Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine- und zum
West-Ost-Konflikt und den Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf
Vollständigkeit, fast ohne Kommentar
• OSZE: Kriegsgegner üben an Trennlinie
"
Die
ukrainischen Soldaten und die Volkswehr üben dicht an der Trennungslinie
in der Kriegsregion Donbass, wie Alexander Hug, stellvertretender
Leiter der speziellen OSZE-Beobachtermission in der Ukraine, am
Donnerstag bei einem Briefing geäußert hat.Die Mission
hatte laut Hug mehrfach versucht, die beiden Seiten davon zu überzeugen,
zumindest die Waffen mit einem Kaliber von weniger als 100 Millimetern
abzuziehen.Ihm zufolge sind die Donezker Volksmilizen zwar
vom umkämpften Dorf Schirokino abgezogen, haben jedoch neue
Verteidigungsstellungen bei weiteren Dörfern – Sachanka und Berdjanskoe –
eingerichtet und dadurch die Einwohner der beiden Dörfer der Gefahr
eines Beschusses ausgesetzt. ..." (
Sputnik, 9.6.15)
Ja,
diese Aufständischen aber auch, beziehen einfach
Verteidigungsstellungen und provozieren so Kiewer Angriffe ... Wie
wär's, wenn die OSZE sich mal dafür einsetzt, dass Kiew den Krieg, den
es begonnen hat, endlich auch beendet?
• Neuer US-Generalstabschef für Waffenlieferungen an Kiew
Der Kandidat für das Amt des US-Generalstabschefs, General
Joseph Dunford, bezeichnete vor dem US-Senat Waffenlieferungen an die Kiewer Truppen als "
vernünftig". Das berichtete u.a. die
US-Militärzeitung Stars and Stripes am 9.7.15 unter Berufung auf eine
AP-Meldung. Anders seien die Kiewer Truppen nicht in der Lage,
"sich gegen die russische Aggression zu verteidigen", wurde der General zitiert.
• US-Atombomber über Europa und westliche Unterstützung für Kiewer Krieg
"
Während
das Hemd von Yanis Varoufakis immer noch die deutschen Medien
erschütterte, flogen US-Atombomber Einsätze an der russischen Grenze.
Und weil das nicht sein darf – grundsätzlich kennen deutschen Medien nur
russische Militärflugzeuge am westlichen Himmel – wurde die Meldung
schlicht ignoriert. Doch die B-52s von der Minot Air Force Base in North
Dakota – Big Ugly Fat Fucker genannt und mit 20 Marschflugkörpern der
atomaren Art bestückt – nahmen an der jüngsten Übung der NATO unweit der
russischen Grenze teil. Schwere Waffen der Kiewer Armee rückten in der
Ost-Ukraine vor: Der Krieg in der Ukraine kennt keine Atempause.
Die
Kiewer Schüler haben brav von den EU-Lehrern und deren
Griechenland-Politik gelernt, wie man ein Volk sogar ohne Militär
stranguliert: Statt das Minsker Abkommen umzusetzen, das die
Wiederherstellung normaler sozialwirtschaftlicher Beziehungen zum
abtrünnigen Donbass vorsieht, marschiert die Blockade: Es werden keine
Renten gezahlt, auch nicht die Arzt- und Lehrergehälter, Kiew verbietet
alle Warenströme in die Ost-Ukraine und sogar den Autobusverkehr in die
Rebellenrepubliken. Es war die Freundin von Frau Merkel, Julia
Timoschenko, die schon früh ankündigte, dass man für die acht Millionen
russischsprachigen Ukrainer eine Atombombe zur Endlösung einsetzen
sollte. Nun wird erstmal der Hunger als Waffe eingesetzt.
Doch
Petro Poroshenko, der Oligarch im Präsidenten-Habit, denkt weiter: Mit
dem Gesetz 2953, jüngst mit der üblichen Putsch-Mehrheit durch das
ukrainische Parlament, die Werchowna Rada, geschleust, macht er den Weg
zur "schnelle(n) Stationierung von Atom- und anderen
Massenvernichtungswaffen" möglich, berichtet die ukrainische
Nachrichtenagentur Unian. Ungerührt zitiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG die
Wiener OSZE-Vertreter, die das ukrainische Gesetz als einen
"Vorratsbeschluss" bezeichneten, der bei westlichen Beobachtern und
Kritikern wohl "durchgerutscht" sei. ...
Das
Gesetz 2953 hat einen weiteren Kriegs-Entwicklungs-Bestandteil: Es
legalisiert den Einsatz ausländischer Söldner in der Ukraine. Das passt
zur ungebrochenen Aggressions-Rethorik des Gauck-Freundes Poroschenko:
"Wir befreien den Airport von Donezk, denn das ist unser Land", sagt der
Mann, der im Minsker Abkommen etwas ganz anderes unterschieben hat,
ohne von seinen westlichen Partnern gezügelt zu werden. ...
Rund
fünf Millionen Dollar muss das Kiewer Regime nach eigenen Angaben
täglich für seinen Krieg in der Ost-Ukraine ausgeben. Das ist Geld, das
die Ukraine in Wahrheit nicht hat. Dass die Ukraine nicht längst den
Bankrott hat anmelden müssen, ist nur dem IWF zu verdanken. Dank eines
Satzes von Christine Lagarde kann Kiew weiter Sold bezahlen, Munition
kaufen und die Ost-Ukraine in Schutt und Asche legen: "Und wenn das Land
zu dem Schluss kommt, dass es seine Schulden nicht bedienen kann, ist
der Fonds in der Lage, (weitere) Anleihen an die Ukraine auszugeben." So
wird aus dem Bankrotteur ein solventer Kriegstreiber. ..." (U. Gellermann auf Rationalgalerie, 9.7.15)
• Nächster Schachzug gegen Russland in Transnistrien?
"Verkleinert
man das Satellitenbild auf dem Bildschirm weit genug, ist Transnistrien
ein Strich in der Landschaft. Bei einer Länge von rund 200 Kilometern
ist es im Durchschnitt nur 15 bis 20 Kilometer breit. Mit 3.567
Quadratkilometern ist es etwas größer als das Saarland und hat mit
500.000 Bewohnern gut halb so viel wie die Heimatregion von Erich
Honecker und Oskar Lafontaine. Die »Pridnestrowischen Moldauischen
Republik« grenzt nur an Moldau und die Ukraine, nicht jedoch an
Russland. Das Wortungetüm »pridnestrowisch« bedeutet »am Dnjestr
gelegen«. Muss man sich mit dieser Region – nennen wir sie der
Lesbarkeit halber künftig mit ihrem im Westen gebräuchlichen und aus dem
Rumänischen übernommenen Namen Transnistrien (»hinter dem Nister«, der
rumänischen Bezeichnung des Flusses) – beschäftigen? Man muss natürlich
nicht, aber seit einigen Wochen wäre es leichtfertig, es nicht zu tun.
Denn in dieser Zeit hat die Ukraine drei Dinge getan, die geeignet sind,
einen über zwei Jahrzehnte lang »eingefrorenen« Konflikt aufzutauen und
womöglich auch hochzukochen.
Das erste war die Entscheidung
des ukrainischen Präsidenten im April, eine Wirtschaftsblockade über
Transnistrien zu verhängen. Petro Poroschenko wies die Behörden in der
Region Odessa gleichzeitig an, die zahlreichen Pfade über die grüne
Grenze zur Ukraine unpassierbar zu machen. Ende Mai beschloss das
ukrainische Parlament, ein Paket von lange vor dem Maidan
abgeschlossenen Militär- und Sicherheitsabkommen mit Russland
aufzukündigen. Eines davon betraf den Transit russischer Soldaten und
Versorgungsgüter nach Transnistrien. Die dritte Kiewer Entscheidung war
die Berufung des ehemaligen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili
zum Gouverneur der an Transnistrien grenzenden Region Odessa. Offiziell
wegen seiner großen Erfahrungen »im Kampf gegen Korruption und
Schmuggel«. Rein zufällig lebte allerdings die kleine Republik die
längste Zeit ihrer Existenz zu einem großen Teil genau davon: vom
Schmuggel. Die Ernennung Saakaschwilis ist also, wenn man die
offiziellen Elogen auf ihn ernst nimmt, eine Bekräftigung des
Wirtschaftskrieges gegen Transnistrien. Durch die Aufkündigung des
Transitabkommens für russische Soldaten und Versorgungsgüter könnte aus
der Blockade auch ein richtiger Krieg werden.
Sie bringt die
rund 1.500 in der Region stationierten russischen Militärs zwar nicht
kurzfristig in Schwierigkeiten, denn ihre offizielle Funktion besteht
darin, alte sowjetische Waffenlager zu bewachen. An Schießgerät wird es
ihnen also zunächst wohl nicht fehlen. Aber langfristig stehen sie damit
auf verlorenem Posten und könnten zu einem demütigenden Rückzug zu
ukrainischen Bedingungen gezwungen sein. Selbst wenn Russland seine
Truppen über eine Luftbrücke versorgen sollte, müsste es den Luftraum
der Ukraine oder der Republik Moldau nutzen – mit Duldung oder gegen den
Willen wenigstens eines der beiden Nachbarstaaten Transnistriens, das
keinen Zugang zum Schwarzen Meer hat. Die moldauischen Streitkräfte sind
dabei zwar eher zu vernachlässigen. Doch die Ukraine hat demonstrativ
eine Batterie moderner Boden-Luft-Raketen ins Grenzgebiet verlegt.
Sollte eine ukrainische Rakete tatsächlich ein russisches
Transportflugzeug abschießen, wäre das vermutlich ein Casus Belli.
Vielleicht kommt es Kiew genau auf diese Option an, und russische
Sandkastenstrategen spielen einen solchen Krieg auf ihren Webforen
ebenfalls schon einmal durch: Die Szenarien laufen darauf hinaus, aus
Transnistrien heraus Odessa zu erobern, entlang der Schwarzmeerküste auf
die Dnipro-Mündung vorzustoßen und sich irgendwo nördlich der Krim mit
den Volkswehren des Donbass zu vereinigen. Das wäre jenes »Neurussland«,
dessen Namen Wladimir Putin seit Monaten nicht mehr öffentlich in den
Mund nimmt, was ihm russische Hurrapatrioten durchaus übel nehmen. ..." (Reinhard Lauterbach in junge Welt, 9.7.15)
Euronews hatte am 3.7.15 ein Interview mit Saakaschwili veröffentlicht.
• US-Luftwaffen-Chefin sieht USA von Russland bedroht – Moskau kritisiert feindselige Atmosphäre
"Russland
ist nach Einschätzung der US-Luftwaffe die größte Bedrohung für die
amerikanische Sicherheit. Die USA müssten deswegen ihre Militärpräsenz
in Europa ausbauen, sagte die zivile Leiterin der Luftstreitkräfte,
Deborah James, am Mittwoch in einem Reuters-Interview. Zudem werde die
Entsendung von F-16-Kampfflugzeugen fortgesetzt.Vor dem
Hintergrund der Gefechte in der Ukraine und der Annexion der Krim sind
die Beziehungen zwischen Russland und der NATO so gespannt wie seit dem
Kalten Krieg nicht mehr. So verfolgen osteuropäische NATO-Mitglieder
russische Manöver mit Argwohn. "Ich betrachte Russland als größte
Bedrohung", sagte James nach einer Europareise. Deswegen müsse man
Entschlossenheit zeigen.Die Politikerin äußerte sich
enttäuscht, dass nur vier der 28 NATO-Mitglieder das Ziel des Bündnisses
einhalten, zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung
auszugeben. Sie räumte zwar ein, dass Europa wirtschaftliche Probleme
hat und gegen eine Flüchtlingskrise kämpft. Die NATO-Verpflichtungen
müssten aber Priorität haben." (
Wiener Zeitung online, 9.7.15)
"
Die
USA drängen der ganzen Welt ihre Ansicht auf, dass jeder Konkurrent der
US-Hegemonie automatisch als Bedrohung für die nationale Sicherheit
betrachtet werden muss. Doch Russland hat nicht vor, die Vereinigten
Staaten zu bedrohen, wie der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow
sagte.„Wir haben nicht vor, die Sicherheit der USA zu
verletzen; wir haben nicht vor, die USA anzugreifen“, sagte Kossatschow,
Chef des Auswärtigen Ausschusses des Föderationsrates. Damit
kommentierte er die Äußerung von US-Luftwaffenministerin Deborah Lee
James, dass die USA Russland als die größte Bedrohung betrachten. ...„Wir
könnten dem zustimmen, falls wir das mit den Augen der Vereinigten
Staaten sehen würden. Doch wenn man sich die Situation mit den Augen von
Russland ansieht, kann man dies wohl kaum in Kauf nehmen“, sagte
Kossatschow am Donnerstag bei einem Treffen mit Studenten einer
Journalistik-Akademie.„Wir haben nicht vor, die Sicherheit der USA zu verletzen; wir haben nicht vor, die USA anzugreifen“, betonte er. ..." (
Sputnik, 9.7.15)
"
Die
von den USA künstlich erzeugte Atmosphäre von Feindseligkeit hat nichts
mit der Realität zu tun, wie Russlands Außenminister Sergej Lawrow am
Donnerstag in einer Pressekonferenz sagte.“Wir sind über
die künstlich erzeugte Atmosphäre der Feindseligkeit besorgt, die nichts
mit der Realität, den Plänen und Handlungen Russlands zu tun hat“,
sagte Lawrow. So kommentierte der russische Außenminister die Äußerung
von US-Luftwaffenministerin Deborah Lee James, dass die USA Russland als
die größte Bedrohung betrachten.„Es bestehen
Kommunikationskanäle zwischen Moskau und Washington. Und in unseren
bilateralen Kontakten hört man keine hysterischen Äußerungen solcher
Art“, betonte der russische Außenminister.„Wir haben uns
schon an die regelmäßigen Äußerungen aus Washington gewöhnt, in welchen
aus der Sicht der USA die Bedrohungen dieser Welt als größer oder als
eher zweitrangig eingeschätzt werden. Wir haben uns auch an die Tatsache
gewöhnt, dass die Kriegs- und Verteidigungsminister, Sprecher des
Vereinigten Generalsstabs, die Minister der Luftwaffe und anderer
US-Militärgattungen regelmäßig Äußerungen von sich geben, die eher bei
Politikern gebräuchlich sind“. ..." (
Sputnik, 9.7.15)
• Geplatzter Mistral-Deal kostet Frankreich 1,2 Milliarden Euro
"Die
Verhandlungen über die Rückgabe der Vorauszahlungen für den durch
Frankreich zum Scheitern gebrachten Mistral-Deal nähern sich ihrem
Abschluss, schreibt die „Rossijskaja Gaseta“ am Mittwoch.Kreml-Berater
Wladimir Koschin hatte Anfang Juli mitgeteilt, dass im Laufe dieses
Monats ein Schlussdokument mit Frankreich unterzeichnet werden soll.Frankreichs
Präsident Francois Hollande hatte bereits im vergangenen Herbst das
Rüstungsgeschäft mit Russland unter Berufung auf das Geschehen in der
Ukraine widerrufen. Als die im Vertrag vorgesehene Frist abgelaufen war,
vermied Paris jede Erklärungen dazu.Geklärt wurde die
Situation vom französischen Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian.
Bei seinem jüngsten Besuch in Washington sagte er, dass keine
Hubschrauberträger an Russland geliefert werden. Der Minister
bezeichnete diese Haltung als eine „mutige und strategische
Entscheidung“.Sie wird jedoch kaum von den Franzosen
geteilt. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IFOP vom
Jahresanfang sprachen sich zwei Drittel der Befragten für die Übergabe
der bestellten und nahezu komplett bezahlten Hubschrauberträger an
Russland aus. ..." (
Sputnik, 8.7.15)
• Kiew führt beim Boykott von Minsk II
"
Was
die Sabotage des Minsker Friedensprozesses angeht, hat die Kiewer
Regierung die prorussischen Rebellen in der Ostukraine inzwischen
abgehängt. Seit einem halben Jahr trampeln die Konfliktparteien in der
Ostukraine auf dem Friedensabkommen "Minsk 2" herum: Trommelfeuer der
prorussischen Truppen statt Waffenstillstand, Mauern beim Aushandeln der
vorgesehenen Regionalwahlen, Verschleppung des Gefangenenaustausches
und des Abzugs russischer Kämpfer aus der Ukraine, ukrainisches
Zeitschinden statt Verfassungsreform. Inzwischen aber hat Kiew die
Rebellen im Bemühen, "Minsk 2" endgültig zu begraben, abgehängt.Statt
der dort geforderten Wiederherstellung normaler sozialwirtschaftlicher
Beziehungen zum abtrünnigen Donbass veranstaltet die Ukraine eine immer
totalere Blockade. Statt wieder Renten, Arzt- und Lehrergehälter zu
zahlen, verbietet Kiew alle Warenströme, selbst den Autobusverkehr in
die Rebellenrepubliken. Ukrainer, die dorthin wollen, warten monatelang
auf ihre Passierscheine, und Stunden vor den Kontrollpunkten, wo man sie
schikanös langsam abfertigt. Kiew missachtet mit Wonne die
Reisefreiheit der eigenen Bürger.Kein Wunder, dass viele
Ostukrainer den eigenen Staat immer häufiger zum Teufel wünschen, dass
das Donbass immer russischer wird. Statt Griwnja rollen dort zusehends
Rubel, mangels ukrainischer Arzneien suchen Donezker Apothekenketten
Lieferanten aus Russland, auch wenn die doppelt so teuer sind. Statt
ukrainischer Gorilka steht russischer Wodka in den Ladenregalen. Die
ukrainische Armee verzichtet wohlweißlich auf Offensiven, der Sommer
2014 hat gelehrt, dass sie nur Gegenstöße der übermächtigen russischen
Armee provozieren. Aber ansonsten schadet man den Rebellen mit allen
Mitteln. Kiew ist passiv-aggressiv geworden. ...Politologen
aber vermuten, Poroschenko spekuliere auf den Kalten Krieg, der eine
Etage höher gespielt wird, zwischen Russland und dem Westen. Angesichts
dessen stabil harter Haltung sowie der offensichtlichen
Wirtschaftsprobleme Russlands wolle er nun den Druck auf die Rebellen
und ihre russischen Hintermänner erhöhen. Nebenher versucht er, Moskau
mit der Einstellung aller Gaskäufe sowie einem angedrohten Stromboykott
für die annektierte Krim zu ärgern. Will er Russland zu einem neuen
Energiekrieg oder gar neuen militärischen Feindseligkeiten provozieren,
um endlich US-Waffenlieferungen heraus zu kitzeln? Oder noch eine
Verhandlungsrunde, "Minsk 3", mit neuen Bedingungen? ..." (
Stefan Scholl auf Südwest-Presse online, 8.7.15)
• Französischer Politiker fordert von USA, Ukraine nicht weiter zu destabilisieren
"
Washington
sollte seine Versuche aufgeben, die Situation in der Ukraine zu
destabilisieren, sowie begreifen, dass der Konflikt in diesem Land
außerhalb der Kompetenz der USA liegt, wie der französische Senator Yves Pozzo di Borgo, Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, der Agentur Sputnik sagte.„Ich
rufe die USA auf, mit der Einmischung in die inneren Angelegenheiten
Europas aufzuhören. Die Krise in der Ukraine ist ein inneres
europäisches Problem und ich kann mir nicht vorstellen, wieso es die USA
betreffen könnte“, so der Parlamentarier.Laut Pozzo di
Borgo sollten die USA damit aufhören, „die Rolle der Minsker
Vereinbarungen zu bagatellisieren“. „Die USA müssen neben Kanada, das
ihre Interessen bedient, mit ihrer Einmischung aufhören“, so der
Senator. ..." (
Sputnik, 7.7.15)
• Pentagon prüft Unterstützung für Kiewer Krieg
"
Die USA ziehen eine militärische Unterstützung der Ukraine in Erwägung, haben aber noch keine Entscheidung dazu getroffen, wie US-Verteidigungsminister Ashton Carter bei Anhörungen im Senat sagte.Das
Thema der militärischen Hilfe für Kiew hatte John McCain, Chef des
Streitkräfteausschusses des Senats, aufgeworfen. McCain fragte den
Minister, ob dieser weiterhin dazu neige, „die Ukraine zu unterstützen
und aufzurüsten“. Der Pentagon-Chef bejahte das. ..." (
Sputnik, 7.7.15)
• Anhaltende Machtkämpfe in Kiew
"
Die
Verhaftung zweier hochrangiger Staatsanwälte in Kiew hat den
untereinander ausgetragenen Machtkampf der ukrainischen
Sicherheitskräfte befeuert. In einer spektakulären Aktion hat eine
Spezialeinheit des Geheimdienstes SBU ein Gebäude der ukrainischen
Generalstaatsanwaltschaft gestürmt und den stellvertretenden Leiter der
Ermittlungsabteilung Wladimir Schapakin festgenommen. Daneben wurde auch
der Vizestaatsanwalt der Region Kiew, Alexander Kornijez, festgesetzt.
Beiden wird vorgeworfen, Bestechungsgeld erpresst zu haben.Bei
Hausdurchsuchungen der Verdächtigen wurden zudem Bargeld, Schmuck und
Wertgegenstände im Wert von 500.000 Dollar (etwa 450.000 Euro)
beschlagnahmt. Bei einer Verurteilung drohen acht bis zwölf Jahre Haft.Die
Generalstaatsanwaltschaft reagierte erbost auf die Festnahmen und
leitete ihrerseits ein Verfahren gegen den frisch installierten SBU-Chef
Wassyl Hryzak ein. Sein Vorgänger Walentin Naliwaitschenko war erst vor
drei Wochen entlassen worden, nachdem er Korruptionsvorwürfe gegen die
Generalstaatsanwaltschaft erhoben hatte. ..." (
Der Standard online, 7.7.15)
• Kreml: Lage in Ostukraine nicht stabilisiert
"
Russland
sieht vorerst keine Stabilisierung in der Ost-Ukraine: Trotz der im
Februar vereinbarten Waffenruhe kommt es im Donezbecken immer wieder zu
neuen Schusswechseln und Angriffen auf Wohngebiete.„Die
Umsetzung der Minsker Vereinbarungen stockt“, konstatierte Dmitri
Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, am
Dienstag. Täglich werde von Feuerangriffen auf Wohnorte und von
Schusswechseln berichtet. Das Stocken der Friedensvereinbarungen
bezeichnete der Kreml-Sprecher als die „größte Gefahr.“ ..." (
Sputnik, 7.7.15)
• Bisher mehr als 70 Kinder durch Krieg getötet
"
Seit
dem Ausbruch des Ukraine-Konfliktes sind in der ostukrainischen
Bergbauregion Donbass (Donezbecken) mehr als 70 Minderjährige getötet
und weitere 303 verletzt worden.Dies erklärte die
Beauftragte für Kinderrechte der selbsterklärten Donezker Volksrepublik
(DVR), Jana Tschepikowa, gegenüber RIA Novosti. „Die meisten Opfer
wurden in der Stadt Gorlowka bei Donezk gemeldet, die regelmäßig unter
Beschuss genommen wird“, betonte sie." (
Sputnik, 7.7.15)
• Aufständische räumen umkämpften Ort
"
Das
seit Monaten heftig umkämpfte Dorf Schirokine rund zehn Kilometer
östlich der Hafenstadt Mariupol soll endlich demilitarisiert werden.
Eine Dreierkommission aus Kiewer Regierungstruppen, den prorussischen
Separatisten der selbsternannten «Volksrepublik Donezk» und der OSZE
solle künftig das Küstendorf überwachen, kündigte am Montag Jewgeni
Martschuk, der Kiewer Vertreter der Waffenstillstandskommission, an.
«Wir sind erst am Anfang der Demilitarisierung», so trübte er
gleichzeitig den Optimismus. Der Minsker Friedensvertrag war in
Schirokine bisher noch nie auch nur in Ansätzen umgesetzt worden.
Verhandelt wird nun offenbar über den Rückzug sämtlicher schweren Waffen
in neue Stellungen, die 15 Kilometer entfernt liegen sollen. In der
Folge soll die mittlerweile fast vollständig zerstörte Ortschaft laut
Kiewer Angaben entmint werden.Die Hoffnung auf einen
örtlich begrenzten Waffenstillstand am südlichen Hotspot der Kämpfe
zwischen den prorussischen Separatisten und Kiewer Regierungstruppen ist
gestiegen, nachdem die Führung der «Volksrepublik Donezk» per Anfang
Monat den Rückzug ihrer Kämpfer aus Schirokine angekündigt hatte. Am
Wochenende wurde dieser sowohl von der OSZE wie auch den ukrainischen
Regierungstruppen bestätigt. «Dies ist unser Akt des guten Willens, der
unsere friedlichen Absichten unterstreichen soll», sagte
Separatistenführer Denis Puschilin und forderte ähnliche
Goodwill-Aktionen von Kiew. ..." (
Neue Zürcher Zeitung online, 7.7.15)
• Islamisten auf Seiten der Kiewer Truppen
Über tschetschenische Einheiten, die auf Seiten Kiews gegen die Aufständischen kämpfen, berichtete die
New York Times am 7.7.15. Die Tschetschenen würden die Freikorps unterstützen. "
Wir möchten die Russen bekämpfen", wird einer von ihnen zitiert: "Wir kämpfen immer gegen die Russen." Es gebe bereits drei
islamistische Bataillone, die von Kiew begrüßt worden seien und in den
am meisten umkämpften Gebieten im Einsatz seien. Die Kiewer Truppen
seien dankbar für jede Unterstützung, weil sie sich von den westlichen
Regierungen im Stich gelassen fühlten bei ihrem Krieg in der Ostukraine.
Die ukrainische Armee sei, korrupt und unterfinanziert, weitgehend wirkungslos. Deshalb sei die Hilfe von auch von militanten Islamisten aus
Tschetschenien willkommen. In deren Bataillonen kämpften auch Usbeken
und Balkaren, ebenso Krimtataren. Die Zustimmung aus Kiew zu ihrem
Einsatz sei inoffiziell erfolgt, wird einer der Kommandeure zitiert.
• Donezk: EU soll Kiew für Minsk II unter Druck setzen
"Die
EU muss Kiew unter Druck setzen, um die vollständige Einhaltung der
Minsker Vereinbarungen zu sichern, wie Denis Puschilin, Vertreter der
selbsterklärten Donezker Volksrepublik bei den Verhandlungen der
Ukraine-Kontaktgruppe, am Montag in Moskau in einer Pressekonferenz
sagte.„Jetzt muss Kiew dazu
gezwungen werden, mit dem Simulieren eines Verhandlungsprozesse
aufzuhören und auf den (echten) Verhandlungsprozess zurückzukommen. Erst
dann kann über die Umsetzung (des Abkommens) gesprochen werden“, so
Puschilin.„Ohne Druckausübung durch Europa wird das kaum möglich sein“, ergänzte der Donezker Chefunterhändler. ..." (
Sputnik, 6.7.15)
• Kreml erwartet langhaltenden West-Ost-Konflikt
"
Der
Kreml stellt sich auf einen lang anhaltenden Konflikt mit dem Westen
ein. Bei der erweiterten Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats sagte
Staatspräsident Wladimir Putin, die grundlegenden Strategien der
russischen Innen-, Außen- und Sicherheitspolitik würden derzeit vor
diesem Hintergrund überarbeitet.Zentrales Ziel sei es,
Russland so weit wie möglich gegen Sanktionen seitens des Auslands
gefeit und vom Westen unabhängiger zu machen. Putin wörtlich: „Es gibt
keinen Anlass zu der Annahme, dass der unfreundliche Kurs einiger
unserer geopolitischen Opponenten sich in überschaubarer Zukunft
ändert.“Die Wortwahl des Präsidenten ist bezeichnend. Hatte
er noch vor kurzem von den „westlichen Partnern“ gesprochen, so benutzt
er jetzt das Wort „geopolitische Opponenten“.Wie der
Vorsitzende des russischen Sicherheitsrats, der frühere FSB-Chef und
Putin-Vertraute Nikolaj Patruschew, nach der Sitzung mitteilte, gab das
Gremium die Ausformulierung einer wirtschaftlichen Sicherheitsstrategie
bis zum Jahr 2030 in Auftrag. Dabei gehe es unter anderem um die
Definition von Gegenmaßnahmen im Fall ausländischer Sanktionen, deren
Ziel es sei, die derzeitige Regierung zu stürzen.Des
weiteren würden mögliche konkrete „Maßnahmen gegen einzelne Länder oder
Ländergruppen“ ausgearbeitet. Patruschew nannte als Beispiel die
Abschaffung von Zoll-und Handelspräferenzen bei der Ausfuhr von Holz
nach Finnland. Die Regierung in Helsinki hatte sich dieser Tage
geweigert, russische Duma-Abgeordnete zu einer Sitzung der
parlamentarischen Versammlung der OSZE einreisen zu lassen. Noch jedoch,
so Patruschew, seien diese Maßnahmen nicht entschieden.Der
angesehene Vorsitzende des russischen Rats für Außen-und
Verteidigungspolitik Fjodor Lukjanow ist der Ansicht, zum Zeitpunkt der
ersten Sanktionen und Gegensanktionen vor rund einem Jahr sei noch nicht
klar gewesen, über welchen Zeitraum die entstehende Konfrontation sich
erstrecken würde. Inzwischen hätten sowohl der Westen als auch Russland
verstanden, dass es sich um eine langwierige Auseinandersetzung handele.
Bereitschaft zum Kompromiss sei auf keiner Seite erkennbar. ...
Auch
der Direktor des Moskauer Fonds für Nationale Energiesicherheit,
Konstantin Simonow, mahnt zur Zurückhaltung. Ein Teil der russischen
Elite versuche, den Präsidenten zu überzeugen, dass man mit dem Westen
nicht verhandeln kann, sondern „mit vollem Programm und dazu
beschleunigt“ dagegenhalten müsse. Noch allerdings sei Putin nicht so
weit, dass er diesem Ansuchen nachgebe, zumal Russland nur über ein
begrenztes Instrumentarium verfüge.Für den Westen
interessant sei das Land als Markt und Rohstofflieferant. Die
wesentliche Waffe des Kreml sei der Boykott der Öl- und Gasversorgung in
Richtung Europa. Genau da sieht Simonow die Schwächen der russischen
Position. Moskau fände nicht rasch genug neue Abnehmer für die zuvor
nach Europa verkauften Rohstoffe; gleichzeitig kämen dem Land die
Lieferanten lebenswichtiger Güter abhanden. ..." (
Deutsch-Russische Wirtschaftsnachrichten, 6.7.15)
• OSZE: Kriegsgegner ziehen Waffen zusammen
"OSZE-Beobachter
registrieren an der Trennlinie in der ostukrainischen Bergbauregion
Donbass (Donezbecken) eine hohe Konzentration von Waffen, wie der
Vizechef der OSZE-Spezialmission in der Ukraine, Alexander Hug, bei
einem Pressegespräch erklärte.
Laut Hug bemerkten
OSZE-Vertreter in den vergangenen Wochen eine Zuspitzung der Situation
entlang der Berührungslinie, immer öfter ist dort die Verlegung schwerer
Waffen zu beobachten. In der
von der selbsterklärten Volksrepublik Donezk kontrollierenden Ortschaft
Komsomolskoje seien die Konzentration von Waffen sowie ihre Verlegung
Richtung Süden gesichtet worden, sagte Hug. An einem Tag hätten
OSZE-Drohnen „30 Panzer und zwölf Militärwagen“ registriert.„Außerdem
wurden schwere Waffen auf dem unter Kontrolle der Ukraine stehenden
Territorium bemerkt. Dies ist ebenfalls eine Verletzung der erzielten
Vereinbarungen“, betonte der OSZE-Vertreter. Ihm zufolge hat die
Verstärkung der Präsenz schwerer Waffen zu neuen Opfern und neuen
Zerstörungen geführt. Und die Tatsache, dass Zivilisten dabei Opfer
sind, rufe kein Erstaunen hervor, weil die beiden Konfliktparteien die
Verlegung der Technik weiter fortsetzten."Dabei erinnerte
Hug daran, dass in den Minsker Vereinbarungen eine Rückkehr der bereits
abgezogenen Waffen nicht vorgesehen ist. All dies führe zu einer
Verschärfung der humanitären Situation sowie dazu, dass an
Kontrollposten immer mehr Beschränkungen eingeführt werden.Ferner
teilte Hug mit, die OSZE-Spezialmission in der Ukraine habe an dem
Blockposten in der Umgebung der Ortschaft Saizewo im Gebiet Donezk etwa
800 Autos registriert, die auf ein Passieren der Trennlinie gewartet
hätten, wobei es mehrmals zu solchen Verzögerungen gekommen sei. Seiner
Ansicht zufolge wird die Bevölkerung durch „eine solche Praxis einem
unnötigen Risiko ausgesetzt, wovon bereits mehrmals berichtet wurde“.
..." (Sputnik, 5.7.15)
• OSZE: Kiewer Truppen verstossen gegen Minsk II
"Die
Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
werfen den ukrainischen Regierungstruppen vor, entgegen den Minsker
Abkommen das schwere Kriegsgerät aus dem Frontgebiet in der von Kiew
abtrünnigen Kohleindustrie-Region Donbass nicht abgezogen zu haben.
In
den letzten Wochen hätten Beobachter und Drohnen der
OSZE-Beobachtungsmission schwere Waffen in den Gebieten registriert, die
von der ukrainischen Regierung kontrolliert werden, teilte der
stellvertretende OSZE-Missionschef Alexander Hug am Freitag in Mariupol
mit. Das sei ein Verstoß gegen die Vereinbarungen.Nach
Angaben der Beobachter verlegte die Ukraine schwere Waffen entlang der
Frontlinie nach Süden. Am 23. Juni habe eine Drohne einen
Schützenpanzerkonvoi registriert. ..." (
Sputnik, 3.7.15)
• Streit um geheime Details im MH17-Abschlussbericht
"
Wer
hat die Boeing 777 im Juli 2014 über der Ostukraine abgeschossen? So
viel ist klar: Selbst der Abschlussbericht wird die Debatte zwischen
Russland und dem Westen über den Schuldigen nicht beenden.Die
Niederlande haben nämlich inzwischen den vorläufigen Abschlussbericht
an Russland geschickt. Innerhalb von 30 Tagen soll Moskau Stellung zu
dem Dokument nehmen, Fragen und Kommentare an die internationalen
Experten richten. Die Details des Berichts sind noch unbekannt, die
russische Reaktion dafür umso vielsagender: "Es gibt mehr Fragen als
Antworten", kritisierte Oleg Stortschewoi, stellvertretender Chef der
russischen Luftfahrtbehörde Rosaviazija. Der russische Beamte sprach von
einer Reihe an "inhaltsschweren Kritikpunkten". Diese beträfen das
Dokument selbst, die Argumentation und angeführte technische Daten,
fügte er hinzu.Laut Stortschewoi sollen die Vermerke
russischer Luftfahrtspezialisten in den nächsten Tagen an die
Niederlande übergeben werden. Im Gegensatz zum offiziellen
Untersuchungsbericht kursiert Moskaus These über die Schuld der Ukraine
am Absturz der malaysischen Boeing schon lange in der Öffentlichkeit.Freilich
gibt es noch zwei Versionen: Entweder wurde das mit 298 Passagieren
vollbesetzte Flugzeug von einer ukrainischen Luftabwehrrakete des Typs
Buk abgeschossen oder von einem Kampfflugzeug. Die Unzufriedenheit der
russischen Führung mit dem offiziellen Bericht deutet darauf hin, dass
er keine der beiden Thesen stützt. ..." (
Der Standard online, 3.7.15)
• Donezk baut Selbstverwaltung auf
"
Die
selbsterklärte Volksrepublik Donezk hat bekannt gegeben, die
Sonder-Selbstverwaltung einzuführen. Grund dafür sei die Vortäuschung
einer Friedensregelung durch Kiew, wie Republikchef Alexander
Sachartschenko am Donnerstag mitteilte.Diese Entscheidung
sei um der Rettung der Minsker Vereinbarungen willen getroffen worden.
Kiew zeige keine Eile, diese umzusetzen, so Sachartschenko. Deshalb gehe
seine Republik eigenständig an ihre Erfüllung heran.Er sei sicher, dass dadurch „der Minsker Friedensprozess erhalten und ihm die gebührende Dynamik verliehen wird“." (
Sputnik, 2.7.15)
• Poroschenko: Kiew für schnelles Kriegsende
"
Kiew
wird alles Mögliche tun, um dem Krieg im Osten des Landes möglichst
schnell ein Ende zu setzen, wie der ukrainische Präsident Petro
Poroschenko am Mittwoch erklärte.“Weder mein Friedensplan
noch die Minsker Vereinbarungen haben eine Alternative“, sagte
Poroschenko während der Vorstellung eines Entwurfes zur Novellierung des
nationalen Grundgesetzes. Das Dokument betrifft die Dezentralisierung
der Macht." (
Sputnik, 1.7.15)
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Was mit Griechenland durchgezogen wird ist gewissermaßen eine alte Masche der Imperialisten und ihrer IWF- und anderen Hilfstruppen. John Perkins hat die Mechanismen in seinem Buch "Bekenntnisse eines Economic Hit Man" (auf deutsch 2005) beschrieben. Ich hab das Buch grad nicht greifbar, aber ein Beitrag im Deutschlandfunk vom 20.4.05 dazu fasst das gut zusammen:
"Die Geschichte klingt nach James Bond und wüsste man nicht inzwischen so viel über die illegalen Aktivitäten der US-Geheimdienste zur Destabilisierung von Regierungen, zum Sturz von missliebigen Staatschefs würde man die Bekenntnisse dieses so genannten Economic Hit Mann, also Wirtschaftskillers auf den großen Haufen von Verschwörungstheorien packen.
Doch John Perkins realistische Einblicke in die Korporatokratie, wie er es nennt, also die Welt der Großfinanz und der multinationalen Konzerne, gewann er als Chefökonom einer großen amerikanischen Unternehmensberatung , als NSA-Geheimdienstler und als Wirtschaftsfachmann einer inzwischen untergegangenen Bostoner Consultingfirma namens MAIN. Seine Aufgabe: extrem optimistische Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung aufstrebender Entwicklungsländer zu konstruieren. Verführt durch die Aussicht auf einen Wirtschaftsboom sollten diese Staaten Staudämme und Kraftwerke, Schnellstraßen, Häfen und Flughäfen, Gewerbeparks errichten. Da sie das aus eigener Kraft nicht schaffen konnten, bot man ihnen großzügige Milliardenkredite.
Perkins schreibt: "An den Kredit ist die Bedingung geknüpft, dass Ingenieurfirmen und Bauunternehmer aus unserem Land alle diese Projekte bauen. Im Prinzip verlässt ein Großteil des Geldes nie die USA, es wird einfach von Banken in Washington an Ingenieursbüros in New York, Houston oder San Francisco überwiesen."
Widerstrebende und misstrauische Regierungsexperten und Politiker in den betroffenen Ländern wurden bestochen.
Natürlich trafen die Prognosen nicht zu, so dass die geldleihenden Länder schon bald mit der Rückzahlung ihrer Kreditsumme plus Zinsen in Verzug gerieten. Sie steckten in der Schuldenfalle.
"Dann verlangen wir wie die Mafia unseren Anteil. Dazu gehören vor allem: die Kontrolle über die Stimmen in der UNO, die Errichtung von Militärstützpunkten oder der Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Öl oder die Kontrolle über den Panamakanal. Natürlich erlassen wir dem Schuldner dafür nicht die Schulden – und haben uns so wieder ein Land dauerhaft unterworfen."
Genau darauf hatte man in Washington gesetzt. Getarnt als Entwicklungshilfe machten die Kredite die Schuldner politisch und wirtschaftlich abhängig von den USA und damit erpressbar. Ein perfides Spiel und die Economic Hit Men, wie man sie intern nannte, hatten es einzuleiten. Der Vorteil: für die Unterwerfung unter die Ziele des US-Imperiums floss kein Tropfen Blut, bedurfte es keiner Invasion, keines Krieges, keines blutigen Staatstreiches. Nach außen hin lief alles völlig friedlich ab. ..."
In dem Film "Let's make money" schilderte Perkins den Mechanismus kompakt: „Wirtschaftskiller suchen ein Land mit Ressourcen aus, mit denen unsere Firmen arbeiten. Erdöl zum Beispiel. Dann arrangieren wir einen riesigen Kredit für das Land von der Weltbank oder einer ihrer Schwesterorganisationen. Doch dieses Geld kommt nie in diesem Land an. Stattdessen fließt es an unsere Firmen, die dafür riesige Infrastrukturprojekte in dem Land abwickeln. Dinge, die wenigen Reichen in dem Land nützen sowie unseren Firmen. Doch den meisten Menschen bringen sie nichts, weil sie zu arm dafür sind. Doch die arme Bevölkerung muss nun riesige Schulden abtragen, so riesig, dass sie sie niemals zurückzahlen können. Doch bei dem Versuch, die Schulden zurück zu zahlen, kommen sie in eine Lage, wo sie sich weder Gesundheits- noch Ausbildungsprogramme leisten können. So sagen die Wirtschaftskiller zu den Leuten: Ihr schuldet uns viel Geld. Ihr könnt eure Schulden nicht bezahlen, also zahlt uns in Naturalien. Verkauft euer Öl billig an unsere Ölfirmen, stimmt bei der nächsten kritischen UNO-Abstimmung mit uns. Unterstützt unsere Truppen, z.B. im Irak. Auf diese Art und Weise gelang es uns, dieses Imperium zu schaffen. Denn Tatsache ist: Wir schreiben die Gesetze. Wir kontrollieren die Weltbank. Wir kontrollieren den Internationalen Währungsfonds. Wir kontrollieren sogar die UNO in hohem Maße. Wir schreiben also die Gesetze. Insofern tun Wirtschaftskiller nichts Ungesetzliches. Ländern große Schulden aufbürden und dann eine Gegenleistung verlangen, ist nicht verboten. Es sollte verboten sein, ist es aber nicht.“
In einem Text auf der Film-Website zu Perkins' Buch heißt es u.a.: "Die Spezies der Economic Hit Men (Wirtschaftskiller) ist ein Produkt unserer Zeit, in der Kriege gegen andere Länder mehr oder weniger ersetzt wurden durch den Wirtschaftsimperialismus von Großkonzernen. Sie sind hoch intelligente, hoch bezahlte Profis, die weltweit Länder um Zigmilliarden betrügen. Sie schleusen Weltbank-, Regierungsgelder und ‚Entwicklungskredite’ in die Taschen einiger Großkonzerne und reicher Familien, die über die natürlichen Ressourcen verfügen. Zu ihrem Instrumentarium gehören gezinkte Wirtschafts- und Finanzprognosen, Wahlmanipulationen, Schmiergelder, Erpressung, Sex und Morde. Sie treiben ein Spiel, das so alt ist wie Macht und Herrschaft; doch im Zeitalter der Globalisierung hat es eine neue und bedrohliche Dimension angenommen."
Zur Erinnerung: "Die Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für das Wirtschaftswachstum in Griechenland waren stets zu optimistisch angesetzt. Keine der Vorhersagen des IWF für die Wirtschaftsentwicklung traf zu, die griechische Wirtschaft schrumpfte wesentlich stärker als vom IWF erwartet. Dies kritisiert der Harvard-Ökonom Dani Rodrik in einer Studie, die er auf seinem Blog erläutert (hier). ..." (Deutsche Mittelstands-Nachrichten, 9.8.12)
Und: "Ist eine Investmentbank verantwortlich für die Finanzkrise Griechenlands? Goldman Sachs soll bei Griechenlands Eintritt in den Euro die Schulden des Landes kaschiert haben. Dafür soll die Bank ordentlich kassiert haben: Von 500 Millionen Dollar ist die Rede. Nun droht Goldman Sachs deswegen eine Klage.
Goldmann Sachs könnten bald gesetzliche Schritte drohen. Wie die britische Zeitung „The Independent“ berichtet, könnte Griechenland die Investmentbank wegen der komplexen finanziellen Deals aus dem Jahre 2001 verklagen, die viele für die nachfolgende Finanzkrise Griechenlands verantwortlich machen.
Jaber George Jabbour, ein früherer Goldman-Banker und führender Berater verschuldeter Länder, hat Athen dem Bericht zufolge nun seine Hilfe angeboten. Er möchte etwas von dem Geld zurückzuholen, das die Investmentbank herausgeschlagen hat, als sie den Griechen eine Position in der Einheitswährung sicherte. ...
Jabbour glaubt offenbar, dass die Profite, die Goldman Sachs während der Transaktionen machte, unangemessen waren. Griechenland hat es laut „The Independent“ vor allem wegen komplexer Transaktionen der Investmentbank geschafft, mit den strengen Maastricht-Kriterien zur Teilnahme an der Eurozone mitzuhalten.
Griechenland wurde kreditwürdiger eingeschätzt als es war
Dafür soll Goldman Sachs mehr als 500 Millionen Dollar kassiert haben. Die Bank verneine das, gebe aber die korrekte Summe nicht bekannt, berichtet die britische Zeitung.
Griechenlands Teilnahme am Euro hat dem Land leichten Zugang zu Krediten eröffnet, weil es deutlich kreditwürdiger eingeschätzt wurde, als es in Wirklichkeit war. Die Folge: Griechenland konnte die Kredite nicht zurückzahlen und stürzte in die Krise. ..." (Focus online, 12.7.15)
Der Fakt der falschen Zahlen ist schon länger bekannt: "Griechenland hat auch in den Jahren 1997 bis 1999 falsche Angaben über das staatliche Haushaltsdefizit an die Europäische Union gemeldet. Das geht aus einem Bericht des europäischen Statistikamts Eurostat hervor. Danach lag das Haushaltsdefizit in diesen drei Jahren, die als Referenzzeitraum für den Beitritt des Landes in die Europäische Währungsunion im Jahr 2001 galten, jeweils oberhalb des Maastrichter Referenzwerts von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Aufgrund der jetzt bekannten Zahlen hätte Griechenland den Euro nicht einführen dürfen. ..." (FAZ, 26.11.04) Damals hieß es: "Gravierende Sanktionen wegen der falschen Zahlen erscheinen derzeit unwahrscheinlich. Sowohl die Kommission als auch Brüsseler Diplomaten weisen darauf hin, daß die jetzige griechische Regierung die Fehlberechnungen der vergangenen Jahre aufgedeckt habe und dafür nicht bestraft werden dürfe. Der für Wirtschafts- und Währungsfragen zuständige EU-Kommissar Joaquín Almunia hatte bereits im September angekündigt, ein Vertragsverletzungsverfahren zu prüfen. Der juristische Dienst der Kommission sieht derzeit aber keine rechtliche Grundlage dafür, Griechenland im Nachhinein aus dem Euro-Raum auszuschließen, auch wenn es zum Beitrittszeitpunkt die Bedingungen für einen Beitritt nicht erfüllt hat. ..." Das wird Tsipras nicht widerfahren ...
In einem Interview für das Online-Magazin "Türkischer Frühling" vom 28.2.14 warnte Perkins vor dem Einmarsch des IWF in die Türkei und verwies zugleich auf mögliche Alternativen:
"... Herr Perkins, der Chef einer der wichtigsten türkischen Holdings rief dazu auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Land zu lassen. Ist ein solcher Vorgang normal?
Auch das ist eine Aktion um dem Land zu schaden. Koç versucht den IWF in die innenpolitische Auseinandersetzungen einzubeziehen. Denn das kann nur der Regierung schaden. Der IWF ist ein Raubritter. Der IWF ist der allerletzte Hafen in den man sich flüchten sollte. Der IWF wird von der Türkei verlangen noch mehr staatliche Betriebe zu privatisieren. In der Vergangenheit hat die Türkei das ja auch gemacht. Der Telekommunikationssektor wurde ja privatisiert. Der IWF ist immer für Privatisierung. Denn dann können die großen Konzerne kommen, einkaufen und die Kontrolle übernehmen.
Der IWF ist ein Teil der Firmokratie. Koç ist ebenfalls ein Teil der Firmokratie und ein Gegner der Regierung Erdoğan. Deshalb finde ich es sehr Bedeutend dass Koç den IWF in der Türkei sehen will. Regierung und Volk in der Türkei sollten sich davor hüten den IWF ins Land zu lassen. Der IWF würde die Türkei bis aufs Hemd ausziehen. Das ist deren Geschäft.
In den letzten Jahren gibt es einige Erfolgsgeschichten im Kampf gegen den IWF. In Island und Equador. Beide Länder haben Zahlungen an den IWF verweigert. Das waren hohe Beträge. Über Island weiss ich jetzt nichts genaues. Aber Equador hat 3,5 Milliarden Dollar nicht gezahlt. Letztendlich haben beide Länder die Zahlungen verweigert. Sie haben bestimmte Kreditverträge nicht anerkannt. Der IWF hatte mit vormaligen Regierungen dieser Länder Verträge abgeschlossen. Diese Regierungen repräsentierten keine demokratische Entscheidung über die Annahme dieser Kredite. In Equador sagte Präsident Rafael Correa, diese Kreditverträge seien auf Druck des Economic Hit Man John Perkins und der CIA von der damaligen Junta unterzeichnet worden. Mit Rafael Correa verband mich dann später eine gute Freundschaft, wir stehen auch im Briefwechsel miteinander. Correa sagte: “Das equadorianische Volk weiss nichts von diesen Verträge. Geld sahen nur der IWF und die Junta. Leute die inzwischen das Zeitliche gesegnet haben oder ihren Ruhestand in Miami verbringen. Oder vielleicht hat John Perkins das Geld. Aber das Volk von Equador hat mit diesen Geschäften nichts zu tun.”
Auch Island hat genau dasselbe getan. Sie sagten einfach “Wir zahlen nicht!” Genau das habe auch ich den Isländern vorgeschlagen. Sie haben schließlich eine Volksabstimmung durchgeführt und sich mit 90% gegen irgendwelche Rückzahlungen entschieden. Genauso habe ich auch in Irland dafür geworben. Aber die Iren entschieden sich bei einer Volksabstimmung mehrheitlich für Rückzahlungen. (…)
Was ich der Türkei raten kann ist: Nehmt kein Geld vom IWF an. Zahlt auch keine Kredite an den IWF zurück, die von Regierungen ohne demokratische Legitimation ausgehandelt wurden. Ich denke solche gravierenden Entscheidungen können nur aufgrund von Volksabstimmungen legitimiert sein. (…) ..."
Nachtrag: Was wurde in Griechenland eigentlich mit den geliehenen Milliarden gekauft? Nicht, dass wir das vergessen: "Panzer, U-Boote, Flugabwehrsysteme: Das griechische Militär kaufte für Milliarden modernstes Kriegsgerät und ließ sich mit Millionenbeträgen bestechen - auch von deutschen Firmen. Nun packen einige Beteiligte aus. ..." (DeutschlandRadio Kultur, 16.9.14)
"Böse Überraschung für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble gegen Ende der gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem neuen griechischen Amtskollegen Gianis Varoufakis am Donnerstag in Berlin. Der CDU-Politiker hatte sich mit diplomatischen Floskeln und Höflichkeiten gegenüber seinem Gast schon fast über die Redezeit gerettet, als ein griechischer Journalist seine Kritik an der Korruption in Griechenland aufgriff: »In 90 Prozent aller Korruptionsfälle in Griechenland ist eine deutsche Firma involviert.« Er wolle nur einen Namen nennen: »Michael Christoforakos, der Exchef von Siemens in Griechenland, läuft frei in München herum.« ..." (junge Welt, 6.2.15, Seite 1)
Und eines noch: Griechenland wird immer wieder vorgeworfen, dass dort die Korruption so verbreitet sei und es deshalb nicht vorwärts gehe. Darüber kann ich nur lachen, nicht nur, aber auch seit dem ich Michael Krätkes Text von 2007 über den Zusammenhang von "Kapitalismus und Korruption" gelesen habe: "Für Schwindel und Korruption gab und gibt es strukturelle Ursachen, ebenso wie für ihre Blüte in jüngster Zeit. Kapitalverwertung ist ein mühsames, riskantes Geschäft; es kostet Zeit, und Mühe, kann Verluste bringen, sogar die Pleite droht. Daher waren KapitalistInnen aller Art seit jeher anfällig für die "Sucht, sich zu bereichern, nicht durch die Produktion, sondern durch die Eskamotage (Diebstahl; MK) schon vorhandenen fremden Reichtums". (MEW 7, 14f.) Der mühsame und risikoreiche Produktionsprozess erscheint den KapitalistInnen nur als "ein nothwendiges Übel zum Behuf des Geldmachens". Daher werden mit schöner Regelmäßigkeit "alle Nationen kapitalistischer Produktionsweise ... periodisch vom Schwindel ergriffen, worin sie ohne Vermittlung des Produktionprocesses das Geldmachen vollziehen wollen". (MEGA II.11, 591) ..."
aktualisiert: 16:21 Uhr