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Donnerstag, 4. Juni 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 215

Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine-Konflikt und dessen Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit, und fast ohne Kommentar

• MH17: “Abschuss nur aus Saroschenskoje”
"Der größte russische Rüstungskonzern Almas-Antei ist gestern in Moskau vor die internationale Presse getreten und hat die Ergebnisse seiner Analyse des Absturzes der malaysischen Passagiermaschine MH17 im Juli vergangenen Jahres präsentiert.
Almas-Antei wurde 2002 als Staatsholding gegründet, unter deren Konzerndach sich auch die Hersteller der BUK-Flugabwehrraketensysteme befinden.
Der eigentliche Anlass für die interne Aufklärungsarbeit ist, dass das Unternehmen unter die im vergangenen Jahr  erlassenen westlichen Sanktionen fällt und dagegen gerichtlich angeht. Die präsentierten Erkenntnisse bilden die Basis für seine Argumentation vor Gericht. ...
Schon Anfang Mai (DRWN berichtete) waren Elemente der Almas-Antei-These an die Öffentlichkeit geraten. Sie bauen auf die Tatsache, dass sich die Schäden an der malaysischen Boeing 777 auf der linken Seite der Pilotenkabine über das linke Triebwerk bis hin zum linken Seitenruder erstrecken. Daraus schließen die Experten des Unternehmens, dass die Boden-Luft-Rakete, die MH17 zum Absturz brachte, nicht in der Ortschaft Snischne – wie im Westen kolportiert – abgeschossen wurde.
Um die Erkenntnisse zu untermauern, veröffentlicht das Unternehmen mit Zustimmung des Verteidigungsministeriums jetzt auch bislang geheime Informationen über die Wirkweise des BUK-Systems. Anhand der Trefferlage, so der Almas-Antei-Experte Michail Malyschewski, könne man eindeutig feststellen, welcher Raketentyp verwendet worden sei.
Im vorliegenden Fall habe es sich um eine vor 1999 produzierte Rakete vom Typ 9M38 BUK-M1 gehandelt (inzwischen verwendet die russische Armee das System 9K40 BUK-M2, NATO-Code SA-17 Grizzly). Die 9M38 zeichne sich dadurch aus, so Malyschewski, dass sie am Objekt der Zerstörung vorbeifliege und im Moment des Vorbeiflugs explodiere. Bei einem Abschuss in Snischne, genau lotrecht unter der Flugbahn des malaysischen Liners, wäre die Rakete nicht links von, sondern unmittelbar vor MH17 explodiert.
Anhand der typischen Flugbahn einer 9M38-Rakete nannte Malyschewski die Ortschaft Saroschenskoje 25 Kilometer westsüdwestlich von Snischne als wahrscheinlichsten Abschussort.
Almas-Antej-Konzernchef Jan Nowikow sagte anlässlich der Präsentation: „Wenn MH17 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen wurde, kann es nur eine 9M38 mit einer BUK-M1-Plattform gewesen sein.“ Diese Rakete sei nach 1999 nicht mehr hergestellt und alle Bestände ins Ausland verkauft worden. Die Ukraine sei ein „großer Käufer“ dieser Waffen gewesen. Er ging so weit anzubieten, auf Kosten seines Unternehmens einen MH17-Dummy — eine ferngesteuerte Boeing 777 — durch eine BUK-Rakete vom Typ 9M38-M1 abschießen zu lassen.
Weder Nowikow noch Malyschewski wollten Angaben dazu machen, welche der Bürgerkriegsparteien zum fraglichen Zeitpunkt die Kontrolle über Saroschenskoje ausgeübt hätten. Bekannt sind Aussagen russischer Militärs, wonach das fragliche Gelände Mitte Juli 2014 von der Regierungsarmee beherrscht worden sei.
Unmittelbar nach der Moskauer Pressekonferenz von Almas-Antei gab der ukrainische Generalstab in Kiew eine Erklärung heraus, derzufolge Saroschenskoje sich am 17. Juli 2014 nicht in Kiewer Hand befunden habe. ...
In der Tat ist es für viele Menschen schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet die vom Westen unterstützte Regierungsseite im ukrainischen Bürgerkrieg — also die „Guten“ in dem Konflikt — zu einer solchen Provokation (im Angelsächsischen false flag operation genannt) in der Lage gewesen sein könnte. Falls es aber doch so war, hätte sich der Abschuss ausgezahlt. Nicht nur in Deutschland löste die Katastrophe mit ihren 298 Opfern, zumeist Niederländern, einen massiven und rapiden Umschwung der öffentlichen Meinung zugunsten der Kiewer Regierungsseite aus." (Deutsch-Russische Wirtschaftsnachrichten, 3.6.15)
Zu den Kiewer Behauptungen, dass das mutmaßliche Abschussgebiet nicht in der Hand Kiewer Truppen gewesen sei, sei daran erinnert, dass am 16.7.14 eine Offensive genau dieser Truppen um die Schatjorsk-Region begann, in der Saroschenskoje liegt.
Ich hatte u.a. in meinem Beitrag "Die Schuldigen für MH17-Abschuss gefunden?" vom 9.1.15 darauf hingewiesen, dass der Frontverlauf alles andere als so klar war und ist wie auf den Karten aus Kiew von der "ATO-Zone" eingezeichnet.

• Zweifel an Bellingcat-"Erkenntnissen"
"... An der Kritik der britischen Rechercheplattform »Bellingcat« an den russischen Satellitenfotos vom Abschussgebiet aus dem vergangenen Juli mehren sich inzwischen die Zweifel. Sowohl russische als auch westeuropäische Experten für digitale Bildbearbeitung wiesen darauf hin, dass allein die Aussage, eine Aufnahme sei nachträglich bearbeitet worden, wenig bedeute. Jedes Originalbild werde vor seiner Veröffentlichung zwangsläufig zugeschnitten, in einem geläufigen Format gespeichert und datenreduziert. Dies sei kein hinreichender Hinweis auf eine böswillige Manipulation. Das Programm »fotoforensics«, mit dem die britischen Rechercheure Hinweise auf nachträgliche Bildbearbeitung gefunden haben wollen, sei unprofessionell benutzt und die Ergebnisse tendenziös interpretiert worden: Jedes neue Abspeichern einer Vorlage erhöhe den Anzeigewert für Veränderungen am Originalbild.
Bei der Bildserie angeblicher russischer Militärfahrzeuge im Konfliktgebiet mit einer wachsenden Öllache an einem davon leistete sich »Bellingcat« im übrigen einen Chronologiefehler. Die größte der unterstellten Öllachen ist nicht auf dem zeitlich letzten der sechs Bilder zu sehen, sondern auf einem aus der Mitte des Beobachtungszeitraums. Im übrigen scheint es zweifelhaft, dass es Wochen braucht, bis das Motoröl aus einem Fahrzeug ausgelaufen ist, das – wie Änderungen in seinem Abstellwinkel gegenüber anderen Fahrzeugen zeigen – in der Zwischenzeit bewegt worden sein muss.
Dafür wies ein niederländischer Blogger darauf hin, dass eines der zentralen »Beweisfotos« für den angeblichen BUK-Abschuss der Aufständischen ebenfalls nachträglich bearbeitet worden war. Das auch in einem kürzlich ausgestrahlten ARD-Film gesendete Bild zeigt eine Säule von Kondensationsgas vor wolkenlosem blauem Himmel. Aus allen Wetteraufzeichnungen ergibt sich jedoch, dass am Unglückstag der Himmel bedeckt war. Um dem Vorwurf einer plumpen Fälschung zu entgehen, rechtfertigte sich »Bellingcat« inzwischen damit, dass »zur Erhöhung des Kontrasts« die Blauwerte des Himmels verändert worden seien. Wenn es mal nur die waren."" (junge Welt, 3.6.15)

Aus dem Anlass im Folgenden noch einmal ältere Informationen zum Thema:
• Ukrainische Buk-Einheit im Kriegsgebiet
Der ukrainische Blogger Anatolij Scharij machte in seinem Youtube-Kanal am 27.7.14 auf Aufnahmen des ukrainischen Militär-TV vom 16.7.14, einen Tag vor dem mutmaßlichen Abschuss von MH17 am 17.7.14, aufmerksam, auf denen eine Buk-Fla-Raketen-Einheit der Kiewer Truppen in bzw. an der "ATO-Zone" in der Ostukraine gezeigt wird (ab 4:47 min). Mit ATO (Antiterroroperation) umschreibt die Kiewer Putsch-Führung ihren Krieg gegen die Aufständischen in der Ostukraine seit April 2014.
Hier ist das Scharij-Video mit deutschen Untertiteln zu sehen.
Das ukrainische 156. Fla-Raketen-Regiment, ausgerüstet mit Buk-M1-Systemen, war im Kriegsgebiet eingesetzt, berichtete der Journalist Jurij Lukaschin bereits am 17.7.14 in einer Reportage aus der Ostukraine. Die Kiewer Truppen hätten einige Tage zuvor Buk-Einheiten in die Region Donezk verlegt, so der Journalist. Lukaschin machte auch auf die schlecht koordinierte Kommunikation der ukrainischen Luftverteidigung mit den zivilen Luftfahrtbehörden aufmerksam. Er schreibt von einer möglichen Provokation, bei der das malaysische Flugzeug, das bekanntermaßen die übliche Flugroute über der Ukraine verließ, über die Kriegszone gelotst wurde von jemand, der wußte, dass dort Buk-Einheiten stationiert sind, dazu "nur eine dumme Wache in Alarmbereitschaft" ...
Lukaschin verwies auf die Frage, wem der mutmaßliche Abschuss nutzen konnte und erinnerte u.a. daran, dass kurz nach der Katastrophe erneut Forderungen aus Kiew nach westlicher Unterstützung im Krieg laut wurden.

• MH17 von ukrainischer Buk-Einheit ausversehen abgeschossen?
"Eine unvorhergesehene Entwicklung bei der Übung einer Fla-Einheit der ukrainischen Streitkräfte kann laut einer Quelle in den bewaffneten Strukturen der Ukraine die Ursache der Boeing-Tragödie am 17. Juli gewesen sein, erfuhr RIA Novosti.
Eine unvorhergesehene Entwicklung bei der Übung einer Fla-Einheit der ukrainischen Streitkräfte kann laut einer Quelle in den bewaffneten Strukturen der Ukraine die Ursache der Boeing-Tragödie am 17. Juli gewesen sein, erfuhr RIA Novosti.
„Dem Chef des 156. Fla-Raketenregiments war befohlen worden, am 17. Juli eine Übung abzuhalten, bei der es um die Deckung der Bodengruppierung in einem Vorort von Donezk ging“, hieß es.  Nach der Aufstellung der Divisionen bestand die Aufgabe, „Das Beobachten von Zielen zu trainieren und die ganze Reihenfolge der Begleitung und der Vernichtung von Zielen mit einer Rakete vom Typ Buk-M1 im Trainingsmodus auszuführen.“
Die Chefs der Batterien haben zwar laut der Quelle die Schlüssel zu den Startanlagen bekommen, ein realer Start von Raketen 9M38M1 war aber nicht vorgesehen.
„Zur Teilnahme an der Übung wurden zwei Kampfjets des Typs Su-25 vom Luftwaffenstützpunkt der 229. Brigade der taktischen Fliegerkräfte Kulbakino in Nikolajew nach Dnepropetrowsk geschickt. Ihnen wurde die Aufgabe gestellt, eine Luftaufklärung durchzuführen und als Kontrollziele im Raum der Konzentration der Gruppierung der Antiterrortruppen westlich von Donezk zu dienen“, so die Quelle.
„Als eines dieser Flugzeuge in den Erfassungsbereich des Fla-Raketensystems Buk kam, wurde es von der Batterie in der Nähe des Ortes Sarostschenskoje unter Kontrolle genommen. Der tragische Zufall könnte dazu geführt haben, dass die Flugrouten der malaysischen Boeing und der Su-25, die sich auf unterschiedlichen Höhen befanden, sich überkreuzten und auf dem Bildschirm als ein großer Punkt erschienen, was für die Zivilmaschine fatal wurde, weil sich das Beobachtungssystem in dem Fall automatisch auf das größere Ziel umstellt“, teilte die Quelle mit.
Die Ursache eines eventuellen nicht vorgesehenen Raketenstarts konnte der anonyme Sprecher nicht erklären. „Mit dieser Frage befassen sich Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, die den Chef und die Mannschaft der Batterie gegen halb zehn Uhr abends abgeholt haben.“ ..." (Sputnik, 25.7.14)
"Das ukrainische Militär hat die malaysische Boeing wohl durch ein Versehen abschießen können, mutmaßt der russische Militärexperte Konstantin Siwkow. Aus Militärkreisen in Kiew hatte es zuvor geheißen, dass ein Fehler bei einer Flugabwehrübung die Ursache des Absturzes vom 17. Juli gewesen sein könnte.
Der ukrainischen Arme mangle es an geschultem Personal, so Siwkow, Doktor der militärischen Wissenschaften und Präsident der Moskauer Akademie der geopolitischen Probleme, am Freitag zu RIA Novosti. Beim Training hätten die Soldaten eines der Buk-Systeme wohl auf Gefechtsmodus schalten und statt eines Übungsstarts einen Kampfstart der Rakete auslösen können. ...
Am Montag veröffentlichte der russische Generalstab seine Radardaten. Daraus geht unter anderem hervor, dass ein ukrainischer Kampfjet kurz vor der Katastrophe unweit von der malaysischen Verkehrsmaschine geflogen war und dass das ukrainische Militär am Absturztag deutlich mehr Radare als gewöhnlich betrieben hat. Satellitenaufnahmen zeigten Buk-Batterien in der Region. Der Generalstab übergab das gesammelte Material an die internationalen Ermittler und rief die USA auf, ebenfalls ihre Satellitenaufnahmen und andere Angaben offenzulegen.

2001 hatte die ukrainische Armee bei einer Übung versehentlich ein russisches Passagierflugzeug vom Typ Tupolew 154 mit 66 Passagieren und zwölf Besatzungsmitgliedern mit einer Rakete abgeschossen. Niemand überlebte." (Sputnik, 25.7.14)

• Hat ein mysteriöser ukrainischer Überläufer für die Aufständischen auf den Raketenstartknopf gedrückt?
Robert Parry schreibt in einem weiteren Beitrag auf consortiumnews.com am 22.7.14 zum Absturz von MH 17, dass die US-Geheimdienste jetzt vermuten, dass ein ukrainischer Überläufer die Boden-Luft-Rakete für die Aufständischen gestartet haben könnte. Damit solle vielleicht erklärt werden, meint Parry, warum CIA-Analytiker auf den Satellitenbildern von den Raketenstartanlagen Bedienungspersonal in ukrainischen Uniformen entdeckten. Darauf habe ihn ein Informant aus Geheimdienstkreisen aufmerksam gemacht, schrieb Parry bereits am 19.7.14. Auf den US-Satellitenbildern wären auch Bierflaschen um die Buk-Startanlage zu sehen. Deshalb würde die US-Regierung nun verschiedene Verrenkungen machen, um eine Schuld der ostukrainischen Rebbelen konstruieren zu können. Parry verwies auf einen Beitrag der Los Angeles Times vom 22.7.14, in dem es heißt, dass die Identität der Bedienungsmannschaft nicht festgestellt werden könne: "U.S. intelligence agencies have so far been unable to determine the nationalities or identities of the crew that launched the missile. U.S. officials said it was possible the SA-11 was launched by a defector from the Ukrainian military who was trained to use similar missile systems." "Aber es gibt eine andere naheliegende Erklärung", so der US-Journalist, welche die US-Geheimdienste anscheinend nicht akzeptieren wollen: "dass die Rakete von jemand gestartet wurde, der für das ukrainische Militär arbeitet." Parry stellt fest, dass es so aussieht, dass wie im Vorfeld des Irak-Krieges 2003 ein weiteres Mal Geheimdiensterkenntnisse in die politisch gewünschte Richtung gedreht würden.

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine