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Mit deutsch- und volkstümelndem sowie rechtsextremem und faschistischem Gedankengut habe ich nichts am Hut und nichts zu tun!

Freitag, 5. September 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 63

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (aktualisiert: 6.9.14; 01:11 Uhr)

• USA will Kiew bei Ausbau der Nationalgarde helfen
"Die USA werden der Ukraine helfen, eine neue Militärstrategie zu konzipieren, und die freiwillige Nationalgarde der Ex-Sowjetrepublik festigen, die eine große Rolle bei der Operation Kiews im Südosten der Ukraine gespielt hat. Das teilte das Weiße Haus am Freitag in Washington mit.
„Wir haben die Initiative zur Förderung der Militärreform in der Ukraine gestartet. Diese Unterstützung beinhaltet eine Armeereform und erstreckt sich auch auf die Bereiche Cybersicherheit, Logistik und Standards“, hieß es in der Mitteilung." (RIA Novosti, 5.9.14)

Moskau: NATO nutzt Ukraine-Krise für eigenes Vorrücken und verstößt gegen Russland-NATO-Grundakte
"Die nordatlantische Allianz hat die Ukraine-Krise für eine Verstärkung ihrer Präsenz an der Grenze Russlands missbraucht. Das erklärte der russische NATO-Botschafter Alexander Gruschko am Freitag in einem Interview für den TV-Sender Rossija 24.
„Die Allianz nutzte diese Krise nicht nur zur Festigung ihrer Verbindungen zur Ukraine, sondern auch zur Stärkung ihrer Muskeln entlang der russischen Grenze. Bereits jetzt werden Schritte mit dem Ziel unternommen, eine ständige Präsenz der NATO-Kräfte in der Ostsee und im Schwarzen Meer zu gewährleisten“, kritisierte der russische Diplomat.
In der Ukraine-Krise habe die NATO eine äußerst destruktive Rolle gespielt. Seit Februar sei die Allianz mit dem Kiewer Regime solidarisch und habe es mit ihren Handlungen und politischen Erklärungen zur Fortsetzung des Krieges gegen das eigene Folk angespornt. „Das alles läuft der Logik des politischen Prozesses zuwider, der sich jetzt in (der weißrussischen Hauptstadt) Minsk abspielt.“
Das noch für dieses Jahr geplante NATO-Manöver „Rapid Trident“ in der Westukraine bezeichnete Gruschko als eine Provokation. Das sei ein Signal dazu, dass die Krise im Südosten der Ukraine auch mit militärischen Mitteln beendet werden könnte. „Es handelt sich um ein extrem gefährliches Spiel“, betonte der russische NATO-Botschafter." (RIA Novosti, 5.9.14)
"Moskau sieht in den Beschlüssen des jüngsten NATO-Gipfels in Newport (Wales) einen Verstoß gegen die Russland-NATO-Grundakte", wird Gruschko in einer weiteren Meldung von RIA Novosti vom 5.9.14 zitiert. "Die gesamte Logik der Grundakte, die die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Allianz regele, und alle nach 1997 unternommenen Anstrengungen hätten zum Ziel, Europa im Hinblick auf militärische Bedrohungen zur sichersten Region zu machen. „Aber die jüngsten Schritte der NATO bergen immense Risiken für die regionale Sicherheit in sich“, betonte Gruschko." Das dürfte auch den angeblichen Versuchen von Bundeskanzlerin Angela Merkel widersprechen, sich auf dem NATO-Gipfel in Wales dafür einzusetzen, dass an der Russland-NATO-Grundakte von 1997 nicht gerüttelt werde. Das hatte die Tageszeitung Die Welt am 4.9.14 behauptet und Spiegel online am 5.9.14 wiederholt. Laut Letzterem behauptete Merkel sogar, dass Russland die Vereinbarungen von 1997 verletzt zu haben, sie wolle aber dennoch daran festhalten.

• Moskau: NATO unterstützt ukrainische Neofaschisten
"Die nordatlantische Allianz unterstützt nach Ansicht des russischen Außenministeriums neofaschistische und extremistische Kräfte in der Ukraine, darunter den Rechten Sektor. „Davon zeugt die beim Gipfeltreffen in Newport (Wales) formulierte Position der NATO“, kritisierte das Außenamt am Freitag.
„Der Sinn der von der Allianz abgegebenen Erklärungen zur Ukraine und die verkündeten Pläne, gemeinsame Manöver auf dem Territorium der Ukraine noch in diesem Jahr abzuhalten, werden unweigerlich zu weiteren Spannungen führen und den aufkeimenden Friedensprozess in der Ukraine unterhöhlen. Diese Erklärungen werden die Spaltung in der ukrainischen Gesellschaft noch tiefer machen“, betonte das russische Außenamt." (RIA Novosti, 5.9.14)

• NATO mit Fünf-Punkte-Plan gegen "russische Gefahr"
"Die Nato hat als erste Konsequenz der Gespräche in Wales die Schaffung einer Eingreiftruppe beschlossen. Damit will das Bündnis einen möglichen russischen Angriff auf seine östliche Mitglieder verhindern. Die fünf Beschlüsse im Überblick ...
Aktionsplan zur Erhöhung der Bereitschaft
„Wir sind von einem eisernen Versprechen verbunden, uns gegenseitig gegen Angriffe zu verteidigen“, sagt Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Die Allianz will mit dem Aktionsplan ihre Präsenz in Osteuropa und ihre Reaktionsfähigkeit bei Krisen jeglicher Art „bedeutend“ erhöhen und verstetigen. Der Aktionsplan ist ein Kompromiss zwischen osteuropäischen Nato-Mitgliedern und Ländern wie Deutschland, die an der Nato-Russland-Grundakte festhalten und somit von dauerhaften Truppenstationierung in Osteuropa absehen wollen.
Dauerhafte sichtbare Präsenz in Osteuropa
Zur Unterstützung der osteuropäischen Alliierten gegen Russland hat die Nato ihre Präsenz dort etwa bei der Luftraumüberwachung bereits verstärkt. Geplant sind nun zudem vermehrte Übungen wechselnder Kampftruppen und neue Stützpunkte mit Führungs- und Logistikexperten. Diese könnten in den drei Baltenstaaten sowie Polen und Rumänien eingerichtet werden. Sicher ist, dass die Einsatzbereitschaft des von Polen, Deutschland und Dänemark geführten Stützpunktes im polnischen Stettin erhöht wird. Ferner ist die Modernisierung von Häfen und Flughäfen sowie die Stationierung militärischer Ausrüstung in der Region vorgesehen.
Neue „Speerspitze“ gegen Bedrohungen
Der Ausbau der Strukturen in Osteuropa dient dazu, eine neue schnelle Eingreiftruppe im Krisenfall in kürzester Zeit dorthin verlegen zu können. „So kann diese neue Truppe leicht reisen und hart zuschlagen, wenn nötig“, beschreibt Rasmussen die Idee. Diese Spezialtruppe soll etwa 4000 Soldaten stark und die neue „Speerspitze“ der bereits bestehenden, aber noch nie eingesetzten Nato-Reaktionsstreitmacht („Nato Response Force“) sein. ...
Planung und Aufklärung
Die Nato will künftig in jeder Hinsicht besser vorbereitet sein und auch ihr „Frühwarnsystem“ modernisieren, indem das Sammeln und Austauschen von Geheimdiensterkenntnissen verbessert wird, um bedrohliche Entwicklungen schneller zu erkennen. Damit will die Nato auch auf die „hybride Kriegsführung“ reagieren, die sie Russland in der Ukraine vorwirft. Das Bündnis meint damit das Anheizen des Konflikts etwa durch die Verbreitung von Falschmeldungen und die Beeinflussung der pro-russischen Bevölkerung. ...
Unterstützung für die Ukraine
Die Nato hat der Ukraine auf ihrem Gipfel ausdrücklich den Rücken gestärkt und dem Partnerland Hilfe bei der Modernisierung seiner Armee zugesagt, damit die Ukraine nach den Worten Rasmussens „besser für ihre eigene Sicherheit sorgen kann“. Die Hilfe betrifft die Bereiche Logistik, Kommando- und Kommunikationsstrukturen sowie Cyber-Abwehr. Zudem will die Nato die Ukraine bei der Versorgung verwundeter Soldaten unterstützen. Die von Kiew geforderte Hilfe mit Waffen bleibt Anliegen einzelner Mitgliedstaaten. Unterstrichen wird die besondere Partnerschaft zwischen der Nato und der Ukraine, aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellte klar: „Es geht nicht um eine Mitgliedschaft in der Nato.“ (Berliner Zeitung online, 5.9.14)

• "Volksrepubliken" wollen weiter Unabhängigkeit
"Die selbsterklärten Volksrepubliken von Donezk und Lugansk beabsichtigen weiterhin, sich von der Ukraine loszulösen, wie der „Premier“ der Lugansker „Volksrepublik“, Igor Plotnizki, am Freitag sagte.
„Wir setzen den Kurs auf die Abtrennung fort. Der (vereinbarte) Waffenstillstand ist nur eine Notmaßnahme. Wir werden noch viel leisten müssen“, so Plotnizki." (RIA Novosti, 5.9.14)

• Poroschenko: Waffenruhe ab 18 Uhr
"Präsident der Ukraine und Oberbefehlshaber der Streitkräfte Petro Poroschenko hat dem Generalstabschef befohlen, das Feuer in der Ostukraine um 18.00 Uhr einzustellen. „Angesichts des Appels des Präsidenten Russlands Wladimir Putin an Chefs der illegalen Waffenformationen im Donbas über die Einstellung des Feuers, der Unterzeichnung eines Protokolls bei der Sitzung der trilateralen Kontaktgruppe zur Umsetzung des Friedensplans des Präsidenten der Ukraine, befehle ich dem Generalstabschef der ukrainischen Streitkräfte, das Feuer am 5. September um 18.00 Uhr einzustellen“, heißt es in einer Erklärung des Staatschefs. 
Poroschenko beauftrage Außenminister Pawlo Klimkin, „eine effektive internationale Kontrolle über die Waffenruhe, die ausschließlich einen zweiseitigen Charakter haben muss“ gemeinsam mit der OSZE zu gewährleisten. ..." (Ukrinform, 5.9.14)

• Umfrage: Mehrheit in Ukraine will Kriegsende
"Die Mehrheit der Ukrainer hat sich bei einer Umfrage von USS Research für eine Beendigung der militärischen Operation in den östlichen Regionen des Landes ausgesprochen. Etwa ein Drittel setzte sich für weitere Kämpfe ein.
Auf die Frage „Halten Sie die Kampfhandlungen der Anti-Terror-Operation in den östlichen Regionen für zweckmäßig?“ antworteten  58,2 Prozent der Befragten mit "Nein, die Ukraine braucht Frieden", teilte USS Research am Freitag mit. Etwa 35,4 Prozent sprachen sich für weitere Kämpfe „bis zum Sieg“ der Regierungsarmee aus. Weitere 6,4 Prozent waren unschlüssig. USS Research hat vom 26. August bis 1. September dieses Jahres 1820 Menschen über 18 Jahre in allen Regionen der Ukraine außer im umkämpften Gebiet Lugansk und außer in den südlichen Teilen des Gebietes Donezk befragt. ..." (RIA Novosti, 5.9.14)

• EU-Kommission: Putin-Zitat aus Zusammenhang gerissen
"Die Äußerung des russischen Präsidenten Wladimir Putin über seine angebliche Bereitschaft zur Einnahme Kiews, die der Vorsitzende der EU-Kommission, Jose Manuel Barroso, zitierte, war aus dem Zusammenhang gerissen und hatte eine ganz andere Bedeutung, wie die US-Zeitung „Wall Street Journal“ unter Berufung auf die amtliche Sprecherin der EU-Kommission, Pia Ahrenkilde-Hansen, schreibt.
„Ich kann nur hinzufügen, dass der Vorsitzende Barroso in einer Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit seine Kollegen im Europäischen Rat über sein Telefongespräch mit Präsident Putin informiert hat.  Bedauerlicherweise gelangte ein Teil dieser Informationen, der aus dem Zusammenhang gerissen worden war, an die Öffentlichkeit“, sagte  Ahrenkilde-Hansen in einem Kommentar. Sie fügte hinzu, dass „diese Frage jetzt über diplomatische Kanäle und nicht über die Presse geregelt wird“. ..." (RIA Novosti, 5.9.14)

• Waffenruhe für Donbass-Region vereinbart
"Im Ukraine-Konflikt ist ein Durchbruch gelungen – ab 17 Uhr gilt eine Waffenruhe. In der weißrussischen Hauptstadt Minsk hatte die Kontaktgruppe über eine Lösung des Konflikts beraten.
Die Unterhändler der Regierung in Kiew und die prorussischen Separatisten vereinbarten die Feuerpause für das umkämpfte Gebiet Donbass. Zudem sollen auch beide Seiten einem Gefangenenaustausch zugestimmt haben. Zur Kontaktgruppe gehören Vertreter der Ukraine, Russlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE.
Trotz der Friedensbemühungen war es auch heute zu Kämpfen um die Hafenstadt Mariupol gekommen. Auch aus der Rebellenhochburg Donezk wurden neue Zusammenstöße gemeldet." (Euronews, 5.9.14)

• Gefechte in Mariupol
"In Mariupol ist sei dem Morgen Gefechtslärm zu hören. Nach Angaben des Ukrinform-Korrespondenten in der Stadt begann die Kanonade gegen 6 Uhr. Viele Läden und der Stadtmarkt sind geschlossen.
Die Einwohner der Stadt, die am linken Ufer wohnen, suchen Zuflucht in den Kellern und in den Luftschutzräumen. Der Verkehr in der Stadt, wie auch andere Dienste der Stadt funktionieren." (Ukrinform, 5.9.14)
"Die Volksmilizen in der Ukraine sind nach eigenen Angaben mit mehreren Schützenpanzern in die Hafenstadt Mariupol an der nördlichen Küste des Asowschen Meeres eingerückt. Das ukrainische Militär bestreitet das.
„Unsere Einheit konnte ungehindert in die Stadtteile Talakowka und Sartana einrücken“, teilte ein Sprecher im Stab der Volkswehr RIA Novosti mit. Zudem würden Volksmilizen die ukrainischen Regierungskräfte im Stadtbezirk Wostotschny bedrängen. Dort dauern die Gefechte an. Das ukrainische Militär bestreitet, dass die Milizen nach Mariupol vorgestoßen sind. Die Angriffe seien abgewehrt worden, sagte Militärsprecher Leonid Matjuchin zu RIA Novosti. "In Mariupol ist es jetzt ruhig." Nach Angaben der Behörden sind sieben Zivilisten am Donnerstag und Freitag bei den Kämpfen um Mariupol getötet worden. Mehr als 20 weitere wurden verletzt. ..." (RIA Novosti, 5.9.14)

• Ukraine erhält zweite Finanzspritze vom IWF
"Die Ukraine hat am 4. September die zweite Tranche vom Internationalen Währungsfonds nach dem Stand-by-Programm in Höhe von 914,7 Mio. SDR (ca. 1,39 Mrd. US$) erhalten. Das teilt der Pressedienst des ukrainischen Finanzministeriums mit.
„Laut der Absichtserklärung ukrainischer Regierung und der Nationalbank der Ukraine, die an den Internationalen Währungsfonds gerichtet und am 29. August durch den Direktorenrat des Internationalen Währungsfonds gebilligt worden war, hat die Ukraine am 4. September die zweite IWF-Tranche nach dem Stand-by-Programm in der Höhe von 914,7 Mio. SDR (ca. 1,39 Mrd. US$) erhalten. Ein Teil der Tranche in der Höhe von 1 Mrd. US$ wird für Unterstützung des Staatshaushaltes verwendet sein“, - heißt es im Bericht. ..." (Ukrinform, 5.9.14)

• Poroschenko will Zusammenarbeit mit NATO ausbauen
"Für die Ukraine sei heute die Entwicklung der Zusammenarbeit mit der NATO wichtig. Das hat ukrainischer Präsident Petro Poroschenko während der mit dem NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen gemeinsamen Pressekonferenz erklärt, berichtet der Pressedienst des Staatsoberhauptes.
„Das Wichtigste besteht darin, dass wir unsere Möglichkeiten der Zusammenarbeit verbessern müssen“, - kündigte Poroschenko an und betonte dabei, es sei jetzt aktueller als sogar die Frage des Beitritts zur NATO. Um die Frage des Anschließens an den Block erheben zu können, müsse die Ukraine eine Reihe von Reformen verwirklichen, davon ist der ukrainische Präsident überzeugt. „Gerade deshalb lenken wir so eine Aufmerksamkeit auf das Reformieren und Modernisieren ukrainischer Streitkräfte. Wir werden den Bereich des Schutzes, der Verteidigung entwickeln, und ihn bis auf das NATO-Niveau bringen“, - betonte er.
Die Zusammenarbeit der Ukraine mit der NATO betreffe nicht nur den Bereich der Verteidigung. Dem Präsidenten nach werde der Block die Ukraine in der Bekämpfung der Korruption, bei der Festlegung der Gesetzes- und Rechtsoberhochheit usw. unterstützen. Er hob auch hervor, die Lage in Donbass solle nicht zu dem Faktor werden, der zur Ursache der Verschiebung von Reformen sein wird. „In der nächsten Woche werden wir das Programm von Reformen vorlegen, das im Zusammenwirken mit der EU sowie mit der NATO erarbeitet worden war“, - betonte Poroschenko. ..." (Ukrinform, 5.9.14)

• NATO will ukrainischer Armee helfen
"Am ersten Tag des Nato-Gipfels in Wales hat das Bündnis der Ukraine Unterstützung bei der Modernisierung der Armee zugesichert. Bei aller Solidarität gehe es jedoch nicht um eine Mitgliedschaft Kiews in der NATO, betonte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Es gebe die Bereitschaft zu weiteren Sanktionen gegen Russland. Dennoch müssten die Gespräche mit Moskau weitergehen. “Wir wollen eine politische Lösung. Wir sind natürlich bereit, mit Russland darüber zu sprechen”, sagte Merkel. Man müsse Russland mit Entschlossenheit, aber auch mit Offenheit begegnen. “Diese Doppelstrategie ist aus meiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg.”
Die Kanzlerin hatte darauf bestanden, die Gründungsakte des NATO-Russland-Rates zu erfüllen. Östliche Mitgliedsstaaten forderten die Aufhebung des Vertrages. Er verbietet der NATO die dauerhafte Stationierung starker Kampfverbände in den östlichen Mitgliedsstaaten.
Das Bündnis will die Truppenpräsenz in den östlichen Staaten verstärken. Dem auf dem Gipfel ebenfalls anwesenden ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko zufolge haben einzelne Mitglieder Waffenlieferungen an Kiew in Aussicht gestellt. ..." (Euronews, 5.9.14)

• Lawrow: Washington unterstützt Kiewer Kriegstreiber
"Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat in einem Telefongespräch mit seinem französischen und deutschen Amtskollegen eine mögliche Waffenruhe in der Ukraine diskutiert. Diese könnte schon an diesem Freitag unterzeichnet werden.
Lawrow kritisierte derweil offen die USA. Er warf Washington vor, die Führung in Kiew zu einer harten Haltung gegenüber den moskautreuen Separatisten in der Ostukraine zu drängen.
Lawrow sagte: “Wir beobachten den Ausbruch einer anti-russischen Stimmung und das in einem Moment, in dem größte Bemühungen stattfinden, um eine politische Lösung zu finden. Das bedeutet, dass die Kriegspartei, die in Kiew sitzt, Unterstützung von außen erhält – in diesem Fall von den Vereinigten Staaten.” ..." (Euronews, 4.9.14)

• Lawrow und Steinmeier für Feuerpause in Ostukraine
"Die Außenminister Russlands und Deutschlands, Sergej Lawrow und Frank-Walter Steinmeier, haben in einem Telefonat die jüngsten Anstrengungen zur Erlangung einer Feuerpause in der Ukraine weitgehend unterstützt. Das teilte das russische Außenamt am Donnerstag nach der Unterredung beider Politiker mit.
Die Minister sprachen sich gegen den Einsatz schwerer Waffen und der Fliegerkräfte aus und verwiesen auf die Notwendigkeit, jegliche Handlungen zu unterbinden, die aufkeimende positive Tendenzen zugrunde richten könnten. ..." (RIA Novosti, 4.9.14)

• Weiter Kämpfe und Tote in der Ostukraine
"Trotz Plänen für eine Waffenruhe in der Ostukraine sind die Kämpfe zwischen ukrainischer Armee und prorussischen Separatisten weitergegangen. Ungeachtet der Friedensbemühungen starben in der Ostukraine erneut zahlreiche Menschen bei Kämpfen. Die Aufständischen berichteten von Gebietsgewinnen bei einer Offensive nahe der Separatistenhochburg Luhansk. Dabei wurden demnach mindestens 17 Regierungskämpfer getötet. Auch in Mariupol, Krematorsk und im Gebiet von Donezk wurde gekämpft. Das ukrainische Parlament beschloss in einer Sondersitzung die Bildung einer Untersuchungskommission zu den Kämpfen im Osten. Das Gremium soll insbesondere die Umstände aufklären, unter denen bei Gefechten nahe Ilowaisk fast 100 Soldaten ums Leben kamen. In dem Konflikt wurden seit April Schätzungen zufolge Tausende Menschen getötet. Der Sicherheitsrat in Kiew teilte mit, dass seitdem allein mehr als 830 ukrainische Soldaten ums Leben gekommen seien." (Euronews, 4.9.14)

• Vorläufiger Bericht zu MH17-Katastrophe soll am 9.9.14 vorgelegt werden
"Der vorläufige Bericht über die Ursachen des Absturzes einer malaysischen Boeing in der Ukraine wird am 9. September vorgelegt. Die Vorbereitung des endgültigen Berichts wird Monate in Anspruch nehmen, wie der niederländische Sicherheitsrat RIA Novosti mitteilte.
„Der Rat wird den vorläufigen Bericht zum Absturz der malaysischen Boeing, Flugnummer MH-17, am Dienstag, den 9. September, veröffentlichen. Der Bericht wird faktische Informationen beinhalten, die der Rat von Quellen erhalten hat. Die Ermittlung und die Vorbereitung des endgültigen Berichts werden noch Monate in Anspruch nehmen.
Der Sicherheitsrat rechnet damit, den endgültigen Bericht im Laufe eines Jahres nach der Katastrophe vorzulegen“, sagte die Sprecherin des niederländischen Sicherheitsrates, Sara Vernooij." (RIA Novosti, 4.9.14)
Das berichtet auch die malaysische Zeitung New Straits Times am 5.9.14, die sich auf die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS beruft.

• Mordphantasien eines Ex-CIA-Beamten gegen Putin und Lügen von US-Marionetten
"Herbert E. Meyer, der dem damaligen CIA-Direktor in einem bestimmten Zeitintervall der Regierung von Ronald Reagan als Assistent diente, hat einen Bericht verfasst, der zu einer Eliminierung von Russlands Staatspräsident Putin aufruft. „Und falls wir ihn mit den Füßen voran und einer Kugel in seinem Hinterkopf aus dem Kreml heraus schaffen müssen, so wäre dies für uns eine tragbare Angelegenheit“, wie es heißt.
Wie der verrückt gewordene Meyer illustriert, kennt der Wahnsinn, den Washington über die Welt gebracht hat, keine Grenzen mehr. Jose Manual Barroso, der durch Washington als platzhaltender Präsident der Europäischen Kommission installiert wurde, stellte sein neulich Im Vertrauen stattgefundenes Telefongespräch mit Wladimir Putin falsch dar, indem er den Medien steckte, dass Putin eine Drohung ausgesprochen habe: „Wenn ich will, kann ich Kiew in zwei Wochen einnehmen.”
Eine Drohung wäre nicht vereinbar mit Wladimir Putins gänzlich unprovokativer Haltung im Vergleich mit den strategischen Drohungen, die Washington und seine NATO-Marionetten gegenüber Russland im Fall Ukraine ausgesprochen haben. Russlands permanenter Vertreter bei der Europäischen Union, Vladimir Chizhov, erklärte, dass im Falle einer Aufrechterhaltung von Barrosos Lüge die Vollaufnahme dieser Konversation durch den Kreml öffentlich gemacht würde. ...
Die Lüge, die Washingtons Marionette Barroso in die Welt posaunte, war einer in diesem Amt weilenden Person nicht würdig. Doch wo in Europa findet sich in diesen Tagen eine Ernst zu nehmende Person an der Macht? Nirgends. Einige wenige dieser Ernst zu nehmenden Personen befinden sich alle nicht mehr an der Macht. Blicken wir nur auf NATO-Generalsekretär Anders Rasmussen.  Er war Premierminister von Dänemark, der erkannte, dass ihm die Chance gegeben war, über die Grenzen Dänemarks hinaus aufsteigen zu können, wenn er Washington als Marionette dienen würde.
Als dänischer Premierminister unterstützte er Washingtons illegale Invasion im Irak und gab damals wie folgt zum besten: „Wir wissen, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt.“ ...
Frage ist und bleibt jedoch, wen Frau Merkel eigentlich repräsentiert? Washington oder Deutschlands Bevölkerung? Bisher hat Frau Merkel Washington repräsentiert, nicht die deutschen Geschäftsinteressen, nicht die deutsche Bevölkerung und schon gar nicht Deutschlands eigene Landesinteressen. ..." (Paul Graig Roberts auf Cashkurs, 4.9.14)

• Kiew erwartet militärtechnische Hilfe der NATO
"Kiew erwartet keine direkte militärische Einmischung der Nato in den Konflikt im Osten der Ukraine, rechnet jedoch mit militärtechnischer  Hilfe der Allianz, sagte Igor Dolgow, der ukrainische Nato-Botschafter, in einem Interview für die online-Zeitung  „Europäische Wahrheit“. ...
„Eine direkte militärische Einbeziehung der Allianz in den Konflikt darf es in der gegebenen Etappe nicht geben. Das ist ausgeschlossen. Die Ukraine ist natürlich ein besonderer Partner. Aber sie ist nicht Nato-Mitglied. Darin liegt die Ursache der Einschränkungen der Allianz in ihren Handlungen“, sagte Dolgow.
Seinen Worten nach handelt es sich um den Erhalt militärtechnischer Hilfe für die Wiederherstellung der militärischen Infrastruktur in der Zone der Kampfhandlungen, die Schaffung von   abhörsicheren Kommunikationsmitteln, eine Verbesserung der Logistik und der rückwärtigen Sicherstellung. ..." (RIA Novosti, 4.9.14)

• Litauen bietet Ukraine militärische Hilfe an
"Litauen habe es vor, Kostenmittel in Rahmen des NATO-Fonds, der zwecks der Hilfeleistung für die ukrainischen Streitkräfte gegründet worden war, der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Das hat Jovita Nelyupshene, Beraterin der Präsidentin Litauens, erklärt, berichtet DELFI.
„Litauen hat es vor, finanzielle Hilfe per erwähnten NATO-Fonds zur Verfügung zu stellen. Wir rufen auch die anderen NATO-Mitgliedsländer dazu auf, die Ukraine zu unterstützen und zu fördern, so, wie sie nur können“, - kündigte Jovita Nelyupshene an. Ihren Worten nach unterstütze Litauen auch die Behandlung der Frage über die Leistung für die Ukraine der militärischen Hilfe. ..." (Ukrinform, 4.9.14)

• US-Geheimdienstveteranen: Keine Beweise für russische Invasion
Die Tageszeitung junge Welt hat am 4.9.14 den offenen Brief der ehemaligen hochrangigen US-Geheimdienst- und Sicherheitsmitarbeiter, der Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), an Angela Merkel vom 1.9.14 in Auszügen ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht:
"... Sie müssen beispielsweise wissen, daß die Vorwürfe einer großangelegten russischen »Invasion« in der Ukraine nicht durch zuverlässige nachrichtendienstliche Daten gestützt werden. Vielmehr scheinen die »nachrichtendienstlichen Daten« von der gleichen dubiosen, politisch »fixierten« Art zu sein wie jene vor zwölf Jahren, mit denen der von den USA angeführte Angriff gegen den Irak »gerechtfertigt« wurde. Wir konnten damals im Irak keine überzeugenden Beweise über Massenvernichtungswaffen finden; genausowenig können wir heute überzeugende Beweise für eine russische Invasion erkennen. Eingedenk der dürftigen Beweislage hat sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder vor zwölf Jahren geweigert, an dem Angriff gegen den Irak teilzunehmen. Unserer Meinung nach sollten Sie gegenüber den aktuellen Vorwürfen des US-Außenministeriums und der NATO-Offiziellen gleichermaßen mißtrauisch sein. ..."

• OSZE: Keine russischen Truppen beobachtet
Die OSZE-Beobachter an der russisch-ukrainischen Grenze haben in den letzten zwei Wochen keine russischen Truppen, Munitions- oder Waffenlieferungen beobachtet, berichtet die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS am 3.9.14. Die Agentur beruft sich auf den Bericht der OSZE-Sondermission zur Grenzbeobachtung vom 3.9.14. Es seien "junge Menschen" in Uniformen beim Grenzübertritt beobachtet worden, die aber keine Waffen bei sich trugen. Es seien auch keine Verletzungen des ukrainischen Luftraumes beobachtet worden.

• Noch keine NATO-Waffen für Ukraine
"Die Ukraine könne keine Waffen von den NATO-Mitgliedsländern erhalten. Das hat Ihor Dolgow, Leiter der Mission der Ukraine bei der NATO, in seinem Interview für die Ukrinform erklärt.
„Unsere Partner sind bis jetzt noch nicht bereit, die Waffen zur Verfügung zu stellen, die wir dringend und äußerst brauchen. Besonders handelt es sich um hochtechnologischen und präzisionsgelenkten Waffen und Munitionen. Wir können nicht andere Ressourcen und Reserven ausnutzen, über die die NATO verfügt, denn die Ukraine ist kein NATO-Mitglied“, - machte Dolgow die Lage klar." (Ukrinform, 3.9.14)

• Vier NATO-Kriegsschiffe im Schwarzen Meer
"Ins Wasserbecken des Schwarzen Meeres haben vier Kriegsschiffe der NATO – US-Zerstörer USS Ross (DDG-71), französische Korvette F797 „Commandant Birot“, kanadische Fregatte „Toronto“ und Fregatte Spaniens F107 „Almirante Juan de Borbon“ - bis zum 7. September einzulaufen. Das berichtet am Mittwoch ITAR-TASS-Agentur unter Berufung auf eine Infoquelle in militärdiplomatischen Kreisen.
„In das Schwarze Meer werden bis zum 7. September vier Kriegsschiffe der NATO – US-Zerstörer USS Ross (DDG-71), französische Korvette F797 „Commandant Birot“, kanadische Fregatte „Toronto“ und Fregatte Spaniens F107 „Almirante Juan de Borbon“ – einlaufen“, - heißt es im Bericht.
Der Infoquelle nach sollen schon heute die Kriegsschiffe „Ross“ und „Commandant Birot“ die Schwarzmeerengen passieren, die spanische und kanadische Fregatten sollen ins Wasserbecken des Schwarzen Meeres am 6. September einlaufen. ..." (Ukrinform, 3.9.14)

• Kreml: Putin und Poroschenko einig über Ausweg
"Russlands Präsident Wladimir Putin und der ukrainische Staatschef Pjotr Poroschenko haben bei einem Telefonat Schritte zur Beendigung der blutigen Kämpfe in der Ost-Ukraine besprochen. Ihre Standpunkte über mögliche Wege aus der andauernden Krise stimmten weitgehend überein, wie Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Mittwoch mitteilte.
Putin und Poroschenko besprachen die militärische und humanitäre Krise in der Ukraine und tauschten ihre Meinungen darüber aus, was in erster Linie zu tun sei, um das Blutvergießen im Südosten der Ukraine schnellstens zu beenden, so Peskow. „Die Standpunkte der beiden Präsidenten über mögliche Wege aus der schweren Krise stimmen weitgehend überein.“ ..." (RIA Novosti, 3.9.14)

• Krieg forderte bisher fast 2.600 Tote
"Ein Grab irgendwo zwischen Donezk und Mariupol. In aller Eile wurde hier ein Opfer des Konflikts in der Ostukraine begraben. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bei den Kämpfen seit April fast 2600 Menschen getötet worden.
Russland fordert die USA auf, ihren Einfluss auf Kiew geltend zu machen, um eine politische Lösung herbeizuführen. Doch die ist nicht in Sicht.
Serhiy Taruta, Gouverneur der Region Donezk, spricht vielmehr von einer direkten Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland: “Wenn es eine komplette Militärinvasion gibt, ist das ein Krieg – ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland”, meint Taruta. “Und es wäre nicht von vornherein klar, dass Russland gewinnt, denn es gäbe dann Untergrundkämpfer und jede Menge Menschen, die ihre Heimat mit Waffen in der Hand verteidigen würden. Aus meiner Sicht ist dieser Weg für Russland hoffnungslos. Und die Ukraine braucht diesen Weg auch nicht”, sagt Taruta weiter.
Mit einer deutschen Militärmaschine wurden 20 verwundete ukrainische Soldaten von Kiew nach Berlin ausgeflogen, sie sollen in Bundeswehrkrankenhäusern in vier deutschen Städten behandelt werden. Die Soldaten waren bei Gefechten mit den Seperatisten in der Ostukraine verletzt worden." (Euronews, 3.9.14)

• Kreml will Putins Originaläußerung gegenüber Barroso veröffentlichen
"Der russische Präsidialstab hat sich bereit erklärt, die Aufzeichnung des umstrittenen Telefongesprächs zwischen Präsident Wladimir Putin und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso publik zu machen. „Es kommt darauf an, alle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Schreiben von Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow an Barroso.
Zuvor hatte Putins Berater Juri Uschakow mitgeteilt, dass das von Barroso veröffentlichte „Zitat“ Putins, wonach Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew binnen zwei Wochen einnehmen könnte, aus dem Kontext gerissen worden war. „Ich weiß, dass die Administration des russischen Präsidenten sowohl eine schriftliche als auch eine Audioaufzeichnung des Gesprächs hat. Sollten Sie (Barroso) keine Einwände haben, würde der Kreml die Aufzeichnung des Telefonats in den nächsten zwei Tagen zur Verfügung stellen“, betonte Tschischow. Der Botschafter bezeichnete die Veröffentlichung vertraulicher Gespräche auf derart hoher Ebene als einen Verstoß gegen diplomatische Gepflogenheiten.
Die italienische Zeitung „La Repubblica“ hatte am Vortag berichtet, Barroso habe die Teilnehmer eines EU-Gipfels über sein jüngstes Gespräch mit Putin informiert. „Als ich nach (russischen) Militärs in der Ukraine gefragt hatte, ging der russische Führer zu Drohungen über“, wurde Barroso vom Blatt zitiert. „Das Problem besteht nicht darin… Ich könnte Kiew binnen zwei Wochen einnehmen“, soll Putin laut Barroso gesagt haben. ..." (RIA Novosti, 2.9.14)

• IWF: Kiew braucht zusätzliche 19 Milliarden Dollar, wenn Krieg 2015 weiter geht
"Die Behörden der Ukraine würden zusätzlich rund 19 Milliarden US-Dollar brauchen, sollten die Kämpfe im Osten des Landes auch 2015 fortgesetzt werden. Zu diesem Schluss gelangten Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters.
Eine nächste Tranche der bereits früher abgesprochenen Finanzhilfe des IWF in Höhe von rund 2,7 Milliarden Dollar werde Mitte Dezember 2014 an Kiew überwiesen. Insgesamt habe der Fonds 18 Milliarden Dollar für die Stabilisierung des ukrainischen Etats angesichts der politischen und ökonomischen Krise bewilligt, hieß es. Als Bedingung für den Erhalt des Geldes soll Kiew sein Reformprogramm auf Forderung des IWF hin umgehend realisieren." (RIA Novosti, 2.9.14)

• Lawrow: Nur USA kann Kiew zu Kriegsstopp bewegen
"Vor dem Hintergrund der andauernden Kämpfe am Donezbecken hat Russlands Außenminister Sergej Lawrow die USA aufgerufen, die Führung in Kiew zu einer friedlichen Lösung zu bewegen.
„Es ist jetzt die Hauptaufgabe, die Partei des Krieges in Kiew zur Räson zu bringen. Nur die USA sind dazu in der Lage“, sagte Lawrow am Dienstag in Moskau. Nach seinen Angaben hat Washington „direkten Einfluss“ auf die ukrainischen Militär- und Sicherheitschefs. Die Vereinigten Staaten sollten ihren Einfluss nutzen, um Signale an Kiew zu senden und es zu einer politischen Lösung zu veranlassen. ..." (RIA Novosti, 2.9.14)

• Ukrainische Armee soll NATO-kompatibel werden
"Die Ukraine arbeite an der Verstärkung der Kompatibilität ukrainischer Streitkräfte mit den NATO-Streitkräften. Das hat ukrainischer Außenminister Pawlo Klimkin bei der am Dienstag in Kiew veranstalteten Pressekonferenz erklärt, berichtet der Ukrinform-Korrespondent.
„Wir arbeiten an einer qualitativen Steigerung der Kompatibilität unserer Streitkräfte mit den NATO-Streitkräften. Wir arbeiten an der Verstärkung des militärtechnischen Bestandteiles“, kündigte Pawlo Klimkin an. Dazu noch, so Pawlo Klimkin, leiste die Ukraine intensive Beratungen mit „Freunden und Partnern“ über Zusammenarbeit im Militärbereich, insbesondere bezüglich der Erhaltung durch die Ukraine von nichttödlichen Waffen von den EU-Mitgliedsländern." (Ukrinform, 2.9.14)

• Wimmer: Nazitruppen an russischer Grenze - Westen will bedingungslose Kapitulation Russlands
"Die Meldungen über die Lage in der Ostukraine überschlagen sich. Die Dämonisierung des russischen Präsidenten Putin hat das Stadium der Hysterie längst hinter sich gelassen. Dem seit Jahren zielgerichteten Verhalten des gesamten Westens, die Ukraine aus ihrer Rolle nach Ende des Kalten Krieges herauszureißen, entspricht die Medienwalze, die den ganzen Tag lang trommelt. Der Konflikt muss her und wenn er noch so sehr an Berthold Brecht und seinen kaukasischen Kreidekreis erinnert.
Nichts aus der Geschichte gelernt
Die Ukraine als das Balg, das notfalls zerrissen werden muss. Wer sich der Nazi-Kampfgruppen in der ukrainischen Nationalgarde bedient, um gegen russisch-sprachige Menschen in der Ostukraine vorzugehen, der hat nicht nur mit Blick auf die zeitliche Nähe des Jahrestags, an dem des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges gedacht wurde, nichts aus der Geschichte gelernt.
Es stimmt doch, dass die damalige Sowjetunion einen fürchterlichen Blutzoll nach dem Angriff Hitlers auf dieses Land und seine Bevölkerung hat zahlen müssen. Und jetzt rüstet der Westen die Nachfolger dieser Kräfte in jeder Beziehung auf, um diese Schreckensbilder wieder gegen Russen mit Leben zu erfüllen? Sind die westlichen Staats- und Regierungschefs derart von allen guten Geistern verlassen, dafür nicht das geringste Empfinden an den Tag zu legen?
Können wir im Westen unseres gemeinsamen Kontinents ruhig schlafen, wenn wir wissen, dass diese in die regulären ukrainischen Streitkräfte eingebetteten Nazi-Truppen wieder an der russischen Grenze stehen? Und hat bei uns jemand Verständnis für den NATO-Generalsekretär, der den Kreml dazu auffordert, seine Truppen von der russisch-ukrainischen Grenze abzuziehen? Jeder Staat, dessen Führung nicht von allen guten Geistern verlassen ist, würde seine Grenze hautnah schützen, wenn der Ungeist der Vergangenheit einen erneuten Vorstoß vorbereitet. ...
Russland soll die Erfahrung machen, was es heißt, der Forderung nach einer „bedingungslosen Kapitulation“ ausgesetzt zu sein.
Russland, so die Planer in Washington, wird anbieten können, was es will. Moskau selbst sowie die Auslieferung Russlands und seiner Bodenschätze werden der Preis sein. Die ehemalige US-Außenministerin Albright hatte es schon vor Jahren gesagt. Russland darf wegen seiner Bodenschätze nicht den Russen zur alleinigen Verfügung stehen. Daran hat sich nichts geändert in den Jahren seither.
Muss Washington irgendwelche Folgen fürchten?
Der Fall Chodorkowski und die beabsichtigte Auslieferung wesentlicher Teile der russischen Erdöl- und Erdgasvorräte an die Wallstreet hat das deutlich gemacht. Es ist schon fast putzig, mit ansehen zu müssen, wie in internationalen Foren – und vor dem Deutschen Bundestag die deutsche Bundeskanzlerin – jeden unbewiesenen Vorwurf an die Adresse von Präsident Putin aufgreift, um sich daran zornig abarbeiten zu können.
Vermutlich deshalb, weil sie noch rechtzeitig vor der anstehenden Eskalation nicht als diejenige dastehen will, die den russischen Präsidenten nicht für das hält, was Hillary Clinton aus Präsident Putin machen wollte. Eines muss man allerdings den Führungszirkeln in den USA lassen. Seit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien waten ihre Spitzen in Blut, folgenlos, der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag gilt für sie nicht. ..." (Willy Wimmer auf Cashkurs, 2.9.14)

• Deutliche Verluste für Kiewer Truppen
"In der Ukraine muss die Armee im Kampf gegen die Separatisten im Osten des Landes weitere Verluste einstecken. Bei Donezk und um Luhansk zogen sich die Regierungstruppen an mehreren Orten zurück. Die Bevölkerung suchte in Kellern Schutz vor den anhaltenden Gefechten.
In einem Krankenhaus der Stadt Mariupol erklärte ein verletzter ukrainischer Soldat, es seien Russen gewesen, er habe es mit eigenen Augen gesehen. Sie hätten von der russischen Grenze aus geschossen.
Der Verteidigungsminister in Kiew hatte schon zuvor erklärt, sein Land befinde sich in einem großen Krieg gegen Russland, wie es seit dem Zweiten Weltkrieg keinen gegeben habe.
Auf einem Video der ukrainischen Armee sind auch brennende Schiffe der Küstenwache vor Mariupol zu sehen, die von Raketen getroffen und danach gesunken seien. ..." (Euronews, 2.9.14)

• Merkel: Russland führt Krieg gegen Ukraine
"Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Russland vorgeworfen, im Ukraine-Konflikt gewaltsam die Grenzen verändern zu wollen. Inzwischen sei es klar, dass es sich um einen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine handle und nicht um eine innerukrainische Auseinandersetzung, sagte Merkel am Montag in einer Regierungserklärung im Bundestag. "Russland unternimmt den Versuch, bestehende Grenzen unter Androhung oder sogar unter Einsatz von Gewalt zu verschieben", sagte Merkel. Mit diesem Vorgehen verletze Russland die Grundfesten der europäischen Nachkriegsordnung. Dieser Bruch des Völkerrechts könne nicht folgenlos bleiben, daher prüfe die EU weitere Sanktionen gegen Russland. ..." (Reuters, 1.9.14)

• Soldatenaustausch zwischen Russland und Ukraine
"Russland und die Ukraine haben Soldaten ausgetauscht, die nach einem Grenzüberschritt im jeweils anderen Land festgehalten wurden. Neun der zehn russischen Fallschirmjäger, die am Beginn der Woche in der Ukraine verhaftet wurden, konnten am Samstagabend wieder in ihre Heimat zurückkehren. Ein weiterer verletzter Soldat ist bereits seit Tagen wieder in Russland.
Es sei unakzeptabel, dass der Austausch so lange habe auf sich warten lassen, so der russische Generalmajor Aleksej Ragosin: “Die Verhandlungen waren schwierig, aber der gesunde Menschenverstand hat gesiegt. Das Wichtigste ist, dass unsere Männer wieder hier sind. Wir lassen unsere Soldaten nie im Stich. Wir haben alle nötigen Schritte unternommen, damit die Verhandlungen für die Rückgabe unserer Soldaten beginnen können.”
Die ukrainischen Soldaten haben die Grenze Sonntagnacht überschritten. Bei ihnen handele es sich Ragosin zufolge um 63 Männer, die am Mittwoch vor den Rebellen in der Ostukraine geflohen seien. Die heimgekehrten russischen Soldaten seien aus Versehen in die Ukraine gekommen, so Moskau. Kiew wertet den Grenzübertritt als Beweis für eine russische Unterstützung der Rebellen." (Euronews, 31.8.14)

• NATO plant fünf neue Stützpunkte in Osteuropa
"Russland ist eine "Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit" - so sehen es die 28 Nato-Mitgliedsstaaten in einem als geheim eingestuften Aktionsplan. Um Präsenz an der Ostgrenze des Verteidigungsbündnisses zu zeigen, plant die Nato in den drei baltischen Staaten sowie Polen und Rumänien den Aufbau von fünf neuen Stützpunkten - doch damit nicht genug.
Die Stützpunkte sollten jeweils 300 bis 600 dauerhaft stationierte Soldaten aus den Mitgliedstaaten aufnehmen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf einen hohen Beamten der Allianz. Auch die Bundeswehr soll an den Kampftruppen beteiligt werden.
An den neuen Standorten könnten Logistiker, Aufklärer und Einsatzplaner Übungen vorbereiten. Eine schnelle Eingreiftruppe in der Stärke von ungefähr 4.000 Mann soll im Ernstfall auch Einsätze in den Ländern führen.
Die Details des sogenannten "Readiness Action Plan" sollen nach dem Nato-Gipfel am 4. und 5. September in Wales ausgearbeitet werden.
Osteuropäische Mitgliedsländer dringen seit Längerem auf eine stärkere Bündnis-Präsenz in ihrer Region. Erst gestern hatte Polens Präsident Bronisław Komorowski im Deutschlandradio Kultur eine Stationierung von Einheiten des atlantischen Bündnisses in Polen gefordert. ..." (Deutschlandfunk, 31.8.14)

• Gemeinsame Konsultation zwischen Ukraine und Russland zu Grenze
"Die Leiter der Grenzdienste der Ukraine und Russlands führen am Samstag Konsultationen zur Lage an der ukrainisch-russischen Grenze durch. Das teilte der Sprecher des Rates für nationale Sicherheit der Ukraine, Andrej Lyssenko, in Kiew mit.
„Die Konsultationen finden im Auftrag des ukrainischen Präsidenten (Pjotr Poroschenko) statt. Erörtert werden unter anderem Fragen, die die Wiederherstellung von Kontrolle an der Grenze betreffen. Das Ziel besteht darin, ein Einschleusen von Waffen und Kampftechnik über die Grenze zu verhindern“, hieß es in Kiew." (RIA Novosti, 30.8.14)

• Ukrainische Regierung strebt NATO-Beitritt und EU-Mitgliedschaft an
"Dass die Ukraine ein neutrales Land ist, ist nicht in Stein gemeißelt: Erst seit 2010 verbietet ein Gesetz jeden Beitritt zu einem Militärbündnis. Trotzdem tut die Regierung einen gewagten Schritt, wenn sie das Bündnisverbot nun wieder abschaffen will, mitten im Konflikt mit Russland um die Ostukraine.
Bisher war sogar der Staatspräsident dagegen, unter Verweis auf die Stimmung im Volk – allerdings vor dem jetzigen Konflikt. Trotz allem Eifer wird es aber auf absehbare Zeit keinen ukrainischen NATO-Beitritt geben. Das Bündnis ist damit vorsichtig; daher auch die zurückhaltende Reaktion jetzt aus Brüssel. Dazu kommt, dass das Parlament in Kiew schon lange vor dem Umsturz in der Ukraine gewählt worden ist. Der Gesetzentwurf hat dort nur wenig Chancen." (Euronews, 29.8.14)
"Regierung bringt im Parlament ein Gesetzentwurf über Abschaffung des blockfreien Status der Ukraine und Wiederaufnahe des Kurses auf die Nato-Mitgliedschaft ein. Das erklärte Ministerpräsident der Ukraine Arseni Jazenjuk bei einer Regierungssitzung in Kiew. Gemäß diesem Gesetz ist die EU-Mitgliedschaft das einzige Hauptziel der ukrainischen Außenpolitik, sagte Jazenjuk. Dieses Gesetz verbiete dem ukrainischen Staat Mitgliedschaft in allen anderen wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Bündnissen, die mit dem Hauptziel im Widerspruch stehen.
„Nach der Annahme dieses Gesetzes wird die Mitgliedschaft der Ukraine sowohl in der Zollunion als auch in der Eurasischen und in den anderen so genannten Unionen, die nichts anderes sind, als die Sowjetunion der Russischen Föderation, verboten werden“, betonte der Premier. Jazenjuk forderte vom Präsidenten und dem Parlament eine sofortige Verabschiedung dieses Gesetzes." (Ukrinform, 29.8.14)

• Aufständische bestätigen russische Freiwillige
"Auch nach dem Gipfel in Minsk gehen die Kämpfe in der Ostukraine weiter. Ein Durchbruch blieb bei dem Krisentreffen aus. Die Ukraine befürchtet die Invasion der Hafenstadt Mariupol und spricht von der Schaffung einer “zweiten Front”. In den Separatistenhochburgen Luhansk und Donezk berichteten die Aufständischen von Luftangriffen der ukrainischen Armee.
Der Premierminister der selbst ernannten Volksrepublik Donezk, Aleksandr Zakharchenko: “Wir haben nie versucht zu verheimlichen, dass wir viele russische Staatsbürger in unseren Reihen haben, ohne die wir die Kämpfe nur schwerlich hätten fortsetzen können. Es waren zwischen 3000-4000. Viele von ihnen sind immer noch hier. Unter ihnen sind auch viele russische Soldaten, die in ihrem Urlaub lieber für den Frieden kämpfen als am Strand zu liegen.”
Nach neusten Berichten starben 11 Zivilisten bei Bombenangriffen in Donezk. 22 Weitere sollen in den letzten 24 Stunden nach Angaben des Stadtrates verletzt worden sein. In Kiew protestierten Hunderte für eine Verstärkung der ukrainischen Truppen im umkämpften Osten." (Euronews, 28.8.14)

Donnerstag, 4. September 2014

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 62

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (wird im Rahmen der Möglichkeiten laufend aktualisiert)

• Bremst Bundesregierung Kriegstreiber in der NATO?
"... Nach Informationen der "Welt" streitet die deutsche Bundesregierung mit den baltischen Staaten und Polen darüber, wie stark oder ob das Bündnis überhaupt zu einst gemachten Zusagen an Moskau stehen soll. Kernpunkt der Auseinandersetzung, die beim letzten Zusammentreffen der Nato-Botschafter am Dienstag in Brüssel nicht beigelegt werden konnte, ist die 1997 verfasste Nato-Russland-Grundakte. Berlin bestand lange Zeit darauf, dass im Schlusskommunique des Gipfels ein Passus zu finden sein müsse, dass die aus der Ukraine-Krise erwachsenen militärischen "Anpassungsmaßnahmen im Einklang mit der Nato-Russland-Akte stehen".
Noch am Mittwoch unterstrich Regierungssprecher Steffen Seibert, dass Deutschland nicht an der Akte rütteln wolle. Man stehe zu der Vereinbarung, trotz mancher Enttäuschung über die russische Politik in den vergangenen Wochen. Dahinter steht der Gedanke: Putin mag Verträge brechen, wir tun das nicht. Vor allem will die Bundesregierung dem Russen keinen weiteren Vorwand liefern, die Lage in der Ukraine weiter zu eskalieren.
Doch Berlins Emissäre treffen auf harten Widerstand. Polens Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak sagte dieser Zeitung, dass "die Akte die Nato nicht darin beschränken soll, in Osteuropa zu handeln. Die Verbündeten müssen das machen, was sie für richtig halten." Die Akte immer wieder hervorzurufen sei kontraproduktiv. Auch Estlands Präsident Toomas Hendrik Ilves stellte die Gültigkeit des Vertrages wegen der russischen Militärintervention in der Ostukraine offen infrage. "Wenn eine Vereinbarung in bestimmen Teilen nicht mehr gilt, ist es an der Zeit, etwas zu ändern", sagte er am Mittwoch nach einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama in Tallinn. Russland habe die Bestimmungen der Vereinbarung verletzt und eine "unvorhersehbare und neue Sicherheitsumgebung" geschaffen.
Zunächst hatten die Osteuropäer offenbar sogar gefordert, die Vereinbarung ganz aufzukündigen. Das Papier sichert Moskau unter anderem zu, dass keine größere und vor allem keine dauerhafte Truppenpräsenz in den ehemaligen Ostblockstaaten eingerichtet wird. Genau das aber wünscht man sich dort. Beobachter sehen die Konfrontation als Zeichen dafür, dass sich die Osteuropäer und allen voran Polen nicht mehr als Nato-Mitglieder zweiter Klasse abfertigen lassen wollen. In den Ländern herrscht der Eindruck, dass Deutschland noch immer seiner althergebrachten Entspannungspolitik anhängt, während vor allem in den baltischen Staaten mit ihrer großen russischen Minderheit die Angst umgeht, dass Putin seine Krim-Strategie auch im Westen Russlands testen könnte. Vor allem Polen tritt mit Selbstbewusstsein auf, zumal Noch-Premier Donald Tusk demnächst das Amt des EU-Ratspräsidenten übernimmt. ..." (Die Welt online, 4.9.14)

• Kiew will Mauer an Grenze zu Russland
"Die ukrainische Regierung plant entlang der rund 2000 Kilometer langen Staatsgrenze zu Russland angeblich den Bau einer Mauer. „Wir wollen einen echten Schutz“, sagte Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk am Mittwoch in Kiew. Denkbar sei auch ein Elektrozaun mit Minen und Stacheldraht.
Das Projekt soll etwa 100 Millionen Euro kosten. In ihrem Kampf gegen prorussische Separatisten hat die Regierung in Kiew derzeit die Kontrolle über einen Teil der Grenze in der Ostukraine verloren. Die prowestliche Führung wirft Moskau vor, hier Nachschub für die Aufständischen einzuschleusen.
Vor dem Hintergrund des Konflikts sprach sich Jazenjuk auch dafür aus, Russland in der Militärdoktrin der Ukraine als Aggressor zu bezeichnen. „Es ist das einzige Land, das unsere territoriale Integrität bedroht“, meinte er. Die Ukraine erwarte vom Nato-Gipfel in Wales diese Woche deutlichen Beistand. „Unser Ziel ist ein Sonderstatus in den Beziehungen zur Nato“, sagte Jazenjuk. ..." (FAZ online, 3.9.14)

• Russischer Sieben-Punkte-Plan für die Ostukraine
"Der russische Präsident Putin hat am Mittwoch einen Plan für eine Waffenruhe im Donbass vorgelegt, den er laut der Agentur Interfax auf dem Flug zu einem Besuch in der Mongolei zu Papier gebracht hatte. Die sieben Punkte des Plans umfassen eine Einstellung militärischer Aktionen in den Regionen Donezk und Luhansk sowohl seitens der ukrainischen Sicherheitskräfte wie der separatistischen Milizen, den Rückzug ukrainischer Artillerie in Gebiete, aus denen Städte und Siedlungen nicht erreicht werden können, sodann einen umfassenden Gefangenenaustausch, internationale Überwachung der Waffenruhe und die Einrichtung humanitärer Korridore, um die Versorgung der Zivilbevölkerung und die Reparatur von Infrastruktur zu ermöglichen.
Putin hatte bereits in der Nacht auf Mittwoch mit dem ukrainischen Präsidenten Poroschenko ein Gespräch geführt, zu dem verlautete, man habe über die Schritte, die zu einer Waffenruhe hinführen sollten, weitgehende Einigkeit erzielt. Von Medien wurde dies zunächst so interpretiert, dass zwischen Poroschenko und Putin im Prinzip eine Feuerpause vereinbart worden sei. Dem widersprach jedoch umgehend Putins Pressechef Peskow. Er sagte, dass Russland nicht direkt einen Waffenstillstand vereinbaren könne, weil es an dem Konflikt im Donbass gar nicht beteiligt sei.
Obama, der auf dem Weg zum Nato-Gipfel in Wales am Mittwoch in Estland Station machte, sprach hingegen explizit von einer russischen Aggression gegen die Ukraine und sagte, eine Friedenslösung könne nur tragfähig sein, wenn Russland aufhöre, vorzugeben, mit dem Konflikt nichts zu tun zu haben.
Auf eine reservierte Reaktion stiess Putins Initiative auch bei den Donezker Separatisten. Wladimir Antjufejew, ein «Vizeministerpräsident» der selbsterklärten «Volksrepublik Donezk» (DNR), bezeichnete laut Reuters das Telefongespräch Putins mit Poroschenko als «Provokation». Russland habe mit den Angelegenheiten des Donbass nichts zu tun. Ein Waffenstillstand sei zwar gut, doch die Hauptforderung der DNR bestehe in einem vollständigen Rückzug der ukrainischen Sicherheitskräfte von ihrem Gebiet. ..." (Neue Zürcher Zeitung online, 3.9.14)

• Aufständische angeblich auf dem Vormarsch
"Vertreter der Ukraine, Rußlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie Abgesandte der ostukrainischen Widerstandsbewegung sind am Montag in Minsk zu einer Sitzung der sogenannten Kontaktgruppe zusammengekommen. Wie der russische Fernsehsender RT berichtete, haben die Repräsentanten der international nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk dabei ihre Bereitschaft erklärt, im Staatsverband der Ukraine zu verbleiben, wenn der Region Autonomierechte verliehen würden. Am Vortag waren Sprecher der Rebellen noch mit der Aussage aufgetreten, sie könnten sich einen gemeinsamen Staat »mit den Faschisten in Kiew« nicht mehr vorstellen.
Die ukrainische Regierung bestätigte am Montag, daß ihre Truppen die Kontrolle über den Flughafen von Lugansk verloren hätten. Dort sei ein »russisches Panzerbataillon« im Einsatz, so Sprecher des Regimes. Auch der Airport von Donezk war weiter umkämpft. Zudem erklärten die Aufständischen, mehrere Ortschaften eingenommen zu haben sowie alle Zufahrtswege nach Mariupol zu kontrollieren.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies den Vorwurf einer Militärintervention seines Landes in der Ukraine erneut zurück. »Es wird keine militärische Einmischung geben. Wir treten ausschließlich für eine friedliche Lösung dieser schwersten Krise ein, dieser Tragödie«, sagte er der Agentur Interfax zufolge vor Studenten in Moskau. Zugleich kritisierte Lawrow die vorbehaltlose Unterstützung des Westens für die Führung in Kiew. Es sei Aufgabe der EU und der USA, das zu fordern, was sie in anderen Konflikten predigten, nämlich damit aufzuhören, »schwere Waffentechnik und die Luftwaffe gegen zivile Objekte und gegen friedliche Menschen einzusetzen«. ..." (junge Welt, 2.9.14)

• Kiew will Daten zu MH17-Katastrophe nicht veröffentlichen 
Der Sender Stimme Russlands hat am 2.9.14 ein Interview mit dem japanischen Journalisten Kazuo Kobayashi zur MH-17-Katastrophe in der Ostukraine veröffentlicht:
"Was stört Sie an Washingtons und Kiews Haltung?Besonders seltsam wirkt die Tatsache, dass die USA und die ukrainische Regierung keine Hinweise publik machen, um auf die von Russland geäußerten Zweifel zu reagieren. Das ist sonderbar. Wenn die USA behaupten, dass das Flugzeug durch eine russische Buk-Rakete abgeschossen worden sei bzw. durch die Aufständischen, denen Russland Rückendeckung gebe, so wäre es für Washington und Kiew nicht schlecht, diese Vermutungen nachzuweisen. Doch das Problem besteht aus meiner Sicht darin, dass die ukrainische Regierung die Angaben zum Boeing-Absturz nicht veröffentlichen will, obwohl sie darüber umfassend verfügt. Das ist zwar nur meine persönliche Meinung, vielleicht befürchtet die Ukraine jedoch, dass sich alle Versuche, Russland für die Katastrophe verantwortlich zu machen, im Fall der Veröffentlichung als haltlos erweisen. Sollte man vielleicht der Ukraine die Schuld geben? Natürlich habe ich keine Schuldbeweise gegen die Ukraine, trotzdem finde ich die Sache sehr seltsam.
Warum schweigen jetzt all die Länder, die Russland nach dem Absturz verantwortlich gemacht haben?Weil sie keine Nachweise für Russlands Schuld geliefert haben. Hätten sie über diese Schuldbeweise verfügt, so hätten sie die Angaben veröffentlicht – sowohl in Bezug auf die Boeing, als auch in Bezug auf jenen Suchoi-Kampfjet, der nahe des malaysischen Passagierjets bemerkt worden war.
Wie geht es nun weiter? Wie ist Ihre Prognose?
Das weiß ich nicht. Falls die den USA und der Ukraine vorliegenden Daten nachweisen, dass die Boeing nicht von einer prorussischen Gruppe abgeschossen wurde, wird das auch die Grundlage für die Vorwürfe und Sanktionen gegen Russland ruinieren. Die USA und die Ukraine wollen das offenbar vermeiden, so ist mein Eindruck. Sie sind nicht daran interessiert, Daten zu veröffentlichen, die den bisherigen Behauptungen und Entscheidungen der USA und der Ukraine widersprechen würden. Deshalb sollte Russland die internationale Öffentlichkeit möglichst ausführlich über diesen Fall informieren."

• Spuren unsichtbarer Armeen
Die französische Tageszeitung Le Monde veröffentlichte am 2.9.14 einen Reportage aus Mariupol unter dem Titel "Dans le sud-est de l'Ukraine, sur la piste de la fantomatique armée russe" ("In Süd-Osten der Ukraine, auf den Spuren der geisterhaften russischen Armee"). Der Beitrag ist online leider nicht frei verfügbar, aber das dazu gestellte passende Bild einer leeren Straße mit einem bewaffneten Aufständischen in der Mitte ist zu sehen. In dem Text werden Anwohnerinnen der ukrainisch-russischen Grenze bei Novoazovsk zitiert, die russische Panzer über die Grenze kommend gesehen haben wollen. In der Nähe der Stadt findet der Korrespondent Benoît Vitkine einen Trupp Aufständischer mit Panzern des Typs T-72. Diese stammten aus einem Lager der ukrainischen Armee bei Lugansk, erklärt einer der Kommandeure der Aufständischen. Die Russen unter den Kämpfern seien Freiwillige. Aber auch die ukrainische Armee sei kaum zu sehen und "fast unsichtbar", wird aus Mariupol berichtet. Sie habe das Terrain den Freiwilligenbataillonen wie dem "Azov"-Bataillon überlassen, in dem zahlreiche Europäer kämpften. Zumindest seien in einem Waldstück Spuren eines Feldcamps der ukrainischen Truppen gefunden worden: Rationen der US-Armee, die Washington der ukrainischen Armee liefert.

• Die Lügen der westlichen Politik und Medien
"Wenn Sie sich wundern, wie die Welt in den Dritten Weltkrieg stolpern könnte - genauso wie sie es in den Ersten Weltkrieg vor einem Jahrundert tat - , dann brauchen Sie nur einen Blick auf den Irrsinn, der bei der Ukraine praktisch die gesamte US-Politik- und Medienstrukturen eingeschlossen hat, wo die falsche Erzählung von weißen Hüten gegen schwarze Hüte frühzeitig aufkam und sie undurchlässig machte für Fakten und Vernunft." Das schreibt der US-Journalist Robert Parry in einem Beitrag auf seiner Website consortiumnews.com am 2.9.14. Die Grundlüge des "Gruppendenkens" des offiziellen Washington sei, "dass der russische Präsident Wladimir Putin die Krise in der Ukraine auslöste als Teil eines teuflischen Plan, um das Gebiet der untergegangenen Sowjetunion, darunter Estland und anderen baltischen Staaten zurückzufordern". Währned die US-Geheimdienste dieses Szenario nicht bestätigen, glauben laut Parry die "smart people" um so mehr daran. Auch er erinnert daran, dass die Krise im letzten Jahr provoziert wurde, als die EU ein Assoziierungsabkommen mit der Ukraine vorschlug während die US-Neocons und andere Falken unter Politikern und Experten vorschlugen, den "Ukraine-Schachzug" zu nutzen, um Putin in Russland zu untergraben. Diesen Plan habe u.a. David Gershman, Präsident der auf Regimechange spezialisierten und vom US-Kongress finanzierten Organisation National Endowment for Democracy (NED) bereits am 26.9.13 in der Washington Post beschrieben. Gershman schrieb darin von der Ukraine als "größtem Preis" und einem wichtigen Zwischenschritt, um Putin in Russland zu stürzen. Das zeige, so Parry, dass von Anfang Putin das Ziel der US-Politik der Ukraine-Initiative war und nicht deren Anstifter. Wer glaube, dass der russische Präsident der Drahtzieher der Krise sei, folge einer "bizarren Verschwörungstheorie" und müsse auch glauben, dass Putin das EU-Assoziierungsabkommen angeordnet habe, dann den IWF dazu brachte, von der Ukraine drakonische "Reformen" einzufordern, dass Wiktor Janukowitsch das westliche Angebot ablehnte. Dann müsse Putin auch für die Maidan-Proteste gegen Janukowitsch verantwortlich sein, während Neonazi-Milizen den Staatsstreich gegen den gewählten Präsidenten vorbereiteten, der dann durch ein Regime aus extrem rechten ukrainischen Nationalisten und von den USA favorisierten Technokraten ersetzt wurde. Als nächstes müsse Putin die neue Regierung zu Provokationen gegen die ethnischen Russen im Osten angestiftet haben. "Während ein solches fantasievolles Szenario die extremsten Verschwörungstheoretiker erröten ließe", so Parry, "wurde diese Erzählung von prominenten US-Politiker, darunter Ex-Außenministerin Hillary Clinton, und "Journalisten" von der New York Times bis zu CNN bereitwillig übernommen. Alle waren sich einig, dass Putin ein Irrer auf einer Mission der hemmungslosen Aggression gegen seine Nachbarn ist mit dem Ziel der Wiederherstellung des Russischen Reiches. Clinton verglich ihn sogar mit Adolf Hitler." Das Muster dieser grundlegende Falscherzählung sei dann durch die US-Berichte über die Krise weiter gestrickt worden. Dieser Irrsinn sei durch einen Beitrag der Washington Post am 1.9.14 über Putins angebliche "große Lüge" auf die Spitze getrieben worden, stellt Parry fest. Danach würden die Russen von ihrem Präsidenten mittels Propaganda über die Ukraine und mehr "im Dunkeln" gehalten. Die staatlich kontrollierten Medien in Russland würden über die Ereignisse bei den Nachbarn im Westen falsch informieren, behauptete die Washington Post. Parry widerspricht und schreibt, dass "die Verzerrungen der US-Mainstreammedien über die Ukraine-Krise etwas sind, wovon die realen Totaliräen nur träumen können." Er bringt dafür verschiedene Beispiele wie die Rolle der Neonazis beim Staatstreich im Februar in Kiew, welche z.B. für die Washington Post nur russische Phantasie seien. Noch beunruhigender sei, dass die Tötung tausender Zivilisten durch die Kiewer Truppen von den Medien und der US-Politik ignoriert würde. Auch die angebliche aktuelle russische "Invasion" mit Panzern, Artillerie und Lkw-Konvois gehöre dazu, so Parry, die von Geheimdienstquellen nicht belegt würde. Die angeblichen "Beweise" für eine "Invasion" taugten als solche "praktisch nichts", habe ihm ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter versichert. Der US-Journalist macht auch auf den offenen Brief von US-Geheimdienstveteranen, der Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS), an Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 1.9.14 aufmerksam. Darin heißt es u.a., dass die Behauptungen und Belege für eine "russischen Invasion" genauso dubios seien wie jene, mit denen vor etwa zwölf Jahren der Überfall auf den Irak begründet wurde.

• Westliche Schizophrenie und Wirtschaftskrieg gegen Russland
"Schizophrenie kann schön sein. Zumindest muss man das bei Regierungen wie der deutschen, der amerikanischen oder britischen vermuten. Deren Truppen treiben sich schon lange ohne jegliche Legitimation in Afghanistan rum oder auch im Irak. Die unterstützten - die USA und England mehr, die Deutschen weniger - mit Waffen und Geld in Libyen oder Syrien Separatisten. Rufen aber laut "haltet den Dieb", wenn etwas scheinbar Ähnliches von Russland in der Ukraine betrieben wird. Aber wenn man dann dringlich nach Beweisen für russische Untaten sucht, dann lagern die ausgewerteten Daten der Flugschreiber des Flug MH17 der Malaysia Airlines seit Wochen unveröffentlicht in Holland, die Protokolle des Funkverkehrs zwischen dem Flughafen Kiew und dem Absturzflugzeug liegen sogar seit Mitte Juli beim ukrainischen Geheimdienst SBU unter Verschluss, und die neuesten NATO-Satellitenbilder über russische Truppenbewegungen haben die Qualität schlechtester Hobby-Fälschungen. Macht nix, sagten die Steinmeiers im Dienste der USA beim jüngsten Außenminister-Treffen der EU und diagnostizieren eine "neue Dimension" in der Ost-Ukraine. So ist es bei Bewusstseins-Spaltungen: Der Balken im eigenen Auge macht die Splitter im fremden Auge erst so richtig sichtbar.
Nun also noch mehr Sanktionen als zuvor. Verkündeten die über den faden Schein eines Gedanken erhabenen Lenker der EU am Wochenende in Brüssel. Fällt jemandem auf, dass hier ein dringender Wunsch der USA erfüllt wird? Denn das Handelsvolumen der EU mit Russland ist zehnmal größer als das zwischen den USA und Russland. Die USA verlieren nichts, wenn sie die Wirtschaftsbeziehung zu Russland abbrechen. Denn Sanktionen haben zuweilen Bumerang-Charakter: Man will Putin treffen und hat wenig später das krumme Holz am eigenen Kopf.
...

Putin ist nach dem Verständnis der USA dabei, ein schweres Verbrechen zu begehen, das die Herren Saddam Hussein (Irak) und Muammar al-Gaddafi (Libyen) bereits Leben und Staat gekostet hat. Auch die hatten überlegt ihr Öl nicht mehr auf Dollarbasis zu verkaufen. Nun denkt man Russland darüber nach Gas und Öl künftig in Rubel, Euro oder der chinesischen Währung Yuan zu handeln. So kann man es in Zeitungen in Österreich und der Schweiz lesen. In deutschen Zeitungen kaum: Die sind längst das Papier nicht mehr wert, auf dem sie gedruckt werden. Da die völlig verschuldeten USA - deren Staatsverschuldung unvorstellbare 17.556 Milliarden Dollar beträgt - ihre Vormachtstellung nur halten kann, wenn der Ölpreis weiter an den Dollar gekoppelt ist, kann sie Putins Ankündigung nur als Kriegserklärung begreifen. Denn nur wenn der an den Ölpreis gebundene US-Dollar als globale Leitwährung Bestand hat, kann die USA weiterhin billiges Papier bunt bedrucken, behaupten es sei echtes Geld. Und damit jene Militärmacht finanzieren, die in fast jeder Ecke der Welt fast jeden, den sie zum Gegner erklärt, unterwerfen kann. Da sind Sanktionen, auch wenn sie Europa Geld und Arbeitsplätze kosten, vergleichsweise harmlose Drohungen.  ..." (U. Gellermann auf Rationalgalerie, 1.9.14)

• Was den Westen tatsächlich bedroht ...
... davon kündet u.a. die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Wostok, die in ihrem Heft 2-3/2014 neben zahlreichen Beiträgen zur Entwicklung in der Ukraine ein Dossier zur Eurasischen Wirtschaftsunion aus Weißrussland, Russland und Kasachstan veröffentlicht. Die drei Staaten hatten am 29.5.14 das entsprechende Abkommen unterzeichnet, wonach die Union am 1.1.15 in Kraft tritt. Russland hatte der Ukraine angeboten, dabei zu sein, wozu es bekanntermaßen nicht kam.
Die Zeitschrift gibt in einer Übersicht das Wirtschaftspotenzial der Euraischen Wirtschaftsunion wieder, die unausgesprochen belegen, warum der Westen diesen potenziellen Konkurrenten mit allen offenen und verdeckten Mittel bekämpft:
Danach liegt dieses regionale Integrationsprojekt bei der Gas- und der Ölförderung auf Platz 1 in der Welt. Die drei Staaten haben zusammen das weltweit zweitgrößte Eisenbahnnetz und liegen gemeinsam bei der Mineraldüngerproduktion ebenfalls auf Platz 2. Bei der Stromerzeugung liegen sie weltweit auf Platz 3. Das ist ebenso bei der Eisenproduktion der Fall, bei der Stahlproduktion liegen sie auf Platz 4, wie auch bei der Kohleförderung. In der Landwirtschaft ist der Wirtschaftsraum der weltweit drittgrößte Kartoffelproduzent, liegt bei Weizen auf Platz 4 und bei Fleisch auf Platz 5. Die drei Staaten haben gemeinsam das fünftgrößte Autostraßennetz und belegen im Maschinenbau Platz 6 der Weltproduktion.
Dieses Potenzial wird als mögliche Konkurrenz gesehen von jenen, die bisher die Weltwirtschaft dominieren, solange sie es nicht selbst unter Kontrolle haben und ausbeuten können.

• Slowakischer Premier kündigt Veto gegen weitere EU-Sanktionen an
"Der slowakische Premierminister Robert Fico ist gegen EU-Sanktionen in Bezug auf Russland aufgetreten und hat mit einem Veto gegen zusätzliche Maßnahmen gedroht, meldet Reuters unter Hinweis auf eine Erklärung des Premiers.
Die Europäische Union hatte am 1. August im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt. Die Maßnahmen werden im Laufe eines Jahres angewendet. Unter die Einschränkung fallen: der Zugang der größten russischen Staatsbanken und der staatlichen Korporation Bank für Außenhandel zu den europäischen Fonds, Lieferungen von EU-Ausrüstungen nach Russland für eine Reihe von Erdölprojekten, neue Verträge mit Russland über Import und Export von Waffen und der Verkauf von Waren doppelter Bestimmung an Russland für den Verteidigungssektor.  Die Sanktionen betreffen nur Geschäfte und Verträge, die seit dem 1. August geschlossen wurden. 
Der Europarat beauftragte in der Nacht zum Sonntag die EU-Kommission, im Laufe der Woche zusätzliche Sanktionen gegen Russland auszuarbeiten.
„Ich betrachte die Sanktionen als sinnlos und kontraproduktiv. Solange wir von den Ergebnissen der bereits verhängten Sanktionen nichts erfahren, hat es keinen Sinn, neue zu verhängen“, sagte Fico zu Journalisten. Der slowakische Premier fügte hinzu, gegen Sanktionen aufzutreten, die der Wirtschaft seines Landes schaden könnten. „Ich behalte mir das Recht vor, ein Veto gegen Sanktionen einzulegen, die den nationalen Interessen der Slowakei schaden“, betonte der Premier." (RIA Novosti, 31.8.14)

• Polnischer Präsident: Ostflanke der NATO stärken, um Europa vor den Kosaken zu beschützen
"Der polnische Präsident Bronisław Komorowski hat angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine vor einer Appeasement-Politik gegenüber Moskau gewarnt. Komorowski sagte im Deutschlandradio Kultur, der russische Präsident müsse davon abgehalten werden, neue politische Einflusssphären zu bilden. Nach der Krim gehe es jetzt um weitere Gebiete der Ukraine. Man müsse sich fragen, wo das ende. Komorowski betonte, eine Politik des Nachgebens führe zu nichts. ...
Komorowski: ... Russland hat in der Ukraine eine Invasion durchgeführt. Das ist eine Tatsache, die durch die Politik von Präsident Putin geschaffen wurde. Und Europa und die westliche Welt stehen nun vor der Frage: Wie darauf effektiv reagieren?
Es geht darum, ob wir das Russland von Präsident Putin davon abhalten können, neue politische Einflusssphären zu bilden. Denn Einflusssphären bedeuten die Wiedererrichtung des russischen Imperiums. Das hat einst bis zur Oder gereicht, bis zur Elbe und es gab sogar Pläne, es bis zu den Pyrenäen auszudehnen. Also wie können wir effektiv verhindern, dass Aggression stattfindet, Völkerrecht gebrochen wird und Menschenrechte mit Füßen getreten werden?
Hier geht es nicht nur um politische Interessen, sondern darum, was aus Europa wird: Ob es ein Europa der Kosaken wird oder ein demokratisches. ...
Deutschlandradio: Was würden Sie sich wünschen, um Putin aufzuhalten?
Komorowski: Ich finde, dass vor allem die Deutschen, aber auch die Polen, besondere Verantwortung dafür tragen, Lehren aus der Geschichte in Erinnerung zu rufen. In den 30er-Jahren fehlte dem damaligen Europa der Mut, den Revisionismus und die Gewaltanwendung Deutschlands zu stoppen, es galt die Appeasement-Politik, das Nachgeben gegenüber Hitler.
Darum müssen wir uns jetzt klarmachen, dass eine Politik des Nachgebens zu nichts führt. Sie ermutigt nur zu noch mehr Forderungen, so wie wir das jetzt erleben: Erst wurde die Krim gefordert, jetzt geht es schon um weitere Gebiete der Ukraine. Und alle fragen sich, wo das endet. Ich denke, dass die Sanktionen leider gerechtfertigt und notwendig sind, notwendig ist aber auch die Stärkung des NATO-Bündnisses. Und so wie sich die Lage entwickelt, geht es hier vor allem um die Ostflanke der NATO. Denn hier liegt die Gefahr, hier besteht das Potential für Aggression. Und wir wissen aus dem Leben des Einzelnen wie der Staaten, dass die Schwäche potenzieller Opfer zur Aggression ermutigen kann. Umgekehrt schreckt Stärke eine aggressive Politik ab. Darum bin ich für Stärke.
Deutschlandradio: Das heißt: mehr Waffen, mehr Soldaten?
Komorowski: Das heißt, mehr Sicherheit bedeutet immer höhere Ausgaben für die Modernisierung der Streitkräfte. Erinnern wir uns: Der Zusammenbruch der Sowjetunion, der Polen die Freiheit und Deutschland die Einheit gebracht hat, der war eine Folge des verlorenen Rüstungswettlaufs, des verlorenen Wettlaufs um wirtschaftliche Entwicklung. Daran zerbrach das Imperium. Heute sagt Präsident Putin ganz offen – wer das hören will, kann es hören, wer nicht, der nicht – Putin sagt, dass er das Imperium wieder aufbauen will. Ich hoffe, dass genügend Deutsche sich daran erinnern, was das bedeutet hat: ein sowjetisches Imperium in Europa. ..." (DeutschlandRadio Kultur, 30.8.14)

• Westliche Wut auf inszenierte Großmut aus Russland
"Auf der unmittelbaren Ebene ist Wladimir Putin mit seinem Aufruf an die Aufständischen im Donbass, die eingekesselten ukrainischen Truppen abziehen zu lassen und »unnötige Opfer zu vermeiden«, der Entspanner. Der russische Präsident tut jetzt genau das, was der Westen seit Genf Mitte April von ihm verlangt: »seinen Einfluß auf die Separatisten geltend zu machen«. Daß wütende ukrainische Politiker daraus den Beweis machen wollen, die Aufständischen würden von Moskau gelenkt, ist geschenkt und zeigt nur, daß die in Kiew herrschenden Oligarchen und Faschisten schlechte Verlierer sind.
Daß sie zumindest kurzfristig verloren haben, geben die intelligenteren unter den Anführern der Kiew-treuen Freiwilligenbataillone in ihren Facebook-Postings inzwischen offen zu. Andrij Bilezkij, Kommandant des berüchtigten Bataillons »Asow«, schrieb am Freitag vormittag, der Blitzkrieg sei vorbei. Jetzt müsse sich die Ukraine auf eine lange Defensive einstellen. Auch Semjon Semjontschenko vom Bataillon »Donbass« orientiert schon auf die Nachkriegsordnung, wenn er die Forderung nach dem Entsatz seiner Kämpfer damit begründet, daß sie für den Neuaufbau nach dem Krieg am Leben bleiben müßten – als Kader einer von Faschisten dominierten Ukraine. Daß die Führung der »Volksrepublik Donezk« als Bedingung für den Abzug die Entwaffnung der eingeschlossenen Truppen verlangt, ist nur verständlich. Aber Präsident Petro Poroschenko und Premier Arseni Jazenjuk werden dem ohnehin nicht zustimmen und lieber den heroischen Untergang ihrer Truppen wählen – so wie Hitler den der in Stalingrad eingeschlossenen 6. Armee.
Putin hat sich zu den Konditionen für einen »humanitären Korridor« nicht geäußert. Auf der symbolischen Ebene ist die Botschaft seines Appells ohnehin klar: Er inszeniert sich als Sieger der Auseinandersetzung, als Sieger zumal, der gegenüber dem geschlagenen Gegner Großmut beweist. Eine klassische Herrschertugend seit der Antike.
Und genau deshalb reagiert der Westen so wütend. Es reicht den Herrschenden in Washington, Brüssel und Berlin nicht aus, Rußlands Einflußsphäre um einige hundert Kilometer zurückgedrängt zu haben – bis dorthin, wo die Wehrmacht im Frühjahr 1943 stand. Sie wissen, daß schon dies für Rußland unannehmbar ist, aber sie wollen das Land und Putin persönlich zusätzlich demütigen. Schon kann man lesen, das eigentliche Ziel des Ukraine-Konflikts sei der »Regime Change« in Rußland: ein Sturz Putins. ..." (Reinhard Lauterbach in junge Welt, 30.8.14)

Nachrichtenmosaik Ukraine Folge 61

Gesammelte Nachrichten und Informationen zu den Ereignissen in der Ukraine und deren Hintergründen, ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit und fast ohne Kommentar (wird im Rahmen der Möglichkeiten laufend aktualisiert)

Es ist nicht einfach, nach etwa zwei Wochen Abwesenheit vom aktuellen Geschehen das Nachrichtenmosaik zur Ukraine wieder aufzunehmen. Ich versuche es dennoch und werde zuerst eine Art Rückblick vornehmen und mich auf Hintergründe konzentrieren. Dabei darf ebenso wie bisher keine Vollständigkeit von mir erwartet werden. Ich kann weiterhin nur Mosaiksteine bieten, die helfen, ein Bild von den Ereignissen und deren Hintergründen zusammenzufügen. Und wie bei den Folgen zuvor gebe ich in der Regel nicht wieder, was ausführlich vom medialen und politischen Mainstream an antirussischer Meinungsmache und Kriegshetze zu lesen, zu hören und zu sehen ist. Das können jede und jeder, die und der will, an den entsprechenden Stellen selber zur Genüge lesen, hören und sehen.
An den Grundlinien des Konfliktes in der Ukraine und um sie herum sowie an dem Krieg der Kiewer Machthaber in der Ostukraine hat sich – leider – nichts geändert. Nur in Moskau scheint langsam die Zurückhaltung aufgegeben zu werden angesichts des unverminderten westlichen und Kiewer Kurses der Konfrontation gegenüber Russland bis hin zu Vorwürfen einer „Invasion“ bzw. Aggression durch russische Truppen.

Weggelassene Bilder und das eigentliche Ziel

 
• Die Schweizer Weltwoche vom 14.8.14 fragte unter der Ankündigung „Showdown in der Ukraine“ auf der Titelseite auf Seite 22: „Sind wir denn im falschen Film?“. Die Wochenzeitung, die garantiert nicht zu den vermeintlichen „Putin-Verstehern“ gehört, wies u.a. darauf hin, dass westliche Medien Fotos von Poroschenko im Kampfanzug nicht veröffentlichten. Auch nicht jene, auf denen zu sehen ist, wie der ukrainischen Präsident mit einem schweren MG eines Schützenpanzerwagens rumschiesst, bis das Magazin alle ist. Die Weltwoche zeigte eines davon und schrieb dazu: "Man reibt sich die Augen, und man wundert sich, ob man noch im richtigen Film sitzt. Sind denn die Rollen nicht klar verteilt: Kriegstreiber ist Kremlchef Putin, Kriegsopfer ist die Ukraine. Daher sieht man die Bilder, die Poroschenko beim Kriegsspiel zeigen, in westlichen Medien nicht. Sie würden nicht ins Narrativ passen.Weiter war zu lesen, dass Moskau zwar die Aufständischen unterstütze, angeblich auch mit Waffen. „Aber Angriffe auf die Zivilbevölkerung und die Vertreibung von Hunderttausenden aus ihren Wohnungen kann man Putin nicht vorwerfen. Die knapp 21000 Soldaten, die Russland an der Grenze zusammengezogen hat, würde jeder Staat aufbieten, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft ein heisser Konflikt ausgetragen wird. Für eine Invasion reicht dieses Aufgebot indes nicht.“
Weltwoche
-Autor Wolfgang Koydl findet die selten gestellte Frage interessanter, „wie aus der schlechtausgebildeten und -bewaffneten ukrainischen Tölpeltruppe so schnell eine schlagkräftige Profi-Armee werden konnte“. Die Antwort sei ganz einfach: „Die Amerikaner lassen ihre neuen Freunde nicht im Stich.“ Die New York Times habe zuvor angedeutet, dass Kiew vom US-Kriegsministerium Pentagon taktische Daten über die Positionen der Aufständischen erhalten könne. „Eine enge Zusammenarbeit der Geheimdienste Washingtons und Kiews ist spätestens seit der Kiew-Reise von CIA-Chef John Brennan im April ein offenes Geheimnis. Auch diese Visite hatte, so wie der ebenfalls von den USA angeordnete Kurztrip Rasmussens, nur ein Ziel: Moskau in die Schranken zu weisen.“ Koydl machte auf ein im Westen weitgehend verschwiegenes Beispiel für die traditionsreiche US-amerikanische „handfeste militärische Unterstützung für Moskaus Gegner“ aufmerksam: „Auf dem Höhepunkt des russisch-georgischen Krieges flog die amerikanische Luftwaffe im August 2008 im Irak stationierte georgische Truppen nach Tiflis, damit sie rascher nach Südossetien und Abchasien an die Front verlegt werden konnten.“ In Moskau sei dieser Affront „bis heute nicht vergessen“.
Koydl erinnerte auch an die militärischen Aspekte des EU-Assoziierungsabkommens: „Das kann sich nur gegen Russland richten.“ Poroschenko brauche zudem den Krieg dringender als Putin, um die katastrophale Lage der Ukraine zu vertuschen. Und: Eine militärische Niederlage der Aufständischen in der Ostukraine diene den Interessen des Westens, „weil dieser eigentlich weiss, dass Sanktionen Russland nicht in die Knie zwingen werden“. „USA streben Machtwechsel in Moskau an“, so eine Zwischenüberschrift des Beitrages. In Russland sei klar, dass es dem Westen „gar nicht mehr in erster Linie um die Ukraine geht“. Stattdessen sei Washingtons „unverhülltes“ Ziel der Reigmechange in Moskau. „Als Minimalziel soll Putin so weit geschwächt werden, dass er unfähig ist, aussenpolitisch zu agieren – ein zweiter Boris Jelzin also, nur diesmal nüchtern und nicht ständig betrunken.“ Auch Russlands führende Stellung auf dem Welt-Gas-Markt habe die „Fracking-Nation Amerika“ im Visier, stellte Koydl fest. Die EU-Staaten könnten „mittlerweile noch nicht einmal mehr zwischen der Ukraine und Russland vermitteln.“ Denn: „Sie sind Partei, weil sie sich von Anfang an auf die Seite der Ukraine geschlagen haben.“ Vorschläge und Pläne aus Berlin, Paris oder Brüssel für eine friedliche und politische Lösung des Ukraine-Konfliktes durch Verhandlungen seien nicht zu vernehmen gewesen. Dagegen seien die letzten Kompromissangebote aus Moskau gekommen, „ein Minderheitenstatut, grössere Autonomie für die einzelnen Regionen – alles vernünftig, alles logisch“. Doch das habe der Westen nicht einmal abgelehnt, sondern einfach ignoriert.
Anmerkung von mir: Das war vor etwa zwei Wochen zu lesen.

USA riskieren Krieg mit Russland


• Warum riskiert Washington einen Krieg mit Russland? Das fragten die Journalistin Katrina vanden Heuvel und der Politikwissenschaftler Stephen F. Cohen in der August-Ausgabe der US-amerikanischen Zeitschrift The Nation. Es sei nicht nur ein neuer „Kalter Krieg“ im Gange, sondern der Krieg in der Ostukraine drohe sich zu einem zwischen der US-geführten NATO und Russland auszuweiten. Der Abschuss des malaysischen Verkehrsflugzeuges mit der Flugnummer MH17 über der Ostukraine am 17. Juli 2014 hätte eigentlich für die „US-gestützte Regierung in Kiew“ Grund sein müssen, im Gedenken an die 298 Opfer einen Waffenstillstand auszurufen und Friedensgespräche zu beginnen. Doch stattdessen habe Kiew, unterstützt von Washington, seine Angriffe auf die von den Aufständischen gehaltenen Gebiete intensiviert, um sie von „prorussischen 'Terroristen'“ zu „befreien“.
Vanden Heuvel und Cohen schrieben: „Fakt ist, dass Kiew seit Monaten Washingtons militärischer Stellvertreter gegen Russland und dessen ‚Landsleute‘ in der östlichen Ukraine war.“ Seit Beginn der politischen Krise in der Ukraine seien US-Außenminister Jon Kerry, CIA-Direktor John Brennan und US-Vizepräsident Joseph Biden in Kiew gewesen, gefolgt von hochrangigen Pentagon-Beamten, US-Militärausrüstung und Finanzhilfe. Ein hochrangiger Beamter des US-Kriegsministeriums habe den US-Senat offiziell informiert, dass Berater aus den USA in das ukrainische Kriegsministerium „eingebettet“ wurden. Kiew würde den Krieg gegen seine eigenen Bürger in der Ostukraine ohne die politische, wirtschaftliche und militärische Unterstützung durch die Obama-Administration nicht führen können, so die beiden Autoren. Die Ukraine sei bankrott, ihre industrielle Infrastruktur beschädigt und das Land in einem politischen Durcheinander, sich ultranationalistischer Milizen bedienend und Männer bis 60 Jahren einberufend. Das alles werde von den irreführenden Behauptungen aus Washington und der Mainstreammedien begleitet, dass die Ursache für die Krise der Ukraine die „Aggression“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin sei. „In Wirklichkeit war dessen Rolle größtenteils eine Reaktion.“ Die Autoren erinnerten daran, dass die EU, unterstützt vom Weißen Haus, im November 2013 die Krise auslösten, indem sie Putins Angebot eines gemeinsamen Finanzplanes von EU, Russland und der USA ablehnten und stattdessen den gewählten Präsidenten der Ukraine Wiktor Janukowitsch vor die unnötige und provokative Wahl einer „Partnerschaft mit Europa oder mit Russland" stellten. Das war verbunden mit harten finanziellen Bedingungen und militärischen und Sicherheits-Verpflichtungen. „Nicht überraschend“ habe sich Janukowitsch für das „wesentlich günstigere finanzielle Angebot von Putin“ entschieden. Die Straßenproteste gegen Janukowitschs Entscheidung  seien so gewalttätig geworden, dass europäische Außenminister einen von Putin stillschweigend unterstützten Kompromiss vermittelten. Doch dieser sie durch die Gewalt auf den Straßen hinweggefegt worden, Janukowitsch floh und eine neue Regierung wurde gebildet. „Das Weiße Haus unterstützte eilig den Staatstreich.“ Putins Reaktion sei absehbar gewesen, stellten vanden Heuvel und Cohen in The Nation fest, „wenn in Washington irgendein professioneller Nachrichtendienst existierte“ (vielleicht meinten die Auoren mit "intelligence" auch einfach nur Intelligenz ...). Die jahrzehntelange NATO-Erweiterung an die russische Grenze und der 2008 noch abgelehnte US-Vorschlag, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, hätten ihn überzeugt, dass die neue US-gestützte Regierung in Kiew alles in der Ukraine in Besitz nehme, einschließlich der „historischen russischen Provinz Krim mit der wichtigsten Marinebasis“, worauf im März „Putin die Krim annektierte“. Ebenso vorhersehbar gewesen seien die Kreml-Reaktionen auf die Entwicklungen in Folge der Kiewer Antwort auf die ostukrainische Rebellion gegen den Staatsstreich vom Februar, die innerhalb von Wochen zu einem Bürgerkrieg mit bedrohlichem internationalen Auswirkungen führte.
Die beiden Autoren erinnerten daran, dass Putin und der russische Außenminister Sergej Lawrow seit April wiederholt einen Waffenstillstand und Verhandlungen zwischen Kiew und den Aufständischen forderten. Kiew habe dagegen, von der Obama-Regierung unterstützt, eine für Verhandlungen ausreichend lange Feuerpause verweigert und stattdessen den Krieg gegen die eigenen Bürger intensiviert. Das Weiße Haus habe laut der New York Times eine weitere Eskalation erwogen, mit mehr schlimmen Folgen. Aus historischen, nationalen und geopolitischen Gründen sei es unwahrscheinlich, so vanden Heuvel und Cohen, dass Putin oder jede andere erdenkliche Kreml-Chef zulasse, dass die Ostukraine an Kiew falle, damit nach Moskauer Vorstellungen an Washington und die NATO. Eine mögliche Unterstützung für die Aufständischen in der Ostukraine durch schwere Waffen aus Russland könnte für Putin die einzige Alternative zu einer direkten militärischen Intervention sein, da Moskaus diplomatische Angebote abgelehnt werden. Letzteres könne auf den Einsatz russischer Kampfflugzeuge zum Schutz der Ostukraine vor Kiews Boden- und Luftangriffen sein, oder auch nicht, so die Autoren. Sie warnen davor, dass ein voller Krieg in Gang komme, wenn sich die Falken auf beiden Seiten durchsetzen. Für informierte Beobachter sei der Weg klar: Eine sofortige Waffenruhe durch Kiew müsse Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine einleiten, deren allgemeine Konturen allen Beteiligten an dieser verhängnisvollen Krise bekannt sein müssten.

Den Krieg muss beenden, wer ihn begann


• Stephen Cohen warnte mit einem weiteren, am 12.8.14 auf der Website der Zeitschrift The Nation veröffentlichten Beitrag davor, dass die US-amerikanischen Trugschlüsse in einen Krieg mit Russland führen könnten. Es handele sich um die „schlimmste und potenziell gefährlichste amerikanisch-russische Konfrontation in vielen Jahrzehnten, wahrscheinlich seit der Kuba-Krise von 1962“. Der ukrainische Bürgerkrieg, ausgelöst durch den „rechtswidrigen Regierungswechsel in Kiew im Februar“, wachse aus in einen Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Russland. „Das scheinbar Undenkbare wird vorstellbar: Ein tatsächlicher Krieg zwischen der NATO, geführt von der USA, und dem postsowjetischen Russland.“ Der gegenwärtige neue „Kalte Krieg“ sei potenziell gefährlicher als sein Vorgänger, so Cohen. Der US-Politikwissenschaftler machte auf mehrere Gründe dafür aufmerksam: Das neue „Epizentrum“ sei nicht mehr wie Berlin weit von Moskau entfernt, sondern in unmittelbarer Nähe Russlands, was mögliche Fehleinschätzungen, Pannen und Provokationen noch gefährlicher mache. Noch gravierender sei das Risiko eines möglichen Atomwaffeneinsatzes. Moskauer Militärstrategen hätten darauf aufmerksam gemacht, dass Russland seine taktischen Atomwaffen einsetzen könne, wenn es sich von einer überlegenen konventionellen NATO-Streitmacht bedroht sehe. „Die anhaltende US-NATO-Einkreisung Russlands mit Basen, ebenso durch die land-und seegestützte Raketenabwehr, erhöht nur diese Möglichkeit.“ Außerdem fehlten anders als beim ersten „Kalten Krieg“ gegenseitige Regeln der Zurückhaltung, wie sie durch die Kuba-Krise 1962 entwickelt worden seien. Cohen warnte vor den „Ressentiments, Vorurteilen und Fehlinformationen sowohl in Washington und Moskau“, die solche gegenseitigen Beschränkungen erschwerten. Dazu gehöre die Dämonisierung Putins in einer Weise wie nicht mehr seit Stalins Tod. Zudem gebe es anders als beim Vorgänger bei diesem „Kalten Krieg“ keine wirksame Opposition in den USA – „nicht in der Regierung, dem Kongress, den etablierten Medien, den Universitäten, den Think Tanks oder in der Gesellschaft“. Heute seien die Befürworter einer Entspannung anders als in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts keine „erhebliche Minderheit mit Verbündeten in hohen Positionen, auch im Kongress und im State Department“. Das gehe soweit, dass selbst er als „nützlicher Idiot“ und „Freund Putins“ und noch heftiger angegriffen und diffamiert werde. Diese neuen „Kalten Krieger“ verstünden nicht, „dass die aktuelle US-Politik katastrophale Folgen für die internationale und amerikanische Sicherheit haben kann“. „Die Gefahren und Kosten des anderen längeren kalten Krieges werden unsere Kinder und Enkelkinder plagen.“ Diese rücksichtslose Politik, samt der „unerbittlichen Dämonisierung von Putin“ habe Washington bereits „einen wichtigen Partner im Kreml in lebenswichtigen Bereichen der US-Sicherheit gekostet – von Iran, Syrien und Afghanistan bis zu den Bemühungen, die Verbreitung von Atomwaffen und den internationalen Terrorismus zu bekämpfen“.
Der neue „Kalte Krieg“ beruhe „fast ausschließlich auf trügerischen Meinungen“, stellte Cohen in seinem Beitrag fest und stellte dem die Fakten gegenüber. Dazu gehöre der Trugschluss, dass Washington Russland nur helfen und unterstützen wolle, ein demokratisches und starkes Mitglied des westlichen Systems der internationalen Sicherheit zu werden, was Moskau und besonders Putin aber ablehnten. Dagegen sei Fakt, dass seit den 1990er Jahren „jeder amerikanische Präsident und Kongress das post-sowjetische Russland als besiegte Nation mit minderwertigen legitimen Rechte im In- und Ausland behandelt“ habe. Dieser „triumphierende, winner-take-all-Ansatz“ habe u.a. zur Ausdehnung der NATO  und in Russlands traditionelle Bereiche der nationalen Sicherheit eingegriffen. Dazu habe frühzeitig die Ukraine gehört. Ein einflussreicher Kolumnist der Washington Post habe im Jahr 2004 erklärt: "Der Westen will den mit dem Fall der Berliner Mauer begonnenen Job beenden und setzt Europas Marsch nach Osten fort. ... Der große Preis ist die Ukraine." Der nächste Trugschluss sei, dass die Ukraine als Nation und ein „ukrainisches Volk“ existierten, die dem jahrhundertelangen russischen Einfluss entkommen wollten und sich nach dem Westen sehnten. Dem stellte Cohen entgegen: „Wie jeder informierte Mensch weiß, ist die Ukraine ein lange geteiltes Land, durch ethnische, sprachliche, religiöse, kulturelle, wirtschaftliche und politische Unterschiede geteilt – insbesondere seine westlichen und östlichen Regionen, aber nicht nur.“ Die Ukraine sei 2013 bei Beginn der Krise nicht ein einziges Volk oder eine einheitliche Nation gewesen. Einige dieser Trennlinien seit Jahrhunderten seien seit 1991 durch die korrupte Elite vertieft worden. Als weiteren Trugschluss benannte der Autor die Behauptung, die EU habe im November 2013, unterstützt von Washington, Janukowitsch eine Assoziation mit Europas Demokratie und Wohlstand angeboten. Janukowitsch sei bereit dafür gewesen, aber Putin habe ihn eingeschüchtert und bestochen, was zu den Maidan-Protesten und allen weiteren Folgen geführt habe. Dem widersprach Cohen damit, dass der EU-Vorschlag eine „rücksichtslose Provokation“ gewesen sei, die den demokratisch gewählten Präsidenten eines tief gespaltenen Landes zwang, zwischen Russland und der EU zu wählen. Das gelte auch dafür, dass die EU Putins Gegenvorschlag für einen russisch-europäisch-amerikanischen Plan für die Rettung der Ukraine vorm Finanzkollaps ablehnte. Das EU-Angebot sei allein nicht wirtschaftlich umsetzbar. Nur geringe Finanzhilfe anbietend, fordere es von der Ukraine harte Sparmaßnahmen und starke Einschnitte in die langjährigen Wirtschaftsbeziehungen mit Russland. Ebenso wenig sei es „gutartig“, denn es binde die Ukraine an Europas Militär- und Sicherheits-Politik, „was im Endeffekt die Allianz, die NATO meint, ohne diese zu nennen“. „Kurz gesagt, es war nicht Putins angebliche ‚Aggression‘, die heutige Krise auslöste, sondern eine Art Aggression mit Samthandschuhen durch Brüssel und Washington, um die gesamte Ukraine in den Westen, einschließlich (im Kleingedruckten) in die NATO, zu bringen.
Cohen wandte sich auch gegen den Trugschluss, dass der sich ausweitende Bürgerkrieg durch Putins aggressive Reaktion auf die friedlichen Maidan-Proteste gegen Janukowitschs Nein ausgelöst wurde. Fakt sei dagegen, dass im Februar 2014 die radikalisierten Maidan-Proteste stark von extrem nationalistischen und semi-faschistischen Straßenkampftruppen beeinflusst und gewalttätiger wurden. Diese hätte die Hoffnung auf eine friedliche Lösung, vermittelt durch europäische Außenminister, hinweggefegt. „Europa und Washington haben ihre eigene diplomatische Übereinkunft nicht verteidigt.“ Janukowitsch sei nach Russland geflohen, Minderheitsparteien, auf dem Maidan präsent und westlich orientiert, darunter die „Svoboda“, bildeten eine neue Regierung und erklärten die Verfassung für ungültig. Washington und Brüssel begrüßten den Staatsstreich und unterstützten was danach kam. „Alles was folgte, von Russlands Annexion der Krim und der Ausbreitung der Rebellion im Südosten der Ukraine bis zum Bürgerkrieg und Kiews ‚Anti-Terror-Operation‘ wurde von dem Februar-Putsch ausgelöst. Putins Aktionen waren meist reagierend.“ Der nächste Trugschluss sei, dass für einen Ausweg aus der Krise Putin seine „Aggression“ beenden und seine „Agenten“ aus der südöstlichen Ukraine zurückrufen müsse. Fakt sei stattdessen, dass die Ursachen der Krise in den inneren Spaltungen der Ukraine liegen, nicht in erster Linie in Putins Aktionen. Die „anti-terroristische“ Militärkampagne Kiews gegen seine eigenen Bürger habe die Krise seit Mai zuallererst eskalieren lassen. Putin beeinflusse und unterstütze ohne Zweifel die Aufständischen. Angesichts des Drucks auf ihn in Moskau werde er das wahrscheinlich auch weiterhin tun, vielleicht sogar mehr, „aber er hat keine Kontrolle über sie“, so Cohen. „Wenn Kiews Angriff endet, kann Putin wahrscheinlich die Rebellen zwingen, zu verhandeln. Aber nur die Obama-Regierung kann Kiew zum Stopp zwingen, und sie hat das nicht getan.
20 Jahre US-Politik hätten zu dieser „schicksalhaften amerikanisch-russischen Konfrontation“ geführt, stellte Cohen fest. Es gebe in der Politik und in der Geschichte immer Alternativen. Eine sei die des ausgeweiteten Krieges, in den russische und Militärkräfte der NATO einbezogen werden, eine andere die der in zwei Staaten geteilten Ukraine. Die beste wäre aber eine weiterhin einheitliche Ukraine auf Grundlage von Verhandlungen zwischen Vertretern aller Regionen, einschließlich des rebellischen Südostens, und unter Schirmherrschaft Washingtons, Moskaus und der EU, wie sie von Russland seit Monaten vorgeschlagen wurden. „Aber solche Verhandlungen können selbst nicht beginnen bis Kiew militärischer Angriff auf den Osten der Ukraine endet. Russland, Deutschland und Frankreich haben wiederholt zu einem Waffenstillstand aufgerufen, aber die ‚Anti-Terror-Operation‘ kann am Ende nur dort enden, wo sie begann – in Kiew und Washington.“ Cohen schrieb auch von der Hoffnung, dass am Ende eine Minderheit, die derzeit als „Ketzer“ angesehen werde, doch etwas bewirken und zu etwas Neuem führen könne:

Im Zusammenhang mit den Beiträgen in The Nation sei noch einmal auf jenen von John J. Mearsheimer zum Thema in der US-Zeitschrift Foreign Affairs, Ausgabe Sepember/Oktober 2014, hingewiesen, auf den bereits der Blogger Mopperkopp am 26.8.14 auf freitag.de aufmerksam machte. Die Zeitschrift Internationale Politik und Gesellschaft der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung hat ihn inzwischen auf ihrer Website in einer deutschen Übersetzung veröffentlicht. Auf solche Stimmen aus den USA und andere ähnliche aufmerksam zu machen erscheint anhaltend notwendig, gerade angesichts der nicht veränderten westlichen Politik in der Ukraine und gegenüber Russland, samt aller begleitenden medialen und politischen Meinungsmache, die leider weiter wirkt.

Dienstag, 2. September 2014

Nachtrag zum Weltfriedenstag

Ein grafischer Nachtrag zum Weltfriedenstag, dem 1. September, an dem vor 75 Jahren mit dem Überfall des faschistischen Deutschland auf Polen der 2. Weltkrieg begann.

 Eine weiße Taube, gesehen und fotografiert am 30. August 2014 in Nantes (Frankreich), das Bild wurde grafisch bearbeitet von mir