Am 9. Mai dieses Jahres, dem 70. Jubiläum des Tages des Sieges über den Faschismus, war ich wieder wie schon im vergangenen Jahr beim sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow. Ich habe Blumen am Mahnmal „Mutter Heimat“ am Eingang der Anlage niedergelegt und mich zu den vielen Menschen an diesem Tag dort gesellt, die der Soldaten der Roten Armee gedachten, die im Kampf gegen den deutschen Faschismus ihr Leben lassen mussten. Und ich habe mit ihnen gefeiert, diesen Tag des Sieges.

hatten und die ich treffen wollte, fand ich am Mahnmal „Mutter Heimat“ leider nicht, obwohl ich pünktlich da war. Es waren einfach so viele Menschen dort, die Blumen niederlegten, sich auch dort trafen, an den Ständen informierten. Wir hatten uns auch nicht weiter verabredet, uns kein Erkennungszeichen verabredet. Aber so weit ich weiß, war die Gruppe da und legte Blumen auch zahlreicher Spender und Spenderinnen nieder.

Ein Veteran in einem Elektromobil wurde immer wieder angehalten, erhielt Glückwünsche zum Feiertag, wurde fotografiert und bekam Blumen, die

Ich saß eine Weile an den Treppen zum großen Ehrenmal mit dem Soldaten, der das Kind auf dem Arm trägt und mit dem Schwert und dem Fuß auf dem zerschlagenen Hakenkreuz. Ich unterhielt mich einem anderen Berliner, und wir freuten uns, dass dieser Tag und das geschichtliche Ereignis noch lange nicht in Vergessenheit geraten scheint. Ich dachte nach, warum es sein musste, dass wir einen solchen Tag überhaupt begehen, warum all die Soldaten der Roten Armee, die in Treptow und anderswo begraben sind, ihr Leben geben mussten. Es waren oft junge Menschen, grad mal um die 20, die den Kampf gegen den Faschismus und den Sieg, teuer bezahlen mussten. Ich dachte auch daran, dass zu den Deutschen, die ihr Land überfallen hatten, um es zu vernichten, einer meiner beiden Großväter gehörte, den ich nie kennenlernen konnte. Er gilt seit Herbst 1944 als vermisst, irgendwo bei Kriwoj Rog, auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Ich weiß nicht, ob er freiwillig in diesen Krieg zog, oder

Am Fuß des Ehrenmals waren die Kränze der Botschaften verschiedener Länder, zumeist der ehemaligen Sowjetrepubliken, aufgereiht, ebenso der des französischen Botschafters und jener der Bundesregierung. Einen Kranz der US-Botschaft und der der Ukraine sah ich auch in diesem Jahr nicht. Dafür immer wieder sowjetische Fahnen neben den vielen russischen, die Kasachstans, polnische, und deutsche, ebenso die der Aufständischen in der Ostukraine.
Ich habe viel fotografiert an diesem Tag. Mein Lieblingsfoto ist

Ja, es hat mich wieder bewegt, dort zu sein. Es ging mir nahe, mich an den Grund für dieses Ehrenmal und diesen "Tag des Sieges" zu erinnern. Es hat mich auch bewegt, als plötzlich ein vielstimmiges lautes "URRRRRA!" am Fuß des Ehrenmals erscholl, aus den Kehlen vieler Menschen, jung, alt, männlich, weiblich, mit diesem typischen russischen gerollten R. Die Russen haben diesen Tag in Treptow zelebriert und gefeiert. In Russland sollen es insgesamt 20 Millionen Menschen gewesen sein, die an diesem Tag wie in Berlin feierten und trauerten, sangen und tanzten. Das zeigt, dass es kein erzwungenes Gedenken ist, dass dieser Krieg und seine Opfer dort zu Lande noch nicht vergessen ist, auch wegen des hohen Blutzolls der Völker der Sowjetunion. Ich habe mich wieder gefreut, unter ihnen zu sein. Auch über die Deutschen, die da waren. Ich habe auch einige der ach so gefürchteten Motorradfahrer aus Russland, der "Nachtwölfe", gesehen und mich darüber gefreut, dass sie in Berlin waren, samt Unterstützer aus Deutschland und anderen Ländern.

Nachtrag: Ich war einen Tag später, am 10. Mai, bei der Demonstration unter dem Motto „70 Jahre Tag der Befreiung: Nein zu Krieg und Faschismus – für eine Politik der Verständigung und Konfliktlösung“. Es waren nicht viele Menschen dabei, vielleicht 500. Bei der Abschlusskundgebung zwischen dem Reichstag und dem Bundeskanzleramt sprach u.a. der Schauspieler Peter Sodann. Er zitierte aus der Rede von Bertolt Brecht auf dem Völkerkongress für den Frieden in Wien 1952: „Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz… Und doch wird nichts mich davon überzeugen, dass es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden.“
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