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Sonntag, 24. März 2013

Syrien: Ein zweiter Blick in die Geschichte

Zu den Motiven der westlichen Staaten im Krieg gegen Syrien gehört auch manches, was als irrational zu bezeichnen ist, wie ein weiterer Blick in die Geschichte zeigt.

Beim ersten "Blick in die Geschichte" habe ich an die lange Geschichte des verdeckten Krieges der USA gegen Syrien mit "schmutzigen Tricks" erinnert. Angesichts des Drängens Frankreichs, wider alle Vernunft und Friedensbemühungen die "Rebellen" zu bewaffnen, soll an dieser Stelle daran erinnert werden, wie Frankreich sich im letzten Jahrhundert Syrien gegenüber verhielt.
Eines der Beispiele dafür habe ich in dem Buch "Syrien – Wie man einen säkularen Staat zerstört und eine Gesellschaft islamisiert" gefunden, das ich kürzlich vorgestellt habe. Harri Grünberg schreibt darin über "Aufstieg, Niedergang und Sturz des säkularen Arabischen Nationalismus" und dabei auch über die Geschichte Syriens: "Für ganz kurze Zeit errichtet 1920 Faisal I. ein unabhängiges arabisches Königreich Syrien, zu dem der Libanon, Palästina und Jordanien gehören. Nach wenigen Monaten wird er durch eine französische Militärexpedition gestürzt, deren Truppen besetzen das Land. Auf der Konferenz von San remo hatte der Völekerbund Frankreich das Mandat über Syrien, Libanon und die mehrheitlich von arabisch sprechenden Alawiten und arabisch sprechenden Christen bewohnte Provinz Hatay übertragen. 1936 kam Frankreich türkischen Forderungen entgegen und entließ die Provinz aus seinem syrischen Mandatsgebiet. 1939 wurde sie türkisch.
Einen einigen syrischen Staat will die französische Regierung verhindern. Sie beabsichtigt eine Aufteilung Syriens in sechs Staten entlang religiöser und konfessioneller Linien. Die arabischen Nationalsiten hingegen fordern ein Groß-Syrien, bestehend aus Syrien, Libanon, Palästina. Mitte 1925 erhebt sich die Bevölkerung gegen die französischen teilungspläne. Drusen, Alawiten, Sunniten, Schiiten, si alle kämpfen gemeinsam um den Erhalt des syrischen Staates. Frankreich muss schließlich dem wachsenden inneren und äußeren Druck nachgeben, alle von ihm dominierten Gebiete, mit Ausnahme Libanons, werden zu einem gemeinsamen Staat Syrien.
Im Zweiten Weltkrieg vertreiben Truppen des von Charles de Gaulle geführten Freien Frankreichs mit britischer Hilfe die besatzer des französischen Vichy-Regimes aus Syrien. Sie erklären zwar die syrische Unabhängigkeit, doch sie halten das Land besetzt. Wieder gibt es einen Aufstand. Die Vereinten Nationen und viele Staaten fordern Frankreich zum Rückzug auf. Am 15. April 1946 verlassen die letzten französischen Soldaten das Land, zwei Tage später wird die syrische Republik ausgerufen. ..."

Zu den aus meiner Sicht irrationalen Motiven Frankreichs gegenüber Syrien wie schon bei Libyen gehört auch sowas wie das Bedürfnis nach Revanche für historische Niederlagen wie die oben beschriebene. Wie tief das sitzt, das belegt ein anderes Beispiel, von dem Etel Adnan im Interview mit Lettre international spricht: "Nach dem Ersten Weltkrieg träumten die Franzosen davon, Syrien zu bestrafen, weil die Syrer sie dereinst, während der Kreuzzüge, besiegt hatten. Das lernt man heute noch im französischen Geschichtsunterricht. Als General Henri Gouraud, der Befehlshaber der französischen Streitkräfte in der Levante, 1920 nach Damskus kam, besuchte er das Grab Saladins und sagte: 'Die Kreuzzüge sind nun vorbei! Wach auf, Saladin, wir sind zurückgekehrt! Meine Gegenwart heiligt den Sieg des Kreuzes über den Halbmond!' Das ist bezeugt, das ist Geschichte. Auf dem Hauptplatz von Damaskus trieben sie die Notablen der Stadt zusammen, die namhaften Oberhäupter der großen Familien, banden ihnen die Hände zusammen, ließen sie niederknien und töteten sie; es handelte sich um etwa fünfzig Männer. Eine Französin hat diese Geschichte niedergeschrieben. es gibt Photographien davon. Das war 1920. Es gibt diese Art von Revanchismus. Und 1926 bombardierten sie Syrien, sie bombardierten und zerstörten Damaskus.
Diese antiarabische Haltung gibt es seit den Kreuzzügen, und sie ist sogar noch heute an französischen Schulen verbreitet. ..."

Ich habe dazu nur noch eine Bemerkung: Wer achtet eigentlich auf unsere eigenen, auf die westlichen Fundamentalisten und deren Tun bei all der Panikmache vor dem Islam und der berechtigten Kritik an islamistischen Terroristen wie in Syrien?

Quellen:
1. Harri Grünberg: Aufstieg, Niedergang und Sturz des säkularen Arabischen Nationalismus,
in: Wolfgang Gehrcke / Christiane Reymann (Hg.)
Syrien – Wie man einen säkularen Staat zerstört
und eine Gesellschaft islamisiert
PapyRossa Verlag, Köln, 2013
S. 13f.

2. Etel Adnan im Gespräch: Geboren in Beirut – Zur Geschichte des Nahen Ostens und der Doppelmoral des Westens
in: Lettre international, Heft 99 (2012)
S. 47