Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Montag, 24. August 2015

Von den Schwierigkeiten, unabhängig zu sein

Davon kündet ein Beispiel, das ich heute auf den Nachdenkseiten fand, und das mich zum Nachdenken, aber auch Schmunzeln brachte:

Als ich die Website heute öffnete, sah ich eine Anzeige aus dem Fischer-Verlag für das Buch
von Srdja Popovic und Matthew Miller "Protest! Wie man die Mächtigen das Fürchten lehrt". Popovic gehört zu den serbischen Otpor-Aktivisten, die inzwischen weltweit als Experten für Regimewechsel im Einsatz sind. 

Ich weiß aus beruflicher Erfahrung wie das mit der Werbung in Publikationen ist und dass diese nicht mit der inhaltlichen Ausrichtung des Mediums gleichgesetzt oder in Verbindung gebracht werden darf. Und Anzeigenwerbung hilft den Medien, wirtschaftlich zu überleben. So viel ist klar.

Aber manches Mal gibt es dann schon komische Verknüpfungen wie in diesem Fall. Am 31.7.15 hatte Albrecht Müller einen Beitrag auf den Nachdenkseiten zum Thema "Wie stürzt man eine Regierung – das beschreibt eine Spiegelserie aus dem Jahr 2005" veröffentlicht. Am 4.8.15 gab es einen "Nachtrag zur „Revolutions-GmbH“ und zur Arbeit der US-Einfluss Agentur NED in Russland" und am
18.8.15 wurde in den Videohinweisen der Nachdenkseiten u.a. auf den Film über Otpor "Die Revolutionsprofis" hingewiesen.
Das Ganze gibt es nun versehen mit der Anzeige für das Buch des Otpor-Aktivisten Popovic:
Screenshot vom 24.8.15 von mir

Screenshot vom 24.8.15 von mir
Die Anzeigen auf den Nachdenkseiten werden anscheinend per Zufallsprinzip platziert, so dass ich auch erst ein wenig klicken musste, um diese seltsamen Pärchen zu finden.

Mir ist natürlich klar, dass auch ein kritisches und unabhängiges Medium sich über Anzeigen finanzieren muss, um seine wichtige Arbeit zu leisten. Und sicher wird der Fischer-Verlag nicht verlangen, dass aus seiner Sicht zu seinen Büchern unpassende Texte nicht veröffentlicht werden. Aber diese seltsame Paarung zeigt, was dabei für Stilblüten, oder wie das auch immer zu nennen ist, möglich sind. Die kritischen und nachdenklichen Leser werden das sicher auseinander halten können. Es gibt allerdings genügend Beispiele, wo die Unabhängigkeit des Mediums durch die Anzeigenschaltenden nicht gewahrt bleibt. Den Anstoss, darüber nachzudenken, gab mir dieses Beispiel zumindest.

"Früher oder später kriegen wir Sie", warnte mal vor Jahren ein Werbespruch, von Danone ... 

Notwendiger Nachtrag (20:49 Uhr): Die Nachdenkseiten haben auch meine Unterstützung, nicht nur in Worten, und werden sie auch behalten. Ich wollte nur auf ein ungewolltes, aber leider ziemlich passendes Beispiel hinweisen, wie sich Inhalt und Werbung manchmal beißen können. Das ist kein Problem der Nachdenkseiten, sondern allgemein von Medien in Zeiten des Kapitalismus.