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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Montag, 11. Mai 2015

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 207

Gesammelte Nachrichten und Informationen zum Ukraine-Konflikt und dessen Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit, und fast ohne Kommentar

• Donezk: Friedenstruppen würden Konflikt "einfrieren"
"Die vom ukrainischen Präsidenten Pjotr Poroschenko unterbreitet Idee, Friedenstruppen in den Osten der Ukraine zu entsenden, würde den Konflikt im Donbass nur einfrieren. Das erklärte der Donezker Volksratsvorsitzende Andrej Purgin am Montag.
„Das würde die Situation konservieren. Die Ukraine hat den politischen Dialog abgebrochen und provoziert die Aufnahme der Kampfhandlungen, die jederzeit beginnen könnten“, sagte er." (Sputnik, 11.5.15)

• Südtirol als Vorbild für den Donbass?
"Die Donbass-Region im Osten der Ukraine hat das Recht auf eine breite Autonomie in Politik, Wirtschaft und Kultur. Das erklärte Luis Durnwalder, Ex-Gouverneur der italienischen Provinz Bolzano-Alto Adige, am Montag in Donezk beim internationalen Forum „Donbass gestern, heute, morgen“.
Er sei bereit, nach der Rückkehr nach Italien den Donezker Behörden alle wichtigsten Dokumente zur Verfügung zu stellen, die den autonomen Status Südtirols garantieren, sagte der Politiker. Der Donezker Republikchef dankte dem Ex-Gouverneur und sagte, die Erfahrungen Südtirols würden für den Donbass nützlich sein.
Der italienische Politologe Alessandro Musolino machte die Teilnehmer des Forums darauf aufmerksam, dass der Donbass-Konflikt ausschließlich mit friedlichen Mitteln beigelegt werden könnte. „Wir in Italien haben ein Beispiel für eine erfolgreiche Integration einer ganzen Region, in der hauptsächlich Deutschsprachige ansässig sind. Ich meine Südtirol mit seinem autonomen Status. Ich glaube auch, dass die Donbass-Region ebenfalls eine breite Autonomie bekommen sollte“, sagte der Experte. ..." (Sputnik, 11.5.15)

• Aufständische für Autonomie innerhalb der Ukraine
"Die selbst ernannte Volksrepublik Donezk im Osten der Ukraine sieht nur zwei mögliche Varianten der weiteren Entwicklung. Das erklärte der Donezker Vize-Volksratschef Denis Puschilin am Montag.
„Das ist entweder die strikte Einhaltung der Minsker Vereinbarungen oder die Untergrabung der Friedensgespräche, was unweigerlich zur Erlangung der völligen Unabhängigkeit der Donezker Republik (von Kiew) führt. Bei der ersten Variante werden wir zu einer autonomen Republik im Staatsverband der Ukraine mit eigenen Gesetzen und umfassenden Vollmachten sowie höchstwahrscheinlich mit einer anderen zentralen Regierung in Kiew. Die zweite Variante wäre das Kippen aller Punkte des Minsker Abkommens, was Donezk den Weg in die völlige Unabhängigkeit ebnen wird“, sagte Puschilin.
Zuvor hatte er bereits erklärt, dass die Donezker Republik eine denkbar breite Autonomie im Staatsverband der Ukraine akzeptieren würde. „Aber wenn Kiew die Minsker Abkommen auch weiter verletzt, werden wir um die Erlangung der völligen Unabhängigkeit weiter kämpfen.“
„Wir wären mit einer umfassenden Autonomie ohne Beeinträchtigung unserer Interessen einverstanden. Wir schlagen vor, die Verfassung (der Ukraine) durch einen Artikel zu ergänzen, wonach auch andere Regionen der Ukraine zur Selbstbestimmung berechtigt sein werden. Wir sind auch zu örtlichen Wahlen bereit“, sagte Puschilin.
Am Montag kündigte auch die benachbarte Volksrepublik Lugansk an, dass sie eine Autonomie im Staatsverband der Ukraine ebenfalls akzeptieren würde, aber nur wenn Kiew alle von den Minsker Abkommen vorgesehenen Punkte erfüllt hat. ..." (Sputnik, 11.5.15)

• NATO hält Überraschungsangriff der Aufständischen dank russischer Hilfe für möglich
"Die Separatisten in der Ostukraine könnten nach Einschätzung der NATO problemlos neue Überraschungsangriffe starten. Russland habe in Verletzung des Minsker Friedensabkommens über Wochen und Monate weiter schwere militärische Ausrüstung geliefert und Ausbilder sowie Truppen geschickt, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg am Montag in Brüssel.
Ob neue Angriffspläne der Hintergrund seien, könne er nicht sagen, aber Russland und die Separatisten hätten die Fähigkeit, mit "sehr kurzer Vorwarnzeit" zuzuschlagen.
"Wir rufen Russland dazu auf, die Unterstützung für die Separatisten zu beenden und die Grenzen zu respektieren (...)", sagte Stoltenberg. Schon die Präsenz der russischen Kräfte in der Ostukraine widerspreche den Absprachen des Friedensplans und zuletzt habe es wieder mehr Todesopfer und Verletzungen der Waffenruhe gegeben. ..." (Der Standard online, 11.5.15)

• Kiew will von Moskau 350 Milliarden Dollar Schadenersatz
"Die Ukraine soll von Russland 350 Milliarden US-Dollar Schadenersatz für Zerstörungen in der Donbass Region fordern. Das erklärte der stellvertretende Minister für Wirtschaftsentwicklung der Ukraine, Alexander Borowik, im ukrainischen Fernsehen.
„Der Vorschlag ist merkwürdig und völlig aussichtslos“, kommentierte der Chef des Auswärtigen Ausschusses der russischen Staatsduma, Alexej Puschkow, die Idee am Montag. „Das Kiewer Regime hat den Donbass selbstlos zerstört, Städte und Betriebe zerbombt und fordert jetzt von Russland 350 Millionen Dollar“, schrieb der Politiker im Kurznachrichtendienst Twitter. ..." (Sputnik, 11.5.15)

• US-Truppen üben in Georgien
"Von westlichen Medien weitgehend unbemerkt hat am Montag ein interessantes Manöver sozusagen in Russlands "kaukasischem Hinterhof" begonnen: Die Übung namens "Noble Partner" ist zwar größenmäßig nur etwa in Bataillonsstärke - es handelt sich allerdings um eine zweiwöchige, bilaterale Operation der Georgier mit mechanisierten Infanterieeinheiten aus den USA, insgesamt rund 600 Soldaten nehmen teil.
Ziel: Die Armee des kleinen Kaukasuslandes, das im Sommer 2008 einen kurzen Krieg mit Russland ausfocht, soll darauf vorbereitet werden, eine Infanteriekompanie für künftige Einsätze in der "Nato Response Force" zu stellen - das ist eine rund 25.000 Mann starke schnelle Einsatztruppe mit Land-, Luft- und Seekomponenten ...
Georgien, das an Russland grenzt, ist nicht in der Nato, hat mit dem Militärbündnis aber seit langem eine spezielle Partnerschaft; eine Vollmitgliedschaft ist aufgrund erbitterten politischen Widerstandes der Russen und Bedenken der westeuropäischen Nato-Staaten vorerst ausgeschlossen. Tausende georgische Soldaten waren aber bisher etwa im Irak und in Afghanistan in Verband mit US- und Nato-Einheiten im Einsatz. ..." (Die Presse online, 11.5.15)

• Putin will NATO abschaffen
"Mit der größten Militärparade seiner Geschichte auf dem Roten Platz in Moskau und zahlreichen weiteren Veranstaltungen in Dutzenden Städten hat Russland am 9. Mai den 70. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland gefeiert. ...
In seiner Ansprache rief der russische Präsident Wladimir Putin zur Schaffung eines weltweiten Sicherheitssystems ohne militärische Blöcke auf. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung seien in den vergangenen Jahrzehnten immer häufiger verletzt worden, kritisierte er. Versuche, eine unipolare Welt zu schaffen, würden zunehmen. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere: »Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten.« ..." (junge Welt, 11.5.15)
"... Russlands Präsident Wladimir Putin nutzte den 70. Jahrestag des Weltkriegsendes zu einer scharfen Abrechnung mit der Nato. Wörtlich beklagte er den Aufbau einer „einpolaren Welt“ und „militärisches Blockdenken“, das die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaute Ordnung und Stabilität gefährde.
„Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, ein System gleichberechtigter Sicherheit für alle Staaten zu schaffen“, sagte er. Die Kritik am Westen – trotz einer insgesamt moderaten und um Ausgleich bemühten Rede – war nicht zu überhören. ..." (Frankfurter Rundschau online, 10.5.15)
"... Der Präsident zeigte sich eher versöhnlich in seiner Ansprache und verzichtete auf eine Warnung vor der Gefahr des neuen "Faschismus" in der Ukraine. Auf die schwerste Krise zwischen Ost und West seit Ende des Kalten Krieges nahm der Kremlchef aber indirekt Bezug. Die Prinzipien der Nachkriegsordnung würden immer häufiger verletzt, kritisierte Putin. Versuche, eine "monopolare" Welt zu schaffen, nähmen zu. Nötig sei aber ein System, das gleiche Sicherheit für alle Staaten garantiere. "Nur dann werden wir Frieden und Ruhe auf dem Planeten gewährleisten." ..." (Wiener Zeitung online, 9.5.15)

• Putin: Kiew soll Blockade des Donbass beenden
"Der Minsker Prozess läuft trotz aller Schwierigkeiten weiter; nach dem 12. Februar ist es im Osten der Ukraine trotz der bestehenden Probleme ruhiger geworden, wie der russische Präsident Wladimir Putin am Sonntag in Moskau in einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel sagte.
„Alle Minsker Vereinbarungen, die am 12. Februar dieses Jahres getroffen wurden, müssen im vollen Umfang und strikt eingehalten werden“, betonte Putin. Das diesbezügliche Maßnahmenpaket beinhalte alle Aspekte der Regelung: den politischen, den militärischen, den sozial-ökonomischen und den humanitären, fügte der Präsident hinzu.
„…Eine sichere und dauerhafte Regelung kann nur durch die Anbahnung des direkten Dialogs zwischen Kiew einerseits und Donezk und Lugansk andrerseits gewährleistet werden. Das ist meiner Meinung nach eine der Schlüsselbedingungen für die Regelung überhaupt“, betonte Putin.
Der Präsident sprach sich ferner für die Beendigung der Wirtschaftsblockade des Donbass aus. „Wir erachten es auch als notwendig, dass die Wirtschaftsblockade (des Donbass) eingestellt, die Finanz- und Bankenverbindungen wieder hergestellt werden und die Verfassungsreform unter Teilnahme des Südostens des Landes durchgeführt wird“, so Putin." (Sputnik, 10.5.15)

• Donezk will Gesetzgebung an Russland orientieren 
"Laut dem Vorsitzenden des Volksrats der selbsterklärten Donezker Volksrepublik (DVR), Andrej Purgin, müsste sich die Gesetzgebung der Republik mit der russischen Gesetzgebung vereinbaren lassen.
„Wir deklarieren eine Fortbewegung in Richtung der russischen und der eurasischen Gesetzgebung. Wir stehen vor der Überaufgabe, eine Gesetzgebung zu schaffen, die sich mit der russischen Gesetzgebung vereinbaren lässt, und ständig Neuerungen zu verfolgen“, sagte Purgin am Sonntag in einer Pressekonferenz.
Ihm zufolge sind die Gesetze der DVR an die russischen Gesetze in den Bereichen Gerichtswesen, Gewaltanwendung, Staatssicherheit und teilweise auch Wirtschaft geknüpft. ..." (Sputnik, 10.5.15)

• Putin verspricht Merkel angeblich Druck auf Aufständische
"Bundeskanzlerin Angela Merkel legt in Moskau gemeinsam mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin einen Kranz nieder und spricht mit ihm über die Ukraine-Krise. Von Putin erhält sie das Versprechen, Druck auf die Separatisten ausüben zu wollen.
Die Ukraine-Krise hat tiefe Spuren im einst guten deutsch-russischen Verhältnis hinterlassen. Sie ist auch der Grund dafür, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel erst am Sonntag in die russische Hauptstadt reiste und den aufwendigen Siegesfeiern mit der gigantischen Militärparade am Tag zuvor fernblieb. Eine Teilnahme wäre angesichts der derzeitigen Umstände „unangemessen“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert dazu. ...
Auch beim Treffen mit Merkel im Alexandergarten räumte Putin schon bei der Begrüßung „bekannte Probleme“ ein. Je eher die Auswirkungen dieser Probleme überwunden seien, desto besser – „wir werden danach streben“, versprach er bei der gemeinsamen Kranzniederlegung am Grab des Unbekannten Soldaten.Ohne grundlegende Veränderungen in der Ukraine, wo Regierungstruppen und prorussische Separatisten nach wie vor einen Stellvertreterkrieg führen, werden sich aber auch die europäisch-russischen Beziehungen nicht wesentlich erwärmen. ...
Der ukrainische Konflikt war daher Hauptthema der Gespräche zwischen Merkel und Putin. Das Minsker Abkommen sei die Basis für eine friedliche Lösung, betonte die Kanzlerin und forderte die Wiederherstellung der ukrainischen Souveränität auch im Donbass. Von Putin erhielt sie trotz der konträren Ansichten zur Ursache des Konflikts das Versprechen, Druck auf die Rebellen auszuüben, um die Verhandlungen in den Arbeitsgruppen zur Umsetzung des Abkommens „mit dem nötigen Tempo und der nötigen Qualität“ zu führen.

Putin habe genügend Einfluss im Donbass, um zu helfen, Frieden zu erreichen, sagte Merkel und versprach ihrerseits Russland ein Entgegenkommen. „Mit meinem Besuch heute wollte ich zeigen, dass wir mit Russland und nicht gegen Russland arbeiten“, sagte sie." (Frankfurter Rundschau online, 10.5.15)

• Jazenjuk als Hetzer und Geschichtsverdreher
"Der ukrainische Ministerpräsident Arseni Jazenjuk ist ein notorischer Lügner, ein Eiferer und Hetzer. Das Mittel seiner Wahl ist Schaum vor dem Mund. Deshalb ist es oft leicht, seine geschichtsklitternden Einlassungen zu durchschauen. Aber das ficht ihn nicht an. Immer wenn er der Lüge überführt wird, wiederholt er sie öffentlich, etwas lauter noch als beim letzten Mal.
Jetzt hat sich Jazenjuk zum 70. Jahrestag der Befreiung geäußert und Russland eine »verbrecherische Politik« vorgeworfen. »Der Sieg über den Nationalsozialismus brachte auch unserem Volk keine Freiheit«, pöbelte Jazenjuk in einer öffentlichen Ansprache. Wie ganz Osteuropa habe die Ukraine unter »sowjetischer Okkupation, Totalitarismus« gelitten. Es handelt sich dabei um die variierte Wiederholung seiner in der Sendung unwidersprochen gebliebenen dreisten Tatsachenverdrehung in den ARD-Tagesthemen vom Januar, wo er gesagt hatte: »Wir können uns alle sehr gut an die sowjetische Invasion der Ukraine und Deutschlands erinnern.« Diesmal hat er noch einen draufgesetzt: »Die Ukrainer kämpften gegen den Nationalsozialismus sowohl in der Roten Armee als auch in der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) und in den Armeen der Länder der Anti-Hitler-Koalition.« Diese sogenannte UPA war eine nach faschistischem Vorbild aufgestellte militärische Bande, die zeitweilig mit der deutschen Wehrmacht gemeinsame Sache machte und Massaker an Juden und Kommunisten beging. Chef dieser Banditen war der notorische Antikommunist und Hitler-Kollaborateur Stepan Bandera, der heute in Kiew als Nationalheld und Jazenjuk als Vorbild gilt. ...
" (junge Welt, 9.5.15)

• Professoraler Geschichtsverdreher
Aus der Rede des Historikers Heinrich-August Winkler auf der offiziellen Gedenkveranstaltung des Deutschen Bundestags am 8.5.15 zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa vor 70 Jahren:
"... Auf der anderen Seite lässt sich weder aus dem Holocaust noch aus anderen nationalsozialistischen Verbrechen noch aus dem Zweiten Weltkrieg insgesamt ein deutsches Recht auf Wegsehen ableiten. Die Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten sind kein Argument, um ein Beiseitestehen Deutschlands in Fällen zu begründen, wo es zwingende Gründe gibt, zusammen mit anderen Staaten im Sinne der »responsibility to protect«, einer Schutzverantwortung der Völkergemeinschaft, tätig zu werden. Jede tagespolitisch motivierte Instrumentalisierung der Ermordung der europäischen Juden läuft auf die Banalisierung dieses Verbrechens hinaus. Ein verantwortlicher Umgang mit der Geschichte zielt darauf ab, verantwortliches Handeln in der Gegenwart möglich zu machen. Daraus folgt zum einen, dass sich die Deutschen durch die Betrachtung ihrer Geschichte nicht lähmen lassen dürfen. ...
Das Jahr 2014 markiert eine tiefe Zäsur: Durch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim ist die Gültigkeit der Prinzipien der Charta von Paris radikal in Frage gestellt – und mit ihr die europäische Friedensordnung, auf die sich die einstigen Kontrahenten des Kalten Krieges damals verständigt hatten.
Deutschland hat während des immer noch andauernden Konflikts um die Ukraine alles getan, was in seinen Kräften steht, um den Zusammenhalt der Europäischen Union und des Atlantischen Bündnisses zu sichern. Es hat sich zugleich in enger Abstimmung mit seinen Verbündeten darum bemüht, im Dialog mit Russland so viel wie möglich von jener Politik der konstruktiven Zusammenarbeit zu retten oder wiederherzustellen, auf die sich Ost und West nach dem Ende des Kalten Krieges verständigt hatten.
Eines galt und gilt es dabei immer zu beachten, und auch das ist eine Lehre aus der deutschen Geschichte: Nie wieder dürfen unsere ostmitteleuropäischen Nachbarn, die 1939/40 Opfer der deutsch-sowjetischen Doppelaggression im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes wurden und die heute unsere Partner in der Europäischen Union im Atlantischen Bündnis sind – nie wieder dürfen Polen und die baltischen Republiken den Eindruck gewinnen, als werde zwischen Berlin und Moskau irgendetwas über ihre Köpfe hinweg und auf ihre Kosten entschieden. ...
Mit dem Selbstverständnis eines Staatenverbundes wie der Europäischen Union ist die Hegemonie eines Landes unvereinbar. Dem wiedervereinigten Deutschland fällt innerhalb der EU schon auf Grund seiner Bevölkerungszahl und seiner Wirtschaftskraft eine besondere Verantwortung für den Zusammenhalt und die Weiterentwicklung dieser supranationalen Gemeinschaft zu. Dazu kommt die Verantwortung, die sich aus der deutschen Geschichte ergibt. Es ist eine an Höhen und Tiefen reiche Geschichte, die nicht aufgeht in den Jahren 1933 bis 1945 und die auch nicht zwangsläufig auf die Machtübertragung an Hitler hingeführt, wohl aber dieses Ereignis und seine Folgen ermöglicht hat. ..." (junge Welt, 9.5.15)

• Vertuschungsmanöver bei Mariupol und Strategie der Spannung
"... Erneut wird um die Stadt in der Oblast Donezk gekämpft. Der in Minsk vereinbarte Abzug schwerer Waffen wurde von der ukrainischen Armee und dem an deren Seite operierenden extrem rechten Freikorpsbataillon »Asow« nicht umgesetzt. Denn in Mariupol und Umgebung, vor allem in dem Ort Schirokine, sollte gelingen, was sich Anfang des Jahres bei Donezk und im Kessel von Debalzewe als unmöglich erwiesen hatte: die Erringung einer zumindest punktuellen militärischen Überlegenheit über die Verbände der international nicht anerkannten DVR. (siehe jW-Thema vom 19.2.2015)
Insbesondere der Ort Schirokine ist zur Zeit einer der »heißesten« Punkte des Donbass. Gelegen am Ufer des Asowschen Meeres zwischen Mariupol (von der ukrainischen Armee besetzt) und Nowoasowsk (von den Milizen der DVR besetzt), ist der Ort zum militärischen Testfeld geworden, zum möglichen Ausgangspunkt für eine erneute Eskalation der Kämpfe. Der Ostteil der Ortschaft wurde zunächst von den Volksmilizen der DVR kontrolliert, der Westteil vom Bataillon »Asow«. Schon zu diesem Zeitpunkt gab es in der Gegend immer wieder Artillerie- und Minenwerferduelle. So hatten nach drei Tagen Waffenruhe die Mitarbeiter der Special Monitoring Mission (SMM) der OSZE am Abend des 11. April in der Region Berdjansk Feuer von Panzerkanonen in Richtung Schirokine registriert. Nach Angaben der Beobachter wurden der Ort und seine Umgebung von einem von der ukrainischen Regierung kontrollierten Gebiet aus beschossen. ...
Nach einer am 29. April durchgeführten Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Deutschland und Russland mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko sollte Schirokine nunmehr Teil einer demilitarisierten Zone in der Region werden. In dem Ort sollte zudem eine Beobachtungsstelle der OSZE-Mission eingerichtet werden. Die Volksmilizen zogen sich daraufhin zurück. Das Bataillon »Asow« nutzte diesen Rückzug aus und besetzte trotz der Proteste von Offizieren der OSZE-Mission den größten Teil des Ortes. Als Reaktion auf diesen Einspruch teilte der ukrainischen Pressedienst am 3. Mai schließlich mit, dass nun auch »Asow« den Ort verlassen habe, was sich jedoch als Vertuschungsmanöver erwies. Es wurde nur eine Rotation von Einheiten vorgenommen. Die Kämpfer des Freikorps wurden durch Angehörige des Bataillons »Donbass« abgelöst. ...
Und auch anderenorts in der Region gingen die Kämpfe weiter: Am 26. April wurde die Ortschaft Nowaja Marjewka mit Mehrfachraketenwerfern beschossen, ein Milizangehöriger starb, es gab Zerstörungen. Der Beschuss erfolgte auch hier meistenteils nicht durch reguläre ukrainische Truppen, sondern von den nicht vom Kiewer Armeekommando kontrollierten Freikorpsbataillonen. Ende April berichtete auch der Vorsteher des Bezirks Starobeschewe, Iwan Michailow, über die angespannte Situation in der Nähe der sogenannten Kontaktlinie. Insbesondere fünf Dörfer – mit griechischer Bevölkerungsmehrheit – litten unter dem intensiven Beschuss.
Nach Angaben ukrainischer Militärs waren und sind diese begrenzten Operationen insbesondere bei Mariupol vor allem für die Moral der eigenen Truppen wichtig. Man will durch Einzelerfolge aus dem durch die Niederlage bei Debalzewe verursachten Motivationstief herauskommen. So sollen offenbar die Soldaten mental für eine neue Großoffensive im Osten fit gemacht werden. ...
Dass die Ukraine sich für einen erneuten Waffengang in Stellung bringt und bemüht ist, möglichst kurzfristig die Armee und die Nationalgarde für eine solche Operation zu ertüchtigen, wird auch durch andere Indikatoren bestätigt. So wurden am 20. April 290 Soldaten der 173. US-Luftlandebrigade (173. Airborne Brigade Combat Team) aus Italien und des 91. Kavallerieregiments der US-Armee (Fallschirmjäger, die im oberpfälzischen Grafenwöhr stationiert sind) zu Ausbildungszwecken in die Ukraine verlegt. Poroschenko und der Vizepräsident der USA, Joseph Biden, hatten das Abkommen über die Ausbildung der ukrainischen Truppen durch die US-Armee beim letztem Besuch Bidens in Kiew ausgehandelt.

Die 173. Luftlandebrigade ist auf kurzfristige Offensiveinsätze spezialisiert. Der Verband muss in weniger als 18 Stunden innerhalb Europas einsatzbereit sein. Für die Fallschirmjäger ist die Zusammenarbeit mit der ukrainischen Armee Routine. ..." (junge Welt, 8.5.15)

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alternative Presseschau aus ukrainischen, ostukrainischen und russischen Quellen


die täglichen Berichte der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine