Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Samstag, 1. September 2012

Der bedrohte Frieden heute

Einige Gedanken am 1. September, dem "Weltfriedenstag", der heute "Antikriegstag" heißt und an den zu wenig erinnert wird angesichts der gegenwärtigen Kriege.

Es ist 1. September. Als Kind lernte ich, dass das der „Weltfriedenstag“ ist. Damit sollte an den Beginn des 2. Weltkrieges durch den deutschen Überfall auf Polen erinnert werden. Das Land, in dem der Tag der „Weltfriedenstag“ war, ist ohne Krieg verschwunden. In der seit fast 22 Jahren größeren Bundesrepublik wird der 1. September als „Antikriegstag“ bezeichnet. Doch wer erinnert sich noch daran?

Es ist nicht friedlicher auf der Welt geworden, seitdem im Kalender der „Weltfriedenstag“ nicht mehr zu finden ist. Seitdem die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten abgeschafft wurde, wurden in Europa und anderswo neue Grenzen errichtet. Neue Mauern wurden und werden hochgezogen, seit die Mauer in Berlin fiel. Verantwortung dafür tragen jene, die einst eifrig daran arbeiteten, den „Eisernen Vorhang“ abzuschaffen. Auch weil er ihnen die Möglichkeit nahm, auf einem Sechstel der Erdoberfläche ihre Interessen durchzusetzen. Um sie heute leichter durchsetzen zu können, unterstützen sie jene, die sich abschotten von denen, mit denen sie in einem Land lebten. Statt das Miteinander zu bewahren und zu schützen, wird das Gegeneinander angefeuert. Die verkündeten Gründe dafür sind austauschbar. Mal muss die Religion dafür herhalten, mal die Hautfarbe, mal irgendwelche Vorurteile und Mythen über die Anderen. Manchmal sind es auch einfach handfeste wirtschaftliche Interessen, weil die einen angeblich nur arbeiten und die anderen nur schmarotzen. Der eigentliche Grund ist: So geteilt lässt sich die Welt besser beherrschen, lassen sich die Interessen einiger Weniger besser gegenüber den Vielen durchsetzen. Dafür wird auch wieder Krieg geführt. Wer den führenden westlichen Staaten nicht freiwillig gibt, was diese beanspruchen, der wird dazu gezwungen. Manchmal geschieht das mit Hilfe eigener Soldaten und Waffen. Oft geschieht das mit Hilfe von Söldnern verschiedenster Herkunft, denen Waffen geliefert werden. Menschen, die im Frieden keine Perspektive haben und hoffen, mit Morden und Brandschatzen eine solche zu bekommen, gibt es viele.

Zu den Kriegen, welche die Hoffnung auf eine friedlichere Zeit seit dem Berliner Mauerfall, töteten, zählt der Krieg gegen und in Syrien. Ich bin froh, dass es bisher keine Intervention des Westens in das Land am Mittelmeer gab. Der verdeckte Krieg gegen das Land und seine Regierung ist schlimm genug. Bisher scheuten die führenden westlichen Staaten davor zurück. Aber der offene Krieg, verlogen begründet mit den Menschenrechten derer, auf welche die Kriegstreiber keine Rücksicht nehmen, droht weiterhin. Bis dahin werden jene gefördert, unterstützt, ausgerüstet und trainiert, die das Land mit einem Krieg überzogen haben, bei dem es nur einen Gewinner gibt: Eben die führenden westlichen Staaten, die das Land unter ihre Kontrolle bringen wollen. „Westliche Diplomaten haben laut Syriens Außenminister Walid Muallem Syrien versprochen, die Krise im Lande zu regeln, wenn Damaskus seine Beziehungen mit dem Iran und der schiitischen Gruppierung Hesbollah abbricht.“ Das berichtete RIA Novosti am 28. August auf Grundlage eines Interviews des britischen Independent mit dem syrischen Außenminister.

In und gegen Libyen ging alles schneller und einfacher. Muammar al Gaddafi war sicher durchgeknallt. Er war auch ein Angeber, hinter dessen bunten und lauten Kulissen weniger steckte als es den Anschein hatte. Das zeigte sich unter anderem daran, dass der Bombenkrieg des Westens, unterstützt von „Rebellen“ als Bodentruppen, fast widerstandslos zum Ziel kam. Dabei starben mehr Menschen, als der angeblich blutrünstige Diktator Gaddafi in einem Jahr bei Seite schaffen ließ. Wer hat diese Opfer des Krieges gezählt? Wer erinnert an sie?

Wer erinnert an die Opfer der Kriege des Westens im Namen von Freiheit und Menschenrechte und gegen den Terrorismus? Sie tauchen nicht mal in den offiziellen Statistiken zu den Kriegen gegen Jugoslawien, in Afghanistan, gegen den Irak, gegen Libyen und jetzt gegen Syrien auf. Sie werden nicht gezählt, weil sie nichts zählen, wenn die herrschenden Kreise der führenden westlichen Staaten Kriege für ihre Interessen führen lassen. Dabei ist egal, wer den Landsknecht abgibt, ob der Bürger des eigenen Landes in Uniform, ein Heimatloser als Söldner, ein bezahlter Warlord aus dem Land, das unter Kontrolle gebracht wird, oder ein religiös Verblendeter, der auf der Erde nichts, dafür im Paradies angeblich viel zu gewinnen hat, wenn er als vermeintlicher Märtyrer dort ankommt. Gibt es eine Aufzählung all der Toten in Folge der Kriege, für welche die USA und die anderen führenden westlichen Staaten seit 1945 verantwortlich sind? Damit meine ich auch solche Kriege, die sie führen lassen oder anfeuern, weil es um Rohstoffe geht, wie in Sudan zum Beispiel. Mir ist eine solche Aufstellung nicht bekannt. Anscheinend interessiert das auch niemand.

Ich weiß, dass jeder Krieg oder bewaffnete Konflikt komplexere konkrete Ursachen hat. Das darf aber den Blick auf die Zusammenhänge im Hintergrund nicht verstellen. Diese Zusammenhänge sind weder neu noch überraschend. Dass sie immer noch wirken, dafür zahlen immer noch viel zu viele Menschen mit ihrem Leben, ob in Uniform oder als zivile Opfer. So lange das so ist und bleibt, bleibt die Forderung von Bertha von Suttner aus dem Jahr 1914, kurz vor Ausbruch des mörderischen Ersten Weltkrieges, gültig: Die Waffen nieder! Käthe Kollwitz forderte zehn Jahre später mit einem Plakat: Nie wieder Krieg! Dem folgte der noch mörderischere Zweite Weltkrieg, verbunden mit deutscher Verantwortung für aber Millionen Tote. Die einzig richtige Schlussfolgerung daraus war: Nie wieder Krieg von deutschem Boden aus! Aber selbst diese scheint inzwischen in den Geschichtsbüchern zu vergilben und zu verstauben. Sie soll vergessen werden …

Das sind nur einige, unvollständige Gedanken, die mir am heutigen 1. September durch den Kopf gingen. Dieser Tag bleibt für mich der Weltfriedenstag, weil der Frieden immer noch bedroht wird von jenen, die mit Krieg Milliarden verdienen.