Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Dienstag, 3. März 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 161

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar - nach Unterthemen sortiert (aktualisiert: 19:30 Uhr)

Antikriegsbewegung

• Zur Erinnerung:
Aufruf der 100 Ukrainer: Nein zum Konflikt mit Russland!
"100 ukrainische Persönlichkeiten sprechen sich gegen antirussische Propaganda und Kriegshetze, für ein Referendum über die Föderalisierung der Ukraine aus:Liebe Landsleute, Mitbürger, das Fehlen einer handlungsfähigen Macht im Land, die über einen Vertrauenskredit der Bürger verfügt, brachte es zu Erscheinungen der Anarchie und des offenen Banditentums. Wir sind überzeugt, dass die Taktik des Totschweigens solch ernsthafter Probleme die Gesellschaft zu einer Katastrophe und einen Staat zu seinem Zerfall führt.
Die Nationalisten verfälschen die Geschichte, reißen Denkmale nieder, heroisieren die Verräter, schreiben Geschichtsbücher um, erniedrigen die Veteranen, radieren das Gedenken des Volkes über den Sieg im Großen Vaterländischen Krieg aus, sie schlagen ungestraft Menschen auf den Straßen.
In den Massenmedien entstand Zensur gegen den Patriotismus. Verlage werden geschlossen, TV-Kanäle stellen ihre Sendungen ein. Nur wegen eines Verdachts zum Separatismus kann heute jeder festgenommen werden. Die Mitarbeiter der Massenmedien sind der physischen Gewalt und Kündigungen ausgesetzt.
Die Vertreter verschiedener Konfessionen fühlen sich nicht frei in dem Land, wo Gotteshäuser überfallen und Gläubige bedrängt werden. Wo Priester zu Raubüberfällen und Abrechnungen aufrufen.
Aus den Sälen der Werchowna Rada und dem Fernsehen hört man Aufrufe zur Deportation und Vertreibung ganzer Völker, es klingen fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen. Das schürt Hass zwischen den Menschen, erschafft eine Atmosphäre der Spannung und der Angst auf den Straßen der Städte.
Eine Welle des Nationalismus und Antisemitismus ist gekommen. Wir wollen, dass das historische Gedächtnis es der Menschheit nicht zulässt, zu vergessen was ein Holocaust ist, der Millionen und Millionen von Leben gekostet hat. Der Faschismus in der Ukraine wird nicht durchkommen.
Wir wollen in der Muttersprache sprechen, schauen, hören und lesen, Bildung ohne das Diktat der Nationalisten erhalten. Wir sind gegen die antirussische Propaganda, gegen Versuche die bellizistische Hysterie aufzuzwingen und gegen den Aufbau eines Feindbildes gegen das Brudervolk.
Um der kommenden Tragödie in einem der größten Länder Europas zu entgehen, schlagen wir die einzige zivilisierte Lösung vor: unverzüglich die Durchführung eines Referendums zu organisieren! Auf Basis des § 5 der ukrainischen Verfassung. Und durch die direkte Willenserklärung des Volkes den Staat reformieren. Die Bewohner der Regionen haben das Recht, selbst zu entscheiden wie sie leben sollen.
Auch wenden wir uns an unsere Nachbarn und an alle Staaten, die nicht nur vom Hören/Sagen wissen was Nazismus ist. Die Ukraine ist heute in Schwierigkeiten. Und von diesen Schwierigkeiten können wir alle betroffen werden..." (Antikrieg.tv, 10.4.14)

Deutschland

• Telefongipfel
„Bundeskanzlerin Angela Merkel hat heute Abend mit dem französischen Präsidenten François Hollande, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ein ausführliches Telefonat über die Umsetzung der Minsker Vereinbarungen geführt.
Die Gesprächspartner begrüßten Fortschritte beim vereinbarten Waffenstillstand und dem Rückzug der schweren Waffen. Sie waren sich einig, dass die OSZE eine noch stärkere Rolle bei der Beobachtung des Waffenstillstands und des Waffenabzugs spielen sollte. Sie richteten die Bitte an die OSZE, einen täglichen Bericht über die jeweils aktuellen Entwicklungen zu veröffentlichen.
Die Gesprächspartner waren sich auch einig über die Dringlichkeit des Gefangenenaustausches und die Leistung humanitärer Hilfe unter Beteiligung des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes. Sobald die Voraussetzungen erfüllt seien, sollten die in Minsk vereinbarten Arbeitsgruppen eingerichtet werden, um die weiteren noch anstehenden Aufgaben anzugehen, wie zum Beispiel die Vorbereitung der Lokalwahlen in den Regionen um Lugansk und Donezk. …“ (Pressemitteilung Bundesregierung, 2.3.15)

• Politologe gegen Ausgleich mit Russland, weil Konflikt Putin stabilisiert …
Dr. Stefan Meister von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), dem zentralen außenpolitischen Thinktank der herrschenden Kreise hierzulande, warnt in der Zeitschrift Internationale Politik, Ausgabe 2, März/April 2015,: „Ein Ausgleich mit Russland auf Grundlage einer EU-EWU-Partnerschaft ist irrig
Hauptursache des Konflikts zwischen Russland und dem Westen ist das Legitimationsdefizit des Systems Putin nach innen. Nicht nur, dass die EU bei einer engeren Kooperation mit Moskaus Eurasischer Wirtschaftsunion ihre Werte verriete – der Kreml hat daran schlicht kein Interesse.
Akzeptiert der Westen Russlands Ansatz von einer Teilung Europas in Interessensphären oder gestehen wir den Staaten der gemeinsamen Nachbarschaft Souveränität und Unverletzbarkeit ihrer Grenzen zu? Sollte die EU ihre Sanktionen zumindest in Teilen zurücknehmen, auch ohne russische Zugeständnisse, in der Hoffnung, so Moskau nicht weiter zu isolieren oder in die Arme Pekings be­ziehungsweise in den Bankrott zu treiben? Und ist die Eurasische Wirtschaftsunion (EWU) die richtige Institution, um mit Russland eine neue Ordnung in Europa zu „entwickeln“? Das sind die Schlüsselfragen für die zukünftige Gestaltung der Beziehungen zu Russland.
Die Hauptursachen des Konflikts zwischen Russland und dem Westen liegen nicht nur in der Sicherheitsperzeption der russischen Eliten, die die Erweiterungspolitik von NATO und EU als Bedrohung auffassen, sondern im Legitima­tionsdefizit des Systems Putin nach innen. Die Entscheidung der russischen Führung gegen eine Modernisierung ist der Grund für die Suche nach neuen Legitimationsgrundlagen. Der Konflikt mit „dem Westen“ erscheint der russischen Führung als der beste Weg, um von den Defiziten der eigenen Politik abzulenken. …
Anstatt mit einem autoritären Regime die Zukunft Europas auszuhandeln, sollte sich die EU lieber auf den Tag X vorbereiten, wenn es infolge der fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik zu einer Destabilisierung Russlands kommt. Dabei geht es darum, russische Entwicklungen differenzierter zu analysieren und auf dieser Basis eine pragmatische Politik zu entwickeln. Jedoch bedarf es dazu eines Paradigmenwechsels und einer proaktiveren EU-Politik. Die Anerkennung russischer Vorstellungen von Interessenssphären wäre für manche EU-Mitgliedstaaten sicher bequemer, löste aber weder die Krise in der Ukraine noch den Konflikt mit Russland. … Die europäische Politik sollte endlich aufwachen und die russische Herausforderung ernst nehmen, anstatt mit Kompromissvorschlägen den Appetit Putins noch zu erhöhen.
Das ist auch für die Ukraine entscheidend, wo sich im Moment die Glaubwürdigkeit europäischer Werte- und Außenpolitik entscheidet. Auch hier gilt: Die russische Führung hat gar kein Interesse, diese Krise zu lösen; sie benutzt den Krieg vielmehr dazu, die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Was die Chance einer Umsetzung des Minsker Abkommens betrifft, gibt es zwei fundamental unterschiedliche Sichtweisen, die Russlands und die der EU: Die EU betrachtet eine Umsetzung des Minsker Abkommens und damit Kompromisse Russlands und der Separatisten als Voraussetzung für Verhandlungen über die Zukunft der bilateralen Beziehungen. Für die russische Führung ist der Krieg in der Ostukraine Mittel zum Zweck, um die eigene Verhandlungsposition mit Blick auf die zukünftige Ordnung in Europa zu stärken. Putin will erst über die neue Ordnung reden und dann – vielleicht – den Krieg einhegen; die EU will erst den Krieg beenden und dann über das zukünftige Verhältnis sprechen. …
Es ist eine Illusion, mit dieser russischen Führung über weitreichende Kompromisse eine Lösung der Ukraine-Krise und einen Interessenausgleich erreichen zu können. Der Konflikt mit dem Westen und damit auch der EU stabilisiert Putins Regime. …“
Das ist interessant und bezeichnend: Der Politikwissenschaftler Meister, nicht ohne Einfluss, ignoriert all die Verständigungs- und Kooperationsangebote aus Moskau aus der Zeit der Präsidentschaft von Wladimir Putin und Dmitri Medwedew und auch die Tatsache, dass nicht Russland den aktuellen Konflikt vom Zaun gebrochen hat. Seine etwas verquere Argumentation, der Konflikt nutze Putin, deshalb dürften keine Kompromisse mit ihm gesucht werden zeigt eines: Bestimmte Kreise hierzulande wollen Russland nicht als Partner. Dafür sorgen bestimmte Interessen, auch solche aus den USA, wohin die DGAP gute Kontakte hat.

Erdgas

• Streit um Gaslieferungen vorerst beigelegt
„Russland und die Ukraine haben ihren Gasstreit vorerst beigelegt: Nach fast fünfstündigen Verhandlungen unter Vermittlung der EU einigten sich die beiden Länder am Montagabend auf ein Abkommen über die Verlängerung der Gaslieferungen bis Ende März. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach unterdessen erneut mit den Präsidenten beider Länder sowie Frankreichs über die Ukraine-Krise.
Der für die Energie zuständige Vizepräsident der EU-Kommission, Maros Sefcovic, erklärte nach der Einigung am Montag, er sei "zufrieden" mit dem Deal. So sei eine "vollständige Umsetzung" der Winterlieferungen für die Ukraine und damit auch die Versorgungssicherheit der EU erreicht worden, erklärte er. Über die Sommerlieferungen werde noch im März erneut verhandelt.
Die Verhandlungspartner, darunter die Energieminister der beiden Länder, verabredeten demnach aber auch, die Gasversorgung für die Konfliktregionen Donezk und Lugansk zunächst aus den Gesprächen herauszulassen. Diese Angelegenheit sei "hochkomplex" und berge "rechtliche, technische und politische" Probleme. …“ (Die Presse online, 3.3.15)

• Gasversorgung als Mittel der Föderalisierung?
„… Entzündet hat sich der neueste Disput, nachdem Mitte Februar die staatliche ukrainische Gasfirma Naftohaz die Lieferungen in die von den prorussischen Aufständischen gehaltenen Gebiete in der Ostukraine einstellte. Begründet wurde dies mit schweren Schäden an der Infrastruktur im Osten. Russland reagierte unverzüglich auf den Versorgungsengpass: Der Energieriese Gazprom startete eine direkte Gasversorgung des Gebietes über die Knotenpunkte "Progorovka" und "Platovo". Beide Messstationen befinden sich unter Kontrolle der Rebellen.
Erst erklärte der russische Premier, Dmitrij Medwedew, es handle sich bei den Lieferungen um humanitäre Hilfe. Tags darauf teilte Gazprom mit, dass die Kosten von den Gas-Vorauszahlungen aus Kiew abgezogen würden - immerhin würde ukrainisches Territorium beliefert. Naftohaz ließ daraufhin wissen, man werde nicht für Gas zahlen, das an die abtrünnigen Gebiete geliefert wird.
Kiew bringt die Entwicklung in ein Dilemma. Beobachtern zufolge ist es von immenser strategischer Bedeutung, dass die Regierung in Kiew weiterhin die abtrünnigen Gebiete mit Gas beliefert, um nicht eine De-facto-Föderalisierung voranzutreiben. "Der territorialen Integrität des Landes ist nicht geholfen, wenn die Gebiete direkt von Russland versorgt werden", heißt es in der jüngsten Analyse des European Council on Foreign Relations (ECFR). Zudem könnte Moskau Kiew vorwerfen, die Minsk-Vereinbarungen nicht einzuhalten, die eine vollständige Wiederherstellung der wirtschaftlichen Verbindungen mit den abtrünnigen Gebieten vorsehen. …“ (Wiener Zeitung online, 2.3.15)

Kiew

• "Agentur für die Modernisierung der Ukraine" soll Kiew auf die Sprünge helfen
„Michael Spindelegger hat einen neuen Job: Der Ex-ÖVP-Chef und -Vizekanzler wird Direktor der Agency for the Modernization of Ukraine (Agentur für die Modernisierung der Ukraine - AMU).
Dem dreiköpfigen Direktorium könnte außerdem Ex-Innenminister Karl Schlögl angehören. … Als dritter Direktor wird der deutsche Politberater Udo Brockhausen genannt.
Hauptfinanzier und treibende Kraft hinter der Agentur ist Dmitri Firtasch. Gegen den ukrainischen Oligarchen gibt es einen US-Haftbefehl. Firtasch wurde gegen eine Rekordkaution von 125 Millionen Euro auf freien Fuß gesetzt. Er sitzt nun in Österreich fest.
Das AMU-Direktorium mit Spindelegger thront über prominent besetzen Arbeitsgruppen. So steht etwa der deutsche Ex-Finanzminister und -SPD-Kanzlerkandidat  Peer Steinbrück der Arbeitsgruppe "Finanzen und Steuern" vor. Sein Landsmann, Ex- EU-Kommissar Günter Verheugen leitet den Themenkomplex "EU-Integration". Agenturberichten zufolge ist auch der frühere französische Außenminister Bernard Kouchner an Bord.
Die drei Gründer der Agentur sind der französische Starphilosoph Bernard-Henry Levy, der deutsche Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann und der britische Parlamentarier Lord Risby. …“ (Die Presse online, 3.3.15)

Lage in der Ostukraine

• Donezk kritisiert Kiew für mangelhafte Umsetzung von Minsk II
„Kiew hat aus Sicht der selbst ernannten Volksrepublik Donezk bislang keinen einzigen Punkt der Minsker Vereinbarungen bis auf den teilweisen Waffenabzug erfüllt. „Aber auch dieser verläuft nur zu schleppend“, kritisierte der Vize-Generalstabschef der Donezker Armee, Eduard Bassurin, am Montag in Donezk.
„Der hinausgezögerte Abzug schwerer Rüstungen von der Trennlinie im Donbass schafft Voraussetzungen für eine Torpedierung der Minsker Abkommen“, betonte er. Und selbst die abgezogene Technik werde den zuständigen Beobachtern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nicht gezeigt.
„Die Blockade der Republik ist immer noch nicht aufgehoben. Die sozialen Leistungen werden von Kiew weiterhin nicht finanziert“, sagte Bassurin. …“ (Sputnik, 2.3.15)

• Moskau fordert von Kiew Ende der Blockade des Donbass
„Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die ukrainische Regierung aufgefordert, die Blockade der ostukrainischen Donbass-Region sofort aufzuheben und die Bewegungsfreiheit zwischen dem Krisengebiet und den anderen Regionen des Landes wiederherzustellen.
Moskau rechne damit, dass die internationalen Organisationen auf eine schnelle Erfüllung dieser Aufgaben hinarbeiten würden.
Der zugespitzten humanitären Lage in der Krisenregion soll jetzt besondere Aufmerksamkeit gelten, sagte Lawrow am Montag vor dem UN-Menschenrechtsrat (http://www.mid.ru/brp_4.nsf/0/063EE465DAC711E543257DFC0064C64C).
„Zur Sicherung der elementaren Rechte der Donbass-Einwohner muss die ukrainische Regierung die faktische Blockade dieser Region sofort aufheben und die Wirtschaftsverbindungen, die sozialen Zahlungen, die Bankleistungen sowie die Bewegungsfreiheit der Menschen zwischen dem Donbass und den anderen Gebieten des Landes wieder herstellen“, erklärte Lawrow.
Entsprechende Bestimmungen seien in den Minsker Vereinbarungen festgelegt worden. Ihre Umsetzung sollte nicht verzögert werden. …“ (Sputnik, 2.3.15)

Medien

• Ideologische Mobilmachung durch Medien
„Deutschland rüstet nicht nur im Äußeren auf – auch im Inneren vollzieht sich eine Entwicklung gen Militarisierung des Zivilen, des Denkens, Handelns und der Bildung etwa – eine ideologische Mobilmachung also, die auf die Erhöhung der Kriegsbereitschaft der Deutschen zielt. Auf dem Kongress mit dem Titel „Krieg um die Köpfe: Der Diskurs der ‚Verantwortungsübernahme‘“, der vom 5. bis 8. März in Berlin stattfindet, wollen Psychologinnen und Psychologen diese Einstimmung der Bevölkerung auf die scheinbare Notwendigkeit und Unausweichlichkeit der Beteiligung an Kriegen analysieren und kritisieren. Jens Wernicke sprach hierzu mit Jörg Hein, Mitglied im Vorstand der Neuen Gesellschaft für Psychologie, die Veranstalterin des Kongresses ist. …
Welche Rolle kommt denn den Medien bei der ideologischen Mobilmachung für Krieg und Militarisierung Ihrer Meinung nach zu? Das ist doch irgendwie auch eine Frage … „der Psychologie“?
Wir haben eine stark vermachtete Medienlandschaft, in der einige Konzerne wie Bertelsmann und Springer zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten die veröffentlichte Meinung weitgehend kontrollieren. Kritische Publikationen und Sendungen führen eine Randexistenz und verlangen dem interessierten Leser beziehungsweise Zuschauer notgedrungen einiges an Aufwand ab, wenn er an alternative Informationen gelangen will.
Dass die Berichterstattung etwa über den Konflikt in der Ukraine in hohem Maß einseitig war und ist und nicht regierungskonforme Informationen weitgehend zurückgehalten wurden, hat mittlerweile zu einer relativ breiten Kritik geführt.
Der Anteil der Medien an der oben angesprochenen synergetischen Entwicklung hin zu destruktiven Konfliktspannungen liegt dabei sicher in ihren polarisierenden Tendenzen, die die „westliche Wertegemeinschaft“ – gemeint ist im Grunde die politische Verbrüderung mit den USA – gegenüber dem Rest der Welt immer wieder drastisch ins Szene setzen.
Nötig wäre eine kritische, nach beiden Seiten distanzierte Berichterstattung. Wer aber in aller Unschuld von „Strafmaßnahmen“ gegen Russland spricht, setzt auf westlicher Seite offenkundig einen Erziehungsauftrag voraus, der eben auch Strafen einschließt. Und der Erzieher hat notwendigerweise das höhere zivilisatorische Niveau, zu dem er sozusagen „hinerzieht“. Wie gefährlich solch eine bornierte Sichtweise ist, braucht nicht betont zu werden. Hier ist interne Nacherziehung dringend gefordert. Wir haben deshalb in unserem Kongress auch mehrere Beiträge vorgesehen, die sich mit Medien, ihrer Arbeitsweise und ihren Wirkungen befassen. …“ (Nachdenkseiten, 3.3.15)

Poroschenko

• Poroschenko fährt weiter zweigleisig
„…Der ukrainische Präsident Poroschenko fährt weiterhin auf zwei Schienen, die sich kaum verbinden lassen. Er versucht, das Militär auch mit neuen Waffen aufzurüsten und kampffähiger zu machen, vielleicht auch um die von anderen Oligarchen finanzierten Milizen zu schwächen, die zunehmend gefährlich werden und auch dazu dienen, Antikorruptionsmaßnahmen zu verhindern, die bei nicht mit Poroschenko konformen Oligarchen auf Ablehnung stoßen. Der setzt allerdings auch schon sein vor der Wahl gegebenes Versprechen nicht um, seine Unternehmen und seine Anteile an Unternehmen zu verkaufen, wozu er durch die Verfassung verpflichtet wäre.
Gleichzeitig versucht Poroschenko immer wieder, den Krieg zu beenden, der die Wirtschaft des Landes nach unten bringt (was auch den eigenen Interessen des Oligarchen zuwiderläuft). Der Vorschlag, eine UN-Friedensmission in die Ostukraine zu schicken, natürlich ohne russische Beteiligung, ist nach der Zustimmung zum Minsker Abkommen die neueste Idee gewesen. Auf Resonanz stieß Poroschenko damit nicht, will aber morgen der Rada ein Gesetz vorlegen, dass eine solche UN-Mission ermöglichen würde. …“ (Telepolis, 2.3.15)

Russland

• Russischer Panzerfahrer als Beweis für russischen Krieg gegen die Ukraine?
„Das Geständnis eines verletzten russischen Panzerfahrers zeigt: Die Schlacht von Debalzewe wurde auf Befehl des Kremls von russischen Soldaten geführt. Die Separatisten sind nur Staffage.
Dorschi Batomunkujew ist erst 20 Jahre jung, ein Burjate und Buddhist aus Mogoitui – einem Kaff mit 11 000-Seelen an der chinesischen Grenze, über 6000 Kilometer und 6 Zeitzonen östlich von Moskau. Trotzdem kämpfte der talentierte Panzerfahrer im Februar in der Ostukraine. In einem Konflikt, den die nationalistisch gesinnten Separatisten als «russischen Befreiungskrieg» bezeichnen. In der Schlacht um Debalzewe wurde Batomunkujew schwer verletzt, trug Verbrennungen an Händen und Gesicht davon. Trotzdem sagt er: «Ich bereue nichts.»
Es ist nicht die erste Geschichte eines russischen Soldaten, der in der Ukraine kämpfte, aber es ist eine besonders eindrückliche. Und sie bestätigt, was ukrainische Politiker und Medien seit langem sagen: Den Krieg in der Ostukraine führt die russische Armee, der wilde Haufen der separatistischen Freischärler dient einzig der Tarnung.
Aufgezeichnet wurde die Geschichte von einer Journalistin der russischen Zeitung «Nowaja Gazeta» in einem Spital in Donezk. Der Artikel erschien mit einer Foto des verletzten Soldaten. …“ (Neue Zürcher Zeitung online, 3.3.15)
Kommentar: Es gibt keinen russischen Krieg gegen die Ukraine. Es gibt nur einen Krieg der Kiewer Machthaber gegen die Aufständischen in der Ostukraine, genannt „Antiterroroperation“ und begonnen im April 2014, samt Panzer, Bomben und Artillerie. Ohne den vom Westen unterstützten Staatsstreich in Kiew im Februar 2014 hätte es das, was sich nicht einmal Präsident Wiktor Janukowitsch traute, nicht gegeben. Es gibt sicher russische Unterstützung für die ostukrainischen Aufständischen, bis hin zu Waffenlieferungen und Freiwilligen wie den interviewten Panzersoldaten. Aber selbst das ist alles andere als überraschend, denn schon 2008 hat Russland den Westen vor den Folgen seiner Politik gewarnt: 
„Am 1. Februar 2008 ging ein Telegramm von der amerikanischen Botschaft in Moskau an die ­damalige Aussenministerin Condoleezza Rice. Der Inhalt wurde später von Wikileaks publikgemacht. US-Botschafter William Burns war damals zu Aussenminister Sergei Lawrow ­zitiert worden, der ihm klar machte, dass Russland nicht einverstanden sei mit einer Nato-Mitgliedschaft der Ukraine. Lawrow äusserte laut Burns «Befürchtungen, dass das Thema das Land entzweien und zu Gewalttätigkeiten führen könnte und sogar [. . .] zu einem Bürgerkrieg, der Russland zwingen würde, über eine Intervention nachzudenken».
Burns gab seinem Telegramm den Titel: «Njet heisst njet. Russlands rote Linien zum Thema Nato-Erweiterung.» Er schickte sein ­Telegramm mit höchster Priorität nach Washington. Nur zwei Monate später kündigten die Nato-­Führer auf einem Treffen in Bukarest ihre Entschlossenheit an, Georgien und die ­Ukraine in die Nato zu führen. …“ (Weltwoche 38/2014, 17.9.14)

• Lawrow: Kiew soll Friedenskurs einschlagen
„Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die Regierung in Kiew aufgefordert, sich von Kriegstreibern zu distanzieren und mit der Umsetzung der Minsk-Abkommen den Kurs auf Frieden zu nehmen.
„Wir rufen die ukrainische Führung dazu auf, sich von der ‚Kriegspartei‘ und anderen Extremisten zu distanzieren und den Kurs auf Frieden und Einvernehmen in der multinationalen ukrainischen Gesellschaft auf allgemein annehmbarer Grundlage zu nehmen“, sagte Lawrow  am Montag vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Das Friedenspaket, das am 12. in Minsk vereinbart und vom UN-Sicherheitsrat unterstützt wurde, bahne einen Weg zum Frieden in der Ukraine. „Diese Vereinbarungen müssen in vollem Umfang umgesetzt werden. In ihrem Rahmen müssen die legitimen Rechte und Interessen der Bürger im Osten der Ukraine gewehrleistet werden.“ …“ (Sputnik, 2.3.15)

• Moskau kritisiert Kiews Wunsch nach UN- und EU-Mission
„Neue Initiativen zur Beilegung der Ukraine-Krise stellen laut Russlands Außenminister Sergej Lawrow einen Versuch dar, den Prozess der Umsetzung der Minsker Vereinbarungen zu verzögern.
„Es handelt sich nicht darum, jede Initiative Kiews unbedingt in Zweifel zu ziehen und mit Veto zu belegen“, erklärte Lawrow am Montag in Genf. „Die Rede ist davon, dass die Konfliktparteien die Fähigkeit besitzen müssen, sich verständigen zu können.“
Am 12. Februar sei in Minsk nach einem 17-stündigen Verhandlungsmarathon unter Teilnahme der Spitzenpolitiker Russlands, Deutschlands, Frankreichs und der Ukraine ein Komplex von Maßnahmen zur Beilegung der Ukraine-Krise gemäß den Minsker Vereinbarungen abgestimmt worden, so Lawrow. Darin sei keine andere Form einer internationalen Präsenz außer der OSZE-Mission erwähnt worden. Mehr noch seien während dieser 17 Stunden überhaupt keine anderen Ideen erörtert worden.
Wenn dann zwei Tage später, „nachdem eine so schwierige, aber komplexe und von allen Seiten unterzeichnete Vereinbarung erzielt wurde, neue Ideen eingebracht werden, entsteht unwillkürlich die Frage, inwieweit diejenigen aufrichtig waren, die nun diese Initiativen unterbreiten.“ …“ (Sputnik, 2.3.15)

• Lawrow im Gespräch mit Kerry
„Eine sichere und nachhaltige Beilegung der Ukraine-Krise ist nur durch die Erfüllung der Minsker Vereinbarungen möglich, erklärte der russische Minister Sergej Lawrow am Montag vor Journalisten.
Das Gespräch mit Kerry in Genf sei „aufrichtig und ohne Konfrontation“ verlaufen. Die Seiten haben sich nach Worten von Lawrow über eine vollständige Umsetzung der Minsker Vereinbarungen geeinigt. …
„Ich habe John Kerry (den US-Außenminister) gebeten, seinen Einfluss, den Einfluss von Washington, auf Kiew auszuüben, damit die ukrainische Seite, die ukrainische Regierung diesen Teil der Vereinbarungen (die Feuereinstellung und einen vollständigen Abzug schwerer Waffen) in vollem Maße erfüllt“, sagte Lawrow.
Es sei aber auch wichtig, dass die anderen Vereinbarungen – über eine Amnestie, die Verfassungsreform und einen Sonderstatus des Donbass – ebenfalls nicht nur auf dem Papier blieben, fügte Lawrow hinzu.
Was mögliche neue Sanktionen gegen Russland betrifft, sei dieses Thema beim Gespräch mit Kerry nicht besprochen worden, so Lawrow.“ (Sputnik, 2.3.15)
„… Nach ihrem bilateralen Treffen nahmen Kerry und Lawrow an der Sitzung des Uno-Menschenrechtsrates teil. Im obersten UN-Gremium gegen Unterdrückung und Gewalt verlangte auch Lawrow die volle Implementierung von Minsk II. Die ausgehandelte Waffenruhe habe sich schon "verfestigt", versicherte Lawrow. … Gegenüber den USA hielt sich Lawrow auffallend zurück. …“ (Der Standard online , 2.3.15)

Soziale Lage

• Bergarbeiter fordern Lohn
„…Während es im Krisengebiet ruhiger wird und nur noch vereinzelt zu Schusswechseln kommt, gewinnen die sozialen Fragen an Schärfe. Rund 1000 Kumpel forderten zum Wochenanfang die Zahlung ausstehender Löhne und Stützungen für den Bergbau zuerst vor dem Parlament und dann dem Regierungssitz in Kiew. Nach einem Plan des Kabinetts soll der Wirtschaftszweig reformiert und 35 seiner bislang staatlichen Betriebe privatisiert werden. Die Bergarbeiter forderten wie auch bei früheren Aktionen, dass Mittel für die Modernisierung der zum Teil mit Verlust arbeitenden Zechen bereitgestellt werden.
Den zuverlässigsten Aufschluss darüber, was die Ukrainer erwarten, gibt ihr Kaufverhalten. Sie decken sich mit Buchweizen und Zucker ein, rechnen also mit einer weiteren Verschärfung der Krise. »Ich hatte leider einen verrückten Tag«, entschuldigte sich Zentralbankchefin Waleria Gontarewa bei einem Besuch der »Ukrainskaja Prawda«. Sie hatte gerade aus dem Rundfunk erfahren, dass die Menschen seit geraumer Zeit diese Lebensmittel hamstern und nannte deren Verhalten »irrational«. …“ (Neues Deutschland, 3.3.15, S. 8)

USA

• US-Lügenminister Kerry optimistisch, aber mit Warnung an Moskau
„US-Außenminister John Kerry hat sich nach einem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow optimistisch zur Lage in der Ukraine geäußert. Er sei "voller Hoffnung", dass es eine "Verbesserung für alle" geben werde, sagte Kerry nach dem Treffen in Genf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vereinbarte nach Kreml-Angaben ein erneutes Telefongespräch mit den Präsidenten Frankreichs, Russlands und der Ukraine.
Der am 12. Februar in Minsk vereinbarte Waffenstillstand zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Rebellen sei zwar noch nicht vollständig umgesetzt, konstatierte Kerry. Es bestehe aber die Hoffnung, dass dies in den kommenden Stunden oder wenigstens Tagen geschehen werde. Für den Fall, dass die Gewalt in der Ostukraine nicht aufhören sollte, schloss der US-Außenminister zugleich weitere Strafmaßnahmen gegen Russland nicht aus. …“ (stern.de, 2.3.15)
„…Die Zusammenkunft in einem Genfer Hotel fand in angespannter Atmosphäre statt. Kerry hatte russischen Regierungsvertretern kürzlich vorgeworfen, "ihm direkt ins Gesicht zu lügen". Ein US-Regierungsvertreter sagte Journalisten an Bord von Kerrys Flugzeug auf dem Weg nach Genf, der Außenminister habe sich damit auf die "russische Propagandamaschinerie" bezogen. Moskaus Äußerungen zum Konflikt in der Ostukraine "widersprechen den Fakten vor Ort", sagte er.Die USA werfen Russland vor, die prorussischen Rebellen zu unterstützen, Moskau weist das zurück. Washington erwägt wegen des wiederholten Bruchs der Waffenruhe, seine Sanktionen gegen Russland zu verschärfen. …“ (Wiener Zeitung online,2.3.15)
„… Kerry machte Lawrow klar: Die Vereinbarungen von Minsk über eine Waffenruhe für die Ostukraine müssten vollständig umgesetzt werden. Das Abkommen zwischen den Separatisten und der Kiewer Regierung wurde beim Minsker Vierergipfel im Februar erzielt. Es sieht neben einer Waffenruhe den Abzug der schweren Waffen, die Einrichtung einer Pufferzone und einen Gefangenenaustausch vor. Nach dem Treffen mit Lawrow erklärte Kerry: "Es gibt noch keine vollständige Waffenruhe." Die Gewalt in der Ostukraine sei noch nicht beendet; OSZE-Beobachter hätten sich über Behinderungen bei ihrer Arbeit beschwert.
Kerry beschuldigte Moskau und die Separatisten, für die schleppende Umsetzung verantwortlich zu sein: Falls sie das Abkommen weiter torpedierten, würde das "unvermeidlich zu weiteren Konsequenzen" für Russland führen. Im Klartext: Die USA drohen Russland mit neuen Wirtschaftssanktionen. …“ (Der Standard online, 2.3.15)

• US-Botschafter bestätigt US- Militärhilfe und sieht russische Truppen
US-Botschafter Geoffrey Pyatt erklärte laut eines Berichtes der Nachrichtenagentur Ukrinform vom 2.3.15, dass die USA Kiew in diesem Jahr 120 Millionen US-Dollar Militärhilfe für Waffen und Ausbildung zahlen. Es sei aber noch nicht entschieden, ob auch „tödliche Waffen“ geliefert werden. Laut einer weiteren Meldung von Ukrinform vom 2.3.15 behauptete Pyatt, dass die US-Regierung Beweise hätten, dass russische Generäle in der Ostukraine an den Kämpfen beteiligt seien:
„Die USA haben alle Beweise, dass die russischen Generäle an den Kämpfen im Osten der Ukraine teilnehmen. Das erklärte der US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt, auf dem TV-Kanal „Inter“.
„Wir sind der Ansicht, dass die russischen Generäle am Konflikt im Donbass beteiligt sind und die russischen Offiziere die taktischen militärischen Operationen in der Donbass Region leiten. Wir wissen, dass Russland moderne elektronische Raketenleitsysteme vom Typ „Boden-Luft“ verwendet“, sagte der Botschafter. „Wir wissen, dass die regulären Einheiten der russischen Armee an der Einnahme von Debalzewe beteiligt waren, an den Kämpfen, die schon danach geführt wurden, als das Abkommen von Minsk in Kraft treten sollte. Russland hatte hunderte und hunderte von schweren Waffen seit Dezember geliefert, ab dem Moment des Waffenstillstands…“, sagte der amerikanische Diplomat. Er fügte hinzu, dass „diesen Konflikt ein Anruf von Präsident Putin beenden kann“.“

  Appell: Der Westen muss Kiew Waffen liefern und Russland bestrafen
Die deutsche Zeitschrift Internationale Politik hat in ihrer Ausgabe 2, März/April 2015, den Aufruf westlicher Politiker und Ex-Militärs der Thinktanks Atlantic Council, Brookings Institution und Chicago Council auf deutsch veröffentlicht, in dem diese westliche Waffenlieferungen für Kiew fordern. Sie begründen das u.a. mit drohenden russischen Angriffen auf NATO-Staaten:
„Es ist die Gretchenfrage in der internationalen Politik: Soll der Westen die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützen? Die Antwort: Ja – solange es sich um Verteidigungswaffen handelt. Denn wenn wir jetzt nicht entschieden handeln, sind weitere russische Übergriffe zu erwarten, womöglich auch in NATO-Mitgliedstaaten. …
Die seit dem Zweiten Weltkrieg unternommenen Bemühungen zur Schaffung eines Sicherheitssystems für Europa sind in Gefahr. Die Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) vom 1. August 1975, in der Russland die Unverletzlichkeit der europäischen Grenzen anerkannte, ist auf eklatante Weise verletzt worden.
Darüber hinaus zählen die USA zu den Unterzeichnern des so genannten Budapester Memorandums von 1994, in dem sie sich zusammen mit Großbritannien und Russland dazu verpflichteten, die Souveränität, Unabhängigkeit und territoriale Integrität der Ukraine zu respektieren und keine Waffengewalt gegen das Land anzudrohen oder gar anzuwenden. Russland hat diese Abmachung, die eine der wichtigsten Voraussetzungen für die atomare Abrüstung der Ukraine war, grob verletzt. Als Antwort darauf sollten die USA und Großbritannien mehr tun, um die Ukraine zu unterstützen und Russland zu bestrafen. Das ist nicht nur eine Frage der Vertragstreue, sondern auch eine Frage der Glaubwürdigkeit zukünftiger Sicherheitsversprechen, die zur Lösung anderer Fälle, wie etwa den Verhandlungen über die Atomprogramme des Iran oder Nordkoreas, beitragen könnte.
Bei den strategischen Überlegungen der USA und der NATO zur Ukraine-Krise geht es vor allem darum, der aggressiven und die Sicherheit in Europa und Eurasien bedrohenden Politik des Kremls die Stirn zu bieten. Russland hat das wichtigste Gebot der europäischen Nachkriegsordnung verletzt: Staaten dürfen international anerkannte Grenzen nicht mit Militärgewalt verändern. …“

Nachrichtenmosaik Ukraine extra 2

hier geht's zu Folge 160

alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine   

Montag, 2. März 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 160

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar - nach Unterthemen sortiert

Aufständische

• Donezk und Lugansk: Alle Waffen abgezogen
Die Volkswehr der nicht anerkannten Donezker Volksrepublik im Osten der Ukraine hat nach eigenen Angaben alle ihre schweren Waffen von der Trennlinie mit dem ukrainischen Militär abgezogen: Am Sonntag seien die letzten Kolonnen unter Kontrolle der OSZE ins Hinterland gebracht worden.
Der Waffenabzug sei im Beisein der OSZE-Beobachter abgeschlossen worden, teilte der stellvertretende Volkwehrchef Eduard Bassurin am Sonntag der Nachrichtenagentur RIA Novosti mit. Nach seinen Angaben ziehen auch die ukrainischen Streitkräfte ihre Technik zurück, halten jedoch die neuen Stationierungsorte geheim. Das ukrainische Militär hält sich vorerst mit Kommentaren zurück. Nach Angaben der Donezker Volkswehr haben Kiew-treue Kräfte in den vergangenen 24 Stunden 26 Mal das Feuer im Donbass eröffnet. Beschossen wurden Vororte der Millionenmetropole Donezk, wie die Nachrichtenagentur Dan meldet.
Auch die selbsternannte Lugansker Volksrepublik bestätigte am Sonntag, sie werde noch im Laufe des Tages den Abzug ihrer Waffen abschließen. „Bei uns läuft alles nach Plan: Heute ist der letzte Tag“, sagte Wladislaw Dejneko, Chefunterhändler der Lugansker Volksrepublik bei den Friedensverhandlungen mit Kiew.“ Wir gehen synchron mit Donezk vor.“ Der Premierminister der Lugansker Republik, Gennadi Zypkalow, sagte seinerseits, dass alle schwere Technik bereits abgezogen worden sei. „Der Abzug ist vollständig. Es bleiben nur noch Formalitäten“, sagte Zypkalow.  „Wir haben die OSZE-Beobachter über die Stationierungsorte der abgezogenen Technik und Kämpfer informiert.“ (Sputnik, 1.3.15)

EU

• Linke Antifaschisten in Spanien verhaftet
Mindestens acht linken Spaniern, die gegen den "Faschismus" an der Seite der prorussischen Milizen kämpften, soll vermutlich Terrorismus vorgeworfen werden
Die Tatsache, dass es offenbar zu einer gewissen Beruhigung im Konflikt in der Ostukraine (Halbstarkenstrategien um die Ukraine) kommt, hat auch dazu geführt, dass spanische Mitglieder der "Internationalen Brigaden" nach Spanien zurückgekehrt sind, die in der Donbass-Volksmiliz gekämpft haben. Mindestens acht Rückkehrer wurden im Rahmen der "Operation DANKO" am frühen Freitag in einer Nacht- und Nebelaktion verhaftet. Darunter waren auch Rafael Muñoz Pérez und Ángel Davilla-Rivas (Internationale Brigadisten kämpfen in der Ostukraine). Ihnen werden Verbrechen wie die Teilnahme an "Mord, Waffen- und Sprengstoffbesitz" vorgeworfen, zudem sollen sie an Aktivitäten beteiligt gewesen sein, "die gegen Interessen des Königreichs Spanien verstoßen". Das spanische Innenministerium brüstet sich damit, es seien die ersten Verhaftungen dieser Art in Europa. …“ (Telepolis, 27.2.15)

Kiew

• Poroschenko bitte UNO und EU um Friedensmission
Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko hat an die Vereinten Nationen und die Europäische Union appelliert, eine Friedensmission in die Ukraine zu entsenden.
Ein entsprechender Appell wurde bereits am 18. Februar vom Kiewer Sicherheits- und Verteidigungsrat verfasst. Am Montag setzte ihn Poroschenko per Erlass in Kraft. Am Dienstag will der ukrainische Präsident der Rada (Parlament) ein Gesetz vorlegen, das einen internationalen Friedenseinsatz im Donezbecken erlaubt.
Poroschenko hatte sich nach dem neuen Waffenstillstandsabkommen von Minsk für einen internationalen Friedenseinsatz im Donezbecken stark gemacht. Dabei drängte er auf eine EU-Polizeimission mit UN-Mandat unter Ausschluss Russlands. Die Milizen der abtrünnigen Regionen Donezk und Lugansk, die seit April 2014 der ukrainischen Regierungsarmee widerstehen, halten eine Friedensmission nur unter Beteiligung Russlands für möglich. Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin äußerte, dass Kiew mit seinem Verlangen nach Friedenssoldaten die Minsker Abkommen in Frage stelle. …“ (Sputnik, 2.3.15)

Krim

• Schwierige Übergangszeiten
Für die österreichische Tageszeitung Die Presse berichtet Jutta Sommerbauer aus Simferopol auf der Krim: „Ein Jahr nach der Annexion durch Russland gleicht die Halbinsel einem halbfertigen Projekt. Schlangestehen gehört zum Alltag, Sanktionen erschweren das Leben. Doch die Hoffnung will die Mehrheit der Bürger nicht so schnell aufgeben. …
Am 16. März ist es ein Jahr her, dass die Krim-Bewohner in einem international nicht anerkannten Referendum für den Anschluss an Russland stimmten, eine so eindeutige wie umstrittene Wahl des Volkes, die eine Machtübernahme absegnete, die zuvor mit Hilfe einer Truppe namens „Selbstverteidigung der Krim“, russischen Soldaten und prorussischen Kräften im Regionalparlament vorbereitet worden war. In jenen Tagen hatten die Männer der Selbstverteidigung mit Schildern Lenin geschützt. In Simferopol lag Angst in der Luft, man sprach von faschistischen Schlägertrupps aus Kiew, die freilich nie gesichtet wurden, und bald schon löste sich die vermeintliche Bedrohung in prorussischen Jubel auf. Heute benötigt Lenin keine Bewacher mehr, ihm droht kein Demontage, er ist wie die Krim zu Mutter Russland heimgeholt worden. Ein Arbeiter schmiert mit einem Spachtel Beton an den Sockel. Ein Ukrainer aus Cherson, der hier besser verdient als zu Hause. Wer außer Lenin sollte hier sonst stehen, fragt er und lacht. „Hitler etwa?“ …
Die meisten der auf der Krim verbliebenen Bürger stehen freilich hinter ihrem Votum. An der Tatsache, dass auch ein legitimes, international überwachtes Referendum ein Ja zu Russland gebracht hätte, zweifeln nicht einmal die Kritiker. Verstörend bleibt der Gestus, mit dem die Wahl des Volkes vorgetragen wird. Gegenüber Unbekannten, gar Journalisten, erlaubt man sich keine Zwischentöne. „Wir sind ja sooo zufrieden“, erklärt eine 70-Jährige mit zerfurchtem Gesicht, die zur Aufbesserung ihrer Pension Taschen in einer Unterführung verkauft, die nach Leder aussehen und aus Plastik sind, auch im russischen Frühling, zweite Saison. Aber hatten die Bewohner denn tatsächlich eine Wahl? Der Kreml hat den 2,3 Millionen Bürgern ein Geschenk beschert, und als Beschenkter kann man sich schlecht beschweren. …“ (Die Presse online, 28.2.15)

Lage in der Ostukraine

• Aufständische räumen Minen in Debalzewo
Gut eineinhalb Wochen ist es her, dass die prorussischen Separatisten die ostukrainische Stadt Debalzewe erobert haben, und noch immer sind regelmäßig Explosionen in dem Eisenbahnknotenpunkt zu hören. Doch es sind nicht Artilleriefeuer und Schüsse von Kämpfern, sondern Minenräumer, die von den ukrainischen Soldaten zurückgelassene Sprengkörper zur Detonation bringen.
Drei Teams von Kosaken wurden von den Separatisten gerufen, um die nach wochenlangen Gefechten zerstörte Stadt nach Minen zu durchkämmen. Denis Saizew ist der Chef der Kosaken. Der Mann mit der schwarzen Fellmütze zeigt auf die Eingangstür eines kleinen Hauses, in dem die ukrainischen Truppen Nahrungsmittel gelagert hatten. 20 Zentimeter über dem Boden ist ein weißer Faden gespannt, der an den Stift einer Granate gebunden ist. "Die Ukrainer haben uns viele solche kleine Überraschungen hinterlassen", sagt Minenräumer Sergej Tscherpachin mit einem Lächeln. …
"Jeden Tag entschärfen wir etwa 20 Mörsergranaten, Minen oder Sprengfallen", berichtet Saizew. Selbst in Wohngegenden würden die gefährlichen Objekte gefunden. Auch Tamara Sliwinskaja, die auf dem Leninplatz auf Lebensmittel vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wartet, kennt die Gefahr. "Wir haben hier kein Leitungswasser", sagt die 61-Jährige. "Wir würden gerne welches am Brunnen holen, aber wir haben zu viel Angst vor den Minen." …“ (Wiener Zeitung online, 2.3.15)

• Hoffnung auf dauerhafte Waffenruhe
Im Kriegsgebiet Ostukraine wächst trotz einzelner tödlicher Zwischenfälle die Hoffnung auf eine dauerhafte Waffenruhe und den Abzug schwerer Geschütze hinter die Front. Die prorussischen Separatisten zogen nach eigenen Angaben ihre Artillerie zurück - sie hätten dann einen zentralen Punkt des Minsker Abkommens vom 12. Februar erfüllt. Die Vereinbarung sah vor, dass bis zum 2. März der Abzug schwerer Waffen aus der Kampfregion abgeschlossen sein sollte. …“ (Neues Deutschland, 2.3.15, S.7)

• OSZE sieht Zeichen der Entspannung
Die Ukraine-Sonderbeauftragte der OSZE hat sich zuversichtlich über eine Stabilisierung der Lage in der Ostukraine geäußert. "Der deutliche Rückgang der Kampfhandlungen in den vergangenen Tagen, der Austausch von Gefangenen und der Abzug schwerer Waffen sind ermutigende Anzeichen", sagte Heidi Tagliavini zum Auftakt der Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York.
Die derzeitige Deeskalation werde "hoffentlich einen unumkehrbaren Prozess einleiten". Von einer vollständigen Umsetzung des Minsker Friedensplans seien die Konfliktparteien aber noch "weit entfernt", betonte die Schweizer Diplomatin. …
"Wir stehen an einem entscheidenden Wendepunkt und es besteht das Risiko einer erneuten Eskalation", warnte die Gesandte der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Es drohe eine "Negativspirale", falls sich die Ukraine und die prorussischen Rebellen nicht an das Abkommen halten sollten. …“ (Spiegel online, 27.2.15)

• Waffenabzug begonnen
"Nachdem die Separatisten bereits nach eigenen Angaben mit dem Rückzug schwerer Waffen gemäß Minsk 2 begonnen hatten, wenn auch 10 Tage später als vereinbart, hat das ukrainische Militär jetzt ebenfalls nach eigenen Angaben schwere Waffen wie Panzer und Artillerie 25 km von den im Abkommen festgelegten Grenzen abgezogen. Zunächst hatte man damit gezögert, weil erst zwei Tage lang völlige Waffenruhe herrschen sollte. Beide Seiten werfen sich weiterhin Angriffe vor, auch die OSZE-Beobachter sprechen von gelegentlichen Abschüssen. Noch ist vieles in der Schwebe, aber es ist ein Anfang.
Unklar ist schon einmal, welche Grenzen gemeint sind. Nach dem Abkommen sollen die ukrainischen schweren Waffen je nach Kaliber von der aktuellen Frontlinie mindestens 50 km bis zu 140 km abgezogen werden, während die der Separatisten in eine ebenso große Entfernung von der Frontlinie, wie sie beim ersten Minsker Abkommen im September 2014 bestanden hatte. Zudem wird weiter gepokert, weil das Misstrauen auf beiden Seiten hoch ist und es auf beiden Seiten Lager gibt, die das Minsker Abkommen ablehnen und weiter auf Eskalation setzen. Man rückt also erstmal nur 25 km zurück und nutzt wahrscheinlich die Zeit, um sich neu zu gruppieren und kampfbereit zu machen, falls der Waffenstillstand gebrochen werden sollte.
Die OSZE wird allerdings bei der vorgesehenen Aufgabe, die Umsetzung des Minsker Abkommens zu beobachten, von beiden Seiten ausgebootet, die ein bisschen wie kleine Kinder Pingpong spielen. Alexander Sachartschenko von der "Volksrepublik" Donezk machte gestern Abend klar, dass man keine Einzelheiten darüber preisgeben wolle, wohin genau die schweren Waffen zurückgezogen wurden. Das wird auch von den ukrainischen Streitkräften nicht mitgeteilt, weswegen die "Volksrepublik" es auch ablehnt. Zudem müsste offengelegt werden, ob auch wirkliche alle schweren Waffen schließlich so weit abgezogen worden sind, dass sie nicht mehr in das gegnerische Gebiet feuern können. …" (Telepolis, 27.2.15)

OSZE

• Schwierige Bedingungen für OSZE-Beobachter
Die nächsten Tage, sagt Alexander Hug, seien "entscheidend für die Minsker Vereinbarung" - jenes Abkommen, das den Konflikt in der Ostukraine deeskalieren soll. Hug ist Vize-Chef der OSZE-Mission im Land, er und seine Leute müssen kontrollieren, ob sich Armee und Separatisten an die Zusagen halten. Ziehen sie schwere Waffen wirklich ab? Hält die Feuerpause?
Die OSZE-Beobachter fordern mehr Personal und bessere technische Aufrüstung für die Überwachung. "Wir brauchen sofort mehr Beobachter, genaue Satelliten- und Drohnenbilder und fachkundiges Personal, das diese auswerten kann", sagte Hug SPIEGEL ONLINE.
Die Zeit drängt. "Zum ersten Mal seit Minsk sehen wir Bewegungen", sagt der 42-Jährige, "wenn wir diese Schritte nicht verifizieren können, vergeben wir eine große Chance". …
Die Aufgabe ist immens. Hug beschreibt, am Samstag seien zwar 30 Patrouillen der OSZE mit jeweils zwei Jeeps und vier Beobachtern im Krisengebiet unterwegs gewesen. Bis heute aber werden sie an Checkpoints von ukrainischen Truppen und Separatisten aufgehalten. Jeden Tag koste das viel Zeit. "Die beiden Parteien haben wenig Vertrauen zu uns und null Vertrauen zur anderen Seite", sagt Hug. In einige Gebiete, beispielsweise die umkämpften Dörfer bei Mariupol im Süden, sei man bisher nicht gelassen worden. …“ (Spiegel online, 2.3.15)

Poroschenko

• Berlin ist ernüchtert von „Hoffnungsträger“ Petro Poroschenko
"Er galt als Hoffnungsträger für die Ukraine: Petro Poroschenko. Die Bundesregierung setzte große Erwartungen in den 49-jährigen ehemaligen Schokoladenfabrikanten, der im Mai 2014 Präsident der Ukraine wurde. Doch nun herrscht Ernüchterung.
Staatsmännisch, weitsichtig, ein Mann mit Augenmaß und ein Putin-Kenner. Als er im Mai 2014 Präsident der Ukraine wurde, setzte Deutschland große Hoffnungen in ihn. Petro Poroschenko versprach, sich von den Separatisten und ihren Unterstützern in Russland nicht provozieren zu lassen. Statt mit der Kalaschnikow wollte er den Streit in Verhandlungen lösen.
Auch die Bundesregierung glaubt, dass dieser Konflikt militärisch nicht beigelegt werden kann, sondern nur politisch.
Jetzt, zehn Monate später, herrscht große Ernüchterung in Berlin. Hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Bundesregierung, während der Verhandlungen in Minsk habe Poroschenko seine Verbündeten im Westen im Unklaren gelassen über die geringe militärische Stärke der Ukraine. In der Folge kam es dann zum Zusammenbruch der ukrainischen Streitkräfte im Kessel von Debalzewe….
Vielleicht war Poroschenko selbst tatsächlich nur unzureichend informiert - aber auch das gibt in schwierigen internationalen Verhandlungen kein gutes Bild ab. Auf jeden Fall steht Poroschenko unter Druck: Sein Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk ist seit jeher für eine härtere Gangart gegenüber den Separatisten. …
Hat sich also Poroschenko in Debalzewe auf ein militärisches Abenteuer eingelassen, obwohl von Anfang an klar war, dass die ukrainische Armee den von Russland unterstützten Separatisten weder in Kampfmoral noch in der Ausrüstung Paroli bieten konnte?
Das Ergebnis jedenfalls ist ein Fiasko. Seine Truppen sind demoralisert, die Soldaten wütend und enttäuscht. Elendig und gedemütigt zogen sie unter Artillerie-Beschuss der Separatisten aus Debalzewe  ab - der Stadt, die Kiew zuvor als Symbol für Kraft und Widerstandswillen der Ukraine ausgab.
Völlig unnötig verloren viele ihr Leben - auch unter der Zivilbevölkerung.  …
“ (ARD tagesschau.de, 28.2.15)

Staatsstreich 2014

• „Der Putsch, der keiner sein darf“ – nicht nur bei der FAZ
Immer wieder heißt es, dass der Machtwechsel in Kiew vor einem Jahr keinesfalls ein Staatsstreich gewesen sei. Doch die Argumente dafür stehen auf wackligen Füßen
Konrad Schuller, renommierter Ukraine-Korrespondent der FAZ, hat letzte Woche in einem längeren Artikel nun erneut versucht zu belegen, dass Präsident Janukowitsch nicht Opfer eines Putsches geworden sei. So schreibt er: „Janukowitsch ist nicht gewaltsam aus dem Amt getrieben worden. Er ist von sich aus geflohen (…). Warum er das tat, ist unklar.“
Dabei hatte die FAZ selbst in einer zwei Woche zuvor veröffentlichten Analyse (übrigens des gleichen Autors) noch die mutmaßlichen Motive des Präsidenten herausgearbeitet, von denen man nun angeblich nichts mehr weiß. So schilderte die Zeitung, wie Janukowitsch am Freitag, dem 21. Februar 2014, einen Tag nach dem großen Massaker, davon erfuhr, dass das Ergebnis seiner Verhandlungen mit den europäischen Außenministern und den Maidanvertretern von den Demonstranten auf der Straße nicht gebilligt wurde: „Als er sah, wie der Majdan die Männer, die eben noch mit ihm ein Abkommen unterzeichnet hatten, in der Luft zerriss, muss er verstanden haben, dass seine Zeit um war. Einer, der damals bei ihm war, berichtet, der Präsident sei überzeugt gewesen, die Opposition werde binnen weniger Stunden kommen "und ihn umbringen". …
Zum Hintergrund dieser Überlegung hieß es im gleichen Artikel der FAZ, dass an jenem Freitag "ein unbekannter Hundertschaftsführer von der 'Selbstverteidigung' des Majdan, Wolodymyr Parasjuk, die Bühne eroberte und unter tosendem Jubel zum Sturm auf die Präsidentenkanzlei rief. Wenn Janukowitsch bis zum Morgen nicht zurücktrete, werde man losziehen und ihn holen."
Wie nun kann man aber vor diesem Hintergrund ernsthaft behaupten, es sei "unklar", weshalb der Präsident geflohen sei? …
Doch diese Sichtweise erscheint geradezu naiv, wenn nicht zynisch, vor dem Hintergrund, dass das Parlament zum Zeitpunkt der strittigen Entscheidungen durch bewaffnete Kräfte kontrolliert wurde. Das Gebäude war quasi umstellt von den Militanten, die aktiv entschieden, welcher Abgeordnete hineingelassen wurde - und wer draußen verprügelt wurde, wie etwa der Parlamentarier Vitali Gruschewski, dessen Ankunft beim Parlamentsgebäude am 22. Februar, dem Tag der Entscheidung zu Janukowitschs Amtsenthebung, in diesem Bild festgehalten ist.
So war die reale Situation vor dem Parlament, von dem die FAZ heute schreibt, es sei damals "die vielleicht letzte funktionierende Institution des Staates" gewesen. …
Interessant bleibt dabei eben die beispielhaft widersprüchliche Berichterstattung der FAZ zum Thema, die sich mehrfach selbst konterkarierte. Erinnert sei an einen Beitrag der Zeitung vom Sonntag nach dem Machtwechsel, einen Tag bevor die EU die neuen Machthaber anerkannt hatte: „Weitergehende Schritte sind vorerst nicht möglich, denn die Absetzung Janukowitschs erfolgte – obwohl viele von dessen Leuten im Parlament das Lager wechselten – nicht mit der erforderlichen Dreiviertelmehrheit, welche die neue, alte Verfassung vorsieht. Solange Janukowitsch nicht von selbst abtritt, kann der Westen die neue Lage in Kiew also nicht anerkennen, auch wenn sich die Revolutionäre darauf berufen, die Absetzung sei legal, da der Präsident abgetaucht sei.“
Wie gesagt, dieses Statement hatte eine Halbwertszeit von circa einem Tag. Bemerkenswert ist aber auch, welcher Satz sich im FAZ-Artikel daran anschließt: „Völkerrechtliche Anerkennungsfragen haben indes keine Priorität, eine Rückkehr von Janukowitsch wird ausgeschlossen – damit erledigt sich das Problem mit der Zeit von allein.“ …
“ (Telepolis, 1.3.15)

UNO

• UNO meldet mehr als 6.000 Kriegstote
Im Krieg in der Ostukraine sind der Uno zufolge bisher mehr als 6000 Soldaten und Zivilisten ums Leben gekommen. Gerade die Kämpfe unmittelbar vor Inkrafttreten der jüngsten Waffenruhe hätten Hunderte Tote gefordert, sagte Uno-Menschenrechtskommissar Zeid Ra'ad Al Hussein (http://www.ohchr.org/EN/NewsEvents/Pages/DisplayNews.aspx?NewsID=15627&LangID=E). Der aktuelle Bericht zur Menschenrechtslage in der Ostukraine zeige "ein Bild gnadenloser Zerstörung des Lebens von Zivilisten und der Infrastruktur."
Vor allem Frauen, Kinder, Ältere und Schwache litten unter den unhaltbaren Zuständen, sagte der Diplomat weiter. Alle Verletzungen der Menschenrechte müssten gründlich untersucht und die Täter angeklagt werden, forderte er vor Beginn der Frühjahrssitzung des Uno-Menschenrechtsrats. …“ (Spiegel online, 2.3.15)

USA

• Will die US-Regierung Putin stützen statt stürzen?
…US-Außenminister Kerry droht derweil schon einmal mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen – "we are poised yet to do another round" -, natürlich ohne zu erklären, wann diese zurückgenommen werden. Keine zielführende Methode, um zu einer Einigung zu gelangen. Breedlove warnt nun vor Kürzungen der Verteidigungsausgaben der USA. Die Truppenpräsenz der USA in Europa sei weiterhin "entscheidend", da dürfe man nicht sparen. Was auch heißt, dass man den Europäern militärisch nicht vertrauen kann: „There is simply no substitute for our forward force presence in Europe. It is the bedrock of our ability to assure our allies, to deter real and potential adversaries and to act in a timely way should deterrence fail.”
Das zeigt, es geht nicht um die Ukraine, sondern um Geopolitik der Supermacht, die die Nato als ihr Instrument benutzt. Dabei gibt es eben auch verschiedene Fraktionen der US-Politik. So hält sich Breedlove zurück, Waffenlieferungen an die Ukraine direkt zu fordern. In dieser Frage geht ein Riss durch das Weiße Haus.
Die Eskalationsstrategie, die von Teilen der US-Regierung gegenüber Russland forciert wird, produziert jedenfalls das erwartbare Ergebnis. Die russischen Menschen werden nationalistischer und unterstützten vermehrt die Gegenreaktion. Die Gockel-Dynamik des Wettrüstens funktioniert immer, da auf beiden Seiten dahinter Interessen profitieren, die auch die Massen mobilisieren können, wenn es gegen einen Feind geht. Putin jedenfalls geht trotz der Sanktionen und der abstürzenden russischen Wirtschaft gestärkt aus der Konfrontation mit den USA und den östlichen EU-Ländern hervor. 86 Prozent der Russen stellen sich hinter Putin, so eine Umfrage des Levada-Zentrums zwischen dem 20. und 23. Februar. 2013 hatte Putin erst 65 Prozent hinter sich. 54 Prozent glauben, dass Russland richtig handelt.
“ (Telepolis, 27.2.15)

Wirtschaft

• Wirtschaftskrise trifft die Bevölkerung
Hamsterkäufe, Protestmärsche, selbst Brot wird teurer: Jetzt schlägt die Wirtschaftskrise in der Ukraine voll durch. Die Bevölkerung reagiert auch mit Galgenhumor.
… Mit Galgenhumor gegen die Krise ankämpfen, das versucht eine ukrainische Facebook-Gruppe. Am 21. März soll das landesweite «Festival der Panik und Hysterie» steigen. Mehr als 30'000 Gäste haben sich bereits angemeldet – zumindest virtuell.…
Die Griwna hatte in den letzten zwölf Monaten die schlechteste Performance aller Währungen der Welt. Stabil bei etwa 1:8 lag ihr Kurs im Vergleich zum Dollar vor Ausbruch der Maidan-Proteste während mehrerer Jahre. Inzwischen ist er bei 1:34 angelangt. Offiziell, auf dem Schwarzmarkt wird mit 1:40 und schlechter gehandelt. Vor dem Sitz der Nationalbank wird demonstriert. Premierminister Jazenjuk schimpft auf die Chefbankerin und die «Spekulanten».
Auf Facebook mögen sie spotten, doch ein grosser Teil der Bevölkerung ist durch die Krise in seiner Existenz bedroht. Täglich erreichen sie neue Horrormeldungen. Es sind keineswegs nur die Importprodukte, die immer teurer werden. Letzte Woche hat die Kiewer Grossbäckerei bekannt gegeben, dass die Preise ihrer Brotsorten im Schnitt um 10 bis 12 Prozent steigen. Es ginge nicht anders, so die Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Allein im letzten Jahr hätten sich die Preise für Mehl, Butter und Zucker massiv erhöht.
Neben den Preisen für Lebensmittel steigen auch die Preise öffentlicher Leistungen. Am Donnerstag wurde bekannt gegeben, dass die Strompreise ab 1. April um 20 Prozent steigen. Schrittweise sollen sie bis 2017 gar um das Dreieinhalbfache zulegen. Veränderungen im gleichen Rahmen wurden letzte Woche auch für den Gaspreis und die Heizkosten angekündigt. Eine Fahrt mit der Kiewer Metro kostet seit Anfang Jahr das Doppelte. Finanziellen Spielraum, diese Entwicklung auszugleichen, haben die meisten Haushalte nicht. Für Rentner und Menschen mit mittleren und tiefen Einkommen machen die Wohnnebenkosten bereits heute einen Grossteil des Budgets aus.
40 Prozent der Ukrainer geben in Umfragen an, sie fühlten sich arm. Diese Woche informierte einer der grössten TV-Sender des Landes die Bevölkerung, dass der Wert des ukrainischen Mindestlohnes in Dollar inzwischen unter das Niveau von Armutsstaaten in Asien und Afrika gefallen sei. …
“ (Tages-Anzeiger online, 26.2.15)

Nachrichtenmosaik Ukraine extra 2

hier geht's zu Folge 159

alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine