Von deutschem Boden soll nie wieder ein Krieg ausgehen! Das gilt auch für Kriegshetze.
Ich setze die Liste von aktuellen deutschen und deutschsprachigen Kriegstreibern und -hetzern fort. Hier ist Folge I zu lesen, und hier Folge II, hier Folge III.
• Lothar Rühl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
vom 23. Februar 2013: "Als neue Option zur Beendigung des Bürgerkrieges
wird über eine Intervention diskutiert". Rühl hält eine „Intervention
aus der Luft“ für möglich: „Die Luftstreitkräfte der Vereinigten Staaten
und der Nato wären dazu in der Lage“, wie der Krieg gegen Libyen
gezeigt habe. ...
Anlässe gibt es für Rühl gleich mehrere: die
angebliche Gefahr durch die syrischen Chemiewaffen, die Gefahr einer
regionalen Ausweitung des Konfliktes dazu, aber auch die eines Sieges
der ungeliebten, aber wieder einmal nützlichen militanten Islamisten.
Ein solcher wird befürchtet, aber wahrscheinlich auch erhofft: „Damit
verstärken sich die Gründe für eine ausländische Intervention mit dem
Ziel, eine neue Lage zu schaffen, in der Verhandlungen zur Beendigung
des Bürgerkrieges und der Massaker an der Bevölkerung möglich würden.“
Nur so könne verhindert werden, dass der Krieg in Syrien weitergeht und
sich ausweitet.
• Wolfgang Bauer in Die Zeit vom 21. Februar 2013: "Der Westen muss sich in Syrien einmischen. ...
Die
Entscheidung, militärisch in Syrien nicht zu intervenieren, erweist
sich so verhängnisvoll wie vor zehn Jahren der Entschluss, im Irak zu
intervenieren. Ohne ein Eingreifen der Staatengemeinschaft werden die
Islamisten weiter gestärkt. ... Ohne ein militärisches Eingreifen wird
es immer unwahrscheinlicher, dass Syrien als Staat überhaupt überlebt."
• Lenz Jacobsen auf zeit.de am 6.12.2012:
"Eine Syrien-Intervention darf kein Tabu sein ... Auf der anderen Seite
aber ist noch lange kein Kriegstreiber, wer offen über ein
militärisches Eingreifen redet.
Denn so kann es nicht weitergehen.
Der Bürgerkrieg in Syrien dauert nun schon 20 Monate, täglich sterben
mehr Menschen als in der schlimmsten Phase des Irakkriegs. Die Menschen
in den Dörfern sind den massiven Luftangriffen Assads völlig hilflos
ausgeliefert, sie haben noch nicht einmal Keller, in die sie flüchten
könnten. Nun berichten der amerikanische Geheimdienst und ein
Fernsehsender, die Armee könnte bald auch Chemiewaffen einsetzen. ..."
• Dominic Johnson in der taz vom 16.10.2012: "... Mit
jedem weiteren Kriegstag schwindet die Aussicht auf einen
'demokratischen Neuanfang in Syrien' weiter. Ein Eingreifen
hinauszuzögern oder gar ganz zu verhindern bedeutet, wissentlich den Tod
weiterer zehntausender Syrer in Kauf zu nehmen und die Perspektiven
immer weiter zu verdüstern. Nur durch eine militärische Intervention ist
das Morden überhaupt noch zumindest punktuell einzudämmen und ein Stück
Hoffnung am Leben zu erhalten. ..."
• Dominique Moïsi (aus Frankreich) auf welt.de am 17.9.2012:
"Die internationale Gemeinschaft darf sich nicht länger verstecken.
Noch ist im Westen nichts zu hören von einer Intervention in Syrien.
Dabei wäre es längst notwendig, die Rebellen zu unterstützen."
• Martin Gehlen in Stuttgarter Zeitung online am 29.8.2012:
"Syrien ist auf dem Weg zur Hölle. UN-Sicherheitsrat hin oder her, ob
sie es riskieren will oder nicht: die internationale Gemeinschaft wird
in absehbarer Zeit in dem Land intervenieren müssen. ..."
Wahlkampfzeiten sind verrückte Zeiten. Da
wird versprochen und umgarnt, da wird vorgegaukelt und gelogen. Nach der
Wahl, kaum dass die ersten Hochrechnungen verkündet wurden, gilt das
alles nicht mehr. Aber mittendrin gibt es Momente, da scheint ganz klar
so etwas wie Wahrheit auf. Da wird deutlich, was nach dem Wahltag
tatsächlich zu erwarten ist. Zwei solche wurden in den letzten Tagen
gemeldet.
Der erste Moment war am 21. Februar 2013, als das Handelsblatt meldete:
"Peer Steinbrück will sich als Partner der Wirtschaft positionieren."
Der SPD-Kanzlerkandidat habe sich am Vorabend vertraulich mit Vorständen
und Geschäftsführern von Dax- und M-Dax-Konzernen sowie deutschen
Ablegern internationaler Weltunternehmen in Berlin getroffen. Dabei habe
Steinbrück den Konzernbossen und -vertretern erklärt, wie er den
deutschen Wirtschaft- und Industriestandort stärken will. "Steinbrücks
Botschaft, so berichten Teilnehmer, sei gewesen: Die Wirtschaft brauche
keine Sorge vor einer SPD-Regierung zu haben, auch in der Steuerpolitik
werde es keine Wende nach links geben. In der SPD-Zentrale hieß es zu
dem Treffen, dass sich Steinbrück jetzt intensiver als 'wirtschaftsnah'
positionieren wolle." Nein, überraschend ist das nicht. Wer anderes von
Steinbrück erwartet hatte, mag verständliche Hoffnungen gehabt haben.
Hoffnungen, weil sich natürlich etwas ändern müsste hierzulande. Aber
nicht mit den Sozialdemokraten ...
Und auch nicht mit der Linkspartei: Davon kündete eine Meldung der ZEIT am selben Tag, an dem das Handelsblatt
die Meldung zu Steinbrück brachte. Danach empfiehlt
Ex-Parteivorsitzender Lothar Bisky seinen Genossen, mit der SPD und den
Grünen zusammen Steinbrück als Kanzler zu wählen. Ein "rot-rot-grünes"
Bündnis wäre „eine Chance für Die Linke, aus ihrer Enge herauszukommen",
meint Bisky laut ZEIT. "Wenn seine Partei klug wäre, so der
frühere Parteivorsitzende, würde sie Steinbrück zum Kanzler wählen. 'Ich
jedenfalls kann es mir vorstellen, warum denn nicht?'" Doch der heutige
Europaparlamentarier der Linkspartei will nicht nur, dass seine Partei
sich der todessehnsüchtigen SPD andient.
Er enpfiehlt ihr auch, sich endlich mit der Nato zu versöhnen. Während
das Kriegsbündnis sich weltweit ausdehnt, soll die Linkspartei ihre
außenpolitischen Positionen, etwa zu einem Ausstieg aus der Nato,
korrigieren. Den empfohlenen Abschied vom Charakter und der Existenz als
Antikriegspartei garniert Bisky laut ZEIT mit realpolitischen "Weisheiten": "Die Linke wird sich auf ihren Glaubenssätzen nicht ewig ausruhen können."
Steinbrück überrascht nicht. Vielleicht hat Albrecht Müller Recht,
dass der angebliche Kanzlerkandidat nebst den anderen führenden
Sozialdemokraten für ganz andere Leute arbeitet.
Bisky überrascht eigentlich auch nicht, wie der Blick auf die
Linkspartei in den letzten Jahren zeigt. Solche realpolitischen
Ratschläge gab er auch schon, als er noch die PDS führte. Aber das sind
keine klugen Hinweise, sondern schlechte Tipps. Sie müssen auch dumm
genannt werden. Niemand rät seiner eigenen Organisation ernsthaft, genau
das aufzugeben, was sie von anderen unterscheidet. Tut er es dennoch,
kann er nur als dumm oder selbstmörderisch bezeichnet werden. Oder es
ist mit Albrecht Müller die Frage zu stellen, für wen Bisky arbeitet ...
Womit wir wieder bei der Frage nach dem Zustand der bundesdeutschen
Demokratie, nicht nur in Zeiten des Wahlkampfes, wären.
Nachtrag vom 26.2.13:
Ich sehe also keinen Anlass, meine Bewertung von Biskys Ratschlägen an die PDL zu korrigieren oder gar zurückzunehmen.