte er den Punkt des am Samstagmorgen angenommenen Memorandums, in dem es um den Abzug ausländischer Kräfte und Rüstungen vom Territorium der Ukraine geht.
„Solche Feststellungen stehen mit unserer Auffassung der Situation absolut im Einklang“, fügte er hinzu. „Das ist notwendig, und wir werden uns damit befassen.“
„Ich möchte betonen, dass die Kontrolle der OSZE in dieser Frage eine zentrale Aufgabe dieser Organisation sein wird“, sagte Surabow. ..." (RIA Novosti, 20.9.14)

• Chodorkowski gründet Anti-Putin-Bewegung
"Der ehemals reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski, rief seine Landsleute heute auf, sich gemeinsam für einen politischen Kurswechsel und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. Die von ihm gegründete Bewegung «Offenes Russland» soll über eine Online-Plattform ein Forum für Gleichgesinnte bieten, ist laut Chodorkowski aber keine politische Partei. Die Gründungszeremonie in Paris wurde im Internet übertragen.
«Wahre Patrioten sollten ihrem Land und Volk auch in düsteren Zeiten dienen», sagte Chodorkowski, der im Dezember nach zehn Jahren Lagerhaft von Putin begnadigt worden war und mittlerweile in der Schweiz lebt. «Eine Minderheit kann einflussreich sein, wenn sie sich organisiert.»
Dass Russland nicht zu Europa gehöre, sei «eine Lüge derjenigen, die das Land ein Leben lang beherrschen wollen, die auf Gesetz und Justiz spucken». In Wirklichkeit sei Russland «sowohl geographisch als auch kulturell» ein Teil Europas, sagte Chodorkowski. ..." (Tages-Anzeiger online, 20.9.14)

• Weiter Gefechte trotz Waffenruhe - neuer Hilfskonvoi
"Auch zwei Wochen nach Beginn einer offiziellen Feuerpause kommt es in der Ostukraine weiter zu Kampfhandlungen. Die Großstadt Donezk wurde von mehreren heftigen Explosionen erschüttert. Nach Darstellung der prorussischen Aufständischen schlugen zwei Raketen in eine Rüstungsfabrik ein.
Dem ukrainischen Militär zufolge gab es Artilleriebeschuss in mehreren Gebieten der Ostukraine.Verstöße gegen die Waffenruhe sollte eine zuvor im weißrussischen Minsk zwischen den Konfliktparteien getroffene Vereinbarung verhindern.Danach müssen beide Seiten schwere Waffen um jeweils 15 Kilometer zurückziehen.
Kurz nach dem Treffen von Minsk entsandte Russland einen dritten Hilfskonvoi in das Konfliktgebiet.Rund 200 Lkw passierten nach russischen Angaben ohne Kontrolle die Grenze bei Rostow und fuhren nach Donezk.Die Ladung der Lastwagen soll aus 2000 Tonnen Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung von Donezk bestehen." (Euronews, 20.9.14)

• Vor der Wahl wird Atmosphäre der Angst geschürt
Die Tageszeitung junge Welt hat in ihrer Ausgabe vom 20.9.14 ein Interview mit der ukrainischen oppositionellen Parlamentarierin Jelena Bondarenko veröffentlicht:
"Der Innenminister Arsen Avakov soll erklärt haben, wenn Jelena Bondarenko im Parlament auftrete, möchte er zur Pistole greifen. Julia Timoschenko hat ja schon mal einen ähnlichen Wunsch in Bezug auf den russischen Präsidenten geäußert. Das zeigt zwar, wes Geistes Kind solche selbsternannten Demokraten sind. Aber sollte man solche Kraftmeierei ernstnehmen?
Wenn man schon einmal auf Sie geschossen hätte – und mir ist das im Dezember 2013 in Kiew widerfahren –, dann würden Sie Drohungen dieser Art nicht nur als primitive Rhetorik nehmen.
Ich kenne die Fernsehbilder, sah, wie oppositionelle Parlamentarier von Abgeordneten der Regierungsparteien verprügelt wurden. Insofern habe ich keinen Zweifel, daß Ihre Ängste und Sorgen berechtigt sind. Geht es auch anderen Oppositionspolitikern so?
Natürlich, ich bin ja kein Einzelgänger. Meine Partei…
… die Partei der Regionen, bis zum Putsch im Februar Regierungspartei …
… hat eine Erklärung zu den fortgesetzten Übergriffen abgegeben, die auf unserer Homepage zu lesen ist. Die hiesigen Medien interessieren sich jedoch so wenig dafür wie die Strafverfolgungsbehörden. Vor der Unterdrückung der Opposition verschließen die Rechtsorgane und die vierte Gewalt die Augen. Journalisten wurden eingeschüchtert durch Angriffe auf die Medienholding »Vesti«, andere – etwa der bekannte Publizist Sergej ­Leschtschenko oder Nayyem von der Ukrainskaja Prawda – ließen sich mit einem Listenplatz in der Poroschenko-Partei ködern. Damit scheiden sie als bislang kritische Journalisten aus. Da steckt System dahinter, die Opposition soll mundtot gemacht werden. ...
... Aber meinen Sie nicht, daß es in der Ukraine weitaus größere Probleme gibt als die von Ihnen angesprochenen? Es herrschte Bürgerkrieg, und selbst wenn jetzt die Waffen ruhen, gibt es riesige Schäden. Die Versorgung in weiten Landesteilen mit Energie, Lebensmitteln und anderen Gütern ist gestört, wenn nicht gar zusammengebrochen, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Und der Winter steht vor der Tür. Experten sehen eine humanitäre Katastrophe spätestens im Januar. Was meinen Sie, weshalb schon am 26. Oktober gewählt werden soll? Ursprünglich wollte Poroschenko sogar Anfang Oktober wählen lassen. Im November beginnt es kalt zu werden. Da würden bereits weitaus mehr Menschen sich in der Wahlkabine für die Politik der derzeit Herrschenden bedanken. Also zog man die Wahlen vor. Das alles ist Kalkül.
Petro Symonenko, Fraktionschef der Kommunisten, wurde im Parlament verprügelt, Nikolaj Lew­tschenko aus Ihrer Partei gewaltsam vom Mikrofon entfernt…
Das sind nur die spektakulären Bilder, die nach draußen gehen. Man sieht doch nicht, wenn uns der Parlamentschef das Mikrofon abdreht oder Oppositionspolitiker von »friedlichen Demonstranten«, die von der Berichterstattung aufgehetzt wurden, vorm Parlamentsgebäude aufgelauert und angegriffen werden. Wir gelten als »Vaterlandsverräter«, die die Ost­ukraine an Rußland ausliefern wollen. Die Regierungspropaganda wirkt. Es herrscht eine Atmosphäre des Hasses und der Angst. Das westliche Ausland ist der Resonanzboden. Durch die einseitige, unkritische Berichterstattung dort werden die Kriegsparteien in Kiew in ihrem Handeln bestärkt. ..."

• Pufferzone in Ostukraine vereinbart
"Zwei Wochen nach Beginn der Waffenruhe in der Ostukraine haben sich Vertreter der Regierung in Kiew und der prorussischen Separatisten auf die Einrichtung einer Pufferzone geeinigt. Nach Angaben des ehemaligen ukrainischen Präsidenten Leonid Kutschma müssen beide Seiten ihre schwere Waffen jeweils um 15 Kilometer zurückziehen. So entsteht eine Sicherheitszone von 30 Kilometern. Fast sieben Stunden hatte die Kontaktgruppe in der weißrussischen Hauptstadt Minsk verhandelt.
Im von den prorussischen Separatisten kontrollierten Donezk begann man mit Aufräumarbeiten. Über den künftigen Status der von den Separatisten kontrollieren Gebiete im Osten der Ukraine soll erst später gesprochen werden." (Euronews, 20.9.14)
"... Der OSZE-Vorsitzende Didier Burkhalter hat die Einrichtung einer Pufferzone als beutenden Schritt für die friedliche Lösung der Krise bezeichnet. Er drückte die Hoffnung aus, dass die Übereinkunft der leidenden Bevölkerung in der Region Erleichterung bringen wird. Zudem rief der Bundespräsident alle Konfliktparteien auf, zu einer Deeskalation der Lage beizutragen.
Der Plan umfasst neun Punkte. Zentraler Punkt ist der Rückzug der Konfliktparteien um jeweils mindestens 15 Kilometer hinter eine sogenannte Kontaktlinie. «Dadurch entsteht eine Sicherheitszone von 30 Kilometern», sagte der Repräsentant der ukrainischen Führung, der frühere Staatspräsident Leonid Kutschma. Die Demilitarisierung solle noch am Samstag beginnen.
Der Aktionsplan knüpft an den Beschluss einer Waffenruhe für die Ostukraine vom 5. September an. Trotzdem kam es seither fast täglich zu Gefechten mit Toten.
Weiter vereinbarten die Konfliktparteien, in besiedelten Gebieten keine schweren Waffen einzusetzen, sowie die Sicherheitszone nicht mit Flugzeugen oder Drohnen zu überfliegen. Beobachtungsdrohnen der OSZE sind gemäss Kutschma ausgenommen. Österreich hat bereits die Bereitstellung solcher Drohnen zugesagt, die deutsche Regierung prüft eine Beteiligung.
Sämtliche ausländische Kämpfer sollen überdies das Land verlassen. Berichte über das heimliche Eindringen von Soldaten und russischen Militärfahrzeugen in die Ostukraine hatten den Konflikt zwischen Kiew und Moskau angeheizt. Das Aussenministerium in Moskau bekräftigte am Samstag erneut, es seien keine russischen Soldaten in der Ukraine. ..." (Tages-Anzeiger online, 20.9.14)

• Deutsche Angst vorm Regimewechsel in Moskau?
Auf Spiegel online hat sich am 18.9.14 der Moskau-Korrespondent des Magazin, Benjamin Bidder, schon mal vorgestellt, was wäre, "Wenn Putin stürzt":
"Im Frühjahr war ich Zeuge der Unterhaltung eines ukrainischen Offiziers mit einem westlichen Diplomaten. Der Ukrainer hatte eine Bitte: Der Westen solle helfen, Putin zu stürzen. Der Diplomat sagte: "Wir werden es versuchen."
Wahrscheinlich wollte er den Ukrainer nicht vor den Kopf stoßen. Die Frage stellt sich aber schon: Soll der Westen auf ein Ende der Ära Putin hoffen? Könnte er es beschleunigen, durch Druck und Sanktionen?
Russlands Wirtschaft zu ruinieren, erscheint nicht schwer. Der Kreml hat die Vorarbeit selbst erledigt. Über 470 Milliarden Euro sind seit 2008 aus dem Land abgeflossen, der Devisenschatz schmilzt seit 2012. Selbst hohe Ölpreise treiben die Wirtschaft nicht mehr an, die Kaufkraft lahmt, einen neuen Wachstumsmotor gibt es nicht.
Angesichts der Wirtschaftsprobleme könnte die Lage für Putin brenzlig werden. Dazu kommen politische Probleme. Auf Massendemonstrationen 2011 hat er mit mehr Zensur und Prozessen gegen die Opposition reagiert. Jetzt herrscht Ruhe, aber die Missstände gibt es noch immer. ...
Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um sich Putins politisches Ende auszumalen. Abwählen wie seinen Freund Gerhard Schröder kann man ihn nicht. Zwei Varianten sind denkbar: Entweder die jetzige Führungselite im Kreml installiert selbst einen Nachfolger. Oder die Russen jagen Putin und sein Umfeld davon, falls der Zorn über Korruption und Stagnation eines Tages überhandnimmt.
Und dann? Ist zu befürchten, dass im Kreml jemand das Ruder übernimmt, der noch radikaler denkt und handelt als Putin. Die Voraussetzungen dafür hat der Präsident mit seiner verfehlten Politik selbst geschaffen. Wenn die Kreml-Seilschaften einen Nachfolger einsetzen wollten, müssten sie ihn aus dem Umfeld des jetzigen Präsidenten rekrutieren. Dort hat Putin die Hardliner stark gemacht und Liberale verdrängt. ...
Putins Sturz wäre keine Erlösung, nicht für Russland und nicht für Europa. Demokratisch gesinnte Kräfte hätten kaum eine Chance auf eine Nachfolge, zumal der Kreml sie in den vergangenen Jahren systematisch zurückgedrängt hat. Die Hoffnungsträger des Westens sind schwach. Seit 2003 sitzen die Demokraten nicht mehr im Parlament. Das größte Talent der Opposition, Alexej Nawalny, steht seit Monaten unter Hausarrest. Der einzige Abgeordnete, der gegen die Annexion der Krim stimmte, ist außer Landes geflohen. ...
Was folgt daraus? Es bleibt nur die Wahl zwischen lauter schlechten Alternativen. Die Nato muss über Aufrüstung diskutieren, allein schon, um sich zu wappnen für das, was nach Putin kommen könnte.
Der Westen muss aber auch möglichst bald wieder auf Moskau zugehen, reden und Kompromisse anbieten. Nicht, weil Putin das verdient hätte, sondern weil eine Isolation Russlands mehr Probleme schafft, als sie lösen würde."

• Österreichischer Politiker: "Diese Konfrontation hat der Westen ausgelöst" 
Der österreichische Europapolitiker Johannes Voggenhuber von den Grünen im Interview mit der Wiener Zeitung, online veröffentlicht am 18.9.14:
""Wiener Zeitung": Herr Voggenhuber, der blutige Konflikt in der Ukraine hat in Europa alte Ängste wieder wachgerufen. Befinden wir uns bereits in einem neuen Kalten Krieg?
Johannes Voggenhuber: Ich weiß gar nicht, wo Sie das Wort "kalt" hernehmen. Wir haben Krieg in Europa, einen unnötigen und höchst gefährlichen Krieg, der auf beiden Seiten von einer Propagandaschlacht begleitet wird, mit zwei Geschichten, die aus völlig verschiedenen Welten zu stammen scheinen. Hundert Jahre nach Beginn des Ersten und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges herrscht eine Stimmung in Europa, als befände man sich in einer Zeitmaschine. Da werden Feindbilder wachgerufen, die mit der Realität nichts zu tun haben, da wird eine Kriegsstimmung geschürt, da gibt es eine Einheitsfront in den europäischen Medien wie vor dem Ersten Weltkrieg. Es handelt sich um eine brandgefährliche Situation, es müsste eigentlich ein Schock durch Europa gehen.

Wer hat diese Krise Ihrer Ansicht nach ausgelöst?
Diese Konfrontation hat der Westen ausgelöst, haben die geostrategischen Ambitionen von USA und Nato ausgelöst, für die sich eine ohnmächtige Europäische Union, deren Außenpolitik nicht existent ist, als Vehikel zur Verfügung gestellt hat. 1991, in der Zeit des Zusammenbruchs der Sowjetunion, hat Michail Gorbatschow eine Rede vor der UNO gehalten. Das "Time Magazine" nannte sie "Die visionärste Rede seit Roosevelt". Gorbatschow hat damals eine umfassende Kooperation auf allen Gebieten angeboten. Er sagte: Jetzt sind wir zum ersten Mal in der Geschichte in der Lage, jedes Problem in der Welt gemeinsam zu lösen. Der Westen hat dieses Angebot ausgeschlagen. Und viele Angebote danach.
Warum?
Weil in den USA eine Meinung vorherrscht, die in etwa so lautet: Wir haben mit dem Kalten Krieg so etwas wie den Dritten Weltkrieg gewonnen, es steht uns jetzt zu, das ehemalige Vorfeld der Sowjetunion in unseren Herrschaftsbereich überzuführen. Das ist kein Geheimnis, darüber wird zwar nicht in Europa, wohl aber in den USA breit diskutiert. Zbigniew Brzezinski, der führende geostrategische Kopf der USA, hat alle Ziele der USA in Bezug auf Russland ausführlich dargestellt: eindämmen, destabilisieren und umzingeln. Und das passiert auch seit 1991, obwohl die Nichterweiterung der Nato als Preis für die deutsche Wiedervereinigung akzeptiert wurde. ...
Was wollen die USA mit der von Ihnen geschilderten Politik eigentlich erreichen?
Erstens, den Zangengriff um Russland zu schließen. Ohne die Ukraine ist Russland nicht zu verteidigen, eine Nato-Anbindung Kiews ist für Moskau eine eminente Bedrohung. Das zweite Ziel ist, Europa an jeder weiteren politischen Einigung und damit Emanzipation zu hindern, es wieder in die Nato, in seine Nachkriegsordnung und unter die Hegemonie der USA zurückzuzwingen.
Warum ist denn Russland ohne die Ukraine nicht zu verteidigen?
Die Ukraine bildet im Ernstfall - wenn sie an die Nato angebunden ist - ein riesiges Aufmarschgebiet direkt an der 2300 Kilometer langen russischen Grenze. Da gäbe es für Russland kaum eine Verteidigung. Es gibt für diesen geostrategischen Coup einen Parallelfall: die Kuba-Krise im Jahr 1962. Damals hatte die UdSSR versucht, mit den USA dasselbe böse Spiel zu spielen, das heute Washington gegen Russland spielt. Es wurden Raketen nahe der US-Grenze stationiert, bei einem nuklearen Ernstfall hätte sich für die USA die Vorwarnzeit auf eine Minute reduziert. Heute postiert man Radars und Raketen dicht an Russlands Grenzen. ..."

• Wie mit Russland umgehen?
"Stimmte der schon fast zum Bonmot avancierte Werbeslogan des Blattes – „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf.“ – dann müsste einem wegen der groben Vereinfacher und Realitätsentsteller, die in der FAZ und ihrem Sonntagsableger zum Ukraine-Konflikt sowie zu Russland nicht nur fast ausschließlich zu Wort kommen, sondern dort auch in leitenden Sesseln platziert sind, nicht bange sein: Der mit- und weiterdenkende kluge (Leser-)Kopf wird den Parolen schon nicht aufsitzen. Wie zum Beispiel dieser des Außenpolitik-Chefs Klaus-Dieter Frankenberger: „Das ist ein Konflikt, den die Europäer weder gewollt noch vom Zaun gebrochen haben. Auch da sollte sich niemand von der russischen Propaganda und deren Sekundanten im Westen irre machen lassen.“
Als „Sekundant im Westen“ gestatte ich mir trotzdem den Hinweis, dass dergleichen selbst im eigenen Lager nicht unwidersprochen bleibt. Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart hielt einseitigen Schuldzuweisungen entgegen: „[...] jede Tat gehört in ihren Kontext.“ Wer diesen bezüglich des Ukraine-Konflikts nicht bereits im Blättchen nachgelesen hat, der kann das auch gut bei John Mearsheimer in der aktuellen Ausgabe von Foreign Affairs tun. Die Kurzfassung des amerikanischen Politologen lautet: „Alles in allem war der Westen in Russlands Hinterhof vorgestoßen und hat Moskaus elementare strategische Interessen bedroht, ein Punkt, auf den Putin mit Nachdruck und wiederholt hingewiesen hatte.“
Man mag eine solche Interpretation der diversen NATO- und EU-Erweiterungen durch Russland überzogen, gar unangemessen finden, aber sie kann bei einem Land, dessen frühere ukrainische Territorien sowohl im Ersten wie auch im Zweiten Weltkrieg den beabsichtigten tödlichen Vorstoß der deutschen Angreifer samt ihren jeweiligen Verbündeten ins Herz des Landes letztlich ins Leere laufen ließen, nicht wirklich verwundern. „Und“, so Mearsheimer, „es sind die Russen, nicht der Westen, die letztlich darüber entscheiden, was sie als Bedrohung empfinden.“ ...
Bleibt die Frage: Wie soll man mit Putin, mit Russland umgehen? Die Sanktionen verstärken, wie hierzulande und anderswo allenthalben lautstark gefordert wird? Dazu hat der Russland-Beauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), angemerkt: Angesichts des Risikos, das Putin in der Ukraine eingehe, dürften ihn weitere Sanktionen nur wenig beeindrucken. Ich teile diese Auffassung.
Ein ernsthafter westlicher Ansatz zur Konfliktlösung müsste demgegenüber das skizzierte strategische Interesse Russlands anerkennen und mit einbeziehen. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn angeboten würde, zwischen Moskau, Washington, Brüssel und Kiew den dauerhaften Bestand einer unabhängigen Ukraine in gesicherten Grenzen vertraglich zu vereinbaren – einschließlich des Verzichts, das Land (sowie weitere post-sowjetische Staaten) direkt oder indirekt in die NATO einzubinden, sowie der Zielstellung, die Ukraine zu einem „Scharnier“ an der Nahtstelle zwischen EU und Eurasischer Wirtschaftsunion zu entwickeln.
Stattdessen hat die NATO auf ihrem jüngsten Gipfel Anfang des Monats aber leider einmal mehr gezeigt, dass sie die tradierte Klaviatur der Konfrontation gegenüber Russland weit „virtuoser“ beherrscht als das ABC partnerschaftlicher Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung." (Wolfgang Schwarz in Das Blättchen, 15.9.14)

Freitag, 19. September 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 75

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 21.9.14, 13:06 Uhr)

• Brüssel hat Poroschenko erhört
"... Das Europäische Parlament verabschiedete eine Resolution, in der die EU aufgefordert wird, sich Russland mehr zu widersetzen. Die Waffenruhe wird ebenso begrüßt wie die "Gesetze über den Sonderstatus einiger Rajone der Gebiete Donezk und Luhansk und über eine Amnestie". Das sei ein "wichtiger Beitrag zur Deeskalation im Rahmen der Umsetzung des Friedensplans des Präsidenten der Ukraine". Man gibt sich aber besorgt über den "nicht erklärten hybriden Krieg" gegen die Ukraine. Vorgeworfen wird "regulären russischen Streitkräften und den Separatisten", dass sie vor allem die Waffenruhe verletzen würden. Zudem habe Russland "in den vergangenen Wochen seine militärische Präsenz im Hoheitsgebiet der Ukraine und seine logistische Unterstützung der Separatistenmilizen durch einen beständigen Zustrom von Waffen, Munition, gepanzerten Fahrzeugen und Gerät, Söldnern und getarnten Soldaten verstärkt" und Truppen an der Grenze stationiert. Erklärt wird, dass "die direkte und indirekte militärische Intervention Russlands in der Ukraine, einschließlich der Annexion der Krim, einen Verstoß gegen das Völkerrecht" darstelle.
Sinn der Resolution ist, dass sich die Mehrheit im Parlament hinter die Sanktionspolitik der EU stellt, während die Sanktionen Russlands als nicht gerechtfertigt betrachtet werden. Zwar wird gefordert, dass "klare Vorgaben" gemacht werden müssten, um neue Sanktionen auszuschließen oder beschlossene rückgängig zu machen, Bedingung müsse aber sein, dass der "vollständige Abzug russischer Streitkräfte und Söldner aus dem Hoheitsgebiet der Ukraine, die Einstellung der Waffenlieferungen an die Terroristen, die vollständige Einhaltung der Waffenruhe durch Russland, die faktische internationale Überwachung und Überprüfung der Waffenruhe und die Wiederherstellung der Hoheitsgewalt der Ukraine über ihr gesamtes Staatsgebiet" gegeben seien. Wie dies nachzuprüfen wäre, geht daraus nicht hervor, was auch deswegen seltsam ist, weil die bislang verbreiteten Belege über die Anwesenheit russischer Truppen schwer zu verifizieren sind. Offenbar werden aber wie auch immer ernsthafte oder scheinheilige Bemühungen um eine Deeskalation (Waffenstillstand, OSZE-Beobachter an der Grenze, Verhandlungen der Kontaktgruppe) nicht gewürdigt. ..." (Telepolis, 19.9.14)

• Dritter russischer Hilfskonvoi für Ostukraine
"Nach der Entsendung von zwei Hilfskonvois in die Ostukraine hat Russland eine dritte Lastwagenkolonne vorbereitet. Kiew habe keine Informationen darüber erhalten, sagte der ukrainische Sicherheitsratssprecher Andrej Lyssenko am Freitag örtlichen Medien zufolge. Nach russischen Angaben stehen rund 170 Lastwagen nahe der ukrainischen Grenze.Etwa 2000 Tonnen Hilfsgüter sollen in die Stadt Luhansk gebracht werden, wo die Versorgung der Bevölkerung wegen des blutigen Konflikts in der Ostukraine schlecht ist. Russland hatte zuletzt mit zwei Hilfskonvois internationale Kritik ausgelöst, weil diese eigenmächtig über die Grenze gefahren waren." (Der Standard online, 19.9.14)

• Polens Präsident: Ukraine als Schlüssel zu Russland
"Präsident Polens Bronislaw Komorowski glaubt, die Ukraine sei für gute wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland zum Schlüssel. Das hat er beim Östlichen Wirtschaftskongress in Białystok (Nordpolen) am Freitag erklärt, berichtet der eigene Ukrinform-Korrespondent.
„Meiner Überzeugung nach sei die Ukraine zum Schlüssel an Russland und folglich an Aussichten eines guten Business mit Russland, was wir alle uns auch in Polen wünschen“, - betonte das Oberhaupt des polnischen Staates.
Seiner Überzeugung nach werde der Erfolg des prowestlichen Kurses der Ukraine zu „einer gigantischen Quelle des Einflusses, der Anerkennung und des Vorbildes für die russische Gesellschaft“. ..." (Ukrinform, 19.9.14)

• UN-Sicherheitsrat berät zu MH17-Katastrophe
"Der Uno-Sicherheitsrat erörtert am 19. September den Verlauf der Ermittlungen zum Absturz der malaysischen Boeing in der Ukraine. Diese Sitzung wurde von Russland initiiert. Die Tragödie ereignete sich vor zwei Monaten, die Ermittlung hat jedoch bisher praktisch keinerlei Ergebnisse bekanntgegeben.
Russland wird nicht erlauben, dass die Untersuchung der Absturzumstände der malaysischen Passagiermaschine in der Ukraine gebremst wird, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Am 9. September veröffentlichten die Niederlande erste Ermittlungsergebnisse. Die Hauptschlussfolgerung in dem langerwarteten Bericht wurde die Feststellung der Tatsache, dass das Flugzeug wegen unzähliger von außen her zugefügter Beschädigungen in der Luft zerfallen sei. Woher dieser Schlag geführt wurde und vor allem von wem - das versuchten die Autoren des Berichts nicht einmal herauszufinden.
Es gab zwei Hauptversionen. Die Rakete sei von einem Fliegerabwehr-Raketenkomplex „Buk“ abgeschossen worden, mit dem die ukrainische Armee bewaffnet sei, oder von einem Kampfflugzeug Su-25, das Satelliten des russischen Verteidigungsministeriums unweit der fliegenden Boeing festgestellt hatten. Dieser Tage tauchte eine weitere Version auf. Nicht irgendwo, sondern auf der Website des Deutschen Bundestags.
Dort wurde ein Memorandum veröffentlicht. Es enthält Angaben, dass der Flug MN17 – die malaysische Boeing – von einer Rakete des Fliegerabwehr-Raketenkomplexes S-125 „Petschora“ (nach der Nato-Klassifizierung – SA-3) abgeschossen worden sein könnte. Zumindest hatten zwei Nato-Aufklärungsflugzeuge, die im Luftraum Polens und Rumäniens das Geschehen in der Ukraine beobachtet haben, sein In-Funktion-treten im Abschussgebiet fixiert. Das Dokument, das vom Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Markus Ederer unterzeichnet wurde, enthalte zwar keinerlei Schlussfolgerungen, doch sie würden auf der Hand liegen, ...
Der Oberst der Reserve, der Militärwissenschaftler Dr. Anatoli Sokolow, stimmt zu, dass ein ukrainischer S-125-Fliegerabwehr-Raketenkomplex die Boeing habe abschießen können. Aber trotzdem neigt er mehr zur Version, dass das Flugzeug von einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Das Bild des Geschehens wäre sehr viel klarer, hätten die Ermittler alle Fakten bekanntgegeben, die sie sammeln konnten. ..." (RIA Novosti, 19.9.14)

• Gespräche zwischen EU, Russland und Ukraine zu Erdgas
Vertreter der EU, Russlands und der Ukraine treffen sich am 26.9.14 in Berlin zu Gesprächen über die Erdgas-Versorgung. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 19.9.14.

• Bisher 224 MH17-Opfer identifiziert
"Rund zwei Monate nach dem Absturz der malaysischen Boeing über der Ost-Ukraine haben die niederländischen Forensiker laut Angaben der malaysischen Regierung 224 der 298 Todesopfer identifiziert.
Die Überreste von 224 Todesopfern, darunter von fünf Malaysiern, seien identifiziert worden, teilte der malaysische Verkehrsminister Liow Tiong Lai am Donnerstag nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Unian mit. Die Identifizierung gehe weiter. ..." (RIA Novosti, 19.9.14)

• Moskau: Angebliche Putin-Drohungen sind "Ente"
"In einem Telefonat mit seinem ukrainischen Amtskollegen Pjotr Poroschenko soll Putin gesagt haben: „Wenn ich wollte, könnten russische Truppen in zwei Tagen nicht nur in Kiew, sondern auch in Riga, Vilnius, Tallinn, Warschau oder Bukarest sein.“ Das behauptet jedenfalls Poroschenko.
Putins Sprecher Dmitri Peskow nannte diese Behauptungen „eine neue Ente“. „Wir halten es nicht für nötig, auf solche Meldungen einzugehen“, sagte er dem regierungskritischen Radiosender „Echo Moskaus“.
Vertreter der EU-Kommission gaben ebenfalls keine Stellungnahmen zu den Behauptungen in den deutschen Medien ab.
Die „Süddeutsche Zeitung“, die Putins Worte unter Berufung auf Poroschenko als erste veröffentlicht hat, behauptet jedoch, über die Aufnahme eines Gesprächs zwischen Poroschenko und dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso zu verfügen. ...
Der „Süddeutschen Zeitung“ wurde die Aufnahme des informellen Gesprächs zwischen Barroso und Poroschenko offensichtlich mit Unterstützung der deutschen Behörden zugespielt. Zumal auch die „Bild“-Zeitung fast zeitgleich von russischen Luftabwehrraketen berichtete, die angeblich in der Ostukraine gesehen worden wären. ..." (RIA Novosti, 19.9.14)

• Fast 700 OSZE-Beobachter für Parlamentswahl
"Fast 700 OSZE-Wahlbeobachter werden am 26. Oktober den ordnungsgemäßen Ablauf der ukrainischen Parlamentswahl überwachen. Das teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am Freitag bei der Eröffnung ihres eigens für diese Mission eingerichteten Büros in Kiew mit. Die Beobachter sollen demnach kontrollieren, "ob die internationalen Standards für demokratische Wahlen und die nationalen Gesetze eingehalten werden".
Auch der Wahlkampf, die Medienberichterstattung und der Umgang mit Beschwerden werden den Angaben zufolge überwacht. Neben 16 OSZE-Experten in Kiew sollen 80 Langzeitbeobachter im ganzen Land stationiert werden, die am Wahltag Unterstützung von weiteren 600 Kollegen bekommen. ..." (AFP, 19.9.14)

• Polens Präsident gegen Vetorecht Russlands im UN-Sicherheitsrat
"Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat die Absicht, die Uno zu einer Überprüfung der Regeln der Arbeit des Sicherheitsrates aufzurufen, um Moskau das Vetorecht bei der Behandlung von Fragen zur Ukraine zu entziehen, schreibt die „New York Times“.
„Damit die Uno die heute bestehenden Bedrohungen abwenden kann, muss sie wahrscheinlich reformiert werden… Ich glaube, dass die Blockierung der Entscheidungen des Sicherheitsrates zu Fragen der Ukraine ein Zeichen, ein Symptom der Schwäche der Uno ist“, sagte Komorowski in einem Interview für die Zeitung.
Der Zeitung zufolge will der polnische Präsident mit einer solchen Erklärung vor der UN-Vollversammlung am kommenden Montag bei seinem offiziellen USA-Besuch auftreten. ..." (RIA Novosti, 19.9.14)

• Bundesregierung ohne gesicherte Erkenntnisse zu MH17, aber Hinweise auf ukrainische Luftabwehr
"Die Bundesregierung hat keine „gesicherten Erkenntnisse“ über den möglichen Einsatz von Flugabwehrlenkkörpern im Zusammenhang mit dem Absturz des malaysischen Flugzeugs auf Flug MH 17 über der Ostukraine im Juli dieses Jahres. Wie es in einer Antwort (18/2521) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (18/2316) heißt, hätten zwei Awacs-Aufklärungsflugzeuge der Nato, die sich zum Zeitpunkt des Absturzes im polnischen beziehungsweise rumänischen Luftraum befanden, die Maschine der Malaysia Airlines per Radar erfasst. „Die Radaraufzeichnungen des Fluges MH-17 verlieren sich um 14.52 Uhr Mitteleuropäische Zeit mit Verlassen der MH-17 aus dem Aufklärungsbereich der Awacs-Luftfahrzeuge“, schreibt die Bundesregierung.
Erfasst hätten die Awacs-Aufklärer zudem „Signale von einem Flugabwehrraketensystem sowie ein weiteres durch Awacs nicht zuzuordnendes Radarsignal“. Das Flugabwehrsystem sei automatisiert als „Surface to Air-Missile“ SA-3 klassifiziert worden, „ein in der gesamten Region routinemäßig erfasstes Signal“. Zu möglichen Informationen durch Aufklärungssatteliten der USA nimmt die Bundesregierung aus Gründen des Geheimschutzes nicht offen Stellung: „Eine öffentliche Bekanntgabe von Informationen zu technischen Fähigkeiten von ausländischen Nachrichtendiensten und damit einhergehend die Kenntnisnahme durch Unbefugte würde erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit haben“, heißt es weiter. Die Antwort zu dieser Frage sei als „Geheim“ eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Bundestages hinterlegt." (Heute im Bundestag, 19.9.14)
"... der Direktor des Zentrums für strategische Konjunktur Iwan Konowalow:  „... alle erwarten die Antwort auf die Frage, wessen Rakete es gewesen sei. Die deutsche Version fügte dem allgemeinen Bild noch ein weiteres hinzu – dass es die ukrainische Seite gewesen sei. Der S-125-Komplex - das ist eine alte Anlage, in der russischen Armee gibt es sie längst nicht mehr, und schon gar nicht gehört sie zur Bewaffnung der Volkswehr des Donbass. Sollte sich diese Version bestätigen, bleibt keinerlei Zweifel daran, dass die Streitkräfte der Ukraine diese Rakete abgefeuert haben.“" (RIA Novosti, 19.9.14)

• Kiew bildet gemeinsamen Militärverband mit Polen und Litauen
"Ukrainischer Verteidigungsminister Walerij Heletej hat es vor, am 19. September in Warschau ein Abkommen mit Verteidigungsministern Litauens und Polens über Gründung einer gemeinsamen militärischen Formation LITPOLUKRBRIG zu unterzeichnen. Das steht im Bericht des polnischen Verteidigungsministeriums geschrieben, meldet Glavcom (http://glavcom.ua/news/234844.html).
„Am Freitag, den 19. September, um 17:30 Uhr wird im Belvedere-Palast in Anwesenheit des polnischen Präsidenten Bronislaw Komorowski das Abkommen zwischen der Regierung der Republik Litauen, der Regierung der Republik Polen und dem Ministerkabinett der Ukraine über Bildung des gemeinsamen Militärverbandes (LITPOLUKRBRIG), mit Stab in Lublin, unterzeichnet werden“, - heißt es im Bericht. ..." (Ukrinform, 19.9.14)

• Poroschenko: Sohn kämpft in Ostukraine
"Einer der Söhne des ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko kämpft nach dessen Worten derzeit in der Ostukraine. „Mein Sohn ist dort“, sagte er in einem CNN-Interview. „Er ging freiwillig und ist jetzt Chef einer Artillerieeinheit.“
Wie Poroschenko sagte, hatte sein Sohn mehrere angesehene westliche Bildungseinrichtungen abgeschlossen, darunter die Londoner Wirtschaftsschule und Oxford. Allein in den zurückliegenden drei Wochen seien drei Soldaten in der Einheit seines Sohnes ums Leben gekommen. „Das ist ein überaus starkes Signal, das mir als Präsident, Bürger und Vater zu verstehen gibt, wie gefährlich dieser Prozess ist und wie wichtig es ist, Frieden auf diesem Territorium herzustellen“, betonte Poroschenko." (RIA Novosti, 19.9.14)

• Kiew bestätigt Medienberichte über Putin-Drohungen nicht
Die Poroschenko-Administration bestätige den Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 18.9.14 über angebliche Drohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin gegenüber seinem ukrainischen Amtskollegen nicht. Das meldet die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 19.9.14. Die Agentur beruft sich auf Poroschenkos Pressesprecher Sviatoslav Tseholko. Dieser habe gesagt, die ukrainischen Behörden hätten eine "negative Haltung zu jeder Spekulation, die die Bemühungen von allen Seiten, einen Friedensprozess in Gang zu setzen, gefährden können".

• Poroschenko: USA unterstützt Ukraine weit mehr als nur als Verbündeter
"Der US-Präsident hat der Ukraine die Gewährung eines Sonderstatus eines Verbündeten der USA außerhalb der Nato verweigert, wie der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko in einem Interview für den TV-Sender CNN sagte.
In seiner Rede im US-Kongress am Donnerstag erklärte der ukrainische Staatschef, dass sein Land auf den Erhalt eines Sonderstatus hoffe, was ein hohes Niveau des Zusammenwirkens zwischen den beiden Staaten widerspiegeln würde.
Auf die Frage eines CNN-Journalisten, ob  US-Präsident Barack Obama der Ukraine den gewünschten Status gewährt habe, antwortete Poroschenko: „Er sagte nein. Wir haben schon einen Sonderstatus“.
Der ukrainische Präsident erläuterte, dass das Niveau des Zusammenwirkens zwischen der Ukraine und den USA heute seine Wünsche wesentlich übersteige und viel höher sei, als dies der Status eines Verbündeten außerhalb der Nato fordere. ..." (RIA Novosti, 19.9.14)

• Tendenziöse, mangelhafte und einseitige ARD-Berichterstattung
"Der Programmbeirat der ARD hat auf einer nichtöffentlichen Sitzung im Juni 2014 massiv die Berichterstattung der größten öffentlichen Medienanstalt über den Ukraine-Konflikt kritisiert. Dies berichtete am Donnerstag das Internetportal Telepolis, das auch das Protokoll des neunköpfigen Beratergremiums publik machte. jW dokumentiert das Schreiben (»Resümee zur Ukraine-Berichterstattung aus Protokoll 582«) leicht gekürzt: Im Juni 2014 hat der Programmbeirat im Rückblick eine ganze Reihe von Beiträgen über die Krise in der Ukraine beobachtet, die seit Ende 2013 im Ersten ausgestrahlt worden waren. Zu diesem methodisch ungewöhnlichen Vorgehen sah er sich veranlaßt, nachdem einige Rundfunkräte sowie zahlreiche Zuschauer Kritik an der Ukraine-Berichterstattung im Ersten geübt und dabei vor allem Einseitigkeit zu Lasten Rußlands, mangelnde Differenziertheit sowie Lückenhaftigkeit beklagt hatten.
Die Beobachtungen des Programmbeirats umfaßten die zehn »Brennpunkt«-Sendungen zur Ukraine-Krise sowie einige Talkshows und rund drei Viertel der insgesamt mehr als 40 Beiträge zum Thema in den politischen Magazinen, dem »Europamagazin«, dem »Weltspiegel« und in »ttt«.
Der Programmbeirat kam aufgrund seiner Beobachtungen zu dem Schluß, daß die Berichterstattung im Ersten über die Krise in der Ukraine teilweise den Eindruck der Voreingenommenheit erweckt hat und tendenziell gegen Rußland und die russischen Positionen gerichtet war. ...
Insgesamt hält der Programmbeirat aufgrund seiner Beobachtung der genannten Sendungen fest: In der Berichterstattung über die Krise in der Ukraine überwog anfangs eine Schwarzweißzeichnung zugunsten der Maidan-Bewegung, obwohl hier auch das rechte, extrem nationalistische Lager beteiligt war, und zu Lasten der russischen und der abgesetzten ukrainischen Regierung, denen nahezu die gesamte Verantwortung zugeschoben wurde. (…) Das heißt, die Berichterstattung in einer Vielzahl von Medien folgte anscheinend einem gewissen Mainstream, dem sich auch Das Erste anschloß. ..." (junge Welt, 19.9.14)
siehe auch Telepolis am 18.9.14: "Ukraine-Konflikt: ARD-Programmbeirat bestätigt Publikumskritik"

• Dnepropetrowsk am Rande des Krieges
Die Tageszeitung Neues Deutschland veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 19.9.14 auf Seite 3 eine Reportage aus Dnepropetrowsk, inzwischen wohl so etwas wie die "heimliche Hauptstadt der Ostukraine":
"Auf dem Platz, wo in Dnepropetrowsk ein Lenindenkmal stand, steht jetzt nichts mehr. Während der Massendemonstrationen im Dezember wurde die Skulptur heruntergerissen. Den Platz benannte man später nach den »Helden des Maidan«. Den Führer der Bolschewiki werden mit ihrem künftigen Denkmal die im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt getöteten »himmlischen Hundert« ersetzen. Der Platz ist von typischen »Stalinbauten« umgeben. In der Ferne spielt Sonnenlicht auf den goldenen Kuppeln der Kirche. Menschen gehen im modernen grauen Zentrum von Dnepropetrowsk einkaufen. Kinder fahren fröhlich auf einem französischen Karussell. Doch der Friede trügt. Zwar sind keine Schüsse und kein Kriegslärm zu hören. Doch die Atmosphäre des Krieges herrscht hier in der Ostukraine schon seit Monaten.
Dnepropetrowsk, benannt nach den Fluss Dnepr und dem sowjetisch-ukrainischen Revolutionär Petrowski, ist die drittgrößte Stadt der Ukraine und ein wichtiges Finanz- und Industriezentrum. Den dritten Platz im Land nimmt die Stadt jetzt auch als Zuflucht für Flüchtlinge von der Krim und aus der Ostukraine ein. Immer wieder schrecken die Martinshörner der Krankenwagen Passanten auf: Verletzte aus den Kämpfen im Donbass werden in örtliche Krankenhäuser gebracht. Das Gebiet Dnepropetrowsk grenzt an das Donezker. ...
Irma, die Journalistik studiert, wundert sich, dass gerade Dnepropetrowsk eine starke Hilfe für Flüchtlinge und die Armee ist. »Die Stadt galt immer als pro-russisch oder pro-jüdisch, wie auch immer. Aber nicht als ukrainisch. Nun wurde sie plötzlich eine Art Zentrum des ukrainischen Patriotismus in der Ostukraine«, sagt sie. »Dutzende Männer melden sich freiwillig an die Front.« Die Juristin Anja machen fröhliche Freiwillige traurig. »Manche sind jünger als ich und sie werden sterben.« ...
Die Lage der Schwerindustrie in Dnepropetrowsk ist besonders kompliziert. Für manche Betriebe der Stadt ist die Krise in den Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine ausgesprochen gefährlich. Der örtliche Staatsbetrieb »Juschmasch« ist ein »strategisches Objekt«. Dort wurden in Sowjetzeiten und die Jahrzehnte danach Raketen, Satelliten und Raumfahrzeuge hergestellt. Die mächtigste ballistische Interkontinentalrakete der Welt, »SS-18 Satan«, wird hier gebaut. Aber der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat erklärt, dass ukrainische Betriebe Russland keine militärischen Güter mehr liefern werden. Nun muss sich »Juschmasch« neue Abnehmner suchen. Unter der Hand erfährt man in dem Werk, dass alle Verhandlungen mit Russland eingefroren sind. ..."

• Kiew liberalisiert nach westlichen Wünschen
"... Auch wenn eine Mitgliedschaft derzeit nicht zur Debatte steht - das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union, das noch der Zustimmung jedes der 28 Mitgliedsstaaten bedarf, wird derzeit in einem »Nationalen Programm« in handliche Planungsstücke zerlegt. Ganz nach Wunsch der westlichen Ratgeber wird EU-Unternehmen der Boden für einen erleichterten Zugang geebnet. Linke Kritiker im Land sprechen davon, dass mit dem Abkommen sämtliche Voraussetzungen geschaffen werden für die Entwicklung eines freien Marktes, nicht aber des freien Menschen.
Als Liberalisierung umschrieben, wird die ukrainische Wirtschaft von allen Schutzmechanismen befreit, die sie gegenüber der westlichen Konkurrenz am Leben halten könnten - durch die Abschaffung von Zollbarrieren und Subventionen, kurz durch die Öffnung für den Wettbewerb. Darin wird sie absehbar den Kürzeren ziehen. Wo dies nicht gesichert ist, können sich westliche Unternehmen auf vertraglich vereinbarten Investitionsschutz berufen. ...
Die Kosten des Umbruchs würden vor allem auf die privaten Haushalte umgelegt, Großunternehmen jedoch geschont. Tarife für Gas, Strom und Heizung sollen von sozial begründeten Subventionen befreit und nach wirtschaftlichen Kriterien gestaltet werden. Angesichts der auf die Bevölkerung zukommenden Belastungen werden die vereinbarten Maßnahmen zum »Schutz« der EU vor Flüchtlingen, die die Ukraine als Transitland nutzen, nur noch als Marginalie erscheinen. ..." (Neues Deutschland, 19.9.14, S. 3)

• Gauck: Russland fordert alle demokratischen Länder heraus
Der Bundespräsident Joachim Gauck hat der Tageszeitung Rheinische Post ein Interview gegeben, online veröffentlicht am 19.9.14:
"... Ich glaube nicht, dass von der Ukraine-Krise eine kriegerische Bedrohung für Mitteleuropa ausgeht. Mit dieser Antwort will ich allerdings nicht meine Sorge verhehlen vor dem, was dort gerade passiert: Dass im Osten Europas, in unmittelbarer Nachbarschaft zur EU, ein lange Jahre akzeptierter Respekt vor Völkerrecht plötzlich durch Russland in Frage gestellt wird. Und dass es scheint, als gelte das Recht des Stärkeren und nicht die Stärke des Rechts. Beides ist eine große Herausforderung für alle demokratischen Länder.
Wird es aus Ihrer Sicht mit dem russischen Präsidenten eine diplomatische Lösung des Ukraine-Konflikts geben können?
Gauck Ja, das wird es. Und ich freue mich in diesem Zusammenhang sehr darüber, dass die Bundesregierung sich seit Beginn dieser Krise außerordentlich verantwortungsvoll um eine diplomatische Lösung bemüht. Deutschland ist durch seine  politische und ökonomische Stabilität eine Position zugewachsen, auf die viele Länder in der Welt schauen. Ich wünsche mir, dass wir diese Position mit der inneren Haltung verbinden, uns noch stärker auch für die Lösung von Konflikten außerhalb unserer Grenzen verantwortlich zu fühlen- so, wie es derzeit die Bundeskanzlerin und der Bundesaußenminister im Falle der Ukraine tun. ...
Warum sind Sie als Bundespräsident bislang noch nicht nach Russland gereist?
Gauck Ich hatte schon zu Beginn meiner Präsidentschaft vor, nach Russland zu reisen und mit meinen Gesprächspartnern dort darüber zu reden, was uns verbindet und was uns noch trennt. Es gab auch Gespräche zwischen der russischen Seite und uns über mögliche Termine. Nun haben sich die Ereignisse in einer Weise zugespitzt, dass sich die Frage einer Reise nach Russland zur Zeit nicht stellt.
Ist es richtig, dass Sie eine russlandkritische Haltung haben, weil Ihr Vater viele Jahre in einem Straflager in Sibirien verbringen musste?
Gauck
 Das wird zwar gelegentlich so geschrieben, aber es ist falsch und damit verkennt man die Grundierung meiner politischen Ansichten. Mir geht es bei meiner Kritik nicht um das Land Russland, das ich mit seiner Kultur und seinen Menschen schätze. Mir geht es um die Missachtung von Bürgerrechten, von Menschenrechten und um den Bruch des Völkerrechts. Wenn ich nach Russland blicke, dann sehe ich nicht nur die Regierung, sondern auch die Regierten. Ihr Schicksal ist der Grund für meine Kritik am Kreml.

Hat der Westen Fehler gemacht und Russland nicht ausreichend an sich gebunden oder in die Politik einbezogen?
Gauck Ich sehe solche Fehler auf westlicher Seite nicht. Die NATO und die EU waren  nach der  deutschen Wiedervereinigung an Russland mit Vertrags- und Bündnisangeboten herangetreten. Es war das Interesse des Westens, Russlands Sicherheit zu garantieren. Ich kann die Auffassung mancher Beobachter und Kommentatoren nicht nachvollziehen, dass man es Russland nicht zumuten könne, wenn in seinem Umfeld andere Völker eigene Politik-Entscheidungen treffen. ..."

• Obama lobt und enttäuscht Poroschenko
"US-Präsident Barack Obama hat die Führungsstärke seines ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko im Konflikt mit Russland gelobt. Poroschenko stehe "zu einem sehr, sehr wichtigen Zeitpunkt in der Geschichte" an der Spitze seines Landes, sagte Obama bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten am Donnerstag im Weißen Haus. Dabei habe er "schwierige" Entscheidungen getroffen und beispielsweise das Gesetz für mehr Autonomie in den Rebellengebieten in der Ostukraine erlassen. Erneut verurteilte Obama die "russische Aggression" und die Verletzung der Souveränität der Ukraine. ..." (AFP, 18.9.14)
"Die USA bleiben trotz eindringlicher Bitten des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko hart und werden vorerst keine Waffen liefern. Nach einem Treffen mit Poroschenko im Weissen Haus machte Präsident Barack Obama keine Zusagen für solche Lieferungen.
Er verwies lediglich auf die Unterstützung zur «Sicherheit der Ukraine». Washington hatte Kiew bereits Hilfe in Höhe von 60 Millionen Dollar zugesagt, unter anderem für Lebensmittel, Schutzwesten und Nachtsichtgeräte. Dieses Geld soll nun um weitere 46 Millionen Dollar aufgestockt werden, wie das Weisse Haus am Donnerstag mitteilte.
Dabei handele es sich um «wertvolles Material» für das Militär wie Fahrzeuge, Schutzkleidung und Radargeräte, aber nicht um Waffen. «Wir unterstützen nicht nur mit Worten», betonte Obama bei dem Treffen im Oval Office. Die USA seien zudem bereit, der Ukraine bei Verhandlungen mit Moskau zu helfen.
Sieben Millionen Dollar seien ausserdem für humanitäre Hilfe in der Ukraine gedacht. Nach Ansicht des Weissen Hauses sei der beste Weg, den Konflikt zwischen der ukrainischen Regierung und den pro-russischen Separatisten durch Diplomatie zu lösen. Mit der neuen Ankündigung sei die Gesamthilfe der USA für die Ukraine in diesem Jahr auf 291 Millionen Dollar gestiegen. ..." (Tages-Anzeiger online, 19.9.14)

• Poroschenko bittet Washington um Hilfe für Krieg
"Freiheitshelden wie Václav Havel oder Lech Walesa kamen in Washington einst in die Gunst einer VIP–Behandlung, und so ähnlich erging es am Donnerstag auch dem ehemaligen Oligarchen aus Kiew. Als demonstrative Geste der Unterstützung der Ukraine im Konflikt mit Russland rollte Washington den roten Teppich für Petro Poroschenko aus.
Bei seinem Antrittsbesuch in den USA gewährte die politische Elite dem ukrainischen Präsidenten ein Privileg, wie es sonst nur wenigen Staats- und Regierungschefs treuer Verbündeten zuteil wird: Er kam zur seltenen Ehre einer Ansprache im Kongress.
Dabei stattete er der USA seinen Dank ab für den Beistand im Konflikt mit Russland. Zugleich buhlte er um Solidarität, Hilfe – auch militärische – und die Fürsprache Washingtons für die Anbindung der Ukraine an den Westen, in Form einer Partnerschaft unter dem Schutzschirm der Nato. Er appellierte: „Lassen Sie die Ukraine nicht alleine.“ Denn der Krieg, den die Ukraine an ihrer Ostgrenze führe, sei auch der Europas und Amerikas, mithin einer der „freien Welt“ und für westliche Werte. Die USA müssten dabei eine Führungsrolle spielen. Er verurteilte die „Okkupation“ der Krim, einen „zynischen Akt“. „Die Welt darf dieses Vorgehen nicht hinnehmen.“ ..." (Die Presse online, 18.9.14)
"... Der Schutz der ukrainischen Demokratie vor der russischen Aggression erfordere eine starke Armee, sagte Poroschenko. "Decken und Nachtsichtgeräte sind wichtig, aber einen Krieg kann man nicht mit Decken gewinnen. Mehr noch, den Frieden kann man nicht mit Decken bewahren." Die Ukraine, betonte der ehemalige Oligarch, stehe heute an der Frontlinie des weltweiten Kampfes für Freiheit und Demokratie, und daher sei es auch Amerikas Krieg.
"Ich bitte Sie, lassen Sie die Ukraine nicht im Stich", mahnte Poroschenko und warf der russischen Regierung vor, sich von imperialer Mentalität und nostalgischer Sehnsucht nach der Sowjetunion leiten zu lassen. Mit der Annexion der Krim habe der Kreml die Welt um Jahre zurückgeworfen, "zurück zur Realität territorialer Ansprüche, zur Realität von Einflusszonen und verbrecherischen Aggressionen". Das Kontrollsystem der internationalen Ordnung, wie es im Zuge des Zweiten Weltkriegs entstand, sei damit praktisch ruiniert worden. ..." (Der Standard online, 18.9.14)

• Poroschenko: Keine militärische Lösung des "Krim-Problems"
"Das Problem der Krim wird nach Ansicht des ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko noch lange bestehen. „Von einer militärischen Lösung dieses Problems kann im Moment keine Rede sein“, erklärte Poroschenko am Donnerstag im US-Kongress.
„Es gibt keine Voraussetzungen dafür, dass wir die Okkupation der Krim irgendwann akzeptieren würden. Ich spreche nicht von einer militärischen Lösung des Krim-Problems, dieses Problem wird noch Jahre anhalten“, sagte Poroschenko. ..." (RIA Novosti, 18.9.14)

• Putin für Normalisierung zwischen EU und Russland und politische Lösung in der Ukraine
"Die "Kronen Zeitung" hatte sogar von einer "Friedensmission" geschrieben: Kanzler Werner Faymann begann heute seine Bemühungen, sich in die Beilegung des Ukraine-Konflikts einzuschalten. In Rom traf er mit der künftigen EU-Außenbeauftragten Federica Mogherin zusammen. Am Donnerstagabend hat Faymann mit Präsident Wladimir Putin telefoniert. Das russische Präsidialamt hat ein kurzes Kommunique über das Telefonat veröffentlicht. Die beiden Politiker, so wird betont, hätten sich dabei "für eine ehebaldigste Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union" ausgesprochen.
Abgesehen davon blieb die russische Zusammenfassung, die in einem nüchtern-offiziösen Russisch verfasst ist, unspektakulär: Das Telefongespräch sei auf österreichische Initiative zustanden gekommen und die Situation in der Ukraine sei besprochen worden. So heißt es: "Betont wurde dabei die Wichtigkeit einer Unterstützung für die politische Regulierung in diesem Land und die strikte Einhaltung des Waffenstillstandes." ..." (Die Presse online, 18.9.14)

• Russland verstärkt Militär auf der Krim
"Wegen der Eskalation in der Ukraine und der wachsenden ausländischen Militärpräsenz an der Grenze will Russland die Halbinsel Krim stärker schützen, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ in ihrer Mittwochausgabe.
Wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu in einer Sitzung mit hochrangigen Militärs sagte, hat sich die militärpolitische Lage im Südwesten des Landes nach der Aufnahme der Krim stark verändert. Zudem habe sich die Lage in der Ukraine dramatisch zugespitzt, und die ausländische Militärpräsenz an der Grenze zu Russland sei gewachsen. Deshalb sei es jetzt wichtig, eine vollwertige und eigenständige Truppengruppierung auf der Krim aufzubauen, so Schoigu. ..." (RIA Novosti, 18.9.14)

• Poroschenko: Ukraine braucht Frieden und muss Krieg gewinnen
Der ukrainische Präsident erklärte bei einem Treffen mit ukrainischen Exilorganisationen in Kanada, dass die Ukraine den Frieden "am meisten braucht", wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine am 18.9.14 berichtet. "Wir werden den Frieden bekommen, wenn wir stark sind. Dazu brauchen wir globale Unterstützung und Hilfe", wird Poroschenko zitiert.
Einer anderen Meldung der Agentur vom selben Tag zufolge sagte Poroschenko auch, dass das Assoziierungsabkommen mit der EU "der letzte Abschied von der Sowjetunion" sei. Der Krieg dürfe Reformen nicht behindern. "Wir werden diesen Krieg gewinnen, denn es ist unser wahrer Kampf für die Unabhängigkeit und den Frieden auf dem ukrainischen Land."

• Jazenjuk will Millionen von Beamten überprüfen
"Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk plant eine breit angelegte Überprüfung im öffentlichen Dienst. Eine Million Staatsbeamte, darunter auch Spitzenvertreter der Regierung, sollen mit einem neuen Gesetz auf ihre Loyalität überprüft werden, sagte Jazenjuk am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung in Kiew.
"Alle Körperschaften der Zentralmacht, die unter Präsident Wiktor Janukowitsch tätig waren, fallen unter dieses Gesetz", gab Jazenjuk bekannt. Betroffen seien unter anderen das Innenministerium, die Geheimdienste und die Staatsanwaltschaft. Das Parlament hatte am Dienstag auf Druck jener Demonstranten, im Februar die Regierung Janukowitsch zu Fall gebracht hatten, ein entsprechendes Gesetz beschlossen. ..." (Der Standard online, 17.9.14)

• Mehr als 620.000 Menschen auf der Flucht
"Seit dem Beginn der Kämpfe in der Ukraine vor fünf Monaten sind nach UN-Angaben 367.000 Menschen in umliegende Nachbarländer geflohen. Bis auf etwa 40.000 von ihnen hätten alle Schutz in Russland gesucht, sagte ein Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) am Dienstag.
Innerhalb der Ukraine seien darüber hinaus mehr als 260.000 Menschen auf der Flucht. Beide Zahlen seien allerdings "konservative Schätzungen", sagte der Sprecher, die Wahrheit liege vermutlich "weit darüber". ..." (Der Standard online, 16.9.14)

• Halluzinationen über den russischen "Blitzkrieg"
"Seitdem die "grünen Männchen" geholfen haben, ukrainische Soldaten aus der Krim zu vertreiben, eine prorussische Regierung zu installieren und nach einem schnellen Referendum die Krim für unabhängig zu erklären, um sie flugs zu einem Teil der Russischen Föderation zu machen, ist man im Westen beeindruckt. Gerne spricht man von der "hybriden Kriegsführung", mit der Russland auf der Krim und danach in der Ostukraine seine Interessen durchsetzt, während die Nato nur zuschauen kann.
Auf dem Nato-Gipfel in Wales, auf dem eine schnelle Eingreiftruppe, eine erhöhte Präsenz in Osteuropa, eine Stärkung der Nato und eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben beschlossen wurden, ging es auch wieder um die hybride Kriegsführung. Der oberste Nato-Kommandeur, General Philip Breedlove, sprach im Hinblick auf die Übernahme der Krim vom "erstaunlichsten Blitzkrieg des Informationskriegs, den es in der Geschichte des Informationskriegs gegeben" habe. Man müsse solche Taktiken der hybriden Kriegsführung mit einbeziehen, in denen man eine Aggression nicht mehr einem nationalen Feind zuordnen könne. ...
Weil das Hybride so offen für die Spekulation und Ausweitung des Krieges ist, was derzeit irgendwie in der Luft und im Trend liegt, hat etwa Peter Pomerantsev in Defense One die Überlegungen noch weiter getrieben und offenbart, wozu der Begriff verwendet werden kann. Russland würde nicht Desinformation, Lügen, Leaks und Cybersabotage einsetzen, sondern "Realität erfinden", eine "Massenhalluzination" schaffen, die dann in politische Realität übersetzt wird. ...
Die Thematisierung der hybriden Kriegsführung regt offenbar zu absoluten Verschwörungstheorien gegenüber dem auserkorenen Feind an, dem viel Macht zugestanden wird, während die eigene Seite völlig ausgeblendet wird, was im Ukraine-Konflikt fast durchgängig der Fall war. Moskau wolle die Wahrheit beiseiteschaffen, weil dann alles möglich werde und man die "Wirklichkeit" kontrollieren könne. Putin sei gefährlich, weil unvorhersagbar. Der Westen sei gebannt von der "weaponization of absurdity and unreality"." (Telepolis, 12.9.14)