Bitte beachten:

Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Donnerstag, 9. Mai 2013

Empörte Kriegstreiber: Syrien verteidigt sich

Wegen einer seit langem geplanten Lieferung von Luftabwehrraketen aus Russland an Syrien machen die USA samt Israel Theater.

Nicht anders als aberwitzige und verlogene Heuchelei kann das aktuelle Theater um die Lieferung russischer Luftabwehrraketensysteme an Syrien bezeichnet werden, das die USA und Israel veranstalten. Gerade kurz nach den völkerrechtswidrigen israelischen  Angriffen auf Syrien fordern die beiden dafür Hauptverantwortlichen von Russland, die modernen Abwehrsysteme nicht zu liefern. Das sei "potenziell destabilisierend" für Israel, so dreist der US-Außenminister John Kerry laut Spiegel online vom 9. Mai 2013. „Wir sind darüber besorgt, wie sich diese defensiven Systeme in Syrien auf die Sicherheit Israels auswirken können“, wird Kerry von AP zitiert, meldete RIA Novosti am selben Tag. „Außerdem könnten diese Lieferungen den Bürgerkrieg weiter anspornen", behauptete danach Kerry tatsächlich.

Israel habe Russland gebeten, die Abwehrsysteme vom Typ S-300 nicht zu liefern, die es Syrien ermöglichen würden, eine ausländische Intervention abzuwehren, gab die israelische Zeitung Haaretz am 9. Mai 2013 einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters wieder. Der Verkauf sei schon im Jahr 2010 vertraglich geregelt worden, so das Wall Street Journal am 8. Mai 2013, also vor dem jetzigen Krieg in und gegen Syrien. Israel habe Informationen dazu an die USA weitergegeben, um den Druck auf Russland zu verstärken, damit die Raketen nicht geliefert werden. Die ersten Raketen würden innerhalb von drei Monaten in Syrien eintreffen. Die Zeitung fügt hinzu, dass laut einer Analyse des US-Generalstabes die syrische Luftabwehr aktuell fast fünfmal besser sei als die in Libyen zum Zeitpunkt der NATO-Bombardements im Frühjahr 2011 und zehnmal besser als das Serbiens, als dieses Land von USA und NATO angegriffen wurde.
Reuters zitiert dagegen den Luftwaffen-Analytiker Robert Hewson vom Militärfachdienst IHS Jane's, dem zufolge die S-300 keine große Herausforderung für Israels High-Tech-Luftwaffe sei. Das Luftabwehrsystem sein bei den "Freunden Israels" gut bekannt, die wüßten, wie damit umzugehen ist. "Einmal aktiviert, kann die S-300 leicht dank ihrer unverwechselbaren Radarsignalprozessor gesichtet werden". So sei sie leicht auszuschalten, es sei "keine Wunder-Waffe". Der Westen kenne das System, weil Zypern es gekauft und auf der griechischen Insel Kreta stationiert habe. Israel mit seinen engen Beziehungen mit Nikosia und Athen habe mehrfach mit seinen Kampfflugzeugen die S-300-Fähigkeiten testen können.
Selbst dieser Fakt, wenn er korrekt ist, belegt, wie absurd das Theater um das Luftabwehrsystem ist. Gerade die jüngsten israelischen Luftangriffe auf syrisches Territorium zeigen, dass Versuche Syrien, die eigene Verteidigung zu verbessern verständlich und berechtigt sind. Aus diesem Anlass füge ich einen Überblick über zusätzliche Informationen über die israelischen Angriffe von Anfang Mai 2013 hinzu:
• Der Radioreporter Aaaron Klein schrieb am 5. Mai 2013 auf seiner Website kleinonline.wnd.com Folgendes: "Israels heutiger Luftangriff in Syrien wurde koordiniert mit der Türkei, welche wiederum Angriffe der Rebellen in ganz Syrien zeitgleich mit dem israelischen Angriff koordinierte, berichteten ägyptischen und jordanische Geheimdienst-Quellen KleinOnline.
Die Quellen sagten, die Rebellen wussten nicht nur im Voraus von dem israelischen Angriff, sondern erhielten genaue Anweisungen für den Zeitpunkt des Beginns der heutigen großen Angriffe gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. ..."
• Beim israelischen Angriff am 5. Mai 2013 wurde abgereicherte Uran-Munition eingesetzt, meldet die Jerusalem Post, die sich wiederum auf  einen Beitrag des TV-Senders Russia Today beruft.
RIA Novosti am 6. Mai 2013: "Die syrische Armee hat den Befehl erhalten, abgesteckte Ziele in Israel als Antwort auf jeden Angriff des israelischen Militärs zu zerstören, ohne weitere Anweisungen des syrischen Militärkommandos abzuwarten. Das berichten Massenmedien am Montag unter Berufung auf inoffizielle Informationen aus Regierungskreisen."
Die verantwortlichen israelischen Politiker scheinen geradezu darauf zu setzen, dass die syrische Regierung bis auf verbale Drohungen keine weitere Gegenreaktion folgen lässt. "Israel scheint nicht mit einer Reaktion Syriens auf die Luftangriffe zu rechnen. Diesen Eindruck vermittelte der ehemalige Chef des israelischen Militärgeheimdienstes bei einem Radiointerview.", berichtet die Neue Zürcher Zeitung am 6. Mai 2013. Ich habe an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass Israel längst in Syrien mitmischt und nicht nur offiziell schweigt und wartet. Der Krieg in und gegen Syrien wird auch auch ausgenutzt, u.a. durch Ölbohrungen auf den besetzten Golan-Höhen. Stellen wir uns mal vor, Syrien würde in einem Akt der Selbstverteidigung so reagieren wie Israel jetzt wieder, wo sich beide Länder doch offiziell immer noch im Kriegszustand befinden und das schon seit 1948, wenn meine Informationen stimmen ...

RIA Novosti am 6. Mai 2013: "Die syrische Armee hat den Befehl erhalten, abgesteckte Ziele in Israel als Antwort auf jeden Angriff des israelischen Militärs zu zerstören, ohne weitere Anweisungen des syrischen Militärkommandos abzuwarten. Das berichten Massenmedien am Montag unter Berufung auf inoffizielle Informationen aus Regierungskreisen."
• "Israel griff Damaskus von libanesischem Gebiet aus an, insofern ist der syrische Luftraum formal gesehen nicht verletzt worden. Angegriffen wurden: der Stab der 4. Division der Syrischen Arabischen Armee, Kasernen der 104. und 105. Brigaden der Republikanischen Garde (die als die Eliteeinheiten innerhalb der Garde gelten, in deren Obliegenheiten auch die Sicherheit des syrischen Präsidenten fällt). Seinerzeit hat Israel behauptet, dass es jene 104. Brigade ist, innerhalb derer Militärberater aus dem Iran fungieren.
Getroffen wurden weitere militärische Objekte - operativ-taktische Raketenbatterien vom Typ SCUD, Munitionsdepots sowie das militärische Forschungszentrum im Bereich von al-Haama.
Wenn diese Einzelheiten stimmen, dann ist es eben nicht darum gegangen, die Übergabe mystischer, moderner Waffen an die böse Hisbollah zu verhindern." (Quelle)
• "Ich kann bestätigen, dass es eine Reihe von Treffen zwischen der FSA und Israel in Bezug auf den heutigen Angriff gab." (Quelle)
"Terroristen bedanken sich bei Israel für deren Hilfe durch den Angriff auf Syrien" (Quelle)

Dienstag, 7. Mai 2013

Wie im Kosovo so in Syrien?

Laut Berichten türkischer und arabischer Medien handeln "Rebellen" in Syrien mit Organen gefangener und getöteter Soldaten und Zivilisten. Wiederholen sich Ereignisse aus dem Kosovo?

Als würde die bisherige Kakophonie der Gewalt durch den Krieg in Syrien nicht ausreichen, kommt nun möglicherweise ein weiteres entsetzliches und unglaublich wirkendes Detail hinzu: Einige der „Rebellen“ der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) sollen  mit Organen syrischer Zivilisten und Armeeangehöriger, nachdem sie diese entführten und ermordeten, handeln. Das meldete die iranische Nachrichtenagentur FARS schon am 16. Oktober 2012: „The FSA rebels in Syria trade the body organs of the Syrian martyrs whom they abduct and kill.” Die Agentur berief sich dabei auf einen Bericht der türkischen Zeitung Yurt, der am 9. Oktober 2012 erschien.

Eine weitere Meldung, dass Organhändler den syrischen Krieg für ihre blutigen Geschäfte ausnutzen, fand ich in dem Blog Syrien Info am 4. Mai 2013. Dort wurde eine entsprechende Meldung der syrischen Nachrichtenagentur SANA wiedergegeben. Diese stützte sich auf einen Bericht der libanesischen Zeitung ad-Diyar zwei Tage zuvor, dass türkische Behörden in den Handel mit Organen verletzter Syrer verwickelt sind. Sie würden verletzte junge Syrer in Autos mit Polizei- und Geheimdiensteskorte in Krankenhäuser in Antalya und Iskanderun bringen. „Nachdem sie betäubt wurden, wurden den verletzten Syrern Organe entnommen. Später wurden sie getötet und zumeist in türkischem Boden begraben oder an die Grenze geschickt. Die Zeitung führte aus, die meisten entnommenen Organe seien Lebern, Nieren und Herzen. Sie werden Menschen implantiert, die in der Türkei auf ein Spenderorgan warten. Ein französischer Arzt bestätigte ad-Diyar, dass das Stehlen menschlicher Organe von verletzten Syrern in der Türkei wirklich stattgefunden hat.“

Ich gestehe, dass ich nicht nur entsetzt, sondern skeptisch war, als ich das erste Mal davon las. Das klang für mich nach einer neuen „Brutkasten-Story“, diesmal von der anderen Seite. Doch schon mit der zweiten Meldung verringerte sich meine Skepsis. Hinzu kam, dass just dieser Tage Ärzte im Kosovo wegen Organhandels verurteilt wurden, wie u.a. der Schweizer Tages-Anzeiger am 30. April 2013 meldete. Danach wurde dem Urologen Lutfi Dervishi von der „Medicus“-Klinik in Pristina und seine sechs Mitangeklagten vorgeworfen, einen schwunghaften illegalen Organhandel betrieben zu haben. „Der zu drei Jahren Haft verurteilte Anästhesist Sokol Hajdini sagte aus, 2008 dem türkischen Arzt Yusuf Ercin Sonmez bei seiner Meinung nach legalen Organtransplantationen zur Hand gegangen zu sein. In der Anklageschrift wird neben Sonmez auch der Israeli Mosche Harel als mutmasslicher Drahtzieher genannt. Die beiden Verdächtigen standen dem EULEX-Gericht jedoch nicht zur Verfügung.“ Die Welt berichtete am 1. Mai 2013 über den Fall: „Während die ‚Spender‘ im besten Fall bis zu 12.000 Euro bekamen, heimsten Letztere fast das Zehnfache ein.“ Die Zeitung erinnert daran, dass der Vorwurf des Organhandels schon zu Zeiten des Kosovo-Krieges Ende der 1990-er Jahre aufkam. Serben beschuldigten damals die Albaner, Hunderte Gefangene nach Tirana verschleppt, getötet und ihnen Organe entnommen zu haben. „Der Schweizer Sonderermittler Dick Marty legte 2010 dem Europarat einen Bericht vor, demzufolge eine Spur von der ‚Medicus‘-Klinik bis zur Kosovarischen Befreiungsarmee KLA [=UÇK – HS] und ihrem Führer Hashim Thaci ging – dem heutigen Ministerpräsidenten des Kosovo.“ Die ehemalige Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, Carla del Ponte, hatte 2008 in einem Buch das erste Mal darauf aufmerksam gemacht, dass Mitglieder der Kosovo-Befreiungsarmee UÇK in Organhandel verwickelt sein sollen. Danach hätten die albanischen Freischärler im Kosovo etwa 300 entführte Serben nach Albanien deportiert und dort von Chirurgen regelrecht „ausweiden“ lassen, um ihre Organe zu verkaufen. 2010 hatte der damalige Schweizer Sonderberichterstatter des Europarats, Dick Marty, in einem Bericht die schweren Vorwürfe bestätigt. „Die Nato und die UN-Interimsverwaltungsmission UNMIK haben serbischen Medienberichten zufolge die Ermittlungen zum Organhandel im Kosovo unmöglich gemacht.“, berichtete gar 2012 RIA Novosti.

Es sind diese gleichen Faktoren, die in den erschreckenden Informationen zu dem möglichen Organhandel im Kosovo und nun in Syrien auftauchen: Ein Krieg, der per se Rechtlosigkeit mit sich bringt; „Rebellen“, die sich für unangreifbar halten und auch volle Unterstützung des Westens samt UNO, EU und NATO haben; Menschen, die als Zivilisten, Gefangene oder Verwundete den Kriegswirren wehrlos ausgeliefert sind; skrupellose Kriminelle, einschließlich von Medizinern, die die Lage angesichts der horrenden Profite durch den Organhandel ausnutzen und anscheinend vor nichts zurückschrecken. Warum sollte das in Syrien anders sein als im Kosovo? Die Wiederholung deutet daraufhin, dass die Berichte über die Verbrechen stimmen könnten. Was mich auch erschreckt ist, dass in beiden Fällen vom Westen unterstützte, ausgebildete, finanzierte und geförderte „Rebellen“ die mutmaßlichen Täter sind. Vor einem Jahr habe ich schon festgestellt: „Kosovo und Syrien haben immer mehr miteinander zu tun“. Nun scheint es eine weitere schreckliche Verbindung zu geben.  Und beide Male spielt bei den mutmaßlichen Verbrechen die Türkei eine Rolle.

Die türkische Zeitung Yurt brachte am 20. März 2013 einen weiteren Beleg dafür. Sie zitierte syrische Regierungsvertreter, die die Vorwürfe gegen die „Rebellen“ bestätigen. Das Blatt zeigte außerdem Fotos von Fahrzeugen am Grenzübergang Cilvegözü in der südlichen Provinz Hatay, die dem Bericht nach für den Transport der illegal entnommenen Organe eingesetzt werden.

Del Ponte ist ja nun Mitglied der Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrats zu Syrien. Ob sie die Vorwürfe des Organhandels durch die "Rebellen" untersucht? Oder wird sie das sein lassen, nachdem sie anscheinend gerade erst für ihre vorsichtige Äußerung, die "Rebellen" hätten nachweislich Giftgas eingesetzt, nicht die syrische Armee, zurückgepfiffen wurde?

Montag, 6. Mai 2013

Provokationen gegen Syrien

Der Krieg gegen das Land scheint eine neue Stufe zu erreichen. Während Israel mit Luftschlägen provoziert, versuchen es die "Rebellen" anscheinend mit Giftgas.

Das hätten die Kriegstreiber gern: "Israels Syrien-Angriffe zwingen Obama zum Handeln", schreibt Spiegel online am 6. Mai 2013. Israel habe bewiesen, dass Syriens Luftabwehr löchrig sei, und damit ein Gegenargument Obamas ausgehebelt, wird der Republikaner John McCain wiedergegeben. Israelische Politiker hatten schon mehrfach direktes militärisches Eingreifen des Westens und seiner arabischen Verbündeten gefordert. Wird nun aktiv provoziert und die Rolle als Pfadfinder für eine westliche Intervention übernommen?

Um eine solche betteln die "Rebellen" in Syrien schon lange. Dafür tun sie alles, was nun auch schon die UNO bemerkt: "Laut UN gibt es Anzeichen dafür, dass die syrischen Rebellen Giftgas im Kampf gegen die syrischen Regierungstruppen einsetzen", meldet Tagesspiegel online am 6. Mai 2013. "Dass die Regierungstruppen ebenfalls chemische Waffen einsetzten, dafür gebe es bislang keine Hinweise." UNO-Ermittler haben danach Zeugenaussagen gesammelt, die auf den Einsatz des Nervengases Sarin in Syrien durch die Rebellen hindeuten. Die Ermittler hätten in benachbarten Ländern Opfer des Syrien-Krieges sowie Ärzte und Mitarbeiter von Krankenhäusern befragt, sagte Carla Del Ponte, Mitglied einer UN-Kommission zur Untersuchung der Menschenrechtslage in Syrien, am Sonntag dem Bericht zufolge.

Nachtrag um 21.23 Uhr: Beim israelischen Angriff am Sonntag wurde abgereicherte Uran-Munition eingesetzt, meldet die Jerusalem Post, die sich wiederum auf  einen Beitrag des TV-Senders Russia Today beruft.

RIA Novosti am heutigen 6. Mai 2013: "Die syrische Armee hat den Befehl erhalten, abgesteckte Ziele in Israel als Antwort auf jeden Angriff des israelischen Militärs zu zerstören, ohne weitere Anweisungen des syrischen Militärkommandos abzuwarten. Das berichten Massenmedien am Montag unter Berufung auf inoffizielle Informationen aus Regierungskreisen."

Nachtrag vom 7.5.2013:  Die verantwortlichen israelischen Politiker scheinen geradezu darauf zu setzen, dass die syrische Regierung vernünftig bleibt und bis auf verbale Drohungen keine weitere Gegenreaktion folgen lässt. "Israel scheint nicht mit einer Reaktion Syriens auf die Luftangriffe zu rechnen. Diesen Eindruck vermittelte der ehemalige Chef des israelischen Militärgeheimdienstes bei einem Radiointerview.", berichtet die Neue Zürcher Zeitung am heutigen 6. Mai 2013. Ich habe an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass Israel längst in Syrien mitmischt und nur offiziell schweigt und wartet. Der Krieg in und gegen Syrien wird auch auch ausgenutzt, u.a. durch Ölbohrungen auf den besetzten Golan-Höhen. Stellen wir uns mal vor, Syrien würde in einem Akt der Selbstverteidigung so reagieren wie Israel jetzt wieder, wo sich beide Länder doch offiziell immer noch im Kriegszustand befinden und das schon seit 1948, wenn meine Informationen stimmen ...

"Israel griff Damaskus von libanesischem Gebiet aus an, insofern ist der syrische Luftraum formal gesehen nicht verletzt worden. Angegriffen wurden: der Stab der 4. Division der Syrischen Arabischen Armee, Kasernen der 104. und 105. Brigaden der Republikanischen Garde (die als die Eliteeinheiten innerhalb der Garde gelten, in deren Obliegenheiten auch die Sicherheit des syrischen Präsidenten fällt). Seinerzeit hat Israel behauptet, dass es jene 104. Brigade ist, innerhalb derer Militärberater aus dem Iran fungieren.
Getroffen wurden weitere militärische Objekte - operativ-taktische Raketenbatterien vom Typ SCUD, Munitionsdepots sowie das militärische Forschungszentrum im Bereich von al-Haama.
Wenn diese Einzelheiten stimmen, dann ist es eben nicht darum gegangen, die Übergabe mystischer, moderner Waffen an die böse Hisbollah zu verhindern." (Quelle)

"Ich kann bestätigen, dass es eine Reihe von Treffen zwischen der FSA und Israel in Bezug auf den heutigen Angriff gab." (Quelle)

"Terroristen bedanken sich bei Israel für deren Hilfe durch den Angriff auf Syrien" (Quelle)

Ex-US-Oberst Lawrence Wilkerson, unter Colin Powell Stabschef, gegenüber dem türkischen Sender Current TV am 2.5.13 über den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz: "Dies könnte eine israelische Operation unter falscher Flagge gewesen sein, es könnte eine der Opposition in Syrien gewesen sein, ... oder es könnte eine tatsächlicher Einsatz durch den [syrischen Präsident] Bashar al-Assad gewesen sein. Aber wir wissen es nicht sicher mit den Beweisen, die wir erhalten haben. Und was ich von den Geheimdiensten geheört habe ist, dass diese Beweise wirklich unsicher sind."
Selbst die Jerusalem Post bringt neben der Haaretz die Äußerungen des Ex-US MIlitärs.

Der Radioreporter Aaaron Klein schrieb am 5. Mai 2013 auf seiner Website kleinonline.wnd.com Folgendes: "Israels heutiger Luftangriff in Syrien wurde koordiniert mit der Türkei, welche wiederum Angriffe der Rebellen in ganz Syrien zeitgleich mit dem israelischen Angriff koordinierte, berichteten ägyptischen und jordanische Geheimdienst-Quellen KleinOnline.
Die Quellen sagten, die Rebellen wussten nicht nur im Voraus von dem israelischen Angriff, sondern erhielten genaue Anweisungen für den Zeitpunkt des Beginns der heutigen großen Angriffe gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. ..."

Samstag, 4. Mai 2013

Blick auf die andere Seite des Krieges in Syrien

Reporter deutscher Medien begleiten meist die "Rebellen". Berichte von der anderen Seite sind eher selten. Der britische Reporter Robert Fisk liefert derzeit auch solche. In der britischen Zeitung The Independent sind derzeit Fisks Berichte aus Syrien zu lesen. Am 26. April 2013 veröffentlichte die Zeitung einen Beitrag ihres Reporters über Soldaten der syrischen Armee. Weil solche Texte in bundesdeutschen Medien kaum zu finden sind, habe ich den Bericht übersetzt (Hier ist der Origialbeitrag in der Ausgabe vom 26.4.2013 von The Independent zu finden. Hinweise auf eventuelle Übersetzungsfehler sind willkommen.):

Sie können für Syrien kämpfen, nicht für Assad. Sie können auch gewinnen: Robert Fisk berichtet aus Syrien

Der Tod schleicht sich an das syrische Regime ebenso an wie an die Rebellen. Aber an der Frontlinie des Krieges ist die Armee des Regimes nicht in der Stimmung, sich zu ergeben - und behauptet, sie brauche keine chemischen Waffen

Wolken hängen drückend tief über der Frontlinie der syrischen Armee auf einem Berggipfel im äußeren Norden von Syrien.

Regen hat gerade den Schnee abgelöst, taucht diese stark geschützte Festung in einen Sumpf aus Schlamm und stehenden Pfützen, wo Soldaten mit dem Wind in ihren Gesichter auf Beobachtungsposten stehen, ihre alten T-55 Panzer - die alten Warschauer Pakt-Schlachtrosse der 1950er Jahre – tropfen unter den Schauern, ihre Spuren im Schlamm, jetzt nur noch als Artilleriegeschütze genutzt. Sie sind "Schrott-Panzer" - Debeba Khurda – sage ich zu Oberst Mohamed, der Kommandeur der syrischen Armee-Spezialeinheit in dieser trostlosen Landschaft, und er grinst mich an. "Wir nutzen sie für die statische Verteidigung", sagt er offen. "Sie bewegen sich nicht."

Vor dem Krieg - oder "die Krise", wie Präsident Bashar al-Assads Soldaten gezwungen sind, ihn zu nennen – war Jebel al-Kawaniah eine TV-Übertragungsstation. Aber als die Anti-Regierungs-Rebellen sie eroberten, sprengten sie die Türme, holzten den Tannenwald ab, um ein freies Schußfeld zu schaffen, und bauten Erdwälle, um sich vor dem Feuer der Regierungstruppen zu schützen. Die syrische Armee erkämpfte sich die Hügel im Oktober letzten Jahres zurück, durch das Dorf Qastal Maaf – das jetzt zerstört und plattgewalzt an der alten Straße bis zur türkischen Grenze bei Kassab liegt – und stürmte das Plateau, das jetzt ihre Frontlinie ist.

Auf ihren Karten gab die syrische Armee dem „Kawaniah Mountain“ einen Codenamen nach ihren eigenen militärischen Koordinaten. Er wurde „Punkt 45“ genannt – Punkt 40 liegt östlich durch die Düsternis der Berge – und sie verteilen ihre Truppen in Zelten unter den Bäumen von zwei benachbarten Hügeln. Ich klettere auf einen der T-55 und kann sie durch den Regen zu sehen. Es gibt dumpfe Explosionen über dem Tal und das gelegentliche "Pop" von Handfeuerwaffen und, eher beunruhigend, Oberst Mohamed weist darauf hin, dass der nächste Wald immer noch in den Händen seiner Feinde ist, kaum 800 Meter entfernt. Ein Soldat sitzt im Panzerturm mit einem schweren Maschinengewehr und lässt seine Augen nicht von den Bäumen.

Es ist immer eine unheimliche Erfahrung, unter Bashar al-Assads Soldaten sitzen. Das sind die "bad guys" des Regimes, heißt es im Rest der Welt – obwohl in Wahrheit die Geheimpolizei dieses Landes diesen Titel verdient – und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass diesen Männer gesagt worden ist, dass ein westlicher Journalist in ihre Schützengräben und Befehlsunterstände kommt. Sie baten mich, nur ihre Vornamen zu verwenden, aus Angst, dass ihre Familien getötet werden können; sie erlauben mir, alles zu fotografieren, was ich wünsche, bloß nicht ihre Gesichter – eine Regel, die die Rebellen manchmal von Journalisten aus dem gleichen Grund erbitten – aber jeder Soldat und Offizier, den ich sprach, darunter ein Brigadegeneral, gaben mir ihren vollen Namen und ihre IDs.

Solch ein Zugang zu der syrischen Armee war fast unvorstellbar vor ein paar Monaten und es gibt gute Gründe, warum. Die Armee glaubt, dass sie endlich wieder Boden zurückgewinnt gegenüber der Freien Syrischen Armee und den islamistischen al-Nusra-Kämpfern und den verschiedenen Al-Kaida-Ablegern, die derzeit einen Großteil des ländlichen Raumes von Syrien beherrschen. Von Punkt 45 sind sie kaum anderthalb Meilen von der türkischen Grenze entfernt und beabsichtigen, das Gelände dazwischen einzunehmen. Außerhalb Damaskus haben sie ihren blutigen Weg gekämpft durch zwei von den Rebellen kontrollierte Vororte. Während ich zu den Hügel-Positionen schlich, drohte den Rebellen der Verlust der Stadt Qusayr außerhalb von Homs während gleichzeitig die Opposition beschuldigt wurde, in großem Umfang Zivilisten zu töten. Die Hauptstraße von Damaskus nach Latakia an der Mittelmeerküste wurde von der Armee wiedereröffnet. Und die Einheiten, die ich bei Punkt 45 traf, waren von einer anderen Sorte Mensch als die Soldaten, die verdorben waren von 29 Jahren Quasi-Besatzung im Libanon, die kampflos nach Syrien zurückkamen im Jahr 2005, die Disziplin der Soldaten rund um Damaskus eher ein Witz als eine Bedrohung für irgendjemand. Bashars Special Forces erscheinen nun zuversichtlich, rücksichtslos, politisch motiviert, eine Gefahr für ihre Feinde, ihre Uniformen smart, ihre Waffen sauber. Die Syrer haben sich längst an die Behauptungen Israels gewöhnt – zwangsläufig wiederholt von der „Echo-Maschine“ in Washington –, dass Bashars Truppen chemische Waffen eingesetzt hätten; wie ein Geheimdienst-Offizier in Damaskus bissig bemerkte: „Warum sollten wir chemische Waffen einsetzen, wenn unsere Mig-Flugzeuge und ihre Bomben unendlich mehr Zerstörung anrichten?“ Die Soldaten am Punkt 45 gaben Übertritte zur Freien Syrische Armee zu, ebenso die riesigen Verluste ihrer eigenen Männer – zwangsläufig als „Märtyrer“ bezeichnet – und machten kein Geheimnis aus ihren eigenen Opferzahlen in den gewonnenen und verlorenen Schlachten.

Ihr letzter "Märtyrer" am Punkt 45 wurde von einem Rebellen-Scharfschützen vor zwei Wochen erschossen, der 22-jährige Special Forces-Soldat Kamal Aboud aus Homs. Er starb wenigstens als Soldat. Oberst Mohamed beklagt, dass Soldaten auf Urlaub mit Messern hingerichtet wurden, wenn sie in feindliches Gebiet kamen. Ich erinnere mich, dass die UNO diese Armee wegen Kriegsverbrechen anklagt und erinnere Oberst Mohamed daran – dessen vier Schusswunden in seinen Armen zeigen, dass er seine Soldaten von vorn führt, nicht von einem Bunker aus –, dass seine Soldaten sicherlich bestimmt waren, die Golanhöhen von Israel zu befreien. Israel ist im Süden, sage ich, und hier kämpft er sich nach Norden in Richtung Türkei. Warum?

„Ich weiß, aber wir bekämpfen Israel. Ich trat in die Armee ein, um Israel zu bekämpfen. Und jetzt bekämpfe ich Israels Handlanger. Und die Werkzeuge von Saudi-Arabien und Katar, auf diese Weise kämpfen wir für Golan. Dies ist eine Verschwörung und der Westen hilft den ausländischen Terroristen, die nach Syrien kamen, die gleichen Terroristen, die Sie versuchen, in Mali zu töten.“ Das hatte ich vorher gehört, natürlich. Die "Moamarer", die Verschwörung, sitzt bei allen Interviews in Syrien neben mir. Aber der Oberst räumt ein, dass die beiden syrischen T-55, die jeden Morgen auf Punkt 45 Granaten abfeuern, die selben alten Kriegs-Gefährte wie seinen eigenen Panzer und damit Zwillingspaare sind, dass seine Feinde ihre Artillerie von der Regierungsarmee übernommen haben und dass zu seinen Gegnern Männer aus der Armee Bashar al-Assads sind.

Auf dem Weg nach Qastel Maaf, auf der Autobahn bis zur türkischen Grenze, erzählt mir ein General, die Armee habe gerade zehn Saudis, zwei Ägypter und einen Tunesier getötet – ich habe keine Papiere gesehen, die das beweisen – aber die Soldaten am Punkt 45 zeigen drei Funkgeräte, die sie ihren Feinden abgenommen haben. Eine trägt das Markenzeichen „HXT Commercial Terminal“, die beiden anderen sind „made by Hongda“ und die Gebrauchsanweisungen sind in Türkisch. Ich frage sie, ob sie die Kommunikation der Rebellen abhören. "Ja, aber wir verstehen sie nicht", sagt ein Major. "Sie sprechen türkisch und wir verstehen kein Türkisch." Sind es Türken oder turkmenische Syrer aus den Dörfern im Osten? Die Soldaten zucken mit den Achseln. Sie sagen, sie haben auch arabische Stimmen gehört, mit libyschen und jemenitischen Akzenten. Und angesichts der Tatsache, dass die große und gute Nato derzeit besessen ist von "ausländischen Dschihadisten" in Syrien, vermute ich, dass diese syrische Soldaten die Wahrheit sagen.

Die schmalen Wege dieser schönen Landschaft im Norden verbergen die Bösartigkeit der Kämpfe. Cluster von roten und weißen Rosen überwuchern die Mauern der verlassenen Häuser. Ein paar Männer kümmern sich um die vielen Orangenplantagen, die um uns herum leuchten, eine Frau kämmt ihr langes Haar auf einem Dach. Der See von Balloran glitzert in der Frühlingssonne zwischen Bergen, die noch mit Pulver aus Schnee gekrönt sind. Es erinnert mich erschreckend an Bosnien. Einige Meilen weiter sind die Dörfer immer noch bewohnt, eine christliche griechisch-orthodoxe Gemeinde von zehn Familien mit einer Kirche, gewidmet der Marienerscheinung einer Frau namens Salma, ein moslemisches Alawiten-Dorf, dann ein moslemisches Sunniten-Dorf in der Nähe der Front, aber immer noch koexistierend; der Geist des alten säkularen, nicht-sektiererischen Syriens, das zurückkehren werde, sobald der Krieg vorbei ist, wie beide Seiten versprechen - mit immer weniger Glaubwürdigkeit.

Dann bin ich in einem zertrümmerten Dorf namens Beit Fares, wo Hunderte von syrischen Soldaten zu sehen sind, die in den umliegenden Wäldern patrouillieren. Ein anderer General greift in seine Tasche und zeigt ein Handy-Video der Armee von toten Rebellen. "Alle sind Ausländer", sagt er. Ich sehe genau wie die Kamera verweilt bei den bärtigen Gesichtern, manche verzerrt in Angst, andere im traumlosen Schlaf des Todes. Sie wurden zusammen gehäuft. Und, am unheimlichsten von allem,  sehe ich einen Militärstiefel, der zweimal auf die Köpfe der Toten niedergeht. An die Wand des Schützengrabens hat jemand geschrieben: "Wir sind Soldaten des Assad - zur Hölle mit Euch Hunden der bewaffneten Gruppen von Jabel al-Aswad und Beit Shrouk."

Dies sind die Namen einer Reihe von kleinen Dörfern, die immer noch in den Händen der Rebellen sind – die Dächer ihrer Häuser sind von Punkt 45 zu sehen – und Oberst Mohamed, ein 45-jähriger Veteran des Libanon-Krieges zwischen 1993 und 1995, zählt die anderen auf: Khadra, Jebel Saouda, Zahiyeh, al-Kabir, Rabia ... Ihr Schicksal erwartet sie. Ich frage die Soldaten, wie viele Gefangene sie in ihren Kämpfen nahmen,  mit lauter Stimme sagen sie "Keine". Was, frage ich, selbst wenn sie behaupten, 700 "Terroristen" in einem Gefecht getötet zu haben? "Keine", antworten sie wieder.

Gegenüber einem zerschossenen Schulgebäude ist ein völlig zerstörtes Haus. „Ein lokaler Terroristenführer starb dort mit all seinen Männern“, erzählt der Oberst. „Sie haben sich nicht ergeben.“

Ich bezweifle, dass sie die Chance dazu hatten. Aber bei Beit Fares entkamen einige Rebellen zu Jahresbeginn – berichtet General Wasif von Latakia - mit ihrem lokalen Führer, ein syrischer Geschäftsmann. Wir betreten die ruinierte Villa des Mannes auf den Hügeln dieses verlassenen Turkmenen-Dorfes – die Bewohner sind jetzt in türkischen Flüchtlingslagern, erzählt mir der General – und es scheint, dass der Geschäftsmann wohlhabend war. Die Villa ist umgeben von bewässerten Obstgärten mit Zitronen-, Pistazien- und Feigenbäumen. Es gibt einen Basketballplatz, einen leeren Swimmingpool, Kinderschaukeln, ein zerbrochener Marmor-Brunnen - in dem noch türkisch beschriftete Dosen mit gefüllten Weinblättern liegen - und marmorummauerte Wohnzimmer und Küche und eine feine Platte über der vorderen Tür sagt auf arabisch: "Gott segne dieses Haus." Es scheint, das hat er nicht.

Ich pflücke einige Feigen aus dem verlassenen Obstgarten des Geschäftsmannes. Die Soldaten tun das Gleiche. Aber sie schmecken scharf und zu sauer und die Soldaten spucken sie aus, sie bevorzugen die Orangen, die an der Straßenseite hängen. General Fawaz spricht mit einem anderen Offizier und hebt eine explodierte Rakete auf, um sie zu begutachten. Das Geschoss ist vor Ort hergestellt, die Schweißnaht unprofessionell – aber identisch mit all den Qassam-Raketen, die die palästinensische Hamas-Bewegung aus dem Gazastreifen auf Israel feuert. "Jemand aus Palästina erzählt den Terroristen, wie diese zu machen sind", sagt General Fawaz. Oberst Mohamed bemerkt ruhig, dass, als sie das Dorf stürmten, sie Autos und Lastwagen mit türkischen Militär-Nummernschildern fanden - aber keine türkischen Soldaten.

Es ist eine seltsame Beziehung mit der Türkei hier oben. Recep Tayyip Erdogan mag Assad verurteilen, aber die nächste türkische Grenzstation anderthalb Meilen entfernt bleibt offen, nur noch der Grenzposten verbindet die Türkei und das von der Regierung kontrollierte syrische Territoriums. Einer der Offiziere bezieht sich auf eine alte Geschichte über den Umayyad-Kalifen Muawiya, der gesagt hat, dass er ein dünnes Stück seines eigenen Haares behalten hat, „um mich mit meinen Feinden zu verbinden“. "Die Türken haben diese eine Grenze mit uns offen gelassen", sagt der Offizier, "um nicht das Haar von Muawiya zu zerschneiden." Er lächelt nicht, und ich verstehe, was er sagt. Die Türken wollen immer noch eine physische Verbindung mit dem Assad-Regime aufrecht erhalten. Erdogan kann nicht sicher sein, dass Bashar al-Assad diesen Krieg verlieren wird.

Viele der Soldaten zeigen ihre Wunden; wertvoller für sie, vermute ich, als Orden oder Rangabzeichen. Außerdem haben die Offiziere bereits ihre Goldinsignien an der Front entfernt - anders als Admiral Nelson wollen sie von den morgendlichen Scharfschützen der Rebellen abgeschossen werden. Die Morgendämmerung scheint die tödlichste Zeit. Auf einer Straße zeigt mir ein Unterleutnant seine eigenen Wunden. Es ist ein Kugeleinschuss unter seinem linken Ohr. Auf der anderen Seite seines Kopfes läuft eine grausame lila Narbe nach oben in Richtung seines rechten Ohres. Der Schuss ging richtig durch den Hals und er überlebte. Er war glücklich.

So waren die Soldaten der Special Forces, die nach versteckten Landminen suchten, im westlichen Sprachgebrauch IED. Ein junger syrischer Artillerie-Offizier in Qastal Maaf zeigt mir die zwei eiserne Granaten, die unter der Straße begraben waren. Eine von ihnen ist fast zu schwer für mich, sie anzuheben. Die Sicherung ist türkisch beschriftet. Eine Antenne verband den Sprengkörper mit dem Auslöser eines Rebellen in Sichtweite für die Detonation. Ein technischer Minen-Detektor - "unsere ganze Ausrüstung ist russich", rühmen die Soldaten - alarmierte die Patrouille vor dem Sprengkörper,bevor die Soldaten darüber liefen.

Aber der Tod schwebt über der syrischen Armee, wie er auch ihre Feinde verfolgt. Der Flughafen in Latakia ist nun ein Ort des ständigen Klagens. Kaum dass ich ankomme, finde ich weinende Familien mit tränenüberströmten Gesichter vor dem Terminal, auf die Leichen ihrer Soldaten- Söhne und -Brüder und –Ehemänner wartend, Christen zum größten Teil, aber auch Muslime, die Mittelmeerküste ist das Kernland der Christen und Alawiten und eine Minderheit der Sunniten. Eine christliche Frau wird von einem alten Mann zurückgehalten, als sie versucht, sich auf die Straße zu legen, Tränen strömen über ihr Gesicht. Ein Lastwagen neben der Abflughalle ist mit Kränzen beladen.

Eine für die Familien der Hinterbliebenen verantwortlicher General sagt mir, dass der Flughafen zu klein für diese trauernde Menge ist. „Die Hubschrauber bringen unsere Toten hierher aus dem ganzen nördlichen Syrien", sagt er. „Wir müssen nach all diesen Familien suchen und rausfinden, wo sie wohnen, aber manchmal gehe ich zu ihnen um ihnen vom Tod des Sohnes zu berichten und finde heraus, dass sie bereits drei Söhne als Märtyrer verloren haben. Es ist zu viel.“ Vergessen Sie „Private Ryan“. Ich sehe neben dem Kontrollturm einen verwundeten Soldaten humpelnd auf einem Bein, ein Verband bedeckt teilweise sein Gesicht, seinen Arm um einen Kameraden, als er zum Terminal hinkt.

Militärstatistiken, die ich sah, lassen schließen, dass 1.900 Soldaten aus Latakia in diesem schrecklichen Krieg getötet wurden, weitere 1.500 aus Tartus. Aber das muss hinzugerechnet werden zu den Zahlen der von Alawiten und Christen bewohnten Dörfer in den Hügeln oberhalb von Latakia, um die individuellen Kosten zu verstehen. Hayalin zum Beispiel, ein Dorf von 2.000 Seelen, hat 22 Soldaten verloren und 16 weitere gelten als vermisst. Das bedeutet real 38 Tote. Viele wurden in Jisr al-Shughur im Juni 2011 getötet, als die syrische Armee 89 Tote durch einen Rebellen-Hinterhalt verlor. Ein Dorfbewohner namens Fouad berichtet von einem Überlebenden aus dem Nachbardorf kam. „Ich rief ihn an, um zu fragen, was mit den anderen Männern passiert ist“, erzählte er. „Er sagte: ‚Ich weiß es nicht, weil sie meine Augen rausschnitten.‘ Er sagte, dass ihn jemand abführte und er dachte, er würde exekutiert werden, aber fand sich in einem Krankenwagen wieder und wurde ins Krankenhaus in Latakia gemacht.“ Einer der Toten von Jisr al-Shughur wurde nach Hayalin zurückgebracht, aber Verwandten fanden in seinem Sarg nur seine Beine. „Der neueste Märtyrer aus Hayalin wurde erst vor zwei Tagen getötet“, erzählte mir Fouad. „Er war ein Soldat namens Ali Hassan. Er hatte gerade geheiratet. Sie konnten nicht einmal seinen Körper zurückbringen. "

Das Dröhnen der 24 syrischen Kampfhubschrauber auf dem Vorfeld hinter dem Terminal zeigen die Kraft der Regierungs-Waffen. Aber Soldaten erzählen ihre eigenen Geschichten von Angst und Einschüchterung. Dass die Rebellen die Familien der Regierungssoldaten bedrohen ist eine seit langem anerkannte Tatsache. Aber ein Soldat hat mir trostlos erzählt, wie seinem älteren Bruder befohlen wurde, ihn zu überreden, die Armee verlassen. „Als ich mich weigerte, brachen sie meinem Bruder die Beine“, sagte er. Als ich fragte, ob andere diese Erfahrung geteilt haben, wurde ein 18-jähriger Soldat zu mir gebracht. Die Beamten boten, den Raum zu verlassen, als ich mit ihm sprach.

Er war ein intelligenter junger Mann, aber seine Geschichte war einfach und unvorbereitet erzählt. Es war keine Propagandarede. „Ich komme aus der Provinz Idlib und sie kamen zu meinem Vater und sagten, sie brauchte mich dort“, erzählte er. „Aber mein Vater weigerte sich und sagte: ‚Wenn Sie meinen Sohn wollen, gehen Sie und bringen Sie ihn her - und wenn Sie das tun, werden Sie mich hier nicht finden, um ihn zu begrüßen.‘ Dann schickte mein Vater die meisten seiner Familie in den Libanon. Mein Vater und meine Mutter sind immer noch da, und sie sind immer noch bedroht.“ Ich erzähle den Offizieren später, dass ich nicht glaube, dass jeder syrische Überläufer wegen seiner bedrohten Familie die Armee verlasse, dass einige Soldaten zutiefst mit dem Regime nicht einverstanden sind. Sie sind einverstanden, aber bestehen darauf, dass die Armee stark bleibt.

Oberst Mohamed, der militärische Strategie mit Politik mischt, sagt, dass er den ausländischen "Anschlag" gegen Syrien als wiederholte Version des Sykes-Picot-Abkommen des Ersten Weltkriegs ansieht, als Großbritannien und Frankreich unter sich heimlich die Aufteilung des Nahen Ostens - einschließlich Syrien - ausmachten. „Jetzt wollen sie das Gleiche tun“, sagt er. „Großbritannien und Frankreich wollen den Terroristen Waffen geben, um uns zu spalten, aber wir wollen ein vereintes Syrien, in dem alle unsere Leute zusammen leben, demokratisch, sich nicht um ihre Religion kümmern, aber friedlich leben ...“ Und dann kam das Knirschen. „... unter der Leitung von unserem Vorkämpfer Dr. Bashar al-Assad.“

Aber es ist nicht so einfach. Das Wort „Demokratie“ und der Name von Assad passen für viele in Syrien nicht sehr gut zusammen. Und ich denke eher, dass die Soldaten der offiziellen Syrischen Arabischen Armee für Syrien statt für Assad kämpfen. Aber sie kämpfen und vielleicht, jetzt, gewinnen sie einen aussichtslosen Krieg. Bei Beit Fares besteige ich einmal mehr die Brustwehr und der Nebel steigt aus den Bergen. Dies könnte Bosnien sein. Das Land ist atemberaubend, die grau-grünen Hügel gehen in blaue samtene Berge über. Ein wenig Himmel. Aber die Früchte entlang dieser Front sind wirklich bitter.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Syrien: Ein Dejavu, westliche Islamisten und Waffen und ein Scheichtum

• Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua beschrieb schon am 14. April 2013 den westlichen Medienhype um die angeblichen Chemiewaffen in Syrien als Dejavu-Erlebnis. „Es ist mehr als ein Jahrzehnt her, nach dem die Vereinigten Staaten und einige andere westliche Mächte behaupteten, dass Iraks Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen angehäuft habe, und schließlich wurde das als Vorwand verwendet, um den Irak-Krieg zu starten.“ Saddam sei weg, aber die angeblichen  Massenvernichtungswaffen noch nirgends zu finden. Xinhua erinnert daran, dass, als der Westen 2011 die militärische Intervention in Libyen vorbereitete und durchführte, die westlichen Medien wiederholt spekulierten, dass Muammar al-Gaddafi Massenvernichtungswaffen in seiner Heimatstadt Sirte gelagert habe. „Aber Fakt ist, bis der ehemalige Machthaber getötet wurde, kam er nie mit irgendwelchen Massenvernichtungswaffen.“ Obwohl in beiden Fällen keine Beweise für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gefunden wurden, sei das westliche politische Ziel erreicht worden: Ein großer Teil der westlichen Öffentlichkeit glaubte, zumindest für den notwendigen Moment, dass eine militärische Intervention gerechtfertigt ist und beide, das irakische und das libysche Regime, gestürzt werden mussten.

• Der Nahost-Wissenschaftler Günter Meyer schreibt in einem Beitrag für die Online-Ausgabe der Zeitschrift Zenith vom 29. April 2013, vieles spreche dafür, dass „Rebellen“ hinter den gemeldeten mutmaßlichen Chemiewaffenvorfällen in Syrien Vorfall stecken und eine perfide Strategie verfolgen. „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass das Regime in der gegenwärtigen Situation zu einer solchen Maßnahme greift, die zum Erreichen militärischer Ziele irrelevant ist und mit dem Überschreiten der von Präsident Obama gesetzten »roten Linie« nur ein massives Eingreifen westlicher Staaten provozieren würde. Der Einsatz von chemischen Kampfstoffen ist genau das Signal, auf das die Aufständischen seit langem gewartet haben, um ihren Forderungen nach Waffenlieferungen Nachdruck zu verschaffen. Damit ist offensichtlich, dass der Sarin-Einsatz allein den Aufständischen nützt, die Position der syrischen Regime dagegen gravierend schwächt.“ Meyer erinnert an „detaillierte Presseberichte in arabischen Medien“ im August 2012, wonach durch die „Opposition“ Giftgaseinsätze in Syrien vorbereitet würden. Für diese sollten dann Präsident Bashar al-Assad und die syrische Regierung verantwortlich gemacht werden. „Deshalb sind die Argumente durchaus überzeugend, dass die jüngsten Giftgaseinsätze von oppositionellen Kräften inszeniert worden sind“, stellt der Nahost-Wissenschaftler fest. „Dadurch soll Druck auf die Obama-Regierung und die Nato ausgeübt werden, damit endlich auch offiziell Waffen an die Aufständischen geliefert werden können.“ Meyer macht auf mehrere Indizien aufmerksam, die auf eine Aktion der „Rebellen“ hinweisen. Und: Die jüngste Erklärung des syrischen Informationsministers sei „durchaus glaubhaft“, dass die bei dem Angriff am 19. März 2013 eingesetzte Rakete aus der nahen Türkei auf das von Aufständischen kontrollierte syrische Gebiet gebracht und dort von Kämpfern der islamistischen Al Nusra-Front auf das Dorf abgefeuert wurde. „Dabei ist eine direkte Beteiligung türkischer Soldaten –  und damit von Nato-Truppen – nicht auszuschließen.“

• „US-Präsident Barack Obama will ungeachtet vorliegender Beweise für den Einsatz von Chemiewaffen im Syrien-Konflikt keine übereilte Entscheidung über eine militärische Reaktion treffen“, meldet u.a. der österreichische Standard am 30. April 2013. Bei Spiegel online läuft die gleiche Nachricht unter dem Titel "Der verdruckste Oberbefehlshaber". "Wir wissen nicht, wie sie eingesetzt wurden, wann sie eingesetzt wurden und wer sie eingesetzt hat", sagte der US-Präsident laut dem Standard. Zwar seien „alle Optionen“ vorbereitet, auf einen Chemiewaffeneinsatz zu reagieren, aber: "Ich muss sicherstellen, dass ich alle Fakten habe", so Obama. Die österreichische Zeitung erinnert daran, der US-Präsident selbst habe die Erwartung an „eine machtvolle US-Reaktion“ in den vergangenen Wochen hochgeschraubt. Aber eines hat Obama nicht aus den Augen verloren: Die Forderung, dass Syriens Präsident Assad weg muss. Das sei der einzige Weg zu Frieden und Stabilität in Syrien, erklärt der US-Präsident erneut dem Rest der Welt. "Wir stehen nicht einfach daneben und gucken zu", wird er von Spiegel online zitiert.

• UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat die syrische Regierung erneut aufgefordert, Kontrolleure der Vereinten Nationen ins Land zu lassen, meldet u.a. die FAZ am 26. April 2013. „Die syrischen Behörden sollten den Waffenexperten ‚vollen und uneingeschränkten Zugang‘ gewähren, sagte Ban nach Angaben seines Sprechers am Donnerstag in New York.“ In dem Zeitungsbericht wird nur darauf hingewiesen, dass die den UN-Kontrolleuren bisher die Einreise verweigert wurde, aber nicht warum. Die syrische Regierung habe UN-Chemiewaffeninspektionen nie abgelehnt, bestehe aber darauf, alle Details zu klären, damit internationale Experten nach Syrien kommen könnten. Das erklärte der ständige syrische UN-Botschafter Baschar Dschafari laut RIA Novosti am 30. April 2013 in New York. Die Regierung Syriens habe Ende März 2013 Ban Ki-moon gebeten, eine Untersuchung in Aleppo durchzuführen, wo Oppositionelle nach Behauptungen des offiziellen Damaskus Kampfstoffe eingesetzt hätten. Doch der UN-Generalsekretär habe „auf Bitte“ Großbritanniens und Frankreichs darauf bestanden, dass auch Gerüchte über die Anwendung chemischer Stoffe durch die syrischen Behörden im Dezember 2012 in anderen Regionen des Landes geprüft werden. Deshalb sei die Einreise der Inspekteure bisher verweigert worden. "Die syrische Regierung hat die Tür für die Mission nicht verschlossen. Aber es sollten das Völkerrecht, die UN-Charta und das souveräne Recht Syriens beachtet werden, als eine interessierte Seite Informationen zu erhalten. Bislang liegen Angaben über den Einsatz von Kampfstoffen durch die syrischen Behörden weder der Regierung Syriens noch dem Weltsicherheitsrat vor", bemängelte der Diplomat laut RIA Novosti.

• „Der kleine Golfstaat Katar ist ein enger Verbündeter der USA. Im syrischen Bürgerkrieg, dem in den gut zwei Jahren seit Beginn mehr als 70'000 Menschen zum Opfer gefallen sind, ist er inzwischen der grosszügigste internationale Unterstützer des Aufstandes gegen Assad geworden.“ Das ist am 26. April 2013 in einem Bericht der Nachrichtenagentur AP zu lesen, den der Schweizer Tages-Anzeiger veröffentlicht. „Doch die Rolle Katars sorgt mittlerweile auch für Spannungen in den Reihen der hochgradig zersplitterten Rebellengruppen.“ Einige der „Rebellen“ würden tatsächlich kritisieren, dass das mit den USA verbündete Öl-Scheichtum daran arbeite, einen islamistischen Staat in Syrien zu etablieren. Aber nicht nur Katar unterstütze die bewaffneten Gruppen: „Militärische Hilfe in Form von Waffen gibt es nach Informationen der Nachrichtenagentur Associated Press nicht nur aus Katar, sondern auch aus Jordanien, Saudiarabien und der Türkei.“

• Die Zahl ausländischer Kämpfer in den islamistischen Gruppen in Syrien steige, gibt u.a. die Neue Zürcher Zeitung am 24. April 2013 eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa wieder. Laut dem obersten Terrorismus-Experten der EU, Gilles de Kerchove, seien darunter rund 500 radikale Islamisten aus Europa. „Auch an der kürzlich gemeldeten Entführung zweier syrischer Bischöfe sollen ausländische Milizionäre beteiligt gewesen sein.“ Dpa meldet einen Tag später, dass laut Innenminister Hans-Peter Friedrich auch viele islamistische Deutsche in den Krieg gegen Assad ziehen. Die „Rebellen“ verwenden dabei auch westliche Waffen, u.a. das „High-Power-Scharfschützengewehr“ vom britischen Typ AS-50, berichtete Fox News am 3. April 2013. Die Waffe sei für die britischen Special Forces hergestellt worden und werde auch von den US-Navy SEALs benutzt. Youtube-Videos zeigten laut Fox News „Rebellen“ mit dem Gewehr. Selbst wenn das Gewehr eine billige Kopie der AS-50 sei, werfe es die Frage auf, „wer solche verheerenden Hardware liefert“. Das gefürchtete Scharfschützengewehr werde von der Firma Accuracy International hergestellt, die u.a. Waffen an die türkischen und saudi-arabischen Militärs liefere.

• Nur erwähnt werden kann und soll an dieser Stelle der Anschlag auf den syrischen Ministerpräsidenten Wael al-Halki am 29. April 2013 in Damaskus, den dieser überlebte. Der Ministerpräsident machte nach dem Anschlag ein neues Dialogangebot seiner Regierung an die „Rebellen“, berichtet RIA Novosti am selben Tag: „Wir sind offen für einen Dialog mit allen politischen und gesellschaftlichen Kräften, darunter auch mit der Opposition und den bewaffneten Gruppen, die die Waffen niederlegen wollen.“ Ebenfalls am 29. April 2013 wurde der vermutliche Beschuss eines russischen Passagierflugzeuges über Syrien gemeldet, das aber zum Glück nicht getroffen wurde. Beide Ereignisse zeigen ebenso, wie sehr der Konflikt in Syrien außer Kontrolle geraten ist.

aktualisiert am 1. Mai 2013, 9.38 Uhr