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Mittwoch, 19. Juni 2013

Was Obama nicht sagen wird

Die Rede von US-Präsident Barack Obama vor dem Brandenburger Tor in Berlin wird mit Interesse erwartet. Was er nicht sagen wird, zeigt eine Rede von John F. Kennedy.
Der einstige und ermordete US-Präsident Kennedy wird immer wieder als Vorgänger und Vorbild für Barack Obama bezeichnet bzw. Obama als dessen Wiedergänger. Doch an diesen dürfte er nicht herankommen, auch nicht mit seiner Rede, die für 15 Uhr am heutigen Mittwoch angekündigt ist.
Wie weit Obama von Kennedy entfernt ist, zeigt eine Rede, die der im November vor 50 Jahren ermordete US-Präsident am 10. Juni 1963 vor der "American University" in Washington hielt. Knut Mellenthin hat vor einigen Tagen in der jungen Welt daran einnert: "Kennedys Rede in der American University kreiste nach den üblichen höflichen Einleitungsworten ausschließlich um ein Thema, »über das allzu oft Ignoranz herrscht und zu selten die Wahrheit wahrgenommen wird, obwohl es das wichtigste Thema der Erde ist: der Weltfrieden«. »Ich spreche von echtem Frieden«, sagte der Präsident, »die Art von Frieden, die das Leben auf Erden lebenswert macht, die Art, die Menschen und Nationen ermöglicht zu wachsen, zu hoffen und ein besseres Leben für ihre Kinder aufzubauen. Nicht nur Frieden für die Amerikaner, sondern Frieden für alle Männer und Frauen. Nicht nur Frieden in unserer Zeit, sondern Frieden für alle Zeiten.« ...
Nicht nur die Führer der Sowjetunion müßten ihre Einstellung ändern, betonte Kennedy im erstaunlichsten Teil seiner Rede, sondern »auch wir müssen unser Verhalten überprüfen – als Individuen und als Nation –, denn unser Verhalten ist ebenso wesentlich wie ihres«. ..."
Mellenthin erinnert auch daran, dass den guten Worten wenig an realen politischen Schritten folgte, aber immerhin: "Am 5. August 1963 unterzeichneten die Vertreter der Sowjetunion, der USA und Großbritanniens das sogenannte Begrenzte Teststoppabkommen.". Doch: "Dieser Vertrag ist jedoch bis heute nicht in Kraft getreten, weil ihn unter anderem die USA nicht ratifiziert haben."
Ob Obama in Seiner Rede vor dem Brandenburger Tor unter Ausschluss der Öffentlichkeit und vor ausgesuchtem Publikum Russland u.a. anbietet, nicht nur atomar (ein wenig) abzurüsten, sondern auch diesen Vertrag endlich umzusetzen? Sicher wird er wieder von Frieden und Freiheit und der weltweiten Förderung von demokratischen Werten reden, so wie diese die USA bzw. die US-Regierung und die hinter ihnen stehenden real Herrschenden und Mächtigen verstehen und meinen. Kennedys Worte "auch wir müssen unser Verhalten überprüfen", werden von Obama höchstwahrscheinlich nicht wiederholt.